„CHÉRI – Eine Komödie der Eitelkeiten“ von Stephen Frears (GB/D/Fr 2008; 93 Minuten; Start D: 27.08.2009); der am 20. Juni 1941 in Leicester geborene britische Regisseur und Produzent zählt zu den innovativsten und spannendsten europäischen Filmemachern überhaupt und hat sich mit Filmen wie „Mein wunderbarer Waschsalon“ (1985); „Samy und Rosie tun es“ (1987); „Gefährliche Liebschaften“ (19887mit Glenn Close/John Malkovich/Michelle Pfeiffer)); „Grifters“ (1990/mit Anjelica Huston); „Ein ganz normaler Held“ (USA-Produktion von 1992/mit Dustin Hoffman); „Lady Henderson präsentiert“ (2005/mit Judi Dench) sowie natürlich „The Queen“ (2006/“Oscar“ für Helen Mirren) ganz weit vorne in die Bestenlisten der cineastischen Klassiker katapultiert. Der 63jährige CHRISTOPHER HAMPTON gehört zu den renommiertesten britischen Autoren überhaupt und hat sich sowohl als Bühnen-Autor wie auch als Drehbuch-Schreiber und auch als Regisseur einen hervorragenden Namen gemacht. Für sein Drehbuch zum Frears-Film „Gefährliche Liebschaften“, basierend auf seinem eigenen Theaterstück, bekam er 1989 den „Oscar“ zugesprochen. Für sein Drehbuch zum Drama „Abbitte“ wurde er 2007 „Oscar“-nominiert. „Carrington“ (1995), „Der Geheimagent“ (1996) und „Verschleppt“ (2003) sind seine Regie-Filme. Für „Chéri“ adaptierte Hampton den gleichnamigen Roman der französischen Schriftstellerin COLETTE (1873-1954).
Dieser 1920 verfaßte Roman basierte auf „eigenen Erfahrungen“ der Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, die im Alter von 47 Jahren ein Verhältnis mit dem 30jährigen jüngeren Sohn ihres Mannes aus erster Ehe hatte und 1926 mit „Chéris Ende“ einen Fortsetzungsroman schrieb, den Hampton/Frears für den Film als Epilog verwenden. Paris, gegen Ende der Belle Epoque, am Beginn des 20. Jahrhunderts. Léa de Lonval, die namhafte, erfolgreiche Edel-Kurtisane, ebenso schön wie in die Jahre gekommen, will in den Ruhestand gehen. Sie ist (sehr) reich, also unabhängig, um die 50 plus, lebt in großem Luxus. Das gesellschaftliche Problem in jenen Jahren: Kurtisanen wurden zwar allgemein akzeptiert, aber auch geächtet. „Man“ wollte mit ihnen nichts zu tun haben, also lebten diese quasi „unter sich“. Andere soziale Kontakte waren kaum vorhanden. So traf man sich, alt- wie dauerbekannt, plauderte feinsinnig mit bösartigem Charme, duellierte sich mit eleganten Verbal-Pfeilen. Das Lächeln der Löwinnen. Als eines Tages eine ehemalige Kollegin und Rivalin, Madame Preloux, Léa um einen Gefallen bittet, beginnt die schöne Chose, denn es geht um deren 19jährigen Sohn Chéri. DER ist mit seinen 19 schon ziemlich „erschöpft“, müde, dabei ebenso hübsch wie verwöhnt. Sie, Léa, soll ihn „antreiben“, zum Mann machen, in die Geheimnisse der Liebe einweihen, aus seiner Lethargie holen. Wir ahnen es, was als Flirt-„Unterricht“ beginnt, entwickelt sich zur feurigen beiderseitigen Leidenschaft. Zu einer großen Liebe für 6 Jahre. Dann hat die Mama genug, intrigiert erfolgreich, drängt ihn in die Heirat mit einer Jüngeren.
Was sich zunächst nach einer banalen 08/15-Love-Story wie gehabt anhört, wird von Stephen Frears grandios angepackt: Als großes Gefühlskino mit viel Seelen-Sicht. Und beeindruckender Emotionalität. Die von a wie aufregend über l wie leidenschaftlich und leidend bis v wie verzweifelt reicht. Zwei Menschen „haben sich gefunden“. Obwohl altersmäßig weit auseinander, entpuppt sich ihre Beziehung nicht als oberflächlich, sondern als intensiv, zärtlich, partnerschaftlich-tief-verbunden. Was „drumherum“ in jenen Zeiten natürlich mißfällt und auf Ablehnung stößt. Aber es sind wenigstens sechs erfüllte, hingebungsvolle, genußvolle Beziehungsjahre. Der Film „CHÉRI“ zeigt sich zunächst als grandioser Augenschmaus. Als ein Kostümfilm zum Schwelgen. In Sachen Kleider, Möbel, Fassaden. ELEGANZ, wo man hinblickt. Verschwenderisch, luxuriös, betörend. Der SCHAUWERT ist hier enorm. Und wird sogleich mit wunderbaren Dialogen „gefüllt“: Mit geschliffenen, doppelbödigen, feinsinnigen Dialogen und Gedanken. Inmitten einer elegant-vergifteten Tonart-Stimmung. Etwa wenn die gealterten Salon-Ladies die Traurigkeiten des Alterns mit Boshaftigkeiten und Gemeinheiten delikat zu überspielen versuchen. Grandios diese bitteren Verbal-Tupfer als Mundart-Treffer. Als klug ausgefeilte Wortwitz-Pointen.
Aber der Tanz auf der gesamten Gefühlpalette des Emotionsvulkans wäre nicht so vollkommen, wenn nicht die namhaften Akteure dies so prächtig ´rüberbringen würden. Dabei ganz vorne, „an der Rampe“ sozusagen, die heute 51jährige MICHELLE PFEIFFER. Sie, die sich desöfteren längere filmische Auszeiten gönnte und einst die Hauptrollenangebote für „Das Schweigen der Lämmer“ (= stattdessen Jodie Foster/“Oscar“) und „Basic Instinct“ (= stattdessen Sharon Stone) ablehnte, wurde bisher 3 x für den „Oscar“ nominiert („Gefährliche Liebschaften“/“Die fabelhaften Baker Boys“/1990 und „Love Field“/1993). Wie sie hier diese zwischen Beherrschung und Loslassen angesiedelte Léa dominant-tragisch zeigt, ist brillant. Eine zauberhafte Charme-Fassade; ein imponierendes Charakter-Bollwerk. Der 25jährige Brite RUPERT FRIEND als Chéri-Jüngelchen hält kongenial mit, findet körpersprachlich jederzeit den angemessenen, charismatischen Begleit(er)-Ton. Zwischen himmelhochjauchzend und tief betrübt. Während die „Oscar“-Preisträgerin KATHY BATES („Misery“) eine sagenhafte Salon-Löwin als prächtige Mama-Furie vorführt. Was für eine herrliche, feine Bösartigkeit! Der neue Stephen-Frears-Film „Chéri“, im Frühjahr beim Berlinale-Wettbewerb erstaufgeführt, täuscht perfekt: Gibt sich als harmloser Liebesfilm, erweist sich aber als eine stürmische, reizvolle, lakonisch-elegante Menschen-Komödie der faszinierenden Eitelkeiten. Ebenso darstellerisch-köstlich wie gedanklich imponierend-leuchtend. Ein kunstvoller Unterhaltungstreffer! (= 4 PÖNIs).
Die besten und spannendsten Kino-Geschichten schreibt das Leben selbst. Das haben wir durch Stories wie “Rififi“ oder “Bonnie und Clyde“ erfahren. Auf authentischem Material beruht auch der britische Streifen „CHICAGO JOE UND DAS SHOWGIRL“ von Bernard Rose (USA 1990; 103 Minuten; Start D: 30.08.1990).
Der spielt an 6 Tagen im Oktober 1944 in London. Bonnie und Clyde, das sind hier die 18jährige Georgina und der 22jährige Ricky. Das Tanzgirl mit den Glamour-Flausen im Kopf und der gelangweilte amerikanische Soldat. Nachts ziehen sie los, um “was zu erleben“. Und dabei steigern sie sich in einen kriminellen Lust-Rausch, der schließlich in einem Mord eskaliert.
“Chicago Joe und das Showgirl“, der Film ist weitaus besser als es dieser Titel vermuten lässt, konzentriert sich mehr auf die psychologischen als auf die spektakulären Motive. Beschreibt die familiären und gesellschaftlichen Hintergründe und bezieht die schlimme Kriegszeit mit ein. EMILY LLOYD, seit “Wish You Were Here“ auch bei uns ein Begriff, spielt überzeugend die kindliche Gangster-Braut, KIEFER SUTHERLAND ist der smarte, schwächliche Möchtegern-Held. “Chicago Joe und das Showgirl“ ist ein spannendes, düsteres Psychogramm aus einer bösen Zeit (= 4 PÖNIs).
„CHICO & RITA" von Fernando Trueba und Javier Mariscal (Spanien/GB 2010; 94 Minuten; Start D: 30.08.2012); WIE kraftvoll, WIE beeindruckend phantasievoll, WIE zeichnerisch detail-begeisternd das Animationskino inzwischen ist bzw. sein kann, offenbart sich an dieser faszinierenden filmischen Blütenpracht. Sie vermischt eine wirbelnde „lebenslange“ Liebesgeschichte mit exotischen Orten und – vor allem – mit der Epoche des Jazz. Nimmt ihren Anfang im kubanischen Havanna des Jahres 1948. Wo der junge Jazz-Pianist Chico in einem Nachtclub der hinreißenden Sängerin Rita begegnet.
Natürlich, erst die gewohnten emotionalen Balgereien, dann ist - eigentlich - sofort klar, hier haben sich Topf & Deckel gefunden. Über die Musik direkt ins Herz. Es könnte optimal sein, gäbe es da nicht die jahrgangsbedingte Unruhe. Von wegen Missverständnisse, Sturheit, unkontrollierte Hitze. Ihre Wege trennen sich. Und kreuzen sich immer wieder. Von Kuba aus heißen ihre verschiedenen Naht- wie Berührungsstellen nach Kuba die USA (New York, Los Angeles/Hollywood) und Europa. Und zurück. Havanna. Bühnen-Triumphe sind begleitet vom Rassismus jener Epoche, von politischer Ruhigstellung (als Fidel Castro diese Musik als „imperialistische“ verbietet), von diesen ewigen, belastenden Herz-Schmerzen um die einfach nicht zustandekommen wollende Partnerschaft. Doch Schwermütigkeit ist hier nicht „das Ding“, ganz im Gegenteil. Musik vermag vieles zu betäuben. Bevor sich Chico & Rita dann nach sechs Jahrzehnten doch noch („endgültig“) wieder begegnen. Grandiose Jazz-Klänge von / mit Größen wie Bebo Valdés, dem der Film gewidmet ist, Dizzy Gillespie, Cole Porter oder Charlie Parker bestimmen den packenden Rhythmus. Von Nat King Cole. Und Chano Pozo, der als erster Percussionist in einer Jazz-Band spielte. Für DIESE Musik und Songs wurden die Jazz-Klassiker von einst von heutigen Musikern (wie dem Bruder von Nat King Cole, Freddy oder von Jimmy Heath/Altsaxophon = Charlie Parker) „unter demselben Volldampf“ eingespielt. Mit dem vollen Klang-Fieber.
Für den „Wahnsinns“-Soundtrack des Films, der Titel von Thelonious Monk, Cole Porter, Dizzy Gillespie oder Freddy Cole enthält, ist BEBO VALDÉS verantwortlich. Im doppelten Sinne. Bebo Valdés, am 9. Oktober 1918 in Havanna geboren, war als Pianist, Komponist und Arrangeur einer der größten Musiker seiner Zeit.1960 emigrierte er nach Schweden und blieb viele Jahre „weg“. Erst drei Jahrzehnte später entdeckte ihn der spanische Regisseur, Drehbuch-Autor und Produzent Fernando Trueba in einem Stockholmer Restaurant am Klavier. Im Jahr 2000 feierte seine Musik in Truebas Film „Belle Epoque“, der mit dem Auslands-„Oscar“ ausgezeichnet wurde, endgültige Wiederauferstehung. Wiedergutmachung. Wie hier weiterhin. Im Team mit Regisseur FERNANDO TRUEBA, 55, und dem 60jährigen spanischen Designer und Illustrator JAVIER MARISCAL. Der für diese authentischen Stimmungsmotive von Städten, Straßen, Gassen, Clubs, für die detail-versessenen farbhistorischen Genauigkeiten wie Kleidung, Werbetafeln, Lichter, Autos atmosphärisch sorgte. Für diese dampfende Licht- und Jazz-Fotografie. Bei der man schnell vergisst, doch „nur“ einem Animationsfilm zuzuschauen.
Preise hat der Film verdientermaßen inzwischen abgeräumt wie den „Goya“ (den spanischen „Oscar“) als „Bester Animationsfilm“; den „Europäischen Filmpreis“ sowie den Preis für die „Beste Animation“ beim renommierten Trickfilmfestival Stuttgart. Zudem gab es eine „Oscar“-Nominierung in diesem Jahr. Für die BBC ist „Chico & Rita“ „einer der zehn besten Filme des Jahres“. Und der Kritiker der „New York Times“ schwärmte: „Sexy, süß, zauberhaft – eine unfassbar reiche Liebeserklärung an Kuba und seine Musik“. „Visuell hinreißend“ stand in der „Washington Post“.
In der Tat - SO fortschrittlich, spielerisch, phantasievoll überbordend, so „erwachsen“ war ANIMATION im Kino selten. Der coole Spaß ist enorm (= 4 PÖNIs).
„CHIKO" von Özgür Yildrim (B+R; D 2007; 92 Minuten; Start D: 17.04.2008); lief im "Panorama"-Programm der diesjährigen Berlinale; Milieu-Kleingangster-Studie um einen von der Hamburger Drogenszene faszinierender Draufgänger, der mit seinem Kumpel die schnelle Karriere anstrebt und sich dabei mit einer Kiezgröße (MORITZ BLEIBTREU)anlegt.
Harter Genre-Toback, aber "moralisch" recht simpel gestrickt (= 3 PÖNIs).
„CHILDREN OF MEN" von Alfonso Cuarón (USA/GB/Japan 2006; 109 Minuten; Start D: 09.11.2006); einem mexikanischen Regisseur, der seine Vielseitigkeit mit der Romanze "Große Erwartungen"/1997, dem Jugend-Drama "Y tu mama tambien - Lust for Life!" (2001) und dem vorletzten Harry-Potter-Spektakel ("Harry Potter und der Gefangene von Askaban"/2004) unter Beweis gestellt hat. Mit der Verfilmung eines Science-Fiction-Romans der Autorin P.D. James ("Im Land der leeren Häuser") erprobt er sich nun an einem neuen Genre: Einem Endzeit-Thriller, der in seiner morbiden Dunkelheit sofort Gedanken an den Ridley-Scott-Klassiker "Blade Runner" aufkommen lässt: Die Menschheit ist im Jahr 2027 unfruchtbar geworden; aus unbekannten Gründen können die Frauen keine Kinder mehr auf die Welt bringen.
Deshalb ist auch der Planet Erde auch zu einem unwirtlichen Lebensraum geworden, in dem Anarchie herrscht. Die Weltordnung ist zusammengebrochen, die westliche Demokratie zur Diktatur mutiert. Kriegs-Recht gilt. Die Menschheit, obwohl und ohnehin dem Untergang geweiht, bekämpft sich mit aller Brutalität und bringt sich gegenseitig um. Flüchtlinge, unter ihnen auch viele Deutsche, werden gedemütigt. Chaos, Gewalt und Nationalismus zählen zum normalen Alltag. Großbritannien, der verdreckte, zerfallene Handlungsort, ist ein faschistoider Polizeistaat. Paramilitärische Einheiten beschützen die dekadenten Wohlhabenden und gehen mit aller Härte gegen Oppositionelle und Terrorgruppen vor, deportieren unerwünschte Personen wie illegale Flüchtlinge in Konzentrationslager.
Mittendrin: Der Regierungsagent und Ex-Freiheitskämpfer Theo. Der resigniert hat und sich aus allem raushält. Dann aber wird er verschleppt. Von der Untergrundgruppe seiner Ex-Geliebten. Er wird beauftragt, eine junge Schwarze an die Küste zu bringen, wo sie von einem Boot der mysteriösen Organisation "Human Project" aufgenommen und außer Landes gebracht werden soll. Der Grund: Die junge Frau ist im 8. Monat schwanger.
Ein hoch-spannender Film, in der Mischung aus George-Orwell-Überwachungsdenken ("1984") und Carpenters Action-Klassiker "Die Klapperschlange", vorzüglich- atmosphärisch-rüde von Kameramann Emmanuel Lubezki (zuletzt: "The New World" von Terence Malick) mit der agilen Handkamera eingefangen (und dafür kürzlich mit dem "Kamerapreis" beim Venedig-Festival ausgezeichnet) und überzeugend von einem erstklassigen Ensemble dargeboten: Der auch mal als neuer Bond im Gespräch gewesene CLIVE OWEN ("King Arthur"; "Hautnah", als Partner von Julia Roberts) findet in der modernen Kurt-Russell-"Klapperschlangen"-Rolle genau die richtige Wut und Knalligkeit; JULIANNE MOORE ("The Hours", die Jodie-Foster/Clarence-Starling-Nachfolgerin in "Hannibal") ist wie immer bombastisch-gut, während auch Oldie Sir MICHAEL CAINE wieder einmal einen großartigen Auftritt verbuchen kann: Als zurückgezogener, ständig benebelter, witziger Post-Hippie im John-Lennon-Look, der in einem abgelegenen Wäldchen ein gut-getarntes Kiffer-Biotop bewohnt, setzt er einen absoluten Glanzpunkt.
Ein außergewöhnlich fesselnder Philosophen-Thriller, klasse gedacht/gelenkt/erzählt, mit natürlich ganz aktuellen Motiven (Vorstadt-Randale, Terrorgruppen, Überwachungsstaat, Verfolgungswahn, Flüchtlingsströme, Konzentrationslager, Umweltzerstörung, religiöser Extremismus.....), aufregend-nachwirkend und eben so permanent spannend...spannend...spannend, in JEDER Hinsicht (= 4 PÖNIs).
„DIE CHINESEN KOMMEN" von Manfred Stelzer (B+R; D 1986; 97 Minuten; B: Ulrich Enzensberger, M: Rio Reiser; Start D: 05.03.1987).
Das ist keineswegs die verblüffende Idee eines ausgebufften Autoren-Teams, und auch kein April-Scherz macht hier die Runde, da soll es ganze Fabriken in der Bundesrepublik geben, die von Chinesen nach deren Pleitegang aufgekauft, abmontiert und ins ferne Reich der Mitte transformiert wurden. Ja, wo gibt's denn so was...denkt sich auch der ordentliche Bayer, der Pfnürr Hansi (JÖRG HUBE), der sich gemeinsam mit ein paar letzten Getreuen irgendwo in einer kleinen bayerischen Region zu Füßen der Alpen noch täglich auf seiner ehemaligen Arbeitsstätte herumlümmelt und staunend erleben muss, wie der Junior von den Tann‘schen Werke (ROLF ZACHER) das ganze Werk an die Chinesen verscheuert. Obwohl doch seit Menschen Gedenken diese Fabrik zum Bayernland gehörte wie das Bier zum Volke. Nichtsdestotrotz, nun sind sie auf einmal da, die Chinesen. Und sie sind freundlich, höflich, bringen Gastgeschenke und einen Bienenfleiß mit. Darüber können der Hansi, der Schorsch (HANS BRENNER), die Rose (MONIKA BAUMGARTNER) und all die anderen nur staunen. Auch darüber, wie schnell aus dem anfänglichen Misstrauen eine erste, kleine Verbundenheit wächst. Man kann sich zwar nicht sprachlich verstehen, aber übers Radi und dem Bier klappt‘s mit der Verständigung allemal. Während der für die örtliche Kultur zuständige Heimatkundler Raith (MARTIN SPERR) bereits für einen künftigen bayerisch-chinesischen Kulturaustausch plädiert und gar zünftige Modell-(Jodel-) Vorschläge vorführt, will der Schorsch wenigstens eine Maschine vor den Exoten retten, denn mit "seiner" 509er verspricht er sich eine goldene, selbständige Zukunft. Aber beim heimlichen Abbau gibt’s einige Schwierigkeiten, und zudem stellt sich mittenmal das Problem, dass einer von ihnen mit nach China soll, um dort beim Wiederaufbau der Fabrik zu helfen. Was ist, wenn dieser Diebstahl herauskommt? Kommen die dann mit ihren - wieviel? - zwei, drei Milliarden zurück, um sich bitter an Bayern zu rächen...?
Manfred Stelzer ist ein in Berlin lebender Bayer aus Göggingen, der sich sowohl mit beachtlichen Dokumentarfilmen, wie “Allein machen sie dich ein"/1973, "Kalldorf gegen Mannesmann"/1974, mit interessanten Dokumentarspielfilmen, wie "Monarch"/1979 (dafür gab es den Bundesfilmpreis 1980), Geschichten aus zwölf und einem Jahr"/1985, und komödiantischen Spielfilmen, "Perle der Karibik"/1983 und "Schwarzfahrer"/1985, profiliert hat.
"Plötzlich seh‘ ich Chinesen im Fernsehen, die mitten in München eine Fabrik wegschleppen“, Da hat‘s bei ihm, dem Filmer, gefunkt. Erst mal als Dokument, dann aber, weil er immer zu spät kam, wenn die Chinesen irgendwo was abgebaut haben, als richtigen Spielfilm. Ulrich Enzensberger wurde als Co-Autor ebenso gewonnen wie die bayerischsten Bayern, die es innerhalb der hiesigen Darstellerszene gibt: Hans Brenner (der "Lieber Karl“-Vater), Kabarettist Jörg Hube ("Heimat") und Schriftsteller Martin Sperr ("Jagdszenen aus Niederbayern"), der gut und gern auch als bayerischer Kulturminister vorstellbar wäre. Ein hinterfotziges Team, bei dem ständig auf die Zwischentöne zu achten und dann immer noch nicht klar ist, wie was gemeint sein mag. Ebenso wie beim Regisseur. Will der etwa seine Landsleute oder gar die ganze chinesische Menschheit verscheißern? Macht der sichch etwa bloß über alles lustig in diesen grauslichen Zeiten? “Den Vorwurf höre ich gern“, kommentiert Stelzer zurück. "Ich finde inzwischen sehr vieles komisch“. Ja, wie finde ich denn das…(= 4 PÖNIs).