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Filmtitel von Gil - Gk

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

Auch sie gibt es noch und immer wieder: Diese kleinen, leisen, sympathischen amerikanischen Filme “jenseits von Hollywood“. Sie sind zumeist in der Provinz angesiedelt, handeln von “wirklichen“ Menschen und nicht von Plastik-Figuren, entwickeln unspektakuläre Geschichten mit Charme, Gefühl und Spaß. Beliebtes Thema dabei: Die zwischenmenschlichen Töne und Begebenheiten. “Grüne Tomaten“ war im Vorjahr solch eine filmische Außenseiter-Hymne,

GILBERT GRAPE - IRGENDWO IN IOWA“ von Lasse Hallström (USA 1993; 118 Minuten; Start D: 28.04.1994); könnte es in diesem Kino-Jahr worden.

Ein schwedischer Regisseur, der 1985 mit seinem Werk “Mein Leben als Hund“ internationales Aufsehen erregte. Dieser Film brachte ihm viele Auszeichnungen ein, darunter eine Nominierung für den “Oscar“, und öffnete ihn die Türen in Richtung Hollywood. 1990 schuf er dort die etwas verwuselte Tragikomödie “Ein charmantes Ekel“ mit Richard Dreyfuss und Holly Hunter.

Sein zweites Amerika-Werk heißt nun also “Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ und basiert auf dem im November 1991 veröffentlichten Roman “What‘s Eating, Gilbert Grape?“ von Peter Hedges, der inzwischen in bereits 7 Sprachen übersetzt wurde. Der Bühnen-Autor Hedges adaptierte selbst seine eigene Novelle und schrieb das Drehbuch zum Film. Der in Endora in lowa spielt, in einer kleinen Gemeinde mit 1091 Seelen. Eine davon gehört Gilbert, der sein Leben hier wie “Tanzen ohne Musik“ beschreibt. Gilbert ist 20, intelligent und - frustriert. Jedes Jahr im Sommer, wenn die vielen Camper aus den Städten mit ihren großen Wohnwagen hier durchfahren, ist etwas von seinem “inneren Ausbruchswunsch“ zu spüren: “Die machen‘s richtig“, sagt er zu seinem Bruder Arnie, “die fahren hier nur durch“.

Arnie, dem bei seiner Geburt nicht die geringsten Überlebenschancen eingeräumt wurden, ist inzwischen 18 - und besitzt das Gehirn eines 8jährigen. Aber Gilbert liebt seinen Bruder heiß und innig, obwohl er ständig auf ihn aufpassen muss. Und da ist noch “Ma“ die alle nur “Momma“ nennen. Sie wiegt inzwischen 500 Pfund und hat das Haus seit 7 Jahren nicht mehr verlassen…, seitdem der Vater von Gilbert, Arnie und ihren Schwestern Amy und Ellen tot ist. Eine “kauzige Familie“. Regisseur Hallström beschreibt und beobachtet sie mit leiser Ironie, mit Respekt und lächelndem Verständnis. Eines Tages hält ein Campingwagen mal an. Eine Panne zwingt Becky und ihre muntere Großmutter zum vorübergehenden Aufenthalt. Für Gilbert wird die Begegnung mit Becky zum Wendepunkt in seinem Leben. Und auch Zuhause kommen “die Dinge“ nunmehr und buchstäblich “in Bewegung“.

“Gilbert Grape“ ist eine Fabel vom Land. Die nicht provozieren, nicht krakeelen und herumtoben, sondern einfach “nur“ “erzählen“ will. “Alle meine Filme haben den Anspruch, wahrhaftig zu sein“, sagt Regisseur Lasse Hallström. “Wenn Sie das Leben abbilden wollen, dann müssen Sie Drama und Komödie solange neu definieren, bis das Leben selbst dramatisch und komisch wird“. Sein Film besitzt. unaufdringliche menschliche Züge, ist human und lässt den Personen genügend Ruhe und Raum zur Entfaltung, “Gilbert Grape“ ähnelt diesen schönen, alten, zeitlosen Filmen, die - “ohne Staub“ anzusammeln - mehr auf Blicke, Gesten und Landschaftsstimmungen als auf große Worte setzen.

Johnny Depp, Pop-Idol und Schauspieler, durch Filme wie “Edward mit den Scherenhänden“, “Arizona Dream“ und “Benny & Joon“ bekannt geworden, ist Gilbert. Eine Provinz-Pflanze mit Charakter und Träumen, den die Liebe “erwischt“. Partnerin Juliette Lewis zählt zu d e n Entdeckungen im amerikanischen Kino. In “Kap der Angst“ brillierte sie als Nick Nolte-Tochter; in “Ehemänner und Ehefrauen“ verdrehte sie als verhuschte Studentin Woody Allen den Kopf; und als Proleten-Mammsell war sie in “Kalifornia“ eine Wucht. Ein sympathisches Gespann, das von Lasse Hallström feinfühlig durch die Gegend geschickt wird.

“Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ ist ein kleiner, schöner, wertvoller Film, ist ein Film zum fröhlichen wie stillen Genuss (= 4 PÖNIs).

GIRLS‘ NIGHT“ von Nick Hurran (GB 1998; 102 Minuten; Start D: 05.11.1998). Mit Filmen wie “Lügen und Geheimnisse“, “Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten“ und “Ganz oder gar nicht“ hat das britische Kino in den letzten Jahren beträchtliches Aufsehen erregt - und ebensolches Ansehen erreicht. Einer der Erfolgsgründe: Die hierbei geglückte Mischung aus Alltagsrealismus und Kino-Gefühl. Der Debüt-Spielfilm des 38jährigen NICK HURRAN, einem Londoner Fernsehfilm-Profi, ist auch aus solch kostbarem “dramaturgischem Holz“ gestrickt. Hurran blickt zunächst auf das triste Dasein in dem nordenglischen Provinz-Ort Rawtenstall.

Dort leben Dawn und Jackie, zwei Frauen Mitte 40. Sie arbeiten in einer Fabrik am Fließband und sind dick befreundet. Dabei können sie unterschiedlicher gar nicht sein: Während Dawn mit Ehemann und zwei halbwüchsigen Kindern in einem kleinen, fast abgezahlten Reihenhaus eine eingefahrene Beziehung führt, betrügt die lebenslustige, sich vernachlässigt fühlende Jackie ihren Ehemann fast im Akkord. Jeden Freitag steht die große Abwechslung auf dem Programm, es ist “Girls‘ Night“, Frauenabend - man spielt Bingo. Als Dawn dabei den Haupttreffer landet und 100.000 Pfund gewinnt, ändert sich das Leben der Freundinnen schlagartig. Man teilt den Gewinn, wie vereinbart. Dann verlässt Jackie umgehend Haus, Hof und Gatte, findet aber auch bei ihrem Derzeit-Geliebten kein Glück. Als sie aber erfährt, dass bei Dawn wieder die Krebserkrankung ausgebrochen ist, beschließt sie, gemeinsame Träume umgehend zu verwirklichen. Neues Motto: Ab ins Paradies, ab nach Las Vegas.

2 Frauen, eine tödliche Krankheit, der Ausbruch: Die Geschichte um Schmerz, Angst und Lust hätte leicht abrutschen und ins kitschige Aus umkippen können. Der Film “GIRLS‘ NIGHT - Jetzt oder nie“ aber vermeidet klischeehafte, verlogene Klippen. Mit feinem Gespür für Humor an der richtigen Stelle, mit der erzählerischen Kunst, bekannte Lebenssituationen und versöhnliche Emotionen glaubhaft zu transportieren, gelingen der Drehbuch-Autorin Kay Mellor und Regisseur Nick Hurran ein beeindruckendes Plädoyer für wahre Freundschaft und Liebe. Natürlich liegt das zuallererst an den überzeugenden beiden Hauptakteurinnen: BRENDA BLETHYN war ja schon als überraschte Adoptivmutter und Arbeiterfrau in Miko Leighs “Lügen und Geheimnisse“ eine darstellerische Größe, und auch hier zeigt sie sich als vom Schicksal gebeutelte und nie resignierende Frau aus der Unterschicht mit unglaublicher Kraft und Sensibilität.

Julie Walters dagegen, als Jackie, dampft mit selbstbewusster Energie und lustvollem Temperament durch die existenzielle Szenerie: Ebenso eine schauspielerische Glanzleistung! Überhaupt: Dieses mitreißende Zusammenspiel der beiden verschiedenen Frauen-Typen und ihre jeweilige ganz eigene “Power“ erweist sich als künstlerischer wie emotionaler Glücksfall für diesen neuen britischen Film „Girls‘ Night“. Sozusagen eine feine Achterbahnfahrt der Gefühle. In die dann übrigens auch noch Kris Kristofferson als Lonesome Cowboy stil- und würdevoll hineinplatzt.

Komödie, Sozialdrama, Tragödie - auf jeden Fall ist der Film “Girls‘ Night - Jetzt oder nie“ von Nick Hurran erneut außergewöhnliches, bewegendes britisches Erzähl-Kino. Und “sehenswert“ ganz sicherlich nicht nur für Frauen..., ganz im Gegenteil (= 4 ½ PÖNIs)!

GIULIAS VERSCHWINDEN“ von Christoph Schaub (Schweiz 2009; B: Martin Suter; 87 Minuten; Start D: 04.02.2010); der 51jährige Schweizer Produzent und Regisseur ist bei uns wenig bekannt. Sein Episodenfilm „Happy New Year“ von 2008 wurde beim vorjährigen Internationalen Filmfest in Moskau präsentiert, erhielt 4 Nominierungen für den „Schweizer Filmpreis“, wurde aber hierzulande nie aufgeführt. Für seinen neuesten Film, der mit mehr als 160.000 Besuchern im Vorjahr der erfolgreichste Schweizer Jahreskinofilm war, konnte der 61jährige Schweizer Erfolgsautor MARTIN SUTER („Small World“1997/“Lila, lila“/2004, neulich als enttäuschende wie erfolglose deutsche Produktion kurz im Kino; „Der letzte Weynfeldt“/2008) als Drehbuch-Autor gewonnen werden.

Brandaktuelles Gesellschaftsthema: Das Älter-Werden. Menschen, die „in die Jahre“ kommen/gekommen sind. Frauen wie Männer. Dabei im ersten Blickpunkt: Die gerade 50 Jahre „jung“-alt gewordene Giulia. Auf dem Weg zu ihrer Geburtstagsfeier, mit Freunden beim „Italiener“, hält sie „inne“. Fährt „weiter“. Mit dem Bus. Kuckt sich um, schaut, registriert, bilanziert, befindet sich in „traumatischer“ Melancholie-Stimmung. Von wg. „Nun-50“. Eine Laune, die sie gar nicht mag, verstehen, begreifen will. Meine Güte, 50, ich bin doch noch „toll“, sehe „einigermaßen“ aus. ODER? Währenddessen erleben wir „ihre Freunde“ in der Lokalität. Wie DIE sich anfurzen. Wie DIE sich aufplustern. Wie DIE dauersticheln. Sich lächerlich benehmen. Dummbazig daherreden. Wie DIE sich angiften (ich wäre dort nicht sitzengeblieben, sondern abgehauen; die wären mir allesamt zu unangenehm, zu „tückisch“).

„Giulias Verschwinden“ zerfällt in zwei Teile, die leider sehr unterschiedlich im Niveau ausfallen. Da ist diese Clique aus selbstgefälligen, sich selbst überschätzenden, sich andauernd verletzenden Freundes-Herrschaften. Deren „Botschaft“ immer nur dieselbe ist: ICH BIN DOCH NICHT ALT! Ich bin doch noch „toll“. Wieso, weshalb, warum wird vehement erklärt, langwierig ausgetragen, vollmundig ausgepustet. Und natürlich benehmen SIE sich dabei zumeist alibi-lächerlich, blöd, unangenehm, einfach doof. Hörspiel-Charme verbreitet sich. Mit verbalem Gemetzel. Auftritt hier, Ansage dort, Gegenantwort dort; die Typen sind klar und deutlich fixiert und „ändern“ sich auch nicht (mehr); nach einigen Minuten hat man´s kapiert, überschaut, zur Kenntnis genommen. Man diskutiert über Bauch + Falten, Sportschuhe, Vergeßlichkeit, das Altern, klar, undsoweiter undsoweiter. Das ganze Dauer-Palaver-Programm. Mit vielen Sticheleien. Daneben mischt noch eine freundliche ältere Dame mit, die zum 80. Geburtstag ihrer Freundin ins Altersheim fährt, wo sich gerade die Jubiläums-Mama und ihre spießige Tochter ein ruppiges Duell liefern. Eindeutige Punktsiegerin dabei: Die nicht nur gedanklich rüstige Oma. Und dann wuseln noch zwei Teenie-Girlies herum und klauen im Kaufhaus Sportschuhe. Alle treffen schließlich im besagten italienischen Restaurant zusammen. Auch Giulia. Aber: DIE hat inzwischen einen außerordentlich interessanten älteren Herrn kennnengelernt. Und mit DEM die ganze Zeit, angeregt wie trinkfreudig wie gemütlich plaudernd, an einer Hotel-Bar verbracht.

Diese ihre Begegnung ist filmischer Highlight. Denn WIE hier die bezaubernde, wunderschöne, energische wie „konfuse“ CORINNA HARFOUCH („Whiskey mit Wodka“) und der unwiderstehliche, amüsante, liebenswerte BRUNO GANZ („Vitus“) als unwiderstehlicher Charme-Bolzen und „George Clooney im Alter“ loslegen, flirten, „duften“, argumentieren, ist Beziehungstalk vom Feinsten. Leider viel zu kurz, denn immer müssen wir uns mit diesen „anderen Frust-Hanseln“ in der Gastronomie befassen, obwohl man viel lieber und noch viel mehr bei Corinna & Bruno wäre. MEHR von DENEN „hätte“. Die Ensemble-Akteure (wie Stefan Kurt, André Jung, Teresa Harder, Sunnyi Melles…) geben sich allesamt gute (Körper-)Sprachmühe, können aber eine schnelle Reizlosigkeit, Farblosigkeit, Gleichgültigkeit nicht überpinseln. Zu wenig „Fleisch“ geben die schrillen, überdrehten Klischee-Aha-Figuren mit ihren bekannten, „erwarteten“ Meinungen her. Einzig wenn die Titelheldin und ihr „Altersprinz“ auftreten, wird es herrlich pointiert, amüsant-leicht, wunderschön-intim. Ansonsten: Quassel-Kino, das beim vorjährigen „Locarno-Festival“ den Publikumspreis gewann und neulich in Saarbrücken Eröffnungsfilm beim „Max- Ophüls-Festival“ war. Mmmmh (= 2 ½ PÖNIs).

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