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Filmtitel von Mel - Mg

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

MELANCHOLIA“ von Lars von Trier (B+R; Dän/Schwed/Fr/D 2010; 136 Minuten; Start D: 06.10.2011); lassen Sie uns von dieser blödsinnigen „NAZI“-Pressekonferenz anläßlich der Welturaufführung bei den Filmfestspielen von Cannes im Frühjahr Abstand nehmen. Und halten. Viel lieber - da ist der neue Film dieses 54jährigen dänischen Autoren-Regisseurs. Der nach eigenen Angaben schwer depressiv ist. Mit schizophrenen Schüben, wovon sein Ekel-Drama davor, „Antichrist“, nachhaltig zeugte. Und blutrünstig zeigte. Hier nun gibt sich der gebeutelte Maestro wieder in die, also seine totale Schwermütigkeit.

Motto: Die Welt an sich und überhaupt geht unter. Sehr schön und ganz langsam. In lichtvoller Zeitlupe. Unter krachender Wagnerscher Musikbegleitung. Die Menschen, die dies in seinem Film miterleben, sind schwerstgeschädigt. Depressiv. Teilweise irrsinnig. Ihr Umfeld - ein bourgeoiser Luxus-Müllhaufen. Auf dem Lande. Fein schäbig. Also äußerlich, architektonisch, wunderbar, mit zauberhafter Garten-Landschaft, innerlich, im Mensch-(Da-)Sein, verfault. Krank. Seelisch ruiniert. Beziehungsweise umgekehrt. Am Anfang gibt’s bereits den Schluss: Denn als Ouvertüre ist 7minütige Endzeitstimmung annonciert. Mit ästhetisch hochfeinen Bildmotiven. Vom Menschen, von der Landschaft, von Pferden, von den Untergangsschwingungen. Richard Wagners „Tristan“-Musik brüllt aus allen Lautsprechern. Dick und doll. Eine schön-schreckliche Endzeitstimmung. Denn im gar nicht einmal so fernen All kündigt sich eine Kollision an. Zwischen zwei Planeten. Zwischen Melancholia und der Erde. M., übergroß, wird die Erde opulent vernichten. Vorher aber gilt es, eine Hochzeit zu feiern. Eine prächtige. Ganz teure. Justine (KIRSTEN DUNST, das Mary Jane Watson-Liebchen von „Spiderman“/2002-2007) heiratet ihren Michael (ALEXANDER SKARSGARD). Er ist ganz vernarrt in sie, sie in ihn auch. Manchmal jedenfalls Wenn sie gut drauf ist. Wenn sie aber „ihre Schübe“ hat, wird sie unleidlich. Wir sehen, bemerken, ihre permanente Wechselstimmung. In der feinen Gesellschaft wird das ignoriert. Es MUSS gefeiert werden. Aufwändig. Programmgemäß. Schließlich bricht die totale Verzweiflung bei ihr durch. Ist nicht mehr zu übertünchen. Das war’s dann auch: Eine ganz kurze Hochzeit. Und Ehe. Und überhaupt. Trauer. Traurigkeit. Finale 1.

Und weiter geht es. Jetzt mit der Justine-Schwester Claire (CHARLOTTE GASINSBOURG) im hauptsächlichen Blickfang. Die und ihr reicher Mann John (KIEFER SUTHERLAND), der sich für Astronomie begeistert, nehmen Justine bei sich im pompösen Schlosshaus auf. Claire wird jetzt immer unruhiger. Verzweifelter. Grübelnder. Depressiver. Während sich zugleich der Zustand ihrer Schwester etwas bessert. Claire „spürt“ den bevorstehenden Weltuntergang. Aber DER lässt sich Zeit. Zieht sich hin. Vorher nimmt sich ihr Ehemann John mit Tabletten das Leben. Hat halt doch nicht Recht gehabt mit seiner Vermutung, Planet Melancholia würde an der Erde vorbeischrammen. Von wegen. Denkste. Finale 2. Wieder mit viel Wagner-Getöse. Aus. Total.

Ein seelischer Krüppel inszeniert die Welt aus der Sicht eines seelischen Krüppels. Das mag therapeutisch in Ordnung sein, ist und wirkt aber ellenlang und trotz dieser vielen schönen stilisierten Feinst-Bilder stinklangweilig. Das Interesse am hiesigen Personal hält sich begrenzt. Traurige Schnuten sind an der Tagesordnung. Oder gleichgültige. Oder wütende (CHARLOTTE RAMPLING mufft herum; JOHN HURT gibt sich alterslocker geil). Zwischendurch immer mal wieder Symbolfetzen vom bevorstehenden irdischen Ende. Wolken, Natur, Pferde und diese trostlosen Bewegungen der Menschen. Mit viel düsterem Aha umweht. Die Geschichte ist sowieso wurscht. Ob sich Mensch A nach links oder rechts oder geradeaus bewegt, bleibt egal. Gesagtes tönt beliebig. Wohin man blickt, erblicken wir nur Qual. Viel Qual. Als Dauer-Qualen. Deformierte Seelen. In den Hauptfiguren. Die Anderen (wie Stellan Skarsgard oder Udo Kier) sind sowieso mehr oder weniger belangloses „Bei-Pack“. Staffagen für die Filmlänge. „Melancholia“ von Lars von Trier, der Film, provoziert nicht, berührt kaum, obwohl die Leistung von Kirsten Dunst als ewig-trübe Claire Respekt verdient, sondern quält. Fürchterlich. Da hilft auch die Fütterung mit viel Hochglanz-Ästhetik durch Bild und Musik nichts, denn hier ist, wirkt alles nur deprimierend. Soll es ja wohl auch: Das stete Wühlen im tiefsten Seelen-Stau. Passend dazu geht dann ganze Erde gleich mit-unter.

Mensch Lars: Nö. Wenn schon Abschied, dann verrückter. Bitte. Spannender. Reizvoller. Nicht so lahm-dämlich. Und total dröge. Deine Therapiestunden im Kino nerven nur. Entsetzlich.

P.S.: Kirsten Dunst wurde in Cannes als „Beste Darstellerin“ ausgezeichnet (= 1 ½ PÖNIs).

MELINDA UND MELINDA" von WOODY ALLEN (B+R; USA 2004; 99 Minuten; Start D: 23.06.2005); endlich, möchte man sagen, endlich kommt ein neuer Woody-Allen-Film auch gleich ins Kino. Und wieder ist es einer dieser kleinen, feinen, tragikomischen "Existenzspäße" des neurotischen Meisters aus New York. Wo sich zwei Theater-Autoren in einem Bistro darüber unterhalten, ob das Leben nun "so" oder "so" sei. Anhand einer erfundenen Geschichte um die junge, hübsche, blonde Melinda spinnen sie verschiedene Begebenheiten, die je nach Sichtweise entweder Seelen-Panik oder Freude auslösen. Prima aufgelegte Schauspieler (u. a. Rahda Mitchell/die Australierin kennen wir aus dem Johnny-Depp-Film "Wenn Träume fliegen lernen"; Wallace Shawn, Chloe Sevigny); es funkeln die Dialoge; feinsinnige Pointen; Woody Allen einmal mehr in Höchstform (= 4 PÖNIs).

MEN IN BLACK“ von Barry Sonnenfeld (USA 1996/1997; B: Ed Solomon; 94 Minuten; Start D: 11.09.1997; Video-Veröffentlichung: 26.03.1998; DVD-Veröffentlichung: 05.09.2000).

Der HOLLYWOOD-SOMMER wurde 1997 traditionell mit dem “Labor Day“, dem “Tag der Arbeit“, am ersten September-Wochenende beendet. Die Studio-Chefs konnten aufatmen: Zwar wurde das Rekord-Einnahmeergebnis aus dem Vorjahr knapp verfehlt, dafür aber kam es eben nicht zum vorher befürchteten Desaster. Man muss sich das alles in etwa so vorstellen: KINO als wirtschaftliches Va-Banque-Spiel: Hoffnungen/Erwartungen gehen kaputt, dafür kommen Außenseiterfilme unerwartet gut durchs Kassenziel. Konkret: Die vorher “groß“ gehandelten teuren Werke wie “Speed 2“, wie “Batman & Robin" und zum Beispiel die demnächst auch bei uns anlaufende Komödie “Ein Vater zuviel“ mit den Star-Komikern Billy Chrystal und Robin Williams waren vergleichsweise Flops. Spielten weniger oder sogar erheblich weniger ein als ihre hohen Herstellungskosten. Dagegen war in den USA die Komödie: “Men In Black“, die zuvor eher als ‘Mitläufer‘ eingestuft worden war, d e r absolute Renner.

"Men In Black“ ist die Adaption einer gleichnamigen Comic-Serie. Aber: Im Unterschied zu den beispielsweise in Amerika sehr populären "Batman"-Comics wurde diese Serie nie sehr bekannt. Sie war und ist eine typische Insider-Serie. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Figuren und die Geschichten hier stets sehr gewalttätig agieren. Doch HOLLYWOOD interessierte die groteske Ausgangssituation und das komische Potential. Und das sieht so aus: Die Außerirdischen sind unter uns und zwar seit Jahren/Jahrzehnten schon. Genauer gesagt: seit 1956. Damals erhörten sie die Radiobotschaften, die die Menschen/Amerikaner ins All jagten, und entdeckten den Planeten Erde als Zufluchtsort für politisch Verfolgte. Deshalb wurde auch die “Abteilung für außerirdische Angelegenheiten“ gegründet, eine streng geheime Behörde, von deren Existenz selbst ‘Washington‘/Das Weiße Haus nichts weiß. Seitdem bevölkern rund 1500 Aliens den Erdball, die meisten davon (natürlich) in Manhattan/New York. “Betreut“ werden diese Wesen mit menschlichem Antlitz von den “‘Männern in Schwarz“, also von Typen mit schwarzen Anzügen und schwarzen Sonnenbrillen, die wie die legendären “Blues Brothers“ aussehen. Und auch so "cool" auftreten. Ein interstellarischer Rat überwacht alles in der Zentrale tief unter dem Hudson. Dort, eine Art Großraum im Stile der 60er Jahre, werden die täglichen Neuankömmlinge registriert, überprüft und in das allgemeine Kontrollsystem übernommen. Und warum hat die Öffentlichkeit bislang noch nichts von den “Men In Black“ erfahren? Ganz einfach: Die sind u.a. mit einem Elektrostab ausgerüstet, der mit einem kurzen Blitz bei jedem Menschen das Kurzzeitgedächtnis löscht. So werden Neugierige wie Fragen fern- und abgehalten.

Ein praktisches Gerät. Das jetzt um so vermehrt in den Einsatz kommt, weil eine Riesen-Kakerlake auf der Erde gelandet ist, um in der Haut eines Farmers die Existenz Erde zu bedrohen. Der erfahrene, hartgesottene Agent K und sein Neuling, der kesse, flapsige, junge, schwarze Agent J, bekommen eine Menge neuer und schleimiger Arbeit. TOMMY LEE JONES (“Auf der Flucht“/Nebendarsteller-“Oscar“) und WILL SMITH (Ex-Rapper und seit "Independence Day“ auf Karrierekurs) als “Blues Brothers“ auf “Alien“-Jagd. Als "Men in Black" dürfen sie sich selbstironische Gags und stimmungsvolle Trick-Pointen um die Ohren schaufeln, währenddessen der Film als purer Zitatenschatz angelegt ist. In diesem wilden, ausufernden, komischen Fantasy-Märchen werden pausenlos Genre-Filme der Jahrzehnte benutzt, zitiert, veralbert und erweitert. Diese auch nur annähernd aufzuführen würde allerdings hier den Rahmen sprengen. Deshalb sei der Wort-Blick noch auf die phantastischen Masken und Tricks gelenkt, die kalauerhaft das Geschehen führen: Etwa wenn der junge Agent J einer Frau auf dem Auto-Rücksitz hilft, ihr Tentakel-Baby, so ein Schleim-Wesen mit vielen Greifern, auf die Welt zu bringen. Oder wenn die beiden Helden einem intergalaktischen Pfandleiher mehrfach den Kopf zurechtrücken müssen, damit der wieder richtig sitzt. Oder wenn ein kleiner außerirdischer, sprechender Hund nach mehrfachem Schütteln die lakonische Weisheit von sich gibt, dass die Menschen es wohl nie begreifen werden: Es kommt nicht auf messbare Größe, sondern auf das Wesen der Dinge an. So in der Art ist “Men In Black“ pausenlos angelegt: Ein ausgelassenes, ulkiges und sehr effektvolles Spaß-Spektakel. In dem sich der 4facha “Oscar“-Preisträger und “Gremlins"—Schöpfer RICK BAKER als wahres Special-Effects-Genie erweist. Eine witzige, schwarzhumorige, gute, Unterhaltung von BARRY SONNENFELD, ein früheren Spitzen-Kameramann, der vor Jahren mit den beiden Horror-Komödien um die “Addams Family“ und zuletzt mit dem selbstironischen Hollywood-Gaunerstück “Schnappt Shorty“ mit John Travolta, Hits landete. Für diese Art Comic-Kino, für die Mischung Spaß und Genre-Kunst, ist er ein geeigneter Dirigent.

Witzig, temperamentvoll, cool und permanent selbstironisch; eine schmissige Science-Fiction-B-Komödie, die sich in den USA in diesem Kino-Sommer als d e r (Außenseiter-)Hit erwies. Mit rund 235 Mio. Dollar Einnahmen ließ sie sogar Spielbergs neuerliche Dinosaurier im Jurassic Park hinter sich. Sie sehen also: Kino/Film ist in gewisser “sportlicher“ Weise mit dem Fußball vergleichbar: Erfolg/Gewinn ist selbst mit viel Einsatz/Geld eben doch nicht immer planbar. Überraschungen sind immer möglich. Spielberg wird es verschmerzen können, er ist hier einer der zahlreichen Produzenten...(= 4 PÖNIs).

MEN IN BLACK 2" von Barry Sonnenfeld (USA 2001/2002; B: Robert Gordon, Barry Fanaro; 88 Minuten; Start D: 18.07.2002; Video- und DVD-Veröffentlichung: 21.01.2003).

Wieder sind Agent J (der statisch agierende WILL SMITH, bei 20 Mio. Dollar Gage geradezu lächerlich) und Agent K (TOMMY LEE JONES, nur mürrisch) als Alien-Jäger auf der (amerikanischen) Erde unterwegs. Als Gegenspielerin/Alien-Anführerin ist LARA FLYNN BOYLE ("Happiness"/"Red Rock West") diesmal mit dabei. Die Story ist abhanden gekommen, stattdessen eine bisweilen gagige Nummernrevue mit Trickfiguren und Computer-Animationen (der sprechende Mops ist witzig).

Nach dem erfrischenden Überraschungshit des Jahres 1997, spielte weltweit 587 Mio. Dollar ein, kommt bei der eher lauen Fortsetzung nicht viel heraus. Typisches Zweit-Popcorn-Movie, begleitet von einer gigantischen Werbemaschine. Wenn man das Original kennt, Finger bzw. Augen und Ohren weg. Für alle anderen reicht der Gang zur nächsten Videothek (= 2 ½ PÖNIs).

MEN IN BLACK 3“ von Barry Sonnenfeld (USA 2010/2011; B: Etan Cohen; 105 Minuten; Start D: 24.05.2012); gleich einmal „zur Beruhigung“, der „originale“ Drehbuch-Autor ist nicht etwa ETHAN Cohen, der berühmte Cineasten-Bruder („The Big Lebowski“), sondern der 1974 in Jerusalem/Israel geborene namensähnliche amerikanische Drehbuch-Autor ETAN Cohen. Im übrigen - „originaler“ Drehbuch-Autor bedeutet: Etan Cohen schrieb das ursprüngliche Skript, das im Verlaufe der langen Produktionszeit (Drehbeginn war am 16. November 2010, Dreh-Ende im Mai 2011) von Kollegen wie Jeff Nathanson, David Koepp und Michael Soccio „ergänzend“ bearbeitet wurde. Als Regisseur für die Neuauflage der US-Agenten mit den schwarzen Anzügen und den „speziellen“ Sonnenbrillen wurde erneut Ex-Kameramann und Regisseur BARRY SONNENFELD (57) engagiert, der in den letzten Jahren „nur“ für das US-Fernsehen gearbeitet hat und dessen erste beiden „Men in Black“-Movies (von 1997 und 2002) insgesamt, also weltweit über eine Milliarde Dollar einspielten. Eine erfolgreiche „Comic-Family“ wurde also reaktiviert. Um den Fiction-Spaß fortzusetzen. Mit diesen Superwaffen und diesem den Kopf von belastenden Erinnerungen befreienden „Blitz-Gerät“. Das ausschaut wie ein dickes Fieberthermometer. Dafür wurde ein Blockbuster-Budget von 215 Millionen Dollar aufgebracht. Dabei auch wieder mit im Film-Boot: Genre-Meister STEVEN SPIELBERG als Co-Produzent. Und: Die Show wurde nun im modischen 3 D-Verfahren realisiert. Allerdings ziemlich „unauffällig“, soviel sei schon mal verraten.

Eine Fortsetzung bedeutet in Hollywood oftmals nichts Gutes außer halt nochmal „Kohle“ aus einem eigentlich ausgelutschten Thema herauszuholen. Doch erfreulicherweise schaut es hier ganz anders aus: Die lange Zeit bis zum Wieder-Einsatz der „Black Men“ wurde tatsächlich genutzt bzw. investiert, um eine originelle weitere (Fortsetzungs-)Story zu entwickeln. Um diese beiden so gegensätzlichen Typen: Den schweigsamen, barschen Agenten K (TOMMY LEE JONES) und den eher „kommunikativen“ forschen Agenten J (WILL SMITH). Die sich zwar als irdische Monsterjäger bewährt haben und viele schleimige Attacken gemeinsam abwehren konnten, die aber miteinander nie richtig „bekannt“ wurden. Weil K sich jedweder emotionalen Nähe – bislang – ironisch wie übel gelaunt verweigerte. Dies ändert sich nun jetzt. Nach dem Motto: Zurück in die Vergangenheit. Um der Zukunft eine Chance zu geben. Der Zukunft von K. Denn DER ist nun „damals“ bedroht. Von dem üblen „Boris the Animal“ (JEMAINE CLEMENT). K hatte diesen zähnefletschenden Schleimbolzen mit den versteckten messerscharfen Krabben in seiner linken Hand einst geschnappt und einsperren lassen. Vier Jahrzehnte später, also jetzt, hat sich Boris befreit und sinnt auf Rache. An K. Düst nach 1969, um den jungen K (der 42jährige JOSH BROLIN als 29jähriger Tommy Lee Jones)) zu killen. Und gleich auch noch die Menschheit zu eliminieren. Ganz klar. Was natürlich J nicht nur erfährt, sondern auch verhindern will. Also saust er in die Vergangenheit hinterher, um für Klarheiten zu sorgen. Was soviel bedeutet wie - diesen Boris endgültig in den Orkus zu jagen, der Menschheit eine Zukunft zu garantieren und dabei gleichzeitig herauszukriegen, warum sein Partner eigentlich so unnahbar wurde. Und „so“ geblieben ist. Dabei kommt er einer spannenden emotionalen Familienspur auf die rührigen Schliche. Beim temporeichen Showdown in Cap Canaveral, wo gerade der erste Mondflug ansteht. Alles klar?

Gefühle spielen diesmal mehr eine bedeutsame Rolle als damals, beim komödiantischen Science-Fiction-B-Anfang Ende der 90er Jahre. Natürlich wie gehabt, also urig gewürzt mit ordentlichen Happen von Spezialeffekten. Um zum Beispiel Mega-Quallen oder einem entflohenen Riesen-Goldfisch aus dem Aquarium eines China-Restaurants. Und wieder mit vielen pointierten Bonmots von Clowndolli Will Smith. Der sich diesmal auch als J-Charakter bewähren muss. Soll. Denn es menschelt diesmal zünftig, allerdings mehr eben mit dem jungen K alias Josh Brolin als mit seinem „eigentlichen“ Oldie-Kumpel K alias (dem inzwischen 65jährigen) Tommy Lee Jones. Der hat hier nur einen etwa viertelstündigen Kurzauftritt und muss ansonsten „dem Nachwuchs“ die Endsechziger-Chose überlassen. Wo es von Zitaten, Anspielungen, auch politischen (ein Schwarzer, der einen Cadillac fährt, ist für – weiße – Polizisten ein Unding), und viel Zeitgeist-Atmosphäre nur so komisch wimmelt. Das Retro-Design jedenfalls ist köstlich angesetzt. Auch „personell“. Wenn etwa „Andy Warhol“ einen geradezu fulminanten Kurzhauch-.Auftritt bekommt, lässt es sich prima grinsen. Mit viel Detail-Spaß bietet „Men in Black 3“ ein unterhaltsames Popcorn-Vergnügen. An dem auch die (sprachlich herrliche) „Oscar“-Lady EMMA THOMPSON ihren attraktiven Ironie-Anteil (als Agentin O) hat.

Und es scheint demnächst sogar weiterzugehen. Wie schließlich zu vernehmen ist. Okay (= 3 ½ PÖNIs).

MERIDA - LEGENDE DER HIGHLANDS“ von Mark Andrews und Brenda Chapman (USA 2011/2012; 100 Minuten; Start D: 02.08.2012); das wurde aber auch Zeit…dass beim weltbesten Animationsunternehmen PIXAR endlich auch einmal beziehungsweise erstmals Frauen-Power angezeigt, angesagt ist. Nach kerligem Spielzeug („Toy Story 1-3“), männlichen Autos („Cars 1+2“), einer pfiffigen Küchen-Ratte („Ratatouille“), einem melancholischen Roboter („WALL-E“) und einem störrischen Opa („Oben“) darf nun - in „Brave“ (Originaltitel) - auch mal ein Girl im Mittelpunkt des Geschehens und als Blickfang herumtoben. Übrigens wie lange Zeit auch hinter der Kamera, wo bis „kurz vor Toresschluss“ die seit 2003 bei PIXAR hinter den Kulissen arbeitende Kreativkraft BRENDA CHAPMAN (1998 Co-Regisseurin beim Zeichentrickfilm „Der Prinz von Ägypten“ aus der Produktionsstätte von Spielbergs „DreamWorks Animation“) die alleinige Regie-Verantwortung hatte. Dann aber wurde sie auf Veranlassung von PIXAR-Boß John Lasseter („Toy Story“) gefeuert und durch Mark Andrews ersetzt. Der bis dato „nur als Experte fürs Mittelalter und für Kampfszenen angeheuert worden war“ („Spiegel“ 31/2012). Was im letzten Filmdrittel auch prompt, also mutmaßlich, für deutlich mehr Kampfszenen sorgt.

Die Wandlungsfähigkeit bei PIXAR ist enorm. Egal, auf welchem Spielfeld man sich engagiert, die bisherigen 12 PIXAR-Langfilme besaßen, sogar bei den Fortsetzungen, allesamt Originalität, Einfallsreichtum, eine unkonventionell ausufernde Phantasie. Diesmal bewegt sich das PIXAR-Universum in Richtung mittelalterliches Schottland. Schon die ersten, herrlichen virtuellen Panoramabilder über die dortigen Highlands unterscheiden sich kaum mehr von realen Aufnahmen, PIXAR wird immer perfekter in Sachen „reale Animation“. Prinzessin Merida ist ein rothaariger „Vollblut-Wuschel“ aus der örtlichen Herrscher-Dynastie. Anstatt in engen Kleidern vornehm im Schloss herumzustolzieren, mag sie lieber „draußen“ mit ihrem Vollblüter reiten, mit Pfeil und Bogen hantieren und ihre rote Mähne vom Wind durchschütteln lassen. Was den gutmütigen Papa erfreut, aber bei der „vornehmen“ Mama auf Widerwillen stößt. Schließlich soll sie sich ja bald vermählen. Einen der Erstgeborenen aus den vier mächtigen Clans des Landes „annehmen“. Merida aber weigert sich. Trickst diese zwischen unbeholfen und dämlich schwankenden Bubis zünftig aus. Was in der Folge eine geschäftstüchtige Hexe auf den Plan ruft, die Verwandlung ihrer Mutter in einen „überforderten Bären“ zur Folge hat und ihren (natürlich unwissenden) Vater erfreut, da er ja liebend gerne Bären jagt. Drumherum bricht viel hübsches Jagd- und Prügel-Chaos aus, woran übrigens auch Meridas ebenso rothaarige wie noch mehr aufsässige drei kleine Brüder ulkig beteiligt sind. Die keltischen Soundtrack-Klänge vom schottischen Filmkomponisten PATRICK DOYLE („Eine zauberhafte Nanny“) tanzen ebenso fröhlich mit und werden durch zwei stimmungsvolle Folk-Popsongs der schottischen Sängerin JULIE FOWLIS mitreißend ergänzt.

„Merida – Legende der Highlands“ ist kesse, freche Mittelalter-Emanzipation. Pur. „Ich will frei sein“ tönt eine historische Maid modern „robust“ herum und sprengt damit alle Konventionen. Klettern, jagen, Bogenschießen, das mag sie. Und nicht langweilig zu Hause herumhocken, um höfische Rituale „zu erfüllen“. Brav „rosa Zeugs“ zu stricken, saubere Liedchen anzustimmen, Frösche zu küssen und auf den Traumprinzen zu warten. Nix da. Freigeist Merida, übrigens hierzulande mit der köstlichen Verbalschnute von NORA TSCHIRNER ausgestattet, ist ein bauernschlaues, toughes Historienmädel von heute, das sich nicht (mehr) „die Butter vom Brot“ nehmen lassen will und lustvoll auf Eigenständigkeit, auf ein selbst bestimmtes Dasein, pocht. Deshalb ständig aufmüpfig ist. Eine kecke häusliche Rebellin. Die von Zwangsheirat, wie es ja bis heute in europäischen Adelshäusern Sitte ist, gar nichts hält. „Ich will ein Eigen-Leben“, schreit es aus jeder vergnüglichen mittelalterlichen Merida-Pore. Spiel, Spaß, Show. Ein Fun-Abenteuer. In bester Trickserei. Der 13. PIXAR-Spielfilm ist konventioneller gestrickt, also vorhersehbarer als viele der vorherigen Überraschungsmovies aus dieser Spitzen-Animationsfabrik, dabei aber immer (noch?/schließlich wurde man ja neulich von „Disney“ vereinnahmt) auf gleichbleibend hohem technischem wie unterhaltungsvollem Niveau. Mit flotten Bewegungen, markigen Sprüchen und urigen Gags. In charmanten 3 D-Treffern (= 3 ½ PÖNIs).

Die letzte (Nachspann-)Info: „Brave“ ist dem 2011 verstorbenen PIXAR-Studio-Mitbegründer (und „Apple“-Gründer) Steve Jobs gewidmet.

THE MESSENGER“ von Oren Moverman (Co-B+R; USA 2008; 105 Minuten; Start D: 03.6.2010); der Debütfilm des am 4. Juli 1966 in Israel geborenen ehemaligen Journalisten und Drehbuch-Autoren, der seit 1988 in New York City lebt, war einer der filmischen Höhepunkte im Programm des BERLINALE-Wettbewerbs des Vorjahres (2009). Bekam dort den „Silbernen Bären“ für das „Beste Drehbuch“, erhielt danach viele weitere internationale Auszeichnungen und wurde mit zwei „Oscar“-Nominierungen (Drehbuch + Woody Harrelson) bedacht. Jetzt also ist er ENDLICH auch bei uns im Kino angekommen. Es ist ein Kriegsfilm „ohne Krieg“. Das heißt, er beobachtet, zeigt, klärt auf, WIE WEIT eigentlich „Krieg“ überhaupt geht/reicht. Bzw. zu gehen vermag, zu reichen vermag.

Sein Name: Will Montgomery. Sein gegenwärtiger Job: Sergeant bei der US-Armee. Will ist gerade vom Kampfeinsatz aus dem Irak zurückgekehrt. Wegen „besonderer Tapferkeit“ wird er ausgezeichnet. Wegen seiner Verwundungen muss er nicht mehr zurück zum Kriegseinsatz. Da seine Militärdienstzeit noch drei Monate dauert, wird Will seinen Dienst „an der Heimatfront“ leisten. Als „Bote“, als „Engel des Todes“. An der Seite des erfahrenen Offiziers Captain Tony Stone hat er fortan den Auftrag, den Familien gefallener Soldaten die Todesnachricht zu überbringen. Korrekt und sachlich. Dabei hat die Uniform gebügelt und geschniegelt auszusehen, und die „dazugehörigen“ Formulierungen müssen klar und sachlich sein. Alles eine Frage von Vorschrift und aufrechter Haltung. Allerdings kommen die Reaktionen der Angesprochenen, der Betroffenen, „nicht so“ zurück, ganz im Gegenteil. Die Reaktionen der Mütter, Ehefrauen und Väter sind beklemmend. Hochemotional. Sie brechen zusammen, bespucken und beschimpfen die Überbringer. Über Will und Tony entlädt sich der ganze Zorn, die Wut über die entsetzlichen Folgen des Krieges. Während Tony Stone auf die akribischen Rituale und deren Einhaltung pocht, ist Will Montgomery „davon“ fürchterlich betroffen. Zudem ist er selbst traumatisiert von den Ereignissen an der Front, wo Kameraden getötet wurden und er selbst „gerade so“ überlebte. Doch wohl oder übel - man muss sich Tag für Tag zusammenraufen, um „den Job“ auftragsgemäß/vorschriftsmäßig zu erledigen. Dabei zeigt sich mehr und mehr, dass der ruppige Captain Tony längst nicht so hartgesotten ist wie er sich gibt und selbst eine ganze Menge seelischer Narben übertüncht. Die Beiden raufen sich zu einer Art „Schicksalsteam“ zusammen. Zumal es gerade „andersrum“ läuft: Als sie Olivia Pitterson die Nachricht vom Tod ihres Ehemannes überbringen, reagiert die junge Mutter erstaunlich gelassen und gefasst“: „Das muss für sie hart sein“, sagt sie zu den verblüfften Soldaten. Obwohl von Gewissensbissen geplagt, beginnt Will sich für die junge Witwe zu interessieren. Er ist nicht mehr länger fähig, die täglichen Schmerzen abzugrenzen. Was natürlich nun dem „Voll-Soldaten“ Tony überhaupt nicht passt.

Das Trauma von Krieg. Die Außen-Ansichten sind bekannt, in „Tödliches Kommando/The Hurt Locker“ von Kathryn Bigelow (6 „Oscars“ in diesem Jahr, darunter als „Bester Film“) haben wir sie kompromisslos erlebt. Hier nun quasi „Die Fortführung“, im Innern, fernab vom Kriegsschauplatz Irak. Zuhause, im „ruhigen“ Amerika. Wo Menschen nun „Krüppel“ sind. Die „den Krieg“ in Sich nicht mehr abschütteln können. Deren Leben und Lebensqualität sich „verrenkt“ hat. Die wie ordentliche Marionetten regelgerecht funktionieren, die aber seelisch zerstört sind. Und während die äußeren Wunden verheilen, läuft es innen „entgegen“. Kein Schuss fällt, während die Emotionen explodieren. Ein aufwühlender Film. Ein packender Film. Ein „auf die Birne“ spannend, diskutabel hauender Film.

Die drei Hauptakteure spielen großartig. Sind aufwühlend, absolut glaubwürdig. Der 47jährige Texaner WOODY HARRELSON mimt ja gerne die schrägen, die undisziplinierten, die zwiespältigen, die gespaltenen Figuren. Hat dies ebenso prächtig wie nachhallend in Filmen wie „Natural Born Killers“ von Oliver Stone (1994); „Larry Flint – Die nackte Wahrheit“ von Milos Forman („Goldener Berlinale-Bär“ 1996; „Oscar“-Nominierung für Harrelson) oder als durchgeknallter US-Soldat im Kult-Movie „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ von Barry Levinson (1997) gezeigt wie auch in den Zuletzt-Streifen „Transsiberian“ (2008), dort mal in einem Charakter-Part, „Zombieland“ und „2012“ (beide 2009). Harrelson zählt zu den Besten seines Fachs. WIE er hier den Prototypen des amerikanischen Berufssoldaten verkörpert, hinter dessen Fassade von Gefühlskälte es sehnsuchtsvoll nach Wärme und Geborgenheit geradezu „wummert“, ist phantastisch. Unter die Haut gehend.

Der 27jährige BEN FOSTER (neulich die „rechte Hand“ von Bösewicht Russell Crowe in dem Klasse-Western „Todeszug nach Yuma“) überzeugt als sensibler Will-Soldat ebenfalls grandios. Die Britin SAMANTHA MORTON (sie war 1999 in Woody Allens „Sweet and Lowdown“ die schüchterne stumme Hattie, die dem genialen, selbstsüchtigen Jazz-Gitarristen Sean Penn verfällt) brilliert als zurückgenommene Ehefrau, Mutter und Witwe. Gerade weil der Film auf Militärklischees und patriotische Rührseligkeit genauso verzichtet wie auf dumpfe, plakative Kritik, wirkt dieser Film sehr authentisch. Nachvollziehbar. Menschen-spannend. Und ist angesichts der hiesigen Diskussion um Heimkehrer aus Afghanistan von universeller Thematik. Für Woody Harrelson jedenfalls ist „The Messenger“ „kein Antikriegsfilm“, sondern „ein Pro-Peace-Film“, wie er damals auf der Berlinale-Pressekonferenz sagte. Also von globaler Wichtigkeit und Verständlichkeit (= 4 PÖNIs).

ME TOO – WER WILL SCHON NORMAL SEIN?“ von Alvaro Pastor & Antonio Naharro (B+R; Spanien 2009; 103 Minuten; Start D: 05.08.2010); die mit ihren Kurzfilmen bekannt gewordenen spanischen Drehbuch-Autoren und Regisseure („Invulnerable – Unverwundbar“ von Alvaro Pastor/2005; bekam mehr als 40 internationale Preise) präsentieren hier ihren ersten Kino-Spielfilm. Nach dem „Oscar“-prämierten Streifen „Das Meer in mir“ von Alejandro Amenábar aus dem Jahr 2004 ist dies erneut ein überzeugendes Werk aus dem „Rain Man“-Genre: „Helden mit Handicap“. Bzw.: Filme über und mit Menschen mit Behinderung. Ein Gen-Defekt. Eine Störung. Eine angeborene Chromosomenstörung, wie es medizinisch korrekt heißt: Beim DOWN-SYNDROM, der Trisomie 21, handelt es sich um eine solche körperliche Störung. Sie ist nicht therapierbar, aber behandelbar. Der 34jährige Spanier PABLO PINEDA ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Hochschulabschluss erworben hat. In „Yo, también“ (Originaltitel, übersetzt „Ich, auch“)) spielt er in der Rolle des Daniel sein Alter Ego; es ist seine erste Rolle als Schauspieler. Beim Festival in San Sebastian wurde er als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet.

„Ich bin von Kopf bis Fuß Down-Syndrom“: Daniel ist es gewohnt, dass man ihm wenig zutraut. Oder dass man ihm „vorsichtig“, ängstlich, zaudernd begegnet. Also geht er gleich in die Offensive. Daniel hat einen glänzenden Studienabschluss gemacht und tritt nun mit seinem „Diplom in Sonderpädagogik“ seinen ersten Job an. Voller Energie, Lust und Freude. Daniel ist ein sympathischer wie cleverer Typ. Kann über sich lachen und witzig parieren. Ist ein guter Beobachter und unauffälliger Kollege. „Jetzt nur noch heiraten“, meint er am Anfang kurz einmal zu seinen Eltern. Die über seine Lebenserfolge mächtig stolz sind. Als er am Arbeitsplatz mit seiner blonden Kollegin Laura in Kontakt kommt, beginnt der ganz normale emotionale Taumel. Bei dem sich im Grunde „die Positionen“ verkehren. Denn wer von beiden „mehr“ „behindert“ ist, ist oft nicht auszumachen. Laura schleppt „viel Mist“ in ihrem Seelen-Gepäck herum. „Und warum willst du normal sein?“, fragt sie ihn einmal spöttisch, resignierend.

Eine Love-Story. Eigentlich zwei, denn auch in der Tanzkurs-Nachbarschaft ist der emotionale Einschlag bei zwei behinderten Menschen enorm. Und auch hier greifen die „Normalen“ unangemessen ein. Bestehen auf Regeln, Ordnung, gesellschaftliche „Sauberkeit“. Bei Laura und Daniel ist es da schon anders. Sie haben genug mit sich zu tun. Und ihren „Wallungen“. Die im Kollegen-, Freundes- und Familienkreis ein ums andere Mal zu Tuscheleien, hämischen Bemerkungen und Kopfschütteln führen. Im Grunde ist es simpel: Eine faszinierende Love Story. Mit vielen seelischen Haken und Ösen. Mit all diesen Auf und Abs. Zweifeln. Hoffnungen. Entdeckungen. Er ist offiziell „behindert“, sie „normal“. Manchmal schaut es umgekehrt aus. „Und warum willst du normal sein?“

Eben keine Kitsch-Posse. Kein Mitleids-Drama. Keine Behinderten-Posen. Schon gar keine dämliche 08/15-Schnulze. Stattdessen ein wunderschöner, tragikomischer Berührungsfilm. Um zwei reizvolle, spannende, „atmosphärische“ Menschen. Dicht, dran, tief. Emotional wie gedanklich. Es macht jederzeit Spaß, es ist ein herzerwärmendes Vergnügen, hier zuzuschauen, hier mitzufühlen, mitzudenken. Aufmüpfig, sensibel, nachvollziehbar. Glaubwürdig. Überzeugend. PABLO PINEDA ist eine Wucht. Besitzt Dustin Hoffman-Charme. Absolut authentisch, packend, ein Leinwand-Held. Neben seiner gigantischen Bildungsleistung zieht er nun auch als feiner Schauspieler seine sensationellen Kreise. Unglaublich. Toll. Beeindruckend. Charismatisch. Seele zeigend. Körpersprachlich beeindruckend, sehr berührend. Wie eine verschmitzte Chaplin-Figur. LOLA DUENAS gehört zum darstellerischen Spitzenpersonal Spaniens. Bekam den einheimischen „Oscar“, sprich „Goya“, für ihre Rolle das Rosa in „Das Meer in mir“ und zählt zum Almodóvar-Ensemble (zuletzt: „Zerrissene Umarmungen“). Ist hier mitreißend wandlungsfähig, widersprüchlich, ein emotionaler Dauerticker. Wie sich die Beiden sich pointiert, ironisch, zärtlich, zerrissen duellieren, ist Kino-Leben-pur. Kann sich melodramatisch international messen. Große Gefühle. Große Leinwandstärke. Lola Duenas bekam für ihren Part als Laura im Frühjahr verdientermaßen ihren 2. „Goya“ als „Beste Schauspielerin“. „Me Too“ oder was für ein feiner, intensiver Unterhaltungsfilm! Wunderbar (= 4 PÖNIs).

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