„FLASH OF GENIUS“ von Marc Abraham (USA 2008/119 Minuten; Start D: 25.06.2009); das ist der Debütfilm eines seit vielen Jahren tätigen Filmproduzenten („Children of Men“; „Dawn of the Dead“/2006 + 2004). Das Drehbuch schrieb Philip Railsback, ausgehend von einem Artikel von John Seabrook in „The New Yorker“.
Dabei geht es mal wieder um eine David-gegen-Goliath-Story: Der amerikanische Universitätsprofessor Robert Kearns (1927-2005) entwickelt Anfang der 60er Jahre einen neuartigen Scheibenwischer. Alle großen Autokonzerne sind hinter dieser Erfindung her. Kearns verhandelt in Sachen Intervall-Scheibenwischer lange Zeit mit Ford, bis der Gigant aus Detroit unvermittelt absagt. Und seine Erfindung einfach „klaut“ und diese im neuen „Ford Mustang“ als eigene Erfindung präsentiert. Daraufhin verklagt der Zivilist den Konzern. Zunächst unterstützen ihn auch seine Frau Phyllis (LAUREN GRAHAM/TV-Serie „Die Gilmore Girls“) und die 6 Kinder dabei. Doch als Robert immer verbissener auf „seine Gerechtigkeit“ besteht und selbst angebotene erste Entschädigungszahlen in Millionenhöhe ablehnt, ziehen diese sich zurück. Die Familie zerbricht. Er selbst erleidet einen Nervenzusammenbruch. 9 Jahre nach Einreichen der Klage, 1990, wird der Prozeß endlich eröffnet.
Selten „solch einen Idioten“ als vermeintlichen „Helden“ erlebt. In diesem für schätzungsweise 20 Millionen Dollar gedrehten Drama zerstört ein Mann sich, seine Familie, andere Menschen, nur um „amtlich“ bestätigt zu bekommen, er habe RECHT. Diese Rechthaberei entpuppt sich als „bitteres Sieges-Ei“, denn anstatt die letztlich angebotene 30 Millionen Dollar-Entschädigungs-Prämie zu nehmen, um endlich der Gesamtfamilie eine angemessene Existenz zu sichern, bleibt der eigenbrötlerische (G)Eiferer dauer-störrisch, unbeeindruckt, wenngleich im Recht. Um dann schließlich vor Gericht mit einer 12 Millionen-Dollar-Entschädigung von dannen zu ziehen. Und mit dem Wissen, viele gute eigene wie vor allem Anderer Lebensjahre, eigentlich die besten, rechthaberisch verschenkt, zerstört zu haben.
GREG KINNEAR (der spinnerte Dad in „Little Miss Sunshine“) bemüht sich sehr, für seinen unsympathischen Helden positive Emotionen zu bekommen, vergebens. Egal ob Recht oder Unrecht, wenn es darum geht, das Leben von Anderen angenehmer, vorteilhafter, streßfreier, lebenswerter gestalten/veranlassen zu können, hat sich Sturheit und Rechthaberei hinten-ran zu stellen. Oder? Das beabsichtigte Plädoyer für Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage wirkt hier deplaziert. Motto: Natürlich hat der Kerl RECHT, aber benehmen tut er sich SAUDÄMLICH. UNPFIFFIG. Anstatt DIE zahlen/blechen zu lassen. So jedenfalls kommt das filmisch „klein“(kariert) ´rüber (= 2 PÖNIs).
In „FLATLINERS - HEUTE IST EIN SCHÖNER TAG ZUM STERBEN“ von Joel Schumacher (USA 1990; 115 Minuten; Start D: 22.11.1990); wird laut, grell und bunt für eine scheinbar außergewöhnliche Story geworben. Thema: Was passiert, wenn man gestorben ist. Passiert überhaupt etwas?
Das wollen junge Medizinstudenten herausfinden. Sie sind neugierig und gieren nach
Ruhm. Ja, und was dann passiert, ist höchst läppisch. Alte Jugendsünden werden aufgefrischt, Feinde von gestern wollen und können sich nun heute rächen. “Flatliners“ ist eine dümmliche Hokuspokus-Grusel-Show mit einfältigen Ideen und Motiven. Ein bisschen Pseudo-Nervenkitzel im kurzen Jenseits, das war‘s dann schon. Die Prominenz in den Hauptrollen, von KIEFER SUTHERLAND über JULIA ROBERTS bis zu KEVIN BACON, kann damit auch nicht allzu viel anfangen und spult ihre Auftritte routiniert ab.
“Flatliners“ ist ein Spannungsversprechen, das nicht eingehalten wird (= 1 ½ PÖNIs).
„FLEISCH IST MEIN GEMÜSE" von Christian Görlitz (D 2007; 97 Minuten; Start D: 17.04.2008); basierend auf der Autobiographie/den Jugenderinnerungen des Entertainers, Kabarettisten + Schauspielers Heinz Strunk. Ein mit über 250.000 Exemplaren bestens verkauftes KULTbuch, das aber NUR dämlich/einfältig/primitiv + Personen-denunzierend umgesetzt wurde. Ohne Atmosphäre, ohne Stimmung, nur platt und fade.
Ein filmisches "Komödien"-Desaster um ein GANZ tristes, völlig uninteressantes, verklemmt-spießiges norddeutsches Musiker-Bübchen-Dasein aus den 80ern (= 1 PÖNI).
„DER FLIEGENDE HÄNDLER" von Eric Guirado (Fr 2007; 96 Minuten; Start D: 24.04.2008); ist so etwas wie das französische Themen-Pendant zum 1. (amerikanischen) Film. Auch hier hat sich ein familiärer Verbund längst aufgelöst. Während Vater/Mutter auf dem Land einen kleinen Kaufladen betreiben und mit einer Art "Tante-Emma-Laden" auf 4 Rädern noch halbwegs über die wirtschaftlichen Runden kommen, hat sich Sohn Antoine, 30, längst und im Streit in Richtung Paris verabschiedet. Lebt dort als "freier Junggesellen-Hallodri" in den Tag hinein.
Doch als der Vater einen Herzinfarkt erleidet, kehrt er zwar mißmutig-widerwillig, aber immerhin zurück. Und erklärt sich sogar bereit, weiterhin mit dem Auto durch die südfranzösische Provinz zu gondeln, um die (bisweilen kauzigen, eigenbrödlerischen) Dorfbewohner mit Lebensmittel zu versorgen. Allerdings: Er gibt sich dabei ziemlich ruppig, mürrisch, mies-gelaunt. Zudem gilt es noch mit dem Bruder klarzukommen, dessen privates Leben ebenfalls ziemlich "ungeraten" verläuft. Doch die auftauchende Pariser Freundin Claire, die sich hier, in der Abgeschiedenheit, auf ihre Prüfungen vorbereiten möchte, und das Ambiente sowie der Charme, die Gelassenheit dieser schönen Ruhe-Gegend "wirken" nach und nach.
Dies ist einer jener TYPISCH-französischen, also atmosphärisch-stimmungsvollen LEICHT-Filme, die Herz und Augen (be-)rühren, ohne doof zu übertreiben. Die GEFÜHLE einfach- erklärbar wie charmant-sichtbar machen, ohne dass man sich schämen muss. Es menschelt augenzwinkernd-angenehm, mit Nicolas Cazalé (neulich in "Saint-Jacques...Pilgern auf Französisch" von Coline Serreau), Clotilde Hesne, Daniel Duval (= 3 PÖNIs).
„FLIGHT“ von Robert Zemeckis (USA 2011/2012; B: John Gatins; K: Don Burgess; 138 Minuten; Start D: 24.01.2013); die überzeugendsten Alkoholiker in einem Spielfilm waren bisher RAY MILLAND (in Billy Wilders „Das verlorene Wochenende“/“Oscar“ 1945) sowie NICOLAS CAGE (in „Leaving Las Vegas“ von Mike Figgis/“Oscar“ 1996). Jetzt ist der – bislang – zweifache „Oscar“-Preisträger DENZEL WASHINGTON hinzuzuzählen. Für seinen grandiosen Part als Flugkapitän Whip Whitaker hier kann es durchaus in einem Monat die nächste „Oscar“-Auszeichnung für den hervorragenden 58jährigen Mimen geben.
ROBERT ZEMECKIS, geboren am 14. Mai 1952 in Chicago, hat es mit seinen drei „Zurück in die Zukunft“-Späßen (1985, 1989, 1990), mit seinem vorzüglichen Realo-Trick-Vergnügen „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) und natürlich mit seinem Meisterwerk „FORREST GUMP“ (1994), für den er auch den Regie-„Oscar“ erhielt, sowie mit der Tom Hanks- Robinsonade „Cast Away – Verschollen“ (2000) und dem Trick-Giganten „Der Polarexpress“ (2004) in die Erfolgs- und Bestenlisten der Filmgeschichtsbücher geschafft. Gemeinsam mit dem renommierten Drehbuch-Autoren JOHN GATINS („“Real Steel“; „Dreamer – Ein Traum wird wahr“) setzt er hier voll und ganz auf den ständig “anwesenden“ Denzel Washington. Einem mental unverantwortlichen Wrack. Von einem äußerlich kaum zu erkennenden ständig zugedröhnten Flugkapitän. Der es mit Alkohol und anderen Drogen „nicht so genau“ nimmt. Also diese gerne wie ständig konsumiert. Und „dies“ wie sich „im Griff“ zu haben meint. Auch schon mal in der Nacht vor dem nächsten Flug. Und DER entwickelt sich dann zum Alptraum. Nicht wegen ihm, ganz im Gegenteil. Dank seiner außerordentlichen Flugkünste schafft er es, dass in seiner kaputten Maschine durch eine unglaubliche „Umkehr-Aktion“ und Gleit-Notlandung „nur“ sechs von 102 Menschen sterben. Whip Whitaker wird als kühner Held und wagemutiger Retter anschließend geehrt. Und gefeiert. Doch dann stellt sich heraus, dass er mit viel Alkohol und Kokain im Körper arbeitete. Die anstehende Unfall-Untersuchung könnte für ihn schwerwiegende rechtliche wie berufliche Folgen haben. Bedeuten. Doch da gibt es ja genügend Rückendeckung von der Airline und deren ausgebufften Anwalt (pikobello gewieft: DON CHEADLE) sowie letztlich durch seinen cholerischen „Medizinmann“ Harling Mays (sensationell in seinem herrischen Kurzpart als kumpelhafter Drogenlieferer: JOHN GOODMAN). Es sieht ganz so aus, als könnte der Suffkopp-Captain Whip doch noch seinen ramponierten Kopf aus der juristischen Schlinge bekommen.
Der Anfang ist genial. So dass dieser Film niemals in einem Flugzeug gezeigt werden wird. Dieser eigentlich kurze Flug von Orlando nach Atlanta setzt sogleich „heiße“ Turbulenzen in Bewegung, um dann mit gigantisch-brillant inszenierten Absturzmotiven des Kamera-Experten Don Burgess (Source Code“/2011) „zu glänzen“. Diese erste Filmhalbestunde gräbt sich buchstäblich unter die extrem „angespannte Haut“ toll ein. Doch wer geglaubt hat, in diesem Brachialstil würde es weitergehen, sieht sich (angenehm) getäuscht. Aus „Flight“, dem Actionfilm, wird „Flight“, das Juristen-Drama sowie „Flight“, DAS packende, weil exzellent gespielte Porträt eines uneinsichtigen Säufers. Denzel Washington begeistert in dem Mix aus Suffdämon und Mitleidsmensch. Durch kleinste Bewegungen des Körpers sorgt er für charakterstarke Dichte und Neugier-Nähe. Robert Zemeckis gibt ihm, überlässt ihm die „große Bühne“, und was Denzel Washington daraus macht, entwickelt, ist ganz große Darstellungskunst. „Mundwinkel“-Kunst sozusagen. Spannend, dramatisch, die gesamte körpersprachliche Seelentaltiefe glaubhaft anbietend. Auslotend. „Flight“ bedeutet = ist = DIE Performance von einem der weltbesten Schauspieler der Gegenwart!
Lediglich am Schluss wird’s „amerikanisch“, wenn Hollywood mal wieder die dicke Moralkeule (doch wieder) herausholt, um „korrekt“ zu sein. Diese Ladung verpufft, wirkt geschmäcklerisch, unangemessen, kann aber den überwiegend hervorragenden, power-atmosphärischen wie darstellerisch grandios-eindrucksvollen Gesamteindruck kaum (nur unerheblich) verwischen. „Flight“, mit einem anderen Schluss, wäre ein Meisterwerk, „so“ aber verdient er „nur“ das Niveau-Prädikat „SEHR GUT“ (= 4 PÖNIs).
Der gute alte Fred. FRED FEUERSTEIN. Mit seinem Bäuchlein, seinem Leopardendress und dem Schnöselschlips kennen und mögen wir ihn. Bald 35 Jahre ist der furchtlose Fred in vertrauter Zeichentrickmanie durch das Steinzeitdorf Bedrock getobt. Und hat dabei unzählige Male seinen ureigenen “Tarzan“schrei losgelassen.
Als Fred und Wilma Feuerstein und Barney und Betty Geröllheimer als “The Flintstones“ am 30. September 1960 beim amerikanischen
Fernsehsender ABC ihr halbstündiges TV-Debüt gaben, war klammheimlich so etwas wie eine televisionäre Revolution eingetreten. Nie zuvor hatte nämlich eine TV-Zeichentrickserie die Länge von 30 Minuten erreicht. 6 bis 7 Minuten galten damals als absolutes Limit. Und: Nie zuvor waren Menschen die obskuren Objekte der Animation gewesen. Enten wie Donald Duck oder Hasen wie Bugs Bunny waren bis dahin die Stars des Cartoon-Genres.
Außerdem: Nie zuvor war eine Trickfilmserie in der abendlichen Hauptsendezeit gelaufen. 6 Jahre und 166 Folgen lang unterhielten “The Flintstones“ das amerikanische Publikum mit Steinzeit-Gags und Höhlenmenschen-Humor. Die Grundidee ist die Absicht, sich über das zeitgenössische Vorstadtleben lustig zu machen. Die “Familie Feuerstein“ ist einerseits als Slapstick-Komödie, andererseits aber auch als sozialkritische Satire gedacht. Der Reiz der Serie ist, dass sich eine ganz normale, durchschnittliche Familie, die “zufällig“ in der Steinzeit lebt, mit den Anforderungen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen muss. Zusammen mit ihrem entzückenden Töchterchen “Feebles“ genießen Fred und Wilma Feuerstein alle Vorzüge eines modernen Alltags- und Ehelebens. Sie wohnen in einer mit allen Schikanen ausgestatteten Höhle, haben einen Elefanten als Staubsauger, ein Warzenschwein als Müllschlucker und besitzen ein typisches Haustier - einen “bezaubernden“ Dinosaurier mit Namen “Dino“. Und: Sie fahren ein schickes Cabriolet mit Palmendach, Holzkarosserie und Dampfwalzrädern. Der Erfolg der Serie hat inzwischen gigantische Ausmaße angenommen. Zurzeit werden die TV-Abenteuer der “Flintstones“ in 80 Länder und in 22 Sprachen ausgestrahlt. 500 Millionen Menschen schauen regelmäßig zu. Nach Fernsehen, Video, Comics und einem Kino-Zeichentrickfilm von 1966, “Mister Feuerstein lebt gefährlich“, hat nun Hollywood “das Thema“ erneut angepackt. Unter den Fittichen von Steven Spielberg, der diesmal als Mit-Produzent fungiert, machte sich ein Team unter der Leitung von Regisseur Brian Levant daran, den populären Trick-Figuren “menschlichen Atem“ einzuhauchen. Das Ergebnis: Der neue Kinofilm
„THE FLINTSTONES - DIE FAMILIE FEUERSTEIN“ von Brian Levant (USA 1994; 91 Minuten; Start D: 21.07.1994).
Brian Levant, mit dem Familienfilmhit “Ein Hund namens Beethoven“ bekannt geworden, bleibt bei der Hauptsache: Tricks und Gags. Nur: 1994 stehen natürlich technisch sehr viel mehr Möglichkeiten zur Verfilmung, die Phantasie ausufern zu lassen, als in den 60er Jahren. Und das wird hier weidlich angewandt und ausgenutzt. Sehr zum Schaden der Story, denn die ist äußerst simpel. Im Mittelpunkt, natürlich: Der eitle Fred. Und sein Freund Barney.
Als Barney bei einem Eignungstest ihres Steinbruch-Unternehmens aus lauter Freundschaft seine Arbeit mit der von Fred vertauscht, passiert es: Fred wird in die Chefetage befördert. Jetzt ist Luxus, aber auch Blindheit im Übermaß angesagt. Denn Fred rastet ob des neuen Jobs und mit seinem vielen Geld völlig aus. Und merkt erst sehr spät, dass er in ein übles Komplott des schmierigen und gierigen Vizepräsidenten geraten
ist. Jetzt kommt es gerade auf die soeben verprellten Nachbarn an, damit
wieder alles ins freundschaftliche Lot kommt.
Ein Jux mit dünnem
Entertainment-Charakter und vielen Anspielungen auf Erfolgsfilme aus der Spielberg-Fabrik, das ist “The Flintstones - Die Familie Feuerstein“. Was an Komik fehlt, ersetzt der korpulente Hauptakteur John Goodman. Der ist auch hierzulande durch Filme wie “King Ralph“ und “Barton Fink“ bekannt geworden und spielt seinen Fred mit sichtlichem Vergnügen. Rick Moranis, der einst im “kleinen Horrorladen“ seine komischen Erfahrungen machte und kürzlich seine “Kinder schrumpfen ließ“, ist ein gutmütiger Barney-Kumpel. Elizabeth Perkins und Rosie O‘Donnell besitzen viel von den hellen Frauen-Figuren aus der Serie. Eine Augenweide aber “daneben“:
ELIZABETH TAYLOR als giftige Schwiegermutter. Die spuckt hier herrlich Gift und Galle, ist eine Furie von wunderbarer Zwietracht.
“The Flintstones - Die Familie Feuerstein“: Ein “moralischer“ Familienfilm schließlich, der, näher betrachtet, mehr auf gute Gefühle und Freundschaft als auf Karriere und Geld setzt. Die emotionale Rückbesinnung auf die eigentlichen Werte der “Steinzeit“-Menschen - eine enorme Überraschung. Zumindest bei einer 40 Millionen-Dollar-Produktion. Doch dahinter steckt “Methode“. Motto: Von den gierigen 80er Jahren in die familiären 90er...: Hauptsache, die Kasse stimmt...(=3 PÖNIs)
„DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME" von Zhang Yimou (B+R; Hong Kong/China 2006; 114 Minuten; Start D: 26.04.2007); einem der bekanntesten + erfolgreichsten chinesischen Filmemacher überhaupt. Yimou, Jahrgang 1950, ist "Oscar"-Preisträger (2003 für "Hero"), erhielt 1994 in Cannes den Jury-Spezialpreis für "Leben!", gewann zweimal den "Goldenen Löwen" von Venedig ("Die Geschichte der Qiuju"/1992 + für "Keiner weniger"/1999), bekam den "Silbernen Löwen" für "Rote Laterne" (1991), erhielt für seinen Debütfilm "Rotes Kornfeld" auf der Berlinale von 1988 den "Goldenen Bären", schuf weitere renommierte, weltweit beachtete und ausgezeichnete Filme wie "Judou" (1990), "Happy Times" (2001) sowie "House of Flying Daggers" (2004), ein phantastisches Abenteuer-Melodram, mit Peking-Oper-Touch und Klasse-Martial-Arts-Duellen.
Viele seiner Filme, anklagende Parabeln über Autorität + Willkür, unterlagen lange Zeit Aufführungsverboten der chinesischen Behörden; gleichzeitig aber wurden sie auf internationalen Festivals gezeigt und trugen damit stark zur Reputation des modernen chinesischen Kinos bei. Inzwischen haben sich Zensur + Künstler "arrangiert", folgerichtig wurde ZHANG YIMOU, der ehemalige Dissident, als Chefregisseur für die Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten der Olympischen Spiele von Peking 2008 bestimmt. In seinem neuen Werk bekommt DAS AUGE/bekommen DIE SINNE "Futter" ohne Ende: Denn SOOOOO VIEL KINO GAB ES WOHL NOCH NIE wie hier in diesem opulenten Schmachtfetzen. Er spielt im China des 10. Jahrhunderts, in der Zeit der Tang-Dynastie, einem Zeitalter des Prunks und der totalen Prachtentfaltung. Wo gerade die Vorbereitungen zum pompösen Blumenfest im Gange sind. Blickt dabei hinter die Kulissen des Machtzentrums/hinein in den privaten "Apparat" der Macht, erzählt von Intrigen, Korruption, Machtkämpfen, handelt von köstlich-ausschweifender Dekadenz. Sozusagen: SHAKESPEARE trifft auf das "Bastei"-("Seifenoper"-)CHINA: Liebe, Eifersucht, Machtgier, abgrundtiefer Hass inmitten wahnsinnig-betörender Dekorationen.
Der dämonische Kaiser vergiftet seit Jahren "nach und nach" seine zweite Frau mit vermeintlicher Medizin; die Gattin weiß davon, kann sich aber nicht auflehnen; pflegt dazu ein "inniges" Verhältnis mit einem ihrer Stiefsöhne; DER wiederum plant den kriegerischen Umsturz, während seine zwei Brüder eigene Komplotte aushecken. Die REBELLISCHE erste Frau des Kaisers, von allen tot gewähnt, taucht auf und vervollständigt schließlich das höfische Drama, aus dem es kein Entrinnen gibt. Denn ALLE-hier sind im Grunde Gefangene im Netz der Tradition/der Zeremonie; befinden sich wie eingesperrt in einem GOLDENEN KÄFIG. Agieren wie Marionetten/wie Rädchen-Teile in einer tödlichen Maschinerie. Der Cinemascope-Schauwert ist enorm und einmalig; die Schwertkämpfe einmal mehr exzellent choreographiert. Ninja-Kämpfer fliegen schwerelos durch malerische Gebirgsschluchten, an der Entscheidungsschlacht haben über tausend Soldaten der chinesischen Volksarmee als Statisten mitgewirkt. Im darstellerischen Mittelpunkt-dabei: Der inzwischen längst auch in Hollywood angekommene/etablierte Hongkong-Star CHOW YUN FAT ("The Replacement Killers"/1998, wo er Til Schweiger nach 45 Sekunden erschießt; "Anna und der König"/1999/mit Jodie Foster; "Tiger & Dragon") sowie der internationale China-Star GONG LI (neulich "Hannibal Rising"; "Miami Vice"; "Die Geisha", "2046").
Über allem aber thront: DER TOTALE BILDER-RAUSCH/der faszinierende Dauer-AUGEN-SCHMAUS/dieser phänomenale Aufwand = mit dieser geradezu unglaublichen Farben-Pracht-Optik, mit diesen überwältigenden, gigantischen/monumentalen Bauten, mit diesen prächtigen Kostümen ("Oscar"-Nominierung) sowie mit dieser fein-tückischen Giftpfeil-Geschichte (nach dem alten chinesischen Sprichwort "Eine Fassade aus Gold und Jade, aber darin krabbeln die Spinnen"...hintergründig illustriert).
Wirklich: Ein 1 A-Spektakel der Extra-Klasse; eine KINTOPP-Verwöhn-Show der absoluten Spitzenqualität (= 4 1/2 PÖNIs).
„FLUCH DER KARIBIK“ von Gore Verbinski (USA 2002; 143 Minuten; Start D: 02.09.2003);
der sich nach seinen Filmen "Mäusejagd" und "Ring" immer mehr in die bessere Regie-Liste in den USA schiebt. Hier darf er und darf HOLLYWOOD sich einmal wieder “richtig austoben“: Das eigentlich für “tot“ erklärte Piratenfilm-Genre wird zünftig aufgemotzt und erreicht mit ebenso trick- wie gagreichen Cinemascope-Bildern erstaunliche Spaß-Momente.
Vor allem, weil JOHNNY DEPP “die Sau“ raus lassen darf und augenzwinkernd-vergnüglich-affektiert “den Piraten vom Dienst“ vorführt. Die mit Zombie-Horror-Elementen versehene Story ist dabei natürlich weniger wichtig: Es ist eine Prima-Show mit allen modernen Disney-Themenpark-Motiven: Eine unterhaltsame Achterbahnfahrt der Kostüme/Bauten/Gags und Tricks.
Popcorn-Kintopp eben; zum schnellen, schmackhaften “Verzehr“ (= 4 PÖNIs).
„FLUCH DER KARIBIK 2 - PIRATES OF THE CARIBBEAN“ von Gore Verbinski (USA 2006; 151 Minuten; Start D: 27.07.2006); der sich zunächst mit überdurchschnittlichen Genre-Filmen wie “Mäusejagd“ (1997), “The Mexican“ (2001/mit Julia Roberts und Brad Pitt) und “The Ring“ (2002) hervortat, bevor er vor 3 Jahren mit d e m 140 Millionen Dollar-Knaller in die Filmgeschichte einging und das eigentlich bis dato “totgesagte“ Piratenfilm-Genre frank-fröhlich-frei neu aufputzte/wiederbelebte: “Pirates Of The Caribbean: The Curse Of The Black Pearl‘ (weltweite Einnahmen: mehr als 600 Millionen Dollar). Knapp 6 Millionen Zuschauer wollte alleine hierzulande “Fluch der Karibik“ sehen. Der bis dahin eher mit ‘sensiblen“ (“europäischen“) Rollen aufwartende Hollywood-Hero JOHNNY DEPP (“Edward mit den Scherenhänden“, “Donnie Brasco“, “Arizona Dream“, “Ed Wood“, “Dead Man“; “Chocolate“) tauchte plötzlich als “Spaß-Bär“-Captain Jack Sparrow auf. Als komischer Pirat, “zusammengesetzt“ aus Typen wie: überkandidelte Cartoonfigur/eitler Popstar-Pfau/bekiffter Hippie/“Charley‘s Tante auf dem Schiff“, sprich: Ulkige Piraten-Tunte.
Der lässige Gang, die hippen Bewegungen, die abgefahrenen Klamotten, die freche, coole Schnauze = Jack-Johnny als einzige Dauer-Parodie auf alles, was dem Kino-Helden heilig war/ist. “Politisch“ völlig unkorrekt/gegen jeden (“guten“) Geschmack. Wie überhaupt die gesamte Chose SO funktioniert(e): Ging man früher ins Kino, um “einzeln“ entweder einen Piratenfilm oder einen Horrorfilm oder einen Fantasyfilm oder eine Komödie oder einen Liebesfilm oder einen Action-Film zu sehen/zu erleben, gibt es hier ALLES “unter einem Dach“.
Der DISNEY-Themenpark versammelt sich hier “lebendig“ wie komplett als herrlicher Popcorn-Filmjahrmarkt/als Klasse-Rummelplatz, als hochkarätige Kasperle-Veranstaltung, als grandiose circensische Trick-/Special-Effects-Gala. Der SCHAUWERT ist enorm, und der “Zeremonienmeister“ Johnny Depp verkörpert prächtig die Gallionsfigur, die alles zusammenfügt/zusammenhält. Großes Entertainment, große “Bühne“ KINTOPP. Zwar fehlt nun im zweiten Teil der Trilogie etwas von der Leichtigkeit, von der Überraschung (natürlich) des Originals, nichtsdestotrotz: Auch hier läuft die Phantasie holterdipolter über.
Depp-Sparrow gibt erneut “seinem kindischen Affen prächtig Ironie-Futter“, tritt dennoch insgesamt-hier etwas zurück, um dem aufwendigen/trickreichen Drumherum genügend Platz und Aufmerksamkeit zu schaffen. Und so dürfen sich hier nun die herrlich-verunstalteten Zombie-Freunde kräftig vorstellen/austoben, währenddessen Gedanken/Suche nach einer halbwegs nachvollziehbaren (schon gar nicht etwa logischen) Story schnell aufgegeben wird. Aber das ist/bleibt komischerweise völlig wurscht, weil immer neue waghalsige Gefechte/Gestalten/Motive/Blödheiten köstlich “anmachen“.
“Fluch der Karibik 2“ (für nunmehr 225 Millionen Dollar hergestellt/hergezaubert und allein in den USA nach 17 Tagen bereits knapp 322 Millionen Dollar einspielend) ist ein 150 Minuten-Film für die FANMEILE: Ein tolles SPEKTAKEL für die unterhaltungssüchtige Masse: Ein globales
Volksvergnügen!!! Spielverderber…unerwünscht!!!
Nur: Dieser geradezu abrupt-freche Schluss mit dem über-deutlichen Hinweis auf die nächste Show im nächsten Jahr lässt ob der (langen) Warterei eine augenzwinkernde “Verstimmung“ aufkommen. Ansonsten aber: Die WM geht weiter/findet nun ab sofort im KINTOPP statt toll. (= 4 PÖNIs).
„FLUCH DER KARIBIK 3 - PIRATES OF THE CARIBBEAN - Am Ende der Welt " von Gore Verbinski (USA 2007; 169 Minuten; Start D: 24.05.2007); der auch bei den ersten beiden Piraten-Hits Regie geführt hat (= Film 1 von 2002, eine 140 Mio. Dollar-Produktion, hatte rd. 650 Mio. Dollar Einnahmen weltweit; Film 2 von 2005, eine 225 Mio. Dollar-Produktion, mehr als 1 Milliarde Dollar). Das Team um die Autoren Ted Elliott & Terry Rossio nahm sich der gleichnamigen Walt-Disney-Themenpark-Idee an, belebte ein fast "verbranntes" Genre neu und putzte das Piratenfilm-Genre frank-fröhlich-frei völlig neu heraus. Es funktionierte vor allem deshalb, weil die Hauptfigur geradezu SENSATIONELL gut "passte":
Der bis dahin mit eher "sensiblen" ("europäischen") Rollen populär gewordene Exil-Franzose JOHNNY DEPP ("Edward mit den Scherenhänden"; "Donnie Brasco"; "Arizona Dream"; "Ed Wood"; "Dead Man"; "Chocolate") tauchte plötzlich als exzentrischer "Spaß-Bär"-Captain JACK SPARROW auf. Als komischer Pirat, "zusammengesetzt" aus Typen wie (Vorbild) "Rolling Stone" KEITH RICHARD, überkandidelte Cartoonfigur/eitler Popstar-Pfau/bekiffter Hippie/"Charley´s Tante auf dem Schiff", sprich: Ulkige Piraten-Tunte. Der lässige Gang, die hippen Bewegungen, die abgefahrenen Klamotten, die freche, coole Gusche ergab/ergibt die ständig augenzwinkernde Parodie eines hübsch-versifften Anti-Held-Piraten. Ging man früher ins Kino, um "einzeln" entweder einen PIRATENFILM oder einen HORRORFILM oder einen ABENTEUERFILM oder einen FANTASYFILM oder eine KOMÖDIE oder einen LIEBESFILM oder einen ACTIONFILM zu sehen/erleben/zu bestaunen, gibt es hier ALLES "in einem Programm". Der DISNEY-THEMENPARK versammelt sich hier "lebendig" wie komplett als phantastischer Popcorn-Jahrmarkt/als Klasse-Rummelplatz/als hochkarätige Artistik-Show/als grandiose Special-Effects-Gala. Der SCHAUWERT ist enorm, während der "Zeremonienmeister" Depp-Sparrow prächtig die Gallionsfigur mimt, die alles zusammenfügt/zusammenhält. Wunderbar überkandideltes Entertainment als "die GROßE BÜHNE KINTOPP".
"Fluch der Karibik" ist FANMEILEN-Spaß-pur, ist ein tolles Spektakel für die unterhaltungssüchtigen Massen, ist ein globales VOLKSVERGNÜGEN. Auch beim nun sehr viel "erwachseneren", härteren 3. Teil. Wo sich die Handlungsstränge/Figuren/Mythen zusammenfügen, ohne dass man dies gänzlich-zusammenhängend verstehen mag. "Bauklötzer staunen" ist angesagt über die vielen Einfälle/Gags/Anspielungen und vor allem Zitate. Motto: Alte Piratenfilm- + Bibel-Klischees, der Romeo und Julia-Geschmack, Sergio Leone/Ennio Morricone lassen atmosphärisch ebenso grüßen wie diese fein ausstaffierten alienartigen Monster--Untoten-Charmebolzen rauf und runter oder wie diese Shakespeare-Dramaturgie um mörderische "Hof-Rituale" samt launigem Unterschichten-Personal mit ihren herrlich naseweis-"aufgeweckten" Kommentaren. Selbst FREUDianer werden in den zahlreichen Über-Neben-Hinter-Unter-Ichs von Sparrow ihre helle Interpretationsfreude haben. Und sogar die aktuelle POLITIK kriegt ihr Fett ab, wenn sich die internationale Führungsclique der Piratenwelt in einer Art UNO-Versammlung trifft und kräftig aufeinander eindrischt.
Der 3. Piratenfilm ist aber auch kriegerischer: Es geht um globales Geschäftsgebaren von mächtigen "Heuschrecken" und die Verhinderung von deren absoluter Welt-Herrschaft. Dabei geht´s dann schon ans Eingemachte, hüben wie drüben. Partnerschaften/Freundschaften wechseln laufend, aus Feinden werden Verbündete und umgekehrt. Der Opportunismus blüht, wie im "richtigen Leben"... Der 3. Piratenfilm, fast 170 Minuten "volle Pulle", ist ein Film zum Viel-Amüsieren, zum Dolle-(Kinderaugen-)Staunen über wieder unglaubliche neue Tricks und aber eben, erstaunlicherweise, auch zum spannenden Denken und Hinterfragen. Ein in der Tat in vielerlei Hin-Sicht GIGANTISCHES, SPEKTAKULÄRES FANTASY & Co.--Märchen-ERLEBNIS. Mit übrigens auch wieder gut gelaunten Promi-Ensemble-Mitstreitern wie "Oscar"-Preisträger GEOFFREY RUSH ("Shine"), "Romeo" ORLANDO BLOOM, "Julia"-Chefin KEIRA KNIGHTLEY, BILL NIGHY (als wurmgesichtiger Unhold Davy Jones), Hollywoods Asien-Star CHOW YUN-FAT ("Der Fluch der goldenen Blume"), JACK DAVENPORT als smart-widerliche Uniform-Heuschrecke und dann endlich auch mit dem kurzen, hübschen Gag-Auftritt vom Johnny-Depp-"Rolling-Stone"-Vorbild KEITH RICHARD als Sparrow-Dad.
Fazit der heißen PIRATEN-Trilogie: Beste Whoooh!-Unterhaltung (= 4 PÖNIs).
„FLUCH DER KARIBIK 4 - PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN“ von Rob Marschall (USA 2010; 141 Minuten; Start D: 19.05.20011); ist nichts anderes als die Fortsetzung jener Piraten-Trilogie, die weltweit rd. 2,7 Milliarden Dollar einspielte. Wobei Teil 3 mit rd. 300 Millionen Dollar Produktionskosten als bislang teuerster Film aller Zeiten gilt.
Die vierte Ausgabe hat rd. 100 Millionen Dollar weniger gekostet. Wobei alleine der „James Bond der Meere“, der in Frankreich lebende Kentucky-Boy JOHNNY DEPP, der demnächst, am 9. Juni 2011, 48 Jahre jung wird, ein Honorar von 50 Millionen Dollar bekommen haben soll. Deshalb mussten wohl die beliebten Mit-Stars der Trilogie, Keira Knightley und Orlando Bloom (als Elizabeth Swann + William „Will“ Turner), abdanken. Denn beide Stars hatten Verträge für „nur“ drei Piratenfilme und wären jetzt teurer gewesen. Zudem wurde ein neuer Regisseur besetzt; anstatt Erfolgskapitän Gore Verbinski nun der 50jährige Regisseur und Choreograph Rob Marshall. Der hatte seinen Durchbruch 2002 mit seinem ersten Kinofilm, der Musical-Verfilmung „Chicago“, die mit 6 „Oscars“ ausgezeichnet wurde.
Danach schuf er den wenig beachteten Film „Die Geisha“ (2005) und setzte zuletzt die prominent besetzte Fellini-Musical-Kopie „Nine“ völlig in den (Unterhaltungs-)Sand. Für den 4. Piraten-Auflauf konnte er auf das bewährte Piraten-erprobte Drehbuch-Paar Ted Elliott & Terry Rossio setzen, die auch schon für die ersten drei Szenarien den Text lieferten. Diesmal allerdings lieferten sie kein originales Manuskript ab, sondern benutzten Motive aus dem im November 1988 veröffentlichten historischen Fantasy-Roman „IN FREMDEN GEZEITEN“ von Tim Powers. Einem 58jährigen amerikanischen Science-Fiction-Autor, der 1983 für seinen Zeitreise-Roman „Die Tore zu Anubis Reich“ mit dem „Philip K. Dick Award“ bedacht wurde. Apropos: Mit seinem Nachbar Philip K. Dick („Blade Runner“) verband ihn bis zu dessen Tod (am 2.3.1982) eine langjährige Freundschaft.
Nun also die „gebremste“ Fortsetzung dieses Jahrmarkt-Spektakels. In dem die faszinierenden, skurrilen Phantasie-Figuren der ersten drei Teile (wie der krakige Captain Davy Jones/Bill Nighy) weitgehend verschwunden sind. Stattdessen dürfen jetzt markige Kerle mit vielen lauten Worten herumgrummeln und die überschaubare Story mehr oder weniger erklärend vorantreiben. Will sagen, Eindruck 1, die Außen-Ansichten – gedreht wurde auf Hawaii - sind zwar weiterhin landschaftlich nett, aber auch nicht mehr allzu besonders „doll“. Schöner-Zeigen, etwa in dieser Art. Dazu, als mondänes weibliches Vorzeigeschild, die attraktive 36jährige spanische Piraten-Braut PENÉLOPE CRUZ, die als Angelica zwar schön anzusehen ist, wie sie da gut geschminkt durch den Urwald robbt, aber wenig „inspiriert“ (mit-)wirkt. Eine hübsche, aber spannungslose Begleitung,. Für, natürlich, für den ständig torkelnden, nuschelnden, versoffenen Captain Johnny-Jack Sparrow, der natürlich wieder den tuntigen Kostüm-Narren gibt.
Ein charmanter großer Bubi, der wie ein bunter, sich ständig aufplusternder Papagei lässig herumstolziert, und dessen „Rolling Stone“-Papa Keith Richard diesmal für drei Minuten auftaucht. Ach so ja, dieser lustige tierische Papagei von einst ist diesmal auch nicht mit von der unlustigen Seemanns-Party. In der manchmal geschmunzelt, aber kaum einmal herzhaft gelacht werden kann. Und in der es um die „Quelle des ewigen Lebens“ geht. Den „ewigen Jungbrunnen“ sozusagen. DER ist irgendwo versteckt, und DEN wollen nun Spanier, Briten, der arrogante Oberschurke Captain Hector „Freibeuter“ Barbossa (wieder: GEOFFREY RUSH) plus wenig wirklich furchterregende Standard-Fieslinge wie Captain Blackbeard (routiniert: IAN McSHANE) aufspüren. In Besitz nehmen. Forever Young. Natürlich werden dafür diverse Fechtszenen (wie gehabt) und Schlachtmotive (wie gehabt) reaktiviert. Mit gigantischen Schiffen (wie gehabt). Und diesmal wird auch SEHR viel mehr geplappert. Hörspiel-Kino in 3 D. Wobei dieses „3 D“ einmal mehr für nur wenige Momente ganz urig ausschaut (wenn sich ein Schwert zu uns hin bewegt, wie gehabt), aber letztlich für keinerlei optischen Mehrwert sorgt. Nebenbei wurde noch ein naiver britischer Philip-Missionar „eingebaut“ (wer ist Sam Claflin?), der sich in eine niedliche vampirische Meerjungfrau verguckt (Modell Astrid Bergés-Frisbey/mit diesem Namen und dieser Schnute ist die Karriere fortan gesichert). Sozusagen der Casting-Sieger-Ersatz für Keira Knightley + Orlando Bloom. Und nun holen sie tief Luft und machen und tun und behaupten, bzw. umgekehrt, doch mehr als viele heiße Luft will nicht herauskommen.
Der funkelnde, spannende, atmosphärische Show-Atem von neulich ist hier zur Fortsetzungs-Routine, sprich –Ruine, erstarrt. Ordentliche Spezialeffekte und ein bekannter Johnny Depp-Kakadu, der hier seinem Nachnamen alle Ehre macht, sorgen für einen marktschreierischen sowie äußerlich pompösen Piraten-Streich 4. Der aber weitgehend abgenutzt erscheint und für nur Langeweile-Laune sorgt. Man sammelt jetzt halt das viele Themen-Geld ein. Für das die exzellenten ersten drei Disney-Zirkusteile hinlänglich gesorgt haben.
„Fluch der Karibik 4“ ist halt ein Fortsetzungsfilm. Dünn. Und laut. Wie gehabt (= 2 PÖNIs).
„DIE FLÜCHTIGEN“ von Francis Veber (B+R; Fr 1986; 89 Minuten; Kino-Start BRD: 25.6.1987; DDR: 01.04.1988 / TV-Titel: "Zwei irre Typen auf der Flucht")
Lucas, ein Berufsknacki, hat gerade fünf Jahre hinter Gittern verbracht und, die Schnauze gründlich vom Räuberleben voll. Pignon ist im dritten Jahr arbeitslos und wechselt die Seiten. Beide begegnen sich in einer Bank. Lucas (GERARD DEPARDIEU) will ein Konto einrichten, Pignon (PIERRE RICHARD) auf die Schnelle an die Franc-Scheine ran. Zum ersten Mal in seinem Leben befindet sich Lucas auf der “richtigen“ Seite des Revolvers und befindet sich trotzdem in der Klemme, Denn kein Bulle wir ihm abnehmen, dass er die Geisel und nicht der Mitwirkende bei diesem Banküberfall ist. Also macht er zwangsläufig mit und bringt seinem Amateurnachbarn die einfachsten Handgriffe bei, um wenigstens einigermaßen heil aus dieser Sache rauszukommen. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach, denn da geht es mittlerweile nicht nur um die lukrative Beute, sondern auch um bedrohliche Verfolger aus Ganovenkreisen und um eine junge Lady von ganzen sechs Jahren. Sie heißt Jeanne (Anais Bret), ist die Tochter von Pignon und hat seit dem Tod der Mutter kein einziges Wort mehr gesprochen. Doch kaum ist Lucas, der Grobian, aufgetaucht, wird die Kleine zugänglicher. Eine “Familie“ scheint sich da gebildet zu haben, die aber immer noch von der Polizei verfolgt wird und gegen die im Übrigen immer noch Lucas Einwände hat. Die allerdings werden eigontlich immer schwächer...
Ein Tölpel zweiter Garde und ein Mime erster Güte finden unter der Leitung von Autor und Regisseur Francis Veber (nach “Der Hornochse und sein Zugpferd“ und “Zwei irre Spaßvögel“) zum dritten Mal zusammen. Und endlich wird aus klamottigen Albereien perlige, komödiantische Feinheiten. Pierre Richard, der Dauer-Kasperle, wechselt die Maskerade, verzichtet auf die Grimassen und zeigt sich als ein Charakterakteur von Format. Gerard Depardieu, der Draufgänger mit den Idealmaßen, wird dank einer zauberhaften Sechsjährigen zu einem liebenswerten großen Jungen mit ebensolchem Herzen. Was für eine Komödie! Nie kommt es so, wie man vermutet. Nie passieren vorhersehbare Dinge, ein Film mit lauter schönen Überraschungen. Und rauhen Tönen. Die Zeiten sind gemeiner und gewalttätiger geworden, signalisiert sie ständig. Nirgendwo mehr Kumpel, sondern nur noch Gegner weit und breit. Und wenn man nicht aufpasst, setzt es Prügel. Ganovenehre? Ein Witz. Alles ist, alle sind schlecht. Die kleine Gruppe ist schließlich nur auf sich angewiesen, muss die anderen austricksen, um einigermaßen heil zu überleben. Hartherzigkeit und Lieblosigkeit sorgen für eine realistische Sprache, für eine pessimistische Stimmung, gegen die nur ein kleines Kind rebelliert. Während die Erwachsenen längst schon den faulen Alltagskompromissen erlegen sind und diese akzeptiert haben, beugt sich die Kleine diesen Spielregeln der Älteren nicht und begehrt auf ihre Weise dagegen auf.
"Les fugitifs", so der Titel im Original, ist auch ein Film über die Unschuld der Kinder und die Grobheit ihrer Erzeuger. Francis Veber balanciert mit seinen Bildern auf dem schmalen Grad von Klamotte und Spaß mit Sinn und bringt es sogar dann fertig, im Schlussbild Chaplin versteckt von der Leinwand herunter winken zu lassen. Eine schöne Frühjahrsbescherung, dieser Film aus Frankreich (= 4 PÖNIs).
Power, Spaß, Spannung und gute Musik vereint der erste abendfüllende Film über die DDR-Rockmusik und die nachbarliche ‘Szene‘. In „FLÜSTERN UND SCHREIEN“ von Dieter Schumann (B+R; D 1989; 100 Minuten; Start D: 20.07.1989); geht es um Gruppen und Interpreten wie Chicoree, Silly, Sandow, Popgeneration, André und die Firma und vor allem um Feeling B vom Prenzlauer Berg. Deren ironischer Titel “Wir woll‘n artig sein, denn nur so hat man uns gern“ liefert das Leitmotiv für den Streifen.
Denn artig sind weder Musiker noch Zuhörer, die im Film zu Wort kommen. Wobei das Spektrum von den Punks vorm nächtlichen Bahnhof Lichtenberg bis zum netten 17jährigen Groupie aus kleinbürgerlichem Provinzhaus reicht. Überall dasselbe Thema, derselbe Tenor: Rockmusik als Artikulation von Alltagserfahrungen, als Tretmine für Phantasie und Hoffnung und als Plädoyer für Toleranz. Das Filmteam kommentiert dies nicht und überlässt richtigerweise dem Zuschauer die Wertung.
“Flüstern und Schreien“ ist ein DDR-Rockreport, der schon auf der diesjährigen Berlinale angenehm überraschte (= 3 PÖNIs).