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Filmtitel von Mik - Miq

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

In „DAS MIKROSKOP“ von Rudolf Thome (B+R; D 1988; 97 Minuten; Start D: 14.04.1988); geht es um Franz und Maria und um deutsche Herzlichkeit. Sie sind nicht mehr die jüngsten und mögen sich. Mal mehr, mal weniger.

Maria will endlich eine feste Bindung, will Kinder, eine Familie. Franz dagegen ist mehr fürs bindungslose Zusammenleben. Jede ‘Partei‘ zieht sich nach einem chaotisch verlaufenen Urlaub erst einmal zurück, um Abstand und Neuorientierung zu gewinnen. Dann geht‘s in die nächste Runde, in den nächsten Clinch.

“Das Mikroskop“ ist ein mit trockenem Humor durchsetztes Spiel der “Grufties“ um das Gefühlsdasein heute. Mit kleinen, banalen, aber so treffend beobachteten Einzelheiten aus dem emotionalen Alltag. Darstellerisch interessant, inszenatorisch aber mitunter “zu bescheiden“ bleibend. Kino Kintopp für die toughe Generation um die Vierzig…(= 3 PÖNIs).

MIKROKOSMOS - DAS VOLK DER GRÄSER“ von CLAUDE NURISDANY und MARIE PERENNOU (B, K+R; Fr 1996; K außerdem: Hugues Ryffel, Thierry Machado; 75 Minuten; Start D: 31.10.1996).
Thema: Das Leben, der Alltag auf einer Wiese. Aber: U n t e r h a l b des Grases. 2 Jahre lang beobachteten die beiden Experten mit Spezialkameras das Leben und Treiben von Insekten und anderen Kleinstwesen. Herausgekommen sind die erstaunlichsten und überraschendsten Bilder, die man je in einem "Naturfilm" gesehen hat: Überdimensional wirkende. Käfer, Würmer, Fliegen, Raupen, Spinnen, Schnecken bei ihrem Tages- und Nacht-Werk.

Der Fleiß der Ameisen; die Zärtlichkeit der Schnecken; die Listigkeit der Spinne; ein Pillendreher und sein Dungball; das Naschen der Bienen; das Aufwachen der Schmetterlinge: Kleine Geschichten entstehen. Wie "oben": Die Starken gegen die Schwachen, die Pfiffigen gegen die Tumben. Die seltsamen Verhaltensmuster und die szenischen Zusammenhänge sorgen für humoristische Phantasien. Dazu der Ton/die Klänge/die Musik: Der Flügelschlag einer Biene hört sich wie ein Turbomotor an. Regentropfen klingen wie Granaten-Einschläge, Grillenflug = Hubschrauber-Atmosphäre. Wie Parfüm gleich entstehen in dieser Welt Gefühle für Geburt, Leben, Überleben, Paarung, Nachkommen, Tod.

Und immer wieder diese erstaunlichen, diese überwältigenden Bilder: Die Kleinstkreatur und ihre bizarre Schönheit. Der Blickwinkel ist stets auf Augenhöhe mit den Tieren. Und: Kein Kommentar, also keine oberlehrerhafte Belehrung, sondern Natur-Genuss-pur. „Mikrokosmos" ist ein fantastischer Rausch über ein fremdes und doch so nahes Universum. Zu Recht wurde der Film im Frühjahr auf den Filmfestspielen von Cannes mit dem "Großen Preis der Technik" ausgezeichnet. Ein faszinierendes kinematographisches Wunder-/Meisterwerk (= 5 PÖNIs).

MILAGRO - DER KRIEG IM BOHNENFELD“ von Robert Redford (USA 1988; 117 Minuten; Start D: 04.08.1988); erzählt er von einem kleinen, idyllisch gelegenen Ort im nördlichen New Mexiko. Wo eines Tages skrupellose Geschäftemacher und dumme Politiker einfallen, um in ganz großem Stil und Aufwand ein supermodernes Ferienzentrum zu bauen. Natürlich mit scheinheiligen Argumenten und blinden Wachstums- und Wohlstandsversprechungen. Doch dann regt sich erster, minimaler und unerwarteter Widerstand. Ein junger, mittelloser Farmer beginnt plötzlich, sein Land zu bewässern, um Bohnen anzubauen. Das passt natürlich überhaupt nicht ins Konzept der Baulöwen und löst Streitereien und Aggressionen auf beiden Seiten aus. Sogar die ganz Alten unter den Einheimischen beginnen da mitzumischen

“Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld“ von Robert Redford erzählt von einer leisen Rebellion. Erzählt von Menschen, die sich gegen die Zerstörung von Natur und Lebensraum wehren. Die aufmüpfig werden, obwohl sie doch als “schwach“ gelten und eigentlich gegen das intrigante Treiben der Reichen und Mächtigen keine Chance haben. Die sich mit ihrer einfachen, aber überzeugenden solidarischen Gegenwehr und Haltung ihren Stolz und ihren Lebensmut erhalten. Und die dabei schlitzohrig vorgehen: Charme, Poesie und Witz triumphieren in diesem ebenso klugen wie märchenhaft-listigen Spiel.

“Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld“ ist einer der besten Filme, die je gemacht wurden. Ganz einfach, klar, spannend, witzig und berührend. Prädikat: Ansehen, unbedingt ansehen (= 5 PÖNIs)!

MILCH UND SCHOKOLADE“ von Coline Serreau (B+R; Fr 1989; 108 Minuten; Start D: 01.06.1989).

Vier Filme hat sie erst gemacht, die heute 40jährige Französin Coline Serreau. Gleich ihr erster, “Pourquoi Pas? - Warum Nicht!“, wurde Ende der Siebziger zu einem Kultfilm. Um der Nach-68er - Generation. Mit “3 Männer und ein Baby“ (s. Kritik) setzte sie sich 1985 auch beim breiten Publikum durch. Jetzt kommt ihr neuester Streich ins Kino, “Milch und Schokolade“, und es ist nicht nur ihr bislang bester Film geworden, sondern auch ein Geniestreich. Thema: Das ‘Zusammenwirken‘ des Proletariats mit der Intelligenz. Oder der weiße Direktor und die schwarze Putzfrau.

Normalerweise würden sie sich in der Firma, die Milchprodukte herstellt, nie begegnen. Aber gemeine Intrigen und Hinterhältigkeit der Kolleginnen und Kollegen lassen sie eines Tages erstmals miteinander sprechen. Er, der große Boss, ist gründlich betrogen worden, weiß aber noch nichts davon. Doch als die Bombe platzt und er als der große Ganove dasteht, bittet er sie um Hilfe. Und sie nimmt ihn bei sich auf und versteckt ihn für einige Tage. Währenddessen schnüffelt sie für ihn herum und kann Beweismaterial über die Manipulationen gegen ihn besorgen. Was ihn plötzlich neugierig auf sie macht. Wer ist sie überhaupt, wie lebt sie und mit wem? Wieso gibt‘s so viele Kinder und keinen Ehemann? Er, Romuald, 35, wird rehabilitiert und wieder Direktor. Sie, Juliette, 45, wird weiter putzen. Alles wie gehabt? Denkste. Da passiert noch eine ganze vergnügliche Menge und Überraschendes.

Coline Serreau wird immer besser. “Milch und Schokolade“ ist eine Spitzenkomödie, bei der Billy Wilder, Francois Truffaut oder Frank Capra Pate standen. Es ist eine zauberhafte, witzige, pfiffige, originelle und temporeiche Fabel um unglaubliche Verhältnisse, über die pausenlos zu schmunzeln, zu lachen ist, über die man sich ehrlich freuen kann. “Milch und Schokolade“ von Coline Serreau ist eine herausragende Komödie, die sich in die Großen der Filmgeschichten einreihen und dort hoch plazieren wird. Ansehen! Unbedingt ansehen (= 5 PÖNIs)!

MILK“ von Gus Van Sant (USA 2008; 128 Minuten; Start D: 19.02.2009); der 1952 in Louisvillle/Kentucky geborene amerikanische Filmkünstler hat sich sowohl als Regisseur wie auch als Produzent, Fotograf, Musiker und Schriftsteller (Roman „Pink“/1997) einen guten Namen gemacht. Er gilt als Themen-Spezialist über unangepaßte Jugendliche bzw. „junge Erwachsene“. Nach dem abgeschlossenen Studium an der „Rhode Island School of Design“ drehte mit „Mala Noche“ 1985 seinen ersten Spielfilm. Danach folgten Werke wie „Drugstore Cowboy“ (1989/mit Matt Dillon); „My Private Idaho“ (1991/mit Keanu Reeves + River Phoenix); „To Die For“ (1995/mit Nicole Kidman); „GOOD WILL HUNTING“ (1997/der kommerzielle Durchbruch/“Oscar“-Nominierung/mit Matt Damon + Robin Williams); das mißglückte Remake von „Psycho“ (1998); „FORRESTER GEFUNDEN“ (2000/mit Sean Connery) sowie zuletzt „Elephant“ (2003/“Goldene Palme“ von Cannes); „Last Days“ (2005/Rock ´n ´Roll-Drama um Kurt Cobain) sowie „Paranoid Park“ (2007; lief auch in Cannes, erhielt den „Jubiläums-Sonderpreis“ anläßlich des 60. Festivals).

Sein neuer Film, eine für vergleichsweise bescheidene 20 Millionen Dollar hergestellte Produktion, ist gleich 8fach „Oscar“-nominiert. Dabei im Blick- und Mittelpunkt: Harvey MILK. Amerika liebt seine Pioniere. Und HARVEY MILK (1930-1978) war auf seine Weise ein Pionier, der sowohl politisches wie gesellschaftliches Neuland betrat: Denn er war der erste bekennende Homosexuelle in den USA, dem es gelang, zum Mandatsträger zu avancieren, als er Ende 1977 in den Stadtrat von San Franzisco und damit in eine „öffentliche Position“ gewählt wurde. Das war die Krönung eines langen Kampfes um gesellschaftliche Anerkennung der amerikanischen Schwulen und Lesben, in dem Milk sich zu einem charismatischen Anführer entwickelt hatte.

Harvey Milk: In der 30er Jahren wuchs er im Mittelstandsmilieu von New York auf, bekannte sich von Anfang an zu einer Homosexualität. Nach einer wechselvollen Karriere als Offizier bei der Navy, Börsenmakler an der Wall Street, Hippie und Anti-Vietnam-Demonstrant, begegnen wir ihm erstmals am Vorabend seines 40. Geburtstages in New York. Den er mit Sean verbringt, einer großen Liebe. Man sinniert über das bisherige und folgende Leben („…den 50. werde ich sowieso nicht erleben“, wird geflachst), und ob es DAS war oder was noch so folgen könnte bzw. sollte. Jedenfalls soll künftig einfach „mehr passieren“. Gemeinsam ziehen sie gen San Franzisco. Dort eröffnet Harvey im Castro-Distrikt ein Fotogeschäft, das schnell „zur Anlaufstelle“ für die schwul-lesbischen Scene wird. Es ist die Zeit der Intoleranz, mit vielen bürgerlichen Anfeindungen, alltäglichen Übergriffen, brutalen Polizeieinsätzen. Und politischen Moral-Initiativen: Eine Gesetzesinitiative fordert z.B. die Entlassung homosexueller Lehrer aus dem Staatsdienst in ganz Kalifornien. Milk beginnt sich lautstark protestierend „zu melden“, zu engagieren, wird sozusagen „der Bürgermeister der Castro Street“; fängt an politisch zu denken, zu formulieren, zu arbeiten, sammelt Verbündete (Gewerkschaftsführer); beginnt mit der Kandidatur für ein regionales politisches Amt. Trotz vieler Anstrengungen, Attacken, privater Anfeindungen „(Das Private ist politisch“) ist „seine Bewegung“ nicht mehr aufzuhalten, im Gegenteil, diese wird im Klima von Diskriminierungen, Anfeindungen, Übergriffen immer größer.

Im 4. Anlauf gelingt ihm schließlich der große Polit-Coup auf den Stuhl des Supervisors im Wahlbezirk 5 von San Franzisco. Die Schwulen und andere Minderheiten haben endlich einen gewählten Interessenvertreter „im Amt“. Ein Gegenspieler dort ist der Ex-Polizist und Stadtrat-Kollege Dan White (JOSH BROLIN/“No Country For Old Men“). Der ist konservativ und argumentiert oftmals fundamentalistisch-„religiös“; man schachert um Gemeinsamkeiten und Abstimmungen; ein labiler Typ, mal Unterstützer, mal offener Feind. Dem es eines Tages „zuviel“ mit und um Harvey Milk wird. Er tritt als Kommunalpolitiker zurück, widerruft dann seinen Entschluß, was aber gesetzlich unzulässig ist. Der liberale Bürgermeister George Moscone verweigert ihm die Wiedereinsetzung als Kommunalpolitiker. Noch bevor er diese Entscheidung öffentlich bekannt geben kann, erschießt Dan White den Bürgermeister und Harvey Milk am 27. November 1978 im Rathaus. Noch in der Mordnacht kommen über 30.000 Menschen und Sympathisanten aus dem gesamten Stadtgebiet zu einem Schweige-Trauermarsch zusammen. (Ein halbes Jahr später begann der Prozeß gegen White; er wurde zu 7 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt, 5 davon saß er ab; am 21. Oktober 1985 nahm er sich „draußen“ das Leben). „THE TIMES OF HARVEY MILK“ hieß 1984 ein 90minütiger Dokumentarfilm von Rob Epstein, der den „Oscar“ als „Bester Dokumentarfilm“ zugesprochen bekam. Er kehrt in diesen Tagen wieder ins Kino-Programm zurück, parallel zum neuen Spiellfilm von Gus Van Sant. Dem ein mitreißendes wie nahegehendes Porträt gelungen ist. Als spannender Menschen-Film. Über eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Dabei nähert sich der Film (B: Judith Coburn + Carter Wilson) Harvey Milk nicht als Helden-Beschreibung oder „Schwulen-Heiligen“, sondern als charismatischen Typen mit „Leader-Appeal“. Ohne tuntenhafte Exzentrik, als ein „Jedermann“ aus dem Volk. Das geschickt mit den Zeitebenen spielende Bio-Pic ist historisch interessant, emotional packend, mit viel Wucht und Wut und spannendem Archivmaterial überzeugend argumentierend.

Ein unterhaltsames Projekt über einen mutig-couragierten Aktivisten aus den 70ern, das vor allem natürlich deshalb funktioniert, weil der 48jährige „Oscar“-Preisträger SEAN PENN („Mystic River“) in der Titelrolle grandios überzeugt. Mimik und Gesten sind eher dezent, zurückhaltend und unaufdringlich. Penn vermeidet in gängige („Tunten“-)Klischees abzurutschen, vielmehr porträtiert er eine „ehrliche Haut“, die keine Lust mehr hat, sich „zu verstecken“, die sich „bekennt“, die ein würdevolles Leben inmitten der Gesellschaft führen will und sich selbst von extremen Rückschlägen und (auch privaten) Attacken nicht (mehr) aus der Bahn werfen läßt. Sean Penn, als Extrem-Schauspieler sowieso schon ein Qualittätsbegriff („Dead Man Walking“; „Sweet And Lowdown“ von Woody Allen/2001) und bekanntlich inzwischen auch als Regisseur ein Meister („Into The Wild“/2007), leistet wunderbare Überzeugungs-Schwerstarbeit, in der die zerstrittene, aber stets freundliche, optimistische Seele sichtbar, fühlbar UND hörbar wird. Eine überragende darstellerische Leistung, die mit einer „Oscar“-Nominierung zu Recht belobigt wurde. „MILK“ ist großartiges, authentisches Zeit-Kino, in der die Mischung aus Info und Performance unterhaltsam-spannend überzeugt (= 4 ½ PÖNIs).

Mit nur zwei Filmen haben die Brüder Joel und Ethan Coen das Genre-Kino, das Kino der bloßen Unterhaltung, schräg und schrill revolutioniert. Nach “Blood Simple“ und “Arizona Junior“ heißt jetzt ihr dritter munterer Streich: „MILLER'S CROSSING“ (USA 1990; 115 Minuten; Start D: 14.02.1991).

Die Story und ihre Beteiligten präzise vorzustellen, ist nicht ganz einfach, denn hinter dem, was wir sehen, gibt es laufend Symbole, Doppeldeutigkeiten, Zitate und Anspielungen zu entdecken. Und die detailliert aufzudecken, würde bedeuten, zu viel vorweg verraten zu wollen. Deshalb nur so viel: "Miller's Crossing“ ist ein Gangsterfilm als phantasievolle Entdeckungsreise. Wir schreiben das Jahr 1929, und wir befinden uns in irgendeiner Stadt im amerikanischen Osten. Es ist die Zeit der Prohibition, des Alkoholverbots, und der bullige Leo Albert Finney regiert die Stadt. Aber seine Regentschaft ist durch den schmierigen, aber mächtigen italienischen Schurken Johnny Caspar in Gefahr. Es beginnt ein Duell zwischen den Beiden steht Tom, gespielt vor Gabriel Byrne. Ein windiger, pfiffiger Lakai, der mehr mit dem Kopf als mit dem Revolver arbeitet und deshalb auch des Öfteren reichlich Prügel bezieht. Und dann gibt es noch Verna, die Leo und Tom gleichermaßen nicht nur den Kopf verdreht hat, sondern damit auch ihren Bruder Bernie retten will, der zu hoch gepokert hat und gekillt werden soll. Das ist, wie gesagt, der Ausgangspunkt, der äußerliche Rahmen, für ein witziges, böses, schönes und illustres Ränke-Spiel.

Während Coppola die italienische Oper als Mafia-Szenario zelebriert, während Scorsese auf die dichte Gewalt als Mafia-Philosophie setzt, geht es bei den Brüdern Coen um augenzwinkernde, schmucke Kommentare. Nichts ist oder entwickelt sich so, wie man es vermutet, der Zuschauer ist gefordert mitzumachen, mitzudenken, sich an der “anderen“ Wiederbelebung der “Schwarzen Serie“-Motive zu erfreuen. Dabei sind die Dialoge ein Juwel, auch in der Synchronfassung, und lassen breiten Interpretationsraum. "Miller's Crossing“ hat was mit Jean-Pierre Melville und seinem “eiskalten Engel“ zu tun, besitzt in seiner traumatischen Personen-Kälte Shakespeare-Format, erinnert an die Samurai-Filme von Kurosawa, “Yojimbo" und Sergio Leone, “Für eine handvoll Dollar“, und ist grandioses prächtiges Erzählkino mit exzellenten Schauspielern (= 4 ½ PÖNIs).

Gab es in den letzten Berlinale-Jahren immer wieder laute Kritik am Festival-Chef ob der dürftigen deutschen Filmbeteiligung, so ging Moritz da Hadeln diesmal, beim 50./beim Jubiläumsfest, ganz auf Sicherheit. Gleich 3 Regie - Oldies sollen es diesmal richten: Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Rudolf Thome. Während: Thome mit seinen kleinen, persönlichen Beziehungsgeschichten als sympathischer Seiteneinsteiger im internationalen Wettbewerb anzusehen ist, leben Wenders und Schlöndorf von GROSSEN “gestrigen Namen“. Ihre beste Spielfilmzeit ist längst vorbei. Und ihre diesbezüglichen Kino - Ambitionen in den letzten Jahren, zum Beispiel mit Spielfilmen wie “Am Ende der Gewalt“ und “Palmetto“, waren höchst bescheiden. Das Publikum im Übrigen, hat sich von ihnen schön längst verabschiedet. Betrachtet man nun den Film „THE MILLION DOLLAR HOTEL“ von Wim Wenders (D/GB/USA 2000; B: Bono; 122 Minuten; Start D: 10.02.2000); der heute Abend die 50. Berlinale eröffnet und schon morgen bundesweit in die Kinos kommt, so dürfte der 54jährige “damit‘ auch nicht viele Lorbeeren ernten.

Der Handlungsort dieser deutschen Produktion ist in Downtown Los Angeles angesiedelt. Dort befindet sich ein legendäres Hotel, eben “The Million Dollar Hotel“, das auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Waren dort einst amerikanische Präsidenten wie Truman und Eisenhower zu Gast, so beherbergt heute diese riesige Hütte ein multikulturelles Völkchen: Arbeits- und Obdachlose, Junkies, Drogendealer, Spinner. Tom-Tom heißt der Erzähler. Er hat sich am Anfang des Films bereits umgebracht und wird dies am Schluss wiederholen. Zwischendurch berichtet er uns, sozusagen aus dem Jenseits, von dieser merkwürdigen Freak-Show hier. Tom - Tom liebt das Straßenmädchen Eloise. Er umstreunert sie wie ein läufiger Kater. Jeremy Davies und Milla Jovovich, gerade bei uns als “Johanna von Orleans“ gescheitert, spielen dieses Panoptikumpärchen mit spleenigen Gesten und Bewegungen. Dann aber taucht MEL GIBSON auf, der Hollywood-Star aus z.B. den “Lethal - Weapon“ Acts. Er soll als Polizist einen Todesfall im Hotel aufklären. Und der gute Mel haut mächtig auf den verbalen Putz.

Der 20. Spielfilm in 50 Karrierejahren ist Wim Wenders danebengegangen. Der annoncierte “romantische Thriller“ entpuppt sich als aufgeplusterte Möchtegern - Philosophie: Über Freundschaft, Vertrauen, Verrat, Liebe und Tod. Geschwätziger Leerlauf lautet das Motto. Die kriminalistischen Elemente besitzen keine Spannung; Figuren wie Geschehen sind beliebig und austauschbar. Und auch die Liebesgeschichte dieser zwei gesellschaftlichen Outlaws vermag kaum zu fesseln. Von Sinnlichkeit weit und breit keine dramaturgische und darstellerische Spur. Verrückte als “bessere“ Menschen, mit poetischer Kraft und beklopptem Selbstbewusstsein, das kommt “so“ nicht ‘rüber. “The Million Dollar Hotel“ von Wim Wenders als Galerie des Grotesken hinterlässt nur Achselzucken und Langeweile. Der diesjährige Berlinale - Auftakt ist filmisch missglückt (= 1 PÖNI).

MIMZY - Meine Freundin aus der Zukunft" von Bob Shaye (USA 2007; 90 Minuten; Start D: 09.08.2007); einem bei uns kaum bekannten Regisseur ("Nachhilfe in Sachen Liebe"/1990), der um so mehr als Chef des führenden Independent-Studios "New Line Cinema" bekannt ist, die auch für die Erfolgs-Trilogie "Der Herr der Ringe" verantwortlich war. Der kinderfreundliche Familienfilm basiert auf der 1943 veröffentlichten Science-Fiction-Kurzgeschichte "Mimsy Were The Borogoves" von Lewis Padgett (Pseudonym von Henry Kuttner und seiner Frau C.L. Moore); das Drehbuch verfassten "Oscar"-Preisträger Bruce Joel Rubin (Originaldrehbuch zu "Ghost - Nachricht von Sam") und Toby Emmerich. Moderner "E.T."-Charme ist annonciert: Die 5jährige Emma und ihr älterer Bruder Noah entdecken eine Schatzkiste mit Spielzeug. Das erweist sich als "magisch". Denn als sich die Kiddies "damit" beschäftigen, steigt ihr Intelligenzquotient auffallend an. Ein Stoffhase wird zum Kommunikations-Schlüssel, an dem sogar "das Militär" Interesse findet.

Dabei geht es doch NUR um die humane Botschaft aus der Zukunft: Der - erwachsenen - Menschheit gehen die wertvollsten (Überlebens-)Werte abhanden - die Fähigkeiten zu fühlen bzw. zu empfinden. Ihre Gefühle verbergen/vergraben sie inzwischen hinter Denkmustern der sog. Vernunft. Da allein die Kinder noch Offenheit, Begeisterung und Phantasie besitzen, die für ein normales/schönes Dasein erforderlich sind, werden diese angesprochen und um "Hilfe" gebeten. Ein Kind gibt der Menschheit - mit Spielzeug-Charme - ihre Menschlichkeit zurück. Eine schöne, eher ereignisreich-leise, angenehm-unangestrengt daherkommende, fein unterhaltende Gefühls-Parabel. Sozusagen: DENKEN / Mit- bzw. Nachdenken ALS Prima-Film-SPASS.

Mit u.a. Joely Richardson, Timothy Hutton, Michael Clarke Duncan sowie den Kindern Rhianon Leigh Wryn und Chris O`Neill (= 3 PÖNIs).

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