„MAX MINSKY UND ICH" (D 2007; 94 Minuten; Start D: 06.09.2007) von Anna Justice; basiert auf einem Roman der in Berlin lebenden Amerikanerin Holly-Jane Rahlens, die auch das Drehbuch schrieb: Die 13jährige Nelly als kämpferische Außenseiterin, wenn es darum geht, sich in Sachen Basketball, der Schwärmerei für einen luxemburgischen Prinzen und gegen die strengen Regeln ihrer jüdischen Mama durchzusetzen/zu behaupten.
Zwar knistert bei diesem deutschen Erstling des Öfteren auch das Drehbuch-Papier, dennoch vermag er die Balance zwischen Jux und Tiefgang, zwischen Dollerei und Leichtigkeit durchaus zu halten. Weil die 14 Jahre junge Hauptakteurin ZOE MOORE einfach hinreißend mimt und alle mit Schwung und Präsenz an die Wand spielt. Da vergisst man gerne wie schnell, dass wieder einmal die Erwachsenen in diesem Spaß ums komische Erwachsenwerden meistens bloß blasse Stichwortgeber/Dreinschauer sind (= 3 PÖNIs).
„MAX PAYNE“ von John Moore (USA 2007; Start D: 20.11.2008);
einem 38jährigen irischen Regisseur, Drehbuch-Autoren und Produzenten. Der sich bislang allerdings mit Genre-Werken wie „Im Fadenkreuz – Allein gegen alle“ (2001), dem Remake von „Der Flug des Phoenix“ (2004) und dem Remake von „Das Omen“ (2006) nicht doll hervorgetan hat, im Gegenteil. Sein neuestes (Mach-)Werk basiert auf dem gleichnamigen Computerspiel aus dem Jahr 2001. Dabei im Mittelpunkt: Max Payne. Dessen Nachname nicht zufällig auf das englische Wort für SCHMERZ verweist. Und in der Tat, Max hat bereits viel durchlitten, als wir ihn erstmals kennenlernen: Vor Jahren haben Unbekannte seine Frau und sein Kind grausam ermordet. Der Doppelmord konnte nie aufgeklärt werden, wurde zu den Akten gelegt. Seitdem arbeitet der Polizist in der Einheit für ungeklärte Fälle. Und verbreitet nach Dienstschluß, natürlich, als knallharter Racheengel viel Angst und – klar – Schmerzen. Eine mysteriöse Mordserie bringt ihn auf die Spur der gesuchten Verbrecher. MARK WAHLBERG, 38, als düsterer Hau-Drauf-Typ in Hollywoodfilmen gerne eingesetzt („The Italian Job – Jagd auf Millionen“/2003; „Vier Brüder“/2005; „Departed – Unter Feinden“/2006; „Shooter“/2007; „Helden der Nacht – We Own The Night“/2007), mimt hier den brutalen Charles Bronson der Neuzeit („Ein Mann sieht rot“).
Denn imgrunde geht es hier nur wieder einmal darum, genussvoll-lüstern GEWALT vorzuführen. Wie schön es doch ist, Menschen zu jagen und sie abzuknallen. Mit dem Alibi-Verweis, es handele sich doch „NUR“ um die Adaption eines erfolgreichen Computerspiels. Blöde Argumentation. Der doppelte Story-Boden um Verrat und Korruption „ganz in der Nähe“ ist rasch ausgemacht und bestätigt sich auch dann, wenn nach 95 Minuten reichlich Munition abgeballert ist. Vorhersehbarer Plot, simple Charaktere und diese immerwährende Dauer-Brutalität lassen den Film unangenehm, blöd und „viehisch“ wirken. Mark Wahlberg gibt den eindimensionalen, uninteressanten Rächer, und Neu-Bond-Girl OLGA KURYLENKO („Ein Quantum Trost“) darf, in einem Nebenpart, als lüsternes, unbefriedigt bleibendes Partygirl schnell die Lebens-Segel streichen. Während Oldie BEAU BRIDGES, der inzwischen 66jährige Sohn von Lloyd Bridges und ältere Bruder von Jeff Bridges („The Big Lebowski“), „überschaubar“ den vermeintlichen väterlichen Freund des Helden mimt. Ach je: Max Payne, wie die „New York Post“ spöttisch schreibt, hat eben einfach-einfältig wie schlicht-brutal „nur 3 Dinge im Kopf: Bumm, bumm und bumm“…..(= 1 PÖNI).
„MAX SCHMELING“ von Uwe Boll (D 2009; 123 Minuten; Start D: 07.10.2010); der am 22. Juni 1965 in Wermelskirchen geborene Filmemacher zählt zu den „merkwürdigsten“ Persönlichkeiten im internationalen Filmbusiness. Boll, 1994 in Siegen im Fach Literaturwissenschaft mit der Arbeit „Die Gattung Serie und ihre Genres“ zum Doktor der Philosophie promovierend (Quelle: „Wikipedia“ + Presseheft), ist seit Anfang der 90er Jahre als Regisseur und Produzent tätig. Nach Werbespots entstehen erste Spielfilme wie „German Fried Movie“ und „Barschel – Mord in Genf?“
Ab 2000 finanziert er seine „robusten“ Filme über – für die Anleger steuerlich „günstige“ – deutsche Medienfonds und dreht aufgrund finanzieller Vorteile häufig im kanadischen Vancouver. Seit 2003 konzentriert er sich auf die gewaltintensiven Verfilmungen von Videospielen („Postal“; „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“). Ende 2005 beendet der hiesige Gesetzgeber die steuerlichen Vergünstigungen für „solche“ Filmherstellungen. 2008 realisierte Uwe Boll den Til-Schweiger-Flop „Far Cry“. Im Vorjahr wurde er mit der „Goldenen Himbeere“, dem Häme-„Oscar“, in der Kategorie „Schlechtestes bisheriges Lebenswerk“ in Hollywood bedacht. Für demnächst hat er ein neues Filmwerk mit dem Titel „Auschwitz“ angekündigt, in dem der Alltag im KZ Auschwitz thematisiert werden soll. Nochmal „Wikipedia“: „Boll ist im Teaser als Wächter zu sehen, der an der Tür einer Gaskammer lehnt und döst, während im Inneren Menschen mit dem Leben ringen“.
Nun also erst einmal das Herangehen an eine „deutsche Legende“ (Untertitel). Im Frühjahr fehlten (lt. „BILD am SONNTAG“ vom 4. April 2010) noch 2 Millionen EURO für Werbung. Die sind jetzt offensichtlich vorhanden, denn die City von Berlin ist voll plakatiert, und eine Gala-Premiere gab es kürzlich hier auch.
Max Schmeling (28.9.1905 – 2.2.2005) war DER deutsche Cassius Clay/Mohammad Ali. In Sachen Box-Sportler, Fairness, spannender, aufrechter Lebens-Gang. Ein nationales Idol. Das auch HENRY MASKE, geboren am 6. Januar 1964 in Treuenbrietzen, des Öfteren persönlich traf. Wohl deshalb, aber auch wegen der Popularität des ehemaligen „kultivierten Halbschwergewichtlers“, wurde Henry Maske mit der Titelrolle bedacht. Als tougher Max Schmeling taumelt er nun durch die schweren deutschen (Nazi-)Zeiten zwischen 1930 und 1948, seinem Ring-Abschied. Dabei stehen natürlich die beiden Weltmeisterschaftsfights gegen Joe Lewis (gespielt vom Profi-Boxer Yoan Pablo Hernández) im choreographischen Mittelpunkt, aber auch seine große Liebe zur Schauspielerin Anny Ondra (ordentlich: Susanne Wuest). Dazwischen immer wieder die filmisch standardisierten „Übernahmeversuche“ der Nazi-Bonzen zu Propagandazwecken.
Maske bemüht sich. Sorgt als Nicht-Schauspieler, mit seinen hölzernen Dialogen und seinen staksigen Bewegungen, für unfreiwillige Lacher. Macht sich aber nicht lächerlich. Sieht gut (trainiert) aus. Bemüht sich ernsthaft, ist aber halt – auf Spielfilmzelluloid – mehr ein Krampf-Maxe. Dem wahren Typen, Charakter und der Persönlichkeit Max Schmeling nicht nahe kommend.
Vielleicht interessieren Box-Fans (bin keiner) die ausgiebigen Kämpfe, sonst passiert halt nicht viel oder aufregendes. Das Drehbuch des TV-Drehbuch-Autoren Timo Berndt ist „bescheiden“, mit viel Aufsage-Text versehen, vermag nicht zum Inneren eines Max Schmeling auch nur annähernd durchzudringen. Wer diese „Lichtgestalt“ wirklich war, schiebt der Film desinteressiert beiseite.
Statik-Nummern-Auftritte, u.a. auch von Heino Ferch als Trainer, ein Kaugummi-Movie. Schmeckt anfangs ein bisschen, danach wird er schnell fade, vorhersehbar, langweilig. In der Geschichte und Rangliste der Boxer-Filme befindet sich „Max Schmeling“ ziemlich weit hinten/unten. Ebenso wie übrigens die vorletzte „Max“-Story, wie der 2002 für das Bezahl-Fernsehen (größtenteils in Potsdam-Babelsberg) gedrehte amerikanisch-deutsche Film „Joe & Max“ von Steve James, in dem sich TIL SCHWEIGER als Max Schmeling versuchte.
Irgendwo, weit weg, lacht sich ein Martin Scorsese („Wie ein wilder Stier“/Robert De Niro/1979) über so viel Anspruchslosigkeit, Harmlosigkeit, über so vielen Dilettantismus bestimmt ins Fäustchen…..(= 2 PÖNIs).