Ein neuer Spitzenfilm kommt aus der Sowjetunion und heißt „DIE FONTÄNE“ von Yuri Mamin (Sowjetunion 1989; B: Vladimir Vardunas; 100 Minuten; Start D: 11.01.1990).
Der Film ist im winterlichen, kalten Leningrad angesiedelt und spielt dort in einem Haus. In einem schrottreifen Haus, das, mmer wieder mühselig zusammengeflickt, kurz vor dem totalen Zusammenbruch steht. Die Menschen, die Mieter, die hier wohnen, finden sich mit den schlimmen Gegebenheiten ab und arrangieren sich immer wieder aufs Neue mit der zunehmend schlechter werdenden Lebens- und Überlebensqualität. Jeder versucht einfach noch das Beste daraus zu machen, ob Musiker, Veteran, Gärtner oder Arbeiter. Dabei könnte so manches Übel abgestellt und verändert werden, doch da sei der habgierige Verwalter vor, der seine eigenen Geschäfte tätigt und das neue Material vereinnahmt. So wird der Wahnsinn schließlich auf die Spitze getrieben und die Menschen aus dem Haus. Doch auch jetzt finden einige immer noch wohlklingende Ausflüchte und Floskeln. “
Die Fontäne“, das ist das Haus ‘Sowjetunion‘. Es ist abbruchreif, doch niemand scheint sich wirklich dafür zu interessieren, solange es ihm keinen Vorteil bringt. Jeder weiß um die Dinge, doch niemand ist ehrlich bereit, sich zu engagieren, uneigennützig anzupacken. Der Schlimmste ist der Partei-Bonze, der in die eigene Tasche wirtschaftet und die Menschen ständig betrügt. Ein spöttischer, ein bitterer, ein ganz schwarzer, böser Film. Trotz “Glasnost“ und “Perestroika“ hat sich herzlich wenig verändert sagt er. Und er sagt auch warum: Weil Egoismus und Opportunismus an der Tagesordnung sind. Weil die Bürokratie verfilzt und verfault ist, die Partei des Proletariats eine Partei der Dickköpfe und Diktatoren ist. “Die Fontäne“, als feine Komödie getarnt, wirkt wie bestes, abendfüllendes Kabarett. Nur bleibt einem bei so viel Realismus oftmals das Lachen im Halse stecken. Ein intelligenter, ein unterhaltsamer, ein wichtiger Film: “Die Fontäne“ von Yuri Mamin, ein Beitrag aus der Sowjetunion.
(= 4 PÖNIs).
„FOOTLOOSE“ von Craig Brewer (Co-B+R; USA 2010; 113 Minuten; Start D: 20.10.2011); der Achtziger-US-Kintopp-Wirbel in verpfuschter Kopie - erst „Fame“ (1980 / 2009), jetzt dies hier. Und demnächst wollen sie sogar ´ran an „Dirty Dancing“. Wie zu hören war. Wie war das noch gleich damals, anno 1984? Als der junge Kevin Bacon als Außenseiter-Proll Ren McCormack von Chicago nach Bomont mit seiner Mutter zog, in diese spießige Kleinstadt? Wo der Rock ‚n’ Roll und überhaupt Alkohol und Tanzen auf der Verbotsliste standen? Weil Reverend Shaw Moore hier das Sagen hatte (John Lithgow)? Doch gemeinsam mit dessen tanz- und liebeswütiger Tochter Ariel (Lori Singer) bringt er „Little Town“ letztlich doch zum rhythmischen Kochen. Die alten Rezensenten fanden's damals vorwiegend lähmend-doof, während der Film bei den Kids gut ankam. Vor allem auch wegen seinem fetzigen Soundtrack: Der von Kenny Loggin gesungene Titelsong hielt sich drei Wochen auf Platz 1 der „Billboard-Charts“. Während das Lied sogar für den „Oscar“ nominiert wurde. Und heute als Popsong-Klassiker gilt.
Apropos, heute: Der neue Film törnt nur ab. Als weich- und klischeegespülte Soft-„Rebellion“. Mit denselben Namen und neuen Mitmachern. Wie Kenny Wormald (mit James Dean-Tolle) und Julianne Hough (mit sexueller Clip-Energie). Dieselbe Story. In der I-Pod-Ära. Mit viel vorhersehbarem Moral-Muff. Dabei ganz schön „reißerisch“ nackig. Promi-Pfaffe DENNIS QUAID („The Day After Tomorrow“) greift als Dorf-Diktator schnell mal ein bisschen Gage ab. Und als seine Ehefrau lächelt ANDIE MacDOWELL („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) völlig unterfordert treu-nett.
„Footloose“ verkommt 2011 zu läppischem Trockenficken mit Musik (= 1 PÖNI).
Was eigentlich hatten wir noch nie im Kino? Ach ja, einen "Rock ‘n‘ Roll-Detective". Also...: So oder so ähnlich müssen die Produzenten des Films FORD FAIRLANE" von Renny Harlin (USA 1990; 104 Minuten; Start D: 15.01.1990); gedacht haben, als sie ihr neues Werk vorbereiteten.
Der Titeldarsteller war dann auch schnell gefunden: Andrew Dice Clay. Der ist zwar hierzulande unbekannt, aber das kann man ja ändern. Und so prasselt schon seit Wochen das Material auf uns nieder. Motto: Was ist das nur für ein Prima-Miststück, dieser Bursche. Er ist ordinär, obszön, frauenfeindlich und rassistisch. Damit hat er in den Staaten in seinen Shows viel Erfolg. Heißt es. Andrew Dice Clay spielt diesen “Ford Fairlane - Rock ‘n‘ Roll—Detective“ genauso. Ein dämlicher Spruch nach dem anderen, während er von sich voller Stolz überzeugt ist. Warum nicht. “Ford Fairlane“, auch noch mit der deutschen "Alf"-Stimme Thomas Piper ausgestattet, ist nur ein primitiver Angeber. Eine Handlung wird bei seiner begrenzten Aufnahmefähigkeit erst gar nicht bemüht, stattdessen gibt‘s kübelweise Aggressionen, Rassismus, Vorurteile und gute Rock ‘n‘ Roll-Musik. Die vermeintliche Parodie auf das verkommene Musik-Business und die schnoddrigen, klassischen Detektivfilme ist nur glatte Behauptung, denn Stoff, Typ und Film besitzen keinerlei Charme, Humor oder Substanz.
“Ford Fairlane“ ist nur lackierter, reaktionärer Zelluloid-Müll (= 1 PÖNI).
England ist immer noch eins der stärksten europäischen Filmländer. Anders als beispielsweise bei uns werden dort immer wieder brisante, aktuelle Alltagsthemen knallhart angepackt. Neuestes Beispiel dafür ist „FOR QUEEN AND COUNTRY“ von Martin Stellman (B+R; GB/USA 1988; 105 Minuten; Start D: 03.05.1989).
Darin geht es um einen jungen Schwarzen, der nach langem Soldatendasein in Nordirland und auf den Falklands nach Hause, nach London zurückkehrt. Wo er nicht sehr freundlich begrüßt wird. Ruben muss ernüchtert und entsetzt feststellen, wie sich die Verhältnisse verschlechtert haben. Die Kluft zwischen arm und reich ist noch größer geworden, überall Arbeitslosigkeit, Bitternis und viel Misstrauen und Wut. Gangs formieren sich genauso wie die Polizei. Aufruhr und Aggressionen sind an der Tagesordnung. Ruben, der seine Ruhe haben und ein normales Leben führen möchte, sieht sich bald von allen Seiten attackiert. Und als die Gewalt endgültig eskaliert, gerät er vollends zwischen alle Fronten.
“For Queen and Country“ ist ein hochinteressanter, packender Polit-Thriller, bei dem der Titel schon die zynische Botschaft ist. Dabei schlägt de Co-Autor und Regisseur Martin Steliman nicht blindwütig um sich, sondern beschreibt mit den Mitteln des Genre-, des Spannungskinos das trübe Alltagsgeschehen im heutigen Thatcher-England. “For Queen and Country“ ist eine exzellente cineastische Frechheit von Krimi und Tatsachen. Mit DENZEL WASHINGTON in der Hauptrolle (= 4 PÖNIs).
Zum Film der Woche, des Monats, dieses Herbstes, und wahrscheinlich zum lange Zeit besten Kinofilm überhaupt: Zu „FORREST GUMP" von Robert Zemeckis (USA 1993; B: Eric Roth, K: Don Burgess; M: Alan Silvestri; 142 Minuten; Start D: 13.10.1994).
Der Titel ist ein Name, es ist der Name des Helden bzw. Anti-Helden-hier. Doch dazu gleich, zuvor noch der Hinweis auf den Regisseur. Der heißt Robert Zemeckis.
Der 45jährige Zemeckis, der im Süden von Chicago aufwuchs, zählt heute zu den “Paradepferden“ der Film-Metropole Hollywood. Er stammt aus dem Umfeld von Steven Spielberg, war Drehbuch-Autor und hatte mit dem hierzulande nur auf Video herausgekommenen Debütfilm “I Wanna Hold Your Hand“ eine glückliche erste Regie-Hand. Das war 1978. Inzwischen hat er sich mit der “Zurück in die Zukunft“-Trilogie und der hinreißenden Real-Trick-Krimi Komödie‘ “Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ zum Spaß- und Hit-Macher katapultiert. Weitere Zemeckis-Filme sind: “Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ und “Der Tod steht ihr gut". Nun also “Forrest Gump“, der in den Staaten vorab nicht als Sommerkino-Favorit gehandelt wurde und dann innerhalb weniger Wochen in den USA und Kanada rund 250 Millionen Dollar einspielte. Mit den Kids, die zu Scharren kamen, hatte die Produktion eigentlich nicht gerechnet. Denn: “Forrest Gump“ erzählt 40 Jahre der gerade vergangenen amerikanischen Geschichte. Eingebunden in die private Lebensgeschichte, in das persönliche Schicksal eines Kindes, Jugendlichen und Mannes mit Namen Forrest Gump.
Der erblickte als Titelfigur von Winston Grooms gleichnamigen Roman das Licht der Welt: Einer überdrehten Satire, die diese Welt in Gumps eigener, mit hausbackenen Weisheiten gespickter ‘Idiomatik‘ schildert. Der Film bedient sich entsprechend. Sein Motto: Diese verrückte Welt ist nur noch zu ertragen und zu überstehen, wenn man ein Idiot ist. Dem uneigennützigen Einsatz der Mutter (SALLY FIELD) verdankt Forrest (TOM HANKS), dass er doch auf eine “normale“ Schule gehen darf. Weil sein Rückgrat stark verkrümmt ist, werden seine Beine in ein Schienenkorsett gezwungen. Das und sein Verhalten überhaupt lässt ihn zum Außenseiter werden, den seine Mitschüler gerne hänseln. Einzig Jenny, eine Klassenkameradin, hält zu ihm. Sie ist es auch, die ihm den guten Rat gibt, schnell wegzurennen, wenn es brenzlig wird. Die Folge: Forrest wird zum schnellsten Läufer der Region. Was ihn wiederum auf das College und in das dortige Football-Team bringt. Vorher jedoch, kurz bevor er sich seines Bein-Korsetts entledigt, lernt er einen unbekannten Sänger kennen und bringt ihm das Hüftwackeln bei. Später wird der damit ein Weltstar, und alle nennen ihn nur “The King“.
Aber Forrest macht auf seine Weise eine ähnliche Karriere: Das
Laufwunder wird Mitglied im "All American_Team". Und im Weißen Haus empfängt ihn sogar Präsident Kennedy. Danach trennen sich die College-Wege von Forrest und Jenny (ROBIN WRIGHT-PENN). Sie hofft auf eine Karriere als Folk-Sängerin, Er verpflichtet sich zum Militärdienst und kommt nach Vietnam Dort “gefällt“ es ihm ganz gut. Auch hier kann er seine Schnelligkeit einsetzen und damit überleben. Zurück, im Lazarett, beweist er große Geschicklichkeit beim Ping-Pong-Spiel. Prompt darf er als erster Amerikaner nach Rot-China reisen, um dort seine Künste vorzuführen. Er hat natürlich Erfolg und muss wieder in Weißen Haus antreten. Diesmal begrüßt ihn Präsident Johnson. Dann ist es natürlich auch Forrest Gump, der den Watergate-Skandal aufdeckt; außerdem trifft er in einer Dick-Cavett-Talkshow John Lennon. Forrest Gump wird zu einem Nationalhelden. Sein ehemaliger Militär-Vorgesetzter, Lieutenant Dan Taylor (GARY SINISE), dem Forrest das Leben rettete und der jetzt, ohne Beine, an den Rollstuhl gefesselt ist, mag es nicht fassen. Beide steigen ins Krabbengeschäft ein und werden, natürlich, Millionäre. Aber: Forrest kann und will Jenny nicht vergessen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege und immer trennen sie sich auch. Wieder allein, beginnt Forrest zu laufen. Erst ein paar Meilen, dann mehr und schließlich noch immer mehr 2 ½ Jahre läuft er durch das Land, und die Medien sind begeistert. Viele folgen ihm. Doch dann hat er genug und kehrt nach Hause zurück.
Natürlich: Ein amerikanisches Märchen. Aber: Was für eines! Für jedes Gefühl ist viel dabei: “Forrest Gump“ - der Film ist zum Lachen, zum Weinen, zum Denken und Schmunzeln, zum Staunen und Freuen. Ein unglaublich schöner, trickreicher, tiefsinniger Film. Thema: Ein Narr und diese Welt. “Diese Welt“, sie heißt Amerika und verliert zunehmend ihre Unschuld. Warum und wieso, das sagt und zeigt der Film der mit einigen verblüffenden Tricks hantiert. Ähnlich wie einst schon Woody Allen in und als “Zelig“ wird Haupt- und Titeldarsteller Tom Hanks in die historischen Bilder der Kennedyn, Johnson- und Nixon-Ära hinein montiert. Das Ergebnis: Ein Effekt, der verblüfft. Aber “Forrest Gump“ ist beileibe nicht auf ständige Tricks aus, sie bilden hier nur unglaubliche Fußnoten. Für einen Film, der zwischen Romanze und Geschichte weise und komisch hin- und herpendelt. Der mit unzähligen Gags ebenso aufwartet wie mit der stillen Erkenntnis, dass erst ein solch wunderbarer “Idiot“ kommen muss, um uns auf die Beklopptheit dieser Welt aufmerksam zu machen.
Tom Hanks, der neulich für seine Leistung in “Philadelphia“ mit dem “Oscar“ ausgezeichnet wurde, spielt diesen dünnen Jüngling mit sympathischer Naivität. Er trifft genau den Ton “dazwischen“; ist herrlich trottelig, ohne dumm zu wirken; vermag jede Albernheit überzeugend auszudrücken, ohne plump zu sein. Eine erneut feine Leistung dieses aus seinen früheren Kasperle-Rollen längst entwichenen hervorragenden Schauspielers, der seinen “Durchbruch“ im Vorjahr mit der neuzeitlichen “Casablanca“-Romanze “Schlaflos in Seattle“ hatte. Tom Hanks ist Forrest Gump. Und Forrest Gump ist der mit den ausgesprochen klugen Sprüchen.von seiner Mutter. Zum Beispiel: “Das Leben ist wie eine Schachtel Konfekt. Man weiß nie, was drin steckt“. Und so ist auch der Film: Man weiß nie, was im nächsten Moment alles passiert: "Forrest Gump" sorgt für allerbeste Stimmung. Im Parkett und auch hinterher: Es ist ein Film, an den man sich immer gerne erinnern wird (= 5 PÖNIs)!
„FOUR LIONS“ von Christopher Morris (Co-B+R; GB 2009; 97 Minuten; Start D: 21.04.2011); ist einer jener “Darf man das überhaupt”-Filme, wie sie nur die “Monty Python”-Briten so wunderbar frech und durchtrieben-„gläubig“ einst hinbekommen haben („Das Leben des Brian“). Und so ausgesprochen böse lustig. Christopher Morris, geboren am 15. Juni 1962 in Bristol, „ist seit mehr als 20 Jahren eine der treibenden kreativen Kräfte im britischen Fernsehen und Radio. Als Rundfunksprecher, Autor, Satiriker, Produzent und Darsteller hat er sein Publikum mit einer ganz eigenen Form von tabuloser und unverfrorener Comedy geschockt und unterhalten“ (Presseheft). Gemeinsam mit den Drehbuch-Autoren JESSE ARMSTRONG und SAM BAIN schuf Christopher Morris eine wunderbar ungeheure wie herrlich respektlose Satire auf den islamischen „terrorismus way of life“. Marke: „Ein Dschihad der Dilettanten“ (so Kritik-Titel im „Spiegel“ 52/2010). Dabei wird nicht der einzelne Glauben denunziert, sondern werden sämtliche Klischees an Vorurteilen auf den komischen Prüfstand gehoben: In Sachen religiösem Fundamentalismus, sprich: Beton-Gewalt, Beton-Sexualität, Beton-Rassismus.
Wir befinden uns im heutigen England. Fünf Jahre nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn mit 52 Toten. Inmitten eines „Quasi“-Dokumentarfilms. Mit Handkamera-Wackel-Charme. Der gerade in Sheffield, South Yorkshire, entsteht. Wo fünf verblendete islamische Freunde „den einheimischen Ungläubigen“ gerade den Krieg zu erklären beabsichtigen. Angeheizt durch die radikalen al-Qaida-Botschaften. Dabei stellen sie sich, sagen wir mal nett, VOLL DUSSLIG an. Nicht eben mal so, sondern ständig. Absolut „auffällig“. Sowohl im inneren, privaten Zirkel wie vor allem „draußen“. „Öffentlich“. Geradezu aberwitzig. Bei, mit der Selbst-Darstellung. Zum Beispiel übers geplante Video. Beim ewigen Disput über die „angemessene“ Vorgehensweise. Wobei es im Grunde um die formelle „Chefposition“ hier geht, wer hat das Nr.1-Sagen, wer ist „Nur-Mitmacher“. Oder bei der „kuriosen“ Beschaffung des Materials sowie dann beim „etwas unvorsichtigen“ Hantieren mit dem Sprengstoff. Ständig Chaos-pur. Als zwei von ihnen „kurz mal“ „zum Training“ gen Pakistan in ein Übungslager reisen, gibt es ständig Streit mit ihnen. Seitens des „Übungsleiters“. In welcher Himmelsrichtung sich nun Mekka befindet. Zum Beispiel. Während eine Panzerfaust völlig „verkehrt“ zum Einsatz kommt. Natürlich ist man sich keiner Schuld bewusst. Und stürzt sich zuhause nun in die (buchstäblich) letzten Vorbereitungsaktivitäten. Die aber natürlich alles andere als „reibungslos“ verlaufen, ganz im Gegenteil.
Politisch völlig unkorrekte Schmerzgrenzen. Zum An- wie Austesten. Zum Ausloten. Mit einer eher „nach oben“ austreibenden grotesken Frechheitsskala. Ohne blöd, albern, platt dumm und dämlich zu sein. Mit Ehefrau-Sätzen wie „Als du dich noch in die Luft jagen wolltest, warst du viel besser drauf“. Pechschwarz. Deftig. Absurd. Ohne simplen Klamauk. Lautes Lachen? Unmöglich. Denn das Lachen bleibt hier definitiv im Halse stecken. Dabei amüsiert sich fies schmunzelnd der Kopf. Was darf Satire? Was nicht? Wie lauten die Spielregeln? Vor allem wenn es um den islamischen Terror geht, der schon so vielen Menschen das Leben kostete? „Bei allem, was man tut, bei allen Komödien über alle möglichen Themen, muss man abwägen - das gilt für Komödien über die Polizei oder Soldaten ebenso“ (Regisseur Christopher Morris, der drei Jahre „im Milieu“ recherchiert hat, im Presseheft).
„Four Lions“ ist ein starkes Stück von bestem Streit-Movie. Ist eine exzellent-provozierende Shocking-Komödie. Hantiert mit „DEM Thema“ unserer globalen Tage Monty Python-haft flexibel. 2009 modern. Immer noch ein Stück makaber pointierter als gedacht. Mit total „menschlichen Typen“. Als „ultimative Krieger“. Mit SEHR unterschiedlicher Intelligenz- bzw. Treffer-Quote. Wie übrigens auch bei den überforderten Polizei-Verfolgern („We shot the right man, but the wrong man exploded“). Und auch bei den ständig präsenten gierigen Medien. Und ihrem sensationsheischenden, rücksichtslos hechelnden Blödheits-„Brisant“-Journalismus a la „wer hat, wer bekommt, wer zeigt die schnellsten Bilder“. Egal wie. Hauptsache „druff“. Volle Pulle.
Löwen-Slapstick über „heilige Krieger“ oder - das Spaß-Entsetzen ist enorm. Vor allem, weil das unbekannte britische Darsteller-Team mit faszinierend-lächerlicher Perfektion agiert. Man ist jederzeit überzeugt, DIE sind´s, die gibt´s wirklich… Puh. Grandios.
„Four Lions“ ist ein unbelievable guter Briten-Film-Wahnsinn (= 4 ½ PÖNIs).