„SAFE HAVEN – WIE EIN LICHT IN DER NACHT“ von Lasse Hallström (USA 2012; 115 Minuten; Start D: 07.03.2013); was ist denn nur mit LASSE HALLSTRÖM los? Er hat ja völlig seinen guten Instinkt für gute Stoffe und seine Gabe für „brauchbare Filme“ verloren. Denn nach „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“, wo ihn ein treuer, faszinierender japanischer Hund die Show „rettete“ (2009), hat er so ziemlich alles in den filmischen Sand gesetzt: „Das Leuchten der Stille“, nach Nicholas Sparks, „Lachsfischen im Jemen“ (funktionierte 2011 nur halbwegs), kürzlich den Krimi-Versuch „Der Hypnotiseur“ und jetzt auch DIES hier. Wieder basierend auf einem Roman des am 31. Dezember 1965 in Omaha/Nebraska geborenen „Mr. Kitsch“ Bestseller-Autoren NICHOLAS SPARKS. Dessen literarische Gefühlsbolzen schon des Öfteren als Filmvorlagen herhalten mussten („Message in a Bottle“ (1998); „Wie ein einziger Tag“ (2004); „Das Lächeln der Sterne“ (2008/Richard Gere & Diane Lane) oder, ganz übel, „Mit dir an meiner Seite“ (2010/Miley Cyrus & Liam Hemsworth).
2013 also wieder so eine Trauma-Schmonzette. Nach einem Sparks-Roman von 2010 (bei uns: 2011). Frisches Blond-Mädel (hübsch: JULIANNE HOUGH; 24, auch Model für Damenrasierer und Kaugummi) hat einen Psycho als Gatte an der schlimmen Backe. Haut ihn schließlich um, flieht aus der bösen Großstadt, um in der schönen Seeluft-Provinz auf einen frischen, netten Witwer. dessen Frau vor einiger Zeit an Krebs verstorben ist (hübsch: JOSH DUHAMEL, 40), mit niedlicher kleinen Tochter zu stoßen, mit dem sie sich nach einigem zögerlichen Hin und Her paart. Während ihr bekloppter Gatte, ein Cop, nach ihr sucht. Und sie natürlich aufspürt.
Die tote Ehefrau als Geist und „Ratgeberin“ sowie ein alter Übergabe-Brief „an die neue Frau“ an ihres Mannes Seite spielen übrigens auch noch eine Rolle. In diesem Pusteblumen-Kintopp. Er liebt mich, vielleicht, nicht, doch…und so weiter. Während die Akkorde des sonnigen Soundtracks (von Deborah Lurie) dazu tüchtig wummern. Zu dem harmlos-neckischen Spiel „Zwei Herzen in der Sonne“. Sollen sich finden. Achtung: Vor Überzuckerung wird gewarnt (= 2 PÖNIs).
Ein Meisterwerk von Film ist das Debüt „SALAAM BOMBAY“ von Mira Nair (B+R; Indien/GB/Fr 1988; 113 Minuten; Start D: 04.04.1989).
In dem geht es um einen 10jährigen Land-Jungen, der zufällig in den Großstadtdschungel von Bombay kommt. Dort wird er zum Laufburschen, Prügelknaben und Fast-Erwachsenen. Der mühsam ums Überleben zu kämpfen hat und dabei Prostitution, Drogenhandel und schlimmste Existenzängste hautnah zu spüren bekommt. Sentimentalitäten sind nicht gestattet, dieser ungeheure Moloch einer überbevölkerten Stadt mit ihren vielen verzweifelten Menschen läßt keinen Freiraum für Gedanken und Gefühle. Dennoch ist “Salaam Bombay“ keine blinde Sozial-Anklage mit Alibi-Touch. Ganz im Gegenteil, die Regisseurin verfolgt eher einen nüchternen, zurückhaltenden, humanen Blick und Denkrichtung.
Ihre Stärke sind ihre unaufdringlichen aber intensiven Bilder und Geschehnisse. Die wirken manchmal wie ein grausame exotisches, zufälliges Großstadt-Dokument, auf das einfach eine Kamera gehalten wurde. Dass hier tatsächlich vordergründig ein ‘Spielfilm‘ stattfindet, mit vorgegebenen Texten und Situationen, dass hier tatsächlich vor einer laufenden Kamera agiert wird, vergißt man während der 113 Minuten fast völlig. “Salaam Bombay“ entstand mit Kindern aus der Region und drei professionellen Schauspielern.
Herausgekommen ist eine Hommage an die Kinder dieser und anderer Slum-Großstädte. Der Film ist eine Würdigung und Verbeugung vor ihrem tapferen, humorvollen, verzweifelten, energischen und tragischen Überlebenswillen. “Salaam Bombay“ quält, unterhält, teilt mit, berührt, packt. Es ist ein Film über die Kehr und Schattenseiten der Zivilisation von 1989. Unbedingt ansehen: “Salaam Bombay“ von Mira Nair (= 5 PÖNIs).
„SÁBADO - DAS HOCHZEITSTAPE" vom 26jährigen Matìas Bize (Chile 2003; 65 Minuten; Start D: 18.05.2005); der aus der wirtschaftlichen Not und den entsprechend kargen Produktionsbedingungen quasi eine erfrischend-cineastische Tugend machte und mit seinem filmischen Ergebnis für einiges Aufsehen sorgte.
"Sàbado" ist ein Film von IN EINER EINZIGEN EINSTELLUNG durchgedrehten 65 Minuten: In voller Brautmontur erfährt Bianca (Blanca Lewin) am Hochzeitsmorgen, dass ihr Auserwählter sie nach Strich und Faden betrogen hat. Als sie Victor (Víctor Montero) unter der Dusche zur Rede stellt, entsteht ein Hochzeitstape der ganz besonderen Art...
Ein junger, wilder, origineller, explosiver wie ironischer Spaß, der die Digitalkamera endlich einmal DURCHWEG wie SINNVOLL dauereinsetzt. Und, obwohl natürlich durchgeplant, permanent fröhlich-improvisiert und köstlich-unberechenbar wirkt. Feine "andere" Entdeckung (= 3 ½ PÖNIs).
„SAFE HOUSE“ von Daniel Espinosa (USA/Südafrika 2011; 115 Minuten; Start D: 23.02.2012); mit „Easy Money“ (Originaltitel: „Snabba Cash“) schuf der am 23. März 1977 in Stockholm geborene schwedische Filmemacher 2009 einen der besten europäischen Genre-Filme seit langem, zugleich aber war dieser Streifen auch 2010 hierzulande einer der (völlig) unterschätzten und kaum beachteten Kinofilme überhaupt. Kein Wunder, dass sich Hollywood dieses Regie-Juwel gleich einmal schnappte. Um ihn für ein „ganz doofes“ Ami-Debüt einzukaufen. Wobei „doof“ noch geprahlt ist, „Safe House“ ist eine absolut dämliche Gewalt-Orgie. Mit Promi-Geschmack. Schließlich wirken der zweifache „Oscar“-Hero DENZEL WASHINGTON (57/“Glory“; „Training Day“) und „Schönling“ RYAN REYNOLDS (35/“Wie ausgewechselt“; „Buried – Lebendig begraben“) mit. Während „im Büro“, in der CIA-Zentrale, immerhin VERA FARNIGA („Up in the Air“), SAM SHEPHARD („Der Stoff, aus dem die Helden sind“) sowie das irische Urgestein BRENDAN GLEESON („The Guard“) mitmischen. Und aufgeregt Stichworte liefern. Aufsagen. Für die Helden „vorne“. An der „Front“. Im Ausland.
Ein „Safe House“ existiert überall. Auf der Welt. Ist eine konspirative „amtliche“ Draußen-Wohnung. Wo geheime CIA-Agenten weltweit untergebracht sind. Sicher getarnt. Wie Matt Weston (R. Reynolds). DER ist ziemlich bedient, weil an seiner Aufenthaltsstätte in der südafrikanischen Metropole Kapstadt die totale Langeweile herrscht. Doch sein beschauliches Dasein als Safe House-Wächter findet ein abruptes Ende, als bei ihm Tobin Frost (D. Washington) untergebracht wird. Frost ist ein früherer Kollege, der wohl auf eigene Rechnung profitabel gearbeitet hat und deshalb als „Staatsfeind“ gilt. So schnell wie möglich soll er nach Hause, in die USA, transportiert werden. Doch Frost hat sich den US-Behörden in Kapstadt selbst gestellt. Irgendwas stimmt hier also nicht. Zumal sich ein mörderisches Killerkommando aufmacht, Frost in diesem „Safe House“ zu liquidieren. Was Matt Weston gerade noch zu verhindern weiß. Fortan beginnt eine Jagd auf die Beiden, den loyalen Beamten und seine Geisel. Bei der es vor allem darum geht, viele Angreifer kräftig zu verkloppen und Tonnen von Munition abzuballern. Und möglichst viele Gebäude, wie eingangs das „Safe House Nr.1“, zerstören zu lassen. Um dann herauszubekommen, wer hier falsch spielt. Den wirklichen Verräter zu entlarven.
Im Ami-Reich ist mal wieder Agenten-Hektik annonciert. Weil in der Chef-Etage jemand auf eigene, korrupte Rechnung „wirkt“. Aufgeregt wird palavert. Angeordnet. Während der Denzel Tobin immer noch ein As in der Hinterhand besitzt: Einen Chip mit einer Liste von hochkarätigen Doppelagenten weltweit. Deshalb soll er auch ausgeschaltet werden. Doch von wem wirklich? Wer hier mit wem tatsächlich verbündet ist und wer „dagegen“ hält, kommt ziemlich wirr daher. Zerfahren. Banal. Interessiert eigentlich auch „nicht so richtig“. Hauptsache es knallt andauernd. Aus den Feuerwaffen von typischen, also grimmigen Standard-Bösen. Von der Hollywood-Stange.
Balla-Balla-Kintopp. Mit einem – sonst doch so pfundigen – Denzel Washington als „unanständiger“ Kerl. Dabei natürlich tough, psychologisch bestens geschult, mit analytischer Scharfsicht. Der gute Denzel war selten so falsch platziert wie hier. Völlig unglaubwürdig. Quatschig. Muskel-Boy Ryan Reynolds darf ihn als idealistischer Matt verunsichert begleiten und gegebenenfalls „dreckig“ ´raushauen. Oder „betroffen“ ´rausschießen. Die Auflösung ist dann ebenso banal wie blutig. Pah.
„Safe House“ ist nur ein schlichter Brutal-Krimi. Um hemmungsloses Töten. Als Spaß-Unterhaltung (= 1 PÖNI).
„SAINT JACQUES...PILGERN AUF FRANZÖSISCH" von COLINE SERREAU (B+R; Fr 2005; 103 Minuten; Start D: 06.09.2007); einer der tollsten Regie-Frauen unseres Nachbarn. Ihre Filme wie "Warum nicht!" (1977), natürlich "Drei Männer und ein Baby" (1985), "Milch und Schokolade" (1989) sowie - nur auf der Berlinale von 2002 zu sehen - "Chaos" sind faszinierende Meilensteine französischer Film-Unterhaltungs-Kunst.
In ihrem neuesten Vergnügen lässt sie 9 ungleiche Landsleute sich auf den beschwerlichen Versöhnungsweg machen/auf den amüsanten Jakobsweg nach dem spanischen Santiago de Compostela marschieren. Ein motorfreies, dafür aber umso liebevoll-durchtriebenes Lust-Spiel um die verschiedenen Philosophien des Lebens: Gier, Neid, Verachtung, Versöhnung. Zwischen Generationen und Kulturen. Mit augenzwinkerndem Boshaft-Humor wird religiöse Doppelmoral ebenso angepikst wie das zwischenmenschliche Schwäche-Potenzial. Unsentimental, mit herrlichen Landschaftsmotiven, wunderschön-schlicht-nahegehend, mit "wahren" Menschen und keinen Drehbuch-Pappkameraden.
Diese innere menschliche Heimreise als leichtfüßige Wanderung liegt damit voll im Trend, den bekanntlich Hape Kerkeling mit seinem Bestseller "Ich bin dann mal weg" ausgelöst hat. Ebenso charmant, atmosphärisch, liebevoll-spielerisch jetzt dieses wunderbar-zärtliche, angenehm emotionale Ensemblefilm (= 4 PÖNIs).
„SAINT RALPH" von Michael McGowan (Kanada 2004; 98 min; Start D: 01.12.2005); spielt in den prüden, autoritären 50er Jahren und erzählt vom aufmüpfigen 14jährigen Klosterschüler Ralph. Dessen Vater tot und dessen Mutter im Koma liegt. Ein WUNDER soll die geliebte Mutter retten, also trainiert er wie besessen für den Boston-Marathonlauf, ganz gegen die Anweisungen des strengen Schulrektors. Gefühlvoll-vorhersehbare Geschichte, mit klar "geklärtem"/identifizierbarem Gut-/Böse- Personal und einer Glaubens-Ideologie zwischen aufrührerisch-sturer "Rocky"-Selbstverwirklichung und Katholen-Show (= 3 PÖNIs).
„SALAMI ALEIKUM" von Al Saamadi Ahadi (D 2008; 106 Minuten; Start D: 23.07.2009); der iranische Regisseur, der seit 1985 bei uns lebt und an der Gesamthochschule Kassel "Visuelle Kommunikation" studiert hat, fiel 2006 mit seinem Dokumentarfilm "Lost Children" erstmals auf; der Beobachtung von (afrikanischen) Kinder-Soldaten. Der Film erhielt den "Deutschen Filmpreis". In seinem ersten Spielfilm gelingt ihm eine hübsch-pointierte Deutsch-Iranisch-Ostdeutsch-Komödie.
Um einen jungen Deutsch-Perser aus Köln, der - als Sohn eines Schlachters - kein Blut sehen, geschweige denn Tiere schlachten kann, zufällig in einem ostdeutschen Dorf strandet (Oberniederwalde), wo die DDR noch "voll vorhanden" ist ("Wenigstens ist er kein Wessi"), dort auf seine große Liebe stößt, eine Ex-DDR-Kugelstoßerin, dann mit seinem eigenen Papa reichlich Streß bekommt ("Wir sind keine Ausländer, wir sind Perser"), um schließlich beinahe die volkseigene Oberhemdenindustrie wiederzubeleben und...und...und; vergnüglich-stimmungsvolle Chose um alte Uniformen, musikalische "Ollywood"-Motive, selbstironische Flunkereien. Mit NAVID AKHAVAN, einem populären iranischen Pop-Sänger; ANNA BÖGER ("Shoppen"); MICHAEL NIAVARANI, einem amüsant-köstlichen österreichischen Kabarettisten mit iranischen Wurzeln (der als Papa Schlachter viele gute Pointen-Lacher anzubringen weiß) und WOLFGANG STUMPH als "weicher" Beton-Ossi (= 4 PÖNIs).
„SALT“ von Phillip Noyce (USA 2009; 100 Minuten; Start D: 19.08.2010); der 60jährige australische Regisseur hat sich in Hollywood mit Blockbuster-Movies wie „Das Kartell“ (1994/mit Harrison Ford) und „Der Knochenjäger“ (1999/mit Denzel Washington + Angelina Jolie) etabliert. In seiner Heimat wurde er zu Anfang des neuen Jahrhunderts für seine Filme „Der stille Amerikaner“ (mit Michael Caine) und „Long Walk Home“ geehrt: 2002 kürte ihn „National Film Board“ zum „Besten Jahres-Regisseur“. Zurück in Hollywood. „Salt“ ist eine 110 Millionen Dollar teure Produktion, die in New York und Washington D.C. realisiert wurde.
Als rasanter Action-Thriller mit einer der derzeit „heißesten“ weiblichen Akteurin der Studios (und der Boulevard-Medien), der 35jährigen „Oscar“-Preisträgerin ANGELINA JOLIE („Durchgeknallt“/1999). Die heutzutage als eine der bekanntesten Menschen auf diesem Globus gilt, gehandelt wird, und 2006/2008 vom amerikanischen Magazin „Time“ in die Liste der „100 einflussreichsten Personen der Welt“ mit-aufgenommen wurde. Und die ja bereits in zahlreichen Genrefilmen wie „“LARA CROFT: TOMB RAIDER“ von 2001 (plus 2003er Fortsetzung); „MR. & MRS. SMITH“ (2005) und „Wanted“ (2008) ihr kraftvolles, heldenhaftes Leinwand-Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellen konnte. Zuletzt trat sie für Clint Eastwood in „Der fremde Sohn“ vor die Kamera und erhielt 2008 dafür eine „Oscar“-Nominierung“.
Hier nun mimt Angelina Jolie die CIA-Agentin Evelyn Salt.
Die gilt als Spitzen-Expertin in Sachen „Analyse + Einschätzung“. Etwa, wenn es darum geht, feindliche Überläufer „zu bewerten“. Fast immer sind ihre Prognosen aufgegangen, eingetroffen. Nun aber hat sie selbst ein Haufen Probleme „am Hacken“: Ein Überläufer beschuldigt gerade SIE, eine russische „Schläferin“ zu sein. Mit erheblichem Gefahrenpotenzial für die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Hause CIA herrscht Alarmstimmung. Zumal sich Salt keineswegs kooperativ zeigt, sondern kräftig „dagegenhält“ und „stänkernd“ abhaut. Plötzlich bildet sie eine große Gefahr und Bedrohung für die amerikanische Sicherheit. Und hetzt „explodierend“ durchs Land. Die Verfolger immer hinterher. Und obwohl sie ständig ihre Unschuld und Loyalität beteuert, muss man sich mehr und mehr damit anfreunden, daß Salt keineswegs so eine „positive Leitfigur“ ist wie sie vorgibt, im Gegenteil. Dieses weibliche Alphatier scheint wirklich auf dem unaufhaltsamen Weg zu sein, den russischen Präsidenten töten zu wollen, der sich gerade in den USA aufhält, um dem verstorbenen Vizepräsidenten der USA die letzte Ehre zu erweisen. Ist das so? Oder doch ganz anders? Nach und nach wird es immer mysteriöser. Und hektischer.
Dies ist ein JASON BOURNE-Thriller („Die Bourne Identität“/2001; „Die Bourne Verschwörung“/2004 + „Das Bourne Ultimatum“/2007). Ohne „Jason“ Matt Damon, sondern mit einer mindestens ebenso sportiven, knalligen, unbarmherzigen und fest entschlossenen „Opfer“-Solistin namens SALT. Denn WIE sich Salt auf den harten Weg macht, wie sie sich durchkämpft, wie sie ohne Rücksicht auf Verluste sich ihren Weg freikämpft, freischießt, freitrotzt, ist die coole Bourne-Pose. Mit genauso viel Härte, Kompromisslosigkeit, Durchsetzungsvermögen. Nun also ein weiblicher Outlaw mit viel Power.
Die prominenten Drehbuch-Autoren KURT WIMMER (zuletzt für „Gesetz der Rache“) und „Oscar“-Preisträger BRIAN HELGELAND („L.A. Confidential“/1997) haben ein ebenso raffiniertes wie außerordentliches spannendes Katz-und-Maus-Polit-Thriller-Spiel entwickelt. In dem EINE über sich hinauswachsen muss, um sich einer großen (amerikanischen) Bedrohung entgegenzustellen, entgegenzustemmen.
Natürlich wird Salt nicht geglaubt; natürlich ist sie auf sich alleingestellt; natürlich sind hier die physikalischen wie logischen Gesetze außer Kraft gesetzt: „Salt“ besitzt einen aufregenden, dampfenden, dabei SEHR unterhaltsamen menschlichen Cartoon-Geschmack. Ist herrlich absurd und feuerfrech anzuschauen. Motto: Wo (Hollywood-)Kerle andauernd herumturnen und herumtönen - die JOLIE kann es mindestens genauso gut. Wenn nicht besser. Lehnen wir uns also zurück und lassen uns von einem Bond-ähnlichen Weiber-Kracher anmachen, „verwöhnen“.
In ihrem Schlepptau übrigens der – wie stets – undurchsichtige LIEV SCHREIBER („Der Manchurian Kandidat“) als CIA-Kollege sowie auch der 34jährige Berliner Schauspieler AUGUST DIEHL als „merkwürdiger“ deutscher Salt-Ehemann. DEM es wie so vielen deutschen Schauspielern in großen Hollywood-Produktionen geht - sie werden stets gemeuchelt (wie z.B. 2006 Martina Gedeck in „Der gute Hirte“ von + mit Robert De Niro mit Suizid-Charme oder Til Schweiger, der 1998, gleich in seiner ersten Hollywood-Produktion „Die Ersatzkiller“, kein Wort sprach und umgehend erschossen wurde).
Fazit: Packend, super-spannend, exzellent wüst. Bzw. umgekehrt. Mit übrigens Fortsetzungsgeschmack. Für Salt gäbe es weiterhin noch viel zu tun, wie man letztendlich annonciert.
Der Film „Salt“ funktioniert prächtig als Prima-Thriller-Showtime (= 4 PÖNIs).
„SAME SAME BUT DIFFERENT“ von Detlev Buck (Co-B+R; D 2008/2009; 107 Minuten; 21.01.2010); der neue „Buck“, der 2009 beim Festival in Locarno erstaufgeführt wurde, basiert auf den Erlebnissen des heute 30jährigen Benjamin Prüfer. Er hat „darüber“ die Reportage „Bis der Tod sie mir wegnimmt“ und schließlich den autobiographischen Roman „Wohin du auch gehst“ (2007) geschrieben.
Ben (DAVID KROSS), lebensfroher junger Weltenbummler von Anfang 20, verliebt sich während eines Aufenthalts in Kambodscha in die Prostituierte Sreykeo (APINYA SAKULJAROENSUK). Eine Disco-Bekanntschaft. Aus der „mehr“ wird. Zuneigung, Liebe. Selbst als Ben erfährt, daß sie HIV-positiv ist, hält er weiterhin konsequent zu ihr. Auch nach der Rückkehr in Hamburg. Obwohl Freunde und Familie ihm abraten, besteht er auf „sein Glück“. Pendelt zwischen Asien und Europa hin und her, kämpft für seine Liebe, unterstützt sie finanziell. Detlev Buck („Knallhart“; „Männerpension“; „Wir können auch anders…“) erzählt dies angenehm „nüchtern“, unaufgeregt, sich auf Figuren und Seele einlassend. Motto: „Eine Liebe mit Verfallsdatum“, aber auch mit Hoffnung. Viel Hoffnung. Wenn „man ES anpackt“. Der Blick auf den „anderen“ Kulturkreis ist ebenso neugierig wie vorsichtig, sensibel und vor allem ohne „westliche Anklage/Häme“. Von wegen der „anderen“ Lebensbedingungen „dort“.
„Same Same But Different“ ist kein x-beliebiges 08/15-Irgendein-Reiseabenteuer, mit „rührseligen Folgen“, ist auch keine gutgemeinte Sozialreportage, verpackt in einen Unterhaltungsfilm, sondern das durchaus ´rüberkommende Begreifen/Verständnis über die intensive Beziehung zwischen zwei Menschen aus zwei völlig verschiedenen Kulturkreisen. Die sich „gefunden“ haben und DAS durchstehen. Gegen alle äußerlichen, inneren und vor allem medizinischen Widerstände. Sie wollen gemeinsam leben, sich erleben. Ein interessanter Menschen-Film, der auch vor Ort in Kambodscha entstand und das ehrliche Motiv vorgibt: Krise stärkt Liebe. Wo immer, wann immer, wie immer. Detlev Buck zählt weiterhin mit zu unseren spannendsten Filmemachern (= 3 PÖNIs).
„SAMMYS ABENTEUER – DIE SUCHE NACH DER GEHEIMEN PASSAGE“ von Ben Stassen (Belgien 2009/2010; 88 Minuten; Start D: 28.10.2010); der 2007 mit seinem ersten Kino-Trickfilm „FLY ME TO THE MOON 3 D“ auch bei uns auf großes Interesse stieß. Davor realisierte er einige 3 D-IMAX-Produktionen wie „African Adventure“, „Wild Safari“ oder „SOS Planet“ und „Alien Adventure“.
Sein neuester Kinofilm ist die liebenswerte, charmante, lohnend mitdenkenswerte europäische Animatons-Antwort in 3 D in Sachen tierisch-menschliche Existenz auf unserem Planeten. Sozusagen - ein filmischer Bio-Spaß.
Die Meeresschildkröte Sammy (mit der Stimme von MATTHIAS SCHWEIGHÖFER) blickt als stolzer Großvater auf ihr ereignisreiches Leben zurück. Auf ihre vielen „sonderbaren“ Abenteuer auf und unter Wasser. Auf ebensoviel Vergnügen wie auf die vielen „normalen“ Schildkröten-Gefahren (mit naschhaften Piranhas, gierigen Möwen, listige Schlangen), vor allem aber auch durch DIE MENSCHEN. Denn wie DIE mit dem Wasser, mit den Meeren, mit den Ozeanen und mit Tieren überhaupt müllhaft-schädlich umgehen, ist vielfach eine Öko-Schande und Natur-Quälerei und eine erhebliche Überlebensbelastung für die Tiere. Und signalisiert: Eigentlich „benötigen“ Tiere überhaupt nicht den Menschen (aktuelles Beispiel: Der verölte, versaute Golf von Mexiko). Und die Natur wäre vielleicht auch besser „ohne“ dran….
Doch der niedliche Abenteurer Sammy ist optimistisch, dem Leben zugewandt, weiß sich stets zu helfen, zu behaupten, ist ein sympathischer „kleiner Kerl“, baut auf Freunde wie Kumpel Ray (AXEL STEIN) und ist unsterblich in das Schildkröten-Girl Shelly (LENA MEYER-LANDRUT) verknallt. So beginnt eine humorige, einfühlsame, visuell opulente Odyssee durch die Weltmeere. Als optischer 3 D-Augenschmaus, mit viel Spaß und ebensolchem Sinn. Und mit viel Gefühls-Lächeln.
Yes:
„Sammys Abenteuer“: Eine putzig-muntere, pfiffige Spaß-Show mit softem, gütigem Realismus-Geschmack. Für kleine wie große Kinder-Augen und –Herzen; als fabel-haftes schönes Familien-Programm (= 3 ½ PÖNIs).
„DAS SANDMÄNNCHEN – ABENTEUER IM TRAUMLAND“ von Sinem Sakaoglu, Jesper Moller und Helmut Fischer/Realfilm (D/Fr 2009/2010; 83 Minuten; Start D: 30.09.2010); eine türkische Animationsfilmemacherin, ein dänischer Animationsfilmer + ein deutscher Filmemacher haben mit einem Team von über 300 Mitarbeitern an diesem „auch handgemachten“ (Stop-Motion-)Puppen-Menschen-Animations-Kinderfilm um einen Figuren-Klassiker aus dem Fernsehen gewerkelt. 7,1 Millionen EURO betrug dabei das Budget, um den allerersten SANDMÄNNCHEN-Kinofilm herzustellen. Vor über 50 Jahren begann der abendliche TV-„Wettbewerb“ zwischen dem Sandmann-Ost und dem Sandmann-West. Der Sieger heißt: Sandmann-OST. Nach der Wiedervereinigung gibt es allein VON IHM die täglichen Gute-Nacht-Short-Stories in ganz Deutschland. Und: Seit 1999 ist neben der reinen Puppentrick-Arbeit auch die digitale Animation technisch hinzugekommen. Wie hier auch, bei seinem 1. Leinwand-Auftritt.
In dem geht es um den bösen Wirbelsturm Habumar, der im Traumland den guten Sand geklaut hat, um ihn in einen Alptraumsand zu verwandeln, damit die Kinder Alpträume kriegen. Hilfe soll ein etwas einfach strukturiertes, sich selbst ständig überschätzendes Chaos-Schlafschaf namens Nepomuk bringen. Doch das bringt anstatt eines furchtlosen Kapitäns aus dem Menschenland dessen ängstlichen 6jährigen Enkel Miko ins Traumland. Nun soll ausgerechnet DER mithelfen, die Sand-Katastrophe zu verhindern.
Oh je, was für ein filmischer Krimskrams-Langweiler! „Thema verfehlt“, würde unter einem „solchen Aufsatz“ in der Schule stehen, in dem die Nebenfiguren wichtiger sind als der Titelheld. Sowohl der kleine, arg dümmliche Naiv-Junge wie auch der Bösewicht haben hier viel mehr Auftritte als der doch eigentliche Star, das SANDMÄNNCHEN. Doch mehr als Süßholzraspeln (von VOLKER LECHTENBRINK) haben die Macher aus dem Figuren-Klassiker nicht herausgeholt. Ein Winke-Winke-Kerlchen, wie gehabt. Wie im Fernsehen. Die Handlung wird nicht gezeigt, sondern erklärt. Die Real-Szenen um den grantigen Papa und seinem verängstigten Sohn wirkt „dünn“ und fade. Die emotionale Zuneigung, die kreative Phantasie, der Spaß, die Spannung, die schöne visuelle Show…sucht man hier vergebens. Zäh zieht sich „der Spaß“ langweilig hin; Kraft, Charme und Atmosphäre welken vor sich hin.
Zudem: Der Ton ist schrecklich, ganz hohl und unterschiedlich laut und leise, manchmal nicht zu verstehen. Tonmischung und Sprachmixer haben katastrophale Arbeit geleistet. Natürlich, das Schaf Nepomuk, das so ein bißchen an den Shrek-Esel erinnert, sorgt hin und wieder für einen kleinen Gag-Schmunzler, ansonsten aber ist dieses Sandmann-Kinodebüt plump, platt und tüttlig. Während ANKE ENGELKE auf dem Abspann das Liedchen „Dein Traum ist wahr“ trällert.
SO ETWAS Unterhaltungs-Lahmes haben Kino-Kinder von heute (und ihre erwachsenen Begleiter) einfach nicht verdient (= 2 PÖNIs).
„SASCHA“ von Dennis Todorovic (B+R; D 2010; 101 Minuten; Start D: 24.03.2011); zählt zu jenen deutschen Zwischen den Welten-Filmen, die mehr und mehr von den verschiedenen Kulturen hierzulande reizvoll, also ansprechend zu erzählen wissen. Wie kürzlich „Almanya – Willkommen in Deutschland“ oder vor einiger Zeit „Salami Aleikum“.
Hier befinden wir uns in Köln, wo seit 20 Jahren die Familie des 19jährigen Sascha (SASA KEKEZ) lebt. Deren Zusammenleben jetzt, nach der Rückkehr aus dem „Heimaturlaub“ in Montenegro, komplizierter werden soll. Denn Sascha, der hier geborene Sohn des Montenegrinos-Patriarchen-Gastwirts Vlado (PEDJA BJELAC) und der bodenständigen Kroatin Stanka (ZELJKA PREKSAVEC), ist schwul. Wusste dies bisher zu verheimlichen, sieht sich aber jetzt in Seelennöten, da sein angehimmelter Klavierlehrer (TIM BERGMANN) aus beruflichen Gründen gen Wien abzudüsen gedenkt. Seine Mutter möchte aus ihm „etwas Besseres“ machen, hat ihn zum Demnächst-Musikstudium gedrängt. Jetzt, kurz vor der Aufnahmeprüfung, ist Vielfach-Stress angesagt. In der Nachbarschaft hat sich die junge Deutsch-Chinesin Jiao (YVONNE YUNG-HEE), die Tochter eines Imbissbesitzers, in ihn verguckt, während diese gleichzeitig von seinem etwas tölpeligen Bruder Boki begehrt wird. Trabbel über Trabbel. An dem in der Familie auch noch der zugereiste traditionsbewusste Onkel Pero „vom Land“ beteiligt ist, der das Bad reparieren soll. „Sei ein ganzer Kerl“, offeriert der Vater; „werde ein guter Konzertpianist“, ordert die Mutter. Sascha kommt mächtig in die Bredouille.
„Eine Emanzipationsgeschichte im Clash of Cultures, ein Coming-Out im Prüfungsstress, Stoff genug für eine Tragikomödie, denn nur mit Humor und Ironie lasen sich Saschas Situation, aber auch die vielfältigen Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen seiner Familie und seines Umfelds bündeln“, heißt es in der Begründung der Filmbewertungsstelle für das Prädikat „Wertvoll“. Und in der Tat geht es einerseits um die Lebensperspektiven einer „spannenden“ wie inzwischen völlig normalen deutschen Migrantenfamilie, andererseits um die „eckigen“ Mentalitäten und das kulturelle wie individuelle „Dazwischen-Sein“ eines jungen Burschen mit Identitäts- und Rechtfertigungsproblemen. Sich Finden, Sich Artikulieren, Sich Akzeptieren als ironisch gebrochene Tiefgang-Spaß-Performance. Mit der gelungenen Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit. Bzw. umgekehrt. Dargeboten von einem Klasse-Ensemble. Das die unterschiedlichen Milieus und Kulturseelen imponierend aus den verschiedenen Perspektiven zu verbinden weiß. Ohne anzuklagen, zu jammern oder blindlings draufloszuhauen, ganz im Gegenteil: Durchaus atmosphärisch, vielfach spielerisch-pointiert, mit Bedacht und lakonischer Tiefgang-Stimmung.
Der Debütlangfilm des 1977 in Ellwangen geborenen Dennis Todorovic (Nationalität tschechisch-montenegrinisch) „hat was“, und davon eine Menge (= 3 PÖNIs).
„SATTE FARBEN VOR SCHWARZ“ von Sophie Heldman (Co-B+R; D/Schweiz 2009; 85 Minuten; Start D: 13.01.2011); der Abschlußfilm der 1973 in Hamburg geborenen Berliner Filmhochschul-Absolventin wurde von vielen Förderinstitutionen unterstützt. „So etwas“ mag man dort, wenn es schön düster-brav in einer reichen deutschen Bürger-Familie zugeht. Wo der Papa krebskrank ist, aber sich nicht behandeln lassen will, und Mutti morgens die Zeitung liest. Die Stimmung signalisiert: Hier sind ZWEI in die guten alten Jahre gekommen. Gemeinsam. Er lächelt wissend vor sich hin, sagt, ich gehe ins Büro, und geht doch nicht dorthin. Sondern in eine soeben gekaufte Eigentumswohnung. „Um zu denken“. Alleine.
In der großräumigen Villa daheim ist anscheinend kein Platz dafür. Die Ehefrau kommt dahinter und stellt die dringende Forderung: „ENTWEDER DIE WOHNUNG ODER ICH!“ Dann aber druckst man noch ein bißchen herum, SIE probiert es auch mal in einer exklusiven Seniorenresidenz, bevor man nochmal mit den erwachsenen Kindern Zuhause herumlabert und auf dem Abi-Fest der Enkelin ausgelassen tanzt. Dann aber ist Feierabend. Lebens-Feierabend. Der schöne gemeinsame Suizid in der Eigentumswohnung.
SENTA BERGER und BRUNO GANZ in einer trostlosen deutschen Alters-Deprigeschichte. Mit der sattsam bekannten deutschen Filmhochschul-Filmsprache, alle 12 Sekunden ein Raunen, ein „vielsagender Blick“, eine immer doppelbödige Äußerung. Niemals eine Direkt-Antwort. Immer gleich „die Tiefe“ mit-dabei. In Bewegung, Gestik, Artikulation. Halt irgendwie „intellektuell“. Nachdenklich sein wollend. Mit vielen Ausrufungszeichen!
„Satte Farben vor Schwarz“ ist eine dünne theatralische deutsche Bourgeoisie-Posse (= 1 ½ PÖNIs).