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Filmtitel von Mh - Mij

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

MIAMI VICE" von Michael Mann (B, Co-Prod.+R; USA/D 2006; 134 Minuten; Start D: 24.08.2006); basierend auf der gleichnamigen US-TV-Serie aus den 80ern, erfunden von Anthony Yerkovich und maßgeblich mitentwickelt durch den "ausführenden Produzenten" Michael Mann. Der heute 63jährige (geboren am 5. Februar 1943 in Chicago) lernte auf der Londoner Filmschule sein Handwerk, realisierte dann exzellente/kluge/stimmungsvolle Genre-Filme wie den ersten Hannibal-Lector-Film "Manhunter - Blutmond" (1986), den Kerle-Klassiker "Heat" (1995/mit Al Pacino und Robert De Niro), den Polit-Thriller "Insider" (1999/mit Russell Crowe und Al Pacino/um Machenschaften der Tabak-Konzerne), das Boxer-Porträt "Ali" (2001/mit Will Smith), den Psycho-Thriller "Collateral" (2004/mit Tom Cruise und Jamie Foxx).

Der bislang viermal für den "Oscar" nominierte Filmkünstler, der vor allem dadurch berühmt/populär wurde, weil er in allen seinen Filmen die Musik/den SOUND nicht nur als "Begleitung" (= als Unterlegmotiv), sondern vor allem auch als dramaturgisches Ausdruckmittel einsetzt, hat hier, für seinen neuesten Kinofilm, die Figuren aus der einst auch bei uns sehr populären amerikanischen Fernsehserie adaptiert. Wir erinnern uns: "MIAMI VICE", mit insgesamt 113 Folgen ab/seit 1984, war die Trend-Krimiserie der 80er Jahre. Die Detektive Sonny Crockett (DON JOHNSON) und Ricardo Tubbs (PHILLIP MICHAEL THOMAS) sind in Florida im Kampf gegen den Sumpf von Kokain, Korruption und Prostitution unterwegs. Durchgestylte Typen, schnelle Fahrzeuge und rassige Frauen beherrschen die Szenerie. Das Markenzeichen der Beiden: Crockett´s Dreitagebart, Designer-Klamotten (= cremefarbene Flanellanzüge), die zur Mode wurden, extrem dunkle Sonnenbrillen, dicke Armbanduhren. Der Serien-Vorspann signalisierte poppig-flotten kalifornischen Zeitgeist: Flamingos/Bikini-Frauen/Motorboot-Flitzer/türkisfarbenes Meer/Palmenstrände/der flotte Sound. Ferrari-Fahrer Crockett lebt auf einem Segelboot und hält sich einen Alligator namens "Elvis" als Haustier. Der dunkelhäutige Tubbs ist aus New York gekommen, um den Mörder seines Bruders zu finden. Mit ihren unkonventionellen Ermittlungsmethoden und ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bilden sie ein ungewöhnliches wie erfolgreiches Team.

2006 ist alles ganz anders. Florida zeigt sich nicht "bunt", sondern kalt, düster, pessimistisch. Schmucklose Hafenbaracken und schäbige Trailer-Parks prägen das schmutzige Neon-Bild. Crockett & Tubbs im Undercover-Einsatz. Wollen in die "Firma"/das Geschäft eines kolumbianischen Drogen-Moguls, vor allem, um einen "Maulwurf" in den eigenen Reihen zu enttarnen. Dabei verwischen sich die Spuren von "Recht/Gesetz/Ordnung" und "Verbrechen" ein ums andere mal. Zudem wird es kompliziert(er), als sich Crockett in die asiatische Geliebte (und Finanzbuchhalterin) des Kartell-Kings verliebt. Doch für "Romantik" bleibt wenig Platz und Zeit. Denn: Mit den vielen Abstechern in die Räubernester "der wilden Vororte der USA" wie Kuba, Haiti und Südamerika vergrößert sich hier der globale kriminelle Radius.

Ein spannender, atmosphärischer, aber auch reichlich steriler, zwiespältiger Unterhaltungsfilm. Der in seiner Dauer-Kälte "erstarrt". Rhythmus und Drive des TV-Original fehlen gänzlich. Stil ist alles, Inhalt nichts: Die Story ist konfus und zu lang. Mit aber hervorragend choreographierten Gewaltszenen sowie bemerkenswert guten Schurken-Darstellern. Und zwei "ordentlichen" Hauptakteuren als Alphatiere der Polizei: Der Ire COLIN FARRELL, bekannt aus Filmen wie "Alexander", "The New World" und "Nicht auflegen!", darf als gebrochener Crockett-Macho mit grässlichem Dschingis-Khan-Schnauzer auftreten/agieren und belanglosen Dampf ablassen.

Während "Oscar"-Preisträger JAMIE FOXX ("Ray") als Tubbs unterfordert für den coolen, besonneren Part sorgt. Dazu/daneben: China-Star GONG LI ("Rotes Kornfeld"/Lebewohl, meine Konkubine"/zuletzt: "Die Geisha"), sie wird als schönes weibliches "Schmuckstück" eingesetzt/"gebraucht". Sämtliche Akteure haben sich hier der visuellen Gestaltung völlig unterzuordnen, sind letztlich nur "schicke" "Aushängeschilder"/"Handlanger" des Stils/der Technik. Eine aseptisch (keimfrei) wirkende neue Hollywood-Show (= 3 PÖNIs).

MICHAEL CLAYTON" von Tony Gilroy (B+R; USA 2007; 119 Minuten; Start D: 28.02.2008). Der Sohn des Schriftstellers und Pulitzer-Preisträgers Frank D. Gilroy begann Anfang der 90er Jahre, Film-Drehbücher zu verfassen. Zu seinen ersten großen Erfolgen gehörten die Drehbücher zum Satans-Thriller "Im Auftrag des Teufels" (1997/mit Al Pacino) und zu dem Katastrophenfilm "Armageddon" (1998/mit Bruce Willis). 2001 begann Gilroy, Robert Ludlums erfolgreiche Bestsellertrilogie um den CIA-Killer Jason Bourne zu Drehbüchern umzuschreiben: Sowohl "Die Bourne Identität" wie dann auch "Die Bourne Verschwörung" (2004) und zuletzt "Das Bourne Ultimatum" (2007/gerade 3 technische "Oscars") fanden weltweit großen Zuspruch. Mit dem Film "Michael Clayton", der seine Uraufführung im Wettbewerb bei den letztjährigen Filmfestspielen von Venedig hatte, gibt Tony Gilroy sein Debüt als Drehbuch-Autor UND Regisseur. Zu den Produzenten zählen u.a. Sydney Pollack, Steven Soderbergh und Anthony Minghella (Regisseur von "Der englische Patient").

Der Titelheld, der ehemalige brillante Staatsanwalt Michael Clayton, arbeitet als Spezialist, als AUSPUTZER, in einer der renommiertesten Anwaltskanzleien von New York. Das heißt: Wenn irgendwann irgendwo etwas "schiefläuft" mit Kollegen oder bei Kunden, wird ER gerufen. Muss das "gerade-biegen". Unterkühlt, effektiv, kurz und klar angebunden wie strukturiert, erfolgreich. Schließlich: RECHT-haben und RECHT-bekommen ist bekanntlich nicht unbedingt dasselbe. Zwar tummelt sich Michael inmitten der Chefetage dieses namhaften wie (für die Kunden SEHR) teuren Unternehmens, doch ist er dort SO RICHTIG nie angekommen. Das liegt zweifellos an seiner "undurchsichtigen" Stellung, er ist personell-"amtlich" sozusagen "weder Fisch noch Fleisch", sondern irgendwo-irgendwas "dazwischen". Ist für den Kollegenkreis nicht recht "zufassen"/einzuordnen und wird demzufolge eher vorsichtig-misstrauisch beäugt. Und auch sein Boss, Marty Bach (SYDNEY POLLACK), betrachtet ihn eher als "Mann fürs Grobe" als einen "angesehenen GLEICHRANGIGEN Kollegen". Deshalb ist er auch nach 17jähriger Zugehörigkeit-hier immer noch nicht zum Teilhaber befördert worden.

Irgendwie wirkt Michael in diesem Hochkaräter von Anwalts-Betrieb auch immer "etwas schmutzig/beschmutzt", zumindest "anrüchig". Was ja auch kein großes Wunder ist, schließlich ist der private Michael ziemlich aus- wie auch abgebrannt und von seinem Saubermacher-/Aufräumer-Job auch längst schon nicht mehr SEHR angetan: Er ist Spieler, seine Ehe ist lange schon kaputt, und nachdem er mit einem Restaurant pleite gemacht hat, sitzt er auf 75.000 Dollar Schulden. Da kommt ihm DIESER neue Job gerade gelegen, denn von dessen "Erledigung" hängt das Wohl der ganzen (Luxus-)Firma ab. Sein brillanter Kollege Arthur Edens "vermasselt" ganz offensichtlich momentan einen gigantischen Auftrag, ja, er hat offensichtlich sogar die Partei-Seiten gewechselt. Dabei geht es um eine milliardenschwere Sammelklage von Landwirten gegen einen großen Chemie-Konzern, die die Kanzlei aus der Welt schaffen soll. Die Landwirte behaupten, ein Pflanzenschutzmittel der Firma hätte sie schwer-krank gemacht. Gerade stand noch ein außergerichtlicher Vergleich im Raum, da dreht Arthur Edens, eben der Prozessbevollmächtigte der Kanzlei, völlig durch. Hatte einen Nervenzusammenbruch, schrie wirres Zeug von "Giften", zog sich im Gerichtssaal nackt aus und wurde schließlich von der Polizei festgenommen.

Höchste Zeit also, dass Michael hier "eingeschaltet" wird. Schließlich steht die Existenz der Kanzlei wie auch sein sorgenfreier Lebensabend auf dem Spiel. Doch als sich Michael näher mit den tatsächlichen Geschehnissen befasst, gerät er mehr und mehr in Gewissensnöte. Und das liegt auch an der toughen Chefin der Rechtsabteilung des beklagten Konzerns, an der "sanft"-auftretenden, dabei äußerst skrupellosen Karen Crowder (TILDA SWINTON). Denn DIE spielt ein ganz eigenes und - nicht nur für Michael Clayton - zunehmend auch ziemlich gefährliches, bedrohliches "Erfolgs-orientiertes" Spiel.

Ein KLASSE-Krimi, ein exzellenter THRILLER, ein So-etwas-von HOCHKARÄTER von intelligentem wie "aktuellem" Spannungsfilm. Also: Mit ganz ausgeklügeltem, fein ausgedachten, entwickelten und erzähltem "Heuschrecken"-Moral-Geschmack. Das Geld, die Gier, die Macht, darum geht es. Gesellschaftliche Leistungsträger/Entscheidungsträger "sortieren" sich ihre ganz eigene Welt, mit ebenso eigenen Gesetzen/Regeln/Moralvorstellungen. Wenn Du da mitmachst, ist ein money-reiches, bequemes, ziemlich sorgenfreies Luxus-Dasein möglich, falls aber nicht und Du möglicherweise Fragen und Recherchen anstellst, überhaupt, diese Parallelwelt infragestellst, gibt es diverse Unbequemlichkeiten, Sorgen und reichlich wie dann auch mörderische Probleme. Wie also entscheiden??? Wer hätte DAS gedacht: Dass sich ein im Grunde und zunächst ganz konventioneller Anwalts-Thriller SO prächtig zu einem intelligenten, packenden, aufregenden Gesellschaftskrimi entwickelt? In dem sich plötzlich ein Einzelner seiner Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit, aber auch Sich-Selbst stellen muss? Indem ein Elite-Netzwerk in einer "modernen Demokratie" geschildert wird, das wie ein miese Krake die abhängige Menschheit umgarnt, manipuliert/einfängt, um weiterhin unbehelligt wie äußerst ertragreich auftreten zu können.

Während Kameramann ROBERT ELSWIT und Szenenbildner KEVIN THOMPSON die passenden kühl-undurchsichtigen atmosphärischen Bilder und Motive liefern, sind ihre DARIN verfangenen Akteure von phantastischer Ausstrahlung: Der 46jährige GEORGE CLOONEY unterstreicht einmal mehr, dass er nicht nur als Danny-Ocean-Sonnyboy prima ´rüberkommt ("Ocean´s 11/12/13"), sondern auch als gebrochene Charakter-Figur zu glänzen weiß. Der "Oscar"-Preisträger (Nebendarsteller "Syriana") besitzt tollen Charisma-Charme, ist von außerordentlicher Präsenz, Dichte, Glaubwürdigkeit. Sozusagen: Ein heutiges CARY-GRANT-Star-Monument ("Der unsichtbare Dritte"). Ebenso überzeugend sind hier seine Ensemble-Mitstreiter: Die listig-unterkühlte TILDA SWINTON, die jahrelang wunderbar-sensible Leinwand-"Kunst" atmete und ausstrahlte ("Caravaggio"/"Orlando"/"Wittgenstein"), fasziniert hier als cool-durchtriebene Industrie-Karriere-Frau und bekam für ihren prächtigen Part soeben völlig zu Recht den "Oscar" als "Beste Nebendarstellerin". Während der ebenfalls für einen Nebendarsteller-"Oscar" nominierte britische Mime TOM WILKINSON ("Ganz oder gar nicht"/"Shakespeare In Love") als durchgeknallter Michael-Clayton-Kollege eine "tour-de-force"-Glanznummer von "bekehrtem Moralisten" abliefert.

MICHAEL CLAYTON" ist in seiner süffisant-aktuellen gesellschaftskritischen Politik in der Tat, wie die "Süddeutsche Zeitung" am 1. September letzten Jahres bemerkte, ein legitimer Erbe des legendären US-Politfilm-Klassikers "Die drei Tage des Condors" von Sydney Pollack aus dem Jahr 1974, mit einem George Clooney als beeindruckendem Robert-Redford-Charisma-Nachfolger; ist einer der besten Hollywoodfilme seit langem, ist ein WIRKLICH GANZ GROßARTIGER Unterhaltungsfilm!!!!! (= 4 ½ PÖNIs).

MICMACS – UNS GEHÖRT PARIS!“ von Jean-Pierre Jeunet (Co-B+R; Fr 2009; 104 Minuten; Start D: 22.07.2010); der 56jährige französische Regisseur und Drehbuch-Autor zählt zu den interessantesten filmischen Gestaltungskünstlern in Europa. Jeder seiner bisherigen 5 Kinospielfilme war „etwas GANZ Besonderes“ und ist es wert, genannt zu werden: „DELICATESSEN“ (1991/Co-Regie mit Marc Caro); „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (1995/Co-Regie mit Marc Caro); „Alien – Die Wiedergeburt“ (1997); natürlich „DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE“ (2001) sowie „MATHILDE – EINE GROSSE LIEBE“ (2004). Das Angebot, beim 5. Harry Potter-Film 2007 die Regie zu übernehmen („Harry Potter und der Orden des Phönix“), lehnte er ab. Stattdessen wollte er den Bestseller „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel verfilmen, doch bislang befindet sich dieses Projekt noch immer in der finanziellen Planungsphase. Deshalb wohl dieses 25 Millionen EURO teure „Zwischenstück“, sozusagen als „Fingerübung“, um „dranzubleiben“.

„Micmacs a tire-Larigot“, so der Originaltitel (frei übersetzt: “Mischmasch/Machenschaften”), zeigt – wie immer, wenn Jeunet in Paris dreht - das „andere“ Paris. Üppig fein-düster ins Licht gesetzt. DAS Paris, ohne Tourismus-Flair, ohne Postkarten-Motive, leicht bräunlich zerhaucht, charmant-schmuddlig, augenzwinkernd-freakig. Bazil heißt der Typ. Ein unscheinbarer Typ. Irgendwo aus der Masse der „kleinen Leute“ herausgepickt. Bazil ist „etwas“ traumatisiert. Sein Vater ist in den 70er Jahren in Nordafrika beim Entschärfen einer Mine umgekommen, seine Mutter gab daraufhin „auf“. Heute ist Bazil Angestellter in einer Pariser Videothek und zitiert mit Leidenschaft Filmklassiker wie „Tote schlafen fest“ mit Humphrey Bogart + Lauren Bacall. Plötzlich ein Schusswechsel. Real. Vor seiner Ladentür. Eine verirrte Kugel trifft ihn, direkt zwischen die Augen. Der OP-Arzt lässt die Münze entscheiden: „Nehme ich die Kugel ´raus, kann er krepieren. Lasse ich sie drin, kann er jede Sekunde tot umfallen“. Bazil fortan MIT KUGEL im Kopf. Ist Job und Wohnung los. Findet Unterkunft inmitten einer kleinen Parallelgesellschaft, bei einer Schrottplatz-WG.

Und hier sind sie wieder alle beisammen, die Jeunet-Family. Bestehend aus lauter Exoten von Figuren. Skurrile Typen wie einen außergewöhnlichen Bastelkünstler, einer speziellen Verbiegungsakrobatin („Mademoiselle Kautschuk“), einem Kauz als fliegende Kanonenkugel, bestehend aus lauter Metall-Ersatzteilen, dem afrikanischem Ethnographen als Sprüchesammler mit der Schreibmaschine und…und…und. Wundersame Außenseiter, die in einer selbstgebauten Höhle mit ausgemusterten Gebrauchtwaren und Fundstücken hausen. Und sich jetzt auch um Bazil kümmern. Denn DER benötigt die Hilfe jenes pfiffigen „Ocean´s Eleven“-Schrott-Teams. Bazil hat nämlich herausbekommen, WER für das private Leid bei ihm „zuständig“ ist: Zwei (auch noch gegenüberliegende) Firmen, die den Waffen- und Munitionshandel weltweit und überhaupt organisieren. Deren Chefs soll es künftig und zünftig „an den Kragen“ gehen. Also macht sich die Heavy Metal-Meute daran, Bazil zu seinem Rache-Glück zu verhelfen. Und wie! Eine Schelmerei. Eine Rabaukiade. Die zornigen Davids gegen zwei mächtige Goliaths. Man trickst, gaunert, erfindet, kostümiert sich, verlässt sich auf die „besonderen“ Fähigkeiten, der „Untergrund“ boomt. Mit ein wenig Romantik-Zusatz. Und schließlich sogar mit „You Tube“-Hilfe.

„Micmacs“ von Jean-Pierre Jeunet ist ganz originell, witzig, pointiert, liebevoll, besitzt aber nicht die universelle Tiefenschärfe seiner früheren Antihelden-Aktionen. Dazu wirkt sowohl der anarchische Feldzug der Unterschichtler wie die Romanze zwischen Bazil und dem Kautschuk-Fräulein manchmal zu konstruiert, sind die flippigen Charaktere nicht so ausgefeilt-reizvoll wie gewohnt. Dass der Spaßfunke dennoch schnell ´rüberspringt, ist dem einmal mehr „visuellen Karacho“ (Kamera: TETSUO NAGATA) sowie natürlich dem sympathischen Ensemble zu verdanken. An vorderster Chaplin-Laurel-Tati-Front: DANY BOON als Bazil. Der 43jährige französische Komiker ist seit dem sensationellen Komödien-Erfolg mit „WILLKOMMEN BEI DEN SCH`TIS“ (über 20 Millionen Kinobesucher alleine in Frankreich) zuhause derzeit der angesagteste Leinwand-Kumpan. Um ihn herum gruppieren sich auch bei uns bekannte Akteure und Gesichter wie DOMINIQUE PINON („Delicatessen“; „Amelie“), YOLANDE MOREAU („Seraphine“), ANDRÉ DUSSOLIER („Drei Männer und ein Baby“) oder Jean-Pierre Marielle.

Jean-Pierre Jeunet, der ein immenser Bewunderer dieser wunderbar-verrückten PIXAR-Filme a la „WALL-E“ oder „Toy Story“ & Co. ist, also ebenfalls wie PIXAR gerne in ausgesprochen eigenwillige Charaktere vernarrt ist, vermag uns auch mit „Micmacs“ in seinen faszinierenden Unterhaltungsbann zu ziehen, auch wenn diesmal alles „eine Nummer kleiner“ geraten ist. „Micmacs“ oder - wenn sich die fabelhaften „Amelie“-Groupies austoben…..(= 3 ½ PÖNIs).

MIDNIGHT IN PARIS“ von Woody Allen (B+R; USA/Spanien 2010; 94 Minuten; Start D: 18.08.2011); EINTAUCHEN steht ganz groß auf meinem Zettel, und DAS genau ist es: Schon während der ersten fünf Minuten, als der New Yorker Maestro SEIN PARIS bilderstark vorstellt (Kamera: DARIUS KHONDJI/“Delicatessen“; „Panic Room“; „Cheri – Eine Komödie der Eitelkeiten“), kann man abtauchen. In diese atmosphärischen Paris-Aufnahmen UND in diese stimmungsreichen Jazz-Blues-Klänge eines Cole Porter. Die Verführung gelingt. Sofort. Über die engen Gassen, diese großzügigen Brücken, den üppigen Strassen, diesen „sonnigen“ Regen. Dann beginnt die Geschichte.

Amerikaner in Paris. Seinen Landsleuten hält Allen einen ziemlich „unkulturellen“ Ironie-Spiegel vor Augen: Sie sind weitgehend oberflächlich, ziemlich arrogant, allgemein dauer-meckrig. Wie dieser illustre Kreis um Gil (OWEN WILSON). Der erfolgreiche Hollywood-Autor, der sich mit seinem ersten Roman gerade schwertut, ist mit seinem energischen Zicken-Blondchen von Inez-Verlobter (RACHEL McADAMS) und deren wohlhabenden Eltern in der französischen Metropole. Wo der reaktionäre Schwiegervater in spe, der dieses liberale Leichtgewicht von Demnächst-Schwiegersohn im Grunde nicht ausstehen kann, vor einem lukrativen Geschäftsabschluss steht. Und „man“ eben, also nebenbei, dann auch schon mal HIER gleich ein wenig Urlaub „mit-machen“ kann. Während Gil von dieser Stadt und seinen klassischen Künsten und Künstlern geradezu schwärmt und sich gerne auf deren Vergangenheitsspuren begibt, wollen die Anderen „das Standardprogramm“ durchziehen. Mit Edelrestaurants und dieser „komischen“ Französischen Küche und den touristischen Pflichtbesuchen, angeführt von einem eitlen Schnösel von arrogantem, pedantischem Kotzbrocken-Intellektuellem, Alleswisser und Ex-Inez-Freund (MICHAEL SHEEN). Mit dem Gil natürlich überhaupt nicht klarkommt. Deshalb zieht er sich in seine eigene Paris-Welt zurück. Und erlebt gar seltsames. Wenn um Mitternacht eine alte schmucke Limousine an dieser großen Treppe vorbeifährt und ihn aufliest. Um ihn in die Belle Epoche-Zeit der 20er Paris-Jahre „zu bringen“. Wo er SEINE Idole aufgekratzt vorfindet: Ernest Hemingway, Cole Porter, Gertrude Stein, Salvador Dali, F. Scott Fitzgerald oder Josephine Baker oder Luis Bunuel. Oder Picasso. Dessen Muse Adriana (MARION COTILLARD) ihm zunehmend „gefällt“. Gil beginnt sich wohlzufühlen. Wie WIR schon von Anfang an.

Die Magie einer wunderbaren, köstlich ironischen Zeitreise. Mit einem Woody Allen als phantasievollem, schmunzelndem Reiseleiter. Dessen gescheite Pointen bei Figuren und Situationen charmant wie hinreißend sind. Und wirken. Sie zu schildern, wäre fatal. DIE und DIE muss man erleben. Fühlen. Amüsiert aufnehmen. Wenn „der Fan“ seinen Künstler-Helden begegnet und DIE sich „genauso benehmen“, aufführen, wie er sich DIE vorgestellt hat. Jedoch: Nicht, um eine berühmt-berüchtigte Epoche blind oder fanatisch zu glorifizieren, sondern um sich romantische Träume zu gestatten. Wenn etwa der hormongesteuerte Hemingway einen Macho-Spruch nach dem nächsten ablässt; die pragmatische Gertrude Stein (hinreißend die monumentale „Oscar“-Lady KATHY BATES) mütterliche Ratschläge abgibt und sich Gils Manuskript annimmt. Während Dali (ADRIEN BRODY) gerne und dauernd von bizarren Nashörnern faselt, Scott Fitzgerald vollmundig bis gelangweilt am Glas hängt oder sich ein verblüffter Bunuel von Gil eine Empfehlung für einen obskure Filmstory geben lässt (Was wäre, wenn sich viele Leute in einem Raum versammeln und diesen nicht mehr zu verlassen mögen…/“Der Würgeengel“). Und…und…und…lauter feine nuancierte wie äußerst vergnügliche, pointenreiche Stationen, Situationen, Bonmots. Gil ist in seinem Element und kommt tagsüber, wieder im Heute angekommen, mehr und mehr ins Grübeln. Denn eines lehrt ihn diese allabendliche „Spezialtour“ durch die vibrierende Champagner-Historie von Paris: Dieses vermeintliche „Goldene Zeitalter“, wie es immer so lauthals tönt, kann es ja auch für ihn geben: Im Heute. Im Hier und Jetzt. Ganz individuell. Ganz aktuell. Es hängt letztlich nur von ihm ab. Für was er sich entscheidet. Warum soll denn die Lebens-GEGENWART immer vergleichsweise schnöde sein??? Während „das Damals“ gerne so schwärmerisch verklärt wird??? „Paris“ existiert ständig. Weiter.

Der 75jährige Woody Allen-Schelm schreibt und dreht weiterhin jährlich (s)einen Film. Hat „sein“ New York arbeitsmäßig verlassen und fühlt sich inzwischen – auch produktionstechnisch gesehen, also finanziell - in Europa wohl. Hier öffnet man ihm die herrlichsten Städte, damit er seine Filme weiterdrehen kann. Nach Ausflügen in England („Match Point“; „Scoop – Der Knüller“; „Cassandras Traum“ + „Ich sehe den Mann deiner Träume“) und Spanien („Vicky Cristina Barcelona“) nun also Frankreich. Paris. Gegenwärtig ist er nach Rom weitergereist und dreht dort „The Bop Decameron“, wo er auch mal wieder als Mitspieler auftritt. Jetzt aber ist erst einmal „Midnight In Paris“ bei uns annonciert. Ein Geniestreich, der im Frühjahr die Filmfestspiele von Cannes eröffnete und begeistert hofiert wurde. Und selbst Zuhause nicht, wie schon einige Allen-Male, ziemlich „unbeobachtet“ blieb. Ganz im Gegenteil: „Midnight in Paris“ ist – mit rd. 47 Millionen Dollar Einnahmen - Allens auch kassenmäßig erfolgreichster Film an den USA-Kinokassen.

Ein Film zum totalen Genießen. Zum köstlichen Eintauchen. Zum unterhaltsamen Atmen. Mit viel Charme, großem Vergnügen, eleganter Träumerei. Enormer Atmosphäre. Liebevoll, leicht, sehr heiter beseelt. Also andauernd zum herrlichen Glucksen. Natürlich, weil die Protagonisten von Woody Allen so „lecker“ geführt werden. Und toll mitspielen. OWEN WILSON, dieser 42jährige Blond-Boy, der ständig so aussieht wie ein gutaussehender kalifornischer Surfer-Junge und mit Komödien wie „Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln“, „Marley & Ich“ oder „Die Hochzeits-Crasher“ zum „lustigen Hollywood-Star“ wurde, kippt hier völlig „seinen Trend“. Tritt als alter Ego von Woody Allen in einer seriösen Lockerheit und mit sensibler Bewegung auf, die verblüfft und erstaunt. Wobei ihm die Rolle als Feingeist-Amerikaner auf den Leib geschrieben scheint. Weil Woody Allen, der Drehbuch-Autor und Spielleiter, diesmal keinen melancholischen Ostküsten-Grübler benötigte sondern einen intelligenten wie entspannten Westküsten-Darling. Und DEN verkörpert Owen Wilson mit seiner jungenhaften Natürlichkeit geradezu vortrefflich. Brillant. Während drumherum ein tänzerisches, beschwingtes Ensemble offensichtlich auch einen sehr großen Mitmach-Spaß hat(te). Mit und in dieser namhaften wie lustvollen Künstler-Parade aus den „feurigen“ 20er Paris-Jahren. Was für ein Kultur-Vergnügen allererster Gedanken- und Gefühls-Güte. Diese neueste Woody Allen-Poesie „MIDNIGHT IN PARIS“ tut RICHTIG GUT! Als großartiger Unterhaltungskunstfilm. Als ein Meisterwerk der wunderschönen, besten Leichtigkeit!

Ach so ja - mit auch Präsidenten-Gattin Carla Bruni in zwei kurzen netten Momenten als Fremdenführerin. (= 5 PÖNIs).

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