„2 TAGE NEW YORK“ von und mit Julie Delpy (Co-B, R+D; USA/Fr/D 2011; 96 Minuten; Start D: 05.07.2012); setzt die 2007 im Kino begonnene Beziehungsgeschichte um die hyperaktive Französin Marion fort. Der Debütfilm der damals 37jährigen französischen Schauspielerin JULIE DELPY war ein köstlicher Independent-Kribbel mit pointiertem, an Woody Allen angelehntem Verbal-Charme. Um HIER besser einsteigen zu können, sei der Text über „2 TAGE PARIS“ von einst empfohlen.
Damals wie heute geht es um den kulturellen Crash zwischen dem alten Europa, vertreten durch FRANKREICH, und dem AMI-Country. Die quirlige Fotokünstlerin Marion hat ihre Partnerschaft mit dem Amerikaner Jack inzwischen längst aufgegeben, lebt jetzt mit dem kleinen Sohn aus dieser Beziehung im Big Apple. Wohnt jetzt zusammen mit dem schwarzen Radio-Moderator Mingus (CHRIS ROCK), alleinerziehender Vater einer pfiffigen 7jährigen Tochter. Man hat sich gut arrangiert, kommt als Patchworkfamily bestens miteinander aus. BIS, ja bis ihre Sippe aus Frankreich zu Besuch kommt. In Gestalt ihres (sehr) eigenwilligen Vaters (natürlich auch wieder besetzt mit dem „wirklichen“ Papa ALBERT DELPY), in Figur ihrer nymphomanischen Schwester Rose (Co-Drehbuchautorin ALEXIA LANDEAU) und in Persona deren Freundes Manu (ALEX NAHON), einem durchgeknallten wie selbstgefälligen Zeitgenossen, der früher auch mal was mit Marion „hatte“. Natürlich ist permanent Zoff angesagt. Die Vorurteile haben Ausgang.
Zwischen der politisch hochkorrekten US-Ostküste und den „lebensfrohen“, „lockeren“ Franzosen-Europäern. Missverständnisse, Animositäten, höhnische „Zuwürfe“ und eine Barack Obama-Statue aus Pappe spielen dabei eine erhebliche wie komische Nummernrolle. In diesem Slapstick-Chaos mit viel Klamauk-Energie. Und rumpligen ironischen Klischee-Pfeilen. Mit Schlagworten wie faul, ungesund und animalisch für France sowie verklemmt, überkorrekt und verheerend hektisch für das New Yorker Stadtneurotiker-Volk. Was natürlich wieder unweigerlich an den dortigen Mitbürger Woody Allen – auch durch die bisweilen jazzigen Begleitklänge - erinnert. Und sich in einer Begegnung mit dem exzentrischen Schauspieler VINCENT GALLO (höchstpersönlich) manifestiert, von dem Marion ihre – verkaufte – Seele „mit gezieltem Handgriff“ zurück erwerben möchte. Oder wie die durch den Lärm aufgebrachte Nachbarsfamilie von Marion mit einem „plötzlichen großkalibrigen Tumor“ zum mitleidigen Entsetzen und zur großflächigen persönlichen Anteilnahme „gebracht“ wird.
Formidabel.
Was Schelmisches. Zum Schmunzeln. Lächeln. Mögen. Weniger zum „Ausschütten“. Kein Lach-Brüllen. Ohne sonderliche satirische Tiefenschärfe. Einfach so. Als cineastischer Handstand. Nett. Ulkig. Charmant. Kess. Mit auch cineastischem Liebhaber-Fortsetzungs-Hauch.
Diese „2 Tage in New York“ bedeuten 2012 die unterhaltsame Beobachtung an einer hübsche Sommerfilm-Alberei (= 3 PÖNIs).
„2 TAGE PARIS" von und mit JULIE DELPY (B, R+D; Fr/D 2006; 96 Minuten; Start D: 17.05.2007); ist der Debüt-Spielfilm der 37jährigen französischen Schauspielerin, außerdem war sie als Co-Produzentin auch für Casting, Musik + Schnitt verantwortlich.
Julie Delpy: Tochter eines Schauspieler-Ehepaares (Marie Pillet/Albert Delpy); sie absolvierte ein Regie-Filmstudium an der Filmhochschule in New York, lebt heute in Los Angeles + Paris. Im Herbst 2003 erschien eine CD von ihr mit 11 persönlichen Chansons, in englischer + französischer Sprache, auf der sie sich selbst mit Gitarre begleitet. Als Schauspielerin ist Julie Delpy seit 1985 aktiv (= erster kleiner Auftritt in Godards "Détective"). Weitere Filme u.a.: "Homo Faber" von Volker Schlöndorff (1991) + "Drei Farben: Weiß" von Krzysztof Kieslowski (1994). Auf der Berlinale sorgte sie mit dem amerikanischen Regisseur RICHARD LINKLATER + mit ihrem amerikanischen Schauspieler-Kollegen ETHAN HAWKE gleich zweimal für Furore: 1995 mit "BEFORE SUNRISE" + 2004 mit dem Nachfolger "BEFORE SUNSET" (= "Oscar"-Nominierung als Co-Drehbuchautorin).
Ihr Regie-Erstling hatte in diesem Jahr Welturaufführung bei der Berlinale (im "Panorama"-Special-Programm) und zählte zu den Publikumslieblingen: "2 Tage Paris" orientiert sich überwiegend an WOODY ALLEN, "zuletzt" dann aber auch ein wenig an Ingmar Bergman. Die Französin Marion (Delpy) und der Amerikaner Jack (ADAM GOLDBERG) sind ein Paar. Auf der Rückreise von einem gemeinsamen Venedig-Urlaub machen sie einen kurzen Stopp bei ihren Eltern in Paris, wo sie auch IHRE (inzwischen ziemlich verfettete) Katze abholen wollen. Während Jack den charmanten Macho-Hypochonder gibt, gibt sie in der Beziehung "und überhaupt" "den Ton" an. Lässig, locker und sehr selbstbewusst "erklärt" sie ihm ihre Welt. In der nun zuhauf auch ihre "Verflossenen" auftauchen, was Jack einige Nerven kostet. Dazu bzw. drum herum: Ihre flippigen Alt-68er-Eltern (= besetzt mit ihren tatsächlichen Eltern; wie überhaupt die Besetzung nach dem "Friends- + Family-Prinzip" gestaltet wurde), die "Annehmlichkeiten" von Paris mit ihren diversen "kulturellen Unterschieden"..., kurzum: Zwischen den Beiden entwickelt sich auch eine Art Krisenstimmung. In der SIE förmlich aufblüht und er sich immer tiefer in sein seelisches Schneckenhaus-Tief zurückzieht. Zunehmend erscheint ihm alles unwirklich-fremd: Seine Freundin, die Sprache, das Alte Europa.
Delpy erzählt/entwickelt hier, mit sehr viel ironischem Augenzwinkern, lässigem Humor und feinen Pointen, eine hübsche, kleine, muntere Liebes-Komödie. Bei der das "typische" Verhalten von Amerikanern UND Franzosen gleichermaßen "auf die unterhaltsame Schippe" genommen wird. Nur gegen Ende blüht die schöne Redeschwung-Leichtigkeit/das rasante Paar-Geplänkel (erinnernd an Klassiker wie "Leoparden küsst man nicht"/ "Der Stadtneurotiker"/"Manhattan") etwas ab, verzettelt sich die emotionale wie kulturelle Charme-Chose etwas, wenn Delpy (zu) verkrampft bemüht ist, nunmehr verstärkt Beziehungsleid zuhauf ausschütten zu müssen. Dass dabei die Spaß-Kurve etwas absinkt, vermag aber den tollen Gesamteindruck dieses bissig-originellen Konversationsklimas nur minimal zu schmälern. Und: Der kurze Neben-Auftritt vom hiesigen DANIEL BRÜHL als kritischer Globalisierungs-Aktivist (bzw. als selbsternannte Fee + Imbissketten-Terrorist) fällt kaum auf/hat wenig Gewichtigkeit.
Schließlich: Ich empfehle UNBEDINGT, die englisch-französische Originalfassung MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN zu sehen/zu hören, denn so bleibt vom herrlichen Wortwitz sicherlich sehr viel MEHR erhalten als dass DIESES in einer Synchronfassung überhaupt möglich/machbar zu übersetzen bzw. originalgetreu ´rüberzubringen ist. Fazit: Eine Prima -Kultur-/Geschlechter-Crash-Komödie (= 3 1/2 PÖNIs).
„2012“ von Roland Emmerich (Co-B+R; USA 2008/2009; 158 Minuten; Start D: 12.11.2009); „putt-machen“, nannten wir das früher gerne. Zu kindlichen Zeiten. In pubertären Phasen. Heute wird DAMIT groß gespielt und viel verdient. Einer der Hauptplayer in Sachen „vorbildliche“ Zerstörung ist inzwischen der soeben, am 10. November 2009, 54 Jahre alt gewordene Hollywood-Schwabe. Der sich bekanntlich mit spektakulären Zertrümmerungsarien wie „Independence Day“ (1996); „Godzilla“ (1998), „The Day After Tomorrow“ (2004) und „10.000 B.C.“ (2007) einen Branchen-Namen gemacht und sich in Los Angeles durchgesetzt hat. Sein neuestes, sein 12. Werk kann man durchaus als Höhepunkt bezeichnen. Höhepunkt der technischen Perfektion. Denn SO gigantisch, so virtuos, so phänomenal sah man im Kino noch nie die Erde zusammenbrechen. Buchstäblich.
Die Bierdeckel-Story: Die „Lange Zählung“ des Maya-Kalenders prophezeit, unser Planet wird am 21. Dezember 2012 untergehen. Die US-Regierung mit ihrem netten Schwarzen Präsidenten Wilson (DANNY GLOVER/der einstige „Lethal Weapon“-Partner von Mel Gibson) erhält in jetzigen Tagen die vertrauliche Nachricht, daß bald alles vorbei sein wird. Mit dem Leben in den USA und beim „Rest der Welt“ auch. Während menschenfreundliche wie engagierte Wissenschaftler um Dr. Adrian Helmsley (CHIWETEL EJIOFOR/“Talk To Me“; Melinda and Melinda“ von W. Allen) nach Auswegen aus der sich tatsächlich anbahnenden Katastrophe suchen (Stichwort: Sonnen-Eruption), wird in der Chefetage der Regierung an einem Geheimen Plan gefeilt. Der sieht vor….., ach nein, sehen Sie doch selbst. Nur so viel: DIE mit viel Kohle, wieder mal, haben die Chance sich (für 1 Milliarde EURO! pro Leib) zu retten. Während „die Anderen“, das „normale Volk“, auch wieder mal die „A….karte“ besitzen.
Normalerweise kann man mich mit diesen überkandidelten, spinnerten Dauerkrach-Bumm-Zisch-Rumms-Filmen (ver-)jagen. Doch hier NICHT. Emmerich & Team haben es tatsächlich geschafft, ein 2 1/2stündiges bombastisches Feuerwerk an SPANNUNG computer-reizvoll zurechtzuzimmern. Was hier technisch abgeht an Erdbeben, Riesenwellen, Vulkanausbrüchen, Flammen-Infernos, Meteoreinschlägen und…und…und, ist ebenso haarsträubend wie unglaublich bildgewaltig. Das ultimative Weltuntergangsszenario als überwältigendes Popcorn-Movie. Als augenzwinkernder Öko-Charme-Thriller. Man muß sich DAS mal vorstellen: Alles, aber auch wirklich alles „geht den Bach ´runter“, und man darf – mit Verlaub - dies voll genießen. Weil in der Mixtur aus Fiction-Fantasy, Naturschutz-Ton und Krimi-Drama überzeugend.
Der SCHAUWERT ist enorm, imposant, perfekt. Während drumherum die „üblichen Verdächtigen“ wenig störend herumhampeln: Der erfolglose Roman-Autor mit Ex-Frau und 2 aufgeweckten Gören (JOHN CUSACK/“Grace is Gone“; „Das Urteil – Jeder ist käuflich); der schon benannte, diesmal halbwegs ehrenhafte US-Präsident; der sozial engagierte Menschenfreund-Wissenschaftler, siehe oben, und sein „anders gepolter“ Boss (OLIVER PLATT/“Funny Bones – Tödliche Scherze“) sowie auch mal wieder der schräge Texaner WOODY HARRELSON („Wag the Dog“; „Larry Flint“) als warnender Freak mit eigener Rundfunkstation und die schöne THANDIE NEWTON (zuletzt die Bush Jr-Außenministerin Condoleeza Rice in Oliver Stones „W. – Ein mißverstandenes Leben“) als unerschrockene Präsidententochter. Personal, das sich sehen lassen kann. Dessen Aufgabe es aber natürlich einzig ist, die verbindenden Worte und Gesten zum baldigen nächsten chaotischen „Radau“ herzustellen. Eine „Komposition“, die ganz gut gelingt. „2012“ ist eine imponierende Leinwand-Performance. Mal was so richtig zum satten Abschalten. Motto: Laßt viel unterhaltsamen Blödsinn um mich sein. Warum nicht (= 4 PÖNIs).