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Filmtitel von Ein R - Ek

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

EIN RUSSISCHER SOMMER“ von Michael Hoffman (B+R; Russland 2008; 112 Minuten; Start D: 28.01.2010); basiert auf dem Roman des Literatur-Wissenschaftlers JAY PARINI, der 2007 unter dem Originaltitel „The Last Station. A Novel of Tolstoy´s Final Year“ veröffentlicht wurde und ein Jahr darauf unter dem Titel „Tolstojs letztes Jahr“ hierzulande herauskam. Jetzt ist, praktisch zum Film, eine Sondertaschenbuchausgabe unter dem Film-Titel plus dem „eigentlichen“ deutschen Buchtitel erschienen. Ein globales Film-Handwerk ist zu vermelden: Der amerikanische Regisseur Michael Hoffman („Tage wie dieser…“/1996; mit George Clooney + Michelle Pfeiffer) dreht mit dem kanadischen Star CHRISTOPHER PLUMMER (8O/gerade auch mit „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ von Terry Gilliam im Kino), der britischen „Oscar“-Lady HELEN MIRREN („The Queen“), dem schottischen Jungspunt JAMES McAVOY („Abbitte“), dem neuen Ami-Star PAUL GIAMATTI („Sideways“; „Shoot`Em Up“) und der Irin KERRY CONDON („Die Asche meiner Mutter“) in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und einem Studio in Leipzig einen Film über das letzte Lebensjahr des russischen Schriftsteller-Genies LEW, genannt LEO Nikolajewitsch Graf TOLSTOI (1828 – 1910).

Zugleich gehen Film wie Roman auf die „wahre“ Spurensuche nach der (Ehe-)Frau an seiner Seite - SOFIA TOLSTOI, die annähernd 50 Jahre mit dem großen Leo Tolstoi verheiratet war. Und DIE jahrzehntelang als hysterische Person tituliert wurde, die ihrem Mann das Leben zur Hölle machte. Weil aber damals praktisch alles, was der Meister dachte, sagte und tat, haargenau „protokolliert“ wurde, lassen neue Publikationen (wie eben jenes Buch von Jay Parini) und dieser Spielfilm Sofia in neuem Licht erscheinen. Basierend auf den Tagebüchern Tolstois, denen seiner Ehefrau, seiner Tochter Sascha, seines Arztes und Anderer entsteht ein „dramatischer Sommer“ im Jahre 1910. „Anna Karenina“ und „Krieg und Frieden“ sind erschienen. Tolstoi ist der berühmteste Autor der Welt. DER aber nicht zur Ruhe kommt. Einerseits ist er auf seinem großräumigen Gut umlagert von Jüngern, die ihn abgöttisch verehren, jedes seiner Worte von den Lippen abschreiben und bestürmen, doch sein Werk „dem russischen Volk“ zur Verfügung zu stellen, andererseits ist da seine starke, selbstbewußte, gekränkte Ehefrau Sofia. Sie hat dem Schriftsteller 13 Kinder geboren, hat seine umfangreichen Manuskripte handschriftlich festgehalten (und das Mammutwerk „Krieg und Frieden“ alleine siebenmal handabgeschrieben) und etliche Affären des sexuelle Enthaltsamkeit predigenden Ehegatten toleriert. Doch jetzt sei die Grenze der Toleranz erreicht, zürnt sie. Sofia kämpft vehement um Aufmerksamkeit und Liebe wie auch um sein Erbe und Tantiemen. Dabei ist es immer „schwieriger“ geworden, ihren Mann überhaupt „zu erreichen“, denn nun widmet er sich vornehmlich moralischen, religiösen Fragen, die den nationalen Eiferern um ihn herum gut „in den Kram“ passen. Als Tolstoi schließlich von seinem Gut Jasnaja Poljana flieht, um „Irgendwo“ zur Ruhe zu kommen, brechen die letzten Lebensstunden für ihn an.

„Ein russischer Sommer“ ist ein spannender Menschen-Film. Über BERÜHMTE Menschen. Mit faszinierendem Hintergrund. Sowohl geistig wie seelisch, körperlich und regional. Und mit interessantem „Personal“ drumherum. Wie dem jungen „Spion“ Walentin, der die Liebe im Freigeist Mascha entdeckt, die auf dem Gut lebt. CHRISTOPHER PLUMMER, oftmals als fieser Schurke oder eleganter Bösewicht in vielen Filmen fein-schockend („G(Give)“/1978; „Inside Man“/2006), ist wie ein guter Wein - je älter, immer besser. Als Leo Tolstoi zeigt er Souveränität, Leidenschaft und „letztes kämpferisches Aufbäumen“. Ein erschöpftes Genie vor dem Ende. Großartig in dieser körpersprachlich jederzeit ansprechenden Interpretation. Ebenso bzw. einmal mehr wie die phantastische HELEN MIRREN . Die mit bewundernswerter Trotzköpfigkeit, mit nicht mehr zu unterdrückender Wut und sinnlicher Alters-Leidenschaft die gedemütigte, gebeutelte, „verratene“ Ehefrau spielt, deren Lebenswerk kaputtzugehen droht. WIE dies Helen Mirren mimt, zänkisch, bettelnd, listig, verzweifelt, draufgängerisch, gehört zur darstellerischen Performance-Spitzenklasse. Ist aufregend, nachvollziehbar, charakter-tief, äußerst unterhaltend. Ein erhabenes, anregendes, informatives, tolles Filmdrama. Prädikat: Gutes Kopf- und Bauch-Kino (= 3 PÖNIs).

EIN SCHATZ ZUM VERLIEBEN" von Andy Tennant (Co-B+R; USA 2007; 112 Minuten; Start D: 24.04.2008); den wir von sympathischen Hollywood-Komödien wie "Hitch - Der Date Doktor" (2005/mit Will Smith) und "Sweet Home Alabama - Liebe auf Abwegen" (2003/mit Reese Whiterspoon) her kennen.

Hier allerdings hat ihn "das gute Feeling" völlig verlassen. Denn das in der sonnigen Karibik angesiedelte Schatzsucher-Movie taugt nicht einmal mehr als bunte Popcorn-Filmschnitte, so flau, vor allem dauer-geschwätzig und tief-blöd ist sie unspannend gedacht, erzählt, zurechtgezimmert. Selbst die Unverwöhntesten dürften mit diesem albernen Getue von spärlich gekleideten Leutchen vor exotischen Palmenstränden und azurblauem Wasser keinen Genuss verspüren; es ist halt völlig belanglos, krampfig-bemüht, was so Urlauber wie MATTHEW McCONAUGHEY ("Die Jury", aber auch "Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen"), die Goldie-Hawn-Tochter KATE HUDSON (auch "Wie werde ich ihn los...", aber auch "Almost Famous - Fast berühmt"/2000) oder Donald Sutherland als exzentrischer, aber herzensguter Grauhaar-Milliardär tun oder lassen.

Man kann hier gar nicht so viel gähnen wie die Show langweilt (= ½ PÖNI für die herrliche Karibik-Sonne).

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT" von Fred Schepisi (USA 1988; 120 Minuten; Start D: 25.05.1989). Der basiert auf wahren Begebenheiten, die sich in der australischen Rechtsprechung zu einem der größten Justizirrtümer entwickeln sollten.

Im August 1980 wird die kleine Tochter eines Ehepaares bei einem touristischen Ausflug im gigantischen Felsmassiv Ayers Rock von einem Dingo entführt und verschleppt. In der Folgezeit erscheint diese Version der Mutter in der Öffentlichkeit immer unglaubwürdiger. Viele wollen einfach nicht glauben, dass ein Dingo ein Baby wegzutragen in der Lage ist. Die Medien “schießen“ sich auf Lindy Chamberlain ein, zumal sie und ihr Mann einer etwas exzentrischen religiösen Sekte angehören. Das schafft ein Klima von Misstrauen, Hass und Vorverurteilung. Hetzpropaganda, Gerichtsverhandlungen und zweifelhafte Gutachter sorgen schließlich nach Jahren für eine Indizien-Verurteilung. Doch dann kommt durch Zufall doch die Wahrheit ans Licht.

“Ein Schrei in der Dunkelheit“ ist ein überzeugender, spannender, fast dokumentarischer Spielfilm, der die Fakten und Emotionen nüchtern auftischt und die hasserfüllte Atmosphäre im Land schildert. MERYL STREEP in der Rolle der spröden Lindy Chamberlain beherrscht einmal mehr faszinierend die Leinwand und bringt diesen Leidensweg einer Frau vorzüglich “rüber“. Ein guter Stoff, ein interessanter Film: “Ein Schrei in der Dunkelheit“ (= 4 PÖNIs).

EIN SOMMER IN NEW YORK – The Visitor” von Thomas McCarthy (B+R; USA 2007; 104 Minuten; Start D: 14.01.2010); den wir vor allem als Schauspieler in Nebenrollen auch hierzulande kennen (zuletzt in “2012”; davor in “Mammouth”/Berlinale-Wettbewerbsfilm des Vorjahrs; in „Michael Clayton“/2007 oder in „“Good Night, and Good Luck“/2005). 2002 schuf er seinen ersten eigenen Film (als Drehbuch-Autor + Regisseur), „STATION AGENT“, der nur 550.000 Dollar kostete und weltweit über 10 Millionen Dollar einspielte. „Station Agent“, mit dem kleinwüchsigen Schauspieler PETER DINKLAGE in der Hauptrolle, avancierte auch bei uns zu einem „Kleinfilm mit Kultgeschmack“, als er 2004 hier anlief. Jetzt hat der am 30. Januar 44 Jahre alt werdende Thomas McCarthy das zweite eigene Werk geschaffen. Aber was heißt „jetzt“?: „The Visitor“ entstand bereits 2007. Hauptdarsteller RICHARD JENKINS erhielt im Vorjahr eine „Oscar“-Nominierung, und damit geriet der Film erstmals in den Focus einer breiteren Öffentlichkeit. Doch erst jetzt erreicht er bei uns DAS KINO.

Aber zunächst zum 62jährigen RICHARD JENKINS. Mag auch der Name bei uns (noch) nicht so geläufig sein, sein Gesicht ist es allemal. Wir kennen ihn aus vielen kleinen-großen Nebenrollen in Filmen wie „Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?“/2008; von den Coen-Brüdern; „Operation: Kingdom“/2007; „Wo die Liebe hinfällt…“/2005; „Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003/neben Clooney und Zeta-Jones); „Ich, beide und Sie“ (2000) und „Absolute Power“ (1997/von + mit Clint Eastwood) oder aus „Hannah und ihre Schwestern“ (1986; von Woody Allen). Mal ist er als korrupter Regierungsbeamter unterwegs, mal tritt er als ein knödliger Fitnessstudio-Angestellter auf; mal ist er der Mistkerl aus „dem Apparat“, mal der unauffällige, nette Papa oder Ehemann der Family. Jenkins ist DAS, was man einen guten TYP nennt; vielseitig „verwendbar“, einsatzfähig. In der TV-Serie „Six Feed Under – Gestorben wird immer“ (2001-2005) wurde er einem größeren Fernsehpublikum als Bestattungsunternehmer bekannt. Jetzt hat er endlich SEINEN GROßEN LEINWAND-AUFTRITT, den Hauptpart, und kann zeigen, was in ihm steckt.

Er spielt den angesehenen Wirtschaftsprofessor Walter Vale. Der hat sich seit dem Tod seiner Ehefrau in seinem Landhaus in Connecticut „vergraben“, steht seinem Beruf inzwischen eher lustlos gegenüber, meidet soziale Kontakte. Als er zu einer Konferenz nach New York muß, findet er in seiner dortigen Zweitwohnung ein junges Paar vor, den aus Syrien stammenden Tarek (HAAZ SLEIMAN) und seine senegalesische Freundin Zainab (DANAI GURIA). Weil DIE nicht wissen, wohin, bietet er ihnen spontan an, für einige Zeit bei ihm im Gästezimmer zu wohnen. Kontakt entsteht. Tarek ist Straßen- und Bar-Musiker und spielt auf der Djembé-Trommel. Der Prof beginnt sich DAFÜR zu interessieren, öffnet sich allmählich. Seine Lebensgeister erwachen. Diese Zufallsbekanntschaft beginnt sein Leben zu verändern, entwickelt sich auch zu einem freundlichen zwischenmenschlichen Kulturaustausch. Doch dann stellt sich heraus, daß sich Tarek illegal in den USA aufhält. Bei einer Kontrolle in einer U-Bahn-Station wird er festgenommen. Wird in Abschiebehaft gesteckt. Walter ist aufgeschreckt. Schaltet einen Anwalt ein, bemüht sich, gemeinsam mit der angereisten verwitweten Mutter von Tarek, um Freilassung. Doch Amerika ist traumatisiert. Mißtrauisch. Gerade gegenüber Menschen aus arabischen Staaten. Die Bürokratie fährt seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen rigorosen Kurs. Und der kennt und akzeptiert weder Mitmenschlichkeit noch Gnade. Die Fakten sind eindeutig, die Regeln auch. Also.

Was sich möglicherweise zunächst plakativ und „angestrengt“ anhört, ist und zeigt sich keineswegs „so“. Ganz im Gegenteil. „The Visitor“ zählt zu den leisen, zurückhaltenden, genau hinsehenden und dabei angenehm-unaufgeregt erzählenden, intelligent argumentierenden Dramen. Der Film will hier eben nicht „spektakeln“, sondern von „normalen“ Menschen sensibel berichten und dabei vor allem das Zwischenmenschlich-Mögliche spannend ausloten. Und dies in einer angenehm entspannten wie neugierig-machenden wie äußerst unterhaltsamen Poesie-Weise, so daß man ihm (SEHR) gerne gedanklich wie räumlich wie figurenmäßig folgt. Dabei interessieren mehr „die körpersprachlichen Bewegungen“ dabei, das Aufblicken, das Zur-Kenntnis-Nehmen, das Sehen und Erkennen überhaupt, die Mundwinkel, das Laufen, das Berühren, ohne Anzufassen. McCarthy benötigt nicht viele Worte, um klarzustellen, um Nähe herzustellen, um Interesse „zu provozieren“. Dabei gelingen, wie schon beim Debütfilm „Station Agent“, dem deutschen Kameramann OLIVER BOKELBERG völlig entspannte, atmosphärische Motive zwischen Menschen und „Großstadt“.

Ein äußerst feinfühliger Independentfilm, der nie in stereotype Beschreibungen oder weinerliche Charakter-Klischees verfällt, sondern intelligenten Denkspuren und „diskrete“ emotionale Berührungen verfolgt. Sehr helfen ihm dabei die hervorragenden Akteure, allen voran natürlich Richard Jenkins. Sowie vor allem auch die einmal mehr wunderbare, franko-palästinensische Grand Dame HIAM ABBAS („Schmetterling und Taucherglocke“; „Die syrische Braut“; „Paradise Now“) als Tareks Mutter Mouna Khalil. Über DIE der Professor endgültig in das Leben zurückbefördert wird. Ohne, daß es hier aber “dabei“ zu banalen Gefühlsdoofheiten kommt. „Ein Sommer in New York“ (was für ein einfältiger Dummtitel) – „The Visitor“ zählt gegenwärtig zu den berührendsten, feinsten Neufilmen in unseren Lichtspielhäusern (= 4 PÖNIs).

EIN TICK ANDERS“ von Andi Rogenhagen (B+R; D 2010; 86 Minuten; Start D: 07.07.2011); der 1965 in Pirmasens geborene und im westfälischen Marl aufgewachsene Filmemacher wurde 1995 mit seinem Dokumentarfilm „The Final Kick“ bekannt, für den er in 40 Ländern gleichzeitig Menschen filmen ließ, die das Fußball-WM-Finale des Vorjahrs verfolgten. Der Film lief weltweit und wurde bei uns mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ ausgezeichnet. 2002 folgte mit „Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte“ das Spielfilm-Debüt (mit Dieter Pfaff).

Sein zweiter Kinofilm erzählt ein berührendes Komödien-Märchen. Mit viel Poesie-Charme. Von der 17jährigen Eva (was für eine Entdeckung: JASNA FRITZI BAUER). Die lebt „gesichert“ auf dem Land. Innerhalb einer intakten Familie. Mit Eltern, Oma und Onkel. Wegen ihrer „Macke“ – „Ich hab´ Schluckauf im Gehirn“ - hat sie die Schule geschmissen. Zu viele Dauer-Hänseleien. Die „Macke“, das ist das „Tourette-Syndrom“. Vereinfacht erklärt: Sogenannte motorische Tics. Unwillkürliche, rasche, heftige Körper-/Kopf-Bewegungen. Mit verbalen, ungewollten „Schmutz-Äußerungen“. Als Ausrufe. Oder als eigenartige Verbalgeräusche. Vor allem in Stress-Situationen „gerät“ Eva kurz außer Kontrolle. Im Familienverbund hat man sich längst daran gewöhnt. „Außerhalb“ allerdings wird es für die „Umgebung“ der jungen Frau schon etwas begriffs-schwieriger. Deshalb hält sie sich oft und gerne alleine im Wald auf. Wo sie kleintierische Kontakte pflegt. Doch dann schlägt das gemeine normale Leben voll zu.

Erst findet Eva eine Leiche am See, dann verliert Papa „heimlich“ seinen Autoverkäufer-Job, so dass bei Oma mit Eva „persönliches Bewerbungsvorsprechen“ geübt/eingeübt werden muss. Schließlich verweigert der „merkwürdige“ örtliche Bankchef dem Papa auch einen Kredit. Dann kriegt der gutmütige Daddy zwar doch wieder einen Job, dafür allerdings ist ein Umzug nach Berlin erforderlich. Was Eva zunächst völlig aus der Fassung bringt. Bevor sie „reagiert“. Gemeinsam mit ihrem charmanten kleinkriminellen „Onkel-Rocker“ Bernie. Frisches Geld muss her. Zwar finden sie mit ihrem gemeinsam komponierten Song „Arschlicht“ beim Gesangs-Casting keinen Jury-Zuspruch (saukomisch), doch dann gehen sie auf volles Risiko. Motto: Der schurkische Bankmann soll ausgetrickst werden.

Ein Schelm…, der böses dabei denkt. Kann man gar nicht. Darf man gar nicht. Obwohl die Geschichte von Andi Rogenhagen mittendrin bisweilen etwas „ins Taumeln“ gerät, etwas zu „dick“ mit den ständigen „Tics“ von Eva aufträgt, bleibt man gerne hier dran. Denn die Figuren sind (endlich einmal) liebevoll gezeichnet. Wie fein pointiert: Eine öfters schon mal „kurzfristig sterbende“ Oma (herrlich skurril: RENATE DELFS), die schon mal begeistert einen Staubsauger mit Feuerwerkskörpern in die Luft jagt, amüsiert. Während Mama und Papa im angenehm locker-trockenen wie naiv- lakonischen Ironie-Ton auftrumpfen (VICTORIA TRAUTTMANSDORFF + WALDEMAR KOBUS). Als ewiger Jung-Rocker-Onkel Bernie nimmt und hält sich STEFAN KURT angenehm zurück. Weil halt IHR die ganze BÜHNE gehört: JASNA FRITZI BAUER.

Geboren am 20. Februar 1989 in Wiesbaden. Seit 2008 studiert sie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin. An der hiesigen “Schaubühne“ ist sie zurzeit in Peter Kleinerts Inszenierung des Stücks „Nachtasyl“ zu sehen. Im Spielfilm „Im Alter von Ellen“ von Pia Marai, der im internationalen Wettbewerb von Locarno Welturaufführung hatte, gab sie im Vorjahr ihr Leinwanddebüt. Hier nun, in ihrem erst 2. Spielfilm/Kinofilm, gleich der Triumph. Die allgemeine Begeisterung. Denn WIE JASNA FRITZI BAUER in ihre gehandicapte Eva-Figur schlüpft, WIE sie diese mit einer enormen Wärme und Energie überzeugend präsent ausstattet, vorstellt, ist imponierend. Großartig. Erlebnisreich. Liebevoll. Charismatisch. Mit sehr viel lautem wie leisen (Off-)Humor. Wenn ihr eigenwilliges Eva-Gehirn mal wieder „auf Hochtouren“ läuft, ist sie grandios. Schimpfend, fluchend, grobmotorig zwischen Herz und Leid. Dabei mit einer bewundernswerter Natürlichkeit.

Eine phantastische junge neue Schauspielerin gilt es auf der Leinwand zu entdecken. Facettenreich, aufregend, wunderbar menschelnd. Dank IHR, dank Jasna Fritzi Bauer, ist „Ein Tick anders“ ein kleines deutsches Film-Juwel. Zum vergnüglichen Entdecken (= 3 ½ PÖNIs).

EIN UNGEZÄHMTES LEBEN" von Lasse Hallström (USA/D 2005; 108 min; Start D: 24.11.2005); der schwedische Hollywood-Regisseur vom Jahrgang `46 ist bekanntlich Spezialist für gefühlvolle, dabei unsentimentale Menschen-Filme (u.a. "Mein Leben als Hund"/1985/"Oscar"-Nominierung; "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa"/1993/mit Johnny Depp und "Oscar"-Nominierung für Leonardo DiCaprio; "Gottes Werk und Teufels Beitrag"/1999/Nebendarsteller-"Oscar" für Michael Caine; "Chocolat"/2000/mit Juliette Binoche + Johnny Depp/5 "Oscar"-Nominierungen).

Hier erzählt er wieder eine Menschen-Geschichte, bei der Hell und Dunkel/Lachen und Tränen/Komödie und Tragödie dicht beieinander liegen. In der spielt der 68jährige ROBERT REDFORD seine erste OPA-Rolle: Als zurückgezogener Farmer in Wyoming hat er den mehr als zehn Jahre zurückliegenden Auto-Unfall-Tod seines Sohnes immer noch nicht überwunden. Und gibt immer noch seiner Schwiegertochter dafür die Schuld. Doch genau DIE steht eines Tages mit ihrer Tochter vor der Ranch-Tür und bittet um Unterkunft und Schutz. Vor ihrem gewalttätigen Lover. Missmutig wird die kleine Familie aufgenommen.

"Ein ungezähmtes Leben" ist ein berührendes Familien-Drama, ist ein wunderschönes Naturschauspiel, handelt von Schuld und Sühne und kitzelt herrlich sanft-vergnüglich Seele und Gefühl. Dazu: Klasse-besetzt mit den "Oscar"-Heroen Redford ("Der Pferdeflüsterer") und MORGAN FREEMAN ("Million Dollar Baby") als Pflegefall-Freund sowie JENNIFER LOPEZ ("Das Schwiegermonster"), die hier allerdings als verfolgte Schwiegertochter einige Mühe hat, darstellerisch einigermaßen mitzuhalten. Dazu, typisch für Hallström/Redford: Ein großer, ausgewachsener Bär wird hier zum Synonym/Symbol für Freiheit, Umwelt- und Naturbewusstsein. Schönes, pralles Unterhaltungskino (= 4 PÖNIs).

Wenn es darum geht, vergleichsweise simple Filme so zu vermarkten als wären sie Spitzen-Produkte, ist Hollywood erstklassig. Neuestes Beispiel dafür: Der Film „EIN UNMORALISCHES ANGEBOT“ von Adrian Lyne (USA 1993; 117 Minuten; Start D: 20.05.1993).

Lyne, durch glatte und pseudo-provokante Streifen wie “Flashdance“, “9 ½ Wochen“ und “Eine verhängnisvolle Affäre“ bekannt geworden, stellt ein junges, nettes Liebes- und dann Ehepaar in den Blickpunkt des emotionalen Geschehens. Man wurschteIt so vor sich hin und ist eines Tages pleite. Das gemeinsame Häuschen ist in Gefahr. Was also tun? Ganz klar: Las Vegas. An Automaten oder Spieltisch soll das erforderliche Kleingeld wieder hereingezockt werden. Dabei taucht John Gage auf. Der ist Milliardär und auch noch freundlich.

Erst trifft man sich nochmal unverbindlich ein Spieltisch, dann geht‘s endlich ans Eingemachte. John, der gutaussehende, aber einsame Dollar-Boss macht die Probe auf Exempel und macht ein Angebot, welches das Paar in eine schwierige Entscheidungsphase. Aber wir ahnen schon: Lange lässt sich diese moralische Standhaftigkeit nicht aushalten. Um den nächtlichen Schlaf gebracht, wird erst noch ein bisschen herumgedruckst, um dann in die vertraglichen Vollen zu gehen. “Danach“ ist die kleine Liebeswelt nicht mehr so wie sie mal war. Er, David, brennt vor Eifersucht und Unruhe, Sie, Diana, zieht‘s daraufhin in die gut gepolsterten Arme des Milliardärs zurück. Doch wie das Kintopp so spielt: An Ende ist Liebe Liebe und Geld halt “nur“ Geld. Jeder bleibt bei Seinesgleichen; Motto, aha: Geld allein macht eben nicht glücklich. In Amerika haben sie nicht so sehr über den dümmlichen, dürftigen Klischee-Film gestritten..., sondern allein über sein angeblich “brisantes“ Thema. Eine geschickte Marketing-Strategie stellte vermeintlich gierige Gedanken und kapitalistische Gefühlsausbrüche bloß: Sozusagen mit dem Film als “Zugabe“. Die Folge: Die Kinos waren voll besetzt.

Business: Einfach, aber wirkungsvoll. Der Film selbst verplappert sich in pure Unverbindlichkeit und Langeweile. Robert Redford, der wieder einmal Geld für seine eigenen, anspruchsvollen Produktionen brauchte, tritt als attraktive Kleiderstange auf. Demi Moore, aus “Ghost“ und “Eine Frage der Ehre“ bekannt, huscht wie ein verwirrter Teenie durch die Szenerie, so dass man Redfords Anstrengungen und Investition beim besten Willen nicht begreift. Fazit: Ein geschickter “Reißbrett“-Film aus Hollywood, mehr geplant als gedacht, mehr hinterwäldlerisch und verlogen als schick und spannend, Der Film “Ein unmoralisches Angebot“ ist nur ein laues Vorsprechen (= 1 ½ PÖNIs).

Mit „EIS“ von Berthold Mittermayr (B+R; Ö 1989; 105 Minuten; Start D: 01.03.1990); ist dem Österreicher eine aufregende, anregende Genre-Überraschung gelungen. Was wie eine lasche Geschichte um debile, versoffene Provinz-Österreicher anfängt, wird dann zu einem mysteriösen Kriminal-Unfall, um sich schließlich zu einem hoch - brisanten, packenden Agenten- und Fiction - Thriller zu entwickeln.

In “Eis“ geht es darum, was passiert, was passieren kann, wenn Politiker und Wissenschaftler am und mit Menschen experimentieren. Sie wollen herausbekommen, ob ein Leben unter bestimmten schlimmen Bedingungen, zum Beispiel nach einem atomaren Schlag, noch möglich ist. Dazu “spielen“ sie mit Menschen wie mit Puppen oder Maschinen, ohne dass die das mitkriegen.

Spannend und hintergründig: “Eis“ von Berthold Mittermayr (= 4 PÖNIs).

DIE EISERNE LADY“ von Phyllida Lloyd (GB/Fr 2011; 104 Minuten; Start D: 01.03.2012); die am 17. Juni 1957 geborene britische Regisseurin war vor allem an der Oper und am (britischen) Theater „klassisch“ erfolgreich tätig und wurde dort mit ihrer „Hit“-Inszenierung des ABBA-Musicals „Mamma Mia!“ berühmt. 2008 übernahm sie auch die filmische Adaption des Musicals (mit Meryl Streep in der Hauptrolle), und diese war bis Jahresende der bis dato kommerziell erfolgreichste Kinofilm in Großbritannien. „Funktionierte“ dann auch weltweit und mutierte zu einem globalen Leinwand-Volltreffer. 2009 war der Film „Mamma Mia!“ dann auch die meistverkaufte DVD in England. Dies sollte man wissen, wenn man das zweite Leinwand-Werk dieser Regisseurin wertet. Das sich der früheren britischen Premiereministerin MARGARET THATCHER nähert.

„Maggie“ Thatcher: Am 13. Oktober 1925 in Grantham/Lincolnshire als Margaret Hilda Roberts geboren. Die Eltern betrieben einen Kleinkrämerladen. Der ebenso stolze wie selbstbewusst-konservative Vater prägte sie. Ihm „es recht“ zu machen, war die Vorlage für den Aufstieg. Chemie-Studium mit Stipendium in Oxford. Dreijährige Arbeit als Chemikerin, dabei Mitwirkung an der Erfindung des Softeises. Zugleich aktives Mitglied in der Konservativen Partei. 1951 Heirat mit Denis Thatcher, einem wohlhabenden Unternehmer. Studium der Rechtswissenschaft, Anwältin für Steuerrecht. Am 15.August 1953 Geburt der Zwillinge Carol und Mark. 1959 wurde sie als Kandidatin der Konservativen für den Wahlkreis Finchley, im Norden Londons, ins Unterhaus gewählt. Ab 1961 Parlamentssekretärin im Ministerium für Sozialversicherungen. 1970 Kultus- und Wissenschaftsministerin im Kabinett von Edward Heath.

DER verlor 1974 die Wahlen in England. 1975 gewann sie gegen IHN die Kampfabstimmung in der Partei und wurde zur Parteivorsitzenden gewählt. Ein Jahr darauf kam Mrs. Thatcher zu ihrem Spitznamen, als sie in einem Kommentar von „Radio Moskau“ zur „Iron Lady“ ernannt wurde, nachdem sie in einer Ansprache die „bolschewistische Sowjetunion“ scharf attackiert hatte. In der Parlamentswahl vom 3. Mai 1979 führte sie ihre Partei zum Sieg und war tags darauf (als Nachfolgerin von James Callaghan) die erste Premiereministerin in der Geschichte Großbritanniens. „Überstand“ drei Wahlen und dankte schließlich am 22.November 1990 „unter Druck“ ab. Als Regierungschefin wie auch als Parteivorsitzende. Mitte 2008 wurde bekannt, dass Margaret Thatcher unter fortgeschrittener Demenz leidet. Ihre Tochter Carol thematisierte dies in einem Buch. Dort war zu lesen, dass ihre Mutter an schlechten Tagen bisweilen denke, immer noch die Landes-Chefin zu sein. Zudem befinde sie sich manchmal auch im Glauben, dass ihr 2003 verstorbener Ehemann Denis noch lebe.

London heute. Der Film beginnt mit einem Blick. Auf eine ältere Frau. Beim Milch-Einkauf im Laden. Die Frau bewegt sich etwas unsicher. Schlurft dann nach Hause. Wo „man“ entsetzt ist: Sie ist schon wieder ausgebüxt. Die ehemalige Premiereministerin. Hoch in den Achtzigern, zerbrechlich und sich erinnernd. Mit ihrem „lebendigen“ verstorbenen Ehemann. An die vielen ereignisreichen Lebensjahre. Aber es sind keine „politischen“, sondern mehr die menschlichen Erinnerungen. Marke: Eine Frau geht IHREN Weg. Setzt SICH durch. In dieser von Männern dominierten Ober-Welt. Schafft es in die Macht-Zentrale. Wird selbst „zur Mächtigen“. Bestimmenden. Leitenden. Zur Regentin. Wer vor allem eine „direkte Biographie“ erwartet, wird enttäuscht. Wer auf einen Polit-Film hofft, der die „harten Entscheidungen“ der „Maggie“ Thatcher beleuchtet, kommt auch nicht auf seine Denk-Kosten. Stattdessen „Häppchen“: Die Straßenschlachten aufgrund ihrer resoluten Sparpolitik; der „gewonnene“ Kampf mit den mächtigen Gewerkschaften; der siegreiche Falkland-Krieg. Und immer wieder ihre „heißen“ Verbal-Duelle mit der mächtigen Herren-Konkurrenz „dort oben“. Im Inner-Circle. Am Ende klammert sie, vermag nicht „loszulassen“ und wird gestürzt.

Episodenhaft argumentiert der Film. „Die Eiserne“: Heute, bedächtig, verwirrt, aber immer noch voller Eigensinn, damals, der ewige, aufreibende, engagierte Kampf in die Chefetage. Der Partei und der Regierung. Mit zwangsläufig vielen privaten Defiziten. Sowohl in der Ehe wie in der Kindererziehung. Mit Andeutungen an den Ehe-Frust ihres Gatten und vor allem an die Enttäuschungen ihrer „verlassenen“ Kinder. Viele interessante Schlaglichter, aber ohne „Fleisch“. Struktur. Folgen. Vom eigentlichen Charakter, von den tatsächlichen Visionen einer bärbeißigen Regierungslady, von den „richtigen“ oder „bösen“ Folgen ihrer „konsequenten“ Entscheidungen gibt es nur Anrisse. Aber kaum erkenntnisreiche oder gar tiefe Aussagen. Weder zum privaten „Innen“ noch zum politischen „Außen“. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser mächtigen Polit-Gigantin ihrer Zeit und Epoche findet nicht statt. Dabei wurde „Maggie“ Thatcher ebenso geschätzt wie – von Links – regelrecht gehasst. Aufgrund der „monumentalen“ gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns. Ihrer „unpopulären“ Entscheidungen. In Großbritannien. Und für die Welt (die Deutsche Wiedervereinigung, die sie „so“ ablehnte, findet erst gar nicht statt). Die politische Bedeutung der Margaret Thatcher wird nicht erkundet. Stattdessen - oberflächliche Momentaufnahmen hasten durch ihr Leben. Motto: Eine spannende FRAU startet durch. Über viele Jahrzehnte. Fleißig, mutig, couragiert. Leidenschaftlich. Zäh. Besessen. Standhaft. „Ihr“ Land zu führen. Zu herrschen. Zu Be-Herrschen. Mit melancholischen „Flimmer-Schüben“. Es menschelt halt. Unverbindlich.

Aber - auch sehr atmosphärisch. Weil „technisch“ brillant: Mit Wochenschauclips, nostalgischen Motiven von einst und kalten Bildern vom Heute (Kamera: ELLIOTT DAVIS); in einer furiosen Montage „zwischen den Jahren“. Dazu: Das erstklassige Produktionsdesign von SIMON ELLIOTT („Eine zauberhafte Nanny“), diese schrecklich-schönen, gouvernantenhaften Kostüme von CONSOLATA BOYLE („Immer Drama um Tamara“) sowie der angenehm-auffällig „kommentierende“ Score von THOMAS NEWMAN („The Help“). Und mittendrin, immer SIE: Die Königin. Der Schauspielkunst. Denn was diesen Zwitter von Film „rettet“ und adelt, heißt MERYL STREEP. Und wurde soeben mit ihrem 3. „Oscar“ für diese grandiose darstellerischen Präsenz und Leistung verdient belobigt. Geehrt. Umjubelt. Verdient gefeiert. Denn WIE diese 61jährige Ausnahme-Künstlerin wieder einmal in eine Rolle körperlich, also äußerlich (verdienter „Oscar“ auch für ihre Make Up-Spezis J. ROY HELLAND & MARK COULIER & MARESE LANGAN), und innerlich, also seelisch, schlüpft, ist verblüffend, phantastisch, unaufdringlich-toll, charismatisch. Meryl Streep spielt nicht, sie IST Margaret Thatcher. Bewegt sich in Mimik, Ton und Gestik absolut „deckungsgleich“. Mit diesem berühmten, arrogant gehauchten Thatcher-Ego-Gestus, ihrem Sprachduktus, diesem versnobt wirkenden Näseln. WIE Meryl Streep als Nr. One-Lady auftritt, mal als unerbittliche, mal als verwirrte Power-Frau, ist von sagenhafter Ausstrahlung. Von überragender, souveräner Charakter-Präsenz. Ist ergreifend, mitreißend, vehement laut wie leise, definitiv nachvollziehbar. Eine GANZ GROßE Leinwand-Performance. Viele Filme gibt es nicht, in denen eine Schauspielerin GANZ ALLEIN eine vermaledeite Inszenierung SO brillant dominiert. Führt. Lenkt. Leitet. Ganz „reich“ macht. Ganz ganz reich.

Während „Oscar“-Preisträger JIM BROADBENT („Iris“), dies sollte auch unbedingt erwähnt sein, als Denis Thatcher ihr ebenbürtiger Antwort-Partner ist. „Die eiserne Lady“ aber ist DAS Meryl-Streep-Kino-Ereignis (= 4 PÖNIs).

DIE EISPRINZEN" von Josh Gordon und Will Speck (USA 2007; 93 Minuten; Start D: 10.05.2007); ist eine Hollywood-Produktion der Regie-Neulinge und liefert "leichte, vorsommerliche Unterhaltung". Dabei im Blickpunkt: Zwei amerikanische Eislauf-Egozentriker: Die blonde "Primaballerina" James MacElroy, ein ehemaliger Klosterschüler, und der selbsternannte "Sex-Tornado" Chazz Michael Michaels. Als sie sich auf dem Gewinner-Treppchen bei den Olympischen Spielen anstatt anzulächeln einmal mehr angiften und schließlich sogar prügeln, werden sie auf Lebenszeit gesperrt. Doch dann entdeckt ein pfiffiger Coach die Lücke im Regelwerk und beide treten fortan gemeinsam im PAARLAUF an. Stichwort: MÄNNER-Paarlauf. Motto z.B.: Wer übernimmt künftig nun den "weiblichen Part" bzw. wer greift bei der Hebefigur wem in den Allerwertesten... Undsoweiter...undsoweiter.

Rollen-Klischees der Geschlechter werden ebenso auf die komische Schippe genommen wie diese ganze bunte Welt des "schönen" Eiskunstlaufs mit den farbenfroh-kitschigen Kostümen, mit den bisweilen homoerotischen Bewegungen/Annoncen. Diese Show kommt deshalb so augenzwinkernd-originell-amüsant ´rüber, weil Komiker-As WILL FERRELL, der ehemalige "Saturday Night Live"-Comedian, wieder einmal mit seiner hinreißenden wie anarchischen Brachial-Clownerie überzeugt: Sein Michael Michaels verkörpert das genaue Gegenteil von dem, was man sonst in dieser "sauberen Sport(ler)-Disziplin" erwartet: Üppiges Brusthaar quillt aus dem offenen Trikot, darunter wölbt sich ein "gut gefütterter" Bierbauch; zudem bewegt er sich ständig fluchend und Zoten-reißend mehr wie ein Stripper als wie ein "Künstler" auf dem Eis.

Ferrell, neulich erst im dem hierzulande leider völlig unterschätzten urigen Crash-Spaß "Ricky Bobby - König der Rennfahrer" ein ölverschmiertes "American dream"-As (und ansonsten kürzlich in Komödien wie "The Producers" und "Schräger als Fiktion" sehr überzeugend), gibt seinem Eis-Affen hier kräftig ZUCKER. Und wird von seinem föhn-gewellt-gestylten, Papageien-bunt ausstaffierten Partner JON HEDER ("Napoleon Dynamite") als die noch-blondere Ausgabe von Owen Wilson ("Die Hochzeits-Crasher") tatkräftig-gagig unterstützt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt oder: Es lebe der bessere Klamauk (= 3 PÖNIs)!

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