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Filmtitel von Ol - On

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

OLD DOGS – DADDY ODER DEAL“ von Walt Becker (USA 2009; 88 Minuten; Start D: 14.01.2010); der uns schon mit so unterhaltsamen „Köstlichkeiten“ wie „Born to be Wild – Saumäßig unterwegs“ (2007) und „Party Animals“ (2002) getroffen hat, läßt hier, gedanklich wie tatsächlich, „die Hosen runter“: Immerhin JOHN TRAVOLTA und „Oscar“-Preisträger ROBIN WILLIAMS (säuft der eigentlich immer noch?) mimen die zwei erfolgreichen Geschäftskumpels und Singles, Charlie und Dan, die es plötzlich mit „Nachwuchs“ zu tun bekommen.

Marke: Vor Jahren mal zufällig während einer Blitz-Ehe gezeugt. So so. Natürlich stehen die Mittfünfziger mit ihrer relaxten Sportagentur ausgerechnet vor einem „großen Mega-Deal“ „mit den Japanern“. So so. Und ausgerechnet „jetzt“ ist Dan Vater von Zwillingen. Die Mutter, eine militante Umweltaktivistin, muß für 2 Wochen ins Gefängnis. So so. Und übergibt die 7jährigen Kinderchen dem perplexten neuen Papa. So so. Gemeinsam mit Dan müssen die in die Jahre gekommenen „bequemen“ Herren nun nochmal zeigen, was sie so „pädagogisch“ draufhaben. So so. Dabei gehen natürlich teure Kunstwerke zu Bruch, werden Pfadfinderspiele im Camp nachgeholt, mit Extrem-Frisbee, und so allerlei Gag-Zeugs gilt es zu überstehen, etwa wenn der Golfball gleich mehrmals in vorhersehbare Körperteile düst, so so, oder wenn noch Gorillas im Zoo oder eine geradezu über-dämliche Clownsnummer peinlich ausgewalzt wird. Brachialhumorklamauk, mit kindischen Dummbazi-Blödheiten, mit Holzhammer-Krampf-Dampf, mit grauslichen digitalen Effekten durchfüttert. Go West oder: Es ist so JÄMMERLICH (= 1 PÖNI).

OLEANNA" von David Mamet (B+R, nach seinem gleichn. Theaterstück; USA 1993; K: Andrzej Sekula; 9O Minuten; Start D: 03.08.1995).

Im Oktober 1991 enthüllte die Juristin Anita Hill, Professorin an der Universität von Oklahoma, vor einem Ausschuss des amerikanischen Senats und vor dem wie hypnotisiert lauschenden amerikanischen Fernsehpublikum das unsittliche Verhalten, das Clarence Thomas 10 Jahre zuvor während seiner Kandidatur für den obersten Bundesgerichtshof angeblich an den Tag gelegt hatte. Es waren Anspielungen aus pornographischen Filmen, die er ihr angeblich beschrieben hat. Trotzdem wurde Thomas als 106. beigeordneter Richter des obersten Bundesgerichts mit 52 zu 48 Stimmen im Amt bestätigt. Ein Jahr darauf wurde David Mamets Theaterstück “Oleanna“ in Cambridge, Massachusetts, uraufgeführt. Der Zeitpunkt konnte nicht günstiger sein, denn die öffentliche Meinung in Amerika hatte die eingangs beschriebene Kontroverse nicht vergessen. Und in “Oleanna“ geht es genau um dieses Problem: Der Mann, die Frau, der verbale Clinch, die Konfrontation, das Rollenspiel und seine wechselhaften Seiten, die Anklage.

Der Mann heißt John. Er ist attraktiv, in den besten Jahren, verheiratet. Er hat einen Lehrstuhl an der Philosophischen Fakultät einer prominenten amerikanischen Universität. Er hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht, steht kurz vor der Berufung zum Professor auf Lebenszeit und vor dem Kauf eines größeren Hauses. Carol heißt eine seiner Studentinnen, Sie sieht durchschnittlich aus, stammt aus einfachen Verhältnissen. Sie führt ein einsames Leben, hat Probleme mit dem Lehrbetrieb und Angst, in Johns Kurs durchzufallen. Unangemeldet erscheint sie eines Tages bei John. Er will eigentlich weg, hat dringende Termine, lässt sich aber dann doch auf einen längeren Disput mit ihr ein. Sie trinken Tee. und reden miteinander. Er ist dabei “führend“, gibt sich mal kumpelhaft, mal elitär, mal kritisch und stets als Besserwisser. Er hört sich zudem ganz offensichtlich gerne reden. Sie wirkt immer mehr verunsichert, irritiert, von ihm eingenommen und überrumpelt. Dann verspricht er ihr die Bestnote und bietet Privatstunden an. Sie fühlt sich gedemütigt. Wirft ihm geistige und physische Unterdrückung vor. Und klagt ihn wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung an. John ist geschockt. Das nächste Gespräch führt er herbei. Doch jetzt beginnen sich die Rollen zu wenden. Sie bestimmt jetzt das Rede-Duell. Er versucht zu vermitteln, bittet um Verständnis, doch Carol besteht auf ihrer Leseart der Ereignisse. Sie gewinnt mehr und mehr an sprachlichem Führungsboden. Er sieht sich mehr und mehr in die Verlierer- bzw. Opfer-Ecke gedrängt. Als er sie einmal kurz an den Armen schüttelt, bezichtigt sie ihn der Vergewaltigung. Die Debatte eskaliert.

DAVID MAMET. Der 47jährige David Mamet zählt gegenwärtig zu den renommiertesten Autoren des zeitgenössischen amerikanischen Theaters. Sein Stück “Glengarry Glenn Ross“ wurde 1984 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und 1992 verfilmt. Sein Oeuvre umfasst Theaterstücke, Drehbücher und den Roman “Das Dorf“, der im Frühjahr auch bei uns herausgegeben wurde. Außerdem: 3 Spielfilme, bei denen er selbst für Drehbuch und Regie verantwortlich war: “Haus der Spiele“/1987; “Things Change - Mehr Glück als Verstand“/1988 und “Homicide - Mordkommission“/1990. Mamet wird für intellektuelle Schärfe seiner Texte und für seine fast schon klinische Analyse amerikanischer Underdogs in der ganzen Welt verehrt und geschätzt. In dem Film “Oleanna“ adaptierte er erstmals ein eigenes Stück für die Leinwand. Dabei übernahm er mit DEBRA EISENSTADT und WILLIAM H. MACY auch die grandiose originale Bühnenbesetzung. Vor dem Hintergrund der in den USA erbittert geführten Debatte um “political correctness“ beschreibt Mamet das Paradoxe jeder klassischen Tragödie: Egal, wie man sich auch verhält, man tut immer das Falsche. Dabei geht es gar nicht um sexuelle Belästigung im engen Sinne, sondern um die Darlegung von Macht. Von Machtstrukturen und -verhältnissen. Von Ohnmacht und wie rasch sich die Dinge unter gesellschaftlichem Druck wandeln können. Wobei Macht natürlich auch immer etwas mit Sexualität zu tun hat, ohne dass es dabei überhaupt zu Berührungen kommen muss.

Es ist Hör-Kino. Zuhör-Kino. Die Sprache als Waffe. Nichts “bewegt“ sich. Nichts wird “gezeigt“. Visualisiert. Nur die Worte und die Reaktionen darauf. Diese äußerliche Unbeweglichkeit macht den Film zugleich reizvoll wie unerträglich. Man wird wütend, weil das "Gerede" nicht aufhört, und doch ist man gepackt von so viel verbaler Eindringlichkeit und Intimität. Und wer gewinnt? Das muss jeder für sich und mit seinem Partner ausmachen. Aber Vorsicht: Der Autor und Regisseur David Mamet erklärt im Presseheft, dass er bei diesem intellektuellen Kammerspiel Pärchen gesehen habe, die vor der Aufführung zusammenkamen und danach verbittert alleine gingen. Stichwort: Parteinahme. Seien Sie also abschließend etwas ironisch gewarnt, wenn Sie sich den Film “Oleanna“ zu zweit ansehen: Er bzw. es ist nicht ganz ungefährlich...(= 3 ½ PÖNIs).

OLIVER und CO.“ Von George Scribner (USA 1988; 74 Minuten; Start D: 30.11.1989). Der hat was mit “Susi und Strolch“, “Aristocats“ und dem britischen Kinder-Klassiker “Oliver Twist“ von Charles Dickens zu tun. Ein kleines Waisen-Kätzchen sieht sich im New York von heute schon sehr früh den Gefahren einer Großstadt ausgesetzt und gerät ausgerechnet an eine Hunde-Gang. Doch es sind nette Leute, pardon Hunde, die gegen den kleinen Neuling nichts einzuwenden haben. Ganz im Gegenteil, als Not und Gefahren drohen, greifen sie gerne und voller Tatendrang helfend ein.

Mit einigen Gags, zahlreichen Pointen, aber auch Zwischendurch-Leerlauf. Was einmal mehr von und bei Disney gut ankommt, sind diese komisch-menschelnden Viecher, die gut und gern auch aus der nachbarlichen Wohngemeinschaft stammen könnten. Also, ganz nett: “Oliver und Co.“ von Disney und Co. (= 2 ½ PÖNIs).

DAS OMEN" von John Moore (USA 2006; 110 Minuten; Start D: 06.06.2006); einem Iren, dessen erste beiden Spielfilme "Im Fadenkreuz - Allein gegen alle" (2000) und das Remake "Der Flug des Phoenix" (2004) eher "bescheidene" Genre-Werke waren. Hier schuf er ebenfalls ein (in Prag gedrehtes) Remake: 1976 entstand das düstere Original um den in der Gestalt/Geburt eines Kindes auf die Erde gekommenen Antichristen (R: Richard Donner; mit Gregory Peck und Lee Remick in den Eltern-Hauptrollen).

Hokuspokus-Horror-Blödsinn, bei dem man als Zuschauer vor allem dadurch gelangweilt ist/bleibt, dass man ALLES weiß, während DIE DA OBEN (viel zu) lange so tun müssen, als wüssten sie/begriffen sie gar nichts, obwohl der Adoptiv-Papa immerhin US-Diplomat in Großbritannien ist. Folgenschwere Ereignisse sähen GANZ langsam Misstrauen in ihm, doch als er endlich erkennt/akzeptiert, SATAN buchstäblich im Haus zu haben, ist es zu spät. Fortsetzung folgt.

Namhafte Schauspieler wie LIEV SCHREIBER ("Der Manchurian Kandidat"), JULIA STILES, mal wieder MIA FARROW (als eine Art "ausgewachsenes" "Rosemaries Baby") sowie der gute "Pater" PETE POSTLETHWAITE ("Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten") sind völlig unterfordert: Stoff + Film wirken weitgehend altbacken-unsinnig sowie lächerlich/spannungslos/albern. Und der Teufels-Bengel Seamus Davey-Fitzpatrick darf nur andauernd blöde mit den Augen rollen und immer so tun als ob...; grässliches Horror-Machwerk (= 2 PÖNis).

ONCE" von John Carney (B+R; Irland 2006; 85 Minuten; Start D: 17.01.2008); einem irischen Drehbuch-Autor, Produzenten und Regisseur, der 1972 in Dublin geboren wurde. Zunächst Kurzfilme schuf, um dann die Spielfilme "November Afternoon" (1996/eine Schwarz-Weiße-Low-Budget-Produktion, die von der irischen "Times" zum "Besten Film des Jahres 1997" gekürt wurde) und "On The Edge" (2001/mit Cillian Murphy + Stephen Rea/für die Universal Studios) zu realisieren. Zugleich arbeitet er erfolgreich für das Fernsehen und war an Irlands erfolgreichster unabhängiger TV-Serie "Bachelors Walk" als Co-Autor und Regisseur beteiligt.

2006 entstand, für vergleichsweise lächerliche 130.000 EURO, "ONCE" (B+R), der im Vorjahr beim Sundance-Festival den Publikumspreis gewann und seitdem auf dem Siegeszug um die (Kino-)Welt ist. STEVEN SPIELBERG wird in diesem Zusammenhang gerne zitiert: "Ein kleiner Film mit dem Titel `ONCE` gab mir genug Inspiration, um über den Rest des Jahres zu kommen". Wenn das kein Güte-Stempel ist..., aber in der Tat: "Once" ist eine jener kleinen, bezaubernden Entdeckungen, die so unverhofft auftauchen und so herlich-lange nachhallen. Und die in diesem "gigantischen Brüll-Alltag" auf so wunderbare Weise, jenseits von Glamour und Business, von Fratzenkultur und Banalität(en)/Dämlichkeit(en), Emotionen wie gleichsam Musikalität und Seele freisetzen. Also augenzwinkernd-fein ausatmen und "beruhigen". Will sagen: "ONCE" TUT RICHTIG GUT. Natürlich geht es um Außenseiter. Um DEN Jungen und DAS Mädchen. Im Dublin von heute.

Da ist einerseits der bettelarme, aber deshalb nicht herumjammernde Straßenmusiker mit der lauten Gitarre und ebensolcher Stimme. Der sich - bildlich-musikalisch gesprochen - mit seinen Songs geradezu auskotzt. Und da ist SIE. Die neugierig geworden ist. Die sich nähert, aber mit irgendwelchen Standard-Antworten keineswegs zufrieden ist. Eine tschechische Immigrantin, wie sich herausstellt, die Hilfsarbeiten macht, aber Pianistin ist. Die Liebe zur Musik bringt sie näher. WIE, das soll/das darf gar nicht weiter erzählt werden, das muss man sehen und noch besser - HÖREN. Denn "Once" kann man auch als so eine Art "Wild-Musical" bezeichnen, aber ich merke bereits beim Schreiben, die "korrekte" Klassifizierung fällt schwer, so angenehm ungewöhnlich wie feder-leicht-schön ist dieses 85minütige Anders-Erlebnis von Kino. Ein Stück JUWEL, mit dem man respektvoll wie genießerisch wie "einfach so" umgehen sollte: Romeo und Julia, das Straßen-Paar von Dublin OHNE die üblichen Kitsch-Motive. Und auch ohne..., aber lassen wir das.

Eine Hymne an das "normale" Dublin, bezeichnet ER diese "gesungene Liebeserklärung", GLEN HANSARD: Sänger und Gitarrist der irischen Band "The Frames". In Alan Parkers Band-Klassiker "The Commitments" spielte er 1991 den Gitarristen Outspan Foster. Für "Once" hat er die Songs mit der weiblichen Hauptdarstellerin, der erst 19jährigen Sängerin und Pianistin MARKÉTA IRGLOVÁ, einer Liedermacherin aus der ehemaligen Tschechoslowakei, geschrieben und eingespielt. Ergebnis: Endlich einmal kein glatter, kein geSCHÖNTER, kein konstruierter Quatsch an Beziehung und Music, sondern eine richtig urwüchsige, völlig unaufgeregte, angenehm lakonische Frisch-Fröhlich-Fromm-urige- Einfach-So-Begegnungs-Song-Geschichte von Boy und Girl. DAS IST ES. Wer an diesem Film vorbei-stolpert, ist selber schuld oder sage keiner, dass er nicht gewusst habe, dass es diesen Film gibt: "ONCE" ist Musik-Charme- und Atmosphäre-Kult-pur. Ein Film zum, pardon, Liebhaben/Gerne-Mögen.

SO WUNDERBAR-NORMAL-SCHÖN WAR KINO SCHON LANGE NICHT MEHR! (= 4 PÖNIs).

ONE WAY" von Reto Salimbeni (B+R; D2006; 116 Minuten; Start D: 25.01.2007); einem Schweizer (Werbe-)Filmemacher, der mit dieser Til-Schweiger-Produktion eine Leinwand-Überflüssigkeit schuf. Denn der sich läppisch wie einer dieser Dutzend-Krimi-TV-Filmchen hinziehende Krampf besitzt nur fade konstruierte Mühsam-Spannung und wirkt ebenso unglaubwürdig wie lahm-langweilig-beliebig.

Platte Story: Der stets gut-messerschnitt frisierte und nett gefönte deutsche Werbeprofi Eddie (TIL SCHWEIGER) hat es in einer erfolgreichen New Yorker Agentur weit gebracht, steht kurz vor der Hochzeit mit der Chef-Tochter, als er nochmal fremdgeht und daraufhin alles zu platzen droht. Und als noch sein fieser zukünftiger Schwager Anthony ausrastet und seine engste Mitarbeiterin vergewaltigt, gerät Eddie in Zugzwang. Und wird sogar zum (unfreiwilligen) Mörder.

Eine vorhersehbare Geschichte, mit weidlich uninteressanten Figuren, kaum Überraschungen, viel Gequatsche; von behaupteter Raffinesse um Intrigen, Lügen und Begierden ist/bleibt wenig zu sehen/zu fühlen. Die Drumherum-Leutchen (wie auch der Julia-Roberts-Bruder und Dauer B-Mime Eric Roberts) sagen denn auch brav und gagen-pflichtbewusst ihren Text auf, sind aber weder auf- noch anregend, sondern blass-belanglose Mitmacher. Ein für die große KINO-Leinwand viel zu doof-kleiner Dutzend-Krimi (= 2 PÖNIs).

ON THE ROAD - UNTERWEGS“ von Walter Salles (Fr/Brasilien/GB/USA 2011; B: Jose Rivera, nach dem Roman von Jack Kerouac, K: Eric Gautier; 140 Minuten; Start D: 04.10.2012); ich weiß natürlich von dem Roman, habe ihn aber nie ganz gelesen. JACK KEROUAC (12.3.1922-21.10.1969) schrieb ihn, nach mehrfachen Ansätzen, als berühmtes Rollen-Manuskript in drei Wochen im April 1951. Sein Buch aber wird erst 1957 publiziert. Der Rest ist Kult: „On the Road“ gilt als eine der literarischen Bibel-Wurzeln der Beat-Generation, und der Autor als einer der wichtigsten Vertreter dieser Fieber-Süchtigen: „Denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voller Gier auf alles zugleich, die Leute, die niemals gähnen oder alltägliche Dinge sagen, sondern brennen, brennen, brennen…“.

Unangepasste wie der junge New Yorker Sal Paradise (SAM RILEY), der besessen ist von der Schriftstellerei, diese aber vorerst nicht „zustande bringt“, weil er sie erst noch „erleben“ muss, bevor er sie zu formulieren versteht. Und wie sein Kumpel Dean Moriarty (GARRETT HEDLUND), einem charismatischen, wilden Brenner. Dem es nur darum geht, möglichst schnell möglichst viel Lebens-Rausch zu inhalieren. Deshalb ist im Amerika der späten Vierziger Bewegung angesagt. Heiße, dampfende Dauerbewegung. Die den stürmischen Jazz jener Zeit in den explodierenden, unkontrollierten Lebens-Rhythmus übersetzt: Drogen, noch mehr Drogen, Suff, viel Suff, und vor allem aber Sex. Immer und ewigen Sex. Ohne Verpflichtung, mit dieser gigantischen Wut-Lust. Es muss dröhnen. Die Lebenssäfte haben Dauerfreigang. Nichts darf uns an- oder aufhalten. Das Dasein als permanente Erfindungs-/ Empfindungsorgie. Also starten sie los. Sal und Dean. Mal miteinander, mal auseinander. Mal mit Clique, mal mit Personal, mal mit „Anhängsel“. Es will, es soll, es muss. Am liebsten immer. Alles. Gleichzeitig. Unaufhörlich. Zuquatschen, zudröhnen, zupacken.

Es ist die Epoche der Jack Kerouac, Neal Cassady, William S. Burroughs, Allen Ginsberg. Denen ein Hunter S. Thompson („The Rum Diary“; „Fear and Loathing in Las Vegas“) folgen soll. Die Probierer. Die Grenzen-Sprenger. Die Bewusstseins-Veränderer. Die Selbst-Zerstörer. Die sich genussvoll zu Grunde richten. Denn irgendwann ist Körper Fleisch. Simples verletzbares, verletztes Fleisch. Das Schmerzen austeilt. Wunden zeigt. Narben „veröffentlicht“. Mentale wie finale Hinweise gibt. Auf Endlichkeit. Was dann? Wie dann weitermachen? SO? Wie bisher? Wenn zum Beispiel Kinder „auftauchen“? „Familie“, Zuhause-Bleiben (Müssen) angesagt wäre? Ist? Wann ist eigentlich WIE End-Station? Bei solchen verantwortungslosen Temperaturen?

Ein Road-Movie. Vom Regisseur der Meisterwerke „Central Station“ („Goldener Berlinale-Bär“ 1998) und „Die Reise des jungen Che“ (2004). Als historische, gedankliche Inspiration. Interpretation. Über Möglichkeiten von eigenem Tun. Denken. Wirbeln. Über Existenz. Über Existenzen. Ab 1947. Die kreuz und quer durchs Land jagen. New York, San Franzisco, Denver, Louisiana. Mexiko. Unübersichtliche Situationen. Sich verlierende Figuren (wie die köstlich „schmutzige“, dauerunanständige KRISTEN STEWART als freizügige Kind-Frau Marylou; oder wie ihre Konkurrentin KIRSTEN DUNST als genervte Zweitehefrau Camille des immer faszinierend unzuverlässigen Dean). Bei diesem Film kann man nicht mit den Augen parken. Hier flippen die Sinne hin und her. Entweder man lässt sich „auf so etwas“ ein oder man gibt schnell (gelangweilt) auf. Ich habe mich hier „wohlgefühlt“. Angesichts der herrschenden gesellschaftlichen Uniformität. Des zivilen 21.Jahrhunderts. Der politischen Überall-Korrekheit. „On the Road“ spielt mit Ideen, Energien, Lebensstrategien, Aussetzern, Außenseitern, die heute weitgehend wie längst verloren sind. Was es zu bedauern gilt. Aus meiner Sicht. Heute würden die Sal und Dean gesellschaftlich gecoacht und gerade gebogen werden. Um entweder im gierigen Geld-System mitzuschwimmen oder als Aktenfälle beim Sozialamt zu landen. Etwas fiebrig-jazziges „Dazwischen“ gibt es nicht (mehr). Höchstens noch was mit „Chillen“, dem neuen Modebegriff für leise Unanständigkeit. Stimmungsvolle angepasste Faulheit. Ansonsten ist heute „funktionieren“ annonciert. Und wehe wenn nicht….. Ein Charles Bukowski fällt mir noch ein.

Dieser Film belebt auf vortreffliche Unruhe-Weise die glatten Gedanken und die fade Ideen-Palette im Kino von 2012. Rüttelt vortrefflich am täglich Eingemachten. Verweist auf eine (einst gelebte) rebellische Gegenkultur. Besitzt radikalen Charme. Für mich ist das VIEL angesichts der vielen platten wie unoriginellen Konventionen im Lichtspiel des wöchentlichen Mainstream. Komisch, oder vielleicht auch nicht, aber an dieser Schreibstelle kommt mir die exzellente Broschüre „Empört Euch!“ von Stéphane Hessel in den Sinn. Quatsch. Oder? (= 3 ½ PÖNIs).

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