„THE CABIN IN THE WOODS" von Drew Goddard (Co-B+R; USA 2009; 95 Minuten; Start D: 06.09.2012); meine Güte, warum immer diese “deutschen” Englisch-Titel, warum nicht besser “Die Hütte im Wald”? Der Originaltitel ist keineswegs „schicker“, wie man beim „Universum-Verleih“ offensichtlich glaubt. Im Gegenteil. Klingt eher nach Beliebigkeit. Was dieser durchtriebene Horror-Stoff überhaupt nicht ist. Bietet. Dass er seit 2009 bereits fertig herumliegt, ist mal nicht seiner Qualität geschuldet, sondern Querelen hinter den Kulissen. Erst sollte „3 D“ „hinzugefügt“ werden, wogegen sich die Filmemacher wehrten - Co-Autor und Produzent Joss Whedon, neulich mit „Marvel’s The Avengers“ im Kino aktiv, und Kino-Debütant Drew Goddard / gemeinsam arbeiteten sie auch an der auch bei uns bekannten TV-Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ -, und dann wusste man nicht, WIE man dies-hier vermarkten sollte, und dann war das Studio MGM pleite. Jetzt also doch noch: Direkt aus dem Insolvenz-Giftschrank auf die Leinwand. Im „Anhängsel“ an den Blockbuster um die „Avengers“. Mit dem dortigen „Thor“-Akteur Chris Hemsworth in Sicht-Position.
Dabei fängt alles bekannt an. Fünf junge Leute, zwei Mädels, drei Jungs, wollen in einem abgelegenen Feriendomizil ein flottes Wochenende verbringen. Mit Sex, Kiffen und Bier. Beziehungsweise umgekehrt. Unterwegs geraten sie an einer „merkwürdigen“ Tankstelle zwar an einen totalen Unsympath von Psycho, das aber, besser DER aber soll die gute Laune nicht verderben. Spaß ist schließlich angesagt. Vor Ort sieht es – natürlich – alles andere als „gemütlich“ aus, ganz im Horror-Gegenteil. Eine düstere, bedrohliche, faule Atmosphäre. Vor allem dann im Keller. Wo über ein altes Tagebuch der eigentliche Schrecken ausgelöst wird. Anfangen kann.
DEN wiederum zwei, ja was, Wissenschaftler, „Lenker“, „Techniker“, mit zunehmendem Vergnügen verfolgen. SIE, Richard (RICHARD JENKINS) und Steve (BRADLEY WHITFORD), „leiten“ offensichtlich das Ganze. Als Verführ-Show. Haben die Kids „im Griff“ und vermögen sie auch jederzeit - von ihrem Schaltpult aus zu manipulieren. Damit sie ihrer eigenen Hinrichtung genüsslich (für die Außenstehenden) entgegen schrecken. Während „draußen“ „darauf“ eifrig gewettet wird. Im Umfeld eines offensichtlich gigantischen Unternehmens. Das öfters, also jetzt wieder frisches Blut benötigt. Und deshalb dieses „Spiel“ süffisant wie leger veranstaltet. Mit lakonischen Kommentaren begleitet. Wer wird als erster wie draufgehen. Und WER „tut es“ diesmal. So in der Art.
Horror mit doppeltem Boden. Pikant. Reizvoll. Deftig, natürlich. Denn es geht schon gehörig zur Vernichtungssache. Vor allem, als einige Kids „versehentlich“ überleben. Und ihrerseits „zur Bedrohung“ werden. Für das ganze fein installierte Überwachungs-/ Vernichtungssystem. In diesem Labor. Unternehmen.
Da gibt es reichlich zum Interpretieren. Mutmaßen. Deuten. Ein Puzzle mit spannenden Ideen. Als Mix von Science Fiction-Horror-Endzeit-Monster-„Plausch“. Mit vielen Genre-Zitaten, „Scream“ & Co. lassen pikant grüßen. Und wenn gegen Ende sogar „die Chefin“ SIGOURNEY WEAVER auftaucht, die ja einst so brillant Aliens attackierte, kriegt die obskure, raffinierte Chose sogar blutroten Vergnügungscharme. Ein originelles Höllen-Drama (= 3 PÖNIs).
„CACHÉ", von Michael Haneke (B+R; Fr/Österreich/D/It/USA 2005; 117 Minuten; Start D: 26.01.2006) was soviel heißt wie "Versteckt", lautet der neueste Film des (inzwischen in Frankreich lebenden) Österreichers MICHAEL HANEKE, der ein Liebling der Cineasten und des internationalen Feuilletons ist. Und der sich mit "sadistischen" Filmen á la "Funny Games", "Bennys Video" oder neulich "Die Klavierspielerin" intensiv "hochgedient" hat. Dieser neueste Streich, im Vorjahr in Cannes mit der "Goldenen Palme" für die "beste Regie" ausgezeichnet und inzwischen auch mit dem "Europäischen Filmpreis 2005" bedacht, quält wieder gerne Protagonisten und Zuschauer: Ein gutbürgerliches Pariser Ehepaar (einschließlich pubertärem Sohn) wird durch anonym versandte Videokassetten "verschreckt".
Obwohl auf denen nur Bilder vor ihrem Wohnhaus zu sehen sind, geraten sie in Panik und sehen/fühlen sich bedroht. Und siehe da, in der Tat liegt schließlich, nach ebenso mühseligen wie unsinnigen Recherchen des wütenden, verunsicherten Mannes, dem Ganzen eine vermeintlich "böse Tat" aus der Kindheit/Jugendzeit des Ehemannes, Moderator einer bekannten Literatursendung aus dem Fernsehen, zugrunde.
Oder auch nicht, denn Autor und Regisseur Haneke sagt nie, was wirklich Sache ist. Deutet an, lässt vorwiegend eine typisch intellektuell-künstliche, bedeutungsschwangere Sprache sprechen und bleibt unverbindlich-langweilig. Ist aber wenigstens nicht so psychisch wie physisch-"grausam" wie in den vorherigen düsteren Seelen-Filmen. JULIETTE BINOCHE und DANIEL AUTEUIL geben sich als "aufgeschrecktes Ehepaar" einige Mühe mit diesem "Was Soll`s"-Getue (= 2 PÖNIs).
Aus Hollywood erreicht uns dieser Tage eine Komödie von 1979, die es in sich hat.
„CADDYSHACK“ von Harold Ramis (Co-B+R; USA 1979; 98 Minuten; Start D: 31.07.1981); heißt sie. Der Regisseur arbeitete einst im Team der satirischen Zeitschrift “National Larnpoon“ mit und setzte hier das fort, was er dort so fein gelernt hatte. Nämlich mit viel Schadenfreude die seriösen, sauberen Dinge des Alltags unheimlich komisch zu verulken. Wie hier beim Thema Golf.
Wie man einen dieser exklusiven US-Golf-Clubs von innen wie außen herrlich demontieren kann, bemüht sich “Caddyshack" mit hintergründigem Witz und aufrührerischem Temperament zu beweisen. Dabei helfen Star-Komiker wie Chevy Chase, Bill Murray oder Rodney Dangerfield. Nach dieser Alberei jedenfalls betrachtet man Bernhard Langer und Anhang mit gänzlich anderen Augen und Gedanken (= 3 PÖNIs).
Vor der Kamera hat sich der amerikanische Entertainer, Komiker und Schauspieler ROBIN WILLIAMS einen hervorragenden Namen gemacht. Mit Filmen wie “Garp oder wie er die Welt sah“, “Good Morning Vietnam" und “Der Club der toten Dichter“ feierte er Triumphe. Sein neuester Streich heißt „CADILLAC MAN“ von Roger Donaldson (USA 1990; 97 Minuten; Start D: 17.08.1990). In dem Film spielt Robin Williams einen besessenen Autoverkäufer und Verführer, der pausenlos in beruflichen und privaten Schwierigkeiten steckt und dennoch keine Probleme sieht.
Die Story ist flach und langweilig, aber Williams ist nicht schlecht. Das ist das Fazit einer Komödie, die schwach erzählt und inszeniert ist, aber von Robin Williams als Personality-Show benutzt wird und dadurch stark gewinnt. Also:
"Cadillac Man" ist ein schwächerer, dennoch sehenswerter neuer Spaß mit diesem Multi-Talent Robin Williams (= 2 ½ PÖNIs).
„CAIRO TIME“ von Ruba Nadda (B+R; Kanada/Irl/Ägypten 2009; 88 Minuten; Start D: 01.09.2011); die am 6. Dezember 1972 in Montreal als Tochter eines Syrers und einer Palästinenserin geborene Drehbuch-Autorin, Regisseurin und Produzentin studierte in New York Filmproduktion. Schuf zahlreiche Kurzfilme, von denen mehrere preisgekrönt wurden. Im Jahr 2000 begann sie Langfilme zu drehen. „Cairo Time“ ist ihr insgesamt vierter Spielfilm (davor zuletzt „Sabah“/2005), der auf dem Festival von Toronto als „bester einheimischer Film“ ausgezeichnet wurde. Vor allem auch, weil SIE in der Hauptrolle glänzt: Es wird höchste Zeit, die wunderbare Südstaaten-Schönheit PATRICIA CLARKSON zu würdigen. Wir kennen ihr Gesicht aus vielen Filmen, wo sie exzellent „im Hintergrund“ auftrat, wie in „Shutter Island“ von Martin Scorsese, in „Vicky Cristina Barcelona“ von Woody Allen oder in „Good Night, and Good Luck“ von George Clooney. Nun betritt die (zur Drehzeit) 49jährige aus New Orleans/Louisiana ENDLICH ihren Olymp und darf – wie gewohnt – leise dominieren. Und: Wir blicken auf keine Frau der modernen Ära Fratzenkultur, mit ekligem „Botox-Charme“ und falschem Dauergrinsen, sondern auf eine hochinteressante, hellhäutige, blonde schöne Frau “in den besten Jahren“.
Patricia Clarkson spielt die amerikanische Modejournalistin Juliette. Mutter zweier erwachsener Kinder. Deren Ehemann Mark arbeitet seit Wochen für das UN-Flüchtlingswerk im Krisengebiet von Gaza. Als sich seine Dienstzeit dem Ende nähert, reist sie ihm allein nach Kairo nach. Um mit ihm dort einige Urlaubstage zu verbringen. Doch Mark kommt nicht weg. Also beginnt Juliette, sich „mit Kairo“, dieser jetzt, im Sommer, so heißen wie chaotischen 17 Millionen-Metropole, neugierig „zu befassen“. Doch auch für eine selbstbewusste wie emanzipierte Frau ist es nicht einfach, die ägyptische Hauptstadt solo zu erkunden. Ohne Begleitung. Männliche Begleitung. Also sucht sie den Begleiter-Kontakt zum charismatischen Tareq (ALEXANDER SIDDIG), einem ehemaligen Mitarbeiter ihres Mannes und geschätzten einheimischen Freund. Gemeinsam begeben sie sich auf eine kulturelle wie zutiefst individuelle Sightseeing-Tour durch die pulsierende faszinierende Großstadt. Erleben die antike Schönheit und den orientalischen Zauber dieser magischen Region. Und natürlich: Zwischen diesen beiden zurückhaltenden Menschen beginnt es langsam „zu funken“. Kleine behutsame Gesten, respektvolle Blicke, das kluge Wie im Umgang. Dabei sind beide in ihren Lebenswegen tief verwurzelt. Befinden sich in einem Alter, wo „Backfischdenken“ und „Wechselgefühle“ eigentlich passé sind. Eigentlich.
Man muss diese zarte, spröde, elegante wie jugendliche Um-die-50-Frau Juliette alias PATRICIA CLARKSON einfach erleben. Anschauen. Genießen. Diese zierliche, bisweilen gebrechlich wirkende Schönheit beobachten. Ein Ereignis wie ein Vergnügen. Beziehungsweise umgekehrt. Es sind diese kaum vorschreibbaren Momente von melancholischer Regung, von Sehen, Sprechen, Bewegen. Diese feine Körpersprache. Mit der alles gezeigt, gesagt, beschrieben, ausgedrückt wird. Unauffällig. Unverkrampft. Zärtlich. Simpel. Wunderschön. Patricia Clarkson ist eine brillante intime Ansage. Und hat mit dem 44jährigen sudanesisch-britischen Kollegen ALEXANDER SIDDIG, dessen bislang auffallendste Rolle die des Dr. Julian Bashir in der US-Fiction-TV-Serie „Deep Space Nine“ (1993-1999) war, einen adäquaten Partner. Als Tareq ist er ein ebenso spannender wie „vorsichtiger“ Begleiter. Und ein einfühlsamer Stichwortgeber für seine phantastische „Mitreisende“.
„Cairo Time“ bewegt sich auf der überzeugenden Filmlinie von „Before Sunrise“ von Richard Linklater, wo Julie Delpy und Ethan Hawke Mitte der 90er Jahre einen unvergesslichen Tag in Wien verbringen, oder Sophia Coppolas Meisterwerk „Lost in Translation“ von 2003, wo auf so wundersame Weise die einsamen Seelen von Scarlett Johansson und Bill Murray in Tokio zusammentreffen.
„Cairo Time“ gesellt sich zu ihnen: Ist einer der schönsten Kino-Liebesfilme der letzten Jahre (= 4 PÖNIs).
„CAMILLE CLAUDEL“ von Bruno Nuytten (Fr 1988; 175 Minuten; Start D: 18.05.1989); der Debütfilm von einem der bedeutendsten Kameramänner Frankreichs.
Der französische Wettbewerbsfilm der diesjährigen Berlinale ist vieles. Eine auf authentischen Fakten basierende historische Geschichte. Eine Schicksalsbeschreibung zweier außergewöhnlicher, mit extremen Gefühlen ausgestatteter Künstler/Bildhauer. Die erst schöne, dann schmerzhafte Liebesromanze eines Paares. Die emanzipatorische Anstrengung einer leidenschaftlichen Frau inmitten einer Welt von Männer-Dominanz. Die Beschreibung einer kalten, seelenlosen Gesellschaft, die für ihre großen Talente keinen Freiraum lässt. Und die dann, bei entsprechenden Temperamentsausbrüchen, für verrückt erklärt und verkommen lässt. Und: Zuallererst ist “Camille Claudel“ auch ein grandioser Schauspieler-Film, in dem ISABELLE ADJANIund GERARD DEPARDIEU das Kraftfeld sind und die Leinwand ausfüllen und beherrschen.
1884 begegnen sie sich das erste Mal. Camille Claudel, Schwester des Dichters Paul Claudel, und Auguste Rodin, anerkannte Kapazität als Bildhauer. Sie ist 20, er 44. Beide sind besessen von ihrer Kunst und beginnen zusammenzuarbeiten. Aus den beruflichen Bindungen entstehen auch private. Aber Rodin ist verheiratet, kann und will sich aus seinem Umfeld und den Konventionen nicht richtig lösen. 15 Jahre dauert ihre anstrengende Beziehung. Bei der es immer wieder und immer mehr Zoff gibt. Er fühlt und begreift sich als das unantastbare Genie, an dem keinerlei Kritik angebracht und überhaupt möglich ist.
Camille fühlt sich verraten, unverstanden und zurückgedrängt. Begehrt auf, macht Rabatz, um als Künstlerin und Frau akzeptiert zu werden. Und verliert. "Camille Claudel" endet mit dem von Mutter und Bruder betriebenen Abtransport in die Nervenheilanstalt. Wo sie vereinsamt und vergessen 30 Jahre verbringen und sterben wird.
"Camille Claudel“ ist ein großer, ein bewegender Film,
der von vielen Seiten her interessiert. Der die lange Mühe wert ist, zuzusehen und zuzuhören. Der die Gefühle genauso bewegt und traktiert wie die Gedanken. “Camille Claudel“ - ein Film für Liebhaber des schönen, intelligenten Kinos (= 4 ½ PÖNIs).
„CANDY MOUNTAIN“ von Robert Frank und Rudy Wurlitzer (B+R; Schweiz/Kanada/Fr 1988; 91 Minuten; Start D: 30.03.1989).
Der junge Julius ist als Arbeiter und Rockmusiker gleichermaßen erfolglos und sieht seine letzte Chance darin, für eine fette Prämie den verschwundenen, legendären Gitarrenbauer Elmor Silk zu suchen. Dabei gerät Julius auf einen merkwürdigen Trip durchs kalte Amerika und Kanada. Seltsame Leute begegnen ihm, mit denen er andauernd irgendwelche Geschäfte vereinbart, die ihn aber in immer schwächere Positionen und akuten Geldmangel bringen. Doch Julius gibt nicht auf, mögen die Typen auch noch so schräg und “verrückt“ sein. Wie die Frau, die nachts Hirsche jagt. Oder der Friedensrichter, der eine seltsame Auffassung und Auslegung von Recht und Ordnung hat. Oder das grölende Ehepaar, das sich gegenseitig nur noch terrorisiert. DasJulius dabei schon mal auf einem ganz normalen Weg mit einem Schiff kollidiert, erscheint dann nicht sehr ungewöhnlich mehr. Am Ende trifft er auf das Idol, doch der fühlt sich davon überhaupt nicht beeindruckt.
"Candy Mountain" ist ein aufregender Film mit vielen exotischen Figuren und Geschichten. Die meisten Darsteller sind bekannte Musiker und Songwriter wie Tom Waits, Joe Strummer, Rita MacNeil, Dr. John oder Rock- Poet Leon Redbone. Der Film wird denn auch getragen und phantastisch illustriert von ihrer Musik und dem unwiderstehlichen Charme des Blues. “Candy Mountain“ ist eines der besten Road-Movies, die je gedreht wurden (= 5 PÖNIs).
„CAPOTE" von Bennett Miller (USA 2005; 114 Minuten; Start D: 02.03.2006); einem versierten amerikanischen Dokumentar- und Werbefilmer, der hier sein Spielfilmdebüt vorstellt (B: Dan Futterman/ein Schauspieler - z.B. "Birdcage - Ein Paradies für schräge Vögel"/1996 - als Drehbuch-Autor-Debütant).
Basierend auf der gleichnamigen Buch-Vorlage von Gerald Clarke aus dem Jahr 1988 (= die 13 Wochen lang in der Bestsellerliste der "New York Times" war - ein Rekord für eine literarische Biographie) entstand ein Porträt des legendären US-Schriftstellers TRUMAN CAPOTE (30.9.24 - 25.8.84), dass deshalb so GRANDIOS "funktioniert" und für 5 "Oscars" nominiert wurde, weil der Capote-Darsteller PHILIP SEYMOUR HOFFMAN ("Owning Mahony") unglaublich-genau und prickelnd-amüsant die Tonart und Körpersprache dieses kleinen, exzentrischen, schwulen, mit einem piepsenden Vokal ausgestatteten, scharfzüngigen New Yorker Intellektuellen und genialen Schriftstellers ("Frühstück bei Tiffany") trifft. Der hier auf seinem mühseligen, egozentrischen, einsamen Recherche-Weg zu seinem Literatur-Meisterwerk "KALTBLÜTIG von 1966, seinem letzten vollendeten Roman, beobachtet/beschrieben/geschildert wird.
Ein brillantes filmisches Meisterwerk, das wunderbar-eindringlich und faszinierend-spannend davon erzählt, wie kraftraubend/seelenintensiv erfolgreiche KREATIVE ARBEIT sein kann (= 5 PÖNIs, keine Frage).
„CAPTAIN AMERICA – THE FIRST AVENGER” von Joe Johnston (USA 2010/2011; 124 Minuten; Start D: 18.08.2011); darf in einigen Ländern wie Russland, Südkorea und der Ukraine auch nur mit dem “Nachbindestrich-Titel” in die Kinos kommen, um den Ticketverkauf „ja nicht zu gefährden“. Denn mit einem Helden namens „Captain America“ tun sich inzwischen weltweit immer mehr Menschen schwer. Obwohl es sich ja „nur“ um eine Comic-Figur auf der Leinwand handelt. Die in den USA erstmals 1941 auftauchte. Also nicht nur zur allgemeinen Belustigung, sondern auch als Kriegspropaganda diente. Und gegen Schurken wie Nazis, Kommunisten und üble Saboteure kämpfte. Nach „Iron Man“, „Der unglaubliche Hulk“ sowie „Thor“ darf sich nun ein weiterer Superheld aus dem Comic-Hause Marvel auf der Leinwand austoben. Wie zuletzt 1990 in dem Film „Captain America“ von Albert Pyun (mit einem Matt Salinger in der Titelrolle). Warum DAS allerdings im Jahr 2011 wieder passiert, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Einen meinen, weil im kommenden Jahr das ganze versammelte Comic-Superhelden-Team von Marvel in dem geplanten „Superfilm“ mit dem Titel „Die Rächer“ auftreten soll. Andere wie ich glauben, dass mit diesem Blockbuster-Stuss (= Produktionskosten geschätzte 140 Millionen Dollar) auch ein „Republikanischer Held“ in den patriotischen Wahlkampf-Ring um die nächste US-Präsidentschaft geworfen wird: Im November 2012 soll bekanntlich, mit Unterstützung der reaktionären „Tea-Party“-Bewegung, Barack Obama „gestürzt“ werden. Koste es was es wolle. Amerika soll wieder konservativ, also RECHTSgerückt werden. Deshalb diese Type heute, deshalb dieser Film.
DER natürlich anno 2. Weltkriegs-Ära „eingerichtet“ ist. Wo es ein schmales, dünnes Jüngelchen mit Namen Steve Rogers NICHT in die Army schafft. Dabei will er doch so gerne dorthin. Möchte seinem Land dienen. Nutzen. Ein totaler Gut-Mensch. Der dann Glück hat. Weil er von einem Wissenschaftler„entdeckt“ wird, der an einem geheimen Projekt arbeitet. Mittels dessen aus einem Little Boy ein ganzer Militär-Kerl werden kann. Mit vollen Muckis, Super-Kräften, einem markigen blonden Seitenscheitel und diesem bescheuertem Zahnpasta-Zuversicht-Lächeln. Mr. Captain als optimistischer, offensiver All-American-Führer. Hauptfeind ist ein Super-Super-Nazi, der natürlich bis kurz vor Schluss die gemeine Oberhand behält. Ein nettes, stets gut geschminktes Militär-Mädel befindet sich natürlich auch wie „dezent“ an der Seite des guten Helden, damit er immer auch ein Liebes-Ziel nach der erfolgreichen Mission anzusteuern weiß. Aber erst einmal - erst die Arbeit, dann das Vergnügen - gilt es, „den Krieg“ zu gewinnen. Im engen wie schmucken Fahnen-Kostüm. Inmitten einer dann natürlich gigantischen, lärmenden Materialschlacht.
Natürlich wird dies bisweilen, ha-ha-ha, ironisiert angeboten. Etwa wenn „The American“ in einer Roadshow durchs Land tingelt, um in einer Art Propaganda-Kasperletheater Freiwillige „für die große Aufgabe“ zu gewinnen. Soll lächelnd-ulkig sein. Und wirken. Bleibt aber genauso beknackt wie diese einfältige, primitive Langeweile-Show hier. Marke: „WE WANT YOU!“ Wir brauchen Dich. Um unser schönes, gefährdetes Amerika zu verteidigen. Mit bedingungsloser Vaterlandstreue und markigem Brimborium. Ala - wir sind stark. Uns kann keiner. Schließlich haben wir die Besten der Besten. Zumindest auf dem Papier und wenigstens auf der Leinwand.
Ein ziemlich durchsichtiger Doof-Film. Platt wie glatt militaristisch. Mit Nazis als Talibans. In einer von Pathos triefenden Hollywood-Schlacht. Und natürlich in 3 D. Das immer unattraktiver wird. Und mit vielem Durchschnittspersonal. JOE JOHNSTON, 60, zählt zu den „Mitmachern“ in Hollywood. Hat sich mit Streifen wie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989), „Jumanji“ (1995), „Jurassic Park III“ (2001) oder „Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm“ (2004) einen freundlichen Unterhalter-Namen gemacht. Der 29jährige CHRIS EVANS (war 2005 der „Johnny Storm“ in der Comicbuch-Adaption „Fantastic Four“) als „aufgepumpter Held“ ist ungefähr so aufregend wie ein Butterbrot von vorgestern. Seinen schurkischen Gegenspieler mimt der 50jährige australische Akteur HUGO WEAVING, bekannt geworden durch den Part als Agent Smith in der „Matrix“-Trilogie (1999-2003), schon interessanter. Als dämonischen Spannungs-Irren. Nebenher laufen nette „Freunde“ wie Natalie Dormer (Model) und die Promis STANLEY TUCCI und „Oscar“-Hero TOMMY LEE JONES durch die künstlich aufgeheizte Szenerie und kloppen Sprüche.
Der Film „Captain America – The First Avenger“ ist eine blöde, dusslige Lachnummer. Ohne Humor, Herz und Seele. Ist von nur (sehr) geringem Unterhaltungswert (= 1 PÖNI).