Counter  App Pönis Filmclub App Pönis Filmclub
  

Kinowoche 38 und 39/2014 ab 18. bzw. 25.09.2014: Schoßgebete, Ein Sommer in der Provence, Der 7bte Zwerg und Who Am I - Kein System ist sicher

SCHOSSGEBETE“ von Sönke Wortmann (D 2013; B: Oliver Berben, nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Roche; K: Maher Maleh; M: Martin Todsharow; 93 Minuten; Start D: 18.09.2014); erst die peinlichen „Feuchtgebiete“, nun die unerfreulichen „Schoßgebete“: Die Kino-Langeweile, basierend auf den Romanen von Charlotte Roche, hält an.

Thema: Deutsches Bourgeoisie-Pack. Satt, bekloppt, erbärmlich. In Gestalt von Elizabeth Kiehl (LAVINIA WILSON) und Ehemann Georg (JÜRGEN VOGEL). SIE ist nach fürchterlichen Autounfällen in der Familie traumatisiert, ER akzeptiert offensichtlich ihre täglichen hysterischen Neurosen, Ausbrüche, Dauer-Anfälle. SIE flitzt andauernd zur mild lächelnden, gütigen Psychiaterin (JULIANE KÖHLER), um danach öfters sogleich zum Notar zu wandern, um ihr Testament zu „korrigieren“. Eine, harmlos gesprochen, über-nervöse uninteressante Frau. DIE nur nervt. Alle. Oben auf wie unten vor der Leinwand. Ununterbrochen. Abstoßend. Nicht reizvoll, diskutabel, sondern unangenehm. Blöd. In Worten wie in ihren Bewegungen. Motto: Ficken als Psyche-Beruhigung. (Hört sich provokanter an als es vorgeführt wird; wir befinden uns schließlich in einem „braven“ deutschen Film).

Ihre beliebtesten alltäglichen Beschäftigungs-Themen: Würmer am oder im Po; während Kind sich in der Schule befindet, am Vormittag schnell mal mit Ehemann – als Neurosen-Bekämpfung - ins Bordell zum flotten 3er; die schrecklichen Unfall-Bilder als detaillierte persönliche ewige Schadensbeschreibung; das Einnehmen von vielen bunten Tabletten (damit wir ja merken, WIE „beschädigt“ Frau ist); der lustige Einkauf von Sex-Spielzeug im Fach-Laden. Sex als völlige Unlust-Rammelei. In dieser ungeordneten Art. Und unironischen Weise.

„Schoßgebete“, der Film ist „skandalös“-doof. Fürchterlich unecht. Penetrant konstruiert. Ohne Gespür für Personen und Situationen. Keine emotionale Nähe möglich. Gar nicht provokant. Von interessanter, spannender Erotik keine Spur. SIE quatscht viel und „hemmungslos“, erzielt dabei weder Neugier noch irgendein Interesse, sondern wirkt nur ständig unsympathisch. Abstoßend. Gleichgültig. Egal. Nur völlig gaga. Es gibt keinen Grund: Warum soll ich mir DAS beziehungsweise DIE, Elizabeth Kiehl alias Lavinia Wilson, antun? (= 1 PÖNI).

KINOWOCHE 39/2014

EIN SOMMER IN DER PROVENCE“ von Rose Bosch (B + R; Fr 2013; K: Stéphane le Parc; M: Elise Luguern; 103 Minuten); sie ist wunderschön, sonnendurchflutet, herrlich farbenfroh. Die französische Provence. Umgeben von prächtigen Olivenbäumen. Und inmitten von sagenhaften Sonnenuntergängen. Hier lässt es sich leben. Gut leben. Tolle Sommerferien verbringen. Doch für die Teenager Léa und Adrien ist diese Aussicht alles andere als verlockend. Ganz im Gegenteil.

Notgedrungen begeben sie sich mit ihrer Großmutter Iréne (ANNA GALIENA) und ihrem kleinen gehörlosen Bruder Théo in den Süden, um bei ihrem ihnen unbekannten Großvater Paul (JEAN RENO) den Sommer zu verbringen. Ihre Eltern haben sich kurz vor der Abreise getrennt; die allgemeine Stimmung ist also extrem trübe. Auch dann beim „überrumpelten“ Paul, der sich – zunächst – nicht als gerade übermäßig gastfreundlich erweist. Was mit vergangenen trüben Familiengeschichten zu tun hat. Nur Théo (LUKAS PELISSIER, ein grundgütiger Charme-Bolzen), der von der allgemeinen miesepetrigen Laune nicht viel mitbekommt, lässt seiner kindlichen Neugier und allgemeinen Freude fröhlichen Lauf. Und becirct mit seiner Unvoreingenommenheit seine aufgewühlte Umgebung. Vermag über seine lautlose Welt eine emotionale Brücke zwischen den Generationen zu schlagen. Peu á peu.

Leichte, aber keineswegs seichte Komödien-Emotionen. Mit französischem Esprit. Eingeläutet vom stimmungsweisenden Song-Klassiker „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel. Und mit ironischen Hippie-„Woodstock“-Erinnerungen ausgestattet. In Sachen: ulkige Zwischentöne. Motto: Wenn die Alten Gitarre, Wein und Stoff auspacken und die Jungen sich behutsam abnabeln. Ist nicht übermäßig originell, aber einem „Oldie“ Jean Reno beim lockeren Mürrisch-Sein zuzusehen, sorgt für lakonisch-melancholische Sommerauslauf-Gefühle, fern von Netz, Mails, Apps, I Pad & Co. (= 3 PÖNIs).

DER 7BTE ZWERG“ von Boris Aljinovic + Harald Siepermann (D 2012-2014; B: Harald Siepermann & Douglas Welbat; M: Daniel Welbat; 88 Minuten); der Zipfelmützen-Humor geht also in die dritte Film-Runde. Nach den Real-Werken „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ (2004/6,8 Millionen Kinobesucher) und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ (2006/3,6 Millionen Kinobesucher) nun die Animations-Version. Mit prominenten Komiker-Sprechern: Otto Waalkes (= Bubi), Martin Schneider (Speedy), Mirco Nontschew (Tschakko), Ralf Schmitz (Sunny), Norbert Heisterkampf (Ralphy), Boris Aljinovic (Cloudy), Gustav Peter Wöhler (Cooky). Zudem sorgen namhafte Stimmen wie Nina Hagen (als exzentrischer Eisfee-Drache Dellamorta) oder Synchron-Legende Christian Brückner (als depressiver Burnout-Drache „Burny“ Burner = der eigentliche Star) für den witzigen Ulk-Ton.

Damals „Dornröschen und der Prinz“ (von Disney), neulich „Die Schneekönigin“ (nach Elementen aus dem Märchen von Hans Christian Andersen), es ist die bekannte Schauer-Ballade um die populäre Geschichte: Prinzessin wird 18, böse Hexe hat sie einst verflucht, das gesamte Reich wird an diesem (Geburts-)Tag in einen hundertjährigen Schlaf fallen, wenn sich das liebe Mädel irgendwie an einem Dorn sticht. Deshalb hat Papa König sie früh in eine (Dauer-)Rüstung gesteckt, damit nichts Derartiges passieren kann. Natürlich… aber da gibt es ja noch den verliebten Küchenjungen Jack sowie diese 7 Zwerge. Wie immer: nichtsahnend, treu-doof, tollpatschig-hektisch. Vor allem der 7.Mini, Bubi (OTTO WAALKES stimmt ihn ein), sorgt mit seinen unfreiwilligen „Entgleisungen“ für die größten Aufregungen.

Die Story, na ja. Mal hinkend, mal still-stehend, mal furiose Slapstick-Gag-Kost, mal plumpe Nummernrevue. Mal kesse Wortspielereien, mal entwitzte Kessheit (wenn der Schlüsselnotdienst für Keuschheitsgürtel benötigt wird). Irgendwie „will“ man die Lustichkeit herauspulen, irgendwie kriegt man DAS aber nur holpernd hin. Zwischen temperamentvollen Aktionen mit manchmal witziger Tonspur ziehen sich die Figuren-Bewegungen mit Wort-Späßen in die Länge. Aber auch - die stimmungsvolle (Computer-)Optik sorgt hier insgesamt mehr Schwung als die depperten chaotischen Zwerge-Knilche. Deren „Auftritte“ besitzen viel zu viel Hausbacken- und viel zu wenig ulkig-witzigen Anarcho-Charme. Wobei sich diesbezüglich natürlich der (selbst-) zerstörerische Clowndolli-Einfaltspinsel „OTTO“-Bubi „speziell“ hervorhebt.

Ein unterhaltsames Animations-Mittelding. Im angesagten Rhythmus: Wenn Deppen rappen. Tralla-Lalla-La-Lustig (= 2 ½ PÖNIs).

WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER“ von Baran bo Odar (B + R; D 2013; K: Nikolaus Summerer; M: Michael Kamm; 103 Minuten); DU heißt Benjamin. Benjamin Engel (TOM SCHILLING). Bist so um die Ende 20. Bist nie aufgefallen, fällst auch weiterhin wenig bis eigentlich gar nicht auf. DU bist ein völlig belangloses Blümchen unter vielen. So jedenfalls fühlst du dich. Immer schon. Von Anfang an. Seit jeher. Denn du bist nicht allzu groß, schon gar nicht „laut“ und kannst auch nicht mit „Irgendwas“ glänzen. Irgendwas vorzeigen. Vorführen. Glaubst Du jedenfalls. Das heißt, du läufst einfach saudämlich, sauunglücklich mit. In der Menge, in der Meute, in der Masse. Ohne dass DICH jemand überhaupt wahrnimmt. DICH sieht / beachtet einfach niemand. Du bist quasi unsichtbar. Für die Anderen. Seit jeher. Und immer schon.

Aber das bleibt nicht so. DU triffst zufällig auf Max (ELYAS M’BAREK). Das personifizierte Gegenteil: Charismatisch, angeberisch, laut. Extrem geil auf das Machen im Leben. Auf das Mehr-Machen. Max will herausstechen aus diesem Mittelmaß-Volk. Drumherum. Will etwas „bewegen“. Möchte dadurch berühmt werden. Das Gewinner-Gefühl haben. Erleben. Auskosten. Unter Seinesgleichen. Der coole Max ist in Sachen Hacker-Alarm unterwegs. Gemeinsam mit seinen Kumpels , dem impulsiven Stephan (WOTAN WILKE MÖHRING) und dem cleveren wie stets „vorsichtigen“ Paul (ANTOINE MONOT, Jr. als Fussel-Ebenbild von Zach Galifianakis, dem „Hangover“-Clown). Sie provozieren als Hacker-Club „CLAY“ (CLOWNS LAUGHING @ YOU) mit subversiven Gesellschafts-Späßen. Ihr Motto: „Dreistigkeit siegt“. Jetzt noch mehr, denn ihr neues Team-Mitglied Benjamin erweist sich als technischer Volltreffer. Ein Computer-Genie. DER es „drauf hat“. DER noch viel mehr „kann“. Durch Benjamin wird aus – kriminell angehauchtem – Voll-Vergnügen „mehr“. Die neuen Aktionen zielen „höher“. Werden „gesellschaftlicher“, politischer. Machen Nazis lächerlich, führen Finanzspekulanten vor, attackieren Pharmaunternehmen. Das Hack-Fieber steigt.

Während Benjamin hofft, endlich seiner Flamme Marie (HANNAH HERZSPRUNG) 1:1, also „auf Augenhöhe“ wie er meint, imponieren / begegnen zu können, sind die drei Freaks in seiner neuen Family vor allem daran interessiert, den legendären Cyber-Hacker „MR X“ auf sich aufmerksam zu machen. „Dafür“ ist ihnen jedes aufsehenerregende Hacker-Mittel recht. Mit ihren Attacken auf das Innere beim Bundesnachrichtendienst (BND) allerdings begeben sich die „CLAYs“ mitten hinein in die Groß-Scheiße. Gelangen ins Visier von – weitaus „schlimmeren“ – Cyber-Gangstern („Welcome to the Underground“) und geraten auf die Fahndungslisten von BKA und Europol. Aus den „kleinen Wüterichen“ in rebellischer Party-Stimmung werden verfolgte Kriminelle.

Was geht ab: Ein faszinierendes, grandios durchexerziertes Thriller-Puzzle. Mit rasanten Ideen und Schnitten. Mit einem atmosphärischen Twist, der fetzt. Vor allem, wenn der „Krieg im Darknet“, im anonymen dunklen Netz, beschrieben wird. Um die Herrschaft im System. Das offensichtlich nirgendwo mehr sicher ist. Von „Darth Vader“-Nerds mit Pickeln und markigen Tätowierungen andauernd wie genüsslich aufgemischt wird. Von wegen - wir haben BEI EUCH keine Chance, können uns aber UNTER EUCH prächtig austoben. Ihr Hirnies. Wir haben den voll-coolen Technik-Verstand. Besitzen treffsichere „Finger“. Wenn es um den Elektro-Saft des Planeten geht. Ihr probiert, WIR MACHEN ES. Wir sind die wahren Kings. Im allumfassenden NETZ. Vor UNS solltet Ihr Euch fürchten.

Ein Hammer-Film. In Spannung, Rasanz, Überraschungen. Nie ist „was so“ wie wir es gerade vermuten. Raffinesse überall, ausdrucksstark in Gestaltung und Motiven. Und Darstellung: Mit einem exzellent ausdrucksstarken Ensemble. Anführer TOM SCHILLING, seit „Oh Boy“ (2012) filmisch erwachsenen geworden, ist der Kevin Spacey aus „Die üblichen Verdächtigen“. Nie weiß man eigentlich, wie er „richtig“ tickt. Also sorgt er auch für die verblüffenden Spannungspointen. Allerdings - gegen Ende kommt der Schweizer Drehbuch-Autor und Regisseur BARAN BO ODAR, dessen Debüt-Kinofilm „Das letzte Schweigen“ 2010 fürchterlich daneben lag (s. Kino-KRITIK), ins erzählerische (selbstverliebte) Trudeln. Sein filmisches Herausgehen wirkt überkonstruiert, kann aber an dem großartigen Unterhaltungsgesamteindruck nicht mehr viel ändern: Mit diesem tollen @-Knaller hat er sich aus der Filmemacher-Anonymität herauskatapultiert.

„WHO AM I“ zählt zum deutschen Kino-Besten seit langer, langer Genre-Zeit (= 4 PÖNIs).