Mit dem Slogan “KINO IST DAS GRÖSSTE“ startet die deutsche Film-Branche derzeit eine spektakuläre Kampagne zur Ankurbelung des Besuchs und zum weiteren Image-Gewinn. Dabei kann man diesen Werbe-Spruch gerade jetzt wortwörtlich nehmen, denn DAS VIECH, das in dieser Woche bundesweit über die Kino-Leinwände stolziert, ist in der Tat...riesig:
„GODZILLA“ von Roland Emmerich (USA/Japan 1998; 139 Minuten; Start D: 10.09.1998).
“Size does matter/Größe zählt“ - mit dieser zünftigen Aussage und mit einem aggressiven 50 Millionen Dollar-Werbefeldzug versuchte der Konzern-Gigant Sony in diesem Sommer den US-Amerikanern den Filmbesuch seines neuen, gigantischen Monsterfilms “Godzilla“ schmackhaft zu machen. “Es ist so groß wie dieses Gebäude“, stand auf New Yorker Hochhäusern zu lesen. Doch selbst diese bombastische Werbekampagne ließ viele Amis kalt “Godzilla“ war in den Staaten nur ein vergleichsweise bescheidener Erfolg „angesichts der 125 Millionen Dollar Produktionskosten“, die dem 42jährigen Roland Emmerich, dem Fabrikantensohn aus Sindelfingen, zur Verfügung standen. Seit Emmerich 1996 mit dem für 70 Millionen Dollar produzierten Streifen “Independence Day“ weltweit über 800 Millionen Dollar einspielte, genießt er in Hollywood Narrenfreiheit. Mangels eigener Einfälle besann sich der Regisseur und Autor Emmerich für sein nächstes Projekt auf eine alte Figur aus der Fantasy- und Horrorgeschichte, auf eben GODZILLA. Godzilla wurde am 3. November 1954 geboren. Sein Vater war der japanische Produzent Tomoyuki Tamaki. Dem war das amerikanische B-Movie in New York von 1953 - mit den erstaunlichen Tricks von Ray Harryhausen - in guter Erinnerung geblieben.
Story: Atomversuche am Nordpol erwecken ein Saurierungetüm wieder zum Leben. In der japanischen Version wurde daraus ein Tyrannosaurus mit den Rückenplatten eines Stegosaurus und dem Schwanz eines Alligators. “Godzilla“ wurde ein solcher
Hit, dass zwischen 1954 und 1995 weitere 22 Monsterfilme folgten. Roland Emmerich lässt nun also dieses Ur-Viech wiederaufleben - und das mitten in New York.
Jede Menge Autos werden plattgewalzt. Wolkenkratzer werden ständig aufgeschlitzt. Der Madison Square Garden wird zerbombt. Und schließlich wird auch noch die Brooklyn Bridge auseinandergenommen. Und wofür das alles… ???
Der neue “Godzilla“-Film von Roland Emmerich setzt das fort, was der Regisseur am besten kann - mit Puppen tricksen und am Computer seelenlos hantieren. Die sogenannte Geschichte hier ist ein einziger Klischee-Witz und passt auf jeden Bierdeckel: Großes, lautes Monster gegen kleine, dumme, immer nur penetrant staunende und dann blöd‘ herumschreiende und herumschiessende Menschen...bestehend aus: Dem ebenso arroganten wie aggressiven Militär; den schleimigen Politikern; dem natürlich naiven, verliebten Wissenschaftler und der doofen, aber karrieregeilen Journalisten-Blondine. Dazu: Fast nur Dunkelheit. Es regnet nämlich ununterbrochen. Ansonsten: Hubschrauber dröhnen, Uniformträger brüllen, Beamte lügen, die Musik betäubt und Godzilla grunzt. Wie eh und jeh.
Einzig ein paar französische Geheimagenten mit patriotischem Auftrag und Anliegen sorgen manchmal für bescheidene Lacher.
Die meiste Zeit der 138 Filmminuten aber ist der Film absolut bierernst und dabei...fürchterlich einfältig. Dieser neueste Monsterstreich von Roland Emmerich ist nur ein einziger Dauer-Krach; ist eine dramaturgische wie geistige Niete; ist ein auf Dauer ermüdender Trick-Blödsinn; ist also die pure, seelenlose LANGEWEILE.
“Godzilla“ oder: Eine lächerliche, klägliche und äußerst billige... teure Hollywood-Show (= 1 PÖNI)!!!
„GOETHE!“ von Philipp Stölzl (Co-B+R; D 2009/2010; 99 Minuten; Start D: 14.10.2010); der Sohn des bekannten Historikers und CDU-Politikers Christoph Stölzl fing mit Music-Clips an (für Madonna „American Pie“) und mit Werbefilmen. Ist seit Jahren auch als Opernregisseur aktiv. Nach „Baby“, dem Debüt von 2002, sowie dem verunglückten Bergsteiger-Drama „Nordwand“ von 2008 ist dies der 3. Kinofilm des 43jährigen Münchners.
Thema diesmal: Der „olle Goethe“ (1749 – 1832) einmal anders, nämlich jung. Und swingend. Anno 1772. In Straßburg. Johann Wolfgang, unruhige 22, ist beileibe noch nicht der bedeutende Dichterfürst der Deutschen, sondern träumt davon, mal ein „mächtiger Poet“ zu werden. Stichwort: Selbstverwirklichung. Der Vater aber stellt sich dagegen. Der nämlich (HENRY HÜBCHEN als moderater Stichwortgeber) befindet, dass sein Sohnematz viel zu viele dichterische Flausen im Kopf habe und deshalb die monatliche finanzielle Unterstützung nicht (mehr) verdiene. Schließlich soll er „was Rechtes“ lernen. Jura. Doch Johann fällt „munter“ durch die Doktor-Prüfung, woraufhin ihn der Herr Papa in die Provinz nach Wetzlar verbannt. Dort soll er als Referendar beim Reichskammergericht die poetischen Verse ausgetrieben bekommen. Haben doch seine ersten dichterischen Versuche („Götz von Berlichingen“) keinen Verlag interessiert, also keine Einnahmen gebracht. Der mittellose Johann muss der strengen väterlichen Anweisung folgen. Und eckt mit seiner Lockerheit und der offenen Lebensart bei seinem neuen Vorgesetzten, dem staubigen Gerichtsrat Kestner (MORITZ BLEIBTREU), prompt an.
Doch der kesse Rechtspraktikant findet auch hierfür eine erst fachliche dann persönliche Lösung. Weil er nicht nur beruflich sich als pfiffig erweist, sondern auch als guter privater Ratgeber. Der arg verklemmte Bürokrat Kestner hat sich nämlich „offiziell“ verliebt und vermag „damit“ nicht umzugehen. Goethe weißt ihm „den Weg“, nicht ahnend, dass es sich bei der Holden um SEINE LOTTE handelt. Lotte Buff, so heißt sie wirklich (MIRIAM STEIN als gespaltenes Charming-Girl). In die er sich – zuerst – „verguckt“ hat. Die muss aber dem väterlichen Diktat folgen und soll eine (für ihre Family) finanziell „lukrative“ Pflichtehe eingehen. Obwohl sie doch lieber den Johann mag. Aber die Zeiten sind halt so. Herzens- und Seelenschmerzen sind die dramatischen Folgen. Und ein Roman, der DAS ALLES verarbeitet. Traurig, verzweifelt, energisch: „Die Leiden des jungen Werther“. Durch den allerdings wird Johann Wolfgang DIE LITERARISCHE ENTDECKUNG, mutiert zum umjubelten, gefeierten Superstar-Dichterfürst. Wie der Gewinner in einer heutigen Casting-Show. Viel Beifall vom Volk. Ende. Und Anfang.
Was ist Dichtung, was Wahrheit? Fifty Fifty?
Die Sturm- und Drangzeit des Genies wird flott, locker als Drama, Love Story, Ausstattungsrevue, Kostümkintopp und Biographie daher-erzählt. Erinnert fern an „Shakespeare in Love“, ohne dessen Schwung, Esprit und Charme-Wildheit zu erreichen. Hier geht es vergleichsweise „zahmer“ zu. Wenngleich visuell und darstellerisch durchaus ansprechend: ALEXANDER FEHLING (29/“Am Ende kommen Touristen“/2007) mimt flott-flockig-locker-beschwingt den sensiblen, draufgängerischen Denker und Lenker, der sich auf dem beschwerlichen Weg, auf dem unruhigen Sprung ins (wie WIR wissen) große Dichter-Dasein befindet. Frisch, fröhlich, unfromm, frei agiert er zu diesen ritualisierten Zeiten. Als schmucker Privat-Rebell. Auf holprigen Matsch- und Seelen-Wegen. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Ganz der leidende „Werther“ schließlich.
Jahah, warum denn nicht auch mal „so“. Wenngleich man immer auch den gefühlten Unterhaltungshauch des einengenden, trockenen, „sicheren“ Förderkino-Fernsehens spürt (Mitteldeutsche Medienförderung; Film Fernsehfonds Bayern….-.). Von wegen Wollen, Können, Dürfen….
So richtig „befreites“ Großleinwand-Kino mit viel originellem, witzigem Spektakel-Geistes-Abenteuer ist „Goethe!“ halt nicht. Für einen ordentlichen deutschen Mittelspaßdenkfilm hat es aber allemal gereicht. Fußballerisch gesprochen: Ein unterhaltsames Unentschieden (= 3 PÖNIs).
„DER GOLDENE KOMPASS" von Chris Weitz (USA/GB 2007; 113 Minuten; Start D: 06.12.2007); einem heute 37jährigen Drehbuch-Autor, Regisseur und Produzenten, der viel mit seinem Bruder Paul Weitz zusammenarbeitet und über Filme wie "About A Boy oder Der Tag der toten Ente" (2002/mit Hugh Grant), "American Pie 1 + 2" und zuletzt "Reine Chefsache" (2004) bekannt wurde. Und der hier Fantasy-Literatur des britischen Schriftstellers PHILIP PULLMAN adaptiert hat: Der verkaufte seine Fantasy-Roman-Trilogie "Der goldene Kompass", "Das magische Messer" und "Das Bernsteinteleskop" weltweit rd. 14 Millionen mal. Nach den kommerziellen GROSSErfolgen von "Der Herr der Ringe" und "Harry Potter" versucht sich nun eine weitere Produktion am Fantasy-Kommerz-Rausch. Allerdings - vergeblich.
Chris Weitz (B+R) erzählt nur überaus dauer-geschwätzig und sinn- wie Seelen-leer von einem merkwürdigen Fantasia-Land, in dem Tiere für die Menschen nicht nur Begleiter, sondern auch ständig sich verändernde Seelenverwandte sind/sozusagen das zweite Ich in Tiergestalt bedeuten. (Ein durchaus reizvoll-spannendes Thema, das aber kaum nähere Beachtung/Erklärung findet; leider nur nebensächlich "hingestellt" wird/wirkt). Im Übrigen geht es um ein meistens trauriges 13jähriges Waisen-Mädchen namens Lyra (Newcomerin Dakota Blue Richards/ebenso nett wie unerheblich), die in einer Parallelwelt erlösermäßig herumwuselt, weil irgendein geheimnisvoller Staub die menschliche Existenz bedroht. Mal bekriegt sich eine Eisbären-Armee, mal soll der Titel-Kompass in Richtung Wahrheit weisen, was weiß ich, es ist völlig gaga-belanglos-wurscht-unerheblich, was so abläuft/passiert; und NICOLE KIDMAN sowie "Bond" DANIEL CRAIG haben sich ihre unergiebigen wie "egalen" Kurz-Auftritte- hier sicherlich fürstlich entlohnen lassen. Sonst würden sie bei einer solch "humorlosen Materialschlacht" ("Spiegel") nicht ihren guten Namen hergegeben haben.
Ein 150 Millionen Dollar-Flop, ohne jedwede Charakter-Tiefe oder psychologische Glaubwürdigkeit, ohne Neugier, Spannung oder Anteilnahme zu erreichen, ohne Spaß/Seele/Sinn, mit, okay, bisweilen ganz reizvollen, verblüffenden Special-Computer-Effects. DIE aber "wirken"/"stehen" im Grunde nur für sich allein. Insgesamt: Dies hier ist eisig-kaltes Entertainment, ist eine völlig überflüssige Langeweile-Fantasy-Show (= 2 PÖNIs).