„MACHETE“ von Robert Rodriguez (Co-B+R) und Ethan Maniquis (USA 2010; 105 Minuten; Start D: 04.11.2010); so etwas gab es, glaube ich, auch noch nie - 2007 drehte der Quentin-Tarantino-Kumpel Rodriguez einen Trailer für einen Film, der gar nicht existierte: „Machete". Als Vorspann zum Double-Feature „Grindhouse“ mit dem Titel „Planet Terror“. Der andere Filmteil wurde von Tarantino unter dem Titel „Death Proof“ platziert. Jetzt hat Rodriguez „den Film“ zu seinem Trailer gedreht. Und wer den „robusten Filmer“ kennt, ahnt, dass für sensible Kunstseelen hier das Zusehen mitunter qualvoll sein kann. Mit Filmen wie „El Mariachi“, dem furiosen, für 7.000 Dollar hergestellten No-Budget-Kracher, fing 1992 alles an. Danach drehte Rodriguez „Späße“ wie „Desperado“ (das eigene Remake von „El Mariachi“/1995), „From Dusk Till Dawn“ (1996), 2 x „Spy Kids“ (2001/2002) sowie „Irgendwann in Mexiko“ (2003) und 2005 „Sin City“.
„Machete“ ist wieder so eine Trash-Orgie. Laut, blutig, schmutzig, SEHR gewalttätig-lustvoll. Ein Typ, der so aussieht wie die mexikanische Gossen-Ausgabe von Mickey „The Wrestler“ Rourke (der 65jährige mexikanisch stämmige US-Schauspieler und Ex-Knacki DANNY TREJO, ein Cousin von Robert Rodriguez) nietet als Rache-Wüterich alles an Schurken-Personal um, das sich ihm in den Weg stellt.. Genüsslich platzen Schädel, fallen (auch innere) Körperteile „ab“, rollen Köpfe. Nachdem seine Familie ermordet wurde, nimmt der Polizist Machete, benannt nach seiner Lieblingswaffe, „die Ermittlungen“ auf.
Natürlich gibt es „Rückschläge“, aber dieser Pockennarben-Typ ist natürlich weder totzukriegen noch zu besiegen. Weil er nicht ganz so helle ist wie sein Namens-Werkzeug, dauert es aber, bis endlich auch die letzten Gegner gemeuchelt sind. Zu denen zählt übrigens Prominenz wie „Oscar“-Star wie ROBERT DE NIRO, der einen reaktionären, korrupten Ami-Senator mimt; Leder-Furie JESSICA ALBA als latinostämnmige US-Sheriffin; der immer schon etwas „merkwürdige“ Hau-Drauf-Lulatsch-Oldie STEVEN SEAGAL („Alarmstufe Rot“) sowie die als seine drogensüchtige, nackte Tochter herumkrakelende LINDSAY LOHAN (!) und der inzwischen etwas „verwelkt“ aussehende DON JOHNSON („Miami Vice“-TV). In der kruden Mischung aus Sadismus und Blut-Gaudi wirkt diese Ekel-Satire mit Nonnen-Power, alten Django-Posen und permanenter Dröhn-Beschallung erstaunlich unironisch, beliebig und langweilig. Da kann noch so viel „sexy“-pointiert herumgeballert, geprügelt, zermanscht werden, irgendwie ist DAS HIER nur ellenlang unverschämt-dämlich. Und von nur mäßiger Spaß-Power (= 2 PÖNIs).
„MACHTLOS" von Gavin Hood (USA 2007; 122 Minuten; Start D: 22.11.2007); das ist ein südafrikanischer Drehbuch-Autor, Schauspieler und Regisseur. Der am 12. Mai 1963 in Johannisburg geborene Sohn eines bekannten Naturfotografen wurde international 2005 durch seinen Film "TSOTSI" bekannt. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Athol Fugard gewann mehrere international anerkannte Preise sowie den "OSCAR" als "Bester fremdsprachiger Film". "Rendition", so der Originaltitel, ist sein erster Hollywood-Film. Der ein Thema aufgreift, dem wir in nächster Zeit des Öfteren im amerikanischen Kino begegnen werden: Der aktuelle "Krieg der Kulturen", ausgelöst durch die Terror-Angriffe am 11. September 2001 und den Irak-Krieg der USA. Dessen "Ausmaße" ja inzwischen weltweit zu spüren sind. Sprich bei uns: Schüren der Angst; die immer "tiefer" werdenden Eingriffe in die Daten-Privatsphäre des Bürgers; die Verschärfung jedweder Kontrolle(n); das zunehmende Aufweichen der demokratischen wie der menschlichen Grundrechte. Aus jeder nur erdenklichen - offiziellen/gesellschaftlichen/politischen/individuellen - Sicht übernimmt das amerikanische Kino jetzt Verantwortung und liefert Bilder und Geschichten zum Krieg im Irak bzw. zu dessen weitreichenden Folgen.
"VON LÖWEN UND LÄMMERN" von und mit Robert Redford war kürzlich ein SOLCHER Kino-Beitrag, jetzt folgt, weitaus weniger beachtet bzw. öffentlich wahrgenommen, "MACHTLOS". Den vor allem seine Produktionsfirma/sein Verleih gerne eher "verstecken" denn "präsentieren" möchten. Der Grund: "Machtlos" ist zuallererst ein Film über die Folter-Verhörmethoden von Amerikanern in außeramerikanischen Untersuchungslagern. Der Verleih über seinen Film abschwächend (bzw. "lediglich"): Ein "emotionales und spannendes Unterhaltungsstück!".
Motto: ANGST VOR DER EIGENEN (Film-)COURAGE. Das Ende 2006/Anfang 2007 in L.A./Washington D.C., in Kapstadt (Südafrika) und in Marrakesch (Marokko) als Co-Produktion USA/Südafrika hergestellte THRILLER-DRAMA beginnt in einer nordafrikanischen Stadt. Dort wird ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem auch ein CIA-Beobachter ums Leben kommt. Bei der Jagd nach den Hintermännern wird ein ägyptischstämmiger USA-Bürger, der Ingenieur Anwar El-Ibrahim, von der CIA irrtümlich für einen Terroristen gehalten und auf der Rückreise von Südafrika nach Chicago verhaftet. Das heißt, nicht offiziell, sondern "heimlich". Anwar verschwindet einfach. Aus der Passagierliste des Flugzeug-Unternehmens wie überhaupt. Er ist...einfach "weg". Seine schwangere amerikanische Ehefrau Isabella beginnt ihn zu suchen. Sie reist nach Washington D.C., wo sie den befreundeten Mitarbeiter eines US-Senators um Hilfe bittet. Daraufhin wendet sich der Senator an die CIA. Dort gibt man ihm DEUTLICH zu verstehen, wie er sich künftig zu verhalten/wie er sich offiziell dazu "äußern" soll/darf, ohne dass dies seiner Karriere schadet. Derweil wird Anwar El-Ibrahim in einer geheimen Anlage außerhalb der USA gefoltert. Mit ausdrücklicher "amtlicher Duldung" der CIA.
Ein kommerzieller Film, natürlich; ein MAINSTREAM-Film, natürlich; ein Hollywood-Film. Aber einer, der sich thematisch wie optisch etwas "traut". Der von ETWAS erzählt, was OFFIZIELL zumeist nur "geflüstert" wird. Die SCHMUTZIGE bzw. ILLEGALE SEITE einer DEMOKRATISCHEN POLITIK, darum geht es hier in diesem außerordentlich aufwühlenden, betroffenen machenden, ungewöhnlichen amerikanischen Spannungs-Movie. ROGER EBERT, einer der führenden amerikanischen Film-Publizisten, schrieb am 19. Oktober 2007 in der "Chicago Sun Times": Der Film, der die Theorie und die Praxis der Folter sowie die persönliche Verantwortung-daran thematisiere, sei KOSTBAR und SELTEN. Er sei ein "intelligenter, wichtiger, souveräner und wirkungsvoller Thriller". Er ist mit JAKE GYLLENHAAL ("Brokeback Mountain") als in moralischen Zwiespalt geratener CIA-Mitarbeiter, "Oscar"-Preisträgerin REESE WITHERSPOON (die Johnny-Cash-Ehefrau June Carter Cash in "Walk The Line"; "Natürlich blond") sowie MERYL STREEP als Anti-Terror-Chefin der CIA prominent, aber nicht aufdringlich besetzt, im Gegenteil: Sämtliche Beteiligen ordnen sich hier dem - für einen Hollywoodfilm - "schockierenden Thema" absolut unter.
Also: Ein für Hollywood-Verhältnisse außerordentlich mutiger, couragierter und zugleich erstaunlich politisch-wütender "Unterhaltungsfilm" (= 4 PÖNIs).
„MADAGASCAR" von Eric Darnell und Tom McGrath (USA 2005; 86 Minuten; Start D: 14.07.2005); stammt aus dem Animations-(Erfolgs-)Haus von "DreamWorks" ("Shrek 2" / "Große Haie - Kleine Fische") und erzählt von New Yorker Zoo-Tieren. Denen ist es daheim "zu bequem" geworden, deshalb ziehen sie, mehr oder weniger freiwillig, in die weite (Abenteuer-)Welt.
Die Story von Löwe, Zebra, Giraffe und Nilpferd fährt die Gags ein bisschen "runter", ist sehr zerquatscht, kommt mit den üblichen Film-Zitaten und -Anspielungen daher ("Stayin` Alive", Castaway - Verschollen"/Tom Hanks, "American Beauty", "Chariots Of Fire - Die Stunde des Siegers", "Disney`s Das Dschungelbuch"), fügt eher "gemütliche" Slapstick-Action ein und philosophiert über die positiven Urkräfte von Freiheit und Freundschaft. Man träumt über "What A Wonderful World" (und hört dabei natürlich den Louis-Armstrong-Klassiker) und gibt sich auch über die deutschen Promi-Stimmen wie u.a. Jan Josef Liefers/Rick Kavanian/Bastian Pastewka nett-lustig (= 3 PÖNIs).
„MADAGASCAR 2“ von Eric Darnell und Tom McGrath (B+R; USA 2008; 89 Minuten; Start D: 04.12.2008); die wiederum Computer-animierte Trickfilmfortsetzung von “Madagascar“ aus dem Jahr 2005 (= war mit mehr als 6,5 Millionen Kinobesuchern auch bei uns ein voller Erfolg).
Die Fortsetzung ist mäßig: Flache Gags, viel Gequatsche, keine zusammenhängende
Geschichte, sondern nur Tupfer von langweiligen Typen-Episoden. Manchmal ganz slapstickwitzig, meistens aber lieblos- tierische Ulk-Versuche. Mit banalen Anspielungen/Zitaten auf Hits wie “Der König der Löwen“ oder “West Side Story“. Weder besonders original noch witzig, dafür im Dauertempo durchgezogen, auf dass man bloß nicht die vielen “Hänger“ bemerkt. Nur der Trailer Ist rassig-schmissig zusammengeschnitten-kess.
Merke: Auch Tier-Trickfilme können erstaunlich dämlich sein. Ein Nööö-Movie (= 2 PÖNIs).
„MADAGASCAR 3: FLUCHT DURCH EUROPA“ von Eric Darnell (= auch Co-B), Tom McGrath und Conrad Vernon (USA 2011/2012; M: Hans Zimmer; 93 Minuten; Start D: 04.10.2012); hatte seine Welturaufführung am 18. Mai 2012 bei den Filmfestspielen von Cannes. Was für einen Fortsetzungsfilm schon ungewöhnlich ist. Doch nachdem die erste „Madagascar“-Animationsshow 2005 ein weltweiter Mega-Erfolg war (hierzulande sahen ihn mehr als sechseinhalb Millionen Kinogänger) und der zweite Teil 2008/2009 auch als Kassengigant funktionierte (mit allein bei uns über 6,1 Millionen Kinobesucher), war klar, dass diese keineswegs überragende Animationsmucke fortgesetzt wird. Teil 1 fand ich „ganz nett“, Teil 2 ziemlich enttäuschend, während dies hier gut gelaunt über die tierischen, temperamentvollen Spektakelrunden kommt.
Wir rekapitulieren: Löwe Alex, mehr Schisser denn Fighter (Originalstimme: Ben Stiller; deutsche Stimme: Jan Josef Liefers), das vorlaute Zebra Marty (Chris Rock / Rick Kavanian), die extrem hypochondrische Giraffe Melman (David Schwimmer / Bastian Pastewka) und Nilpferd-Diva Gloria (Jada Pinkett Smith / Claudia Urbschat-Mingues) haben das abenteuerliche Ausreißer-leben satt. Sitzen aber immer noch in Afrika fest anstatt längst wieder in ihrem gemütlichen Zoo-Zuhause in New York zu sein. Um aber endlich dorthin zu gelangen, bedarf es erneut einiger „ganz schöner“, sprich ulkiger Umwege. Durch bzw. in Europa. Zum Beispiel Monte Carlo. Wohin sich die anarchische Pinguinen-Truppe, die sie nach Hause bringen soll, abgesetzt hat und sich gerade beim Menschen-Abzocken im Casino amüsiert. Wieder zusammen soll es aber nun endgültig zurück in die Heimat gehen. Doch nun sorgt Chantel DuBois (Frances McDormand / Susanne Pätzold) für enormen wie komischen Stress. Madame, ihres garstigen Zeichens paranoide Chefin des europäischen Tierfängerdienstes, will „die Viecher“ zu gerne vereinnahmen. Die weiteren Jagd- und Spaßstationen sind ein Wanderzirkus sowie Rom und London. Madame Tiereinfängerin, auch schon mal mit dem Edith Piaf-Klassiker „Non Je ne regrette rien“ auf den lüsternen Lippen, mit ihrem uniformierten Dumm-Pöbel im Schlepptau. Während ganz nebenbei in der Tier-Truppe der traumatisierte Zirkus-Tiger Vitaly auch noch „therapiert“ werden muss.
Gaga pur. Mit dann ulkigem Schmackes. Die 3 D-Effekte bisweilen treffsicher ansetzend. Nach anfänglichem Vielgequatsche, hektischen Possen und übereifrigen Posen kommt der phantastische Circus in fröhlichen Pointen-Schwung. Motto: Die volle Showkanne Energie mit Artistik. Mit aberwitzigen Arena-Eskapaden. Vor wie hinter den Kulissen. In einem effektvollen wie komischen Bilder-Attacken-Reigen. „Madagascar 3“ bedient Kinderaugen jedweden Alters. Kümmert sich nicht (mehr) um Charaktere, Logik-Regeln, Schwerkraft. Dermaßen losgelöst triumphiert der schöne Irrsinn. Als kasperlehafte, clownige Nummernrevue von 2012. Ein Nilpferd tanzt auf dem Seil, das Zebra fliegt wie einst der Albers-Münchhausen per Kanonenkugel durch die Manege, die brummige Tanzbärin Sonja auf dem Dreirad, der vernarrte Lemurenkönig Julien (Sacha Baron Cohen / Stefan Gossler) immer hinterher. Und jetzt auch schön produktiv - wie früher, in den besseren Zeichentrickorgien (etwa eines Tex Avery/“Bugs Bunny“), darf auch wieder (sehr) viel prima kaputtgehen. Zerstört werden.
„Madagascar 3“ ist eine amüsante schwerelose Puttmacher-Nummernrevue (= 3 ½ PÖNIs).
Der Franzose Claude Chabrol hat jahrzehntelang exzellentes, spannendes Gesellschafts- und Krimi-Kino gemacht. Doch jetzt, in den 90ern, hat er einfach kein Auge mehr für gute Geschichten und reizvolle Bilder. Nach “Stille Tage in Clichy“ und “Dr M“ heißt sein neuer Fehlgriff: „MADAME BOVARY“ von Claude Chabrol (B+R; Fr 1991; 143 Minuten; Start D: 02.10.1991).
Der basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert, der in Frankreich zum literarischen Heiligtum zählt. In dem geht es um eine Frau aus dem gehobenen Bürgerstand, die im Provinz- Frankreich des 19. Jahrhunderts an Herz und Seele vereinsamt. Chabrol schuf daraus trotz “Spitzenklöpplerin“ Isabelle Huppert ein blasses, durchsichtiges Frauen-Bild. Ein paar Affären, hohe Schulden, der dirigierte, gehörnte Ehemann..., alles ist vorhersehbar, uninspiriert, behäbig.
“Madame Bovary“ von Claude Chabrol, mit 2 Stunden und 20 Minuten auch viel zu lang, ist eine dürftige Kostüm-Posse (= 2 PÖNIs).
Mit „MADE IN USA“ von Ken Friedman (USA 1987; 82 Minuten; Start D: 15.10.1987); handelt von zwei jungen Typen, die keinen Job haben und deshalb einiges anstellen.
Von ihrem Heimatkaff aus in Pennsylvania geht‘s ab in Richtung Westen. Nach dem sonnigen Kalifornien. Mit geklauten Autos und zwei originellen weiblichen Mitreisenden. Easy Rider 1987? Ein bisschen. Aber längst nicht mehr so romantisch wie einst 1969. Das Land, das heute Dar und Tuck durchstreifen, zeigt sich an vielen Stellen beschädigt oder zerstört. Kraftwerke, Atommeiler und Umweltmüll haben unübersehbare Spuren hinterlassen. Auch Amerika ist von großen Umweltproblemen betroffen, und diese ziehen sich wie ein roter Faden durch dieses kleine, ungehobelte, sympathische und mit viel duftem Rock-Sound lärmende Road-Movie-Abenteuer (= 3 ½ PÖNIs).
„MADEMOISELLE CHAMBON“ von Stéphane Brizé (Co-B+R; Fr 2009; 101 Minuten; Start D: 12.08.2010); der 1966 in Rennes geborene Bretone ist hierzulande durch seinen 2005 gedrehten zweiten Spielfilm „Man muss mich nicht lieben“ bekannt geworden. Die stille Geschichte über einen „unscheinbaren“ 50jährigen Gerichtsvollzieher, der sich über einen Tangokurs in der Tanzschule endlich ins Leben „traut“, berührte.
Sein neuester, sein 4. Spielfilm ist erneut ein Kammerspiel aus der französischen Provinz. Stéphane Brizé und Florence Vignon erhielten im Frühjahr den „Cesar“ für das „Beste Drehbuch“. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Éric Holder entstand eine faszinierende, köstliche Leichtigkeit von Berührungskino. Die in ihrer atmosphärischen, sensiblen Emotionskraft beeindruckt. So schön, so intensiv, so „innen“.
Jean (VINCENT LANDON) ist ein herzensguter Mensch. Als Handwerker, als Sohn, der sich um seinen alten Vater kümmert, als Vater eines Sohnes, als Ehemann. Jean ist mit Anne-Marie (Aure Atika) glücklich verheiratet. Sein Alltag zwischen Familie und Arbeit ist ruhig wie wohlgeordnet. Bis er Mademoiselle Chambon kennenlernt (SANDRINE KIBERLAIN). Die Lehrerin seines Sohnes. Jean, der kaum an Kultur interessiert ist, trifft es wie ein Schlag, als er durch ihr Violinenspiel nicht nur die Musik, sondern auch „sich“ entdeckt. Ihre Erscheinung, dieses Geigenspiel durchstößt eine Barriere bei ihm und eröffnet ihm eine Empfindsamkeit, die er bei und in sich nie für möglich gehalten hätte. Liebe: Der handfeste Maurer und die etwas spröde, alleinlebende Violinistin, die Gegensätze könnten nicht größer sein. Und doch ist sie möglich. Aber auch machbar?
Ein purer Schauspieler-Film. Ohne viele Worte. Mit einer dezenten, aber deutlichen Körper-Sprache. Mit einer stillen begreifbaren Mimik. Mit wunderbaren Beiläufigkeiten, Gesten, Andeutungen. Ganz und gar zurückhaltend, aber eindringlich. Poren- wie seelentief. Alles geschieht „drin“, im Innern. Und geht unter die Haut. Denn wie das ehemalige Ehepaar Vincent Landon („Ohne Schuld“/kürzlich bei uns auf DVD erschienen) und Sandrine Kiberlain („Haben/oder nicht“; „Zu verkaufen“) diese grandiose Behutsamkeit, diese hochemotionalen Zwischentöne, diese wahrhafte Zartheit körpersprachlich interpretieren, ist zutiefst Gefühl-pur. Nicht peinlich konstruiert, sondern elegant sanft, still. Glaubwürdig. Überzeugend. Nachvollziehbar. Fernab von Klischee, Trief und Getue entsteht spannendes, verblüffendes Liebesleid. Meryl Streep und Clint Eastwood in „Die Brücken am Fluß“, als SIE den Griff der Autotür hält, sich entscheiden muss, ob sie geht oder bleibt, auf dieser Emotionsebene, Brizé und seine „Tränendrüsen-Referenz“. Wunderwunderschön.
Für Gefühls-Junkies ist „Mademoiselle Chambon“ ein Muss-Film. In CinemaScope (= 4 PÖNIs).