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Filmtitel von Pa - Pd

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

DIE PÄPSTIN“ von Sönke Wortmann (D/It/Sp 2008; 148 Minuten; Start D: 22.10.2009); basiert auf dem historischen Bestseller-Roman der amerikanischen Schriftstellerin DONNA WOOLFOLK CROSS aus dem Jahr 1996, der bei uns über 4 millionen-mal verkauft wurde. Für die Regie war zunächst „Oscar“-Preisträger Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) vorgesehen, doch als der mit kritischen Äußerungen in einem Essay für die „Süddeutsche Zeitung“ über das deutsche Fernseh-Kino („Amphibienfilme“) an die Öffentlichkeit ging, wurde er ´rausgeschmissen. Und in der Tat, von dieser aufwändigen Produktion, die über geschätzte 20 Millionen EURO gekostet hat und u.a. in Sachsen-Anhalt (z.B. auf der Burg Querfurt), in Nordrhein-Westfalen (Schmidtheim) und in Marokko (Quarzazate) realisiert wurde, wird es auch eine zweiteilige TV-Version von 180 Minuten geben, die auch bereits fertig geschnitten ist.Zunächst aber KINO: Zu dem der am 25. August 1959 in Marl geborene Wortmann höchst unterschiedlich-qualitätvolle Werke beisteuerte. Neben Erfolgsfilmen wie „Der bewegte Mann“ (1994), „Das Superweib“ (1996), „Der Campus“ (1998) sowie den Fußball(er)-Streifen „Das Wunder von Bern“ (2003) und der Dokumentation „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (2006) sind auch Flops wie „Mr. Bluesman“ (1993), „St. Pauli Nacht“ (1999) und der mißratende USA-Ausflug „Der Himmel von Hollywood“ (2001) zu annoncieren.

Hier nun inszenierte er einen monumentalen „Schinken“, wie wir sie in den naiven 60er Kinojahren zuhauf in unseren Lichtspielhäusern hatten (allerdings nicht so lang und beileibe nicht so direkt-aggressiv). Das sind Ge- bzw. Verbrauchsfilme, „groß“ aufgeplustert, aber simpel in der Gut-Böse-Machart. Wie hier: Da wächst vor Urzeiten, 814 n.Chr., in unseren Breitengraden (Ingelheim) ein Mädchen auf, Johanna. Die zeigt sich bald als außerordentlich wißbegierig, klug, lernbereit. Was dem Vater, einem religiösen Übereiferer und Widerling, überhaupt nicht paßt. Nicht nur, daß Mädchen damals offensichtlich als „Unwert“ betrachtet und behandelt wurden, nein, ihnen wurde auch geistige Armut und Geschlechter-Dummheit gegenüber DEM MANNE attestiert. Frauen, die waren zur Haus-Arbeit und zum Kinder-Kriegen verdammt. Kein Widerspruch möglich. Schon ein Buch in ihrer Nähe, und sie konnten zur Ketzerin verteufelt werden. Von Gott „verdammt“. So lernt Johanna „heimlich“, trotz Prügel und ständiger väterlicher Bedrohung. Und sie lernt viel und begreift schnell. Doch: Der Vater ist und bleibt eine bedrohliche Sau, die Mutter ist zu schwach, also haut sie in die Welt ab.

Landet – als erstes Mädchen überhaupt - bei einem progressiven Bischof in einer Domschule. Beeindruckt durch ihre Gelehrsamkeit, zieht Feinde und Neid auf sich, entdeckt die erste Liebe, einen Grafen, kann einen Normannenüberfall überstehen und verkleidet sich künftig als Mann, um „in Ruhe gelassen“ ihren humanen Interessen nachgehen zu können. Unter dem Namen Johannes Angilcus verlebt sie als „Doktorantin“ im Benedikterkloster von Fulda glückliche Jahre. Wenngleich die Angst, entdeckt und böse gemaßregelt zu werden, immer allgegenwärtig ist. Sie strandet schließlich in Rom, wo sie sich dank ihrer Heilkunst schnell den Ruf eines Wunderheilers erwirbt. Landet „am Hofe“ von Papst Sergius, der erkrankt ist und von seiner Umgebung bereits „ausgetrickst“ und „als erledigt“ betrachtet wie behandelt wird. Johannes-Johanna vermag ihn zu heilen, was zum Job des Papst-Beraters führt und den Feindeskreis immens erhöht. Nach vielerlei Hin und Her, ihr gräfischer Liebster von einst taucht – als Militär – nun auch wieder auf, wird der Papst vergiftet und sie bzw. ER vom Volk zum neuen Papst bestimmt.

Die Folge(n): Ein Intrigantenstadl hinter den Kulissen, weil Sie-Er „forsch“ ans aufklärerische,, also emanzipatorische Werk geht. Motto: Arme werden gefüttert, Frauen fortan gefördert. Eine letzte Kinoviertelstunde erleben wir nun ihren (Titel-.)Auftritt, bevor es mit Johannes-Johanna zu Ende geht. Vorhang. Dies ist Bunte-Bühne-Kintopp. Mit sofort verteiltem, „riechendem“ Gut-Böse-Schema. Die männlichen Bösen hauen, grunzen, stechen und blicken dauerhaft-düster in die Szenerie, erfüllen ihre schurkische Bestimmung, sind aggressiv, listig, gemein bis aufs Blut, dauer-fies, während GEGENÜBER die Netten zwar viel leiden, aber auch immer „irgendwie“ durchkommen. Wenn sie denn nicht vorher gemeuchelt wurden. Zwischendurch Choräle. Die sakrale Stimmung. Johanna ÜBER ALLEN, zeigt schöne weiße Zähne, ist nur-lieb, besitzt eine Super-Intelligenz und hat viel Heilungserfolg. Mit so manchen Angst-Schüben dazwischen, klar, aber….sie muß ja durchhalten…siehe Titel. Die Pointe. Die, wie gesagt, es aber nur in den letzten 15 Minuten gibt.

Zuvor ist still-erfolgreiches feministisches Hilfs-Rebellentun angesagt. In Männer-Wäsche. Immerhin erweist sich Johanna nicht als eine so tränige Kräuterheilige a la Hildegard von Bingen, die neulich im Margarethe von Trotta-Film so spannungsarm verkrustete. Nein, in „Die Päpstin“ wird auch gehauen, flott geritten, gefochten, rollen Köpfe, weist die aufgeregte Musik auf den bevorstehenden Story-Pfad, bevor uns dann wieder ein Off-Erklärer erklärt, was wo wie wann und warum. Ein aufwändiger Historien-Quatsch mit viel Alt-Kleider-Atmo und Blut-Soße. Anfangs auch ordentlich zubereitet, halbwegs spannend, dann aber immer mehr in die Längen kommend. Alles ist so nach 90 Minuten gesagt, gezeigt, gedacht; die Positionen von Heldin gegen Fieslinge sind eingenommen, man wartet jetzt LANGE nur noch auf den Absch(l)uß. Franka Potente („Lola rennt“) war einst mal für den Titelpart vorgesehen, jetzt mimt die 33jährige Freiburgerin JOHANNA WOKALEK brav die Titelfrau. Sie hatte 2005 ihren ersten Achtungserfolg im Til-Schweiger-Film „Barfuss“. Wurde von Regisseur Philipp Stölzl in „Nordwand“ (2007) geradezu plärrig (vor-)geführt und hatte einen fulminanten Auftritt als Terroristin Gudrun Ensslin in „Der Baader Meinhof Komplex“ von Uli Edel (2008). Hier nun bedient sie umgänglich ihre Rolle, ohne sich groß verausgaben zu müssen. Kommt auf freundliche Sympathiewerte. Ohne darstellerische Spuren zu hinterlassen.

DIESE hinterläßt aber Hollywood-Akteur JOHN GOODMAN („King Ralph“) als „eigendynamischer Pope“. In der Oliver-Hardy-Version: Dick, verschmitzt, mit einem ständigen ironischen Augenzwinkern, wie in einem katholischen Schwank. Goodman spielt seine ganz eigene, individuelle Show und zeigt eine Karikatur von Gott-Vertrauten. Wirkt zwar befremdlich, bietet aber wenigstens mal etwas Abwechslung. Komödien-Laune. Ansonsten sind als weitere Mitwirkende der Australier David Wenham (als Graf Gerold, so ein Typ wie im ZDF-Sonntag-Abend-20.15 Uhr-Schön-Film), der Schotte Iain Glen (als Johannas Ekel-Vater), die hervorragenden Kinder Tigerlily (als Johanna zwischen 6+9 Jahren) und Lotte Flack (als Johanna zwischen 10+14 Jahren) sowie Alexander Held (als „typischer“ Kaiser Lothar) und der unverwüstliche Christian Redl (als autoritärer Abt von Fulda) ausgemacht. Was ist/soll das nun? Kintopp halt, wie es die Amis und die Spanier und die Franzosen seit Jahrzehnten immer mal wieder (mehr oder weniger) erfolgreich machen, zur allgemeinen „Belustigung“, und nun machen wir das federführend und förderungsstark auch. Na und bzw.: Mein Gott, warum denn nicht??? Das Urteil der hiesigen Filmbewertungsstelle (FBW) aus Wiesbaden: Das höchste Prädikat „Besonders wertvoll“. Begründung: „Ein eindrucksvoller und gefährlicher Lebensweg, ein monumentales und faszinierendes Filmepos“. Na bitte (= 3 PÖNIs).

PALERMO SHOOTING“ von Wim Wenders (Co-B+R; D 2007; 124 Minuten; Start D: 20.11.2008); er ist 63 und hat filmisch seine beste Zeit längst hinter sich, der ehemalige Filmkritiker Wim Wenders, dessen vorübergehender Berufswunsch mal Priester war, der sich dann u.a. mit Aquarellenmalerei befaßte, um schließlich 1967 mit dem Studium an der gerade gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München anzufangen. Der Mit-Begünder des „Filmverlags der Autoren“ hatte seine filmische Hoch-Zeit in den 70er und 80er Jahren mit cineastischen Werken wie „Falsche Bewegung“ (1975/“Filmband in Gold“); „Im Lauf der Zeit“ (1976); „Der amerikanische Freund“ (1977/“Filmband in Gold“); „Der Stand der Dinge“ (1982/“Goldener Regie-Löwe“/Venedig); „Paris, Texas“ (1984/“Goldene Palme“ von Cannes); „Der Himmel über Berlin“ (1987/Cannes = „Beste Regie“/Europäischer Filmpreis). Nach „In weiter Ferne, so nah!“ von 1993 („Großer Jury-Preis“/Cannes) entstanden u.a. der Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ und die wenig inspirierenden Spielfilme „Lisbon Story“; „Am Ende der Gewalt“; „The Million Dollar Hotel“.

Mit seinem neuesten 124 Minuten-Streifen, dem Abschlußfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes, zeigt sich Wenders einmal mehr ausgelaugt, jammervoll, triefend-traurig. „Palermo Shooting“ ist eine Art Toten-Hymne über die Schönheit des Sterbens. Eine Art November-Film: melancholisch, seelen-dunkel, triest. Sozusagen: Suizid-Zelluloid. FINN ist ein erfolgreicher Düsseldorfer Mode-Fotograf. Der führt ein unruhiges, hektisches Handy-Leben, das ihn kaum noch befriedigt. Nach einem Beinahe-Unfall mit möglichen schlimmen Folgen kommt die Läuterung. Ein letztes Mode-Shooting noch im sizilianischen Palermo. Er bleibt danach dort, wird von einem Unbekannten verfolgt, der mit Pfeilen auf ihn schießt, lernt eine freundliche Restauratorin kennen (nett: GIOVANNA MEZZOGIORNO) und begegnet schließlich dem Herrn Tod (DENNIS HOPPER als Gevatter Tod verschafft sich am Ende etwas verbal-spannende Neugier/Anteilnahme/Aufmerksamkeit)), der sich als netter Kumpel erweist, mit ihm ausführlich palavert, wie es doch sei mit dem Sterben (nämlich gar nicht so schlimm), und um ihn dann zu überreden, doch besser mitzukommen. Ah ja. Eine Art Reflexion über Schein und Sein, über die „richtigen Lebens-Werte“; mit vielen Erklärungen aus dem Off und mit überhaupt übermäßig vielem Gerede, über den Tod bzw. das Sterben als „netter Abschied“; von wg. Ist ja alles gar nicht so schlimm.

Wenders zelebriert pseudo-philosophische Banalitäten um die letzten Fragen und Stunden; gemixt mit seinem Lieblings-Sound(track), von Nick Cave über Lou Reed, der auch kurz mitspielt und dabei sich selbst darstellt, und Velvet Underground; lauter stimmungsvolle Abschiedstöne; es trieft vor atmosphärisch-rumpelnder Depression und Trauerarbeit. CAMPINO alias Andreas Frege, der 46jährige Frontmann der Düsseldorfer Band „Die Toten Hosen“, spielt Finn, überzeugt aber nicht als Schauspieler, vermag die Leinwand weder sprachlich noch in der (Seelen-)Bewegung spannend „zu füllen“. Standard-Posen wirken künstlich und konstruiert: Der neue Wim-Wenders-Film ist langsam, betulich, einschläfernd. Die spirituelle Sinn-Suche als penetrantes Kunstgewerbe; ach nöh (= 2 PÖNIs).

Der italienische Regisseur Francesco Rosi macht seit 30 Jahren Filme über die Mafia. Preisgekrönte Werke wie “Hände über der Stadt“, “Der Fall Mattei“ oder “Die Macht und ihr Preis“ ließen Rosi in die erste Reihe europäischer Filmemacher aufsteigen. Sein “Kino der kriminalistischen Recherche“ bemüht sich um die spannende, fast dokumentarische Rekonstruktion fiktiver oder tatsächlicher Verbrechen. Wie ein furchtloser Untersuchungsrichter legt er immer wieder erbarmungslos sein Zelluloid in die gesellschaftlichen und demokratischen Wunden. Neuestes, überzeugendes Beispiel dafür ist „PALERMO VERGESSEN“ von Francesco Rosi (It/Fr 1990; B. Gore Vidal; 100 Minuten; Start D: 18.10.1990).

Ein junger, dynamischer Bürgermeister-Kandidat hat in New York alle Chancen, die nächste Wahl zu gewinnen. Carmine Bonavia ist Sohn sizilianischer Einwanderer und will endlich das allgegenwärtige, teuflische Drogenproblem anpacken. Schlägt die Legalisierung des Drogenkonsums vor, um damit die vielen Dealer und Produzenten vernichtend zu treffen. Doch zwischen Absicht und Verwirklichung liegen viele Probleme und Welten. Auf seiner Hochzeitsreise nach Palermo lernt Carmine nicht nur die Schönheiten der Region und seine Familien-Wurzeln kennen, sondern auch die Macht des Systems, des “Staates im Staat“. Und Carmine sieht sich vor die Entscheidung gestellt: Oben bleiben, mitmischen, Karriere und Erfolg, oder Ausstieg und Gefahr für Leib und Seele.

Francesco Rosi erzählt in “Palermo vergessen“ von einem weit verbreiteten Grundübel heutiger Zivilisation. Der Mob hat längst das Sagen und Handeln übernommen und ist Herrscher über Leben und Tod. Niemand ist mehr sicher vor der Mafia und ihrer Gewalt. Wie Rosi das erzählt, ist spannend und dennoch psychologisch einfach. Ohne Hektik und blinde Action, mit ruhigen, klaren, bösen Bildern. Mit analytischem Verstand und zynischer Kommentierung. JAMES BELUSHI als Carmine tritt wie einst die anderen Rosi-Helden Lino Ventura und Gian Maria Volonté ohne Übertreibung und Kraftmeierei auf. Ein cleverer, ehrlicher Bursche als Opfer der schlimmen Um- und Zustände.

“Palermo vergessen“ ist ein großartiger und zugleich auch sehr unbequemer Spannungsfilm zu Fragen um Moral und Macht heute. Es ist ein kluger Film, der Betroffenheit provoziert und Wut auslöst (= 4 PÖNIs).

PANS LABYRINTH" von Guillermo Del Toro (B+R; USA/Spanien/Mexiko 2006; 119 Minuten; Start D: 22.02.2007); einem 42jährigen mexikanischen Filmemacher (B+R+Co-Pr.), der zuletzt in Hollywood Genre-Filme wie "Hellboy" und "Blade II" (2004/2002) schuf.

In diesem als Co-Produktion Spanien/Mexiko/USA entstandenen, mit 6 "Oscar"-Nominierungen versehenden und für 7 Millionen EURO gedrehten Spannungsfilm vermischt er Fantasy- und Kriegsdrama-Motive. Erzählt er vom schmutzigen, menschenverachtenden spanischen Faschismus im Jahr 1944, dem ein 12jähriges Mädchen ihre märchenhaft-surreale "Auch-Nicht Ohne"- Traumwelt "entgegenhält", in der es nur so von bizarren Gestalten und furchteinflößend-exotischen Fabelwesen wimmelt. Während die sadistische Gewalt der Machthaber unbarmherzig-gnadenlos allgegenwärtig ist.

Ein faszinierend-verstörender harter Film, der in Spanien mit 7 "Goyas" (= den einheimischen "Oscars") ausgezeichnet wurde und als packendes Horror-Polit-Märchen für Erwachsene auch bei uns bestens "nerven" sollte. Von den Darstellern kennen und schätzen wir auch hierzulande Franco-"General" SERGI LOPEZ (Malen oder Lieben"; "Schmutzige kleine Tricks"). Ein hochinteressant-schwieriger Film (= 4 PÖNIs).

PAPPA ANTE PORTAS“ von Renate Westphal-Lorenz und Vicco von Bülow (B+R; D 1991; 89 Minuten; Start D: 21.02.1991).

ER hat wieder zugeschlagen. ER, das ist Vicco von Bülow, den wir besser als LORIOT kennen und schätzen. Loriot, das ist wie ein ganz hervorragender Wein: Je älter, desto besser. 67 ist er inzwischen, aber kein bisschen leiser, sondern frecher und böser denn je. Loriot, das sind die berühmten Cartoons, das ist aber auch Satire im Fernsehen, Theater, Oper und seit 1987 endlich auch Kino. Und: Das ist diese andeutungsvolle, doppeldeutige, unvollständige Satz-Sprache, das sind Gesten, Bewegungen und Humor, wie es “deutscher“ gar nicht mehr geht. Loriot, das bedeutet: den Leuten aufs Maul und in den Kopf zu schauen. Was dabei herauskommt, sieht und hört sich im ersten Moment unverfänglich und albern an, ist aber Pointe pur. Ging es in “Ödipussi“, dem ersten Kinofilm, noch um das ewige Muttersöhnchen, ist jetzt in “Pappa ante portas“, also: “Pappa vor der Tür“, der ganze Mann und Familienvorstand gefragt.

Er heißt Heinrich Lohse und benimmt sich auch so. Heinrich ist 60, Einkaufsleiter einer großen Firma und pensionsberechtigt. Zuhause, in einer gutbürgerlichen Villa, hat man es sich lange Zeit ohne ihn gemütlich eingerichtet. Ehefrau Renate schätzt die wohlige Sicherheit und Ruhe, und der 16jährige Sohn Dieter vermisst Pappa eigentlich auch nicht. Jetzt aber steht selbiger vor der Tür und droht mit ständiger Anwesenheit. Der schöne Haus-Frieden gerät erst in Unordnung, dann in Gefahr. Denn ein Heinrich Lohse ist es gewohnt zu bestimmen. Zu sagen, was wann wie wo und mit wem gemacht wird. Und eckt jetzt damit natürlich überall an. Das komische Unglück nimmt seinen Lauf.

Loriot‘s “Pappa“ ist köstlich. “Mann und Frau passen einfach nicht zusammen“, lautet sein aufmüpfiges Thema. Und er ist auf angenehm böseste Weise permanent bemüht, dies unnachgiebig vorzuführen. “Pappa ante portas“ ist eine prächtige, schwarzhumorige Revue von teilweise urkomischen, unanständigen, hintergründigen Gag-Nummern, die den alltäglichen Geschlechterkampf und das deutsche Seelen-Gemüt ziemlich gemein genau treffen. Dabei spielt Loriot wie ein kleines Kind, scheut vor keiner Albernheit und Frechheit zurück und gibt uns lachend zu denken. Der wunderbare Humorist Loriot hat wieder einen wunderbaren Film gemacht (= 4 ½ PÖNIs).

PARANORMAN“ von Sam Fell und Chris Butler (USA 2010-2012; 85 Minuten; Start D: 23.08.2012); ANIMATION ist ´in. Weltweit. Animationsfilme liegen voll im Trend. Sind längst im täglichen Filmangebot gegenüber den Spielfilmen gleichrangig. Viele kommen im Kino bestens an. Halten sich in den Hitlisten oft wochenlang. Wie zuletzt „Ice Age 4“. Aus den „Blue Sky Studios“ in Connecticut. Weitere namhafte Trickfilm-Fabriken sind (natürlich) die „Pixar Animation Studios“ im kalifornischen Emeryville, deren Erfolgsliste riesig ist (von „Toy Story“ bis zuletzt „Merida – Legende der Highlands“), „Sony Pictures Animation“ im kalifornischen Culver City („Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“/2009) sowie – natürlich - „Aardman Animations Ltd.“, beheimatet in Bristol/Großbritannien, die sich einen hervorragenden Namen mit ihren witzigen Knetfiguren „Wallace & Gromit“ und „Shaun das Schaf“ und zuletzt mit dem Spielfilm „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ gemacht haben. Diese Liste mit erfolgreichen Animationsfilm-Unternehmen muss nun (endgültig) um ein weiteres ergänzt werden: „LAIKA, Inc.“ Aus Portland im US-Bundesstaat Oregon. 2009 waren DIE gleich mit ihrem Debütfilm „CORALINE“ von Henry Selick (s.KRITIK) toll aufgefallen (= 5 PÖNIs). Einem wunderbaren, in Fachsprache, Stop Motion-3 D-Fantasy-Horror-Animations-Geniestreich. Angelegt zwischen brillanter Handarbeit mit Puppen und Computer-Fertigkeit.

Mit ihrem zweiten hauseigenen Animationsfilm begeben sie sich in wieder technisch neue Höhen. Mit bzw. über erstmals benutzte 3 D-Farbdrucker. Inmitten der mühseligen Stop-Motion-Handarbeit. Vier 3 D-Drucker waren an insgesamt 572 Tagen nonstop in Betrieb. Wodurch die fertigen „Darsteller“-Masken immer mehr „menschliche Gemütsbewegungen“ „auszudrücken“ verstehen: Lachen, Trauer, Wut…die ganze Palette. Um „gut 31.000 Gesichtsteile lebensecht“ zu fabrizieren („Spiegel“ 33/2012). Um die 300 Puppenspieler, Kostümschneider und Kulissenbastler haben zwei Jahre für die Produktion gebraucht; bisweilen benötigte man eine Woche für zwei Filmminuten. Im Presseheft werden imponierende „Zahlen und Fakten rund um Norman“ genannt, wie: 3,77 Tonnen Druckerschwärze; 885 Liter Tinte; 292 Liter Sekundenkleber, 729 Blätter Sandpapier, 2430 Dosen Glasreiniger; 35000 Gummihandschuhe. Und weiter heißt es dort: „In mehreren Aufnahmen fährt die Kamera so dicht an Normans Gesicht heran, dass es die gesamte Kinoleinwand füllt. Das bedeutet: Wir sehen sein ca. 4,7 Zentimeter großes (Puppen-)Gesicht rund 380 Mal so groß“. Im Übrigen erfahren wir: „Normans Frisur besteht aus 275 ´Stacheln`“. Darunter befindet sich geleimtes Ziegenhaar. Schließlich: „Die Gesichter sämtlicher Puppen werden in der ´Gesichter-Galerie´ von LAIKA in 1257 Schachteln aufbewahrt“.

Norman, der einsame Außenseiter. Zuhause wird er „ob seiner Sonderlichkeit“ (vom Vater) gescholten, in der Schule mobbt man ihn. Bezeichnet ihn als Spinner. Dabei will der 11jährige ein ganz normaler Bursche sein. Ist er aber nicht, das weiß er auch, weil er mit Toten sprechen kann. Zum Beispiel mit seiner toten Oma. Mit der er sich gemeinsam auf der Wohnzimmercouch einen Zombie-Film anschaut. Was die Eltern nervt. Die an seine paranormalen Fähigkeiten nicht glauben. Wollen. Können. Also ist der kleine Bengel überall der Außenseiter. Der „Loser“. Zu dem sich ein anderer „Freak“ gesellt, der dicke, aufdringliche Mitschüler Neil. Dem es inzwischen wurscht ist, andauernd in der Penne angemacht zu werden. Gemeinsam geraten sie in eine abenteuerliche Fluch-Geschichte. Bei dem ihre Kleinstadt Blithe Hollow in Neuengland platt gemacht werden soll. Verrät ihnen der sonderbare Norman-Onkel Penderghast. Zwischen Ab- und Weiterleben. Eine einst, vor 300 Jahren, von frommen Pilgervätern als Hexe beschuldigte und getötete junge Frau hat Rache geschworen. Ein heutiges Ritual am Grab dieser „Hexe“ könnte alles verhindern. Doch wer glaubt schon Norman? Also bekommt er es nicht nur mit „verhaltensgestörten“ Zombies, sondern auch mit ob des ewigen Lebens müden Gespenstern, mit seiner eigenen „exotischen“ Sippe (samt nervender, widerspenstiger Girlie-Schwester Courtney) und dem ganzen erwachsenen Mob der Gemeinde zu tun, der alles einfach platt zu machen gedenkt. Zum Beispiel durch ein ergebnisorientiertes Feuer. Norman, der junge Geisterflüsterer, bekommt jedenfalls mächtig prächtig zu tun. Findet dann aber auch (natürlich) „kuriose“ Mitstreiter.

„ParaNorman“ ist ein köstlicher Spaß. Für Erwachsene. Beziehungsweise für erwachsene Kinder. Die noch staunen können. Und wollen. Über eine phantastische Märchen-Gruselei. Mit aberwitzigem Ironie-Humor. Und schwarzkomischen Witzigkeiten. Etwa wenn Zombies wegen der städtischen Autoabgase Hustenanfälle bekommen. Oder wenn Norman mal wieder vor dem Fernseher sitzt und sich einen Horror-Schocker anschaut. Und auf die elterliche Frage, „was siehst du dir an?“ lakonisch antwortet: „Sex und Gewalt“. Okay. „Britische“ Pointen in einer herrlich schrägen amerikanischen Animations-Spitzenshow. Mit skurrilem Charme-Personal, liebevollen Genre-Zitaten, von Hitchcock (das „Psycho“-Haus) über John Carpener („Assault – Anschlag bei Nacht“) bis Tim Burton („Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“), und mit feinen komischen Toten. Und der fröhlichen „Botschaft“, schon bei den Gören auch „Andersdenkende“ zu akzeptieren. Sie können/könnten die eigentlichen Heros sein. Wenn es darauf ankommt. Doch wenn ihre Erzeuger sich im Alter dermaßen dämlich, vorurteilsvoll und aggressiv zeigen/benehmen, was erwartet man denn dann eigentlich von ihrem Nachwuchs???

Also: „ParaNorman“ ist also nicht nur ziemlich originell, optisch üppig-urig, sondern auch clever visionär (= 4 PÖNIs).

PARIS MANHATTAN“ von Sophie Lellouche (B+R; Fr 2011; 80 Minuten; Start D: 04.10.2012); es sind die letzten wärmeren Sonnenstrahlen in diesen Oktober-Tagen, und den passenden Charme-Film gibt es jetzt auch dazu. Als Debüt-Spielfilm, „nach diversen Praktika an Filmsets“, wie das Presseheft zu informieren weiß.

In „Paris Manhattan“ spielt WOODY ALLEN eine nicht unerhebliche Rolle. Denn die nicht unattraktive dreißigjährige Pariser Apothekerin Alice (ALICE TAGLIONI / bezirzte 2006 Steve Martin in „Der rosarote Panther“) verehrt den New Yorker Stadtneurotiker. SEHR. Seit sie 15 war. Als sie ihn im Kino entdeckte. Hält Zuhause mit ihm „persönliche“ Zwiesprache per schwarzweißem Riesen-Plakat. Ließ und lässt sich von ihm und seinen Filmen gerne „beraten“. Anregen. Und gibt ihren privilegierten Kunden deshalb auch anstatt Chemie-Keulen lieber rezeptfreie DVD-„Medizin“ von Woody Allen. Über seine Filme mit. Auf dass sie SO besser gesunden. Mögen. Schließlich hat Woody Allen in seinem „körperlichen“ Gesamtwerk für fast Jeden Lebens-, also Seelen-Hilfe parat. Sowie entsprechende, feine „dazugehörige“ musikalische Statements. Zum Beispiel von Cole Porter. Einem Lieblingsprotagonisten auch von Alice Ovitz. Deshalb ist es auch nur „natürlich“, dass schließlich hier der - höchstpersönliche - Allen für tatkräftige emotionale Beziehungshilfe sorgt.

Also nicht nur wie gehabt übers Heimkino („Talent ist Glückssache, das Wichtigste im Leben ist Mut“/aus „Manhattan“), sondern auch und letztendlich bei einem kurzen Happy End-Treff. Vor dem Hotel, von dem er gerade abreist. Als es darum geht, dass sie mit dem talentierten, aber wenig romantisch veranlagten Alarmanlagen-Ingenieur Victor (PATRICK BRUEL, neulich in „Der Vorname“ der fesche Pöbler) endlich fest zusammenkommt. Bis es aber soweit ist, wird hübsch pointiert scharwenzelt, die desaströse Liebeswelt von Alice flott abgetastet, einmal mehr die augenzwinkernde Woody Allen-Hymne „auf französisch“ getönt. Melancholisch, heiter, kurzweilig, lakonische Herzenssonne verströmend.

Ein schmackhaftes französisches Leicht-Menü von Kino (= 3 PÖNIs).

PARIS, PARIS – MONSIEUR PIGOIL AUF DEM WEG ZUM GLÜCK“ von Christophe Barratier (Co-B+R; Fr/D/Tschechien 2007; Start D: 27.11.2008); der 1963 geborene französische Filmproduzent, Regisseur und Drehbuch-Autor ist der Sohn eines französischen Theaterschauspielers und der Schauspielerin Eva Simonet. Als Kind sang er in einem Kinderchor. Studierte Gitarre am Pariser Konservatorium, stieg dann aber bei der Filmproduktionsfirma seines Onkels Jaques Perrin („Nomaden der Lüfte – Das Geheimnis der Zugvögel“) ein. 2002 führte er bei dem Kurzfilm „Les Tombales“ erstmals Regie. 2004 folgte sein Spielfilm-Debüt mit dem Erfolgsfilm „DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU“, der allein in Frankreich über 9 Millionen Kinobesucher hatte, hierzulande auch über eine Million Kinointeressenten erreichte und für den Auslands-„Oscar“ nominiert war. Sein zweiter Kinospielfilm ist KEINE Fortsetzung von „Les Choristes“ (so der Originaltitel von „Die Kinder…“), obwohl wieder mit dem (57jährigen) „Monsieur Mathieu“-Darsteller GÉRARD JUGNOT hauptrollenbesetzt, sondern ein ganz neues, eigenständiges Werk.

Der Ort: Mitte der 30 Jahre des vorigen Jahrhunderts in Paris. Genauer: Im Arbeiterviertel Faubourg. Dort gibt es das Musik-Theater CHANSONIA. Ein Vergnügungsort für die kleinen Leute: Singsang, Varieté, Clownerien, mit Revue-Charme und Chanson-Stimmung. Doch dann tauchen nicht nur politisch „dunkle Wolken“ auf. In Gestalt eines mächtigen Immobilien-Spekulanten und Faschisten-Kumpans. Der macht Schluß mit dem Theater, möchte es gewinnbringend veräußern. Doch da machen die Beteiligten nicht mit. Es kommt zu wilden Streiks, die von rechten Schlägerbanden aufgelöst werden, während sich mittlerweile ein latenter Antisemitismus ausbreitet. Immer mittendrin: Der auch durch private Beziehungseskapaden (seiner Frau) gebeutelte Bühnenarbeiter Pigoil, einem gutherzigen Kauz, dem man schließlich sogar seinen geliebten kleinen Sohn wegnimmt. Private wie gesellschaftliche Problemchen noch und nöcher, doch „die Show must go on“, und so erreichen einige „Verrückte“ schließlich doch, daß es mit dem Volkstheater weitergeht. Nicht ganz schuldlos daran ist die Sängerin Douce (vorzüglich Newcomerin NORA ARNEZEDER), an der sogar die verliebte mächtige Paten-Heuschrecke Galapiat (Bernard-Pierre Donnadieu) „scheitert“.

Also: Die schicksalhaften Geschichten von Freundschaft, Verrat, Liebe und Eifersucht bilden hier den Story-Rahmen für zweistündiges Gefühlskino. In einem atmosphärischen Mix aus Politfilm, Menschen-Drama und Musical kommt diese Komödie – im Gegensatz zu „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ – allerdings nie über „Frankreich“ hinaus. „Faubourg 36“, so der Originaltitel, ist ein Regional-Film, der zwischen Kitsch, (Zeit-)Anspruch und Frohsinn sympathisch wie episodenhaft hin- und herpendelt, aber in seiner Milieu-(An-)Spannung eher von begrenztem, überschaubarem Interesse ist. Die privaten Wehwechen vermengen sich nur schwerlich mit dem politi-schweren „Scheinwerferlicht“, während die totale Bühnen-Musikalität der letzten halben Stunde ohne bemerkenswerte „Ohrwürmer“ bzw. originelle Auftritte auskommt und nicht sonderlich kitzelt. Neben dem freundlichen Gérard „ Pigoil“-Jugnot sind im übrigen die auch bei uns nicht unbekannten KAD MERAD („Willkommen bei den Sch´tis“) als Jacky, der Imitator; „Asterix“-Darsteller CLOVIS CORNILLAC („Asterix bei den Olympischen Spielen“) als engagierter Kommunist, Beleuchter, Lover und Sänger sowie „der große (alte) Blonde“ PIERRE RICHARD (als „Monsieur Radio“) zu erkennen. „Paris, Paris“ ist eine nette kleine Leinwand-Freundlichkeit vom Nachbarn; ist eine „Good Friends“- Volkskomödie zum Schmunzeln (= 3 PÖNIs).

PARKER“ von Taylor Hackford (USA 2011/2012; 118 Minuten; Start D: 07.02.2013); natürlich taucht die (Nach-)Frage immer wieder auf, welcher Film denn der beste von den vielen guten sei??? Ich antworte dann immer - keiner. Denn es ist völlig unmöglich, einen Film aus den abertausenden von Filmen herauszuheben, die man im Verlaufe von Jahrzehnten gesehen hat. Eine private Bestenliste aber mag dann schon eher Auskunft geben. Über den subjektiven, individuellen Blick auf herausragende Leinwand-Produktionen. In einer solchen Liste taucht bei mir immer ein US-Spannungsfilm auf, der mich außerordentlich beeindruckt hat und weiterhin ständig „präsent“ ist: „POINT BLANK“ aus dem Jahr 1967, inszeniert vom britischen Regisseur JOHN BOORMAN. Mit LEE MARVIN (1924 – 1987) in der Hauptrolle. Als wortkarger Typ WALKER. Der von seinem Komplizen (John Vernon) nach einem erfolgreichen Überfall angeschossen wird, aber überlebt. Und nun auf „Rachetour“ geht. „Immer Sicherheitsgurte anlegen…“, empfahl damals der „Spiegel“-Kritiker, und im „Lexikon des Internationalen Films“ steht: „Meisterhaft und mit eisiger Kälte inszenierter Thriller von konsequent pessimistischer Grundhaltung“. „Point Blank“, also „Schnurgerade“ bzw. „Geradeheraus“, basierte auf dem Roman „The Hunter“ des US-amerikanischen Schriftstellers DONALD E. WESTLAKE (1933 – 2008), dem Debütroman seiner „Parker-Reihe“, die er ab 1962 unter dem Pseudonym RICHARD STARK veröffentlichte. Deutscher Erstbuchtitel: „Jetzt sind wir quitt“ (1968), später dann „Payback“ (1999). Denn 1999 kam das US-Remake von „Point Blank“ unter dem Kinotitel „Payback – Zahltag“ heraus. Regie: Brian Helgeland; in der Hauptrolle als „Porter“: MEL GIBSON. Ein sehr auf extreme Brutalität setzende Härtefassung. Von „Point Blank“.

Jetzt wurde der klassische Krimi-Stoff zum dritten Mal adaptiert - bedauerlicherweise. Denn „PARKER“, wie Film und Typ jetzt originalgetreu heißen, ist nur noch ein banaler und ziemlich unsinniger Abklatsch des meisterlichen „Point Blank“-Originals. Der britische Akteur (und ehemalige professionelle Wasserspringer) JASON STATHAM, 45, populär geworden als Haudegen in den drei „Transporter“-Movies, als blasse Charles Bronson-Kopie in „The Mechanic“ oder zuletzt in den beiden „The Expendables“-Krachern, mimt hier den unbarmherzigen Gangster-Rächer, den seine Kumpels nach einem gelungenen Überfall „abmurksen“, weil er nicht „weiter mitmachen“ will. Doch Parker überlebt und macht sich nun auf die Jagd nach denen. Um seinen Anteil einzufordern. Dabei im Munde auch schon mal von „Ehre“ und „Abmachungen“ faselnd, die man doch einhalten sollte. Müsste. Dabei läuft ihm im sonnigen Palm Beach von Florida eine dusslige Immobilienmaklerin (JENNIFER LOPEZ mit einem weiteren missglückten Filmauftritt) über den Weg und vermasselt ihm die Prügel- und Schießtour. Fast.

Dumm, dümmer, am dümmsten. Jason Statham, ein zumeist humorloser Vertreter seiner Raufboldzunft, gibt den brutalen Sturkopf von Draufgänger-Rächer eher dämlich. Schon gar nicht galant. Oder Charakter –präsent. Als Hohlklotz-Macho eben, mit ewigem Dreitagebart, der ganz gut hauen, also verhauen, und treffsicher zu schießen vermag. Ansonsten aber völlig uninteressant ist. Bleibt. Vor allem viel dummes Zeugs plappert (Drehbuch: John McLaughlin). Während sich die – unbefriedigte – Leslie-Geschäftsfrau, alias Jennifer Lopez, vergebens als „Partnerin“ anbiedert. Auf Pumps und im Blümchenkleid. (Wie eine amerikanische Loriot-Spießer-Figur ernsthaft „hantierend“)). Schrecklich doof. Nein, auf Parker wartet das anständige, freundliche Brav-Mädel Claire (EMMA BOOTH), das ihn nach vollzogener Mannes-Arbeit heimchenhaft in die Arme schließen (und sicherlich fit für den nächsten „Job“ machen) darf. Ach so ja - und nebenbei „grunzt“ der alte bewährte Kämpe NICK NOLTE, 71, auch noch unwichtig mit.

„Parker“ von immerhin Spielleiter Taylor Hackford („Ein Offizier und Gentleman“, 1997er „Oscar“ für seinen Muhammad Ali-/George Foreman-Zaire-Dokumentarfilm „When We Are Kings“, „Ray“) oder: Der dritte „Point Blank“-Film ist nur ein einfältiger, schlichter Klischee-Quatsch und hölzerner Unfug von läppischem Brutalo-Film. (= 1 PÖNI).

Der Hinweis auf das Original von 1967 gilt weiterhin. Unbedingt.

Eine ungewöhnliche unabhängige Produktion kommt aus Amerika und heißt „PATTI ROCKS“ von David Burton Morris (Co-B+R; USA 1988; 86 Minuten; Start D: 07.07.1988).

In der wird das Erzählkino aus den Siebzigern wieder neu belebt, so wie es einst in Europa Jean Eustache etwa mit “Die Mama und die Hure“ gestaltete. Es ist ein Film um und über Beziehungen. Zwei Männer, angeblich Freunde, machen sich auf den Weg zur Geliebten des Einen. Unterwegs unterhalten sie sich ständig, und wir erfahren etwas über die sexistischen Vorstellungen von heutigen Kerlen. Etwas über die Einsamkeit und Hilflosigkeit des “starken Geschlechts", etwas über das Getue und Gerede von typischen Machos. Am Ziel angekommen, entwickelt sich eine moderne, rüde Variation von “Jules und Jim“. Danach geht es wieder zurück zu den alten Positionen.

“Patti Rocks‘ ist eine ordinäre, freche, aber ehrliche Betrachtung der Umgangsformen von Menschen heute. Ein B-Movie, ungehobelt, kraftvoll, mutig. Außenseiterkino, das noch lange nach Filmende nachwirkt (= 4 PÖNIs).

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