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Filmtitel von Gea - Gej

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

GEBOREN AM 4. JULI“ von Oliver Stone (B+R; USA 1989; 145 Minuten; Start D: 22.02.1990); Oberthema: Wie eine junge Generation von Amerikanern verheizt, verraten und für ihr ganzes Leben geschädigt wurde.

Die Story: Wie ein Provinz-Boy von klein auf eingehämmert bekommt, dass es das Beste im Leben ist, gottesfürchtig, patriotisch und antikommunistisch und darüber hinaus in der Gesellschaft immer der Stärkste, die Nr.1, zu sein. Deshalb meldet sich Ron auch sofort freiwillig beim Militär, als es Ende der 60er Jahre in den Vietnam-Krieg geht. Bei einem Gefecht tötet er versehentlich einen Kameraden und wird selbst schwer verwundet. Von nun an kümmert und interessiert sich kein Mensch in seinem Land mehr für ihn, Ron bleibt als querschnittsgelähmtes Opfer zurück. Sein Weltbild bricht zusammen, und er braucht lange, bis er sich wieder einkriegt und zum engagierten Protestler wird.

Der nach dem autobiographischen Roman von John Kovic entstandene Film ist eine überzeugende, wüste und permanent schreiende Trauer-Arbeit und eine unter die Haut gehende, handfeste amerikanische Geschichtsbeschreibung. Mit einem hervorragenden TOM CRUISE in der Hauptrolle, der diese geschändete, misshandelte Seele mit ungeheurer Kraft und nuancierten Zwischentönen glänzend ‘rüberbringt‘.

“Geboren am 4. Juli“, ein aufwühlender, exzellenter Film (4 ½ PÖNIs).

DIE GEBRÜDER WEIHNACHTSMANN" von David Dobkin (USA 2007; 116 Minuten; Start D: 29.11.2007); ist ein prominent besetzter, aber sau-dämlich-langweiliger Weihnachtsfilm aus Hollywood; mit einer durchgängig unsympathischen Hauptfigur namens Fred Claus im Mittelpunkt (Comedy-Star VINCE VAUGHN/"Die Hochzeits-Crasher"), dem Bruder des "tatsächlichen", originalen Weihnachtsmanns. Während DER; Nick bzw. Santa (PAUL GIAMATTI/ "Sideways"; "Shoot ´Em Up"), nur-gut ist, mimt sein Brother den Macker/Doofen/Spinner/Angeber.

Drum herum tummeln sich unverständlicherweise die "Oscar"-Preisträgerin KATHY BATES ("Misery") als Über- Mama Claus und der zweifache "Oscar"-Preisträger KEVIN SPACEY ("Sieben"; "American Beauty"; "Die üblichen Verdächtigen") als verklemmte Firmenabwicklungs-Heuschrecke. Über einzelne Nummern/Gags kann man manchmal schmunzeln, etwa die Therapierunde bei den "Anonymen Brüdern" mit Auftritten der leibhaftigen Brüder von Bill Clinton/Sylvester Stallone und Alec Baldwin, doch ansonsten ist das hier eine witzlose Aufwärm-Revue um die übliche wie einmal mehr völlig uninteressante Santa-in-Not-Revue (= 1 PÖNI).

GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN“ von Stephen Frears (USA/GB 1988; 119 Minuten; Start D: 13.04.1989). In dem Berlinale-Eröffnungsfilm (1989) geht es um ganz feine und sehr gemeine Leute.

“Gefährliche Liebschaften“ ist ein klassischer Stoff, der am Vorabend der französischen Revolution angesiedelt ist. Wo sich ein Paar aus der Oberschicht die Langeweile mit besonders heimtückischen Methoden und Spielchen vertreibt. Beider Spaß und Ziel ist es, Menschen und Gefühle zu dirigieren, zu manipulieren, um möglichst “Unschuldige“ “schuldig“ werden zu lassen. Sex und Crime im Renaissance-Zeitalter. Der neueste Plan zielt auf eine gut verheiratete Madame. Die wird unter Aufbietung aller Kräfte und Verführungskünste angemacht, erobert und dann fallengelassen. Doch die scheinbar kontrollierten Gefühle geraten nach und nach bei allen Beteiligten außer Kontrolle und führen schließlich zu einem tragischen Ausgang.

“Gefährliche Liebschaften“ ist die erste Amerika-Arbeit des britischen Regisseurs und Gesellschaftsanklägers Stephen Frears. Der wurde mit Filmen wie “Mein wunderbarer Waschsalon" oder “Sammy und Rosie tun es“ weltweit bekannt. Sein neuester Streich ist eine wunderbar unanständige, feine Kostüm-Komödie um übles aristokratisches Scharmützel. Zum einen als pointierte Klassen-Anklage, zum anderen als exzellentes Schauspieler- Kintopp.

GLENN CLOSE, die ja schon in “Eine verhängnisvolle Affäre“ so herrlich ekelhaft war, ist auch hier eine vorzügliche Intrigantin. Ihre Partner JOHN MALKOVICH und MICHELLE PFEIFFER sind überzeugende Stichwortgeber für ihr hundsgemeines Tun. “Gefährliche Liebschaften“ ist ein genussvoll zelebriertes Drama um alle Formen von Gefühlen, bei dem man am besten keinen Süßwein trinken sollte. Der würde sofort ganz bitter und sauer aufstoßen…(= 5 PÖNIS).

GEFÄHRTEN“ von Steven Spielberg (USA 2010/2011; B: Lee Hall, Richard Curtis; K: Janusz Kaminski; 146 Minuten; Start D: 16.02.2012); der 65jährige Regisseur und Produzent ist der erfolgreichste Filmemacher aller Zeiten. Seine bisherigen Filme haben weltweit über 8,5 Milliarden Dollar eingespielt. Klassiker wie „Der weiße Hai“; „E.T.“, „Jurassic Park“ und die Indiana Jones-Reihe zählen heute zu Genre-Schätzen der Filmkunst. Er hat alle bedeutenden Filmpreise gewonnen, die zu vergeben waren, darunter zweimal den „Oscar“ für die „Besten Jahresfilme“ „Schindlers Liste“ (1993) und „Der Soldat James Ryan“ (1998). Er könnte es längst „ruhiger“ angehen lassen, doch Steven Spielberg war besonders in den letzten zwei Jahren als Regisseur wieder sehr aktiv. Kürzlich erst war er mit der Comic-Adaption „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ in den Lichtspielhäusern, jetzt startet schon ein weiteres neues Spielberg-Movie in unseren Kinos: „War Horse“ („Kriegs-Pferd“), so der Originaltitel, gleich sechsfach nominiert für den diesjährigen „Oscar“, dem wichtigsten Filmpreis überhaupt. (Und der „nächste Spielberg“ ist auch schon abgedreht, das Präsidenten-Biopic „Lincoln“ mit Daniel Day-Lewis in der Titelrolle; voraussichtlicher Kino-Start: Herbst 2012).

Der mit einem Budget von 66 Millionen Dollar hergestellte Streifen „Gefährten“ handelt von einem Thema, das im Kino „so“ bisher nicht vorkam: Tiere im Krieg. Präzise hier: Pferde im Krieg. Im Ersten Weltkrieg. Vor allem Pferde auf Seiten der Engländer. MICHAEL MORPURGO, 68, zählt – mit seinen über 130 Büchern - zu den bekanntesten britischen Kinder- und Jugendbuch-Autoren. 1982 veröffentlichte er den Roman „War Horse“, der hierzulande unter dem Titel „Schicksalsgefährten“ 2004 herauskam. Bei der Recherche für diesen Roman erfuhr Michael Morpurgo, dass über eine Million Pferde mit den britischen Soldaten in den Ersten Weltkrieg gezogen waren - und nur 62000 Tiere wieder zurückkamen. Er lernte, wie wichtig damals Pferde waren, für alle Kriegsteilnehmer. Er erforschte anhand von Gemälden und historischen Berichten, wie Pferde geopfert wurden. Wie sie gelitten und wie tapfer sie sich verhalten hatten. Er traf Kriegsteilnehmer, die ihm von ihren „engen Bindungen“ zu ihren Pferden berichteten. Und beschloss, diese Episoden in einem Roman festzuhalten. 2007 wurde sein Roman als Bühnenstück adaptiert und in London am „National Theatre“ sehr erfolgreich aufgeführt. „War Horse“, das Bühnenstück, gewann u.a. fünf „Theater-„Oscars“, die begehrten britischen „Tony Awards“, darunter für das „Beste Theaterstück“ des Jahres. Die „Neugier“ für Steven Spielberg war geebnet. Für einen Familienfilm, der im Krieg spielt. Diesen ungeschminkt anklagt und dabei von einer ebenso wunderbaren wie tiefen Freundschaft erzählt. Zwischen einem jungen Burschen und seinem Pferd. „War Horse“, der Film, bzw. „Gefährten“, zählt schon jetzt zu den wunderbarsten Leinwand-Ereignissen in diesem Kinojahr 2012.

Die abenteuerliche Reise von Tier und Mensch beginnt zunächst ganz simpel. Unverfänglich. An der Schwelle zum Ersten Weltkrieg, 1914. Auf einem britischen Bauernhof in Devon, Südengland. Wo die Familie Narracott mehr schlecht als recht lebt. Nur mühsam die jährliche Pacht für den herrischen, arroganten Pächter Lyons (DAVID THEWLIS) aufzubringen vermag. Denn der Boden gibt nicht allzu viel her. Ein neues Pferd, ein Ackergaul, soll angeschafft werden. Eine Investition in die bessere Zukunft. Doch als Vater Ted und Sohn Albert auf den temperamentvollen wie offensichtlich auch klugen Hengst Joey stoßen, verdrängen die Emotionen den kühlen Sachverstand. Sie übertrumpfen den mitbietenden Pächter und kaufen Joey. Und stehen damit kurz vor der totalen Pleite. Was die eifrige Mama (einmal mehr körpersprachlich ein Naturereignis: EMILY WATSON) auf die Palme bringt. Während sich zwischen dem 16jährigen Albert (JEREMY IRVINE) und dem „eigenwilligen“ Pferd eine enge Beziehung „aufbaut“. DIE der beginnende Krieg abrupt beendet. Vater Ted (PETER MULLAN) verkauft aus Geldnot das Pferd an die britische Armee. Sohn Albert meldet sich daraufhin freiwillig zum Kriegsdienst, erklärt sich „älter“ und hofft, seinen großen, geliebten Huffreund wieder zu finden. Doch es wird ein langer, getrennter Weg, über die vielen internationalen Kriegsfelder, bis es schließlich zu einem hochemotionalen, berührenden, phantastischen Wiedersehen kommen soll. Am grandiosen Farben-Ende. Mit einem geradezu sensationellen, herrlich kitschigen Sonnenuntergang offenbart sich ein glühendes „Vom Winde verweht“-Finale in schönster britischer Einöde. Begleitet von den gewaltigen orchestralen Klängen des ständigen Spielberg-Komponisten, dem fünffachen „Oscar“-Preisträger JOHN WILLIAMS („Star Wars“). Und DAS bzw. dies, DIESES sagenhafte fotogene Schlussbild, muss man gesehen haben. Diesen ergreifenden, hinreißenden Augen-Schmaus-Genuss-pur: Unglaublich. Toll. Herzberührend. Wie es sich heutzutage nur noch ein so brillanter KINO-Geschichtenerzähler wie Steven Spielberg leisten kann. Und darf. Emotional einfach phantastisch ausufernd.

Natürlich triumphiert hier DAS PFERD. Für DAS die vielen Menschen, allein 5800 Statisten treten auf, letztlich nur „Stichwortgeber“ sind. Darunter übrigens auch einige deutsche „Soldaten“-Akteure wie David Kross, Rainer Bock, Hinnerk Schönemann oder Maximilian Brückner. Der Krieg der Menschen aus der Sicht eines außergewöhnlichen Pferdes. Als Bindeglied und Vermittlungsträger zu einem mächtigen, spannenden Trauma-Drama und imposanten Abenteuerfilm; für einen SEHR wirkungsvollen und nachhaltigen/nachhallenden wütenden Antikriegs-Aufschrei (mitunter winken und wirken hier „Im Westen nichts Neues“-Motive); für eine einfühlsame, faszinierende Fabel über die tiefe Freundschaft zwischen einem Menschen zu „seinem“ Tier-Gefährten. Dramatischer Höhepunkt: Pferd Joey ist zwischen der Front „gefangen“. Hat sich schmerzhaft in Stacheldraht verheddert. Droht zu krepieren. Ein britischer und ein deutschen Soldat kommen aus ihren Gräben und helfen dem geschundenen Tier. Für einen Moment ruht der Krieg. Das Schießen aufeinander, das gegenseitige Töten. Weil ein Pferd sich in Lebensgefahr befindet. Nur ein Steven Spielberg vermag dies SO zu schildern, SO aufwühlend zu beschreiben, „zu erklären“, zu erzählen, mit SO viel Mut zum „guten“ Pathos. So dass es sich eben nicht peinlich, blöd überpathetisch, aufgesetzt anfühlt. Sondern human und menschlich ausschaut. Sich „gut“ anfühlt. Und an die berühmte Weihnachtssequenz aus der internationalen Co-Produktion „Merry Christmas“ von Christian Carion (2005) erinnert. Wo Franzosen, Schotten und Deutsche gemeinsam im Dezember 1914 an der Front „Weihnachtslieder“ singen. Während der weihnachtlichen Kriegspause eine kurze „Weihnachtsverbrüderung“ „begehen“. Ebenso unvergessen. Wie jetzt auch DIESE packende Szene hier. Ein Pferd als kurzer Friedensstifter. Wird auch nicht zu vergessen sein.

„Gefährten“ ist ein bildergewaltiges neues Meisterwerk von Steven Spielberg (Kamera: „sein“ ständiger Optik-Begleiter und zweifacher „Oscar“-Star: JANUSZ KAMINSKI). Nach einem gescheiten Drehbuch von LEE HALL („Billy Elliott“-Autor) und RICHARD CURTIS (der für die Hits „Radio Rock Revolution“, die Bridget-Jones-Späße und den Gefühlsbestseller „Tatsächlich…Liebe“ die Drehbücher verfasste). Motto: Das geschändete, mutige, intelligente Tier und die „Bestie Mensch“. In der Mehrzahl. Die gedankliche wie emotionale Wirkung ist enorm. „Gefährten“ ist ein Film der emotionalen Superlative: Ziemlich beste Freunde „auf Spielbergsch...“, füllt großartig Verstand und Seele.

Eine P.S.-Ergänzung, frisch aus dem Berliner „Tagesspiegel“ (von Andreas Austilat vom 12.2.2012): „Keine andere Nation würdigt ihre tierischen Kampfgefährten derart offensiv. Die Briten haben 2004 im Hyde Park sogar eine Nationale Gedenkstätte errichtet, das „Animals in War“-Monument. Auf 17 mal 17 Metern zeigt es die Silhouetten von Pferden, Maultieren, Eseln, Brieftauben, Elefanten, Ochsen, Kamelen - „Sie hatten keine Wahl“, heißt es in der Inschrift“ (= 4 ½ PÖNIs).

GEFAHR UND BEGIERDE" von Ang Lee (USA/China/Taiwan/Hong Kong 2007; 157 Minuten; Start D: 18.10.2007). Der 53jährige taiwanesische Regisseur und Drehbuch-Autor, der an der New Yorker Universität Theater- und Filmproduktion studierte, zählt derzeit zu den innovativsten, spannendsten Filmkünstlern überhaupt. Der gleich mit seinen ersten Filmen Aufsehen erregte: "Eat Drink Man Woman" (1994), "Sinn und Sinnlichkeit" (1995), "Der Eissturm" (1997). Für "TIGER AND DRAGON" gab es 2001 gleich 4 "Oscars", darunter die Trophäe für den "besten fremdsprachigen Film". Für die Schwulen-Beziehung "BROKEBACK MOUNTAIN" (2005) wurde Lee mit Preisen überhäuft, darunter war der Regie-"Oscar" sowie der Venedig-Hauptpreis, der "Goldene Löwe".

Sein neuestes Werk, basierend auf einer Kurzgeschichte von Eileen Chang (1920-1995), entstand als Co-Produktion USA/Hongkong, hatte seine Welturaufführung kürzlich ebenfalls im Wettbewerbsprogramm der Filmfestspiele von Venedig und wurde dort erneut mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet. Es ist eine Art atmosphärischer Liebes-Thriller. Er ist im Shanghai Ende der 30er Jahre angesiedelt, während der japanischen Besetzung. Eine studentische Theatergruppe gründet eine Widerstandszelle. Mit der Absicht, einen gefährlichen Kollaborateur umzubringen, wird eine junge Frau als Lockvogel engagiert/angesetzt. Der erste Versuch scheitert, drei Jahre später aber ergibt sich eine "neue Chance/Gelegenheit".

156 Minuten lange Kameraeinstellungen, schleichende Charakterentwicklungen, sinnliche Bett-Gymnastik. Motto: Die Untergrund-Aktivistin und der böse Charme-Wolf. Ihre Intimität wird außergewöhnlich detailliert, aber auch unvoyeuristisch präsentiert. Als dramaturgische Fick-Poesie, zur Erklärung/zum Begreifen von Gewalt und Abhängigkeit. Seltsam KALT wirkt der Film; unnahbar, für unsere Augen hier auch irgendwie beliebig. Aber spannend in den Akteuren: Der chinesische Superstar TONY LEUNG ("In The Mood For Love"; "2046") gibt den coolen Macht-Haber, den skrupellosen Folterer, Herrn Yi, während die Newcomerin TANG WEI das zerbrechlich- wirkende Polit-Fräulein mimt. Ein aufwendig gestalteter Historienfilm mit Kamasutra-Appeal und dem Geschmack eines Spionage-Thrillers. Die Computer-entwickelte Rekonstruktion vom Shanghai der 30er Jahre beschwört den Mythos vom "New York des Fernen Ostens", ist zunächst faszinierend, wirkt aber dann auch irgendwie blutleer. Weil Figuren/Ort/Story/Ideen/Gefühle/Bewegungen an einem "vorbeigehen", ohne zu packen, ohne wirklich zu interessieren.

"Gefahr und Begierde" ist ein neuer Ang-Lee-Film, mit dem ich mich ziemlich "schwer tue" (= 3 PÖNIs).

GEHEIME STAATSAFFÄREN" von Claude Chabrol (FR 2006; 110 Minuten; Start D: 20.07.2006); dem Altmeister des französischen Bourgeoisie-Spottes und der scharfzüngig-hintergründigen Politik-Attacken ("Der Schlachter"; "Masken"; "Eine Frauensache"; Das Leben ist ein Spiel"; "Die Blume des Bösen"). Der neueste Streich des inzwischen 76jährigen entstand in französisch-deutscher Co-Produktion, war im Frühjahr im Berlinale-Wettbewerb zu erleben und ist INSPIRIERT um die Affäre(n) der international operierenden Öl-Gesellschaft ELF AQUITAINE, die in den 90er Jahren Frankreich erschütterte(n), aber auch Deutschland "betraf".

Hier im Mittelpunkt: Die resolute, ihre Macht offensichtlich "genießende", ultra-coole Untersuchungsrichterin (mit dem ironisch-zutreffenden Namen) Jeanne Charmant-Killman. Auch "Die Piranha" genannt. Sie, mit allen rechtlichen Befugnissen ausgestattet, schnappt sich einen Spitzenmanager aus der Wirtschaft und beginnt mit unangenehmen Fragen/Ermittlungen/Verdächtigungen/Verhaftungen. So als ob sich "die Machenschaften" der "Obrigen" in Sachen Korruption/Machterhalt/Geldgeilheit tatsächlich klären/aufklären lassen. Eine Weile lässt MAN(n) sie gewähren, dann wird es für sie beruflich wie privat ziemlich "ungemütlich"/unappetitlich.

Claude Chabrol hat ein patentes, bisweilen kompliziertes Kinostück mit der Moral gedreht, dass Macht allemal ZERSTÖREND wirkt. Egal, auf welcher Seite. Dabei interessieren ihn nicht so sehr die tatsächlichen Details, sondern mehr die Beobachtung/Schilderung des K(r)ampfes zwischen Justiz und DER MACHT schlechthin. Derjenigen, die das TATSÄCHLICHE Sagen haben und unantastbar sind/bleiben. ISABELLE HUPPERT ("Die Spitzenklöpplerin"; "Zwei ungleiche Schwestern"), ausgestattet mit d e r Macht, "die man ihr zugesteht", ist beeindruckend-elegant, wirkungsvoll-hintergründig (eine zeitlang im "Spiel der Mächtigen" mitmischen zu dürfen und dennoch "lächerlich" ergebnishaft) und mit boshaft-versteckten, zynischen Pointen besetzt ("Für Sie persönlich ist es nicht so schlimm, aber Frankreich wird es gut tun", erklärt sie ihren Auftrag bzw. ihren Gerechtigkeitsdrang/wie auch ihre "Position").

Ein erneut überzeugender/grandioser, großartiger Leinwand-Auftritt! "L`llvresse du Pouvoir" heißt der Film im Original, etwa "Machttrunkenheit"/ "Im Rausch der Macht", und das trifft den ebenso unterhaltsamen wie bitterbösen Kern der neuesten Chabrol-Attacke treffender als der unverbindliche deutsche Titel (= 3 PÖNIs).

DIE GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS" von Mark Waters (USA 2007; 96 Minuten; Start D: 20.03.2008); Jahrgang ´64; von dem stammen nette Komödien-Leichtigkeiten wie "Hals über Kopf" (2001/mit Freddie Prinze Jr.), "Freaky Friday - Ein voll verrückter Freitag" (2003/mit Jamie Lee Curtis + Lindsay Lohan), "Girls Club - Vorsicht bissig!" (2004/mit Lindsay Lohan) und "Solange du da bist" (2005/mit Reese Whiterspoon + Mark Ruffalo). Sein neuester Streich ist ein Fantasy-Abenteuer, irgendwo zwischen "HARRY-POTTER"-Hokuspokus, "DIE CHRONIKEN VON NARNIA"-Spinnereien und "DER GOLDENE KOMPASS"-Kasperletheater angesiedelt. Diese geschätzte 100 Mio.-Dollar-Produktion basiert auf 5 Bänden einer populären Fantasy-Buchreihe für Kinder: "Die Spiderwicks-Geheimnisse" von Holly Black und Tony Di Terlizzi (Illustration) aus den Jahren 2003 bis 2005 (2007 ist Nr.6 erschienen). Mit dem heute 16jährigen Jung-Star FREDDIE HIGHMORE ("Wenn die Träume fliegen lernen" + "Charlie und die Schokoladenfabrik"/neben Johnny Depp; neulich, wunderbar in "Der Klang des Herzens") in einer Doppelrolle als die Brüder-Zwillinge Jared + Simon Grace.

Nach Trennung vom Ehemann zieht die Mama mit ihren 3 Kindern (+ ältere Mallory) aus New York in das einsam gelegene, halb verfallene Landhaus der Großtante. Hier spukt es, natürlich. Aber: Die Spuk-Gestalten wie Wichtel, Kobolde, Feen, Gnome und später auch Elfen sind diesmal ZU SEHEN. Man kann mit ihnen "kommunizieren". Ebenso wie "draußen" mit äußerst hässlichen KRÖTEN-WESEN, die an DAS BUCH wollen. Dabei handelt es sich um ein MAGISCHES Buch, das einst vom Ur-Großvater (immerhin DAVID STRATHAIRN/"Good Night, and Good Luck") vor 80 Jahren verfasst wurde und dessen Besitz die Türen "zu einer anderen Welt" öffnen. Na ja, die alte GUT gegen BÖSE-Geschichte mal wieder. Mit viel Action/Tricks/Spiel und Rechner-Spaß, aber auch der freundlichen Sinn-Frage: Braucht man DAS im Kino wirklich noch?

Es ist eine Art 1:1-UNENTSCHIEDEN-Kintopp: Teils ganz unterhaltsam, teils belanglos; teils nett-verschroben, teils Na-Ja; teils witzig, teils brutal. Die Kleinen (ist ab 6 freigegeben) sollen ebenso bedient werden (Feen, poetische Märchenstimmung) wie die "Halbstarken" (Action-Kampf-Motive). Weder (Unterhaltungs-)Fisch noch Fleisch; ein Irgendwo-DAZWISCHEN-Fantasy-Abenteuer, mit überschaubarem Haltbarkeitswert; kein Muss-Vergnügen, sondern ein Kann-Amüsement. Weil es hauptsächlich um die SPECIAL-EFFECTS geht, sind die Darsteller beliebig/zweitrangig.

Nett aber, dass - nach langer Leinwand-Abstinenz - mal wieder (der inzwischen 66jährige) NICK NOLTE ("Zoff in Beverly Hills") als Kröten-Oberschurke Mulgarath kurz auftaucht (= 3 PÖNIs).

DAS GEHEIMNIS MEINES ERFOLGES“ von Herbert Ross (USA 1987; 111 Minuten; Start D: 10.09.1987); Erfolg haben, Karriere machen, auf eine Super-Frau treffen, einen ganzen Konzern “auf‘ Vordermann bringen“, der Welt beweisen, was man draufhat, wo anders kennen solch kühne Absichten in die Tat umgesetzt werden als in New York. Also macht sich Kansas-Boy Bradley Foster (MICHAEL J. FOX) unbekümmert und voller Draufgängertum auf in die gelobte Stadt, wo der alte, aber (zumindest im Kino) nie enden wollende “American dream“ probiert werden soll: Du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst. Und Bradley will, strengt sich an wie ein Berserker, baut auf seine hervorragenden Uni-Abschlüsse, aber die Metropole und ihre griesgrämigen Vertreter zeigen sich zunächst ebenso wenig gastlich wie seine lausige Keller-Behausung, die ganz und gar nicht seiner Penthouse-Vorstellung entspricht. Doch so leicht lässt sich der Typ nicht unterkriegen. Wenn der Erfolg nicht zu ihm kommt, dann muss er eben ein bisschen nachhelfen.

Ein entfernter Verwandter stellt ihn als Botenjunge in der Poststelle seines multinationalen Unternehmens ein, wo Bradley mit Fleiß und Pfiffigkeit schon bald die Schwachstellen auslotet. Im 43. Stock dieser hecktischen Hochhauswelt richtet er sich “zusätzlich“ ein Geschäftsführer - Büro" ein und kommt mit seinem (auch äußerlichen) Doppel-Dasein ganz schön ins Schwitzen. Zumal ihn nun auch erotische Feinheiten in Gestalt der verführerischen, dem Inzest nie abgeneigten Tante und Ehefrau seines Bosses und einer blonden Schnuckelbiene aus der Chefetagennachbarschaft (“Supergirl“ HELEN SLATER) auf Trapp halten. Bradley Foster aber ist ein Glückskind und Märchen haben nun einmal das Ziel, die Richtigen gewinnen zu lassen.

Das ist doch was für's Herz. Sympathischer Landjunge zeigt denen in der Großstadt wo's langgeht. Der "Zurück in die Zukunft" Michael J. Fox als männliche Cinderella, wie es das Teenie-Kino-Amerika schätzt: hübsch eifrig, immer mit einem witzigen Kalauer mehr auf den Lippen, sich nicht duckend, sondern listig pirschend durch die Anzugs- und Business-Szenerie hochackernd. Dabei fehlen erfolgreiche Standardkinomittel wie irrwitzige Flucht- und Verfolgungsjagden ebenso wenig wie bewährte emotionale Zutaten, ulkige Sprüche und -auch wieder einmal New York-Bilder (vom italienischen Kameramann Carlo di Palma), die jeglichen Schmutz glänzenden Staub umzuwandeln verstehen. Das System bleibt natürlich unangetastet, Erfolg ist eben okay, nur müssen halt mal von Zeit zu Zeit Personen und Ideen ausgetauscht werden, um verkrustete (gesellschaftliche wie private) Gesellschaftsschwächen auszumerzen. Das wird hier glatt, sehr brav, sehr schmackhaft vorgeführt, besitzt wenig spitzfindige, hintergründige Kanten und Ecken, ist ganz und gar auf den neuen Star Michael J. Fox abgestimmt, der die sentimentalen Sehnsüchte einer kinoeintrittszahlungskräftigen Yuppie-Generation befriedigt und nett funktioniert.

Regisseur Herbert Ross, ein Hollywood-Routinier mit bislang 33 "Oscar" - Nominierungen (“Mach's noch einmal, Sam“, “Funny Lady“, “Footloose“), setzt als ehemaliger Choreograph auf atmosphärische temporeiche Showelemente und bezeichnet seine 20. Kinoarbeit als “soziale Komödie mit romantischen Einschüben und missverstandenen Identitäten“, belässt es dann aber doch nur bei den bekannten Märchen-Posen und freundlichem Amüsement von der Stange (= 2 ½ PÖNIs).

GEH UND LEBE“ von Radu Mihaileanu (Fr/Israel/Belgien/It 2005; 140 Minuten; Start D: 06.04.2006); einem Franzosen rumänischer Herkunft, der mit seinem 98er Holocaust-Film “Zug des Lebens“ weltweite Aufmerksamkeit bekam. In dieser Co- Produktion Frankreich/Israel von 2004 erzählt er von einem bislang weithin unbekannten Kapitel jüdischer Geschichte.

Mit der “Operation Moses“ wurden Mitte der 80er Jahre Tausende von äthiopischen Juden vom israelischen Geheimdienst und mit Hilfe der USA aus dem Sudan geholt, um sie vor Verfolgung und Hungersnot zu retten. Das ist der Ausgangspunkt dieser Tragikomödie: Eine Mutter trennt sich von ihrem 9jährigen Sohn, damit er überleben kann. Sie, eine äthiopische Christin, gibt ihn als Juden aus und schickt ihn nach Israel. Dort muss der dunkelhäutige Junge seine Wurzeln verleugnen und eine neue Identität annehmen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren werden Fragen nach Identität und Heimatlosigkeit sensibel wie phantasievoll aufgespürt. Ein unter die Haut gehender, mitreißender, emotionaler und dabei sehr aufwühlender, mitteilsamer Film, der bislang 15 Festival-Preise, darunter den “PanoramaPublikumspreis“ bei der Berlinale von 2005, zugesprochen bekam (= 4 PÖNIs).

DIE GEISHA" von Rob Marshall ( USA 2005; 145 Minuten; Start D: 19.01.2006); der sich 3 Jahre nach seinem Musical-"Oscar"-Erfolg mit "Chicago" an einen opulenten Kostüm- und Historien-Schinken vergebens versucht. Der basiert auf dem gleichnamigen Debütroman, mit dem der US-Amerikaner ARTUR GOLDEN 1997 weltweit einen Bestseller landete.

Doch die Jahrzehnte umspannende Saga vom Leben eines zum Luxusspielzeug versklavten japanischen Fischermädchens beeindruckt hier nur in Äußerlichkeiten von Bauten und Klamotten, während die düstere Story um eine zur Star-Geisha aufsteigende "Aschenputtel" ziemlich klischeehaft-platt (in der Gut-/Böse-Figuren-Konstellation), vorhersehbar und albern daherkommt: Sozusagen "Pretty Woman" ohne Schmackes und Pep bzw. die romantisch verklärte Asia-Geschichte um eine Edel-Dirne, bei der sowohl wahre Identität, soziale Schieflagen und politischer Hintergrund zur pittoresken Kulisse verkommen. Ach so ja: Die weiblichen CHINA-Superstars ZIYI ZHANG ("House Of The Flying Daggers", "2046", "Hero") und GONG LI ("Das rote Kornfeld", Rote Laterne", "Lebewohl, meine Konkubine" von Chen Kaige/"Goldene Palme"/Cannes) spielen die japanischen Mädels mit kühlem Charme (= 2 ½ PÖNIs).

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