Eine zauberhafte Liebesgeschichte ist „FRANKIE UND JOHNNY“ von Garry Marshall (USA 1991; 118 Minuten; Start D: 19.12.1991). Der hat schon Komödien-Hits wie “Freundinnen" und “Pretty Woman“ inszeniert.
Zwei lernen sich kennen, sträuben sich erst, und dann...
SIE ist MICHELLE PFEIFFER, die schon den “fabelhaften Baker Boys“ so hinreißend den Kopf verdrehte. .ER ist AL PACINO, der nach dem Paten nun einen smarten Küchenbullen spielt. ER glaubt noch an die große Liebe, SIE dagegen hat längst “abgeschaltet“, hat eine dicke Mauer um ihr Gefühlsleben gezogen.
Da muss ER ganz schön baggern...
So beginnt ein tragikomisches Schattenboxen zwischen Zwei, die eigentlich ganz gut zusammenpassen. "Frankie und Johnny“ ist ein zauberhafter, humorvoller und realitätsnaher Liebesfilm. Motto: Liebe allein ist längst noch kein Garantieschein für das große Glück. “Frankie und Johnny“, das ist das erste große Kino-Liebespaar der 90er Jahre. Lassen Sie ihre Seele mit baumeln und geben Sie Ihren Gefühlen freien Lauf, es lohnt sich. Auch für “danach“…(= 4 PÖNIs).
Roman Polanski hat einen neuen Film gedreht. Und immer wenn der Regisseur von Welterfolgen wie "Ekel" “Tanz der Vampire“, “Rosemaries Baby“ oder “Chinatown“ eine neue Arbeit abliefert, ist große Neugier vorhanden. „FRANTIC" von Roman Polanski (USA/Fr 1988; 120 Minuten; Start D: 25.08.1988), zu Deutsch “Wütend/Verzweifelt“, heißt der Streifen, der bei uns in dieser Woche anläuft.
“Frantic“ ist ein Krimi, der zunächst wie ein freundlicher Familienfilm daherkommt. Mit romantischen Erinnerungen an die Flitterwochen vor 20 Jahren kommen Dr. Richard Walker und seine Frau Sondra nach Paris. Aber schon die Fahrt vom Flughafen ins Hotel ist von zahlreichen Nicklichkeiten und Unbequemlichkeiten begleitet. Das Wetter ist schrecklich, die Straßen überfüllt und zu allem Überfluss platzt auch noch ein Reifen des Taxis. Missstimmung liegt in der Luft, obwohl sich das Ehepaar alle Mühe gibt, diese zu ignorieren. Man begibt sich aufs Zimmer. Er geht unter die warme Dusche, sie will mit dem Auspacken beginnen. Als er ins Zimmer zurückkommt, ist sie verschwunden. Nachdem Richard Walker alle Eventualitäten und Möglichkeiten überprüft hat, schaltet er besorgt den Hotel-Direktor ein.
Sondra Walker bleibt verschwunden. Richard ist nun allein in der fremden Stadt. Ohne Partner, ohne Sprachkenntnisse und mit der zunehmenden ohnmächtigen Erkenntnis und Wut, nicht für voll genommen zu werden. Denn auch die amerikanischen Amtsstellen in der Stadt können und wollen nicht glauben, dass seine Frau tatsächlich entführt wurde.
Also macht sich Richard alleine auf die Suche nach seiner verschwundenen Frau. Klappert die Bistros in Hotelnähe ab, löchert die Leute in diversen
Kneipen, bemüht sich verzweifelt nach einem Anhaltspunkt, nach einer Spur.
Der Amerikaner in Paris muss dabei über seinen Schatten springen und sich sogar in Gefahr begeben. Dabei will Richard überhaupt kein Held sein, ganz im Gegenteil. Ihn nervt nur mehr und mehr diese Ungewissheit und die Erkenntnis der eigenen Hilflosigkeit. Seine Suche führt ihn in die Neon- Niederungen der Großstadt. Wo ihm schließlich Michele begegnet, eines dieser zahlreichen Nachtschattengewächse. Die hat sich in dunkle Geschäfte eingelassen und dabei offensichtlich einen fürchterlichen Fehler begangen:
Gemeinsam machen sie sich nun auf die Suche. Verfolgen Spuren, überlisten argwöhnische und gemeine Beobachter und Verfolger, demonstrieren einige Cleverness und sehen sich schließlich einem außerordentlich gefährlichen Gegner gegenüber.
"Frantic" ist ein wunderbar altmodischer, faszinierender Thriller. Hitchcock wäre stolz auf Polanski, denn “Frantic“ ist ganz in seinem Sinne konzipiert. Eine unschuldige Person, ein ganz normaler Durchschnittsbürger, muss sich plötzlich in einer außerordentlichen, unbequemen Situation zurechtfinden und bewähren. Dabei imponieren keine spektakulären Heldentaten und Aktionen, sondern seine Hartnäckigkeit in selbst aussichtslos scheinenden Momenten. Der eigentliche Reiz von “Frantic“ liegt also nicht so sehr in der Geschichte, sondern in den verschiedenen Einzelheiten. In den Reaktionen der Personen, im sich ständig steigenden Schrecken und Erschrecken unter der pulsierenden Oberfläche, in den mit auch viel Witz und Ironie ausgestatteten Szenen. Wie Harrison Ford in Paris ahnungslos herumtapert, das erinnert in den besten Momenten an Cary Grant in Hitchcock‘s “Der unsichtbare Dritte“, der ja auch nicht wusste, wie und warum ihm was geschah.
“Frantic“ ist ein sorgfältig und behutsam komponierter Spannungsfilm, der eigentlich nur bei seiner Auflösung richtig “kracht“ Harrison Ford überzeugt, in dem er seinen “Indianer Jones“ vergessen lässt. Seine Partnerin Emmanuelle Seigner allerdings ist die Schwachstelle des Films. Zu ordinär aufgemotzt, darstellerisch blass. Roman Polanski ist leider auch einer derjenigen Regisseure, die in neuen Produktionen ihre jeweilige Freundin mitspielen lassen. Das mindert die Qualität des Films, ohne ihm aber sehr zu schaden. “Frantic“ ist immer noch ein hintergründiger, pointierter Ausnahme-Thriller: mit vorzüglichen Paris-Aufnahmen des Kameramanns Witold Sobocinski und einer stimmungsvollen "Film Noir" - Musik von Ennio Morricone.
"Frantic" von Roman Polanski, ein Spannungsereignis für diese langsam kälter werdenden Sommerabende (= 4 PÖNIs).
„DIE FRAU DIE SINGT“ von Denis Villeneuve (Co-B+R; Kanada 2010; 133 Minuten; Start D: 23.06.2011); der am 3. Oktober 1967 im kanadischen Quebec geborene Regisseur und Drehbuch-Autor hat Film studiert. Begann danach Musikvideos und Kurzfilme zu drehen. Sein Langfilm-Debüt war 1998 „Der 32. August auf Erden“, der weltweit auf Festivals lief und auch bei uns im Arthouse-Kino auf Interesse stieß. Danach entstanden die Spielfilme „Maelström“ (2000) und zuletzt „Polytechnique“ (2009). Sein neues Werk basiert auf dem Bühnenstück „Incendies“ (so auch der Originaltitel des Films/“Verbrennungen“) des libanesischen Schriftstellers und nach Frankreich emigrierten arabischen Christen Wajdi Mouawad. Und war für den diesjährigen Auslands-„Oscar“ nominiert.
Am Beginn sind wir im Heute. In Kanada. Wo die erwachsenen Zwillinge Jeanne und Simon Marwan bei der Eröffnung des Testaments ihrer verstorbenen Mutter eine „dicke“ Überraschung erwartet. Der mit der Familie befreundete Notar händigt ihnen zwei Briefe aus. Diese sollen sie verschlossen ihrem Vater sowie ihrem Bruder aushändigen. Jeanne und Simon lebten bisher in der Annahme, dass ihr Vater tot sei. Von einem weiteren Bruder war ihnen nichts bekannt.
Während Simon überhaupt keine Lust verspürt, in die Vergangenheit der Familie und das frühe Leben seiner Mutter einzutauchen, macht sich Jeanne auf die mühevolle Reise in das Geburtsland ihrer Mutter im Nahen Osten. In eine namentlich nicht genannte Region. (Gemeint ist Libanon, gedreht wurde in Jordanien). Wo sie pö a pö mit dem zutiefst verstörenden wie ergreifenden Leidensweg-Schicksal ihrer Mutter konfrontiert wird. Die dort in die jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Christen, Muslimen, zwischen Nationalisten und Reformisten, „eingebunden“ war. Deren Leben von grausamen Erlebnissen „am eigenen Leib“ gezeichnet war. Und deren schriftliche Überlieferung dennoch abschließend lautet: „Ich sage, Eure Geschichte beginnt mit einem Versprechen - den Lauf der Wut zu durchbrechen“.
Ein wahnsinnig dichter Film. Packender Film. Schmerzvoller Film. Wirkungsvoller Film. Der einen immer mehr und tiefer in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Weil sein Thema nicht nur brisant, sondern auch zeitlos-aktuell ist: Was tun Menschen Menschen an. Im Namen einer Religion. Im Namen einer Ideologie. Im Namen einer Lust. Andere zu quälen. Zu beschädigen. Zu unterjochen. Zu töten. Im Namen der Lügen: Ich bin der Stärkere. Wahrhaftige. „Richtige“. Der weiß, was gerecht ist. Der sagt, was es „zu denken“ gilt. Wie zu „handeln“ ist. Macht. Ewiger Missbrauch. Aggressionen wohin man nur blickt. Religion als Alibi für dauerhafte „nützliche“ Gewaltexzesse. Um „Befriedigung“ zu finden. Um die eigenen Taschen zu füllen. Um das eigene Wohlergehen „auszubauen“. Zu sichern. Auf Kosten Anderer. Vieler Anderer. Die Diktatur der Wissenden. Handelnden. Geschickten. Gemeinen. Der ewigen Henker. Die weiterhin „existieren“. Im Hintergrund. Denken. Lenken. Beraten. Führen. Mit ihren gefährlichen Handlangern.
Nawal Marwan (LUBNA AZABAL) war immer Opfer. „Fehl am Platz“. War ständig „unterwegs“. Begehrte auf. Bezahlte dafür schlimm. Fürchterlich. Abartig. Doch sie ließ sich nie besiegen. Sang immer. Und immer. Und immer. Unaufhörlich. „Die Frau die singt“ kam so zu einem legendären Ruf. Deren Spuren jetzt die Tochter und dann auch ihr Bruder und der Notar nachgehen. Der Film folgt diesen im vermischten Heute-Damals-Bilder-Rhythmus. So kommen sich Mutter und Tochter immer „näher“. Während sich „Die Frau die singt“ inzwischen wie ein Thriller bewegt. Als Höllen-Reise. Mit irritierendem wie versöhnlichem Ausklang.
„Für unsere Großmütter“ setzt Denis Villeneuve das Ausrufungszeichen ganz am Nachspann-Ende!
Ein großartiger, ein universeller, ein grandioser Unter-die-Haut gehender meisterlicher Film. Weil er UNS „Alte“ HIER auch bewusst macht, welches Generationsglück WIR hatten, nie in einen Krieg verwickelt gewesen zu sein (= 4 PÖNIs).
„DIE FRAU IN SCHWARZ“ von James Watkins (GB/Schwed/Kanada 2010/2011; 95 Minuten; Start D: 29.03.2012); noch in bester Erinnerung sind diese „speziellen“ Gruselfilme der britischen HAMMER-Produktion aus den 50er und 60er Jahren. Wo in Schauer-Movies wie „Dracula“, „Frankensteins Rache“, „Der Hund von Baskerville“ „Der Fluch von Siniestro“, „Ein Toter spielt Klavier“ oder „Die brennenden Augen von Schloß Bartimore“ „dunkle Stars“ wie Christopher Lee, Peter Cushing und Oliver Reed ihre faszinierenden Düster-Auftritte hatten. HAMMER-FILMS verknüpfte damals spektakulär wie erfolgreich die atmosphärische britische Gothic-Tradition mit den blutigen „Kopf“-Grausamkeiten des französischen Théatre du Grand-Guignol. Der „Hammer“-Horror wuchs sozusagen „zu/zur Kunst“. Und gilt heute als Kult. Mitte der achtziger Jahre kamen die „Hammer“-Filme aus der Mode. Nach über zwei Jahrzehnten wurde die Legende „HAMMER“ wieder belebt. Reanimiert. Unter neuer Leitung. „The Resident“ von Antti Jokinen hieß 2009 ein neuer Horrorfilm „von dort“. Namhaft besetzt mit „Oscar“-Lady Hillary Swank und, einmal mehr, der Horror-Legende CHRISTOPHER LEE. (Kam bei uns gleich auf DVD am 10.Februar 2011 heraus).
„The Woman in Black“ basiert auf der gleichnamigen, 1983 veröffentlichten Geistergeschichte der heute 70jährigen britischen Autorin SUSAN HILL. Nachdem der Spannungsstoff bisher in GB für ein TV-Movie, für ein Hörspiel sowie für ein Theaterstück adaptiert wurde, ist nun DAS KINO „dran“. Mit diesem Schauerstück, das im London Ende des 19.Jahrhunderts angesiedelt ist. Der junge verwitwete Anwalt Arthur Kipps steht unter stark seelischem sowie auch erheblichem beruflichen Druck. Seit seine Frau vor drei Jahren im Kindbett bei der Geburt des Sohnes Edward gestorben ist, kommt er mit nix mehr klar. Ist sozusagen ein Ewiggefangener seiner Trauer. Steht ständig neben sich. Irgendwann aber soll „damit“ Schluss sein. Also beauftragt ihn sein Kanzlei-Chef mit einer „speziellen“ Aufgabe. Er soll sich um den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow in dem Provinz-Kaff Crythin Gifford kümmern. Wo man ihn „nicht gerade zuvorkommend“ empfängt. Im Gegenteil, bis auf den „entspannten“ wohlhabenden Gutsbesitzer-Gastgeber Mr. Daily, der ihn willkommend begrüßt, versuchen ihn sämtliche anderen „merkwürdigen“ Dorfbewohner, vom Betreten des am Meer gelegenen Herrenhauses „Eel Marsh House“ abzuhalten. Von wegen Aberglauben. Natürlich vergebens. Im Haus dann zunächst die anwaltliche Bürokratie sowie - das Erwartete. ES lebt. Versteckt und nicht unbedingt „gut gelaunt“. Das mysteriöse Titel-Weib. In schwarzer, also bedrohlicher Kleidung. Was, ebenso klar, mit furchtbaren Ereignissen aus der örtlichen Vergangenheit zu tun hat. Die nun auch den jungen Trauma-Anwalt „erreichen“. Die sich nun auch bei Arthur Kipps nach und nach zementieren.
„Die Frau in Schwarz“ ist atmosphärischer HAMMER-Horror. Weniger mit dem Hackebeil, sondern mit Motiven der faszinierenden Ausstattung, der furiosen Lichtgestaltung des Kameramanns TIM MAURICE-JONES („Bube, Dame, König, As“ / “Snatch- Schweine und Diamanten“) und vor allem von diesem völlig isoliert gelegenen monumentalen viktorianischen Gebäude. Mit seinen langen, „qualvollen“ Gängen. In denen sich prickelnde Schauer-Schattenspiele „auftun“. Mit diesen unheimlich knarzenden Böden. Als hörbare Ankündigung von gefährlichen Bedrohlichkeiten. Als sichtbare Wahrnehmung von permanenter Unruhe und nahendem Unheil. Räumlich wie seelisch. Eine verheerende Schmerz-Stimmung von Trauer und Verlust. Geradezu „passend“ zu und für Arthur Kipps.
Mit dem der inzwischen 22jährige DANIEL RADCLIFFE seinen langjährigen Zauber-Burschen „Harry Potter“ erstmals vergessen macht. Nichts erinnert an DEN. Mehr. Ganz im Gegenteil, zurückgenommen, so dass auch die interessanten Nebenfiguren zur spannenden Geltung kommen, begibt sich Ex-Harry im viktorianischen Britannien in seine sensible, unglücksbeseelte Führungsfigur. Und Positur. Bleibt allerdings mit der Frage behaftet, wie denn solch ein junger „Bubi“ schon ein dreijähriger Witwer mit Kind sein kann. Der britische Regisseur James Watkins, dessen Debütfilm, das horrorhafte Sozialdrama „Eden Blake“ (mit Michael Fassbender), im Frühjahr 2008 bei den Festspielen in Cannes (außerhalb des Wettbewerbs) lief und dann der Eröffnungsfilm vom hiesigen Fantasy-Filmfest am 12. August 2008 in Berlin war, spielt mit den guten Versatzstücken des Genres. Regen, Dunkelheit, das verwinkelte „gemeingefährliche“ Haus. Flackerndes Gaslicht, spärlicher Kerzenschein. Die Psychologie der Gänsehaut. Entwickelt konventionellen und dabei optisch eher „empfindsamen“ denn schockreichen Grusel-Schauer-Horror. Ganz der HAMMERschen Tradition verpflichtet. Wo der Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten unweigerlich zusammenläuft (= 3 PÖNIs).