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Kinowoche 17/2014 ab 24.04.2014: Transcendence, Irre sind männlich, Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe und Amazonia - Abenteuer im Regenwald

TRANSCENDENCE" von Wally Pfister (USA 2013; B: Jack Paglen; K: Jess Halle; M: Mychael Danna; 119 Minuten); als Kamera-As hat sich der 52jährige Walter „Wally“ Pfister einen hervorragenden Namen gemacht. Vor allem seine Zusammenarbeit mit dem derzeit innovativsten Hollywood-Regisseur - Christopher Nolan - war besonders erfolgreich. Für vier ihrer beider Filme, „Batman Begins“, „The Dark Knight Rises“, „Prestige – Der Meister der Magie“ und „Inception“, wurde er für den Kamera-„Oscar“ nominiert; für „Inception“ gewann er 2011 die begehrte Trophäe. Für seinen ersten Regie-Film hat er sich ein aktuelles Thema ausgewählt: Die fortschreitende digitale Macht auf der Erde. Im fiktionalen Heute. Wo der Mensch auf Deibel komm ´raus forscht und forscht und erfindet und erfindet, egal, ob es ihm, dem Menschen, nutzt oder nicht. Hauptsache, es kommt „dabei“ „was ´raus“. Also ganz etwas Neues. Spektakuläres. Fortschrittliches. Verkaufbares. Also profitables. Völlig salopp gesprochen. Und unwissenschaftlich.

Hollywoods Superstar JOHNNY DEPP, 50, dessen Karriere derzeit still steht, siehe zuletzt „Lone Ranger“, mimt einen Hochkaräter von Wissenschaftler, Dr. Will Caster. Zusammen mit seiner Ehefrau und Kollegin Evelyn (REBECCA HALL) und seinem besten Freund Max Waters (PAUL BETTAMY) hat er einen „intelligenten“ Supercomputer entwickelt. Der über menschliche Emotionen verfügt und diese selbständig zu reflektieren versteht. Allerdings nicht aus gierigem (geldwertem oder politischem) Eigennutz, sondern als Human-Hilfe für die Menschheit. In der Zukunft: Wo alles friedlicher und sauberer zugehen soll. In Sachen Versorgung und Umwelt. Kurz vor Vollendung ihres visionären Produktes wird auf Will ein Attentat verübt.

Radikale Technologie-Gegner wollen mit aller Macht (und Gewalt) verhindern, dass eine Art „Pixel-Gott“ geschaffen wird. Entsteht. Fast tot, dirigiert der gute Doktor seinen letzten Versuch. An sich selbst. Sein menschliches Bewusst-Sein wird digitalisiert. Was soviel bedeutet, dass sein Gehirn mit diesem fast fertigen Supercomputer verbunden, vernetzt wird. Fortan ist Dr. Will Caster zwar „irdisch“ tot, lebt aber über den Bildschirm kommunikativ weiter. Ist fortan ständig „lebendig“ auf dem Schirm. Kann von dort mit-bestimmen, mit-verfügen, wie es nun weitergeht. Mit der Masse von Daten, mit „den Dingen“ unseres Lebens, mit der Menschheit überhaupt. Denn jetzt bekommt und besitzt der immer klüger werdende Daten-Mensch ALLE verfügbaren Informationen, die für einen „totalen Herrscher“, präziser: Alles-Wisser, also Alles-Bestimmer, Welt-Führer, zusammenlaufen. Was er „damit“ dann anstellt… weiß der Gott-Geier.

Deshalb wird der eingangs seriös, im Dienste der Menschheit aufgetretene Forscher Will zu einer – möglichen – weltlichen Gefahr. Sein Appetit nach Informationen, Daten, also MACHT, ist jedenfalls riesig. Ebenso wie nach seinem Sauerstoff = Energie: „Schaltet mich online, ich brauche mehr Kraft“. Solange seine Evelyn hier, im irdischen Da-Sein, weiterhin zu ihm steht, „mitmacht“, ihn versorgt, wird ER immer unangreifbarer. Was die Widerständler erneut und nun „umfangreicher“ auf den aktiven wie aggressiven Plan ruft. Übrigens - unter deren vielen anonymen Gesichtern dort ist nun auch MORGAN FREEMAN als Joseph Tagger, einstiger Mentor von Will, zu erkennen. Der inzwischen die Seiten gewechselt hat. Aus dem Fiction-Movie „Transcendence“ wird jetzt ein Cyber-Thriller.

Allerdings kein besonders guter. Positiv: Wally Pfister argumentiert, natürlich, lange Zeit mit einer beeindruckenden erzählerischen Optik. Seiner „Hausmannskost“. Über die atmosphärischen Motive seines Kameramannes Jess Halle. Wenn an einem lausigen, staubigen Wüsten-Ort, so etwas wie „Cyber-Town City“ entsteht. Ober- wie unterirdisch. Mit diesen vielen Monitoren. Dem blinkenden Sein. Mit den weißen riesigen engen Gängen. Und überhaupt: Diese verstörende glänzende Mechanik. Beziehungsweise: Wenn Technik eine Seele verpasst bekommt. Dann ist der Film in seinem spannend-faszinierenden Denk-Element. Weiß sich aufzuplustern. Mit Erinnerungen an den einstigen sprechenden Computer-Star: HAL 9000. In Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“ von 1968. Wo die vom Menschen entwickelte „Mechanik“ sich als künstliche Intelligenz positionierte, um dann ein unberechenbares Eigenleben zu entwickeln. Wie hier auch. Wo der Film zunehmend – negativ – zwischen lärmender Zukunftswarnung und triefendem Öko-Pathos hin und her schlingert. Zu einem „Krimi“ mit faden herkömmlichen Spannungsmustern mutiert. Mit kaum identifizierbarem „grünem“ wie kaltem „Gegen“-Personal, das marionettenhaft-anonym bleibt und blödsinnigerweise immer erst schießt und dann argumentiert.

Was kürzlich Spike Jonze mit „HER“ so eindrucksvoll gelang, nämlich eine faszinierende Reflexion über denk-bare, baldige „Moderne Zeiten“ herzustellen, in der unsere hochentwickelte Technik zu Vereinsamung und Künstlichkeitsprotz, also zu einem leeren Ersatzleben führt, verkommt hier letztlich zu einem konventionellen Hauen und Schießen. Mit dann sogar ganz putzigen Zombie-Mutanten. Während der eher stark unterkühlte Johnny Depp seinen gierigen Strom-Despoten nur als Behauptung bedient und nicht als furchteinflößende Macht-Figur ´rüberkommt. Wie erklärt.

Da fällt mir ein, clevere Filmleute hierzulande (wenn es die denn gibt) wären doch jetzt gut beraten, mal wieder den alten verbrecherischen Preußen-Dreckskerl Dr. Mabuse zum filmischen Spannungsleben zu erwecken. Hätte doch ´was: Das ewige Duell um die Weltherrschaft wird jetzt am und im HIESIGEN Rechner ausgetragen… (= 3 PÖNIs).

IRRE SIND MÄNNLICH" von Anno Saul (D 2013; B: Philip Voges, Ilja Haller; K: Carl -Friedrich Koschnick; M: Peter Horn, Andrej Melita; 93 Minuten); hört sich titel-originell an. Und bleibt das einzig Originelle an und bei dieser lausigen Produktion. Kürzlich wurden ja die vielen (Steuer-)Gelder bekannt gegeben, mit denen Til Schweiger & Matthias Schweighöfer ihre neuesten Komödien-Projekte gefördert bekommen. Dies hier ist sozusagen ein Dazwischen-Schweiger-höfer-Unfug. Mit Kurzauftritt Schweighöfer. Gedreht vom 50jährigen ehemaligen Dozenten an der Internationalen Filmschule Köln, Anno Saul, der 2006 die Spaßbremse „Wo ist Fred?“ (mit Til Schweiger in der Hauptrolle) und 2009 den spannungslosen Thriller „Die Tür“ schuf. In seiner neuen Beziehungscomedy "Irre sind männlich“ sind bzw. erscheinen alle nur noch – völlig unkomisch - bekloppt. Wie die Titelhelden Daniel (FAHRI YARDIM) und Thomas (MILAN PESCHEL).

Sie sind irgendwie erfolgreiche Programmierer. Und oberflächliche Deppen. Mit vielem „gestörtem“ Gerede und gänzlich ohne Sprüche-Charme. In Sachen und Richtung Frauen. Daniel hat das Problem, zu sehr bei Freundin Mia (JOSEFINE PREUß) „zu klammern“, was auch schon seine Mutter, die prominente Beziehungstherapeutin Gabriele (GITTA SCHWEIGHÖFER), moniert. Von wegen ist das peinlich. (In der Tat). Und was schließlich Mia abhauen lässt. Kumpel Thomas dagegen „kann“ überhaupt keine Bindung und bumst sich gerne unverbindlich durch die Nächte. Hilfe für beide sollen - Therapien bringen. Erst im kleinen Rahmen, dann bei einem namhaften Psycho-Guru (muss der gute HERBERT KNAUP sich SO WAS antun?). Im Herrenhaus-Ambiente. Auf dem schönen Land. Mit natürlich unterschiedlichen Motivationen. Also für Daniel in „echt“, während der dauergeile Thomas nur nach „neuer Beute“ giert. Natürlich rutscht bei beiden DABEI „die große Liebe“ durch. Also dazwischen. Was u.a. „Anwältin“ MARIE BÄUMER als „geile Gleichgestörte“ wie Thomas auf den „akrobatischen“ Gefühlsplan ruft. Und ihn, den Thomas, völlig umpolen lässt. Motto: Jetzt winkt brav der Bausparvertrag. Bei Daniel dauert es ein wenig länger, bis er zum Spießer gereift ist.

Was für ein vorhersehbarer, lahmer, humorloser Schrott. In dieser weiteren belanglosen deutschen Belanglosigkeitskomödie. Mit dussligen eindimensionalen Pappkameraden und /Innen, die völlig unsympathisch mit ihrem spätpubertären Gehabe und ihren platten Sprüchen fürchterlich nerven. Und entsetzlich langweilen. Während eine plärrende 08/15 Pop-Musik mit Gesangsgesülze das Ganze auch noch akustisch penetrant begleitet. Keine Unterhaltung ersichtlich. Oder hörbar. Völlig ohne Humor. Absolut enttäuschend-doof.

Eine neue deutsche (Ur-Opa-)Komödie. Gefördert von: FilmFernsehFond (FFF) Bayern; Filmförderungsanstalt (FFA); Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) sowie Deutscher Filmförderungsfond (DFFF) (= ½ PÖNI; für einen Halb-Gag, irgendwo).

GABRIELLE – (K)EINE GANZ NORMALE LIEBE" von Louise Archambault (Co-B + R; Kanada 2013; Co-B: Valérie Beaugrand-Champagne; K: Mathieu Laverdière; M / Chor: Hélène-Elise Blais; 104 Minuten); SIE ist ein wunderbares Temperamentsbündel, Gabrielle (GABRIELLE MARION-RIVARD), Anfang 20 und voller ansteckender Lebensfreude. Beide, die Filmfigur wie ihre Darstellerin, sind mit einem genetischen Defekt zur Welt gekommen, dem Williams-Beuren-Syndrom. Einer geistigen Behinderung, die sie aber auch besonders mit einer starken Sensibilität für Klänge und Musik „ausstattet“.

Gabrielle lebt ihre Freude am Gesang in einem speziellen Chor für behinderte Menschen aus. Liebt dort die energetischen Herausforderungen. Zumal es jetzt um einen größeren Demnächst-Auftritt geht. In Freiluft, vor Tausenden, mit dem franco-kanadischen Star-Sänger ROBERT CHARLEBOIS. (Der sich selbst spielt). Als sie bei den Proben den ebenfalls sangesbegeisterten Martin (ALEXANDRE LANDRY) kennenlernt, der als Hilfskraft in einer Tierhandlung tätig ist, ist es die große Liebe. Natürlich gestaltet sich das Zusammensein „anders“, aber die Beiden wollen DAS gerne auf sich nehmen. Was in ihrer familiären Umgebung, besonders bei seiner Mutter, die volle Besorgnis auslöst. Die alten Vorurteile. Von wegen - wenn du behindert bist, „verhalte“ dich in der Gesellschaft entsprechend. Und tu nicht so, als könntest du auch ein „normales“ Leben befriedigend führen. Sei „anders“, weil du „anders“ bist.

Der Film widerlegt das. Lächelnd. Völlig unaufgeregt. Liebevoll pointiert. Mit großem Gespür für kleine wichtige wie witzige Gesten. „Bedeutungen“. Ohne heldenhafte Peinlichkeit(en). Eher entspannt. Wie es Gabrielle auch – wirklich – ist. Verkörpert durch die sensationell authentische, charmante und sympathisch-„komische“ Hauptdarstellerin Gabrielle Marion-Rivard. Samt ihrer hinreißenden Körpersprache. Ihre Film-Gabrielle definiert sich nicht über Mitleid, falsche Rührung oder alibihafte Botschaftsbewegungen, sondern durch ihre einzigartige, unverkrampfte HERZlichkeit. Manipulieren, taktisches Lügen, konstruierte Missverständnisse oder plumpe Weinerlichkeit begegnet man hier nicht. In diesem unkonventionellen Film zum Mögen. Wann ist der Mensch ein Mensch, sang Herbert Grönemeyer mal. Antwort: HIER.

Deshalb: Co-Autorin und Regisseurin Louise Archambault tritt erst gar nicht in die Drama-Schiene „Behindert oder Nicht-Behindert, das ist hier die problematische Frage“ ein, sondern lässt lieber glaubhaft emotionale KINO-Funken sprießen. Was sich wie eine läppische, süßliche Reißbrett-Märchenstory um zwei Außenseiter anhört, die zusammenkommen wollen, aber nicht sollen, ist tatsächlich ein feiner sanfter Geniestreich. Um die Liebe. Zur vorurteilsfreien Liebe und vor allem auch: zur stimmungsvollen Musik. Als Verbindung für zwei Menschen, deren Antennen halt „so“ ticken. Merke: Warum denn auch nicht!

„Gabrielle“ ist höchst unterhaltsames Spitzengefühlskino (= 4 PÖNIs).

AMAZONIA – ABENTEUER IM REGENWALD" von Thierry Ragobert (Co-B + R; Fr/Brasilien 2011-2013; Co-B: Johanne Bernard, Luiz Bolognesi, Louis-Paul Desanges, Luc Marescor; K: Manuel Teran, Gustavo Hadba, Jérome Bouvier; M: Bruno Calais; deutsches Buch: Jörn Röver; deutscher Sprecher: Michael Loft; 86 Minuten); dieser Film teilt sich auf - für DIE, die nur denken (können) und in DIE, die lieber mehr fühlen. Empfinden. Wollen. Denn was sich hier in einer unfassbar phantastisch eingefangenen Natur offenbart, lässt hoffen. Dass der Mensch vielleicht doch „SO ETWAS WUNDERBARES“ nicht zerstört.

Was wir hier in sagenhaften, üppigen 3 D-Bildern zu sehen bekommen, ist überwältigender wie wunderschöner Planeten-Reichtum. In Sachen überbordende, erhaltene Umwelt. Stichwort: Das Amazonas-Gebiet. Dieser große tropische Regenwald am brasilianischen Amazonas. Das ist bekanntlich der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde. Mit seiner wichtigen gigantischen Wasserverdunstung. Halb so groß wie Europa. Mit über 40.000 Pflanzen, 1300 Vogel- und 450 Säugetierarten. ER wird uns – manipulativ – näher gebracht. Sozusagen – spielerisch – dokumentarisch. Durch eine „wilde“ tierische Nett-Geschichte. Die durch ihre Kommentierung Kinder-Ohren „bedient“. Und die eben durch eine faszinierende Bilder-Pracht die Augen satt verwöhnt.

Hauptakteur beziehungsweise Reiseleiter ist ein kleiner Kapuzineraffe. Sai. Er befindet sich in einem Flugzeug, das in der Wildnis notlanden muss. Sai, der bisher domestiziert bei „seinen“ Menschen gelebt hat, bedient hier den intimen, niedlichen „Helden“. Erlebt solo „die Wildnis“. Als Erst-Erlebnis. Immer mit-dabei in seiner Nähe: Die unauffällig beobachtende Kamera und der „fürsorgliche“ Erklärer. Der den äffischen Weg akustisch „optimiert“. Da heißt es dann, entweder dies – so naiv – zu akzeptieren. Oder weg zu driften. Was aber kaum möglich ist, denn DIESE fotogene Bekanntschaft mit Fauna & Flora, exotischen Pflanzen und Tieren, diesen „inspirierenden“ Kleinstlebewesen wie den monströsen Tier-Bewohnern, ist von enormem Reiz. Und birgt ungeheuer viel erlebnisreiches Schau- und Entdeckungspotenzial. Mitten im Herzen des größten Regenwaldgebietes der Erde. Das der Mensch - noch - nicht unterjocht hat.

Der Film „Amazonia“ wirkt a) wie ein Märchenbuch, in dem unserem Nachwuchs ein bedeutender, weil erhaltender Teil der Urwelt vorgestellt wird, und b) wie eine riesige Reise durch den gigantischen weltlichen Zoo „Natur“. DEN so prächtig wie unangetastet zu belassen, zu erhalten, eine lohnende Aufgabe sein sollte. Für jede Generation. (Das Ausrufungszeichen spart sich der Film Gott sei Dank.)

„Amazonia“ bietet eine Klasse filmische Natur-Performance (= 4 PÖNIs).