„DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN" von Luc Jacquet (Fr 2007; 92 Minuten; Start D: 92 Minuten); dem Regisseur des 2006 "Oscar"-prämierten Dokumentarfilms "DIE REISE DER PINGUINE", der weltweit außergewöhnliche Besucherrekorde für einen Dokumentarfilm erreichte.
In seinem ersten Spielfilm erzählt er von einer wundersamen Freundschaft: Zwischen einem 11jährigen Mädchen und einem Fuchs. Lila lebt mit ihren Eltern auf einem Hof am Rande eines GROSSEn, unberührten Naturschutzgebietes. Als sie eines Tages einen Fuchs entdeckt, ist es um sie geschehen. Immer und immer wieder sucht sie ihn und seine Nähe. Doch sie muss noch sehr viel Geduld und vor allem Zeit aufbringen, bevor es "soweit" ist.
Die Freiheit für Mensch und Tier: Ein grandioser Naturfilm. Mit herrlichen Landschafts-, Natur- und vor allem auch Tier-Aufnahmen. Und der ebenso behutsam wie berührend entwickelten Geschichte um eine ungewöhnliche Tier-Mensch-Begegnung. Die ganz auf das Dreiecksverhältnis zwischen Natur, Tier und dem kleinen Mädchen ausgerichtet ist. Und dabei sich auch nicht scheut, schließlich schmerzhafte emotionale Fehlmotive einzubinden: Etwa, wenn Lila (vergeblich) bemüht ist, das Wild-Tier häuslich "zu dressieren", gar einzusperren. Ein GROSSartiger tierischer Natur-Familienfilm. Mit herrlichen Bildern und Motiven von Kameramann Gérard Simon und seinem Team. Sie wurden in den italienischen Abruzzen und auf einer Hochebene im ostfranzösischen Département Ain aufgenommen.
Die kleine BERTILLE NOEL-BRUNEAU als Lila ist von unglaublich-schöner Kind-Kraft. Besitzt wunderbares Feingefühl und spielt mit absoluter Überzeugung dieses sensible Mädchen mit dem GROSSen Staunen und Herzen: Die Geburt einer wunderbaren Schauspielerin. "Der Fuchs und das Mädchen" oder: Ein Sympathie-Ereignis von KINO; eine Hymne auf die NATUR und ihre Geschöpfe. Poetisch, bilderREICH und voller schöner Emotionen (= 4 PÖNIs).
„FÜR IMMER LIEBE“ von Michael Sucsy (Co-B+R; USA 2011; 104 Minuten; Start D: 09.02.2012); heißt im Original besser „The Vow“, also „Der Schwur“/“Das Gelübde“. Und soll auf einer wahren Begebenheit beruhen.
Skulpturen-Künstlerin Paige und Musikproduzent Leo haben sich das Ja-Wort gegeben. Wie heißt es so schön, sind auch füreinander wie geschaffen. Man versteht sich prima, befindet sich auf derselben emotionalen wie humorigen Wellenlänge. Alles ist im Lot. Bis zu jener Nacht. Bei jener Autofahrt durch den Schnee. Als ein LKW in ihr Auto kracht. Beide überleben. Doch als Paige Tage später aus dem Koma erwacht, hat sie alles vergessen. Erkennt sogar „ihren“ Leo nicht mehr. Weiß nichts mehr von den letzten fünf Jahren. Über die gemeinsame Zeit. Denkt „im Vorher“. Während Leo ihr völlig fremd ist. Erscheint. Doch DER ist natürlich bemüht, sie und sich wieder „in Erinnerung“ zu bringen. Hat aber in ihren großbürgerlichen Eltern (JESSICA LANGE + SAM NEILL) erneut, wie schon „damals“, starke Gegner“. Denn DIE setzen alles daran, ihre (erwachsene) Tochter „neu“ „zu orientieren“. Sie drängen sie wieder zum Weitermachen ihres Jura-Studiums und fördern gerne das Werben eines ehemaligen („doofen“) Lovers von ihr. Manipulieren sie hocherfreut wie beharrlich wieder in den „Schoß der Vorstadt-Familie“. Sozusagen Gehirnwäsche-pur. Was natürlich Leo auf die emotionale Palme bringt. Kämpft er doch vehement weiter um seine verloren gegangene große und einzige Liebe.
Hört sich kitschig an, ich weiß. Ist es aber nur dezent. Obwohl der deutsche Titel einfältige, beliebige Rührseligkeit annonciert. Vielmehr sind die vier Drehbuch-Autoren (neben dem Regisseur noch Abby Kohn, Marc Silverstein + Jason Katims) sowie der 38jährige Kinodebüt-Regisseur Michael Sucsy („Golden Globe“-Preisträger für seinen „HBO“-Fernsehfilm „Grey Gardens“/2009) mit pointierter „Weisheit“ dabei, eine tragikomische Romanze um Identität und Verlust rührend wie be-rührend zu entwickeln. Ohne eben auf den totalen läppischen Kitsch-Putz zu hauen. Sondern mit spannenden Konfliktgedanken. Zwar etwas eindimensional in den („bösen“) männlichen Nebenfiguren, aber charmant wie klug in den beiden Hauptrollen mit der Kanadierin RACHEL McADAMS (State of Play –Stand der Dinge“; „Midnight in Paris“/W. Allen) als verunsicherte Paige und mit dem athletischen US-Boy CHANNING TATUM („G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“; „Das Leuchten der Stille“) als sensiblem wie ratlosem Leo-Liebhaber besetzt. Beide spielen in und mit ihren „aufgebrachten“ Charakteren imponierend sympathisch. Halten die emotionale Neugier gut hoch. Bei der interessanten existenziellen Beziehungsfrage: Würde „man“ sich genauso entscheiden wie einst, wenn es die Möglichkeit gäbe, „anders“, also „neu“ weiterzumachen??? Und WANN eigentlich ist man „wirklich“ erwachsen? Angekommen?
„The Vow“ schwankt unterhaltsam zwischen Herz und Schmerz (= 3 PÖNIs).
STANLEY KUBRICK hat einen neuen Film gemacht. Der Regisseur von Meisterwerken wie “2001 - Odyssee im Weltraum“, “Uhrwerk Orange“ und “Barry Lyndon‘ hat sich einen Themas angenommen, das in diesen Monaten im Kino ein Dauerbrenner ist und bleiben wird. Vietnam. Der Vietnam-Krieg. Aber
Kubrick hat mit
„FULL METAL JACKET“ von Stanley Kubrick (USA 1987; 116 Minuten; Start D: 08.10.1987), zu deutsch etwa: “Stahlmantelkugel“, keineswegs d e n definitiven Vietnam-Film geschaffen. Sein Werk erzählt etwas über das Töten. Das Töten von Menschen von innen und außen.
Es beginnt in einem Ausbildungscamp der Marines im Sommer von 1968, wo eine neue Gruppe von Zivilisten auf die kommenden Kriegsaufgaben vorbereitet wird. Ihre Ausbildung besteht neben dem handwerklichen Schliff im Wesentlichen darin, ihren Charakter, ihre Würde, ihre Individualität zu brechen. Sie sauen sich völlig und ohne auch nur einen einzigen Funken Eigengedanken dem einen Ziel ein- und unterordnen: für Amerika einen Krieg zu gewinnen. Zweifel sind ebenso wenig gestattet wie überhaupt irgendwelche persönlichen Regungen. Ihr Ausbilder, eine Mischung aus Psycho-Terrorist und Sadist, lässt nicht locker und nichts unversucht. Und ganz besonders bei einem nicht, einem etwas dicklichen Typ, der es nicht zu packen scheint. Der wird solange getriezt, schikaniert, solange geprügelt, bis auch aus ihm ein perfekter Killer-Roboter geworden ist.
Allerdings, nun auch ein wahnsinniger...
Szenenwechsel zum Kriegsschauplatz Vietnam. Wo alle verkrüppelt erscheinen. Hier nun der Krieg-pur. In diesen Momenten erweist sich Kubrick als urbarmherziger, kompromissloser Ankläger. Der Mensch im Krieg als ein Stück willenloses Fleisch. Eine Ware, die nur dazu da ist, eine Funktion zu erfüllen, einen Befehl auszuführen und dann verbrennen kann. Niemand hat mehr “das Menschliche“ in sich. Narben bleiben in übelster Form für die wenigen zurück, die überleben können. Krieg als niederste Stufe menschlicher Verhaltensweisen. “Full Metal Jacket“ ist ein moderner Antikriegsfilm, kommt “Im Westen nichts Neues“ in seiner Direktheit und Betroffenheit sehr nahe. Kubrick ist Humanist, und Krieg ist für ihn die Perversion von Menschen an Menschen. Dies zeigt er in gewohnt perfekten Bildern. Die nicht
moralisieren, sondern ernüchternd “zeigen“, was ist. Kaputte Städte, dämonenhafte Menschen, sinnlose Gewalt um irgendwelche Städte, Straßen, Häuser.
“Full Metal Jacket“ ist ein Meisterwerk. “Full Metal Jacket“ ist ein Film, der erst zu wirken anfängt, wenn man schon lange das Kino verlassen hat. Und: er bleibt haften. Hoffentlich lange und hoffentlich bei vielen (= 5 PÖNIs).
„FULL METALL VILLAGE" von Sung-Hyung Cho (D2006; 90 Minuten; Start D: 19.04.2007); eine seit 17 Jahren in Deutschland lebenden Südkoreanerin . Die mit ihrem Dokumentarfilm in diesem Jahr den MAX-OPHÜLS-PREIS gewonnen hat (in der 28jährigen Geschichte dieses renommierten Festivals war es das erste Mal, dass ein Dokumentarfilm mit dem 1. Preis bedacht wurde). Originelles Thema: Das Porträt der Gemeinde WACKEN in Schleswig-Holstein/in der Nähe von Itzehoe.
In dem 1800-Seelen-Dorf beobachtet sie, wie sich die bäuerliche Bevölkerung alljährlich zum 3tägigen HEAVY-METAL-Open-Air-Fest vorbereitet. "Wacken Open Air" bzw. "W:O:A:" lockt jedes Jahr zehntausende Fans aus aller Welt an. Seit 1990 gibt es das Fest, und seitdem herrscht hier, in dem sonst so beschaulichen Ort, für kurze Zeit der Ausnahmezustand. Dank ihrer scheinbaren Naivität, die sich den Blick der Fremden im positiven Sinne bewahrt hat, und ihrer ruhigen, unbefangenen Herangehensweise gelingen der 40jährigen Filmemacherin - die an der UNI Marburg Kunstgeschichte, Medienwissenschaften + Philosophie studierte - wunderbare Beobachtungen und intensive Gespräche mit einigen Dorfbewohnern. Denn diese gehen sehr aufgeschlossen und mit trocken-lakonischem Humor "auf die Fremden" zu und wissen "ebenso" über sich und ihr Dorf-Leben zu erzählen.
Fazit: Diese "naive" Begegnung zweier völlig unterschiedlicher Kulturen unaufdringlich-"echt" wie kurzweilig-unterhaltsam vorzuführen, ist jedenfalls ebenso liebevoll-überzeugend wie spaßig-munter-geglückt: Selten gab es in einem Dokumentarfilm so viel zu schmunzeln/zu lachen. Ein Prima-"Heimat"film (= 4 PÖNIs).
„FUNNY BONES" von Peter Chelsom (Co-B+R; GB/USA 1995; 128 Minuten; Start D: 22.06.1995).
Der 1956 in Blackpool, im Norden von England geborene Fotograf, Schauspieler, Werbe- bzw. Kurzfilmer Peter Chelsom hat nicht viele Kino-Spielfilme gedreht, die meisten davon aber wurden zu "cineastischen Leckereien" wie sein Debütfilm "HEAR MY SONG" (1992) sowie dann auch "THE MIGHTY - Gemeinsam sind wir stark" (1998). Chelsom, der seit 1995 in Los Angeles lebt, drehte zuletzt die Komödien "Stadt, Land, Kuss", "Weil es dich gibt" (2001) sowie "Darf ich bitten?" (2004). Sein zweites Werk, "Funny Bones" (= "Komische Knochen") erhielt einst (sehr) viel Kritiker-Lob, gewann den Hauptpreis auf 5 europäischen Festivals und den 1996er "PETER-SELLERS-Award for Comedy", der vom "Evening Standard" verliehen wird.
Erzählt wird vom krisengeschüttelten Nachwuchs-Komiker Tommy. Der erträgt die Dominanz seines Über-Vater-Star-Komikers nicht, der Erwartungsdruck lässt ihn scheitern. Haut von L.A. nach Europa ab, landet in Blackpool. Wo er sich selbst und neue Gags finden will. Und wo er dann überraschende Wahrheiten über seine Person/seine Identität erfährt, seine Familie + sein Leben entdeckt. Tragikomischer wie "artistischer" Menschen-Film, mit vielen liebevollen wie zweideutigen Gags, sprudelnden Einfällen, vergnüglichen Typen-Personen. "Funny Bones" ist unterhaltsam bis in die Kopfspitze und so emotional wie der Blues, der ihn begleitet.
Chelsom besitzt ein wunderbares Gespür für Details, Situationskomik + originelle Melancholie. Erweist sich als kreativer Zauberer im Zusammensetzen von Humor, Weisheit + Akrobatik. Das Leben als schlingerndes Seil, mal schmerzhaft berührend, mal schelmisch-swingend befreiend. Zudem: Mit hervorragenden Akteuren besetzt, denn der Film ist auch eine Hommage an die phantastischen Alt-Stars JERRY LEWIS + LESLIE CARON, die sich einmal mehr als große, wunderbare Herz- und Verstand-Komödianten präsentieren. Debütant LEE EVANS (danach u.a. "Mäusejagd") als Slapstick-Poet ist hier dann eine weitere Entdeckung, und OLIVER PLATT als unkomischer Komiker(-Sohn) sorgt ebenfalls für viel Lächeln.
Ein liebenswerter, charmanter, komischer und sehr intelligenter Komödien-Streich, den es zu entdecken allemal lohnt (4 PÖNIs).
Der amerikanische Regisseur George Roy Hill ist mit Filmen wie “Zwei Banditen“, “Der Clou“ oder neulich “Garp und wie er die Welt sah“ weltberühmt geworden. 1987 schuf er die ebenso anspruchsvolle wie komische Komödie „FUNNY FARM“ von George Roy Hill (USA 1987; 101 Minuten; Start D: 10.08.1989).
Die handelt von der Flucht eines jungen New Yorker Ehepaares aufs Land. Dort sollen ja bekanntlich Luft und Leute viel angenehmer sein, doch schon der erste Eindruck ist alles andere als toll. Aus dem Traum wird ein Alptraum. Anstatt Kleinstadt-Idylle bösartige Nachbarn. Ob rachsüchtige Wettangler, Baseball-Spieler mit Killerinstinkten, der amokfahrende Postbote oder eine Leiche im Vorgarten, die Farmers kommen einfach nicht zur Ruhe. Und als die junge Frau auch noch literarisch erfolgreicher ist als ihr ohnehin schon genervter Gatte, ist sogar privater Zoff angesagt. Die Lösung: Verkauf und zurück nach New York. Fortan erweisen sich die Nachbarn als ausgesprochen “nette Leute.
“Funny Farm“ ist ein bitterböser, bisweilen urkomischer Satire Quatsch auf amerikanische Bequemlichkeit und ländliche Freundlichkeit. Der Komiker und Kabarettist CHEVY CHASE überzeugt in der Hauptrolle, Madolyn Smith Osborne heißt die ebenbürtige Kämpferin an seiner Seite.
“Funny Farm“, ein Spaß mit viel schwarzem Humor (= 4 PÖNIs).
