Valid XHTML 1.0 Transitional

Filmtitel von Jaa - Jal

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

J. EDGAR“ von Clint Eastwood (R+Musik; USA 2011; B: Dustin Lance Black; K: Tom Stern; 137 Minuten; Start D: 19.01.2012); die Nennung des Drehbuch-Autoren “lohnt” sich, immerhin handelt es sich um DUSTIN LANCE BLACK, der für das „Beste Originaldrehbuch“ zu „Milk“ 2008 den „Oscar“ gewann. Und hier für die 33. Regie-Arbeit des mittlerweile 81jährigen vierfachen „Oscar“-Preisträgers CLINT EASTWOOD („Erbarmunglos“; „Million Dollar Baby“) eine exzellente Sezier-Vorlage lieferte.

ER war einst einer der mächtigsten Männer im Zirkel der Macht in den USA: JOHN EDGAR HOOVER (1.1.1895 – 2.5.1972). Erst wollte er presbyterianischer Priester werden, studierte dann jedoch „Rechte“ an der George-Washington-Universität. Ab 1917 begann er für das US-Justizministerium zu arbeiten. Wurde zum strebsamen Feldherrn gegen das Unrecht. Das die USA ständig bedrohte: Durch Kommunisten vor allem, Freidenker, Radikale, Verbrecher. „Verdächtige“ Ausländer. Engagierte sich fortan vehement für den „Dienst am Vaterland“. „Schaffte“ sich hoch. Wurde zum Polizeichef der Vereinigten Staaten von Amerika. Baute die seit 1908 existierende „Ermittlungsbehörde“ („Bureau of Investigation“) zum „Federal Bureau of Investigation“, zum FBI, um. Führte die Kontrollwut ein. Mit Spurensicherung, Wanzen und Bespitzelung. Legte eine Zentralkartei mit Millionen von Fingerabdrücken an. Installierte den „Überwachungsstaat“. Sicherte mit „privaten Geheimakten“ seine Macht. Und Position. War vom 10. Mai 1924 bis zum seinem Tod am 2. Mai 1972 Direktor des FBI. „Überlebte“ 16 Justizminister und 8 US-Präsidenten („Mir ist egal, wer unter mir Präsident ist“). Als Richard Nixon die Nachricht von seinem Tod erhält, lässt er zuerst dessen Büro filzen, bevor er offiziell kondoliert. Das Hauptquartier des FBI befindet sich heute in Washington D.C., auf der Pennsylvania Avenue, und heißt J. Edgar Hoover-Building.

Beschützer oder Schurke?: Für die Einen zählt er zu den „effektivsten“ Amerikanern, der stets für die Interessen des Landes eintrat („Recht hat, wer Recht schafft“), für die Anderen gilt er als diktatorisches Monster. Der die KULTUR DER ANGST in den USA professionalisierte. Sich über seine Arbeit, sein „Wirken“, definierte. „J. Edgar Hoover war kein Priester, aber auf jeden Fall hat er das FBI als seine Kirche angesehen“ (Leonardo DiCaprio im Presseheft). Drehbuch-Autor Dustin Lance Black und Regisseur Clint Eastwood interessieren sich weniger für die direkten politischen Geschehnisse jener Jahre, Jahrzehnte, jener Epoche, sondern folgen dem Menschen J. Edgar. Diesem schon jungen Streber. Seiner getriebenen Person. Der seine dominante Mutter abgöttisch verehrt, als Ratgeberin „benötigt“ (JUDI DENCHI) und mit ihr bis zu ihrem Tod zusammenlebt. Da ist er 43. Und duldet nur einen kleinen Kreis von Vertrauten um sich: Sekretärin Helen Grandy, die sehr früh einen Heiratsantrag von ihm ablehnte, ihm aber beruflich treu wie diskret ergeben bleibt (NAOMI WATTS), sowie sein galanter Freund, Stellvertreter und möglicher heimlicher Liebhaber Clyde Tolson (formidabel: ARMIE HAMMER/“The Social Network“): „Offensichtlich gibt es hier eine Liebesgeschichte. Ob es eine schwule Love Story oder etwas anderes ist, können die Zuschauer für sich entscheiden“ (Clint Eastwood in der „New York Times“).

Zu Anfang des Films diktiert der alte Hoover seine Memoiren und „starken Taten“ einem jungen Kollegen und Biographen in die Feder und Schreibmaschine. Und so springt der Film in die Zeitzonen. Filtert informative, spannende Ereignisse heraus. In diesem eigenwilligen, „pompösen“, „dennoch“ unbefriedigten Leben als einer der mächtigsten US-Bürger des 20. Jahrhunderts. Dessen Ruhmsucht wie seine Paranoia für immense „Störungen“ im „amerikanischen Dasein“ sorgte. Der schließlich Martin Luther King für einen „ekligen Rassisten“ hielt. Und DER uns nun von einem sensationell auftrumpfenden 36jährigen LEONARDO DiCAPRIO eindringlich nahegebracht wird. Mit und in grandioser Maske. Die körperliche wie die körpersprachliche Leistung vom noch „Oscar“-losen DiCaprio, der 2005 für seinen faszinierenden Part als Flugpionier Howard Hughes in „Aviator“ mit dem „Golden Globe“ ausgezeichnet wurde, ist vorzüglich. Überzeugend. Brillant. „Rundum“ packend. Leonardo DiCaprio unterstreicht einmal mehr, derzeit zu den Besten der besten Schauspieler in Hollywood zu zählen. Eine „Oscar“-Trophäe wäre längst verdient.

Der Film „J. Edgar“ von Clint Eastwood ist eine kluge, unterhaltsame amerikanische Geschichtsstunde. Ist ein spannender Denk-Film über eine bedeutende wie giftige Lebens-Zeit aus dem kürzlich vergangenen 20. Jahrhundert (= 4 PÖNIs).

JACK REACHER" von Christopher McQuarrie (B+R; USA 2011/2012; 130 Minuten; Start D: 03.01.2013); 1996 bekam er den "Oscar" für sein "Bestes Originaldrehbuch" zu dem heutigen Kult-Thriller "Die üblichen Verdächtigen" (von Bryan Singer). Im Jahr 2000 kam sein erster eigener Regie-Kinofilm (nach eigenem Drehbuch) heraus: "The Way of the Gun" (mit Benicio Del Toro, Ryan Phillippe + James Caan), ein knallharter Thriller. Für den (unsäglichen) Stauffenberg-Film "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" von Bryan Singer, Erscheinungsjahr 2008, mit Tom Cruise in der Titelrolle, schrieb er am Drehbuch mit. In seinem zweiten "ganz" eigenen Film setzt der 44jährige CHRISTOPHER McQUARRIE wieder in der Führungsrolle auf - den inzwischen 50jährigen - smarten, 1,70 Meter großen TOM CRUISE. Als Kracher-Helden und ehemaligen Militär-Polizisten Jack Reacher. DEN 1,96 Meter großen und über 100 Kilogramm schweren Typen hat der 1954 im britischen Coventry geborene (heute in New York lebende) Thriller-Autor Jim Grant 1997 unter dem Pseudonym LEE CHILD erfunden. 17 Romane, in 95 Ländern über 60 Millionen Mal verkauft, sind mit dem besonders bei den US-amerikanischen "Rednecks", also den Ultrakonservativen im Süden, beliebten Serienhelden bislang erschienen, der laut Roman-Angabe am 29. Oktober 1960 auf einer Militärbasis in West-Berlin geboren wurde.

Jack Reacher ist ein "anständiger" Ami-Rächer. Eine Art moderner US-Western-Held. Im "üblichen" Law and Order-Stil. Sozusagen ein neuzeitlicher "Django", der für Schwächere eintritt. Die ansonsten "im System" keine Chance haben. Jack ist intelligent, natürlich belastbar, sportiv, mit unbedingter Willensstärke und "intelligenter Kraft" ausgestattet. Und: Natürlich ist er ein anonymer, zynischer Solist. Ohne Adresse, Handynummer oder E-Mail-Anschrift. Er hat keinen festen Wohnsitz, geht nie eine längere Beziehung ein und verfügt seit der Ermordung seines Bruders über keinerlei familiäre Bindungen. Sein einziger ständiger Begleiter ist eine zusammenklappbare Reisezahnbürste. Seit der Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen in den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 führt er gezwungenermaßen ein Ausweisdokument und eine Geldautomaten-Karte bei sich. Jack erscheint nur auf der Bildfläche, wenn er gefunden werden will bzw. "gebraucht" wird. Er bemüht sich, bei seinen Reisen kreuz und quer durch die USA möglichst wenige, eigentlich gar keine Spuren zu hinterlassen. Seine Gegner, gemeine "unbestrafte" Gesetzesbrecher, tötet Jack Reacher ohne Gewissensbisse, Auf die Frage, ob es ihm überhaupt nichts ausmache, soeben fünf Verbrecher gekillt zu haben, antwortet er einmal (im Roman), dass es ja schließlich auch nichts weltbewegendes ist, wenn allgemein Anti-Kakerlaken-Pulver ausgestreut wird. Für seine Fälle tut er sich - manchmal absichtlich, bisweilen gezwungenermaßen - mit Polizei oder Geheimdienst zusammen. Das erste Jack Reacher-Movie basiert jetzt auf dem 2005 veröffentlichten 9. Roman "One Shot", der hierzulande 2008 unter dem Titel "Sniper" herauskam und über 100.000mal verkauft wurde. (Insgesamt wurden in Deutschland über 600.000 Jack Reacher-Romane verkauft).

Der Film kann nichts dafür. Dass man bei seiner Story unweigerlich an den kürzlich verübten Amoklauf eines 20jährigen in Newton, einer Kleinstadt im Südwesten Connecticuts, mit 27 Toten denkt. Denken muss. Im Zentrum von Pittsburg erschießt ein Scharfschütze scheinbar willkürlich fünf Passanten. Der Täter wird ermittelt, dabei handelt es sich um den ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr (JOSEPH SIKORA). Die Indizien sind eindeutig. Doch während des brutalen Verhörs erklärt dieser nur kategorisch: "Holt Jack Reacher!". DER hat eigentlich noch eine "alte Rechnung" mit Barr offen. Denn Barr tötete während des Golfkrieges vier Menschen, wurde jedoch aus politischen Gründen nicht verurteilt. Und ausgerechnet dieser James Barr ruft jetzt nach IHM, nach Jack?

Natürlich, ein vermeintlicher Routinefall ist nie ein Routinefall, sondern ein Komplott. In DAS nun ein Jack Reacher "doll" hineinstößt. Dabei macht er sich natürlich ebenso einflussreiche wie äußerst skrupellose "hochrangige" Feinde. Das Presseheft: "Gemeinsam mit der kühlen Anwältin Helen Rodin (ROSAMUND PIKE) und dem Kriegssveteran Cash ((ROBERT DUVALL) begibt sich Reacher auf eine nervenzerreißende Verfolgung des Bösen". Ach nö. Dieses, besser DIESER Bösewicht heißt "The Zec", ist ein ehemaliger sowjetischer Gefangener und wird vom exzentrischen bajuwarischen "Kinski"-Regisseur WERNER HERZOG "akzentvoll" und mit abgebissenen Fingern lächerlich dargeboten. Wie überhaupt diese Spannungschose unter sehr viel Spannungslosigkeit leidet. Jack Reacher alias Tom Cruise ist etwas Bond, besitzt ein bisschen was von "Dirty Harry", hat ein wenig was von Jason Bourne, kennt "seinen" Ethan Hunt (aus "Mission: Impossible") und drückt auch ein (schlechtes) Stück vom "Transporter" Frank Martin aus. Ist also ein Häppchen-Held mit Bastard-Charakter, ohne eigene "richtige", sprich spannend-interesssante Identität. Wirkt formatlos, also erheblich aufdringlich, wenig präsent, matt charismatisch, geradezu "simpel" 08/15-haft. Vermag als Spannungsführungsfigur wenig überzeugen. Zudem wird - bei dieser nebulösen Grundstücksspekulations-Arie - viel zu viel platt gequatscht, die "Anwältin"-Partnerin Helen, also Rosamund Pike, besitzt einen ausgesprochen dussligen Quatsch-Charme. (Kein Wunder, dass sie immer nur Nebenrollen-besetzt wird wie einst als schmückendes Bond-Girl in "Stirb an einem anderen Tag"/2002). Während der hochgeschätzte 81jährige Hollywood-Veteran Robert Duvall sich "bequem" ein paar Dollar zu seiner Rente hinzuverdient. Und der gute RICHARD JENKINS ("Ein Sommer in New York - The Visitor") als dagegenhaltender Helens Vater, Staatsanwalt Alex Rodin, routiniert besetzt ist.

Dieser erste "Jack Reacher"-Film jedenfalls ist eine mit den üblichen Action-Utensilien (wie Autojagd, Kloppereien, auf Grimmig-Tun) hantierender - weitgehend spannungsfreier, vorhersehbarer, lebloser Leinwand-Radaustoff. Als meistens vergnügungsfreies Genre-Ami-Kino von der hollywoodschen 08/15-Unterhaltungs-Dutzendstange (= 2 PÖNIs).

JACK UND JILL“ von Dennis Dugan (USA 2011; 91 Minuten; Start D: 26.01.2012); ach, ER ist schon ein komischer Star-Vogel aus Hollywood, dieser inzwischen 45jährige ADAM SANDLER. Der hier als Co-Produzent, Co-Drehbuch-Autor und doppelter Hauptakteur auftritt. Mal mimt er bekanntlich wie erfolgreich den Kasperle-Tölpel („Happy Gilmore“, „Waterboy – Der Typ mit dem Wasserschaden“, „Meine erfundene Frau“), mal zeigt er sich als interessanter Charakterkopf („Die Wutprobe“; neben Jack Nicholson; „Spanglish“), mal ist er „Irgendwer Spannendes--Dazwischen“ („Punch-Drunk-Love“; „Leg dich nicht mit Zohan an“). Dies hier aber ist sein definitiver filmischer Tiefpunkt.

„Jack und Jill“ ist ein Grotten-Movie. Nur schlecht. Doof. Und dämlich. Adam Sandler spielt Jack und Jill Sadelstein. Beide. Sowohl den erfolgreichen Werbefachmann und glücklichen Familienvater (steht jedenfalls im Presseheft so) wie auch seine füllige, tapsige, unterbelichtete Zwillingsschwester Jill. DIE mit dem vielen Schrill-Appeal. Deren Besuch zu Thanksgiving zur nervlichen Bewährungsprobe wird. Für den Bruder ebenso wie auch für uns. Denn die lispelnde Jill ist das genaue Gegenteil von Jack: Ein dauerplappernder stänkernder Pieps-Apparat. Den Bruderherz leider weder aus- noch abzustellen vermag.. Also „kabbeln“ sich die erwachsenen Kinderchen. Permanent. Auf niedrigstem Keller-Kalauer-Niveau. Mit reichlich Furz-„Charme“. Kommentierend begleitet von ihrem Papagei „Pupsi“.

DAS IST ABSTOSSEND. Diese pointenlose, ständig herumwürgende, fade Brüll- & Brachialkomik. Pur. Mit einer Ausnahme: Einem etwa viertelstündigen „Abseits“-Gag, und der heißt ausgerechnet AL PACINO. Es ist eigentlich nicht zu fassen: Al Pacino spielt hier sich selbst und liefert eine kurzweilige Ego-Performance ab. DIE hat zwar mit dem Schwachsinn drumherum nur verkrampft und natürlich nur einfältig konstruiert etwas zu tun, ist aber wenigstens etwas „belebend“. Pacino als „Man of La Mancha“ sieht nämlich in dieser bekloppten Schwester-Tonne Jill so etwas wie seine Dulcinea. Das begreife zwar wer mag, bringt aber für wenige Momente etwas Gagleben in diese ansonsten so armselige, primitive, abgestandene, blödsinnige, belästigende Komödien-Chose. In der übrigens auch das Tom Cruise-Weib KATIE HOLMES als behämmerte Jack-Ehefrau dusslig mitmischt.

Was für ein Zoten-Quatsch! (= 1 PÖNI).

Man muss sich das in etwa “so“ vorstellen: Ein Schriftsteller hat in jungen Jahren bereits d e n Roman seines Lebens veröffentlicht. Oder: Ein Maler malt gleich zu Anfang seiner vielversprechenden Karriere d a s Erfolgs-Bild überhaupt. Der 1963 in Knoxville/Tennessee geborene und in Los Angeles aufgewachsene QUENTIN TARANTTNO schuf im Alter von 31 Jahren mit seinem Film “PULP FICTION“ (s. Kinokritik) d a s Werk, mit dem er nicht nur berühmt wurde, sondern das fortan auch mit allen seinen weiteren Filmen verglichen wird. Glaubte man bis 1994 tatsächlich, im Kino wirklich alles schon einmal gesehen und gehört zu haben, so musste man diese Meinung nach “Pulp Fiction“ revidieren: Der Autor und Regisseur Tarantino bereicherte das Genre-Kino um vielfache und originelle Neu-Einfälle. Seine Zutaten dabei: Keine erzählerische Chronologie, keine Psychologie, keine schnelle Moral, Die phantasievolle Methode hatte Erfolge: Aus 8 Mio. Dollar Produktionskosten wurden schnell über 250 Mio. Dollar Einnahmen-weltweit.

Nach “Pulp Fiction“ war Quentin Tarantino bald der einflussreichste Regisseur in Hollywood. Und natürlich waren alle mächtig neugierig und gespannt, was Tarantino als Nächstes drehen würde. Aber er ließ sich Zeit. Werkelte ein bisschen als Autor, Schauspieler und TV-Serienregisseur herum und ließ sich in Talk-Shows sehen, bevor er endlich an die Arbeit zu seinem nächsten Kinofilm ging. Der nun heißt

JACKIE BROWN“ von Quentin Tarantino (B+R; USA 1997; 154 Minuten; Start D: 16.04.1998) und vertrat die USA u. a. beim diesjährigen Berlinale-Wettbewerb im Februar.

Und: Wer ein Remake von “Pulp Fiction“ oder eine Art Fortsetzung erwartete, wird enttäuscht: “Jackie Brown“ ist “ganz anders“ und doch wieder so ein “typischer Tarantino-Film“ geworden.

Jackie Brown, so heißt eine in die Jahre gekommene schwarze Stewardess in Los Angeles. Jackie Brown ist 44, vorbestraft, ohne Anhang. Um das karge Gehalt bei einem mexikanischen Shuttle-Dienst aufzufrischen, führt sie ab und an Schwarzgeld für einen schurkischen Waffenhändler mit und ein. Als aber die Bundespolizei dahinterkommt, lässt sie sich “umdrehen“. Fortan läuft ein raffinierter Tanz auf dem Vulkan. Motto: Jeder mit jedem bzw. jeder gegen jeden. Ganz wie es die Situation verlangt. Obenauf aber immer: Jackie Brown. Die sich ihr Altersgeld “verdienen“ möchte. Drumherum: Der böse schwarze Mann und seine zumeist weißen und nicht sehr cleveren Adlaten. Zu denen übrigens auch der Ganove Louis Gara gehört: Ein von Robert De Niro mit stoischer Gelassenheit interpretierter Schmalspur-Knacki.

Der Film “Jackie Brown“ basiert auf dem Roman “Rum Punch“ von Elmore Leonard. Leonard, nach dessen Western- und Krimi-Romanen schon zahlreiche Hollywoodfilme entstanden - z.B. “Man nannte ihn Hombre“ mit Paul Newman oder neulich “Get Shorty“ mit John Travolta -‚ er zählt zu den Lieblings-Schriftstellern von Tarantino. Hier aber übernahm er nur die Bausteine des Romans und fügte als Auch-Drehbuch-Autor eigene, neue Reiz-Elemente ein. Die da lauten: Diesmal keine großen Action-Bewegungen, diesmal nicht das stilisierte Blutbad, diesmal nicht die verbalen Auswüchse, sondern: Volle Konzentration auf die Personen/die Charaktere/die Typen.

“Jackie Brown“ ist ein popartiger Schauspieler-Film. Mit PAM GRIER in der Haupt- und Titelrolle: Einer Ikone aus schwarzen Action- und Billigstreifen der 70er Jahre. Die hier als weibliches Kraftbündel ein glanzvolles Comeback feiert. Ihre bemerkenswerten Stichwortgeber heißen immerhin Samuel L. Jackson, Michael Keaton, natürlich de Niro und auch Bridget Fonda sowie ROBERT FORSTER, ebenfalls ein bis dato längst in Vergessenheit geratener Kino- und TV-Serienheld aus früheren Jahrzehnten. Ähnlich wie einst hierzulande Rainer Werner Fassbinder verbeugt sich Tarantino offensichtlich “damit“ vor Idolen aus den Jugend-Filmjahren.

“Jackie Brown“, das ist eine unterhaltsame Pop-Symphonie in Moll, das ist ein cooler, schwarzer Krimi mit viel stimmungsvollem, traumatischem Erinnerungsschrnalz. Von QUENTIN TARANTINO (= 4 PÖNIs).

JACK IN LOVE“ von und mit Philip Seymour Hoffman (USA 2010; 89 Minuten; Start D: 24.02.2011); „es ist nicht schwer, in deiner Nähe in positiver Stimmung zu sein“, lautet eine zutreffende Dialogzeile in diesem Film. Dessen amerikanischer „Deutsch-Titel“ nicht der originale Titel ist. Der lautet „Jack Goes Boating“ und basiert auf dem 2007 erstaufgeführten gleichnamigen Off-Broadway-Bühnenstück von Bob Glaudini, der auch das Drehbuch für den Film verfasste. Für das Regie-Debüt des für mich derzeit mit-besten Schauspielers überhaupt: PHILIP SEYMOUR HOFFMAN. Der auch schon auf der Bühne in dem Titelpart brillierte. Und nun auch die Film-Regie übernahm. Der 43jährige New Yorker „Oscar“-Preisträger („Capote“) gilt als Arthouse-Ikone und hat sich in den letzten Jahren in den unterschiedlichsten Rollen phantastisch hervorgetan: Als ebenso unscheinbarer wie tricksender Bankangestellter und Spieler in „OWNING MAHONY“ (2003/ein Film, den es bei uns noch zu entdecken gilt); als exzentrisches Schriftsteller-Unikum „CAPOTE“ (2005); als mörderischer Sohn und Bruder in Sidney Lumets Meisterwerk „TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG – Before the Devil Knows You´re Dead“ (2007); als lebensfroher Discjockey-Pirat in “RADIO ROCK REVOLUTION“ (2009). Jedes Mal geballte Power-Präsenz pur. Charismatisch, packend, belebend. Ereignisreich. Spannend. Auf- wie anregend. Die „korpulente“ Ähnlichkeit mit dem „späteren“ Orson Welles verblüfft nicht nur äußerlich.: Philip Seymour Hoffman ist ein kreatives Kraftpaket allerbester Seelenstärke und Spielfreude.

Auch hier wieder, wo er sich auf Woody Allen-Terrain bewegt. New York, die „kleinen Mittel-Leute“. Wie Jack. Der ist um die Vierzig und ein netter Solo-Typ. Arbeitet als Chauffeur bei der Limousinen-Vermietung seines Onkels. Lebt ziemlich zurückgezogen, hat bzw. „kann“ mit Frauen wenig. Eigentlich gar nicht. Hört leidenschaftlich gerne Reggae-Musik („Rivers of Babylon“), weil DIESE positive Stimmung verbreitet. Und Jack mag es gerne „positiv“. Seine besten Freunde sind das Ehepaar Lucy und Clyde, der Kollege von Jack. DIE möchten, dass es bei Jack endlich auch zwischenmenschlich „positiv“ verläuft. Verkuppeln ihn mit Connie. Einer eher vorsichtigen wie diskret-romantischen Bekannten und Kollegin aus dem Beerdigungsinstitut von Lucy. Und es scheint zu „klappen“. Jack lernt schwimmen, weil er im Sommer mit Connie im Central Park rudern will, zugleich verspricht er ihr ein selbst hergestelltes Abend-Menü. Kann aber nicht kochen, nimmt deshalb „Nachhilfe“. Beim Küchenchef „Canolli“. Und spult sich langsam aber immer sicherer „nach vorne“.

Das macht Laune - keine „außerordentlichen“ Aufregungen hier, sondern die feine, lächelnde, mehr diskrete „Annäherung“ zweier in die Jahre gekommener emotionaler „Spätstarter“. Währenddessen die ursprünglich „feste“ Ehe-Beziehung von Lucy und Clyde parallel auseinander driftet. Wobei Wasserpfeifen und ein verbranntes Essen maßgeblichen Anteil daran haben. Die Kammerspiel-Bühne auf großer Leinwand. Klappt angenehm, weil liebevoll-nahe wie fein-sensibel erzählt, gespielt. Und sehr schön unaufgeregt. Und weil das (fast identische) Bühnen-Ensemble dies so angenehm-schmunzelnd-natürlich vermittelt. Angeführt vom einmal mehr magischen PHILIP SEYMOUR HOFFMAN.

Dessen Körpersprache und Bewegungen permanente Denk-Volltreffer und Seelen-Zeichen bedeuten. Die ebenso wunderbar mitteilsam wie wunderbar Gefühls-pointiert sind. Eine neuerlich überzeugende Performance dieses Ausnahme-Künstlers. In dessen (Kino-)Nähe sich in der Tat jedes Mal eine „positive Stimmung“ auftut. Und der hier mit AMY RYAN (bekannt aus „Gone Baby Gone“ von Ben Affleck/2007) allerdings auch ein exzellentes Connie-Nervenbündel an seiner Seite weiß. Während John Ortiz und Daphne Rubin-Vega dazu die passenden Vermittler-Figuren mit viel Stichwortgeber-Charme liefern.

„Jack in Love“ ist eine schmunzelnde, feine Kleinigkeit des dezenten, des besseren US-Beziehungskinos (= 3 PÖNIs).

Wenig zu erwarten war eigentlich von dem neuen Adrian Lyne-Film „JACOB‘S LADDER“ von Adrian Lyne (USA 1990; 113 Minuten; Start D: 18.04.1991), der hierzulande noch den Zusatztitel “In der Gewalt des Jenseits“ bekam. Lyne, der durch Filme wie “Flashdance“, “9 ½ Wochen“ und “Eine verhängnisvolle Affäre“ populär wurde, wechselt nun radikal das Genre. Er präsentiert psychologischen Horror mit Krimi- und Politgeschmack.

Ein junger Mann wacht in der New Yorker U-Bahn nach einem Alptraum auf. Eben war er noch bei seiner Einheit in Vietnam und wurde schwerverletzt, jetzt jagt er durch eine düstere Untergrund-Szenerie. Er sieht Dämonen und glaubt paranoid zu sein. Doch als Vietnam-Kumpanen ähnliches passiert, beschließt Jacob den Dingen auf den Grund zu gehen.

“Jacob's Ladder“, “Jacob's Leiter“, ist ein außergewöhnlicher, sensibler, unruhiger Trip in das Unterbewusstsein, ist das schockierende Erlebnis eines Menschen im letzten Augenblick seines Lebens. Adrian Lyne hat einen raffinierten, faszinierenden Psycho-Horror-Traum geschaffen, der in seiner Tiefe und Dichte packt, schüttelt und sehr spannend ist (= 4 PÖNIs).

DIE JAGD“ von Thomas Vinterberg (Co-B + R; Dänemark 2011; Co-B: Tobias Lindholm; 111 Minuten; Start D: 28.03.2013); der 44jährige gebürtige Kopenhagener schloss 1993 als jüngster Absolvent aller Zeiten die „Danske Filmskole“ ab. War Mitte der 1990er Jahre Mitbegründer der „Dogma 95“-Bewegung. Für seinen ersten Kinospielfilm „Das Fest“ erhielt er 1998 bei den Filmfestspielen von Cannes den „Spezialpreis der Jury“. Und viele weitere internationale Auszeichnungen (wie 7 „Roberts“, die dänischen „Oscars“). In seinem neuen Werk „Jagten“ spielt der dänische Star MADS MIKKELSEN, 47, die Hauptrolle. Mads Mikkelsen, bekannt durch die einheimischen Filme „Open Hearts“, „Dänische Delikatessen“, „Adams Äpfel“ sowie durch internationale Produktionen wie „Coco Chanel & Igor Stravinsky“, „Die drei Musketiere“ oder als Gegenspieler von 007 im ersten Daniel Craig-Bondfilm „Casino Royale“, spielt Lucas. DER hat soeben eine „üble“ Scheidung hinter sich. Zudem wurde seine Schule in einer dänischen Kleinstadt geschlossen, so dass er einen Job im örtlichen Kindergarten angenommen hat. Gerade ist der friedliche Typ dabei, sich einigermaßen wieder zu fangen, als er schon wieder vom Schicksal eins mächtig auf die Gusche bekommt. Weil die fünfjährige Klara, Tochter seines besten Freundes und Nachbarn, ihn einer „unzüchtigen Handlung“ bezichtigt. Klar: Kindermund gibt Wahrheit kund. Von wegen. Wir wissen, es ist nur das Dahingeplapper eines gekränkten kleinen Mädchens, das sich von Lucas emotional benachteiligt fühlt. Doch damit löst Klara geradezu eine Lawine aus. In der kleinen Region. Die „Jagd“ ist eröffnet. Auf einen der ihren. Der normale Menschenverstand wird umgehend außer Kraft gesetzt.

Die Stärke des Streifens ist eindeutig seine Absicht. Zu zeigen, WIE in einer überschaubaren Gemeinde die „verdächtige Bemerkung“ eines Kleinkindes einen abscheulichen zwischenmenschlichen „Brand“ auslöst. WIE alleine der Verdacht zu unheilvollem, aggressivem Misstrauen führt. WIE aus Eben-noch-Freunden erbitterte „Feinde“ werden. Können. Die „Logik“ dorthin allerdings hinkt. Gewaltig. Nicht sehr glaubwürdig entwickelt. Dass ein Zusammenhalt plötzlich und kaum glaubhaft dermaßen schlagartig auseinanderbricht, wirkt befremdlich. Konstruiert. Thomas Vinterberg, der in „Das Fest“ die scheinbare Harmonie eines umfangreichen Familienbeisammenseins plausibel platzen ließ, bietet hier arg überzogene wie vorhersehbare, dünne Allgemeinplätze von Angst und Jammern an, um den dramaturgischen wie psychologischen Krimifaden ansetzen zu können. Allerdings kann er auf einen vortrefflichen darstellerischen Erfüllungsgehilfen wie Mads Mikkelsen bauen. Als sowieso schon gebeutelter Lucas lotet er brillant seelische Tiefen aus. Erweist sich erschreckend nahe und beklemmend dicht-präsent als in die Enge getriebener und zum Abschuss freigegebener Mensch. Wie ein wildes Tier aus dem Wald, das dort täglich genüsslich „beseitigt“ wird. Gekillt wird. Von den „amtlichen“ Jägern.

Der charismatische Mikkelsen ist in der Balance zwischen Resignation, Entsetzen und Dagegenhalten, Aufbegehren großartig. In Mimik und Bewegung. Seinen Lucas so facettenreich intensiv in seinen unterschiedlichen Empfindungen „diskret“ vorzuführen, ist meisterlich. Dass er für diese Rolle auf den vorjährigen Cannes-Filmfestspielen mit dem Preis für den „Besten Schauspieler“ bedacht wurde, ist absolut nachvollziehbar. „Die Jagd“ ist allein SEIN Film (= 3 ½ PÖNIs).

Es ist schon komisch, wenn heute in einem amerikanischen Film im Vorspann darauf hingewiesen wird, dass die folgende Geschichte v o r der Ära Gorbatschow angesiedelt ist. Zu einer Zeit und in einer Epoche also, bei der noch der Kalte Dauerkrieg zwischen West und Ost existierte und wo Moskau und Umgebung für den Westen noch "das Reich des Bösen“ bildete. Zu einem solchen Zeitpunkt, präziser: im Spätherbst 1984, spielt der neue amerikanische Spannungsfilm „JAGD AUF ROTER OKTOBER“ von John McTiernan (USA 1990; B: Tom Clancy; 134 Minuten; Start D: 09.08.1990); der Regisseur von Hits wie “Predator“ und “Stirb langsam“.

Thema: Die Russen haben ein Super-U-Boot gebaut. Das ist technisch so perfekt konstruiert, dass es für den Unterwasser-Gegner praktisch nicht zu orten ist. Folglich geht Kapitän Ramius (SEAN CONNERY) auch sehr optimistisch und vollmundig auf "Jungfernfahrt". Natürlich kriegt Amerika doch mit, was passiert ist und was da für ein modernes Ungetüm in Richtung ‘Haustür‘ unterwegs ist. Aber man ist verunsichert. Planen die Russen wirklich einen atomaren Angriff? Oder ist alles nur eine militärische Übung? Oder handelt es sich gar, wie der CIA-Analytiker Jack Ryan (ALEC BALDWIN) vermutet, um den Versuch eines hochkarätigen russischen Offiziers, zu den Amerikanern überzulaufen und als Geschenk quasi gleich noch das moderne Schlachtschiff mitzubringen? Ryan wird mit den Ermittlungen beauftragt und soll schnelle Aufklärung bringen. Doch das Unternehmen erweist sich als heikel, zumal plötzlich die ganze sowjetische Flotte ebenfalls alarmiert wirkt. Was geht dort unten wirklich vor? Ein dramatisches Va-Banque-Spiel beginnt. über und unter Wasser.

“Jagd auf ‘Roter Oktober“ ist ein klaustrophobischer Thriller mit immer neuen Varianten und wundersamen technischen Mätzchen. Und mit der alten, aber immer wieder aufregenden Kino-Frage: Wer eigentlich ist Jäger, wer der Gejagte? Oder plumper ausgedrückt: Wo sind die Guten, wo die Bösen!? Das dafür allerdings hier die Antwort von Anfang an leicht fällt, liegt am Hauptakteur, an SEAN CONNERY. Denn wer wollte ernsthaft annehmen, dass solch ein vor Kraft und Autorität nur so strotzender Typ wie sein Kapitän Ramius nicht auf der Seite der Guten steht? Es bewährt sich zum wiederholten Male auch in diesem Film: Der Ire Sean Connery, einst der beste Bond-Darsteller überhaupt, zählt zu den faszinierendsten Heldenfiguren des modernen Kinos. Weil er nicht übertreibt und herumalbert, immer mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors ausgestattet ist und eine faszinierende Ausstrahlung ala Humphrey Bogart besitzt. Ihm alleine zu begegnen und zuzuschauen, ist schon das ganze Eintrittsgeld wert. Obwohl sich um ihn herum namhafte Akteure wie Alec Baldwin, Scott Glenn oder James Earl Jones auch nicht gerade schlecht verkaufen.

"Jagd auf ‘Roter Oktober" ist ein hervorragender Unterhaltungsfilm, der verteufelte Ähnlichkeit mit dem guten, alten “Schiffe-Versenken“-Spiel besitzt. Und das hat uns doch wohl allen irgendwann einmal einen Riesen-Spaß bereitet, oder? (= 4 PÖNIs).

DIE JAGD ZUM MAGISCHEN BERG" von Andy Fickman (USA 2008/98 Minuten; Start D: 09.04.2009); dem wir „Späße“ wie „American Angels – Erben kann so sexy sein“ (2002)„ Kifferwahn“ (2004); „She´s the Man – Voll mein Typ“ (2006) sowie zuletzt „Daddy ohne Plan“ (2007) verdanken. In dem (letzten) mimte schon der Ex-Star-Wrestler-Hüne DWAYNE JOHNSON („Spiel auf Bewährung“) den Macker, hier versucht er als hochverschuldeter L.A.-Taxifahrer zunächst mit rüden Geldeintreibern klarzukommen, bevor er dann ahnungslos wie überrumpelt - „dirigiert“ von einem jugendlichen Aliens-Zwillingspärchen mit paranormalen Fähigkeiten - gegen einen Astro-Roboter anzutreten hat, der die Erde plattmachen will. Alles klar?

Eine depperte, geheime Regierungsbehörde gibt es auch, und ein nettes Mädel (= Astrophysikerin, natürlich) findet auch statt. Die Neuauflage des Disney-Films „Die Flucht zum Hexenberg“ von 1975 (???) ist doofes Doof-Kino, ist unterhaltungsloser Nur-Schwachsinn (= 1 Pöni).

Pfeil nach oben