„RICKY BOBBY - König der Rennfahrer" von Adam McKay (USA 2006; 108 Minuten; Start D: 12.10.2006); hält NICHT, was der lahme deutsche Titel verspricht, sondern ist eine richtig-deftige, respektlos-verrückte Anarcho-Komödie um einen "beschränkten" Erfolgstypen, der seinen "amerikanischen Erfolgstraum" als komische Alptraum-Chose erlebt/durchlebt.
Mit dem Ex-"Saturday-Night Liver" WILL FERRELL (der Dichter-Nazi-Bekloppte aus "The Producers") als Klasse-Rabauke vom Dienst. Motto: Wenn die Amis sich mal RICHTIG "auf die Schippe" nehmen, dann macht´s auch wirklich rotzfrechen Spaß. Eine irre Überraschung, im wahrsten Sinne (= 3 1/2 PÖNIs).
„RIO“ von Carlos Saldanha (USA 2010; 90 Minuten; Start D: 07.04.2011); der am 24. Januar 1965 in Rio de Janeiro geborene „amerikanische Brasilianer“ war 2006 der Spielleiter für den Animationshit „Ice Age 2“ und war 2002 + 2009 bei den Teilen 1 und 3 dieser Erfolgsspäße als Co-Regisseur tätig. Hier nun setzen er und sein Team auf einen fluguntauglichen blauen Piepmatz. Im schmucken 3 D-Format. Dieser heißt Blu und ist ein Blaukopfara. Diese Papageienart, die bis zu 40 Zentimeter groß werden kann, ist gefährdet und lebt in Peru, Brasilien und Bolivien.
Unser Blaukopfara wächst im Urwald von Brasilien unbeschwert auf, wird dort von Jägern eingefangen, landet aber postalisch-zufällig in Minnesota. Wo ihn die nette Buchhändlerin und Tierliebhaberin Linda entdeckt, aufzieht und nach allen Buchstaben verwöhnt. 15 Jahre später taucht bei Linda ein Ornithologe auf, teilt ihr mit, dass ihr Blu das letzte Exemplar dieser Vogelrasse sei. Und unbedingt zurück nach Rio zurück müsste, wo er sich mit dem letzten Weibchen dieser Exotenart „treffen“ soll. Um die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. Blu verspürt erst überhaupt keine Lust, sein behagliches Verwöhn-Heim im kalten Minnesota für eine unsichere Tour nach dem fernen Sonstwo aufzugeben, aber was tut man nicht alles, um seine Spezies zu retten. Vor Ort allerdings, im warmen Rio, winken haufenweise Abenteuer. Mit der kessen wie freiheitsliebenden Ara-Lady Jewel. Die ihrem naiven wie flugunfähigen Neu-Kerl erst einmal „das Leben“ unter Viechern beibringen und seine ureignen Gene in Schwung bringen muss, dann aber auch, weil Tierschmuggler es auf die beiden begehrten Geschöpfe abgesehen haben.
Dabei allerdings zeigen sich, wie gehabt, die Menschen eher „begrenzt intelligent“, während Tiere das eigentliche Tun in ihre pfiffigen Pfoten verlagern. Also lernen wir u.a. kennen: Den fiesen „bulligen“ Kakadu Nigel, die „rechte Hand“ vom fiesen Tierfänger-Boß; den sabbernde Bulldoggen-Kauz Luiz, den man nicht gerade als Intelligenzbestie bezeichnen kann, der aber dafür prima SAMBA tanzt. Den Riesentukan Rafael (mit der „gewöhnungsbedürftigen“ deutschen Stimme von Roberto Blanco), der unter der strengen Fuchtel seiner Vogelfrau steht; Nigel, den Gelbhaubenkakadu sowie viele weitere exotisches Federvieh-Typen. Ganz klar: Schräge Vögel geben den ulkigen Ton an. Ironisch nett. Und sorgen für naiv-bunte Stimmung am Zuckerhut. Mit vielen lateinamerikanischen Rhythmen, luftigen, populären Songs (Lionel Ritchie lässt schmuse-grüßen), imponierenden Tanzeinlagen und einer zünftige Prise Melancholie.
„Rio“ ist ein 3 D-Animationsjux, der weniger über die bekannte, eher flache Story funkt, sondern mehr über die stimmungsvolle Computer-Choreographie. Mit den bunten Regenwald-Motiven, den wilden Tanz- und Chor-Einlagen der glubschäugigen Piepers, den Verfolgungsjagden über bzw. durch die Metropole, über diese sagenhafte, gigantische, farbenexplosive Karnevalsparade. Und mit diesem lieblichen Humor, der schließlich in die zuckersüße Familien-Planung a la Disney mündet. Im sprachlichen Original strengen sich Promis wie Jesse „The Facebook“ Eisenberg (Blu), Anne Hathaway (Jewel), George Lopez, Tracy Morgan und auch „Oscar“-Boy Jamie „Ray“ Foxx an, nach dessen Partysong „Hot Wings“ zünftig abgehottet wird. Bei uns sind es David Kross, Johanna Klum, Roberto Blanco sowie Itchy & Reedo von der Berliner Band „Culcha Candela“.
Sollte es Ostern regnen, wäre dies eine sonnige Kintopp-Alternative (= 3 PÖNIs).
„THE RITE – DAS RITUAL“ von Mikael Hafström (USA 2010; 113 Minuten; Start D: 17.03.2011); heiliger Bimbam, musste DAS sein, Dr. Hannibal Lecter alias Sir ANTHONY HOPKINS? SIE, d e r beste Kannibale, den die Filmgeschichte je hervorgebracht hat („Das Schweigen der Lämmer“)? SIE, der die Menschen auf der ganzen Welt in vielen tollen Filmen phantastisch angesprochen, darstellerisch verzaubert hat („Zwischen den Zeilen“/1987; „Wiedersehen in Howards End“/1992; „Was vom Tage übrig blieb“/1993; „Nixon“/1995; „Das perfekte Verbrechen“/2007)? SIE, der „Oscar“-Preisträger („Das Schweigen der Lämmer“)? In SO WAS??? In solch einem saublöden, lächerlichen abendfüllenden Werbeclip für den EXORZISMUS der katholischen Kirche???
SIE als exzentrischer Priester, als bekennender, „unorthodox praktizierender“ Exorzisten-Profi, der einen „skeptischen Seminaristen“ aus den USA im Vatikan „überzeugen“ soll/will, dass es den Dämon im Menschen gibt? Und dass DER nur durch klerikale „Sheriffs“ aufgehalten und beseitigt werden kann? SIE dann plötzlich selbst als „gefüllter Deibel“? Der Hilfe benötigt? Gott erbarme. Solch einen bescheuerten Horror-Humbug-Schwachsinn gab es schon lange nicht mehr. Was soll DAS? Wieso ramponieren SIE ihren guten Ruf durch dermaßen dämliches Getue???
Was einst mal im Ekel-Klassiker „Der Exorzist“ von William Friedkin 1973 als resoluter Psycho-Schocker neuartig bzw. als cleverer Thriller mit Teufelsaustreibung durchging (mit LINDA BLAIR als grüne Erbsensuppe spuckendes Teufels-Girlie + Max von Sydow als resolutem Pater plus 2facher „Oscar“-Belohnung für Drehbuch + Ton) und hierzulande mit dem Prädikat „Besonders Wertvoll“ geweiht wurde, wirkt hier und heute nur wirr und irre. Und debil-langweilig. Immer, wenn es im Alltag sowieso schon Tohuwabohu zugeht, muss also wieder mal „Mister Satan“ heran, um die Leute „anzumachen“.
Ja, ja, die Höllenbrut ist mal wieder unterwegs, „auf Tour“. So wie hier jedoch, ist es nur plumper Quatsch. Himmelherrgottnochmal. Mit dem Hohn-Hinweis - beruht auf wahren Tatsachen. Ach so ja. Verarschen kann ich mich auch alleine (= ½ PÖNI für das tapfere Satanchen).
Aus erster Hand wird die Geschichte über die berühmte Frauen-WG „Die Ritterinnen" von Barbara Teufel (B+R; D 2003; 96 Minuten; Start D: 21.08.2003) erzählt, die Ende der achtziger Jahre in Berlin - Kreuzberg ein alternatives, autonomes Lebensmodell versuchte.
Teufel war selbst Teil der Frauengruppe und drehte nun mit zeitlicher Distanz einen Film, in dem dokumentarische Szenen mit nachgespielten ergänzt werden. Sie beschreibt ihren Einzug in die WG, das
Zusammenleben und die politischen Aktivitäten der Frauen. Ohne Männer und Kompromisse, ohne Eifersucht und bürgerliche Relikte sollte das Leben der sieben Frauen im Kollektiv sich abspielen. Doch diese Ideale halten den Einzelinteressen auf der privaten Ebene und politisch nach der Wende 1989 nicht stand (= 3 PÖNIs).