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Filmtitel von Mä - Mal

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

DAS MÄDCHEN, DAS DIE SEITEN UMBLÄTTERT" von Denis Dercourt (Co-B+R; FR 2006; 85 Minuten Start D: 03.05.2007); es ist der 5. Spielfilm vom studierten Philosophen und Politologen, einst Soloviolonist und heute Professor am Straßburger Konservatorium + seit 1998 auch Filmemacher, hierzulande unbekannt, der auf den psychologischen Spannungs- bzw. Rache-Spuren von Hitchcock bzw. Chabrol wandelt: In einer französischen Kleinstadt gilt die sensible 10jährige Metzger-Tochter Mélanie als talentierte Klavierspielerin. Bei der Aufnahmeprüfung für das Konservatorium versaut ihr die unsensible Jury-Präsidentin die Chance.

Enttäuscht wie verbittert beschließt das Mädchen, ihren Traum von einer Pianistenlaufbahn zu begraben. 10 Jahre später kommt die junge hübsche Frau als Praktikantin in eine Anwaltskanzlei: Ihr Chef ist, welch ein Zufall, der Gatte der einstigen Jury-Präsidentin, Ariane, die, welch noch ein Zufall, ein Kindermädchen sucht. Mélanie zieht in das noble Familienanwesen ein und übernimmt zudem die Aufgabe, der nach einem mysteriösen Unfall nervlich angeschlagenen Star-Pianistin Ariane "zur Hand zu gehen". Füllt - mit lächelnder Unschuldsmaske und natürlich mit äußerster Diskretion - die Aufgabe aus, ihr beim Klavierspielen die Seiten umzublättern. Wird dabei zur (auch erotischen) Seelen-Verwandten.

Leiser wie raffinierter, bald aber auch vorhersehbarer Psycho-Thriller, nach dem Motto: Eine böse Fee verrichtet ihre FEINEN, zerstörerischen Vernichtungsfeldzug; mit einer dann aber zum bösen Schluss ziemlich kraftlosen Auflösung, die mehr von Zufällen als von cleverer Logik und ausgefeiltem Sinn bestimmt ist. Dennoch: Dank der brillanten Darstellerinnen DÉBORAH FRANCOIS ("´L`enfant"/2005/"Goldene Palme" von Cannes) und CATHERINE FROT ("Zwei ungleiche Schwestern"/2004) eine lange Zeit subtile, virtuose, reizvolle Rache-Etüde. Kleine, cineastische Spannungs-Perle (= 3 PÖNIs).

Von einer neuen, hinreißenden und auch noch deutschen Geschlechter-Komödie ist ganz am Anfang dieser filmischen Kino—Infomnationen die Rede. „MÄNNER" von Doris Dörrie (B+R; D 1985; 99 Minuten; Start D: 10.01.1986); stammt von der zur Zeit vielversprechendsten deutschen Filmemacherin, die schon mit “Mitten ins Herz“ und “Im Innern des Wals" einen guten Kino-Einstieg hatte.

Erzählt wird von drei Leutchen: zwei Männer, einer Frau. Ein Karriere-Typ, HEINER LAUTERBACH versucht seine genervte und hübsche Angetraute, ULRIKE KRIENER, von einem WC-Flippi und Lebenskünstler, UWE OCHSENKNECHT, zurückzugewinnen und begibt sich zu diesem Zweck in das WG-Ensemble. Natürlich ohne Wissen und Ahnung der Kontrahenten. Was dabei und dadurch entsteht, ist wirklich dialog-witzig, ironisch-durchtrieben und mit herrlichen Spitze auf heutige Männerwirtschaft versehen, ohne dabei denunzierend oder spröde zu werden.

“Männer“ besitzt Charme, Esprit und Witz wie es das schon lange nicht mehr in einer deutschen Komödie zu finden war, besitzt in der Tat so was wie Lubitsch-Touch und Billy-Wilder-Feeling. Ein toller Film, dem auch von der Regisseurin eine hübsche, hintergründige Überschrift mit auf den Kino-Weg gegeben wurde: ‘Meine Männer in diesem Film sind meine Marilyn Monroes‘ (= 4 PÖNIs).

MÄNNER AL DENTE“ von Ferzan Özpetek (Co-B+R; Italien 2009; 116 Minuten); der am 3. Februar 1959 in Istanbul geborene Drehbuch-Autor und Regisseur kam 1979 nach Italien. Entschied sich spontan, nicht in New York, sondern in Rom Filmgeschichte zu studieren. Parallel beginnt er 1982 als Regieassistent an der Seite wichtiger Regisseure wie Mario Bava, Ugo Tognazzi und Marco Risi zu arbeiten. Sein Debütspielfilm „Hamam – Das türkische Bad“ wird 1996 in die bedeutende Nebensektion „Quinzaine des Realizateurs“ bei den Filmfestspielen von Cannes eingeladen und macht Ferzan Özpetek international bekannt. Mit seinem 3. Spielfilm „Die Ahnungslosen“ hat der Wahlrömer seinen Durchbruch geschafft. Danach entstehen u.a. der auf zahlreichen internationalen Festivals prämierte Streifen „Das Fenster gegenüber“ (2003) sowie „Un giorno perfetto“ (2008; lief im Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig). 2008 widmete ihm die „MoMa“ in New York eine Retrospektive unter dem Titel „Filmmaker in Focus: Ferzan Ozpetek“.

Schauplatz seines neuesten Films, der im Frühjahr in der Berlinale-„Panorama“-Sektion gezeigt wurde, ist Lecce in Apulien. Dort werden wir in die gutbürgerliche Großfamilie Cantone eingeführt, die eine Pasta-Fabrik betreibt. Papa, Mama, Oma, Tante (mit extremem Augenfehler), Schwager, Tochter, Brüder & Co. (= etwas begriffsstutzige Dienstboten etwa), man trifft sich wieder einmal unter dem Dach des Patriarchen Vincenzo (gockelhaft-großartig-cholerisch: ENNIO FANTASTICHINI). Der Anlass: Der jüngste Sohn Tommaso (RICCARDO SCAMARCIO) hat sein Studium in Rom beendet und soll nun, wie auch schon sein älterer Bruder Antonio (ALESSANDRO PREZIOSI), in den Familienbetrieb mit-einsteigen. Doch Tommaso hat ganz andere Pläne. Er hat keineswegs Betriebswirtschaft studiert, sondern Literatur. Wartet sehnsüchtig auf die Veröffentlichung seines ersten Romans. Und: Obwohl dies für den traditionsbewussten Erzeuger ein „Schlag ins Kontor“ sein wird, möchte er dem Vater auch noch mitteilen, dass er SCHWUL ist. Und in der Hauptstadt mit Marco in guter Partnerschaft zusammenlebt. Bevor er dies aber in der Familienrunde am abendlichen Esstisch verkünden kann, kommt ihm sein Bruder Antonio zuvor. Und erklärt dem völlig überrumpelten Papa (und auch dem baff erstaunten Tommaso), dass ER schwul sei und dies endlich allgemein verkünden will.

Padre Vincenzo ist, erwartungsgemäß, völlig außer sich und verstößt umgehend den Ältesten. Schließlich bleibt ihm ja noch der Jüngste, der sich nun nicht mehr zu outen wagt. Damit Papas Herz nicht noch so einen Streß-Hieb bekommt. In der Familie jedenfalls geht es ab sofort richtig schön bunt-rund zu. Mama mia bzw. Papa mia! Was sollen denn nur die Leute denken? Diese „modernen Schweinereien“! Dabei hat auch der selbstgefällige Senior des Hauses seine „erotische Leiche im Keller“, betrügt er doch seine Ehefrau Stefania (LUNETTA SAVINO) ganz „offen“ und offensichtlich mit der feurigen Geliebten Patrizia im Ort. Jedenfalls rumort es im familiären Getriebe mächtig. Wobei die aristokratische Großmutter (superb: ILARIA OCCHINI), die selbst einst nur deshalb ihren Mann heiratete, um dessen von ihr heiß und innig geliebtem Bruder nah zu sein, sich als die Progressivste innerhalb der Sippe erweist: „Wenn Du immer nur DAS machst, was die Anderen wollen, ist Dein Leben nichts wert“, stößt sie den unglücklichen Tommaso an. Und: „Meister über Deine Fehler bist nur Du“, gibt sie ihm auf den nun reichlich in Unordnung geratenen Lebensweg mit. Denn jetzt reisen auch noch die schwulen Freunde aus Rom (samt Liebhaber Marco) an, werden vom nichtsahnenden Vater überschwänglich ins Haus eingeladen und sorgen natürlich für „zusätzliche Hitze-Wallung(en)“…

Ach so ja, und da ist ja auch noch die attraktive wie sensible Alba (schön kess, verletzlich und selbstbewusst: NICOLE GRIMAUDO), die Tochter des neuen Geschäftspartners, die eigentlich für den Jüngsten „vorgesehen“ ist und ziemlich baff über „die hormonellen Entwicklungen“ hier ist. Ein Käfig voller Narren oder: Der italienische Schwank lebt. Das geheime Sein und der trügerische Schein. Die Heuchel-Eltern und die Abnabelung der erwachsenen „Gören“. Überholte Konventionen. Der Familienbetrieb in allen seinen turbulenten Facetten. Und: Das „gefährliche“ Schwulsein. Im katholischen, konservativen Italia. Augenzwinkern forever. Über - den „ungehorsamen Nachwuchs“. Und diesen „cholerischen Alten“. Eine schelmische Moral-Komödie. Als unterhaltsame Lektion in Sachen Emanzipation. Für beide Geschlechter. In schöner Umgebung. Mit viel süditalienischer Sonnenballaden-Atmosphäre. Stimmungsvolle Tiefgedanken und prächtige Landschaftsmotive. Erinnernd an deftige italienische Spaßklassiker wie „Scheidung auf italienisch“ von Pietro Germi (1961) oder „Verliebt in scharfe Kurven“ von Dino Risi (1962). Eine Familien-Oper mit charismatischen Figuren und mit flottem 70er Jahre Ironie-Pop („Sorry I´m a Lady“). Ohne Zoten, Unter-der-Gürtellinie-Täteräh, Peinlichkeiten. Italien, beim WM-Fußball kürzlich jämmerlich ausgeschieden, zeigt sich hier spielfreudig posen- und possenhaft. Der ganz normale, schön pointierte Gefühls- und Seelenwahnsinn. Dort wie hier und überall. Diese unblöde Leichtigkeit tut gut. Eine beschwingte, luftige Commeddia all´italiana (= 3 ½ PÖNIs).

Als dieser Film im Frühjahr in die Kinos kam, interessierte sich "keine Sau" für ihn. Und das, obwohl eine STAR-Besetzung lockte: "Oscar"-Preisträger GEORGE CLOONEY ("Syriana"; "Good Night, and Good Luck"); das schottische As EWAN McGREGOR ("Trainspotting"); "Oscar"-Preisträger JEFF BRIDGES ("Crazy Heart"); "Oscar"-Preisträger KEVIN SPACEY ("Die üblichen Verdächtigen"; "American Beauty"). In einer Kriegs-Satire mit "komischem" Realo-Geschmack und viel Spaß-Köpfchen. Bei der man vergnüglich mitdenken "darf". Schon der Titel macht neugierig und zählt neben - "Die Beschissenheit der Dinge" aus Belgien - zu den "geruchsintensivsten" in diesem Jahr:

MÄNNER, DIE AUF ZIEGEN STARREN" von Grant Heslov (USA/GB 2009; B: Peter Straughan; 93 Minuten; Start D: 04.03.2010); nach dem 2004 erschienenen SACHBUCH "The Men Who Stare at Goats" des 1967 geborenen Walisers Jon Ronso, das hierzulande einst unter dem Titel "Durch die Wand" herauskam und kürzlich nochmal unter dem deutschen Filmtitel veröffentlicht wurde.

Der am 15. Mai 1963 in Pittsburgh/Pennsylvania geborene Grant Heslov ist sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur, Drehbuch-Autor und Produzent tätig. Hat z.B. 2005 zum vielgelobten Clooney-Film "Good Night, and Good Luck" das Drehbuch verfasst und den Film auch mit-produziert. Hier nun erzählt er eine sonderbare Geschichte. Die bis in die amerikanischen 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreicht. In die Epoche des Kalten Krieges. Zwischen der UdSSR und den USA. Bzw. umgekehrt. Offensichtlich konnte damals keine Idee noch so verrückt, bescheuert sein, um sie nicht nicht auszuprobieren. Die Hauptsache: Überlegenheit gegenüber dem Feind. Hier: Dem Sowjet-Feind. Gleich am Filmanfang wird deshalb darauf verwiesen: "In dieser Geschichte steckt mehr Wahrheit als sie glauben". Zunächst ist alles harmlos. Ein junger, aufstrebender Journalist, dem gerade seine Ehefrau abgehauen ist und der sie "mit Taten" wieder zurückgewinnen möchte, Bob Wilton (Ewan McGregor), macht sich 2003 als Kriegsberichterstatter auf den Weg gen Irak. Über Kuwait. Begegnet "merkwürdigen" Veteranen. Hört von einer früheren Spezialeinheit der US-Army. Der "NEW EARTH ARMY". Die wurden zu PSYCHO-SOLDATEN ausgebildet. Zu parapsychologischen Spionen. Zu Soldaten "mit Fernwahrnehmungen". Sozusagen als "Gedanken-Krieger". Quatsch? Blödsinn? Fantasy-Ausgeburt von ausgeflippten Autoren?: Keineswegs.

Die New Earth Army gab es als "First Earth Bataillon" in den 70er/80er Jahren tatsächlich. Die US-Army-Führung wollte nichts unversucht lassen, um "zu gewinnen" und ließ den verrücktesten, völlig unglaubwürdig und sinnlos erscheinenden Ideen freien Versuchstatenraum. So entstand die "Einheit der JEDI-Krieger". Die "Jedi-Ritter", das ist bekanntlich eine Gruppe des von George Lucas einst geprägten STAR-WARS-Universums. ("Möge die Macht mit dir sein": Ewan McGregor spielte später in seiner Rolle als Obi-Wan Kenobi in den "Star Wars I-III"-Nachfolgefilmen eine solche Jedi-Figur). Bob trifft auf Lyn Cassady (George Clonney). DER gibt sich als ein solcher, ehemaliger "Jedi" zu erkennen. Gemeinsam geht es auf eine "neue Mission" in den Irak. Mit vertrauensbildenden Sätzen wie "Du musst nur deine Bestimmung finden, der Fluß wird dich an dein Ziel tragen". Bob bleibt gehörig misstrauisch. Er ist ein "Pessi", der an das "Wachstum im Geist" nicht glauben kann und will. Dennoch: Sie geraten in Abenteuer, aus denen sie immer wieder "merkwürdig" wie halbwegs heil herauskommen. Obwohl in den eigenen Reihen, durch den neidischen wie charakterfiesen Militär-Kollegen Larry Hooper (Kevin Spacey), ihre "Mission" torpediert wird. Hooper war "damals" schon ein Arschloch und ist es heute noch. Hat den Militär-Guru Bill Django (Jeff Bridges) schon "geschafft". Auf dem Gewissen. Hat ihn gebrochen. Doch "so ganz" hat er ihn noch nicht kaputt gekriegt. Also..... Und die Ziegen? Einmal fällt der Spruch "Das Schweigen der Ziegen". Nach den Lämmern. Ulkig. Na ja, die Ziege "als solche" hat hier schon eine besondere, spezielle, traumatische Bedeutung. Im Zusammenhang mit der Suche nach kreativen Lösungen für den amerikanischen Krieg gegen den Terror. Denn, so den abschließende Ironie-Tenor: "Heute, mehr denn je, braucht die Welt den JEDI-Krieger!" Egal: Damals Vietnam, heute Irak und Afghanistan. Es gibt immer viel zu tun. An vielen "Ami"-Flecken der Welt.

Was für ein feiner SPEZI-Film. Was für eine überdrehte, überhitzte, sagenhaft schön-bekloppte Farce. In der Tradition von Robert Altmans Antikriegs-Satire-Klassiker "M.A.S.H." von 1969. Oder dem Kubrick-Spott "Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben" von 1963. Ein irrationales, proppenvoll-aufgenzwinkerndes New Age-Movie mit durchtriebenem, prima-unanständigem Happening-Appeal. Marke: Wie bekloppt ist eigentlich "Mensch", wenn es darum geht, Lebenszeit und Lebenssinn maßlos zu vergeuden. Um irgendwo, irgendwie, irgendwann "als Gewinner" dazustehen. Räumlich wie ideologisch. Und: Wie lächerlich macht sich eigentlich "Mensch", sobald er in "Uniform" steckt. "Männer, die auf Ziegen starren" ist eine bizarre, intelligente, also SEHR anregende, unterhaltsame Verrücktheit von Komödie. Mit der genau treffsicheren, absurden Balance zwischen "guter Albernheit" und pfiffigem Parabel-Sinn. Bilderstark vom "Oscar"-gekrönten Kameramann ROBERT ELSWITT ("There Will Be Blood") zubereitet, dabei auf jeden Hippie-Firlefanz verzichtend, sondern ganz auf die Doppelbödigkeit von Motiv und Stoff ausgerichtet. Natürlich, DIE sind hier irgendwie sämtlichst durchgeknallt, aber bitteschön - mit viel süffisantem, originellem Untergrund.

Und DEN herauszukitzeln gelingt dem männlichen Star Ensemble grandios. Clooney und McGregor, das sind "Jedis" im Geiste von historischen Utopisten wie DON QUICHOTE und SANCHO PANZA, aus dem "Der Mann von La Mancha"-Meisterwerk von Spaniens Nationaldichter MIGUEL DE CERVANTES. Clooney als moderner "Ami-Ritter von der traurigen Gestalt", als "Spinner" und nicht aufgebender (Jedi-)Kämpfer, Bob Wilton als ein bodenständiger, ständig alles infrage stellender kritischer Journallje-"Diener"-Begleiter. Mit zunehmendem Lern- wie Emotionspotenzial. Man ist böse-schelmisch in Sachen "neue-alte Super-Soldaten braucht das Land" unterwegs. Trifft präzise Spott- und Sinn-Ton. Ist körpersprachlich wie charismatisch präsent. Macht sich dabei nie dumm & dämlich zum Affen, sondern reizt clever mit seinem melancholischen, arg ramponierten, verwundeten Moralfinger. "Männer, die auf Ziegen starren" ist grandioser, wunderbarer Un-Sinn. Als Klasse Film-Droge. "More Than A Feeling" singt "Boston" im Abspann (=4 PÖNIs).
(Kritik bezieht sich auf die DVD-Ausgabe)

MÄNNERHERZEN“ von Simon Verhoeven (B, Musik+R; D 2008/107 Minuten; Start D: 08.10.2009); der Sohn der Schauspielerin Senta Berger und des Regisseurs Michael Verhoeven wurde am 20. Juni 1972 in München geboren. Nach dem Abitur 1991 absolvierte er eine Schauspieler-Ausbildung am „Lee Strasberg Theatre Institut“ in New York. Ein Jahr später ging er nach Boston, um dort am „Berklee College of Music“ Jazz-Komposition und Filmmusik zu studieren. 1995 wurde Simon Verhoeven an der „Tisch School of the Arts“-Universität in New York aufgenommen und studierte dort Film-Regie. Abschluß 1999. Als Schauspieler arbeitete Verhoeven mit Regisseuren wie Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“/2003), Doris Dörrie („Der Fischer und seine Frau“/2004) und Roland Suso Richter („Mogadischu Welcome“/ARD 2008) zusammen. 2001 entstand sein erster Kinofilm „100 Pro“.

In „Männerherzen“ tritt er einmal mehr an, um „die Differenzen“ zwischen den Geschlechtern komödiantisch „zu spezifizieren“. Passender Ausgangsort dafür heute - das Fitneßstudio. Hier haben wir sie alle beisammen: Die Lauten und die Leisen; die Besserwisser und die Luschen; die Kraftprotze und die Möchtegerns. Die Harten und die Zarten. 6 dieser Prototypen in/mit Sinnkrisen hat sich Verhoeven zusammengebastelt, um sie näher zu beleuchten. Als da wären: Chaot PHILIP, der nichts in die Reihe kriegt, beruflich dauer-spinnert und vor dem finanziellen Aus steht, während ihm Gelegenheitsfreundin Nina (Jana Pallaske) eröffnet, daß sie schwanger ist. Sein Kumpel NIKLAS dagegen befindet als Werbefuzzi auf dem Erfolgstrip, bereitet gerade die Hochzeit mit der attraktiven Laura (Liane Forestieri) und den Eigenheimkauf vor. Musikproduzent JEROME dagegen ist d e r angesagte Top-Boy, gutaussehend, mit „entsprechendem“ Frauenverschleiß, doch irgendwie fühlt auch er sich mehr und mehr „daneben“. Zumal er sich derzeit „intensiv“ auch um den Schlagerstar BRUCE zu kümmern hat, dessen Geplärre ihm zwar auf den Keks geht, der aber angesagt und mit seinem platt-dämlichen Liedgut ziemlich erfolgreich ist. Währenddessen bemüht sich der einsame Landesbeamte GÜNTHER ebenso verklemmt wie verzweifelt, per Online endlich seine Traumfrau zu ordern, was ihn schließlich zur bodenständigen Tierfutterladen-Verkäuferin Susanne (Nadja Uhl) führt. Die hätte gegen ein Kennenlernen imgrunde nichts einzuwenden, gäbe es da nicht ihren extrem eifersüchtigen, extrem cholerischen Ex ROLAND, einen U-Bahn-Fahrer, der sich nicht unter Kontrolle hat und ziemlich oft die Beherrschung verliert.

Natürlich sind die Parallelen zum britischen Episodenfilm „Tatsächlich Liebe…“ von Richard Curtis (aus dem Jahr 2003/mit u.a. Hugh Grant), inzwischen d e r TV-Weichspüler zum Weihnachtsfest, unverkennbar. Wie ja überhaupt die komödiantische Annäherung an die „emotionalen Machenschaften“ zwischen „Jäger und Sammlerin“ („Caveman“) nichts unbedingt Neues darstellt. Aber: Bei Drehbuch-Autor und Regisseur Simon Verhoeven sind originelle, witzige Ansätze in Sachen Typen und Pointen vorhanden, die WIRKLICH SPAß MACHEN. Für Vergnügen sorgen. Weil er – bei aller tragischen Komik – seine „Mündel“ nicht nur durch den Blödian-Kakao zieht, sondern DIE liebevoll-ernst nimmt. „Männerherzen“ zeigt sich als freche Komödie, die voller intelligenter Ansätze, spritziger Dialoge und schön-frecher Situationskomik steckt. Mit darstellerischem Genuß-Potenzial wie JUSTUS VON DOHNANYI als abgehalftertem Schlagersänger. Dessen Lieder dermaßen schmalzen, daß sie ebenso unerträglich wie irrsinnig komisch klingen. Oder CHRISTIAN ULMEN (neulich „Maria, ihm schmeckt´s nicht!“; früher „Herr Lehmann“) als beamteter Peinlichkeitstyp mit erheblichen emotionalen Defiziten; grandios in diesen kleinen, feinen Tupfern von verzweifelten Gefühlsregungen. Oder ein TIL SCHWEIGER, endlich mal befreit vom eigenen Drehbuch und vom Selber-Regie-Führen = gibt sich angenehm zurückhaltend als erfolgreiches Alphatier mit Identitätsproblemen, wunderbar-leise überzeugend. Oder WOTAN WILKE MÖHRING („Hardcover“) als ständig ausrastender Gefühlsbomber; der völlig verzweifelt wie durchgeknallt in sich feststeckt und da überhaupt nicht mehr ´rauskommt. Um schließlich seinen Kontrahenten sogar und buchstäblich den Krokodilen zum Fraß vorzuwerfen. Starke Figuren, weil spielfreudige Akteure. Wie dann auch FLORIAN DAVID FITZ und MAXIM MEHMET als gebeutelte „Männchen“ mit ziemlich viel verzweifeltem Komik-Potenzial.

Mit einfallsreichen Wendungen, sanfter Ironie und süffisanter Sprache erzählt Verhoeven unterhaltsam von den Träumen und Hoffnungen, von den Macken und Streichen, von den Glücks- und Niederlagen-Momenten im Dasein von 6 tapferen Adams. Die ulkig auf die Schippe genommen, aber nie verraten oder denunziert werden. Natürlich fehlt dem Newcomer Verhoeven noch die Eleganz, um Humor und Tragik durchgehend stimmig zu mixen; manchmal kommen die aggressiven Tiefs – wie beim Roland von Wotan Wilke Möhring – zu „dicke“ daher, um anschließend sofort wieder „auf Lockerheit“ umschalten zu können, aber das sind Debütanten-Schwächen, die nicht sonderlich wehtun. Denn INSGESAMT ist dies hier ein urig-überzeugendes, ulkiges deutsches Feelgood-Movie, mit erstaunlich viel Herz und pfiffigem Verstand. „Männerherzen“ oder - es gab schon lange keine deutsche Komödie mehr, die SO witzig funktionierte. Alle Achtung! (= 4 PÖNIs).

MÄNNERHERZEN…UND DIE GANZ, GANZ GROSSE LIEBE“ von Simon Verhoeven (B+R; D 2010; 112 Minuten; Start D: 15.09.2011); über DEN Bengel brauchen wir nicht mehr zu diskutieren, siehe die biographischen Kurzdaten am Anfang der Rezension von „Männerherzen“, der am 8. Oktober 2009 in den hiesigen Kinos anlief und nicht nur toll war, sondern auch, mit über 2,1 Millionen Kinobesuchern, erfolgreich. Das erste Ausrufungszeichen ! des im nächsten Juni 40 Jahre jung werdenden Sohnes von Senta Berger und Michael Verhoeven. DER, wie ich der Vollständigkeit halber noch anfügen will, auch mal eine Fußballer-Karriere im Visier hatte, bis zu seinem 17. Lebensjahr als Stürmer für den TSV 1860 München in der höchsten deutschen Jugend-Klasse und der DFB-Nachwuchsauswahl spielte. Sich dann aber so schwer „durch einen Gegenspieler“ verletzte, dass er aufhören musste. Glücklicherweise, darf man heute attestieren, denn sonst dürften wir jetzt nicht notieren, in SIMON VERHOEVEN offensichtlich einen GANZ, GANZ großem deutschem Komödien-Talent zu begegnen. Sowohl als Drehbuch-Autor wie auch als Regisseur. Und dies eben nicht über die sonst so gewohnte eklige Körperflüssigkeiten-Komödien-Komik, diesem widerlichen Anal-Humor („Resturlaub“) oder diesem doofen Zoten-Bombardement („Otto’s Eleven“; „What A Man!“). Sondern mit interessanten Charakter-Typen, einem klasse ausgetüftelten „sitzenden“ Pointen-Reigen, knuffiger Situationskomik. Frei nach dem klugen Motto: Guter Humor ist stets auch komische Tragik. Es geht im Übrigen direkt, also unmittelbar anschließend weiter: „Männerherzen 2“.

Mit diesen Sinnkrisen-„Fuzzis“ aus Teil 1. Die Lauten & die Leisen. Die Besserwisser & die Luschen. Die Kraftprotze & die Möchtegerns. Also - die Harten & die Zarten. Mit Namen Philip. Niklas, Jerome, Bruce, Günther. Und Roland. Der Choleriker. Der schon mal zuhaut, bevor „es“ denkt. Beziehungsweise seinen Kontrahenten schon mal ins Krokodilbecken vom Zoo-Aquarium schubst. Wie damals. Und deshalb jetzt im Knast sitzt. WOTAN WILKE MÖHRING als Roland hat hier den bewegungsunfreudigsten Part. Und das Pech, auf einen Knast-Psychiater zu treffen, der selbst ‚ne Vollmacke hat. Was soviel bedeutet wie - Roland hat keine Chance, vorzeitig herauszukommen. Zurück zu Ehefrau und Kind. Deshalb kann auch der „mittlere“ Landesbeamte Günther weiterhin hoffen, bei Rolands Gattin Susanne „zu landen“. Natürlich aber ohne ihr „dabei“ gleich das linke Ohr anzuknabbern/abzubeißen. Oder so. Scherzkeks CHRISTIAN ULMEN, der zuletzt des Öfteren schon mal „unkontrolliert“ herumalberte („Jerry Cotton“; „Hochzeitspolka“; „Maria, ihm schmeckt’s nicht“), wird von Simon Verhoeven als „grauer Günther“ in die zielgenaue, treffsichere Balance zwischen verklemmten Blödmann und nettem Schüchterling versetzt. Ohne dabei dessen Figur zu denunzieren. Denn: „Beschädigen“ tut der sich schon selber genug.

Aber auch die anderen Kerle „schmecken prima“ zwischen „possierlich“ und „dampfend“: Jerome, der Frauen-Held (TIL SCHWEIGER, sensationell zurückgenommen, angenehm in Bild und Ton), nimmt eine Auszeit, kehrt ins hessische Provinz-Elternhaus und unter seine Bayern München-Bettdecke zurück. Hält sich mit Holzhacken fit. Und hat in CHRISTINE SCHORN + MICHAEL MENDL köstliche Eltern-Nichtversteher. Mit viel ulkigem Schinkenbrot-Charme. Währenddessen sich die Anderen in der Hauptstadt austoben. Als Dauer-Chaoten von Bio-Fastfood-Cafe-Betreiber im Scene-Bezirk Kreuzberg („Philip“ MAXIM MEHMET); als sinn- und trostsuchender Kumpel Niklas (FLORIAN DAVID FITZ) mit irritierenden „Spacebook“-Aktivitäten und als Überflieger von Schnulzen-„Poet“. Mit Namen Bruce Berger. Im Zivilleben, vor der Leinwand: JUSTUS VON DOHNANYI. Und hier sind wir bei DEM Darsteller-Kracher dieses tollen Beziehungsreigens: Der am 2. Dezember 1960 in Lübeck geborene und kürzlich nach Berlin (in meine Charlottenburger Gegend) umgezogene Justus von Dohnanyi ist hier der definitive Clown-KNÜLLER. Bei dieser flotten Kerle-Performance. Als schwuler Bruce Berger ist er in seinem Element. Als sagenhafte Bühnensau. Mal hoch, mal noch höher, mal Keller. WIE der Sohn aus prominentem Hause (Opa: Nazi-Widerstandskämpfer; Vater: Bekannter Dirigent; Onkel: Populärer Hamburger Ex-„Bürgermeister“-Politiker) seine Figur temperamentvoll und dabei SEHR witzig „fleddert“, durchzieht, ist beste urige Spaß-Kunst. Weil ER, also seine Figur, im Original so nachhaltig ankam, wurde ihm hier nun der größere Auftritt verordnet. Was der Show RICHTIG gut tut. Sie noch besser funktionieren lässt. Noch schwungvoller. Mit viel komischem Tiefgang. Denn nach den vielen „strengen“ wie „dunklen“ Typen (etwa sein Veit Harlan in Oskar Roehler’s „Jud Süß“-Film oder der schleimige Bendix Grünlich in Heinrich Breloers „Buddenbrooks“-Adaption oder als Captain-Fiesling Nicoli in „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug, 1998, mit Pierce Brosnan) darf er sich hier von seiner poppigen, überdrehten Entertainer-Seite zeigen. Mit viel Dampf-Energie und scharfem Rambazamba. Dieser Dohnanyi ist ein Brüller!

Apropos: 2007 schuf Justus von Dohnanyi, als Drehbuch-Autor, Regisseur und Mitspieler, den hierzulande wenig beachteten schwarzen Komödien-Jux „BIS ZUM ELLENBOGEN“ (s. Kritik). Wo er bravourös einen Toten mimte. Der durch den Norden der Republik „tourt“. War schon ein ironisches und jetzt durchaus zum DVD-Entdecken geeignetes Eigen-Vergnügen dieses grandiosen Komödianten (mit den adäquaten Partnern Stefan Kurt + Jan Josef Liefers). DEM jetzt hier die „große Bühne“ gehört, OHNE dass „die Anderen“ darunter leiden. Müssen. Der phantastisch überdreht wie „traumatisiert“ triumphier. Und mit dem Titelsong – von Simon Verhoeven - zudem einen öligen Ohrwurm ins Schlagerohr vergnüglich setzt. (Wie schon bei Teil 1 mit der Verhoeven-Hymne „Alle Kinder dieser Erde“/dem Hit auf Abi-Feiern).

Und die Mädels? Wie JANA PALLASKE & NADJA UHL?: Potente Stichwortgeberinnen. Wie gewohnt. Als Männer-„Pflegerinnen“. Und ständige Rettungsanker. Wo beginnt Ulk, wann entsteht Katastrophe, wie die Versöhnung? SIE haben wieder mächtig zu tun, „die Plüschlöwen“ zu bändigen. Motto: Es bleibt ein Kreuz mit diesen ewigen „Komplikationen“ zwischen Jungs und Frauen.

„Männerherzen 2“ fetzt als unterhaltsamer deutscher XL-Spaß ab. Besitzt dabei clevere satirische Ulkpfeile. Überzeugt prächtig als Nicht-Schenkelklopfer-Albernheit. Ein deutscher Fortsetzungsfilm, der’s locker packt. Bringt. Als Prima-Rundum-Ensemble-Hit. Mit einem Klasse-Ausraster wie JUSTUS VON DOHNANYI. Wir können’s doch… (= 4 PÖNIs).

MÄNNER IM WASSER“ von Mans Herngren (Co-B+R; Schweden/D 2008; 100 Minuten; Start D: 19.08.2010); wir erinnern uns gerne an die strippenden Stahlarbeiter aus Sheffield aus der britischen Arbeiter-Komödie „The Full Monty/Ganz oder gar nicht“ von 1997, nicht wahr? (s. Kinokritik)

Dies hier ist die neuzeitliche schwedische Variante: Eine Gruppe von Kerlen. Freunden. 7 Mannsbilder so um die Ende 30. Lieblingstätigkeit: Das wöchentliche Hallen-Hockey in der Uni-Sporthalle. „Anführer“ ist Fredrik (JONAS INDE), seines Zeichens arbeitsloser Journalist mit deshalb viel Freizeit-Ambitionen. Doch weil Fredrik & Co. weder Kinder noch weiblich noch behindert sind, wird ihnen die wöchentliche Spielzeit gestrichen. Was nun tun? Frust und Depri machen sich insbesondere bei Fredrik breit, weil sich seine Ex-Frau gerade auf dem Karrieretrip gen London befindet und ihre gemeinsame 16jährige Tochter, die kesse Sara, vorübergehend bei ihm „parkt“. Anfangs kommt man in seinem Single-Haushalt überhaupt nicht miteinander klar, das aber ändert sich schlagartig, als Papa durch die Tochter „auf ein verrücktes Ding“ gebracht wird: Wie wär´s denn mal mit SYNCHRONSCHWIMMEN??? Wie bitte, eine reine Frauen-Domäne? Von wegen: Angefangen hat ja schließlich alles, kurz nach 1900, mit entsprechenden MÄNNER-Aktivitäten. Ist photografisch wie urkundlich belegt.

Und weil sie schließlich bereits eine „Interessengemeinschaft“ bilden, kann man ja auch gleich einen „passenden Verein“ gründen. Um an Wettkämpfen und schließlich, als schwedische „Mannschaft“, offiziell an der WM in Berlin im kommenden Jahr teilzunehmen. Doch das akzeptiert die weibliche Verbandschefin nicht. Synchronschwimmen, das sei nichts für Männer. Die schreien auf von wg. Diskriminierung und Emanzipierung und so. Erwecken Medien-Neugier. Während Tochter Sara beginnt, die Schnapsidee des Teams in hartes Training umzupolen. Und die Kerle beginnen, sportlich ein- bzw. abzutauchen. Dabei kommen sich Vater und Tochter (endlich) näher. Was der zurückkehrenden Mama dann überhaupt nicht passt. Also: Sportlich wie privat gilt es, eine Menge Hürden zu überwinden, bevor…

Ein skandinavisches Road-Movie. In die Seelen von, nein, nicht Gestrandeten, die sind alle durchaus „ordentlich helle“, sagen wir…von Widerständlern. Rebellen. „Aktivisten“. Motto: Je mehr Nein drumherum, je mehr Ja, wir machen es. Setzen ES durch. Peinlichkeiten, Missverständnisse, Psychosen können sie nur kurz mal in ihrem Engagement, in ihren Aktivitäten unterbrechen, aber keinesfalls aufhalten. „Männer im Wasser“ ist eine Sinn- und Identitätssuche mit Charme-Schmackes. Eine „Alles ist möglich-Posse“ mit viel atmosphärischer Feingrob-Stimmung und urigem Figuren-Personal in der Midlife-Krise. Die es zu überwinden gilt. Gegebenenfalls halt auch mit viel Stress. Ein augenzwinkerndes Jetzt-Gerade-Na-Und-Vergnügen. Mit lakonischem skandinavischem Temperament. Motto: Einzelfahren im Leben ist Käse, Freundschaft und Team-Geist zählen mehr. Und diese männliche Diskriminierung im Wasser?: Die lassen WIR uns schon gar nicht gefallen. Klaro.

„Männer im Wasser“ ist eine sympathische Schmunzel-Komödie. Die in den Arthouse-Kinos eine „schwedische“ Außenseiter-Hitchance hat, ähnlich wie 2006 „Wie im Himmel“ (= 3 PÖNIs).

MÄNNERTRIP“ von Nicholas Stoller (B+R; USA 2009; 109 Minuten; Start D: 02.09.2010); der Debütfilm des Harvard-Absolventen war 2008 der lockere Eifersuchtsschwank „Forgetting Sarah Marshall“, hierzulande betitelt mit „Nie wieder Sex mit der Ex“. Haupt-Produzent war damals der 42jährige JUDD APATOW. Der zählt gegenwärtig zu DEN Erfolgsmachern in Hollywood. Trifft mit seinen „Zoten-Späßen“ vor allem den Unterhaltungsnerv vieler jugendlicher Kinogänger. Hat - als Drehbuch-Autor - z.B. die Chaoten-Show „Walk Hard: Die Dewey Cox Story“ 2007 entwickelt; hat als Regisseur und Autor im selben Jahr den Hit „Beim ersten Mal“ realisiert und als Produzent die „kontroversen“ Trabbel-Movies „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ (2006), „Superbad“ (2007) und zuletzt „Ananas Express“ (2008) verantwortet.

Judd Apatow, in Long Island/New York geboren, ist der JOHN HUGHES (18.2.1950 – 6.8.2009) der Neuzeit. Der beeinflusste bekanntlich einst mit seinen “Kinderfilmen” wie „Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ und „Ferris macht blau“ die filmischen 80er Kids-Jahre maßgeblich. Und sorgte später, als Produzent, für Ami-U-Klassiker wie „Kevin – Allein zu Haus“ (1990; plus die New York-Fortsetzung 1992) und „101 Dalmatiner“ (1996). Judd Apatow macht so weiter: Schräg, scharf, hemmungslos.

In „Get Him to the Greek“ (Originaltitel) geht es mal wieder und buchstäblich um den „verruchten“ Rock ´n ´Roll des Lebens. Schweinkram-pur. Dabei ist der dickliche Naiv-Praktikant Aaron Green (JONAH HILL) eigentlich ein „ordentlicher“ Typ. Doch dann hat er eine Idee, die ihm noch leid tun soll: Er macht seinem Chef, einem überkandidelten Plattenlabel-Boss (Sean „P. Diddy“ Combs), den Vorschlag, einen längst abgestürzten Alt-Rocker profitabel wieder aus der Versenkung zu holen: Aldous Snow (RUSSELL BRAND). Gedacht, gesagt, unterwegs. Auf dem Weg gen London. Wo der exzentrische Musiker haust. Fortan gilt es für Aaron, diesen ausgeflippten, barbarischen Rock-Rabauken binnen 72 Stunden zum Tourneestart nach Los Angeles zu bringen. Dies erweist sich als (sehr) viel komplizierter als ge-/bedacht. Denn dieser Aldous Snow ist der ewige pubertäre, chaotische, egozentrische Kaputtmacher, der sich an keine Regeln hält, für den das Dasein eine ewige Party aus Drogen, Suff und Weibern bedeutet. Der übertölpelte, überforderte Aaron muss fortan „mitspielen“, um dranzubleiben. Was für ihn natürlich unangenehme, schmerzhafte Dauerbegleiterscheinungen plus herbe Körper-Folgen bedeutet. Und auch den häuslichen Beziehungsfrieden zur wartenden Freundin mächtig „stört“.

Körperflüssigkeiten wechseln sich ab mit Hochprozentigem und Hysterie, der Humor knallt „nach unten“. Motto: Der Harte und der Zarte. Wie „geschaffen“ füreinander. Ein Ja-was-Soll´s-Gig. Laut und heftig. Mit bisweilen urigen Schmutz-Gags, irren Slapstick-Nummern, schwarzhumorigen Breitseiten gegen die „Verderblichkeiten“ im Musik-Business und Showbiz. „Männertrip“ oder = eine schräge, schrill tönende Pfui-Deibel-Performance, bei der vor allem der charismatische britische Clowndolli, Outlaw-Moderator und Stand-Up-Comedian RUSSEL BRAND (35 / hatte bei „Nie wieder Sex mit der Ex“ den anrüchigen Lover-Sex mit der Ex) als exaltierter Skandalist mit seiner brachialen Verbal-Komik und „unappetitlichen“ Körpersprache für „poppige Proll-Unruhe“ sorgt. Ein attraktives Ekel mit rüdem Selbstzerstörungs-Charme. Man kann ihn förmlich „riechen“…..

„Männertrip“ ist Geschmacksachen-Radau. Mit ulkigen Gastauftritten von Promis wie Christina Aguilera, Pink oder Metallica-Drummer Lars Ulrich. Für diesen knalligen Slapstick-Randale-Pups sind „begleitende Getränke“ unbedingt erforderlich (= 3 PÖNIs).

MAGIC MIKE“ von Steven Soderbergh (K, Schnitt+R; USA 2011/2012; 111 Minuten; Start D: 16.08.2012); der 49jährige Regisseur, Kameramann (unter dem Pseudonym Peter Andrews) und Schnittverantwortlicher (Pseudonym: Mary Ann Bernard) arbeitet mal „groß“, mit umfangreichem Budget (die „Oceans“-Trilogie), mal bescheidener („Life Interrupted“), mal politisch engagiert (die beiden „Che“-Filme). Zuletzt war der „Oscar“-Preisträger („Traffic – Die Macht des Kartells“/2000) filmisch mit dem düsteren Endzeit-Drama „Contagion“ und mit seinem 25. Regie-Werk, dem Action-Rotz „Haywire“ (mit dem furiosen Hau-Drauf-Mädel Gina Carano), unterwegs. Um danach gleich mit dieser 7 Millionen Dollar-Produktion loszulegen, die sich Zuhause an den Kinokassen, mit Einnahmen von über (bislang) 112 Millionen Dollar, als extrem profitabel erwiesen hat. Dabei erzählt der Spielleiter von „Erin Brockovich“ (2000/“Oscar“ für Julia Roberts) die heutige Version vom „amerikanischen Traum“.

Blickt auf einige Stripper. In Florida. In Tampa. Wo sich allabendlich im Club „Xquisite“ einige muskelbepackte Typen vor johlenden, kreischenden Ladies fast ausziehen. Um sich die Tangas mit vielen Dollars füllen zu lassen. Star des aufgeheizten Etablissements ist zweifellos Charme-Boy Mike. Eben „Magier“ Mike, mit seiner geilen Körpersprache. Dabei hat Mike (CHANNING TATUM) künftig ganz andere Pläne: Ist das Spar-Geld erst einmal eingetanzt, will er seine Werkstatt für handgefertigte Maß-Möbel einrichten. Und es ruhiger angehen lassen. Doch bis es so weit ist, hat er sich verpflichtet, im Ensemble des geschäftstüchtigen Clubbesitzers Dallas (MATTHEW McCONAUGHEY) „mitzuwirken“. An der vorderen Rampe. Wo auch der 19jährige Adam (ALEX PETTYFER) hin will. Allerdings zunächst mehr ungewollt. Mike hat ihn auf der Tagsüber-Baustelle entdeckt, wo „Bubi“ als Dachdecker eine eher müde Figur abgibt. Doch als Adam von Mike in den Club mitgenommen und sogleich „in den Ring“ geworfen wird, entpuppt sich das Jüngelchen unter dem Namen „The Kid“ bald als ebenso „begehrte, heiße Nummer“. Zudem wird er für Mike aber auch deshalb ein Kumpel, auf den es „aufzupassen“ gilt, weil er über Adam dessen Schwester Brooke (eine Entdeckung: CODY HORN) kennen- und liebengelernt hat. DIE allerdings hält wenig vom abendlichen Treiben „der Jungs“.

Geben wir es doch naiv zu: Wir Kerle „freuen“ uns doch auch schon mal über das Anschauen von silikongefüllten weiblichen Körperteilen. Oder so. Nun sind Mädels mal auf der Leinwand dran. „Magic Mike“ besteht aus einer eher „überschaubaren“ Story und grandios choreographierten Stripp-Tänzen. Von coolen Muskel-Protzen. Ausgeführt als perfektes Trockenficken mit Musik. Als täglicher ernster Spaß um die Überlebensdollar. In einem Land, so signalisiert diese Szenerie, in dem es keine Garantien für Wunschjobs, Karriere, Mittelstandsbürgerlichkeit mehr gibt. Wo Auf- und Abstieg in Stunden möglich, das „Durchschlagen“ inzwischen die (Lebens-)Regel ist. Wo der eigene Körper-Einsatz mächtig gefragt ist und die eigene Identität ständig infrage gestellt wird. Wer bist du, was machst du, warum. Wo es jeden „erwischen“ kann. In Richtung Miami oder aber auch in Richtung Provinz. Das Oberschichten-, das Unterschichtenprogramm. Je nachdem. Was du tust oder auch nicht tust. Wofür du bereit oder auch nicht bereit bist.

Die Show aber bestimmt die Bilder: Die stimmungsvollen Macho-Klischees dort duften prima: Wenn “Tarzan“ im Lendenschurz herumhüpft, der uniformierte GI, Polizist oder Feuerwehrmann wild agiert, flippen die amüsierwilligen Frauen gerne aus. Dürfen lauthals die gedankliche Sau ´rauslassen. Mit viel Selbstbewusstsein und Lustgewinn. Ohnehin befinden sie sich anscheinend auf der Dollar-Gewinnerseite. Würden sie DIE sonst so freizügig „verteilen“ können? Steven Soderbergh zeigt auf Männer, die sich tagtäglich selbst vermarkten, „anbieten“, um auch am „dream“ teilnehmen zu dürfen. Frauen dirigieren hier Tempo, bestimmen Lust und Gewinn. Also bedienen Mike, Dallas & Co. gekonnt, überzeugend, diese Marktnische. Angeblich heiß und willig. Bis die Emotionen aus dem Norm-Ruder laufen…..

ER ist derzeit ein In-Typ in Hollywood. Hat sich über Movies wie „21 Jump Street“ und „Für immer Liebe“ zuletzt ins Rampenlicht gespielt: CHANNING TATUM, 32, aus Alabama. DER vor seiner Hollywood-Karriere selbst mal als „Exotic Dancer“ eine zeitlang sein Geld verdient hat. Und hier quasi mit „Fachwissen“ charmant agiert. Der gute MATTHEW McCONAUGHEY („Surfer, Dude“; „Der Mandant“), inzwischen blendend aussehende 42, mimt den Club-Antreiber Dallas spannend halb-fies. Die ebenso resolute wie „unschuldige“ Schöne CODY HORN wirkt prächtig als innerlich patente, gefestigte junge Frau, die vor allem weiß, was sie nicht mag. Und nicht will. Nach dem überraschenden Erfolg von „Magic Mike“ in den USA soll Channing Tatum über sowohl eine Fortsetzung wie auch über eine Bühnen-Adaption gerade nachdenken (= 3 PÖNIs).

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