„THE AMAZING SPIDER-MAN“ von Marc Webb (USA 2011; B: Alvin Sargent, Steven Kloves; K: John Schwartzman; M: James Horner; 136 Minuten; Start D: 28.06.2012); mit „REBOOT““ wird d e r Teil einer Filmreihe bezeichnet, die die bisherigen Geschichten NICHT weiterführt, sondern - mit neuartigen Motiven – noch einmal von vorne erzählt. Dieser neue Film ist solch ein Reboot-Movie. Setzt die bisherigen drei Spider-Man-Filme (von 2001/2003 + 2007) nicht fort, sondern beginnt neu. Motto: Alles auf Anfang. Zum 50jährigen Jubiläum dieser „Spinne“, denn der allererste Auftritt dieser US-Comic-Figur fand 1962 in der August- und zugleich auch letzten Ausgabe der Comic-Heftreihe „Amazing Fantasy“ statt (die damals bereits im Juni ausgeliefert wurde). Erfinder war der 40jährige New Yorker Comic-Autor STAN LEE, gemeinsam mit dem Zeichner Steve Ditko. Es war die Geburtsstunde zur legendären Marvel-Comic-Reihe. Die ab Mitte der 60er Jahre dann auch in der BRD regelmäßig veröffentlicht wurde. Thema, natürlich: Ein labiler Typ wird im Labor von einer Spinne gebissen, „bekommt“ daraufhin übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten, die er für eine flotte Law-and-Order-Gerechtigkeit und gegen seine „Hemmungen“ einsetzt. Vor allem aber, um immer gegen EINEN Superschurken (z.B. „Grüner Kobold“) anzutreten. Und zu bestehen. Um damit auch seine „Heimat“ New York vor dem totalen „Zerdeppern“ zu bewahren.
Die bisherigen „Spider-Man 1-3“-Blockbuster besaßen einen festen Ensemble-Rhythmus: Sam Raimi war der Regie-Herrscher, in den beiden Hauptrollen traten Tobey Maguire sowie – als totale Fehlbesetzung – Kirsten Dunst als „Liebchen“ des Helden auf. Die Bösewichte bedienten (immerhin) Willem Dafoe, Alfred Molina sowie James Franco. Bei allen drei Filmen wurde viel mit (Computer-)Tricks und „Psychologie“ hantiert. Stichwort: Laber-Blockbuster. Spider-Boy Peter Parker will eigentlich nicht Supermann sein, muss es aber immer wieder „erleben“. Zwischendurch elendes Tiefengequatsche. Wenn es um die Präsentation der Effekte ging, funktionierten die teuren Leinwand-Gigs halbwegs, waren von erheblichem Schau-Wert. Ansonsten aber waren diese Filme seelenloses Zeugs. Immer dasselbe: Der ständig gebeutelte, benachteiligte, depressive Gute gegen die scheinbar übermächtigen Widersacher (s. auch Kritiken).
Das ist hier anders. Völlig verändert. Erstmals besitzt ein Spider-Man-Film Charaktere. Eine ausführliche, plausible Story. Und zwei Hauptfiguren, bei denen „die Chemie“ aber so etwas von „stimmt“. Dazu - mit vielen Schmunzel- und sogar Lach-Einheiten. Und natürlich wieder auch - mit bombastischen „Flugeinlagen“. Kurzum: „The Amazing Spider-Man“ ist eine phantastische Show!
Peter Parker und sein Trauma. Als Kind die Eltern verloren. DIE „parkten“ ihn bei Onkel Ben (MARTIN SHEEN) und Tante May (SALLY FIELD). Die erzogen ihn „gut“ groß. Natürlich wird er zum Außenseiter. Der in der Schule so manche Pöbeleien abbekommt. Irgendwann entdeckt der Jungspund Unterlagen seines Vaters. Was eigentlich waren dessen geheime Forschungen? Worum handelte es sich bei denen? Peter macht sich auf, um nach seinen Wurzeln zu recherchieren. Und landet im Labor von Dr. Curt Connors, dem früheren Partner seines Vaters. Wird dort von besagter „Chemie-Spinne“ gebissen, ein neuer Held ist auserkoren. Denn Peter vermag nun „Dinge“ zu tun, zu handhaben, von denen Normalsterbliche nur träumen dürfen. Alles klar. Das virtuose Spiel kann beginnen. Natürlich in der angesagten und vor allem im letzten Teil wirkungsvollen, „hübschen“ 3 D-Optik.
Hinter den Kulissen waren viele „Hochkaräter“ am Werk, am werkeln: Der 83jährige dreifache „Oscar“-Preisträger ALVIN SARGENT („Paper Moon“/“Julia“/“Eine ganz normale Familie“) sowie der mehrfach „Oscar“-nominierte 51jährige Autor und Regisseur STEVEN KLOVES (schrieb die Filmbücher für 6 „Harry Potter“-Abenteuer / Autor + Regisseur von „Die fabelhaften Baker Boys“,1989 / Autor von „Die WonderBoys“/2000) verfassten ein gescheites Drehbuch. Mit viel angenehm besonnenem Entwicklungspotenzial. Voll von reizvollen Charakter-Figuren und mit einer spannenden Geschichte. Mit dem 37jährigen Regisseur MARC WEBB kam „frisches Blut“ in das im Grunde eingefahrene Thema. Und Schema. Webb war viele Jahre erfolgreich im Musikvideo-Genre („MTV-Award“ 2009 für die „Beste Regie“ für das Video zu „21 Guns“ der Gruppe „Green Day“) und fand mit seinem komödiantisch-„ungehobelten“ Regie-Spielfilmerstling „(500) Days of Summer“ 2009 gleich einen beachtlichen Zuspruch. Beim Publikum wie bei der Kritik. In seinem zweiten und nunmehr gleich immens „großen“ Film (geschätztes Budget: 220 Millionen Dollar) vermag er dem „Althergebrachten“ neue Unterhaltungsfacetten einzuhauchen.
Das Comic-Genre lebt und amüsiert plötzlich wieder. Weil sich Marc Webb zunächst die atmosphärische Zeit nimmt, ES vor allem unaufgeregt und dennoch kitzlig angehen und entwickeln zu lassen. „Richtige Menschen“ und keine Abziehbilder-Marionetten werden sicht- und hörbar. Bevor es dann „zu toben“ anfängt. Und: Weil es eben diesmal zwischen dem Paar, zwischen den beiden Hauptdarsteller-Neulingen, außerordentlich prächtig „funkt“: ANDREW GARFIELD, 28, neulich in „The Social Network“ als Mark Zuckerbergs Kumpel Eduardo Saverin glänzend („Golden Globe“-Nominierung), kommt als famose Mischung aus verunsichertem Noch-Bubi und imposantem Neu-Held überzeugend „scheu“ sicher ´rüber. Besitzt Charme und Charisma. Ebenso wie die 23jährige EMMA STONE (der rotzige Frechdachs in „Zombieland“/2009; neulich erst in „The Help“ begeisternd) als Highschool-Freundin Gwen Stacy, die in und mit ihrer glaubwürdigen Natürlichkeit charmant punktet. Keine dümmliche „Flamme“ mimt, sondern ungekünstelt wie sympathisch mitmischt. Und auch der 43jährige Waliser RHYS IFANS (unvergessen als Wohnungskumpel-Trottel von Hugh Grant in „Notting Hill“/1999) ist hier als Dr. Connors & „The Lizzard“/die Echse kein eindimensionaler Schurke von der glatten Hollywood-Stange, sondern ein komplexes Jekyll & Hyde-Ungeheuer mit tragischen Facetten. Durchaus menschelnd wie bösartig. Und auch die Musik, der Soundtrack vom zweifachen „Oscar“-Preisträger JAMES HORNER („Titanic“), plärrt/dröhnt nicht nur „grobmotorisch“ wild über die dann spektakuläre New Yorker Jagd-Szenerie, sondern wirkt in ihrer stimmungsvollen Dramaturgie angemessen begleitend. Mitunter ohrwurmig. Starke Klänge.
Ein Rundum-Vergnügen, das ist dieser 4. Spider-Man-Film geworden. Ganz erstaunlich für ein „vorher“ so ausgelutscht geglaubtes Genre. Und Getue.
„The Amazing Spider-Man“ ist ein bravouröser, einfallsreicher wie SEHR unterhaltsamer Sauerstoff für den neuen Spinnenmann. Der wiederkommen wird…(= 4 PÖNIs).
„AMAZONEN AUF DEM MOND“ von gleich 5 Regisseuren: Joe Dante, Carl Gottlieb, Peter Horton, John Landis und Robert K. Weiss (USA 1987; 85 Minuten; Start D: 22.12.1988). Sie verscheißern alles, was den Amis lieb und heilig ist. Zum Beispiel: Fernsehen.
Da sitzt ein guter Mann nichtsahnend auf seinem Sofa und findet sich plötzlich im laufenden Programm wieder. “Amazonen auf dem Mond“ ist eine tückische Dauer-Satire und überall dort angesiedelt, wo der pure Wahnsinn lauert. Also: Zuhause, beim Friseur im Kunst-Museum, bei der Leichen-Feier oder auf dem Mond. Überall herrscht das Grauen. Oder die Suche nach der Wahrheit. Nach dem Sohn des unsichtbaren Mannes. Nach der Beseitigung von Haarausfall. Oder nach der Computer-Braut, der kein Mann standzuhalten vermag. Und so weiter, und so fort.
“Amazonen auf dem Mond“ ähnelt mit seinen verrückten, komischen Episoden dem Jux “Kentucky Fried Movie“ und ist, ebenso wie der brillante Vorgänger von 1979, eine Aneinanderreihung von temperamentvollen Gag-Episoden mit insgesamt 162 Sprechrollen. Viele Prominente wie Rosanna Arquette, Griffin Dunne, Russ Meyer oder Michelle Pfeifer wirken mit und machen diesen Nonsens zu einem irren Narrenstück.
Amüsement erster, schräger Güte: “Amazonen auf dem Mond“oder, Untertitel, “Warum die Amerikaner den Kanal vollhaben...“ (= 4 PÖNIs).
„AMELIA“ von Mira Nair (USA 2009; 120 Minuten; Start D: 17.06.2010); die am 15. Oktober 1957 in Indien geborene Regisseurin und ehemalige Dokumentarfilmerin hat sich mit ihren Werken „SALAAM BOMBAY!“, dem fulminanten Spielfilmdebüt von 1988 („Goldene Kamera“ in Cannes als „Bester Erstlingsfilm“; „Oscar“-Nominierung); Mississippi Masala“ (1991); „“Monsoon Wedding“ („Goldener Löwe“ von Venedig); „Vanity Fair“ (2004/mit Reese Whiterspoon) und zuletzt mit „The Namesake – Zwei Welten. Eine Reise“/2006) einen respektablen internationalen Cineasten-Namen gemacht. 2002 war sie Mitglied der Internationalen Berlinale-Jury. Mira Nair, die abwechselnd in New York City und in der ugandischen Hauptstadt Kampala lebt, bezeichnet sich als kulturelle Grenzgängerin „zwischen den Welten“. Hier nun interessiert sie sich für eine faszinierende, spannende Frau der Geschichte, für AMELIA EARHART. Von der ich erstmals neulich in dem Fortsetzungs-Jux „Nachts im Museum 2“ hörte, wo Amy Adams sie als „lebendig gewordene Wachsfigur“ mimte.
Amelia Earhart war DIE amerikanische Flugpionierin. Die am 24. Juli 1897 in Kansas geborene Amelia stammte aus gutbürgerlichem Haus und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für das Fliegen. Internationale Bekanntheit erlangte sie, als sie am 17./18. Juni 1928 während eines 20stündigen Fluges als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik überquerte. Weitere Stichworte: 1929 nahm sie am ersten Überlandluftwettbewerb für nur weibliche Piloten teil. Im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit vier anderen bekannten Pilotinnen den „Club der Neunundneunzig“, um die Stellung der Frau in der Luftfahrt zu stärken. Die engagierte Frauenrechtlerin und überzeugte Pazifistin überquerte 1932, fünf Jahre nach Charles Lindbergh, als erste Frau im Alleinflug den Atlantik. 1935 überflog sie als erster Mensch im Alleinflug den Teil des Pazifischen Ozeans zwischen Honolulu (Hawaii) und Oakland (Kalifornien). Kurz vor ihrem 40. Geburtstag startete sie den Versuch, als erster Mensch die Erde am Äquator zu umrunden. Seit dem 2. Juli 1937 gilt sie als verschollen; am 5. Januar 1939 wurde sie für tot erklärt.
Ein Biopic über eine amerikanische Heldin der 30er Jahre. Über eine hochinteressante, vielschichtige weibliche Biographie. Eine Frau „schuftet“ zu einer Zeit, als DAS eigentlich nur Männern/Kerlen vorbehalten war. DAS schmeckt doch filmisch nach Abenteuer, Dramatik und Emotionen-pur. Doch sowohl die Autoren Ron Bass („Oscar“ für „Rain Man“) und Anna Hamilton Phelan („Oscar“-Nominierung für „Gorillas im Nebel“/1988) wie auch die prominente Regisseurin kriegen den Stoff „nicht in den Griff“. Wir erleben eine stets lächelnde, impulsive junge Draufgängerin, die über bildergewaltige Natur und Landschaften fliegt, dabei Rekorde zuhauf bricht und privat mit ihrem Entdecker und Gönner, dem Verleger George Putnam, eine „offene Ehe“ eingeht. Was aber genau, wie und wieso und überhaupt um und mit dieser Frau „los“ ist, bleibt an der mauen Oberfläche.
Eine Art „Familienprogramm“ läuft hier im schönen, pastellfarbenen Zeitraffer uninspiriert ab, ziemlich künstlich und konstruiert wirkend, selten in die feministische Polit-Tiefe wirklich gehend, die historische Charakter-Figur selten erreichend. Ein „Lieb-Mädel“ auf Abenteuer- und Sinn-Suche, mit den tatsächlichen „unruhigen Zeiten“ damals, also sozial, politisch und symbolisch kaum in Berührung kommend. Und auch diesen unbedingten, individuellen Taten- und Freiheitsdrang von Amelia Earhart nie plausibel erklären, begreifbar machen könnend. Ein typischer Ami-„Abnickfilm“, ja, „andere“, eine Aha- bzw. Oho-Frau, ja, bewundernswertes Engagement; ja, „das war schon eine (tolle Frau)“. Abgehakt. Zähflüssig schleppen sich ihre Flüge über die Zeit, emotional dabei eher lau. Obwohl Stars die Hauptrollen füllen: Die zweifache „Oscar“-Preisträgerin HILARY SWANK („“Boys Don´t Cry“/1999 + „Million Dollar Baby“/2005) gibt mit aparter Kurzhaarfrisur und dauerlächelndem Face den weiblichen Luftikus, sehr schön wie na-ja, während „Graue Superlocke“ RICHARD GERE ihren Manager und Ehemann routiniert abspult. Außerdem tritt auch kurz Schottlands Darling EWAN McGREGOR („Trainspotting“) als bemühter Charme-Lover und Ehemann-Konkurrent Gene Vidal „irgendwie“ auf. Nö, ein dolles Leinwand-Filmding ist „Amelia“ nicht geworden. Für spätere nasskalte TV-Herbst-Nachmittage auf der heimischen Couch aber durchaus als leichtes Nostalgie-Gebräu zu gebrauchen…..(2 PÖNIS + ½ für die netten Fluggeräte)
„AM ENDE KOMMEN TOURISTEN" von Robert Thalheim (B+R; D 2007; 85 Minuten; Start D: 16.08.2007), Berliner vom Jahrgang `74 mit abgeschlossenem Regie-Studium an der Hochschule für Film + Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Der vor zwei Jahren mit seinem Debüt-Spielfilm "Netto" sowohl beim Max-Ophüls-Festival ("Förderpreis") wie auch bei der Berlinale 2005 (innerhalb der "Perspektive Deutsches Kino"/Jurypreis) erfolgreich abschnitt und auch den 2005 erstmals verliehenen "Deutschen Filmkunstpreis" zugesprochen bekam.
Hier nun ein sog. BETROFFENHEITSFILM. Mit viel Botschaft und weniger Tiefgang als gewünscht. Sven ist Zivildienstleistender. In der Gedenkstätte von Auschwitz. Dort wollte er eigentlich gar nicht hin, aber es hat ihn halt (anstatt nach Amsterdam) hierher "verschlagen". Sven will seine Pflicht-Zeit möglichst schnell wie unauffällig hinter sich bringen. Als er dann aber den hier wohnenden und zu betreuenden ehemaligen KZ-Häftling Stanislaw Krzeminski kennenlernt, der den anströmenden Reisegruppen unermüdlich seine Lebensgeschichte erzählt, beginnt er sich innerlich zu ändern. Lässt Nähe und Interesse erkennen. Freundet sich auch mit einer polnischen Dolmetscherin an; kommt mit ihrem "sperrigen Bruder" in Kontakt. Was für ein spannendes, bewegendes, aktuelles Spielfilm-Thema ist DAS, aber was für wenig wirkliche Nähe/Erschütterung. Der Film "brennt" emotional wie gedanklich viel zu wenig. Stattdessen: Braves Trocken-Kino. Mit Botschafts-Charakter.
Die Figuren bleiben allesamt blass bis uninteressant; die Dramaturgie wirkt holprig, nur-an-, aber nicht zu Ende gedacht/gespielt; vieles kommt laienhaft-konstruiert daher. Die Darstellung wirkt eher (zu) nüchtern, ist nicht überzeugend. Ein Danach-Nachdenken?: Eigentlich kaum. Alles wird/wirkt nur brav erzählt. Als wichtiges Anliegen mit jederzeit zu spürendem Ausrufungszeichen! Die annoncierte offene, ehrliche wie vor allem interessant-spannend-diskutable KINO-Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte bleibt anvisiert, gelingt aber nicht bzw. hallt kaum nach.
Ein gut gemeinter deutscher Betroffenheits-Fernsehfilm, in dem ALEXANDER FEHLING als Sven viel zu beliebig agiert/wirkt/bleibt (= 2 ½ PÖNIs).
„THE AMERICAN“ von Anton Corbijn (USA 2010; 99 Minuten; Start D: 16.09.2010); der am 20. Mai 1955 in den Niederlanden geborene und seit fast 3 Jahrzehnten in Großbritannien lebende Star-Porträt-Fotograf, der für viele Platten- bzw. CD-Cover von Pop-Berühmtheiten wie U2, Depeche Mode, den Bee Gees und Herbert Grönemeyer verantwortlich war, schuf 2007 mit „Control“ seinen ersten Langfilm. Das war ein in Schwarz-Weiss gehaltenes Biopic über Ian Curtis (gespielt vom britischen Nachwuchsdarsteller Sam Riley), einst Kopf und Sänger der englischen Punk-Band „Joy Division“, der am Vorabend des Aufbruchs zur ersten Amerika-Tournee Selbstmord beging.
„The American“ ist der zweite Kinofilm von Anton Corbijn. Entstanden mit Star-Unterstützung von Mit-Produzent und Hauptdarsteller GEORGE CLOONEY. Die Roman-Vorlage stammt von Martin Booth, ist aus dem Jahr 1991, heißt „A Very Private Gentleman“ und wurde hierzulande unter dem Titel „Ein Gentleman“ veröffentlicht. Dabei im Mittelpunkt: Der amerikanische Spitzen-Profikiller Jack. Nachdem sein „Engagement“ im verschneiten Schweden ein plötzliches wie blutiges Ende findet, taucht er in einer kleinen Ortschaft in den italienischen Abruzzen unter. Um zu beschließen, dass sein nächster Auftrag auch sein endgültig letzter sein soll. Entsprechend beginnt er mit den „vorsichtigen“ Vorbereitungen. Doch auch in dieser Idylle scheint es „Gefahren“ zu geben. Jack spürt „Witterung“. Und verhält sich dennoch „ungeschickt“. Lockert seinen bislang undurchdringlichen Schutzschild, läßt private Eskapaden und Emotionen zu. Wirkt dadurch zunehmend „angreifbarer“. Als seine mysteriöse Auftraggeberin auftaucht, eskaliert die Situation.
Ein Kammerspiel-Thriller. Mit Western-Geschmack. Hier der charmante, böse Kerl, dort seine fiesen Jäger. Der Outlaw und die „Kundschaft“. Die zum Nachfolger aufzusteigen beabsichtigt. Der ALTE, „das Alte“, soll abtreten. Endgültig.
Latente Spannung. Im Außenseiter-Milieu. Da hat sich EINER entschieden. Es muss, es darf nur S0 laufen, wie er es WILL. Keine Kompromisse. Jack ist sein eigenes Gesetz. Hat sich damit aber auch überall „ins Aus“ befördert. Soziale Kontakte, intime Beziehungen, längerer Aufenthalt an einem festen Ort - passé. Sex = bezahlte Bedienung. An Clara aber (VIOLANTE PLACIDO; die attraktive Tochter des Schauspielerpaares Simonetta Stefanelli + Michele Placido) kommt er nicht vorüber. Was sofort die Spürhunde anlockt. Der Showdown wird eingeläutet.
George Clooney in einem John Wayne-/Clint Eastwood-Part. Als einsamer Wolf, der überhaupt nicht mehr damit klarkommt, daß er nicht weiß, wer WIRKLICH Wolf, wer “nur” Schaf ist. Erinnerungen an die Kälte-Movies eines Jean-Pierre Melville („Der eiskalte Engel“/Alain Delon) und eines Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“/Charles Bronson) werden wach. Clooney in der unterkühlten Delon-Bronson-Starkstrom-Stimmung. Wenige Worte, die lauernde Körpersprache, eine Atmosphäre der ständigen Anspannung. Die Holländerin THEKLA REUTEN („Brügge sehen….und sterben“/2008) als coole Mathilde rumpelt „eigenartig“ im Hintergrund. Prickelnd. Faszinierend. Bedrohend.
Für die musikalische Begleitung sorgt HERBERT GRÖNEMEYER, Corbijns britischer Haus-Nachbar und sehr guter Freund: Gediegen, eher unauffällig. „Nur“ Untermalung.
Wer mal auf einen soliden, traditionellen Spannungsfilm setzt, wird sein atmosphärisches Vergnügen haben. Die charismatische Marke CLOONEY funktioniert weiterhin pikobello (= 3 ½ PÖNIs).
Mit “Rain Man“ wurde der amerikanische Regisseur Barry Levinson auch bei uns bekannt. Jetzt endlich kommt auch sein 82er Debütfilm „ AMERICAN DINER“ von Barry Levinson (B+R; USA 1990; 110 Minuten; Start D: 06.09.1990) auf die Leinwand.
Er ist 1959 in Baltimore angesiedelt und erzählt von fünf sehr unterschiedlichen Freunden. Sie treffen sich regelmäßig in ihrem Lieblingslokal, dem ‘Diner‘, um über ihre Erfahrungen, ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume zu berichten. Ihre Gespräche handeln vom Football und vom Sex, von Beziehungsängsten und der Zukunft und von der Musik jener Tage. Sie stehen auf Elvis und Sinatra, auf Johnny Mathis und Jerry Lee Lewis. Levinson beobachtet unaufdringlich, behutsam und mit geschmackvoller Neugier seine Burschen und informiert zugleich über Atmosphäre und Muff der ausgehenden fünfziger Jahre. MICKEY ROURKE, einer der fünf, tritt noch ohne Maske und Gehabe auf und zeigt unverbrauchte, kraftvolle Begabung. An seine Seite: die Debütantin ELLEN BARKIN.
“American Diner“ ist eine cineastische Perle und wird sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch im Original mit deutschen Untertiteln angeboten (= 4 PÖNIs).
„AMERICAN DREAMZ - Alles nur Show" von Paul Weitz (B+R; USA 2006; 107 Minuten; Start D: 15.06.2006); einem 40jährigen gebürtigen New Yorker, der seit Ende der 90er Jahre im Hollywood-Business als Autor, Produzent und Regisseur arbeitet. Und der sich, gemeinsam mit seinem Bruder Chris Weitz (= ebenfalls Autor/ Produzent/Regisseur), aus den Niederungen der (sehr) erfolgreichen Klamotte ("American Pie") über das erfolgreiche wie herrlich- pointierte Hugh-Grant-Vergnügen ("About A Boy") und die intelligent-hintergründige Gesellschafts- Komödie ("Reine Chefsache") nun zur augenzwinkernd-herben amerikanischen Gesellschaftskritik hochgehievt hat. Jetzt auf dem vorzüglichen Programm: Politik als Entertainment.
Die Mitwirkenden-dabei: Ein debiler US-Präsident namens Staton (DENNIS QUAID), der sich nach seiner Wiederwahl in Depressionen flüchtet und beschließt, erst einmal einige Zeit im Bett zu bleiben, "um Zeitungen zu lesen". Sein engster Berater/sein Stabschef (WILLEM DAFOE), ein gewitzt-schleimiges Dick-Cheney-Imitat, der den Präsidenten wie ein Schoßhündchen "an der Leine" führt/lenkt. Der seinem Boss gerne schon mal Glückspillen und den "Dauer- Knopf im Ohr" verordnet. Der zynisch-selbstgefällige, anzügliche TV-Moderator Martin Tweed (HUGH GRANT in der Dieter-Bohlen-Rolle), der die erfolgreichste Fernsehshow der USA leitet/lenkt und vor nichts zurückschreckt: "American Dreamz" = Eine Art "Deutschland sucht den Superstar"-"Talent"schmiede". Um die Quoten voranzutreiben, beschließt er, ein karrieregeiles, aber skrupellos-schlaues White-Trash-Blondchen aus dem Mittelwesten (Mandy Moore) gegen einen Juden und einen musicalverrückten Araber antreten zu lassen. Der aber, Omer (Sam Golzari), ist ein Terroristen-Schläfer, der nun in der finalen Show den Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Luft jagen soll. Denn der wiederum wurde von seiner Umgebung, die wegen seinem zunehmend negativen Image in der Öffentlichkeit besorgt ist, dazu auserkoren, hier als Jury-Mitglied öffentlich aufzutreten. Drumherum-Begleiter: Der konsequent-verliebte Freund des Britney-Spears-Klon (Chris Klein); die dämlich-nett-besorgte Ehefrau des Präsidenten (Marcia Gay Harden).
Daraus macht Paul Weitz eine unterhaltsam-durchtriebene (Real-)Satire auf Politik und TV-Verdummung. Mal mit Sparflammen-Humor, mal mit hintergründig-fein-bösartig-funktionierenden Seitenhieben auf aktuelles Geschehen. Sozusagen: Wenn "WAG THE DOG" auf "NETWORK" trifft. "American Dreamz" ist eine, mit vielen frechen Gags durchsetzte irre Nummernrevue über die (inzwischen weltweit) verbreitete "Kultur der Oberflächlichkeit" und erstaunlich mutig: Denn wann-schon erleben wir in einem Hollywoodfilm den kritischen Eigen-Blick auf einen "merkwürdigen" Präsidenten und auf das zynisch-verlogene Entertainment des "Opium"-Fernsehens. Zugleich erscheint hier die amerikanische Gesellschaft weitgehend unterbelichtet-resigniert, marionettenhaft sowie einfältig-gelähmt/verblödet/egoistisch/heuchlerisch. Seinen Landsleuten hält der Film einen erstaunlich "unüblichen" Leinwand-Spiegel vor's Gesicht oder: George W. wird an dieser Hollywood-Show keine große Freude gehabt haben (= 3 PÖNIs).
„AMERICAN GANGSTER" von Ridley Scott (USA 2007; 157 Minuten; Start D: 15.11.2007); einem der renommiertesten/einflussreichsten Regisseure unserer Zeit, der 2003 von der englischen Königin "wegen seiner Verdienste um die Kunst" zum Ritter geschlagen wurde/sich somit seitdem offiziell SIR nennen darf. Scott hat im Verlaufe seiner Karriere in den verschiedensten Genres gearbeitet, wurde populär/berühmt durch seinen Science-Fiction-Horror-Klassiker "ALIEN - Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt" (1979); natürlich durch den Science-Fiction-Thriller "BLADE RUNNER" (1982/kommt am 7. Dezember, nach bereits 3 Versionen, als "Final Cut" auf den DVD-Markt) oder zuletzt durch die charmant-sanfte Komödie "Ein gutes Jahr" (2006). Ridley Scott ist 3 x in der Kategorie "Bester Regisseur" für den "Oscar" nominiert worden, ohne die Trophäe aber zu bekommen: 1992 für "THELMA UND LOUISE"; 2001 für "GLADIATOR"; 2002 für "BLACK HAWK DOWN".
"American Gangster" nun ist eine weitere Version vom PATEN, nur dass diesmal ein - authentischer -AFRO-AMERIKANISCHER Drogenbaron während der Anfang-70er-Jahre die Böse-/Gut--Chose führt. Über die Wirren des Vietnam-Krieges gelingt es FRANK LUCAS damals, ohne teure Mittelsmänner den begehrten Stoff direkt aus Südostasien in die USA zu holen. Die Folge: Hochwertiges Heroin kommt so vergleichsweise "spottbillig" zu den einheimischen Junkies. Und zu denen zählen im Übrigen auch etliche Staatsdiener. Polizist RICHIE ROBERTS jedoch widersteht den Verlockungen des weißen Stoffes und macht sich mit seinem idealistischen Team daran, den Ober-Schurken zu jagen/zu stellen.
Eine Milieustudie soll es sein, mit den "üblichen Figuren/Typen", mit viel Gerede, mit viel New Yorker Atmosphäre aus den 70ern. Vieles wirkt bekannt/gesehen/belanglos, auch weil die beiden STAR-Hauptakteure, der zweifache "Oscar"-Preisträger DENZEL WASHINGTON ("Glory"/"Training Day") und "Oscar"-Preisträger RUSSELL CROWE ("Gladiator"), in ihren Figuren nicht gerade die "beste Figur" machen. Washington wirkt viel "zu lieb", weniger hinterhältig und schon gar nicht diabolisch-verschlossen, eher wie ein netter schwarzer Papa, der für seine Sippe gerne den "American dream" verwirklichen möchte und deshalb auch schon mal tötet. "Sheriff" Crowe dagegen hechelt lange aufgeregt hinterher, um dann schließlich doch seinen Triumph auskosten zu können.
Ein vergleichsweise ziemlich mageres 157 Minuten-Epos, mit von durchschnittlichem Interesse, mit beliebigem Na-Ja- Unterhaltungswert; irgendwie ist DAS-HIER eine Art Pusteblumen-Thriller, besitzt nur begrenzten Show-Spaß (= 3 PÖNIs).
Weihnachten. Auch im Kino bedeutet dies: Rührseligkeit und Schmalz. Sentimentale Gefühle werden an sich und anderen entdeckt. Aber Vorsicht:
Auch und gerade zu Weihnachten lauern auch “ganz andere“ Töne im Kino. Gemeine Außenseiter-Töne. In schrecklich-schönen Balladen, die vom Chaos und Irrsinn dieser Welt erzählen. Ein solch schräges, freches Schmuckstück gibt es jetzt zu sehen. E r spielt natürlich mit. Er ist heute 52, kam einst neben James Dean und Peter Fonda zu Weltruhm, ging dann für lange Zeit auf private Tauchstation, um spätestens seit “Blue Velvet“ wieder furios “in“ zu sein. Die Rede ist von DENNIS HOPPER in
„THE AMERICAN WAY“ von Maurice PhiIlips (USA 1986; 92 Minuten; Start D: 22.12.1988).
Sie sind eine ebenso verschworene wie völlig überkandidelte Piraten-Gemeinschaft: Die Besatzung des ausgedienten, umgerüsteten B 29-Bombers. Sie fliegen durch die Gegend und nerven die guten Bürger mit ihrem Störsender “SM-TV“. Mit heißen Musik-Clips, bewussten Obszönitäten und scharfen politischen Statements schalten sie sich immer wieder unangemeldet in die sauberen Fernsehprogramme des Landes ein, wo Moralisten und Politiker ihre heuchlerischen Geschäfte treiben. Insbesondere haben sie es aber auf eine Präsidentschaftskandidatin abgesehen, die schon wieder vom Krieg als Notwendigkeit und als Friedensmittel faselt. Sie inszenieren einen Grabenkrieg aus der Luft, der sich gewaschen hat.
“The American Way" ist eine absurde Komödie, eine wütende Respektlosigkeit, ein grober Quatsch mit Sinn. Dabei entstehen durchaus Hänger, Luftlöcher und Phrasen aber die sind nichts gegen den beißenden Sarkasmus und die bitterböse Komik- in diesem Hau-Drauf-Spott.
“The American Way“ ist ein kräftiger, unanständiger, toller Ulk (= 3 ½ PÖNIs).