Wenn sich über 7 Millionen Franzosen für einen neuen Kinofilm interessieren, und wenn ihn sich sogar der Staatspräsident im Elysée-Palast vorführen lässt, dann verdient DAS und dann verdient DER natürlich auch hierzulande besondere Aufmerksamkeit.
„DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE“ von Jean-Pierre Jeunet (Fr/D 2007; 122 Minuten; Start D: 16.08.2001) heißt dieses Film-Ereignis, das in
französisch-deutscher Co-Produktion entstanden ist.
Sein Name: JEAN-PIERRE JEUNET. Er ist Franzose. Er ist 46 Jahre alt, und seine Schule waren Cartoons und Animationsfilme. 1991 fiel er als Co-Autor und Co-Regisseur mit der absurden Kannibalismus-Ballade „Delicatessen“ erstmals einem größeren Publikum auf. Danach schuf er die düsteren Horror-Szenarien “Die Stadt der verlorenen Kinder“ und, in Hollywood, “Alien 4 - Die Wiedergeburt“. Jetzt hat er einen neuen Film gedreht. In und über die Großstadt. PARIS. Allerdings: Dort nunmehr weit entfernt von Motiven wie Sadismus, Maschinen-Gewalt und Lärm und Dreck. Ganz im Gegenteil: Jean-Pierre Jeunet hat in dieser schnellen Zeit der Globalisierung, der mächtigen Technisierung und dauerhaften Unruhe - ein modernes, surreales MÄRCHEN geschaffen. Mit vielen, unglaublich vielen Ideen und Gefühlswallungen. Die Franzosen konnten in diesem Kino-Sommer DAVON gar nicht genug bekommen. Jetzt erreicht dieser außergewöhnliche „Charme-Bolzen“ von Film endlich auch die Lichtspielhäuser hierzulande.
Und der Spaß kann erneut beginnen. Thema: Es war, nein, es IST einmal. Mitten in Paris. Im Bezirk Montmartre. Dort lebt AMELIE.
Sie ist um die 30. Kulleraugen, Ponyfrisur, das schüchtern- verschmitzte Lächeln: Amelie ist der Innbegriff einer liebenswerten Chanson-Französin. Und: Amelie ist nicht von DIESER Welt. Vielmehr hat sie sich ihren eigenen, ebenso reiz- wie phantasievollen Kosmos geschaffen. In der vor allem all diese kleinen Dinge und Erlebnisse eine aufregende Rolle spielen, die sonst im Alltag gänzlich unbeachtet und unbeobachtet bleiben: Steine, die auf dem Wasser springen; der Sand zwischen den Buchseiten; ein suizidgefährdeter Goldfisch. Amelie sieht und fühlt ganz einfach MEHR bzw. VIEL MEHR als ihre “normale Umgebung“. Und: Sie reagiert und agiert entsprechend darauf und gerne: Der trübsinnigen Hausmeisterin flattern plötzlich alte Liebesbriefe ihres verstorbenen Mannes ins Haus. Die hypochondrische Zigarettenverkäuferin in ihrem Bistro, wo sie arbeitet, erhält einen Lover “zugeteilt“. Einem Blinden wird im Vorübergehen das schöne Paris vermittelt. Amelie, die gute, hilfsbereite Fee. Schrullig und weise unterstützt von einem alten Maler und Nachbar. Der natürlich DAVON weiß:
Amelie und die AN-DAUERNDE Kindheit.
Aber: Amelie, das ist auch der listige Rache-Engel. Dem fiesen Gemüsehändler an der Ecke wird ganz schön “eingeheizt“. Doch wenn es um das es um das eigene, das private Glück geht, da sieht es bei Amelie ziemlich düster aus. Die eigene Kindheit drückt immer noch zu sehr aufs Gemüt.
Da ist dieser ‘merkwürdige‘ junge Mann. Nino. Der sucht die Fotoautomaten der Bahnhöfe nach weggeworfenen, zerrissenen Passbildern ab. Um sie in einem Album wieder zusammenzukleben. (Davor hat er übrigens FUSSABDRÜCKE gesammelt...). Nino und Amelie. Das wäre was. Das wäre die Produktion von ganz viel Glück.
Jean-Pierre Jeunet hat einen hinreißenden, einen wirklich phantastischen Zelluloid-Traum mit-erdacht und erschaffen. Sein Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ ist die pure Glücks-Therapie im Kino. Der man sich nicht entziehen kann. Und will. Im Sekundentakt werden virtuos und überraschend und so überwältigend-augenzwinkernd positive Energie- und Lebensströme ausgebreitet. Und das Verrückt-Schöne dabei: Man kann sich DARAUF ohne Scheu und Peinlichkeit einlassen. Diese Hommage an das unbedingte Glück der kleinen Dinge und Leute macht in dieser wunderbar-ausufernden Träumerei richtig prima SÜCHTIG.
Und SIE? AUDREY TAUTOU heißt sie. Sie wirkt unschuldig wie Audrey Hepburn und ist ein wahrer Schatz von Heldin: Schön, lieb, pfiffig. Audrey Tautou ist gegenwärtig das populärste Gesicht des französischen Kinos.
Und auch wir müssen uns schmunzelnd verbeugen: MERCI, AMELIE (= 5 PÖNIs)!!!
„FACTOTUM" von Bent Hamer (USA 2005; 94 min; Start D: 08.12.2005); einem norwegischen Filmemacher (Jahrgang `56), der mit seiner Ironie "Kitchen Stories" (2003) international Furore machte und nun auch in Hollywood angekommen ist, wo er sich aber nicht verbiegen ließ und diese konsequente Hommage an den Gossen-Literaten CHARLES BUKOWSKI (1920-1994) in Co-Produktion USA/Norwegen/D schuf; basierend auf dem zweiten, 1975 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Bukowski. Dessen Held autobiographische Züge trägt, denn es geht hier um einen Schriftsteller, der sich als Gelegenheitsarbeiter mühsam über Wasser hält, um sich DAS leisten zu können, was ihn einzig interessiert: Saufen, Rauchen, Ficken, Schreiben.
MATT DILLON/Jahrgang `64 ("The Outsiders"/1983; "Verrückt nach Mary"; neulich, als verbitterter Polizist, in "L.A. Crash") spielt diesen radikalen Lebenskünstler Henry "Hank" Chinaski als 1:1-Schwein, also auf tatsächlicher (gedanklicher wie körperlicher) Schmutz- und Show-Ebene: Ein spannender Prolet durch und durch, in einem herrlich unkorrekten, wunderbar lakonischen 93 Minuten-Außenseiter-Porträt, dessen Parallel-Universum allemal aufregender und ehrlicher ist als diese ganze, dämliche "Narnia"-Verführung. Neben dem großartigen Matt Dillon imponieren auch LILI TAYLOR ("I Shot Andy Warhol") und "Oscar"-Preisträgerin MARISA TOMEI ("Mein Vetter Winnie") in diesem erfreulichen kleinen Schmutz- Film um einen konsequenten Verweigerer (= 4 PÖNIs).
„DIE FÄLSCHER" von Stefan Ruzowitzky (Österreich/D 2007; 98 Minuten; Start D: 22.03.2007); einem Wiener des Jahrgangs 1961, der mit seinen Filmen "Die Siebtelbauern"(1998), "Anatomie" (2000) sowie "Anatomie 2" (2003) auch bei uns bekannt wurde. Sein neuester Film ist eine deutsch-österreichische Co-Produktion, die im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb lief und allgemein recht positiv aufgenommen wurde. Dabei erzählt der Drehbuch-Autor und Regisseur Ruzowitzky von einem wahren wie bislang unbekannten Kapitel der NS-Geschichte: Basierend auf den Erinnerungen des heute 89jährigen Holocaust-Überlebenden Adolf Burger ("Des Teufels Werkstatt. Die Geldfälscher-Werkstatt im KZ Sachsenhausen"; wurde in diesem Monat wiederaufgelegt im Elisabeth-Sandmann-Verlag) wird das Drama eines spektakulären Geheimunternehmens der Nazis beleuchtet, die 1944 im KZ Sachsenhausen eine professionelle Fälscher-Werkstatt einrichteten.
Gefangene des Lagers - jüdische Experten, vom Währungsfachmann über Drucker bis hin zu einem echten Fälscher - wurden gezwungen, Falschgeld im großen Stil anzufertigen. Andernfalls drohte ihnen die Hinrichtung. Die Nazis hatten vor, mit den Dollar- und Pfund-Blüten die Weltwirtschaft zu schwächen. Dabei vor allem im Blick- und Mittelpunkt: Der damalige "König der Fälscher" SALOMON SOROWITSCH, eine ganz "besondere Größe" aus dem kriminellen Milieu Berlins. Ein Betrüger, der sich gerne/genüsslich durchs Leben schummelt.
Der 43jährige Wiener Schauspieler KARL MARKOVICS spielt dieses schlitzohrige "Talent" mit dem unbedingten Überlebenswillen sehr nachhaltig-intensiv, unaufgeregt, ruhig. Nuancenreich. Glaubwürdig-leise. Sein Typ ist vielschichtiger "Lebenskünstler" und gepeinigtes Opfer zugleich. "Man passt sich an oder man geht drauf", lautet seine Moral. Mit der er sogar dem jovial-teuflischen, stets auf seinen eigenen Vorteil bedachten SS-Kommandanten Friedrich Herzog Paroli bietet: Der bislang auf der Leinwand kaum aufgefallene DEVID STRIESOW ("Der Rote Kakadu"; "Was tun, wenn´s brennt?") mit der brillanten Studie eines deutschen Opportunisten. Aus dem exzellenten Ensemble ist auch AUGUST DIEHL als idealistischer junger Drucker und Widerständler zu nennen.
Kein monströser, sondern ein "anderer", hochinteressanter deutscher Vergangenheitsfilm um den Lebens-/Identitäts-Kampf zwischen Pragmatismus und Ideale bzw. Widerstand. Angenehm-sparsam inszeniert, sich dabei auf wenige Figuren, mit scharf gezeichneten Charakteren, spannend konzentrierend. Und: Dabei den schwierigen Balanceakt zwischen kurzweiligem Unterhaltungskino und aufwühlendem KZ-Drama souverän bestehend. Ein kleines Ereignis von überzeugendem Kino aus dem deutschsprachigen Raum (= 4 PÖNIs).
„FAIR GAME“ von Doug Liman (K+R; USA 2009; 105 Minuten; Start D: 25.11.2010); der am 24. Juli 1965 in New York City geborene Sohn von Arthur L. Liman, einem der Ankläger in der Iran-Contra-Affäre 1985/86 unter Ronald Reagan, ist sowohl als Kameramann wie auch als Produzent und Regisseur tätig. Bekannt wurde Doug Liman mit seinem Anfangs-Überraschungserfolg „Swingers“ (1996), natürlich 2002 mit dem bondähnlichen Action-Thriller „Die Bourne Identität“ (mit Matt Damon + Franka Potente) sowie 2005 mit dem Action-Hit „Mr. & Mrs. Smith“ (mit Angelina Jolie + Brad Pitt). Sein neuer Film, der übersetzt sowohl „Faires Spiel“ wie auch „Freiwild“ bedeutet, lief im Frühjahr als einziger USA-Beitrag im Wettbewerb vom 63. Cannes-Filmfestival. Basiert auf den Büchern „The Politics of Truth“ von Joseph Wilson und „Fair Game“ von Valerie Plame und führt den filmenden Polit-Aktivisten Doug Liman mit dem heute 50jährigen Polit-Aktivisten-Schauspieler und zweifachen „Oscar“-Preisträger SEAN PENN („Mystic River“/2004; „Milk“/2009) zusammen. Dabei ist „Fair Game“ ihr unermüdlicher wie weitere couragierter Hollywood-Versuch, sich auch an eigene, intensive, „hausgemachte“ politische Kritik-Stoffe im Unterhaltungskino heranzuwagen; wohl wissend, dabei keineswegs „massenkompatibel“ zu sein (siehe „Syriana“ von George Clooney neulich oder „Green Zone“ von Paul Greengrass kürzlich).
Die böse Geschichte beginnt (bekanntermaßen) im Frühjahr 2003. Ist also noch gar nicht so lange aus den Schlagzeilen. US-Präsident George W. Bush, Jr. hat in seiner berühmten „State of the Union“-Rede am 20. März erklärt, dass der Irak aus Afrika Uran bezieht für die Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Der Grund für eine Invasion sei dadurch gegeben. HEUTE wissen wir, dass dies nur ein vorgeschobener Grund für den Einmarsch und den Kriegsangriff im Irak war. DAMALS wusste dies aber bereits der Ex-Botschafter Joseph C. Wilson (Sean Penn). Denn DER war von offiziellen CIA-Amtsstellen kurz zuvor beauftragt worden, im afrikanischen Niger nach den ominösen 500 Tonnen radioaktiven Materials zu recherchieren. Wilson fand nichts, konnte auch nichts finden, wie er feststellte, denn es gab nichts zu finden. In einem Memorandum teilte er dies seinen CIA-Auftraggebern mit. Als Bush sich dennoch auf seine (angeblichen) „positiven Ermittlungen“ berief und den Angriff für zwangsläufig und rechtens erklärte und befahl, platzte Joseph Wilson der Kragen.
In einem „New York Times“-Artikel vom 6. Juli 2003 publizierte er einen eigenen Artikel mit der Schlagzeile „What I Didn´t Find in Africa“ (Was ich in Afrika NICHT fand) und warf der Regierung eine vorsätzliche Manipulation der Fakten vor. Die Antwort der „obersten amtlichen Stellen“ folgte bald: Wilson wurde zur „persona nongrata“ erklärt. Als Lügenbold, Wichtigtuer und Kommunist hingestellt, verunglimpft. „Offiziell“ wie vor allem privat. Das Land hatte sich in der Mehrzahl auf den Krieg eingeschossen, ihn für unvermeidbar „verstanden“, da er ja „plausibel“ von der Obrigkeit (und seinen willfähigen Medien) begründet wurde. Wilson galt fortan als ein „(Zer-)Störer“, ein Anti-Amerikaner, ein Feigling und Feind. Und noch schlimmer: Ehefrau Valerie Plame (NAOMI WATTS), nach außen hin eine vielbeschäftigte Karrierefrau in einer Finanzdienstleister-Firma, wird nun auch zerfleischt, öffentlich hingerichtet. Denn insgeheim arbeitet sie schon seit vielen Jahren – seriös wie erfolgreich – als getarnte, unerkannte CIA-Agentin. „Süffisant“ wird dies nun aus „hochrangigen Kreisen“ publik gemacht. Mit allem Drum und Dran. Ihre Identität wird bewusst zerstört. Damit sind Arbeit, Ehe, Leben und Ehre des Ehepaars und ihrer Kinder bis auf Übelste beschädigt. Amerika zieht – vorerst – optimistisch mal wieder in den Krieg. Die „Nestbeschmutzer“ können den Machthabern im Weißen Haus nichts mehr anhaben. Oder?
POLITIK, schmutzige, dreckige, manipulierende Nadelstreifen-Politik, und ihre „technischen“ wie menschlichen Hintergründe. Man trifft sich gerne „außerhalb“ des Büros auf den bekannten Bänken, um sich auszutauschen („…denkt an Eure Kinder, wollt ihr künftig nicht ruhig weiterleben?“); man blickt in die zynischen Gesichter und Gedanken der Entscheider, wenn sie kalt ihre Lügen-Entscheidungen treffen, die mit so vielen schlimmen Folgen, Auswirkungen und weltweiten Entsetzlichkeiten zu tun haben werden (ohne dass sie, bis auf einige wenige Justiz-Ausnahmen, später zur Verantwortung gezogen werden, wie wir heute wissen).
„Fair Game“ ist ein bitterer, wütender, großartiger Demokratie-Thriller. Erstklassig entwickelt, in den zahlreichen Puzzle-Motiven spannend zusammengefügt, eindeutig Stellung beziehend in Sachen Meinungsfreiheit/Menschwürde während der Bush Jr.-Herrschaft in der obersten Administration der USA. Was er zeigt, sagt, denkt, fühlt ist vorwiegend eine unterhaltsame liberale Widerrede, weil offensichtlich niemand damals ein Interesse daran hatte, Wahrheit zu sagen und Klarheit zu bieten, sondern von Anfang an Einigkeit bestand, dass dieser Krieg „notwendig/erwünscht“ war und Wilson & Plame als Bauernopfer herhalten sollten, mussten. Pech nur, dass DIE keine Doofen sind und irgendwann beschließen, diesen anstrengenden Windmühlen-Kampf doch aufzunehmen.
„Die Verantwortung darf nicht in den Händen einiger weniger Privilegierter liegen“, äußert sich SEAN PENN am Schluss als Joseph Wilson. Mit viel aufrichtiger Ich-Empörung. Souverän tritt der zerknautschte Star in der „politischen Manege“ hier auf und führt den Film souverän, exzellent, klug. Gedanklich wie beeindruckend körperredlich. NAOMI WATTS („King Kong“/2005; „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“/2001) hält als intelligente, clevere Undercover-Lady „brüskiert“ mit. Wirkt ebenso tough wie betroffen und aufgewühlt. Ein starkes Gespann. In einem mal ganz „anderen“, ganz hervorragenden Spannungsdenkfilm aus den USA (= 4 PÖNIs).
An dieser Stelle wird nun ein Film besprochen, der sich schon heute einen Platz in der Filmgeschichte erobert hat. Denn wer da glaubte, KINO könnte und würde sich nie mehr verändern und steigern, hätte nur noch einige technische Verbesserungen anzupreisen, hat sich gründlich geirrt. Jetzt gibt es ihn schon den ersten Film des 21. Jahrhunderts. Titel: „FALSCHES SPIEL MIT ROGER RABBIT"
von Robert Zemeckis (USA 1988; 104 Minuten; Start D: 27.10.1988).
Die andere, neue, zauberhafte Seite von Hollywood. Eine Welt, in der die Menschen mit bekannten wie unbekannten Zeichentrickfiguren, genannt Toons, mehr oder weniger vergnüglich zusammenleben. Für den ausgebrannten, heruntergekommenen Detektiv Eddie Valiant weniger, denn ein Toon sorgte einst für den Tod seines Bruders. Seitdem grollt er mit seinem Leben und diesen brüllenden, hektischen kleinen oder großen Toons um sich herum. Dennoch nimmt er dann den Auftrag an, einen von ihnen, den quicklebendigen, irrwitzigen Fernseh-Star-Hasen Roger Rabbit, aus der Patsche zu helfen. Roger ist unter merkwürdigen Umständen unter Mordverdacht geraten, und ein schurkischer Richter und seine fiesen Polizei-Wiesel suchen ihn, um ihn fertigzumachen. Also müssen Eddie und Roger knallhart zusammenarbeiten.
Natürlich kommt es dann wie es bei einem zünftigen Räuber - und - Gendarm - Thema kommen muss: Eddie und Roger kommen einem ganz ausgefeimten Verbrechen und Verbrecher auf die Spur. Stichwort: Immobilien - Spekulationen in Hollywood und Umgebung. Dabei geht e nicht nur um Geld und Macht, sondern auch um die Existenz aller Toons. Und deshalb schreiten auch andere nette Comic-Figuren helfend ein. Wie beispielsweise Baby Herman, ein ulkiger kleiner Macho.
“Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ ist ein Knaller. Tricks und “Realität“ vereinen sich zu einer unglaublichen, so noch nie zuvor gesehenen Perfektion und Leidenschaft. Hier waren und sind Besessene am Werk. In einem tollkühnen, ausgeflippten, köstlich-schrägen Spaß, der alles in den Schatten stellt, was Disney je auf die Leinwand brachte. Witz, Charme, Raffinesse, Tempo und eine ungeheure Wucht von Film-Lust vereinen sich zu einem Feuerwerk an Top-Unterhaltung. Dabei müssen natürlich zwangsläufig die “menschlichen“ Akteure wie der genervte Schnüffler Bob Hoskins zurückstecken. Denn die Arena gehört eindeutig IHNEN: Diesen liebenswerten, chaotischen, irren Toons. Allen voran dabei natürlich ROGER RABBIT, dieser tolle Schelm und Stimmungsmacher. “Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ ist wirklich Kino, wie es zuvor noch nie zu sehen war. Grandios, überrumpelnd, verblüffend. Es ist ein Film der Superlative...(= 5 PÖNIs).
„FAME“ von Kevin Tancharoen (USA 2008; 107 Minuten; Start D: 25.12.2009); das ist ein 24jähriger Regie-Debütant, der als Tänzer und TV-Produzent anfing und die Video- bzw.Tournee-Choreographien für Stars wie Christina Aguliera und Britney Spears mit-gestaltete. Hier nun adaptierte er den gleichnamigen Alan-Parker-Klassiker von 1979, bei dem der populäre Irene-Cara-Titelsong von Michael Gore mit dem „Oscar“ ausgezeichnet wurde. Formte ihn musikalisch modern in der Mixtur aus Hip-Hop, Modern Dance und Jazz und vermischt mit neuen Darstellungsformen wie Slam Poetry und Freestyle um und hält sich ansonsten an die damaligen Story-Strukturen:
An der berühmten New Yorker „School of Performing Arts“ werden „Neuankömmlinge“ getestet, wird ein Ensemble aus jungen Schauspielern, Sängern, Tänzern und Musikern zusammengestellt und von der Aufnahmeprüfung bis zur Abschlußgala (in 5 harten Ausbildungsakten) begleitet. In einer Art multikulturellem Bewährungs-Kosmos. Einzelschicksale kristallisieren sich heraus, aber Tancharoen legt den Hauptaugenmerk auf die Performance. Auf die jeweiligen poppigen Bunt-Nummern. Legt keinen großen Wert auf charakterliche Tiefe oder Figuren-Nähe. Weder bei den Abstramplern noch bei den Lehrern. Während ein Ohrwurm-Hit (wie einst) nicht auszumachen ist. Fetzig-aufgeplusterte Show-Skizzen beherrschen die harmlose, keimfreie Szenerie, soziale Komponenten (wie bei Parkers Film) bleiben hier außen vor. „Fame“-heute ist lediglich die oberflächliche Fortsetzung einer TV-Casting-Show in Leinwand-Breite und auf Spielfilmlänge getrimmt. Unter den Interpreten fällt NATURI NAUGHTON mit ihrer Wucht-Stimme und mehreren mitreißenden Auftritten heraus (daß sie gerade an ihrer ersten Solo-CD basteln soll, klingt plausibel). Ansonsten - so etwas wie ein „High School Musical“-Trulli-Leerlauf ist das hier (2 PÖNIs).
„DIE FAMILIE STONE - Verloben verboten!" von Thomas Bezucha (B+R; USA 2005; 103 min; Start D: 15.12.2005); dessen Erstlingsfilm im Jahr 2000 "Big Eden" hieß und bei uns unbekannt ist. Und der hier einen "Weihnachtsfilm" präsentiert, der mit Sicherheit in den nächsten Jahren immer und immer vorgeführt und zitiert werden wird: Denn er ist gnadenlos emotional/kitschig(?), gnadenlos liebenswert, gnadenlos pointiert und gnadenlos schön; mit Taschentuchfaktor 4. Der diesen dämlichen deutschen Zusatztitel wirklich nicht verdient hat (Original: "The Family Stone").
Thema: Eine an sich/mit sich intakte Land-Familie bekommt "Zuwachs" - Sohn Everett bringt "seinen neuen Schwarm" mit. Fast einhellige Meinung drumherum: DIE hat er und die Familie "nicht verdient". Und Meredith gibt sich redlich Mühe, um ihren Ruf als New-York-ZICKE ständig und fettnäpfchen-fein zu untermauern. Der melodramatische Wohlfühl-Film breitet die totale Gefühlskette aus und ist dabei gescheite PRIMA-Unterhaltung. Mit Claire Danes, DIANE KEATON, Luke Wilson, SARAH JESSICA PARKER ("Sex and the City") und vielen weiteren gutgelaunten Mitstreitern (= 4 PÖNIs).
Die Filme des amerikanischen Regisseurs Sidney- Lumet sind nie das, was man auf den ersten Blick sieht. Bei ihnen, siehe neulich “Daniel“ oder früher “Network“ oder “Hundstage“, muss man auch sehr genau zuhören. Zwischentöne, ironische Zweideutigkeiten sind bei Lumet Dauereinrichtung. Seit einigen Jahren interessiert er sich vornehmlich für das Thema ‘Familie‘ als Keimzelle für die kritisch-unterhaltsame Betrachtung gesellschaftlichen Lebens.
In FAMILY BUSINESS“ von Sidney Lumet (USA 1989; 110 Minuten; Start D: 18.01.1990); geht es um Opa, Vater und Sohn. Opa ist kriminell und auch noch stolz darauf; der Vater hat sich davon gelöst und ist in eine bürgerliche Existenz geflüchtet; der Sohn möchte mit den Beiden ein Millionen-Ding drehen. Das Leben als Glücksspiel. Entweder schneller Profit und bequemes, reiches Leben oder langer Knast. Das wird schwarzhumorig geschildert mit drei gutaufgelegten Stars: SEAN CONNERY, DUSTIN HOFFMANN und MATTHEW BRODERICK.
“Family Business“, kein Film für den schnellen Gebrauch, sondern ein kesses, störrisches Komödien-Ding mit hintersinnigem Pfiff (= 4 PÖNIs)!