„OBLIVION" von Joseph Kosinski (Co-Pr. + R; USA 2012; B: Karl Gajdusek, Michael deBruyn; basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski; K: Claudio Miranda; 125 Minuten; Start D: 11.04.2013); am 27. Januar 2011 kam sein erster Spielfilm hierzulande in die Kinos: „TRON: LEGACY“ (s. Kino-KRITIK). Der damals 37jährige JOSEPH KOSINSKI, ein Experte in Sachen Architektur („Master“) und Ingenieurwissenschaften sowie als „spezieller Werbefilmer“ geschätzt, wurde für seine phantastische visuelle Gestaltung in „Tron: Legacy“ viel gelobt, aber auch für die „dünne Story“ reichlich kritisiert. Ähnliches ist hier, bei seinem zweiten „Giganten“ von Science-Fiction-Action-Abenteuerfilm, zu notieren: Äußerlich ist diese Show mit dem übersetzten Titel „Vergessenheit“ voller bombastischer Superlative, inhaltlich dagegen und über die (wenigen) Figuren bleibt die (geschätzte) 140 Millionen Dollar-Produktion eher „bescheiden“. Vor allem - war es bei „Tron: Legacy“ ein Jeff Bridges, der raffiniert und clever darstellerische Reizpunkte setzen konnte, zeigt sich hier „lediglich“ ein Kämpfe TOM CRUISE, 50, in beziehungsweise mit nur begrenzt interessanten Krieger-Posen. Und letztlich mit den bekannten, oft schon vernommenen reaktionären Behauptungen, dass nur über „richtiges“, also totales Zerstören, etwas Neues, also viel Besseres, entstehen kann. Um uns herum. Wie schwach – sinnig.
Natürlich, mal wieder unser Planet. Die Erde. Im Jahr 2077 ist alles kaputt. Weil irgendwann Aliens unseren Kosmos angegriffen haben und „wir“ diese Auseinandersetzung nur atomar „gewinnen“ konnten. Mit den Folgen - nix ist mehr „da“. Der Planet ist völlig verwüstet. Die überlebenden Menschen sind zu einer Mond-Kolonie abgewandert, zu den letzten Verbliebenen, jetzt hoch droben, über den Wolken „wohnend“, zählt Jack Harper (Tom Cruise). Als so eine Art Monteur-Krieger. Spezial-Techniker. Klempner für kaputte Drohnen. Die für die Menschen von ungeheurer Wichtigkeit sind. Im Immer-noch-Kampf gegen Rest-Aliens, auch „Plünderer“ genannt. Dann aber macht Jack „ungeheure Entdeckungen“, über die aber der Verleih im Presseheft bittet, keine Angaben in der Kritik zu machen, „damit das Publikum die Überraschungen genießen kann“. Von mir aus oder - besser wird der dröhnende Donnerstreifen „dadurch“ allerdings auch nicht. In dem dann auch zwei hübsche Mädels keine aufreizende Rolle spielen: OLGA KURYLENKO (das Bond-Girl aus „Ein Quantum Trost“ und neuerdings andauernd aktiv, wie z.B. auch in meinem Heimkino-Hit dieser Woche, „Die Logan Verschwörung“) sowie ANDREA RISEBOROUGH (im Madonna-Movie „W.E.“ die Wallis Simpson) als Victoria Olsen, quasi die verliebte Kollegin -Chef von Jack im Hochdroben-Appartement. Und Kommandobunker. Oder so: Auf meinem Notizblock steht an dieser Stelle der Satz: „Ich hab’s nicht kapiert, eigentlich auch, weil es mich nicht mehr „so doll“ interessiert. Hat“. Und dann tritt auch noch Mr. Beech auf, verkörpert von MORGAN FREEMAN, als Oberhaupt der Plünderer. Und „ganz anders“ als erwartet. Jack jedenfalls schnappt sich seine Waffen und legt los. Gegen wen und warum…wer weiß.
Weil es sowieso auch nicht wichtig ist. So wie die einfallsreiche „Star Wars“-Optik, das postapokalyptische Design und die zahlreichen Spezialeffekte bisweilen durchaus packen, in den Bann ziehen, so dämmerlich (= genau, dämmerlich) sind die kriegerischen Aktionen und Folgen, wenn Jack Harper / Tom Cruise mit Vollernst ´rummacht. Als Soldat, Aufklärer, letzte Bastion zwischen Mensch und Maschinen. Mal kommt der diktatorische Computerführer „HAL“ aus „2001“ von Stanley Kubrick (1965-1968) in den kurzen Sinn, mal erinnern „die Dinge“ an die „The Twilight Zone“-Eskapaden aus dem Fernsehen von Annodunnemal. Schick und schrill aufgefrischt. Natürlich. Doch das Gesamtspektakel und seine mitunter imponierende Visualität wirken leer, steril, weil sie nicht mit spannenden Handlungsbewegungen und faszinierenden charakterstarken Figuren gefüllt sind. Im Gegenteil: Die uninteressanten Mitwirkenden agieren und reagieren wie die üblichen Marionetten aus gewöhnlichen Fiction-Krachern. Wobei „Mucki“-Tom hier ziemlich unbedarft handfeste Mittelmäßigkeit verbreitet.
Oblivion = Vergessenheit. So soll es sein (= 2 PÖNIs).
„OCEAN´S 13" von Steven Soderbergh (USA 2007; 122 Minuten; Start D: 06.06.2007); der zu den gegenwärtig INTERESSANTESTEN Filmemachern Hollywoods zählt. Weil er sowohl "cineastisch" wie auch "kommerziell" erfolgreich zu arbeiten versteht. Der am 14. Januar 1963 als zweitältester Sohn eines College-Professors in Atlanta/Georgia geborene Steven begann bereits als Jugendlicher mit der 16mm-Kamera zu drehen und begann seine Laufbahn - ohne Studium - als Cutter. Nebenbei schuf er Kurzfilme. Schon mit seinem ersten Langfilm schaffte er d i e Sensation, denn für die Independent-Produktion "SEX, LÜGEN UND VIDEO" bekam er 1989 beim Cannes-Festival - mit 26, als jüngster Regisseur überhaupt - gleich den Hauptpreis, die "Goldene Palme".
Danach entstanden die Spielfilme "Kafka" (1991/mit Jeremy Irons, Armin Mueller-Stahl/Alec Guinness) und "KÖNIG DER MURMELSPIELER" (1993/mit Jesse Bradford + Jeroen Krabbé; derzeit Erstveröffentlichung auf DVD). Mit späteren "Mainstream"-Filmen wie "OUT OF SIGHT" (1998/mit George Clooney + Jennifer Lopez) und "The Limey" (1999/mit Terence Stamp) kam der kommerzielle Durchbruch. Für "TRAFIC - Macht des Kartells" (2000/mit Benicio Del Toro + Michael Douglas) wurde ihm der "OSCAR" für die "beste Regie" zuerkannt. Sein im selben Jahr gedrehter Umwelt-Thriller "ERIN BROCKOVICH" verhalf JULIA ROBERTS zur "Oscar"-Trophäe. Danach fand er mit cineastischen "Fingerübungen" wie "Voll Frontal" (2002/mit Julia Roberts), "Solaris" (2002/mit George Clooney) und zuletzt mit "The Good German" (2006/mit George Clooney + Cate Blanchett/diesjähriger BERLINALE-Wettbewerbsfilm) weniger Zuspruch. Dafür aber "funktioniert" seit 2001 seine kommerzielle Movie-Arbeit.
Der Anlaß/Auslöser ist ein uralter Frank-Sinatra-Streifen von 1960, der bei uns am 17.2.1961 unter dem Titel "FRANKIE UND SEINE SPIESSGESELLEN" in die Kinos kam. Originaltitel: "Ocean´s Eleven"; Regie: Lewis Milestone. Story: 11 Freunde, die zusammen in einer Fallschirm-Einheit im Zweiten Weltkrieg aktiv waren, treffen sich unter der Führung von Daniel Ocean (= Frank Sinatra) in Las Vegas, um am Neujahrstag die fünf größten Casinos der Stadt gleichzeitig auszurauben. Die Hauptdarsteller des Films sind DEAN MARTIN/SAMMY DAVIS Jr./JOEY BISHOP + PETER LAWFORD, die alle zusammen unter dem Namen RAT PACK (also "Rattenpack") als Sänger hauptsächlich in Las Vegas bekannt waren. (Übrigens: "Frankie und seine Spießgesellen" bzw. "Ocean´s Eleven" war nicht der einzige Film, den das "Rat Pack" zusammen gedreht hat).
2001 übernahm Steven Soderbergh, der unter dem Pseudonym "Peter Andrews" auch als Kameramann arbeitet und auch schon mal als "Mary Ann Bernard" für den Schnitt verantwortlich zeichnet, diesen lässig-coolen Oldie-Streich für ein Remake: "OCEAN´S ELEVEN" kam hierzulande am 10. Januar 2002 in die Kinos und hatte dann rd. 4,4 Millionen Besucher. Die u.a. mit GEORGE CLOONEY/BRAD PITT/MATT DAMON/ANDY GARCIA + JULIA ROBERTS prominent besetzte Gauner-Komödie lief charmant-elegant wie cool-unterhaltsam gut durch. "Ocean´s Twelve", im Dezember 2004 bei uns in den Kinos angelaufen, war ein mit wackligen Bildern versehenes endloses Dauer-Gelaber, das teilweise "wie nebenbei" in Clooneys Haus in Italien aufgenommen wurde. Trotz neuem Blickfang Catherine Zeta-Jones: Ein langweiliger Fortsetzungsfilm mit viel lahmer Heiß-Luft.
Nun also nochmal, diesmal aber wieder "Zuhause", in Las Vegas: In "OCEAN´S 13" lebt das gute, alte Gemeinsam-Motto wieder auf: "Der Star ist das TEAM", kehrt die Gauner-Profi-Truppe um Danny Ocean (= natürlich wieder GEORGE CLOONEY) an der Ausgangsort zurück, um einem alten Gauner-Kumpel aus der Patsche zu helfen. (Motto, ganz klar: Freundschaft + Gauner-Ehre.) Der nämlich, bekannt, Reuben Tishkoff (ELLIOT GOULD), wurde vom skrupellosen Hotel-Casino-Besitzer Willy BANK (= "Oscar"-Star AL PACINO) mächtig ´reingelegt Also muss DER nun ebenso "dicke" ausgenommen werden. Dabei geht es nicht darum, irgendeinen Tresor zu knacken, sondern das Casino des Schurken finanziell ausbluten zu lassen, indem die Gewinnchancen der Spieler auf 100% manipuliert werden. Ein zwar "etwas" anstrengender, aber dann auch, natürlich, ein fröhlicher Heiden-Spaß...
Man stelle sich einen gut gemixten, süffigen, stimmungsvoll-launigen COCKTAIL vor. Gemixt mit allerlei guten Getränken/Zutaten. GENAU-DAS ist "Ocean´s 13": Eine mit viel Cinemascope-Charme gefüllte, in ultra-elegantem Hochglanzlook fotografierte, mit der perfekten Ausstattung umgarnte hochkarätige Star-Gaunerei/Kerle-Spielerei. Man genießt...und lässt es sich "schmecken"/gefallen. CLOONEY + BRAD PITT zudem sehen mal wieder SO WAS VON GUT-AUS und spielen sich so manch- hübsche Pointen-Bälle zu (etwa, wenn sie sich über die Oprah-Winfrey-Talkshow lustig machen und...und...und), das man ob des launigen Vergnügens übersehen mag, dass es diesmal an einer kräftigen weiblichen "Begleitung" (nach Julia Roberts + Catherine Zeta-Jones) mangelt. "Gangster-Liebchen" ELLEN BARKIN wirft sich zwar VOLL ins Rennen, kann aber rollenmäßig ihren Vorgängerinnen nicht das Wasser reichen. Dafür aber ist "Erzfeind" ANDY GARCIA auch wieder mit von der hübschen Party, und diesmal sogar "halb" mit-auf Seiten der netten Jungs...
Abenteuer + Komik, immer mit einem ironischen Augenzwinkern durchsetzt, dazu ein stimmungsvoller Soundtrack als Hommage an die kultigen TV-Serien der 70er: "Ocean´s 13" ist einfach eine schöne, bunte, launig-unterhaltsame 2 Stunden-Leinwand-Show (= 3 PÖNIs).
„ODETTE TOULEMONDE" von Eric-Emmanuel Schmitt (B+R; FR 2006; 100 Minuten; Start D: 25.10.2007). Der 47jährige französische Schriftsteller und Dramaturg zählt beim Nachbarn zu den "Großen" in Sachen Theater und Bücher, erhielt 2001 den "Grand Prix des Theaters" der Académie Francaise, wurde hierzulande 2004 mit dem "Deutschen Bücherpreis" für seinen Roman "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" ausgezeichnet. Der Roman wurde dann bekanntlich 2003 unter der Regie von Francois Dupeyron verfilmt; mit Omar Sharif in der Hauptrolle, der dafür den französischen "Oscar", den "Cesar", bekam.
Das Regie-Debüt von Eric-Emmanuel Schmitt ist eine schön-kitschige Geschichte um einen depressiven Erfolgsschriftsteller in der Schaffens- wie Lebenskrise, seinen größten weiblichen Fan und wie Beide in einer schicksalhaften Verwinkelung von Zufall und Gefühl zusammentreffen. Das besitzt französische Leichtigkeit, wird augenzwinkernd-charmant sowie mit viel Musikalität hübsch-stimmungsvoll vorgetragen. Ein Film wie ein Chanson. Motto: Was bedeutet Glück/wo-wie kann ich es finden???
CATHERINE FROT ("Zwei ungleiche Schwestern"/an der Seite von Isabelle Huppert; neulich in "Das Mädchen, das die Seiten umblättert") gibt prima die einfache, aber selbstbewusst-zufriedene Feminine aus dem Volk; ALBERT DUPONTEL ("Ein perfekter Platz") mimt sympathisch- unaufdringlich den überraschten, übertölpelten Intellektuellen. Angenehm-spielerisch-sentimentales Unterhaltungs-Kintopp (= 3 PÖNIs).
LORIOT alias Vicco von Bülow, einer unserer Spitzen-Humoristen, hat seinen ersten Kinofilm gedreht. Titel: „ÖDIPUSSI" von Vicco von Bülow (B, D+R; D 1988; 88 Minuten; Start D: 10.03.1988).
Paul Winkelmann ist 56 und ein Mutter-Söhnchen. Seine Mama bevormundet ihn wie zur Lausbubenzeit, und Er, der ‘Junge‘ mit dem schon graumelierte Haar, findet das meistens ganz prima. Nur “Pussi“, das soll nun seine Mama nicht mehr zu ihm sagen. Aber sonst... wäre alles in bester Familienordnung geblieben, würde da nicht eines trockenen Tages Margarethe in sein etwas verschusseltes Leben treten. Margarethe ist Diplom-Psychologin und im übrigen mit genauso einer herrischen Mutter ausgestattet. Und beide Mütter reagieren auch ziemlich säuerlich, als sie von den ersten Annäherungsversuchen ihrer beiden “Kinder“ erfahren. Paul aber will‘s wissen. Verschleppt Margarethe erst für ein Wochenende nach Mailand und dann, samt ihrer Eltern, zu seiner nun auch noch singend auftrumpfenden Mutter. Die Stimmung kann gar nicht frostiger …und komischer sein.
Ein verrückter Spaß, ein sympathischer Film. Loriot gibt erst gar nicht vor, ein außerordentlich gewiefter SPIELFILM-Regisseur zu sein, sondern setzt voll und ganz auf seine wunderschönen Nummern und Eskapaden, die jeden Zwischendurch-Leerlauf immer wieder vergessen lassen. Loriot hat wieder viel ins nervöse, spannungsgeladene Spießer-Leben gegriffen, hat wieder ganz präzise beobachtet und den Leuten aufs Maul geschaut und attackiert ebenso hinterfotzig wie nuanciert das “gehobene Bürger-Milieu“ und dessen albernes Getue. Als Autor, Regisseur und Hauptakteur‘ in einer Person erzählt er von diesen kleinen, banalen, ekligen, aber ebenso unsagbar komischen Alltagsdingen, die uns alle irgendwo mal oftmals verrückt werden lassen, Polt und jetzt Loriot im Kino: der deutsche Film vergnügt derzeit auf Hochtouren (= 4 PÖNIs).
„OFFROAD“ von Elmar Fischer (D 2011; Co-B+R; 98 Minuten; Start D: 12.01.2012); der am 26. September 1968 in Geilenkirchen/Nordrhein Westfalen (20 km Luftlinie von Aachen) geborene Filmemacher hat Journalismus in München studiert und arbeitete danach, ab 1993, vorrangig für das Fernsehen. War unter anderem als Regisseur mitverantwortlich für das Konzept und die Umsetzung der ersten beiden Stuttgarter „Tatort“-Krimifolgen mit Richy Müller & Felix Klare („In eigener Sache“; „Hart an der Grenze“/2008). 2003 entstand mit „Fremder Freund“ sein erster Kinofilm.
In seinem zweiten Leinwand-Werk beginnt er mit dem Fehler der Fehler - lässt die Heldin erstmal aus dem Off sabbeln, um sich vorzustellen: Ich bin die Meike aus Geilenkirchen und möchte in die weite Welt. Am liebsten - in die Wüsten-Welt. Die Langeweile und die Einöde daheim, wir begreifen schon. Also ersteigert sie sich beim Zoll Aachen einen geilen Jeep. Für 6500 Euro. Was der Zoll übersehen hat: In dieser Karre stecken, gar nicht einmal so doll versteckt, 50 Kilogramm Kokain. Die rufen natürlich die eigentlichen Besitzer auf den Plan. Doch Meike will das Auto partout, auch gegen zünftigen Euro-Aufschlag, nicht mehr hergeben. Hat natürlich längst „den Stoff“ entdeckt. Und macht sich nun solo auf, DEN gewinnbringend zu verhökern. Als sie, inzwischen in Düsseldorf, dabei kräftig eins auf die Nase bekommt, hilft ihr der Deutsch-Türke Salim. Weil auch er gen Berlin will, machen sie sich beide auf den Weg. Immer im Schlepptau: Arg überforderte Möchtegerngangster-Loser. In Berlin dann ist Coolness mit „Schwingungen“ annonciert. Mal Disco, mal Triebe, mal Hiebe. Mal Theater. Die Landpomeranze mutiert zur Großstadtbraut.
Einer dieser deutschen Achherjeh-Filmchen. Mit viel mehr TV-Regungen als Kino-Bewegungen. Mit reichlich Logik-Löchern und viel unlustigem Getue und Gequatsche. Auch wieder „von oben“, aus dem Off, von Meike, wenn die sowieso schon klare Sichtung noch dick und doof-breit von ihr erklärt wird. Anstatt dies visuell erzählend aufzulösen, bekommen wir Deutung und Moral brav-wortreich mitgeteilt. Gähn.
Die bekloppten Ganoven-Verfolger geben hier noch die nettesten Typen ab (Stefan Rudolf; Max V. Pufendorf, Tonio Arango). Was dagegen hier die „Tatort“-Bullen Dominic Raacke (Berlin) und Axel Milberg (Kiel) in Nebenparts als rheinischer Papa von Meike und als zwielichtiger „Koks“-Anwalt vorführen, schadet eher ihrem Ruf.
„Bambi“-Preisträgerin NORA TSCHIRNER, Jahrgang 1981, über die Til Schweiger-Erfolgsspäße „Keinohrhasen“ (2007) und „Zweiohrküken“ (2009) populär „aufgetaut“, bemüht sich vergeblich, gegen ein schlaffes Drehbuch anzumimen. Wie schon in „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ (2009) und zuletzt in „Bon appétit“ (2009) kommt sie nicht in ironischen Stimmungsschwung. Bietet nur biedere, vorhersehbare „Heiterkeit“. ELYAS M’BAREK (aus der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“) als Salim krampft sich durch die arg konstruierte Flachwitzszenerie einer neuen deutschen, großflächig geförderten Schwachkomödie. Mit Krimi-Lächerlichkeit(en) (= 2 PÖNIs).
„OFFSIDE" von Jafar Panahi (B+R; Iran 2006; 93 Minuten; Start D: 29.06.2006); ist eine Vorjahres-Produktion aus dem IRAN, die im diesjährigen Wettbewerbsprogramm der Berlinale lief und dort mit dem "Großen Preis der Jury" bzw. mit dem "Silbernen Bären" ausgezeichnet wurde.
Passend zur WM kommt er nun ins "reguläre" Kino-Programm: Im Iran haben Frauen beim Fußball Stadionverbot. Eine Gruppe von jungen, enthusiastischen weiblichen Fußball-Fans wollen aber anlässlich des WM-Qualifikationsspiels Iran gegen Bahrain unbedingt ins Stadion. Also verkleiden sie sich als junge Burschen. Werden aber entdeckt und in ein "improvisiertes Gefängnis" gesteckt. Wo es zu vehementen Diskussionen mit den bewachenden Soldaten kommt, bevor sich dann im euphorischen Trubel der nächtlichen Siegesfeier Recht und Ordnung/Autorität und Pflicht vorübergehend auflösen.
Brisantes, spannend-nachdenkliches politisches Kammerspiel als atmosphärische Emanzipations-Komödie. Die ganz dicht und geschickt an der Nahtstelle zwischen Dokumentation und Spiel brisant wie unterhaltsam hantiert. Und mit der (verklausuliert-)liberalen Meinung vorangeht, dass sich Lebensfreude/Lebenslust nicht von politischen/religiösen Machthabern "wegherrschen" lässt. Couragierter, engagierter "Fußballfilm" (= 4 PÖNIs).