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Filmtitel von Jam - Jaz

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

Ein bunter Knallbonbon, ist der neue, der 16. Bond-Film in 25 Jahren. „JAMES BOND - DER HAUCH DES TODES“ von John Glen (GB 1987; 130 Minuten; Start D: 13.08.1987); setzt einen neuen, den vierten 007 auf die große Leinwand: den britischen Theatermimen TIMOTHY DALTON.

Timothy Dalton, bei uns stimmlich von Lutz Riedel nicht der Originalstimme angemessen eingedeutscht, nähert sich mit seiner jungenhaften, forschen Art wieder der ursprünglichen 007-Figur, wie sie lan Fleming beschrieben hat und wie sie einst von Sean Connery so formvollendet interpretiert wurde. Bond ist jetzt und endlich wieder ein TYP, während auch in der Story wieder die früheren Intentionen des Bond-Erfinders zum Vorschein kommen. Denn 007 hat mal wieder für das Gleichgewicht zwischen Ost uhd West zu sorgen, dass einige Bösewichter ganz schön ins Wanken bringen. Und so hetzt der britische Agent mit der Doppelnull und der Erlaubnis zum Töten im Bedarfsfall von Prag aus über Wien nach Marokko und Afghanistan, wo einheimische Freiheitskämpfer die Auseinandersetzungen zu seinem und des Weltfriedens Gunsten beeinflussen. An seiner Seite übrigens die schöne Maryam d‘Abo, die verblüffende Ähnlichkeit mit Nastassja Kinski aufweist. "Der Hauch des Todes" ist flott inszeniert, labert nicht so viel herum wie bei den Bond-Abenteuern davor und lebt natürlich auch und vor allem durch das technische Know How.

Was sich hier wieder die pfiffigen Trick- und Stuntkünstler haben alles einfallen lassen, ist unglaublich; allein dieser Aston Martin DB 5 besitzt Raffinessen, die Autonarren ein ums andere Mal ins Staunen versetzen sollten. Also: Bond-Abenteuer Nr.16 ist okay, unterhaltsam, aufwendig, trickreich, mit einem interessanten Typ besetzt, und das alles sorgt für zwei Prima-Kintopp-Stunden. Gute Unterhaltung also bei James Bond und “Der Hauch des Todes“

JAMES BOND 007 – CASINO ROYALE" von Martin Campbell (USA/GB/D/CZ 2006; 144 Minuten; Start D: 23.11.2006); ist der INSGESAMT 22. (!) Leinwand-Auftritt des berühmtesten britischen Geheimagenten: JAMES BOND (die Produktionsfirma verschweigt gerne den - für sie - "inoffiziellen" Bond-Film "Sag niemals nie" von 1982, der ein Remake des Bond-Films "Feuerball" von 1969 war und dessen Verfilmungsrechte "woanders" lagen, obwohl doch hier der "Ur-Bond" Sean Connery nochmals in die 007-Figur schlüpfte). Nun also zurück zu den Wurzeln/zu den Anfängen: "Casino Royale" wurde vom gebürtigen Neuseeländer MARTIN CAMPBELL inszeniert ("Die Maske des Zorro"/"Die Legende des Zorro"), und es ist nach "GoldenEye"/1995 bereits sein 2. Bond-Film. Die 3 Drehbuch-Autoren hier heißen: Neal Purvis, Robert Wade sowie "Oscar"-Preisträger PAUL HIGGIS (Drehbuch zum Eastwood-Film "Million Dollar Baby"; Drehbuch + Regie beim 5fachen "Oscar"-Film "L.A. Story").

"Casino Royale" war das 1. Bond-Buch von IAN FLEMING und wurde am 13. April 1953 veröffentlicht. Eine Erstverfilmung war die gleichnamige Parodie von 1966 von insgesamt 5 Regisseuren (= darunter John Huston), in der u.a. David Niven/Peter Sellers und Woody Allen als "James Bond" auftraten; ein überkandidelter "Flower-Power-Hippie-Jux", in dem weitere Stars wie William Holden, Ursula Andress (= 1. Bond-Girl 1962 im "Dr. No"-Bond-Film), Peter O´Toole, Jean-Paul Belmondo sowie Orson Welles als charmanter Bösewicht "Le Chiffre" mitmischten. Nach SEAN CONNERY (insgesamt 7 x/1962-1967/1971/1982), GEORGE LAZENBY (1 x/1969), ROGER MOORE (7 x/1973-1985), TIMOTHY DALTON (2 x/1987-1989) und PIERCE BROSNAN (4 x/1995-2002) tritt nun also der 38jährige Brite DANIEL CRAIG (zuletzt: "München" von Steven Spielberg) als James Bond an: Der Sohn eines Stahlarbeiters und einer Kunstlehrerin wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf (Stiefvater Max Blond), absolvierte eine Schauspielausbildung an der Londoner Kunsthochschule und ist hier nicht mehr so ABGEKLÄRT wie Sean Connery, nicht mehr so IRONISCH-NETT wie der "Kleiderständer" Roger Moore, nicht mehr so LÄSSIG-COOL wie der Ire Pierce Brosnan.

Craig zeigt sich sehr sportiv, ziemlich brutal-kalt, dabei sehr sexy, männlich, kaum lächelnd. "Eine Waffe auf Beinen", heißt es über ihn, der gerade dabei ist, sich seine "zweite Null" und damit die offizielle Lizenz zum Töten "zu verdienen". Nachdem der ursprüngliche (Ian-Fleming-)Feind aus der Zeit des "Kalten Krieges", "die Russen", 2006 als Bösewichte ausfallen, wurde der neue Bond nicht nur thematisch, sondern auch insgesamt "total entstaubt" (Miss Moneypenny und Waffen-Experte/-Tüftler "Q" gibt es nicht mehr/werden jetzt nicht mehr benötigt; "geschüttelt + gerührt" interessiert nicht mehr): Jetzt geht es um das Netzwerk weltweit operierender Terroristen, um ihre finanziellen wie operativen Aktivitäten, die bei einem fiesen Banker, "Le Chiffre", zusammenlaufen. Ihn jagt Bond. Auch schließlich am Spieltisch, wo um höchste (Millionen-)Einsätze gezockt wird.

"CASINO ROYALE" erzählt wie James Bond zu d e m Agenten wurde, den wir bereits kennen. Er hat wieder phantastische Action-Szenen und beeindruckende Kampf-Motive, wurde an exotischen Plätzen wie Venedig, Miami, Madagascar und am Comer See atmosphärisch aufgenommen, überzeugt in seiner "seriösen" Schauspielerei (anstatt "Kasperei"), ist klasse-spannend. Craig mimt absolut glaubwürdig/überzeugend, muss einiges einstecken (2006 wird nun auch in einem Bond gefoltert), Stunts/Tricks kommen bestens ´rüber, dennoch - der neue Bond kann sich NICHT mehr "bequem", wie seine Vorgänger, auf DIE TECHNIK verlassen/muss sich ihr nicht mehr unterordnen, sondern BENUTZT sie seinerseits/nunmehr ebenso clever wie "dosiert"-angemessen.

Eine aufregende Spannungs-Show, bei der nun auch nicht mehr ein Bond-GIRL an seiner Seite existiert/benötigt wird, sondern eine toughe wie schöne Frau (vom britischen Schatzamt) "auf Augenhöhe" 1:1-Partnerin ist: EVA GREEN, 26jährige Tochter der französischen Schauspielerin Marlene Jobert, 2003 von Bernardo Bertolucci entdeckt ("Die Träumer"), sorgt schließlich dafür, dass Craig/Bond auch seine feminine Seite entdeckt/zulässt/vorzeigt: Der neue Bond entpuppt sich auch als ein gefühlvoller LIEBESFILM.

Den Schurken vom Dienst mimt übrigens routiniert-cool der 41jährige dänische Star MADS MIKKELSEN (neulich: "Adams Äpfel"). Zum bereits 5.mal spielt die britische "Oscar"-Preisträgerin JUDI DENCH die souveräne Bond-Chefin "M". Und der TITELSONG ("You Know My Name") wird diesmal von CHRIS CORNELL gesungen. Fazit also: 144minütiger Klasse-Spannungs-Dampf; der neue Bond kann sich sehen lassen/nimmt in der erfolgreichsten Kinoserie der Filmgeschichte gleich einen Spitzenplatz ein.....(= 4 PÖNIs).

JAMES BOND OO7 – EIN QUANTUM TROST“ von Marc Forster (GB/USA 2008; Start D: 06.11.2008); ist der INSGESAMT 23. (!) Leinwand-Auftritt des berühmten britischen Geheimagenten: JAMES BOND (die Produktionsfirma verschweigt gerne den – für sie – „inoffiziellen“ Bond-Film „SAG NIEMALS NIE“ von 1982 der ein Remake des Bond-Films „Feuerball“ von 1969 war und dessen Verfilmungsrechte „woanders“ lagen. Obwohl hier der UR-Bond SEAN CONNERY nochmal in die 007-Figur schlüpfte, wird dieser James-Bond-Film gerne offiziell „verschwiegen“). Wie schon beim NEUEN Bond-Vorgänger „CASINO ROYALE“ von 2006 waren auch hier wieder mit NEAL PURVIS & Robert Wade sowie „Oscar“-Preisträger PAUL HIGGIS (Drehbuch zum Eastwood-Film „Million Dollar Baby“; Drehbuch + Regie beim 5fachen „Oscar“-Film „L.A. Crash“) hochkarätige Drehbuch-Autoren am Werk. Für die Regie dieses mit rd. 230 Millionen Dollar höchstbudgetierten Bond-Films („Casino Royale“ kostete 150 Mio Dollar und hatte mit 475 Mio Dollar weltweiten Einnahmen Kinokassen-Bond-Rekord) wurde der 39jährige deutsch-schweizerische Regisseur MARC FORSTER verpflichtet.

Der in Illertissen bei Ulm geborene Sohn eines deutschen Arztes und Pharmaunternehmers (Dr. med. Wolf Forster) und einer Schweizerin lebt seit Anfang der 90er Jahre in den USA, drehte 1995 den experimentellen Film „Loungers“, mit dem er beim Slamdance-Festival den Publikumspreis gewann, und zog im Jahr 2000 nach Los Angeles, wo ihm der Durchbruch als Drehbuch-Autor und als Regisseur gelang. Mit Filmen wie „Monster´s Ball“ (2001/“Oscar“ für Halle Berry als erste Afroamerikanerin), „Wenn Träume fliegen lernen“ (2004/der Film über den Peter-Pan-Autoren J.M. Barrie, mit Johnny Depp und Kate Winslet hauptrollenbesetzt, erhielt 7 „Oscar“-Nominierungen), „Schräger als Fiktion“ (2006/mit Will Ferrell und Emma Thompson) und zuletzt der Roman-Adaption „Drachenläufer“ (2007), der überwiegend in Afghanistan spielt, hat sich Forster schnell in die Bundesliga der Hollywood-Regisseure katapultiert. Er ist der übrigens erste Bond-Regisseur, der nicht aus einem Commonwealth-Land stammt. Eine hübsche gedankliche Fußnote hierfür ist sicherlich die Pointe, daß nach Ian Fleming, dem Erfinder und Roman-Autor von 007, James Bonds Mutter eine Schweizerin war, was einen gewissen „aktuellen“ Bezug zum heutigen Inszenator herstellt…..

Der Bond-TITELentspricht dem Namen aus einer Kurzgeschichte von Ian Flemings Kurzgeschichtensammlung: „007 James Bond greift ein“. Die Kurzgeschichte trägt den deutschen Titel „Ein Minimum an Trost“. Der im Juni 2008 bekannt gegebene deutsche Filmtitel enthält den Bezug zur Organisation „Quantum“, nachdem bereits der Originaltitel „QUANTUM OF SOLACE“ Irritationen auslöste und mit einer Doppelbedeutung ausgestattet werden mußte (vergleichbar mit der zusätzlichen Referenz des Bond-Titels „Der Morgen stirbt nie“ auf eine im Film verwendete fiktive Zeitung). Nach SEAN CONNERY (7 x zwischen 1962 bis 1982), GEORGE LAZENBY (1 x/1969/“Im Geheimdienst Ihrer Majestät“), ROGER MOORE (7 x von 1973 bis 1985), TIMOTHY DALTON (2 x/1987-1989) und PIERCE BROSNAN (4 x von 1995 bis 2002) tritt nun erneut der 40jährige Brite DANIEL CRAIG – nach „Casino Royale“ von 2006 – in die Fußstapfen des legendären Agenten: Der Sohn eines Stahlarbeiters und einer Kunstlehrerin wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf (Stiefvater Max Blond). Absolvierte eine Schauspielerausbildung an der Londoner Kunsthochschule und hat „die Reifeprüfung“-Bond mit Auszeichnung bestanden: „Eine Waffe auf Beinen“ hieß es vor 2 Jahren über diesen sportiven, eiskalten „Romantiker“. Dessen Umfeld bekanntlich kräftig entstaubt wurde: Aus dem sympathisch- selbstironischen Kleiderstangen-Superhelden mit der Lizenz zum Töten wurde eine kaum noch lächelnde, überaus loyale und dabei SEHR präsente, spannende menschliche Agenten-Kampfmaschine. Die nun ohne Waffen-Tüftler „Q“ und auch ohne die schmachtende „M“-Sekretärin Miss Moneypenny auskommen muß. Und auch ohne die sonst so attraktiven wie „bedienungsfreundlichen“ B(l)ond-Girls.

Für „so etwas“ ist im 21. Jahrhundert nun keine Zeit mehr, die zu bestehenden Abenteuer sind „heiß“ und aufwändig genug. Und auch: JUDI DENCH, die große Lady der britischen Bühne und des britischen Kinos („Nebenrollen-„Oscar“ für „Shakespeare In Love“; „Chocolat“; „Iris“; „Der Duft von Lavendel“; „Lady Henderson präsentiert“), verkörpert nun schon zum 6. Male die Chefin des britischen Geheimdienstes MI6 „M“. „Ein Quantum Trost“ beginnt eine Stunde nach dem Ende von „Casino Royale“. Vesper, die Frau, die Bond geliebt hat und die ermordet wurde, hat ihn offensichtlich auch verraten. Bond will unbedingt wissen, warum und wer sie „hingerichtet“ hat und gerät dabei in die üblen „Spielereien“ einer ganz neuen, hochkarätigen Schurken-Organisation namens „Quantum“. Getrieben von ebenso privaten wie beruflichen Dämonen ist er diesmal fast gänzlich allein auf sich gestellt. Denn in dieser neuen, modernen Bond-Welt herrschen nur noch Krisenstimmung und Mißtrauen. Selbst „M“ zweifelt nun an der Loyalität ihres bislang vertrauensvollsten Mitarbeiters.

Der kämpft inzwischen unaufhaltsam wie unerbittlich an internationalen Schauplätzen zwischen Haiti, Bolivien und Bregenz in Österreich, wo es an einem berauschenden „Tosca“-Opernabend auf der Seebühne von Bregenz „stimmlich“ heiß zugeht. Dabei gerät immer mehr der äußerlich so verbindlich-nett-unscheinbar auftretende Dominique Greene (formidabel-hundsgemein-charmant: MATHIEU AMALRIC; der schwerstbehinderte Journalist aus „Schmetterlling und Taucherglocke“) in sein Blick- und Schussfeld. Denn der smarte Geschäftsmann entpuppt sich als die treibende böse „Heuschrecken“-Kraft dieser mysteriösen neuen Schurken-Organisation. Deren gigantisches Schürfziel WASSER ist. Mit dieser Option sind heutzutage Milliarden zu machen, wenn man es nur richtig, also korrupt anstellt bzw. weltweit manipuliert. Bis in die höchsten Kreise von CIA und Britische Regierung sind inzwischen die eigenen Spitzel-„Lobbyisten“ verteilt. Quantum scheint nicht mehr zu bremsen zu sein. Doch dann kommt Bond „in Fahrt“….., laufstark, kraftvoll, unaufhaltsam, der letzte Held in einer gar nicht mehr so freien „West“-Welt. Dabei an seiner Seite, genauso mißtrauisch, desillusioniert und auf Rachepfad: Die resolute Camillie (OLGA KURYLENKO), die ihre eigene Vendetta führt. Kein „Bond-Girl“ früherer Tage, sondern eine eigenständige Persönlichkeit, die Bond jederzeit „auf Augenhöhe“ begegnet. Logisch, daß für „mehr“ keine Zeit mehr ist.

Das ist das Neue, das Faszinierende, das Aufregende, das Intelligente am JAMES BOND im 21. Jahrhundert: Der Kerl ist „up to date“ bis zum Geht-Nicht-Mehr. Der PAßT in diese immer unüberschaubarere, hochtechnisierte globale Verrückten-Welt. Wo es nur noch viele Dauer-Verlierer und einige übermächtige Gewinner zu geben scheint. Als LETZTER INDIVIDUALIST, MORALIST und GERECHTIGKEITSFANATIKER. Wobei „Fanatiker“ ganz und gar auch auf ihn zutrifft. Der neue BOND-Film ist absolute Unterhaltungs-Klasse. Bietet Spitzenqualität in JEDER hinSICHT: 1.) ACTION als phantastische Choreographie, aufregend, brillant, exzellent; 2.) die INTERNATIONALEN SCHAUPLÄTZE (Italien/Chile/Österreich…) sind grandios wie atmosphärisch „eingemeindet“; von/mit enormem Schauwert; 3.) DANIEL CRAIG überzeugt sowohl als Marathon-Kämpfer wie auch als gelassener Anzug-Träger; er ist eine KLASSE-TYPE, die superb--sarkastisch ´rüberkommt; 4.) die erstaunlichen POLITISCHEN ZEITZEICHEN um Gier, High-Technik als Dauer-„Orwell“-Mechanik, der weltweite Apparat um Überwachung/Kontrolle, sowie Mißtrauen allerorten inzwischen.

Die Unterschiede zwischen GUT und BÖSE verwischen immer mehr, denn beide Seiten bedienen sich immer ähnlicherer brutaler Methoden. Die Kultur der Starken: Das einzelne Menschenleben ist nichts mehr WERT. Die Demokratie verkommt zur taktischen Polit-Schacherei, zur puren Geschäftemacherei, zur primitiven wie zynischen Buisiness-Bude. Davon handelt, erzählt der neue Bond, darüber tobt er sich mit außerordentlich vielem großartigem Feuerwerk aus. Schließlich: ALICIA KEYS und JACK WHITE singen den Titelsong „Another Way To Die“, eine Art Hip-Hop-Rock mit Rap-Charme, und sind damit das erste Duett in der Titelsong-Geschichte der Bond-Filme. „Ein Quantum Trost“ oder: Auch der neue 2. Bond ist ein phantastischer Unterhaltungskracher (= 5 PÖNIs).

Gerade rechtzeitig zum 25. Todestag des James-Bond-Autors lan Fleming am Sonnabend startet heute der neue, der 17. Bond-Film „LIZENZ ZUM TÖTEN“ von John Glen (GB/USA 1989; 133 Minuten; Start D: 10.08.1989).

Darin wird der britische Geheimagent mit der Codenummer 007, den Timothy Dalton zum zweiten Mal spielt, zu einer roboterhaften Kampfmaschine á la Schwarzenegger degradiert, der private Rache-Interessen über amtliche Anweisungen stellt. Weil sein Freund Felix Leiter und dessen Frau einem mörderischen Anschlag zum Opfer fielen, rastet James total aus. Will an die Hintermänner und vor allem d e n Oberschurken ran, den südamerikanischen Drogen-König Franz Sanchez.

Aus James Bond, dem Charmeur und Abenteurer. wird ein eiskalter, brutaler Killer. Nichts mehr von Ironie, augenzwinkerndem Humor, pikanten Unterbrechungen. Stunts und Tricks sind vom feinsten und auch die atemberaubende letzte Film-Viertelstunde ist technisch super und einfallsreich choreographiert, doch wird dadurch das Gesamtereignis James Bond 1989 nicht besser. "Lizenz zum Töten“ ist einer der schlechtesten James-Bond-Filme, weil nur noch plump und roh (= 1 PÖNI).

JAMES BOND - SKYFALL“ von Sam Mendes (GB/USA 2011/2012; B: John Logan, Neal Purvis, Robert Wade; K: Roger Deakins, M: Thomas Newman; Titellied: Adele; 143 Minuten; Start D: 01.11.2012); bin störrisch, denn es handelt sich natürlich NICHT um den 23., sondern bereits um den 24. BOND-Film seit dem Serien-Beginn von vor 50 Jahren (mit „Dr. No“/Premiere am 5.10.1962); denn - „SAG NIEMALS NIE“ von 1983 NICHT mitzuzählen, nur weil dieser Streifen nicht von der „sonstigen“ Produktionsfirma stammt, ist purer Blödsinn. Schließlich spielt ja in „Never Say Never Again“, einem Remake von „Feuerball“ (1965), der Ur-Bond-Mime SEAN CONNERY zum sechsten (und letzten) Male den Agenten Seiner Majestät.

Nur zur weiteren Erinnerung: Max von Sydow (als Ernest Stavro Blofeld) und Klaus Maria Brandauer (als Maximilian Largo) waren damals für die Seite der Bösewichte zuständig, Edward Fox trat als Bond-Boss „M“ auf, Barbara Carrera (als Fatima Blush) sowie Kim Basinger (als Domino Petachi) sorgten für die attraktive weibliche „Ausstattung“, und „Mr. Bean“-Akteur Rowan Atkinson war für den Part des schussligen Nigel Small-Fawcett von der britischen Botschaft in Nassau/Bahamas besetzt. „Sag niemals nie“, hierzulande am 20. Januar 1984 in die Kinos gekommen, war damals die Nr.13 der Bond-Reihe. „Skyfall“ ist also der 24. James Bond-Film. Basta.

Der britische Inlandsgeheimdienst Security Service ist besser bekannt als MI5 (nach der historischen Bezeichnung: Military Intelligence Section 5). 1992 waren die Briten baff, als die Regierung bekannt gab, dass der MI5 künftig von einer Frau geführt wird: Stella Rimington. Eine Boulevardzeitung druckte ein Bild von ihr, „M“ war damit enttarnt. „Jane Bond“ wurde damals die Chefin von mehr als 2300 Geheimdienstlern auch genannt. Fast fünf Jahre, bis zu ihrem 65. Lebensjahr, führte sie den Dienst, bei dem sie einst in Indien als Sekretärin angefangen hatte. Danach begann sie, inzwischen von der Queen mit dem Rittertitel DAME geadelt, Geheimdienst-Romane zu verfassen. „Stille Gefahr“ setzte 2005 erstmals ihre Terrorbekämpferin Liz Carlyle in Bewegung, „Leiser Verrat“ war 2007 das zweite Abenteuer der tapferen Front-Frau. Als die britische Adels-Schauspielerin und „Oscar“-Lady DAME JUDI DENCH („Shakespeare In Love“) erstmals 1995 in dem Bond-Film „Golden Eye“ als MI6-Auslandsgeheimdienst-Chefin „M“ auftrat, war Stella Rimington „überaus geschmeichelt“: „Ihr wurde sogar meine Kurzhaarfrisur verpasst“, gab sie später zu Protokoll.

Judi Dench alias (zum bereits 7. Mal) „M“ steht auch gleich am Anfang dieses 24. Bonds vor einer riesigen Herausforderung. Denn die Gefahr besteht, dass „ihr“ Bond durch die eigene Außendienstpartnerin Eve Moneypenny (NAOMIE HARRIS) während eines Auftrages in der Türkei erschossen wird. Bei einem fulminanten Duell auf einem fahrenden Zug. Zwischen Bond und einem ebenso „sportiven“ Schurken, einem französischen Söldner-Profi, der einen geklauten Datenträger aus dem Hause von MI6 besitzt, den 007 zurückerobern soll. Pech nur, dass seine Assistentin Eve tatsächlich ihn erwischt. Und vom Zug fetzt. James Bond: „Missing in Action“ heißt es ab sofort. Für Queen und Vaterland. Sein Nachlass wird bereits „geregelt“, doch Agent 007 hat natürlich überlebt. Mit beziehungsweise inmitten nun einer Sinn-Krise. Die Absturzfolgen. James Bond (DANIEL CRAIG) fühlt sich müde. Ausgelaugt. Wie ein altes Pferd. Das längst „auf die Weide“ gehört. Von wegen Gnadenbrot. 007 taucht erst ab und dann unter. Doch dann erfährt er, dass im Internet – dank des geklauten Datenträgers – die Identitäten von fünf geheimen NATO-Agenten veröffentlicht wurden. Was ihre Liquidierung zur Folge hatte.

Mit der anonymen Absichtserklärung, jede Woche weitere fünf zu enttarnen, steht M ab sofort unter erheblichem politischen Druck. Sie soll „diskret“ zurücktreten. Mit dem „kultivierten“ Gareth Mallory (RAPH FIENNES) steht der Nachfolger schon bereit. „M“ wehrt sich, ist nun aber erstmals angreifbar. Bond kehrt zurück. Wird aber nicht mehr „für voll“ genommen. Soll, ebenso wie M, „sauber“ ausgemustert werden. Muss Tests über sich ergehen lassen. Von wegen weiterer „Verwendungsfähigkeit“. Als aber das Hauptquartier von MI6 durch eine Explosion attackiert wird, reaktiviert man Bond. Schickt ihn nach Shanghai, wo der französische Söldner aus der Türkei „erwartet“ wird. Um im Auftrag seines „Herrn“, des geheimnisumwitterten Mr. Raoul Silva (JAVIER BARDEM), wieder „aktiv“ zu werden. Die Spiele sind eröffnet. Mit dabei: Ein neuer, junger„Q“, ein pickliger Jung-Spund-Absolvent von der Universität (BEN WISHAW) als genialer Sonderling = Hacker-Nerd-Einsteiger („Keine explodierenden Stifte mehr“). Ebenso originell wie auch der Jux - wieder einen ASTON MARTIN DB5 zu reaktivieren. Als es schließlich nach Skyfall geht. Zum Final Countdown. Wo die Alten…., nein, mehr nicht.

„Wiederauferstehung ist meine Spezialität“, betont Bond einmal. Und in der brillanten Tat: OO7 lebt. Und wie. TOLL! Ähnlich wie THE ROLLING STONES tourt er nun schon seit fünf Jahrzehnten durch die Welt, und sein Rock ‚n’ Roll ist heuer wieder der volle Speed. Aber nicht mit den früheren filmischen Sättigungsbeilagen um „geschüttelte, nicht gerührte“ Martinis, schöne Girls-Puppen, um exzellente Maßanzüge und haufenweise toughes exotisches Jagd-Fieber, sondern mit Bedacht. In einer Art Qualitätsoffensive: Mit gleich fünf „Oscar“-Gewinnern hinter den Kulissen: Regisseur Sam Mendes („American Beauty“), „M“ Dame Judi Dench, „Raoul Silva“ Javier Bardem („No Country for Old Men“), Designer Denis Gassner („Bugsy“/1991) sowie Special Effects-Profi Chris Corbould (davor tätig für Christopher Nolans Meisterstück „Inception“). Für das Drehbuch wurden die Bondfilm- erfahrenen NEAL PURVIS & ROBERT WADE (beide seit 1999/“Die Welt ist nicht genug“/mit-dabei) sowie JOHN LOGAN („Oscar“-Nominierungen für die Drehbücher zu „Gladiator“, „Aviator“ und zuletzt für „Hugo Cabret“) verpflichtet.

Was im Ansatz bedeutet - der dritte Neu-Bond, nach „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“, beabsichtigt, ein „gehobenes“ Bond-Imperium zu schaffen. Äußerlich wie vor allem - innerlich. Einen BOND mit Kraft UND Charakter. Mit seelischen (Durch-)Hängern. Zweifel. Trüben Gedanken. Über M und die Welt. Dazu allerdings bedurfte es eines „besonderen“ Regisseurs: Der am 1. August 1965 geborene Brite Samuel Alexander „Sam“ Mendes, Schulabschluss in Oxford, Bachelor in Englisch an der Universität von Cambridge, hatte bereits erfolgreiche Karriere am Theater gemacht, als er 1999 mit „American Beauty“ seinen ersten – umjubelten - Kinofilm schuf. 5 „Oscars“ erhielt das Werk zugesprochen, darunter zwei für ihn, für die „Beste Regie“ und den „Besten Film“. Seine Kinofilme danach waren auch „nicht ohne“: Sowohl „Road to Perdition“ (2002/der letzte mit Paul Newman) wie auch (u.a.) „Zeiten des Aufruhrs“ (2008/mit dem „Titanic“-Paar Kate Winslet/Leonardo DiCaprio) besaßen Prädikats-Präsenz. Will sagen - Bond-Serien-Movie Nr.24 ist ein seriöser, ernsthafter Film. Mit vielen komischen Facetten. Als begeisternder Psycho-Thriller, mit großartiger Action- und Seelen-Spannung.

In Details: Nach einem fulminanten 12 Minuten-Action-Dampf-Beginn, mit der erwähnten Jagd durch Istanbul, schmeichelt sich der ohrwürmige Titelsong von Adele mit einem melodiösen „This ist the end“ beginnend ein. Währenddessen ein poppiger Vorspann auf diese „große britische Bulldogge von Film“ („The Times“) für stimmungsvollen Neugier-Reiz sorgt (Saul Bass lässt grüßen). Und schon viel von der faszinierenden Spannungsruhe signalisiert, mit der dieses Abenteuer sich dynamisch und vielschichtig entwickeln wird. „Regisseur Sam Mendes und Daniel Craig bringen das Gefühl zu den 60ern zurück – mehr Sean“ (Produzent Michael G. Wilson). Mit einer „richtigen“ Geschichte, mit interessanten Figuren, mit natürlich spektakulären Außenansichten. Und mit einem gebrochen-starken James Bond. Im 21. Jahrhundert.

Apropos - nix ist mehr von der lächelnden Kleiderstangen-Ironie eines Roger Moore. Geblieben. Nur noch etwas vom Macho-Kost- und Draufgänger Sean Connery. Der DANIEL CRAIG-Bond, mit seinen 178 Zentimetern „Höhe“ vergleichsweise ein „Zwerg“, ist „irgendwo zwischen Gentleman und Türsteher“ („STERN“) als Prollklassen-Aufsteiger angelegt. Tatsächlich eher einer verbissenen Bulldogge denn einem früheren 007-Helden ähnelnd. Mehr knurrend denn „lieb“. Ein Body-Typ in der überzeugenden Klasse-Balance zwischen Norm und Charakter. Als cooler wie schwermütiger Rocker-Bubi. DANIEL CRAIG, 44, Sohn eines Stahlarbeiters und einer Kunstlehrerin, ist endlich „im Bond“ angekommen. Dank Sam Mendes. Es ist sein bislang überzeugendster OO7-Auftritt.

Wie auch DER von JUDI DENCH. Im Film auch schon mal – vom Schurken Silva – als „Mutti“ bezeichnet. Weil ihre Rolle, endlich, ausgebaut wurde. Als „M“ hat sie nicht nur bekannte mürrisch bestimmende Anweisungen zu geben, sondern ist in die Gesamthandlung involviert. Wird direkt attackiert. Und beschädigt. Die bisher über jeden Verdacht erhabene Chefin gerät in die Defensive. Wird für James Bond zum wichtigsten Bond-„Girl“ überhaupt. Denn ihre Existenz ist mit seiner stark verwoben. Verbunden. Ohne den anderen funktioniert nichts. Richtig. Also baut sie auf ihn. Obwohl sie eingangs seinen Tod billigend in Kauf genommen hat. Job ist halt Beruf. ER ist und bleibt loyal wie eh und je. Ihr gegenüber. Diese Beiden gehören und zählen zusammen. Bis…: Judi „M“ Dench hat im Frühjahr in einem Interview von einer Krankheit berichtet, an der sie leidet, und dass sie möglicherweise ihr Augenlicht verlieren wird.

Die obligatorischen Bond-Girls sind hier nur obligatorisch. Heißen Severine (BÉRÉNICE MARLOHE/wird gekillt) und Eve (NAOMIE HARRIS/“28 Tage später“), die zur neuen Miss Moneypenny mutiert. Als emanzipatorische Pointe.

„Unser“ Gerd Fröbe war einst ein gewichtiger Gegenspieler des Agenten 007. Als „Goldfinger“. Der Spanier JAVIER BARDEM, 43, tritt in seine – dämonischen – großen Fußspuren. Als von „Mutti“ einst gedemütigte Nun-Bestie. Die jetzt nach Rache giert. Und dabei unschlagbar wie unaufhaltsam zu sein scheint. Dabei gibt Javier Bardem wieder einmal, nach seinem sensationellen psychopathischen schwarzen „Prinz Eisenherz“-Killer Anton Chigurgh in „No Country for Old Men“, eine köstliche Drecksfigur ab. Mit erneut viel Hang und Spaß am Theatralischen. Am Sexistischen (Bond zeigt sich amüsiert und nicht „abgeneigt“). Wie am Brutalen. Machen. Handeln. Das Haar diesmal „zu einer hellen Idiotenfrisur gestriegelt“ („SPIEGEL“). Mr. Internet weiß wie „es geht“. Am schlimmsten funktioniert.

Waren früher, zu Kalten Kriegszeiten, die Gegner lokalisierbar, und auch danach noch eine ganze Weile „überschaubar“, herrscht heute, wer „das Netz“ beherrscht. Heute kann sich der mächtige Feind an jedem Platz der Welt aufhalten. Und agieren. Ein paar raffinierte „Klimpereien“ am Computer und schon sind Alarm und Chaos „weit weg“ ausgelöst. Angerichtet. Jemanden unter diesen anonymen Umständen aufzuspüren, wird immer schwieriger. Auch davon erzählt der Bond von 2012. Ohne natürlich auf die reißerischen Verfolgungsjagden per Auto, Motorrad, auf den Straßen, auf den Dächern oder eben auf einem Zug zu verzichten. Der Basar von Istanbul dient dabei als ebenso funkelnder, prickelnder Schauplatz wie eine entgleisende Londoner U-Bahn, die schließlich in ein Kellergewölbe kracht. Und eine Sergio Leone-Western-Atmosphäre wird dann im Finale wach, wenn sich die Kontrahenten fast „biblisch“ in Skyfall duellieren.

Was für eine phantastische Wiederbelebung in Sachen Bond & Co. Listig. Schwarzkomisch lustig. Durchtrieben-ironisch. Bisweilen grollend. Mit charmanter Tiefenstarre. Aber immer „dran“. Am Geschehen. An den Figuren, an den unaufdringlichen, schmunzelnd-protzigen Action-Bildern des bislang neunfach „Oscar“-nominierten Kamera-Chefs ROGER DEAKINS („No Country for Old Men“; Die Verurteilten“). Alles passt bestens zusammen. Wer hätte DAS gedacht - dieser neueste James Bond-Film ist ein vitales, gescheites Gesamtkunstwerk. Von erstklassigem Genre-Kino (= 5 PÖNIs).

P.S.: „Bei Bond krieg ich das Kotzen“ (Tom Tykwer / „STERN“ 6/2009).

DER JANE AUSTEN CLUB" von Robin Swicord (B+R; USA 2007; 106 Minuten; Start D: 07.02.2008); eine in Hollywood namhafte Drehbuch-Autorin ("Die Geisha"; "Betty und ihre Schwestern"), die hier den gleichnamigen Roman von Karen Joy Fowler (aus dem Jahr 2004) adaptiert.

Einmal im Monat treffen sich sechs eifrige Leseratten, um über die Werke von Jane Austen (1775-1817/u.a. "Verstand und Gefühl", "Stolz und Vorurteil", "Mansfield Park" und "Emma") zu sprechen. Doch die Diskussion der bisweilen frustrierten Frauen, die vom lebenslustigen Grigg männliche Unterstützung erhalten, kommen erst in richtigen Schwung, als sie mit ihrer eigenen Seelenlage und (Beziehungs-)Situation "in Korrespondenz" treten. Das heißt, als sie bemerken, dass die zeitlosen Werke der Jane Austen aus dem frühen 19. Jahrhundert durchaus Parallelen zu ihren eigenen Lebenssituation aufweisen.

Hübsche Frauen-Komödie um nicht nur literarische Liebe, Sehnsucht und Verführung. Gut gespielt und angenehm unterhaltend.

Mit u.a. der hinreißenden MARIA BELLO ("The Cooler - Alles auf Liebe"/2003/neben William H. Macy; "A History Of Violence" von David Cronenberg/2005/neben Viggo Mortensen) sowie u.a. Kathy Baker, Emily Blunt und Jimmy Smits. Eine hübsche Charmerei von sympathischem Unterhaltungskintopp für den regnerischen Nachmittag (= 3 PÖNIs).

JANE EYRE“ von Cary Fukunaga (GB 2011; 120 Minuten; Start D: 01.12.2011); der am 10. Juli 1977 in Oakland/Kalifornien geborene Drehbuch-Autor, Kameramann und Regisseur schuf 2009 mit dem aufwühlenden Latino-Drama „SIN NOMBRE“ (s. KRITIK) einen fulminanten Debütfilm als Autor und Regisseur. Dass er sich nach diesem brutal-realistischen Flüchtlings-Thriller einem klassischen britischen Gesellschafts- und Kostümstoff zuwenden würde, überrascht schon. VOR der Besichtigung des Films. Danach ist zu konstatieren - es ist wahrscheinlich eine der besten, wenn nicht DIE beste Adaption dieser historischen Literaturgeschichte. „Jane Eyre“ erschien erstmals 1847. Ist der erste Roman der britischen Schriftstellerin CHARLOTTE BRONTÉ (21.4.1816-31.3.1855), die ihn damals unter dem Pseudonym Currer Bell veröffentlichte. 18 Kino- und 9 Fernsehverfilmungen notieren die Lexika. Die bekanntesten Leinwandfilme sind „Die Waise von Lowood“ von Robert Stevenson, USA 1944, mit Joan Fontaine und Orson Welles sowie die französisch-britisch-italienische Version unter dem Roman-Namen „Jane Eyre“ von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1995, mit Charlotte Gainsbourg und William Hurt.

Nun also zum 19. Kinostück. Fragende Anfangsgedanken: Sind Stoff und Gedanken nicht längst überbekannt? Von vielem viktorianischen Staub inzwischen überzogen? Was und warum diese neuerliche „alte“ Geschichte um das beharrliche britische „Aschenputtel“ des 19. Jahrhunderts? Die Antwort gibt die namhafte britische Dramatikerin und Drehbuch-Autorin MOIRA BUFFINI (neulich das Skript zu „Immer Drama um Tamara“), die die Erzählstruktur des Romans und dessen ausufernde Passagen dicht wie packend umstellt. Ohne dabei die Vorlage und vor allem deren „Genuss“-Sprache aus dem Sinn zu verlieren. Ganz im Gegenteil, nur dieses hölzerne Vorgestern-Gespür ist jetzt außen vor. Die Poesie der Spannung dominiert. Wuchtig. Kunstvoll. Leidenschaftlich.

Die Handlung läuft sofort. Dramatisch. Mit der überstürzten Flucht einer jungen Frau aus einem düsteren viktorianischen Herrenhaus. Thornfield Hall. Bei starkem Wind und viel Regen hastet sie über eine karge Hügellandschaft. Aufpeitschende Emotionen. Nachdem sie ohnmächtig vor dem einsam gelegenen Gehöft von John Rivers (JAMIE BELL) zusammenbricht, beginnt die Rückschau auf ihr bisheriges schauerliches Dasein. Jane Eyre. Eine säuische Kindheit. Als mittellose Waise. Die Willkür und Heuchelei der Verwandten. Drangsaliert von einer garstigen Tante (die „Happy-Go-Lucky“-SALLY HAWKINS in einem ungewohnten Part). Abgeschoben in ein Heim. Offiziell: Internat. Die widerliche priesterliche Gewalt dort. Die kurze Freundschaft mit der sanftmütigen Helen. Die Motive von Sturm und Regen sowie die Weite der Natur zielen die Seelenbefindlichkeiten dieser jungen Frau, die sich nicht brechen lässt. Die sich im Gegenteil klug (selber) entwickelt: „Ich muss versuchen, gesund zu bleiben und nicht zu sterben“, erklärt sie einmal einem strengen Pfaffen ihre (Über-)Lebensmaxime. Hinter ihrer glatten Stirn und ihren adretten Zöpfen brodelt es gewaltig. Permanent wie unerkannt. Tief verborgen. Jane weiß sich „zu benehmen“. Um durchzukommen. Jane Eyre, ein gescheites Power-Mädel.

Autorin Moira Buffin und Regisseur Cary Fukunaga setzen nicht auf spröde Schauer-Romantik, sondern auf die noch unbekannte Emanzipation. Des Charakters. Nicht der Ideologie. Jane Eyre: Nach außen zerbrechlich, im Innern ein Seelen-Vulkan. Arm, aber clever. Gebildet. Ein weiblicher Freigeist. Im Korsett der Zeit. Auch als Erzieherin auf dem düsteren Landsitz von Thornfield Hall. Beim schroffen Hausherr Edward Rochester. Wo man sich unstandesgemäß „annähert“. Mit geradezu vorzüglichen schlagfertigen Verbalgefechten. Knisternden psychologischen Schlachten. Bei denen Jane vortrefflich „mitzuhalten“ versteht. Wenn es da nicht „diese nächtlichen Geräusche“ im Haus gäbe. Signale für ein schreckliches Geheimnis. Im bedrohlichen wirkenden Gaslicht breitet sich bei mysteriösen Licht- und Schattenbewegungen Gothic-Spannung aus. „Jane Eyre“ heute bedeutet auch - herrlich knackige Horrorelemente. Und WIR sind längst eingefangen in diesen faszinierenden Taumel von viktorianischer Tiefenwirkung.

Weil sowohl über die atmosphärischen Bilder von Chefkameramann ADRIANO GOLDMAN als auch über die passende Stimmungsmusik von DARIO MARIANELLI das Eintauchen in diesen „Schmöker“ gelingt. Weil das großartige Ensemble (zu dem auch JUDI DENCH zählt) bis in die kleinsten Randfigur exzellent aufgestellt ist. Während an „vorderster Front“ sich die 21jährige australische Schauspielerin MIA WASIKOWSKA und der 34jährige Deutsch-Ire MICHAEL FASSBENDER mit herrlicher Wucht, Präzision und Seelen-Wut eindrucksvoll „begegnen“. Fetzen. Mögen. Mia Wasikowska bewährte sich neulich „größer“ bei und als Tim Burton’s „Alice im Wunderland“ (neben Johnny Depp); Michael Fassbender, gerade auch in David Cronenbergs Psycho-Kiste „Eine dunkle Begierde“ als C.G.Jung auf der Leinwand, nimmt inzwischen Charakter-Anlauf in internationale Qualitätshöhen. Schält hier seinen grob sarkastischen, brüchigen Adligen brillant, also scharfsinnig wie verletzlich wie „viehisch“ hervor. Ein ganz starkes Kino-Paar. Im düsteren Pro-Kontra-Clinch. Prächtig passend zur emotionalen Jahreszeit (= 4 PÖNIs).

JANE'S JOURNEY – DIE LEBENSREISE DER JANE GOODALL“ von Lorenz Knauer (B+R; D 2007-2009; 105 Minuten; Start D: 02.09.2010); das ist ein Münchner Dokumentarfilmer, der viel für das Fernsehen arbeitet (ZDF-Reihe „37“; BR-Sendereihen „Unter unserem Himmel“ + Domgeschichten“; Reisefilme, Reportagen). Hier nun nähert er sich dokumentarisch, persönlich, bilder-ausdrucksstark einer der spannendsten Frauen unseres Planeten: Dr. JANE GOODALL, geboren am 3. April 1934 in London. Deren „internationales“ Leben unter dem Motto steht: dass jeder Einzelne von UNS tatsächlich in seinem Leben etwas „bewegen“ kann. Etwas verändern kann. POSITIV verändern kann. Nicht nur gedanklich, planerisch, sprachlich, sondern „direkt“: Mit „Es-Machen“.

Am besten ist es, SOFORT DAMIT einfach anzufangen. Jeder einzelne Mensch, jedes Individuum, ist „mit im Bot“ für die Rettung der Erde. Mit dieser simplen Botschaft reist die Affen-Forscherin und Umwelt-Aktivistin unermüdlich um die Welt. Um Menschen, Organisationen, Institutionen anzusprechen, zu interessieren, zu überzeugen. Hört sich banal, kitschig, klugscheißerisch an? Mag sein, trifft aber hier den Nerv.. Denn Jane Goodall lebt seit Jahrzehnten DIES erfolgreich wie intensiv und weiterhin unermüdlich vor. Ihr Lebensweg ist abenteuerlich. Vor über 50 Jahren revolutionierte sie mit ihren Beobachtungen im Dschungel von Tansania die Primaten-Forschung. Wurde mit ihren Erkenntnissen und Fotoreportagen weltberühmt. Lebte vor Ort mit „ihren Affen“. Um sie kennenzulernen, zu studieren und dadurch zu retten. Jane Goodall ist neben Dian Fossey (Gorillas) und Biruté Galdikas (Orang-Utans) eine der 3 Frauen, die auf Anregung des Paläontologen Louis Leakey Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit „Dauerbeobachtungen“ von Menschenaffen begannen. 1965 promovierte sie mit ihren verblüffenden, einzigartigen Langzeitstudien an der Universität von Cambridge. Viele Erkenntnisse über Schimpansen begründen sich fortan auf ihre „direkten“ wissenschaftlichen Arbeiten.1977 richtete Jane Goodall das „Jane Goodall Institute for Wildlife Research, Education and Conservation“ (JGI) ein, das ihren Namen und ihre wissenschaftliche Arbeit auf der ganzen Welt bekannt machte und das es inzwischen in bereits 27 Ländern gibt. Das JGI unterstützt Programme, die über Ausbildungs-, Umwelt- und Naturschutz, Entwicklungs- und Erforschungsmaßnahmen einen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für Menschen, Tier und Umwelt leisten.

Ende der 80er Jahre gab Jane Goodall ihre Forschungsarbeit auf, um sich künftig mit ihrer ganzen Energie dem globalen Umweltschutz und der Erhaltung der Natur sowie und vor allem dem Schutz von „nicht privilegierten“ Mitmenschen zu widmen. 1991 gründete sie mit einigen Kindern in Tansania die Aktion „Roots & Shoots“ (Wurzeln und Sprösslinge). Inzwischen existieren an die 10.000 Gruppen in 120 Ländern. Hierbei entwickeln Kinder und Jugendliche eigene Ideen und Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz. Der Film begleitet die Aktivistin auf ihren vielen Reisen über die Kontinente. Jahr für Jahr ist Jane Goodall mehr als 300 Tage rund um den Globus unterwegs, um mit ihrem Wissen, ihrem überzeugenden Charisma, ihrem sensiblen Charme Menschen „zu mobilisieren“. Zugleich verwendet er frühere persönliche (Super 8-)Filmdokumente, führt Interviews mit hochrangigen Politikern (Michail Gorbatschow), unterstützenden Hollywoodstars (Angelina Jolie; Pierce Brosnan) und natürlich auch immer wieder mit der Protagonistin selbst. Nähert sich diskret dem privaten Menschen Jane Goodall. Ihr gigantischer Reise-Bogen von der Kanalküste bei Bournemouth bis zu den Ebenen von Nebraska, von den Regenwäldern von Gombe bis zu den abschmelzenden Gletschern von Grönland wird dabei faszinierend genutzt, ausgebreitet.

Eine unglaubliche Frau. Die weltweit geschätzt, geachtet, bewundert, verehrt wird. Der „Boston Globe“ verglich sie mit Mahatma Gandhi. Vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde sie 2002 zur UN-Friedensbotschafterin ernannt. Von den englischen Königin zur „Dame“ geadelt. Von der Französischen Ehrenlegion in den Offiziersstand erhoben. Seit Jahren wirbt Jane Goodall für Alternativen zu Tierversuchen. Im Mai 2008 forderte sie das Nobelpreiskomitee auf, endlich einen Nobelpreis für Alternativmethoden zu Tierversuchen zu schaffen.

Der Film „Jane´s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall“ entzieht sich „herkömmlicher Filmkritik“. Ist als Biographie, als Porträt eines außergewöhnlich guten Menschen + Lebens zu betrachten. Dabei steht nicht nur die Person Jane Goodall im Mittelpunkt und Vordergrund, sondern die bedeutende, wichtige und richtige Vermittlung einer großartigen Botschaft: Hope. Hoffnung. Für unseren Planeten. Diese kann jederzeit umgesetzt werden, „ES“ kann sofort beginnen. Noch jedenfalls ist es nicht zu spät. Sagt, zeigt, meint diese bewundernswerte wie auch äußerst „unterhaltsame“ Powerfrau Jane Goodall. Ein toller Film (= 4 PÖNIs).

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