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Filmtitel von Sia - Sim

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

SICKO" von und mit Michael Moore (B+R; USA 2007; 123 Minuten; Start D: 11.10.2007); d e m Provokateur des amerikanischen Films; der als MICHAEL Francis MOORE am 23. April 1954 in Davison, einem Vorort von Flint/Michigan/USA, geboren wurde; der heute 53jährige ist einer der populärsten Filmemacher überhaupt, tritt vor allem als Regisseur, Autor und Produzent von Dokumentarfilmen bzw. korrekter-/richtigerweise von SATIRISCHEN (also auch sehr unterhaltsamen/amüsanten/doppelbödigen) DOKUMENTARFILMEN in Erscheinung. Moore hat den Dokumentarfilm "erweitert", "verbreitert", sozusagen: für die Masse "gebräuchlicher/verständlicher" bzw. "ankommender" gemacht, wenn er seine aufklärerischen wie aufwühlenden Meinungs- Bilder auf die gesellschaftlichen Wunden der USA legt. Es ist so, als würden sich hier filmisch die Ansichten und Attacken von z.B. deutschen Spitzen-Satirikern/-Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt/Volker Pispers/Urban Priol zu einem "GROSSartig-brodelnden Gesamtwerk" vereinen.

Neben seinen Büchern wie "Stupid White Men" (2002) und "Volle Deckung, Mr. Bush" (2003), die zu Bestsellern wurden, waren/sind es vor allem drei Filme, die ihn weltweit zur Berühmtheit werden ließen: "ROGER & ME" (1989), der Angriff auf die Autobranche (die in seinem Heimatort Flint - trotz guter Wirtschaftlichkeit - die Fabriken schließen und die Menschen verarmen ließ); der Film fand Erwähnung in mehr als 100 Jahres-Top-Ten-Listen renommierter Filmkritiker und gewann verschiedene Preise als "Beste Dokumentation" bei US-amerikanischen Filmfestivals; "BOWLING FOR COLUMBINE" (2002), der Angriff auf die amerikanische Waffenlobby, ausgehend vom Schüler-Massaker an der Columbine-High-School in Littleton; wurde mit einem Spezialpreis bei den 55. Filmfestspielen von Cannes, dem französischen "Oscar"-Preis mit Namen "Cesar" sowie mit dem "Oscar" als "Bester Dokumentarfilm" ausgezeichnet; inzwischen ist "Bowling For Columbine" die Dokumentation mit den zweithöchsten Kasseneinnahmen aller Zeiten; "FAHRENHEIT 9/11" (2003), der Angriff auf die Regierung Bush in Sachen Terrorismus und seine "wahren" Ursachen/Zusammenhänge; wurde 2004 mit dem Hauptpreis von Cannes, der "Goldenen Palme", bedacht. Er war der allererste Dokumentarfilm in Cannes, der diesen Preis zugesprochen bekam und gilt mittlerweile als d e r erfolgreichste Dokumentarfilm überhaupt.

Jetzt also "SICKO", abgeleitet vom englischen Wort "sick" = "krank": Michael Moore SEZIERT das KRANKE amerikanische Gesundheitssystem. Ausgangspunkt: Am 3. Februar 2006 fordert er die Leute über seinen Blog dazu auf, ihm per E-Mail ihre "persönlichen Horrorgeschichten" mit dem heimischen Gesundheitswesen zu senden. Innerhalb von 24 Stunden erhielt er 3.700 E-Mails, am Ende der Woche waren es über 25.000. Thema/Tenor überall: Die einstige wie vollständige Privatisierung und die daraus resultierenden, weitreichenden Folgen: Das System ist keineswegs am Erhalt/an der Wiederherstellung der Gesundheit seiner Bürger interessiert, sondern einzig und allein - am PROFIT. Dazu muss man wissen: Vor Jahrzehnten, unter Präsident Nixon, gab Washington der einheimischen Pharmabranche die alleinige Berechtigung dafür, die Gesundheit/Krankheit der Amerikaner gewinnbringend für sich auszubeuten. Der Solidaritätsgedanke verlor sich dabei weitgehend. Pharma- wie Gesundheitsindustrie sorgen seitdem erfolgreich dafür, dass sich daran ja nichts (ver-)ändert.

Mit lukrativen Jobs wie auch mit GROSSzügigen Spenden. (Auch an Hillary Clinton übrigens, die einst ja mal lauthals antrat, das System zu reformieren): Eine Recherche über jene Kongressabgeordneten, die am neuen US-Gesundheitsgesetz im Jahr 2003 beteiligt waren, ergab, dass 14 dieser Politiker danach auf Chef-Posten in der Gesundheitsindustrie wechselten! 47 Millionen Amerikaner leben dagegen nach dem PRINZIP HOFFNUNG; die meisten der restlichen 200 Millionen Versicherten haben größte Schwierigkeiten, eine anständige Behandlung zu bekommen, wenn sie mal krank werden; 18.000 von ihnen sterben jedes Jahr, weil ihre Behandlung am Geld scheitert.

Einige Fall-Beispiele:

1.) Ein 79jähriger arbeitet an der Müllpresse im Supermarkt, um seine Arztrechnungen bezahlen zu können.

2.) Ein Ehepaar hat Haus und Ersparnisse für drei Herzinfarkte und eine Krebserkrankung "durchgebracht" und muss in das Haus der Tochter mit-einziehen, um überhaupt ein Dach über den Kopf zu haben.

3.) Ein Mann, der sich zwei Finger abgesägt hat, muss entscheiden, ob er wirklich 72.000 Dollar für das Annähen investieren will oder sich nicht doch lieber nur auf den Zeigefinger beschränkt, was "nur" 12.000 Dollar kostet.

4.) Obdachlose Patienten werden aus den Krankenhäusern von Los Angeles jeweils in Taxis verfrachtet und in der Nähe des einzigen "Sozial-Krankenhauses" auf der Straße ausgesetzt.

Undsoweiter...undsoweiter...undsoweiter.

Um die Gewinne zu erhöhen, verweigern die Kassen lebensrettende OPs. Selbst in Notfällen bestehen sie darauf, dass sich die Patienten Leistungen vorab genehmigen lassen müssen - selbst, wenn man, wie in einem Fall, bewusstlos im Straßengraben liegt. Dies führt auch zu Fällen wie schließlich zu DEM einer Mutter, die ihr Kind mit hohem Fieber vom nächstgelegenen Krankenhaus zu einem viel weiter entfernt liegenden fahren muss. Als sie endlich dort ankommt, ist ihr Kind tot. "WIE KONNTEN WIR, DIE REICHSTE NATION DER WELT, SO WEIT KOMMEN, Dass KRANKE, DIE IHRE RECHNUNGEN NICHT BEZAHLEN KÖNNEN, WIE MÜLL AUF DIE STRASSE GEWORFEN WERDEN?", fragt vollkommen berechtigt und engagiert Michael Moore. Um zum Film-Schluss noch den "größten Coup" zu landen. An seiner Seite: Einst freiwillige Rettungskräfte, die anlässlich der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York Rettungsarbeit leisteten und "daran"-danach erkrankten. Hustende Ground-Zero-Wracks, die in den USA keine medizinische Hilfe bekommen. Moore fährt mit ihnen nach Kuba, wo sie sofort wie unbürokratisch medizinisch behandelt werden. Und wo das Asthmamittel statt 120 Dollar nur fünf Cent kostet.

Mit "Sicko" begibt sich Moore schließlich auch in Richtung des Kanada-Nachbarn oder nach Europa (GB/Fr), um dort nach dem jeweiligen Gesundheitssystem zu schauen. Fazit: Überall ist es besser, sicherer, vernünftiger, sozialer, menschlicher als bei uns. Ein starker, weil vernünftiger, engagierter, RICHTIG wie WICHTIG-polarisierender Dokumentarfilm, der unter die Haut und direkt an die Birne geht, dabei auch "wunderbar-provokant- unterhält", also auf schwarzhumorig-amüsant-zweideutige Weise auch prächtiges Infotainment an-bietet mit Archiv-Aufnahmen, Reklamebildern, französischen Schlagern, chinesischen Märschen sowie mit Sowjetpropaganda (weil die amerikanischen Gesundheitsapostel und Pharmariesen immer wieder gerne den "schleichenden Sozialismus" proklamieren, falls am System etwas korrigiert/verändert werden sollte).

Ein Klasse-Denk- + Fühl-Film, ein neues Meisterwerk von MICHAEL MOORE, das gut-gemacht berührt und voll be-TRIFFT (= 5 PÖNIs).

SIDE EFFECTS“ von Steven Soderbergh (USA 2012; B: Scott Z. Burns; K: Peter Andrews (= Steven Soderbergh); Schnitt: Mary Ann Bernard (= Steven Soderbergh); M: Thomas Newman; 106 Minuten; Start D: 25.04.2013); er ist neulich, am 14. Januar 2013, 50 Jahre jung geworden. Seit seinem sensationellen Debütfilm „Sex Lügen und Video“, der 1989 auf den Filmfestspielen von Cannes den Hauptpreis, die „Goldene Palme“, zugesprochen bekam, hat er in rund einem Vierteljahrhundert 25 Filme gedreht, Mal Mainstream-Hits wie die drei „Ocean’s“-Movies oder „Out of Sight“, mal Independent-Movies wie „Kafka“, „König der Murmelspieler“ oder die beiden „Che“-Filme, mal kommerzielle Zugriffe wie zuletzt mit „Magic Mike“, „Haywire“ und „Contagion“. „Trafic – Macht des Kartells“ (2000/ mit 4 „Oscars“, darunter für die „Beste Regie“, prämiert und „“Erin Brockovich“ /ebenfalls 2000/“Oscar“ für Julia Roberts) runden sein Werk vorzüglich ab: STEVEN SODERBERGH zählt zu den derzeit spannendsten Filmkünstlern auf der Welt. DER aber in den letzten Jahren, wie gerade erst kürzlich wieder, immer wieder betont, er sei nunmehr ausgepowert. Erschöpft. Will – mindestens sieben Jahre – jetzt pausieren. Dazu passt, dass uns heute, am 18. April 2013, die Meldung erreichte, dass Steven Soderbergh mit seinem nächsten Film gerade in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes im Mai eingeladen, „aufgenommen“, wurde: „BEHIND THE CANDELABRA“, hochkarätig besetzt mit Michael Douglas, Matt Damon sowie Rob Lowe und Dan Aykroyd. Wie schön - der Rücktritt vom neuen Rücktritt. Erst einmal.

In der sonntäglichen ARD-Kultur-Nachtsendung „t - t - t“ („Titel, Thesen, Temperamente“) vom 7. April 2013 wurde es zu diesem neuen Soderbergh-Film thematisiert: Zahlen, Fakten, Daten beweisen - mindestens 20% der Amis nehmen täglich eine Tablette ein. In den USA tobe der „allgemeine Pillenwahn“. Der Psychiater und Autor ALLEN FRANCES hat ein Sachbuch darüber veröffentlicht, das jetzt auch bei uns erschienen ist („Normal“) und in dem es um die „besorgten Gesunden“ geht. Tenor: Für viele bereits hergestellten (teuren) Pillen „gibt“ es noch gar keine „passenden“ profitablen Krankheiten. Die junge Emily Taylor (ROONEY MARA/die Lisbeth Salander aus der US-Adaption von „Verblendung“) leidet offensichtlich an einer schweren Depression. Das New Yorker Saus-und-Braus-Leben mit Ehemann Martin, einem Banker (CHANNING TATUM/“Magic Mike“), ist passé, seitdem dieser wegen Insiderhandels für mehrere Jahre ins Gefängnis musste. Sie ist bei Dr. Jonathan Banks (JUDE LAW) in Behandlung, einem forschen wie engagierten Psychiater. Doch seine verordneten Antidepressiva führen zu keiner Besserung. Ganz im Gegenteil. Banks kontaktiert die frühere Emily-Ärztin, Dr. Victoria Siebert (CATHERINE ZETA-JONES, derzeit viel aktiv, zuletzt unsäglich in „Kiss the Coach“), und verschreibt seiner offensichtlich suizid-gefährdeten Patientin ein völlig neu entwickeltes und soeben auf dem Markt „angepriesenes“ Medikament. Doch die Nebenwirkungen erweisen sich zunehmend als verheerend. Zunächst für den inzwischen freigekommenen Emily-Ehemann Martin wie vor allem dann auch für den – völlig überrumpelten – guten, also gutgläubigen Doktor. Dessen Karriere plötzlich mit schweren Turbulenzen knickt. Beunruhigende Entwicklungen tauchen an der vielschichtigen Medizin(er)-Front auf. Seine Reputation ist erheblich in Gefahr. Seine Existenz steht auf dem raffiniert eingefädelten bösen Spiel. Ebenso wie seine Ehe. Dr. Jonathan Banks muss sich ganz schön erfindungsreich strecken, um nicht in diesem merkwürdigen Sumpf aus Verdächtigungen, Intrigen und rätselhaften Wendungen unterzugehen.

Alfred Hitchcock kommt in den Klasse-Sinn. Steven Soderbergh erweist sich als exzellenter Meister der Suspense. Führt zunächst wunderbar in die thematische Irre, zwischen geklonter Depri, heftigem Burn-Pseudo-Out und Pharma-Schurkereien, um sich dann genüsslich in süffisante, vielschichtige weitere Spannungsposen zu begeben. Elegant bewegt sich STEVEN SODERBERGH auf und in diesem Taumel aus psychologischen Fußnoten, faszinierenden Unschärfen und clever arrangierten Zeitraster. Soderbergh jongliert mit den vielfältigen Mustern von Anspannung, Spannungsfopperei und herrlicher Vollspannung. Virtuos lässt er uns auflaufen, um dann genüsslich die Neben- und Vollwirkungen zusammen zuführen. Mit teuflisch faszinierenden Twists. Um wahre Lügen. Und schmutzigen Wahrheiten. Mehr darf einfach nicht verraten werden:

„Side Effects“ setzt Genre-Maßstäbe. Ein neuer Soderbergh vom Spannungs-feinsten. Der Film chillt prächtig. Als Ensemble-Knaller: Mit einem „Schnüffler“ Jude Law, der seinen sinnlichen „Dr. Watson“-Part aus den „Sherlock Holmes“-Parties mit Robert Downy, Jr. („Sherlock Holmes“ + „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“/2009 +2001) unterkühlt glänzend fortführt. Der 40jährige Kerl hört einfach nicht auf, immer noch besser zu werden. Aufzutrumpfen. Und so ist dies hier einmal mehr „seine Rampe. Als phantastisch verführender Verführter (= 4 PÖNIs).

Glauben Sie an die Re-Inkarnation? An die Wieder- und Neugeburt? Ich nicht oder...eigentlich nicht. Doch nach Ansicht des amerikanischen Streifens „SIDEWALK STORIES“ von Charles Lane (B, D+R; USA 1989; 97 Minuten; Start D: 15.03.1990); hege ich erste und angenehme Zweifel.

Charles Lane, Jahrgang 1953, geboren im New Yorker Stadtteil Bronx, ein Schwarzer im Armenhaus des amerikanischen Traums. Irgendwann hat es ihn gepackt, hat er zu filmen angefangen. 1989 schuf er in 15 kalten Februar-Tagen für ein Mini-Budget von 200.000 Dollar einen stummen Schwarz-Weiß-Film in seiner Bronx - Umgebung, wie ihn eigentlich nur ein “Chaplin“ drehen konnte. “Sidewalk Stories“ ist eine moderne “Tramp“- Geschichte und erzählt von einem Straßen-Zeichner, der eines Abends im Müll ein 2jähriges Baby entdeckt. Der Arme und die Waise. Sie gewöhnen sich aneinander, erleben allerhand Aufregendes, Verrücktes, bekommen Hilfe und Prügel. Und da ist es dann wieder: Dieses Gefühl von Würde und Poesie, diese Stimmung von Scham und Slapstick, diese Sprache der Musik, der Instrumente. Aufregend, schön, sehr berührend und mitteilsam. Weil das Menschliche dominiert und der Allesmacher Charles Lane dabei nie seine reale Umgebung aus den Augen und aus dem Sinn verliert. Am Schluss, unter den Bettlern und Obdachlosen, kommt die Sprache wieder, und sie klingt und ist hart und unbarmherzig.

“Sidewalk Stories“ ist eine wunderbare Kino-Melodie und sehr zu empfehlen (= 4 PÖNIs).

ER ist 1961 in Omaha/Nebraska geboren und heißt Alexander Papadopoulos. Er studierte spanische Literatur und Geschichte, bevor er an die kalifornische Filmhochschule nach Los Angeles wechselte, um dort sein Diplom zu in machen. Inzwischen nennt er sich ALEXANDER PAYNE, und bereits mit seinem 3. Spielfilm erreichte er vor zwei Jahren den internationalen Durchbruch. Der Film hieß „About Schmidt“, und Jack Nicholson triumphierte darin als Rentner-Zausel, der mit seinem Wohnwagen durch das Land fährt, um Stationen seines Lebens wiederzusehen. Das neueste Film-Werk von. Alexander Payne heißt

SIDEWAYS“ von Alexander Payne (B+R; USA 2004; 126 Minuten; 3.2.2005) und kommt diese Woche in die Kinos.

Auch in seinem neuesten Film stellt Alexander Payne Durchschnittsmenschen vor, präzise: Zwei Durchschnittskumpels um die 40: Den erfolglosen Schriftsteller und Amateur-Weinkenner Miles, der sich als Englisch-Lehrer verdingt und nicht über die Scheidung seiner Ehefrau von vor 2 Jahren hinwegkommt; und Jack, einen abgebrannten TV-Serien-Schauspieler, der mit Werbespots überlebt. Der gutaussehende Jack wird in einer Woche heiraten. Miles spendiert ihm deshalb eine Art „verlängerte Junggesellen-Party“: Eine einwöchige Rundfahrt durch die kalifornischen Weingebiete von Santa Barbara. Miles möchte gerne und oft guten Wein trinken, Golf-Spielen und über die Krisen des Lebens reden. Jack dagegen will noch mal so richtig „auf die Pauke“ hauen und möglichst viele Frauen ins Bett kriegen. Der verklemmte Pessimist und der draufgängerische Banause und ihre „etwas ungleichen Interessen“.

Das ebenso simple wie komplizierte Männer-Dasein in der Lebens-Mitte. Natürlich treffen sie auf „neugierige Frauen“. Und so mündet diese vermeintlich „lockere“ Herren-Tour in einen grotesken Strudel aus Liebe, Sex und Alkohol. Und Hiebe. Drumherum: Die sonnige Kulisse Kaliforniens und eine Lawine von WEIN-Informationen.

Dieser neue Hollywood-Film „SIDEWAYS“ besitzt französischen Melancholie- Charme und menschelt auf sehr dichte, unterhaltsame Weise: Es ist faszinierend, wie Co-Autor und Regisseur Alexander Payne für seine beiden, großen Jungs in der Midlife-Krise Sympathien zu wecken weiß: Zwischen Gefühls-Chaos und Selbsterkenntnis verdienen die sich „ihren Kater“ redlich. „Sideways“ ist ein ebenso trauriger wie lustiger Film. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Rex Pickett und funktioniert großartig über die hervorragenden Darsteller aus der zweiten Hollywood-Reihe: PAUL GIAMATTI als Miles schafft, mit seinem unspektakulären Äußeren, so unangestrengt-beeindruckend den Charakter-Spagat zwischen verletzlich, erbärmlich und liebenswürdig. THOMAS HADEN CHURCH, einst selber TV-Star und heute texanischer Farmer und Independent-Regisseur, hat für seinen klugen Part als schlichter Jack soeben sogar eine „Oscar“-Nominierung bekommen.

Apropos: Mit insgesamt 5 „Oscar“-Nominierungen umarmte das Film-Amerika kürzlich diesen wunderbaren Außenseiter-Film und bestätigte: „SIDEWAYS“ ist eine Charakter-Komödie von und mit ganz feinem Geschmack (= 4 PÖNIs).

SIEBEN LEBEN“ von Gabriele Muccino (USA 2008; 123 Minuten; Start D: 08.01.2009); ist nach „Das Streben nach Glück“ (2006) die zweite Hollywood-Zusammenarbeit zwischen dem 41jährigen italienischen Regisseur und dem 41jährigen Superstar und Co-Produzenten WILL SMITH (zuletzt „I Am Legend“ + „Hancock“/derzeit mit rd. 80 Mio Dollar Gage der bestbezahlte Hollywood-Akteur). Dabei bemüht sich „Hausherr“ Smith, der mit Späßen wie den beiden „Men In Black“-Filmen populär und mit „Ali“, 2001, dem Lebenslauf-Act der Box-Legende Muhammad Ali alias Cassius Clay, anerkannt wurde („Oscar“-Nominierung), erneut auch als Charakter-Mime zu überzeugen (für „Das Streben nach Glück“ gab es für Smith bekanntlich die zweite „Oscar“-Nominierung).

Hier nun ist zunächst und lange Zeit eine „angenehme Desorientierung“ angezeigt. Wie-was-warum-wo zusammengeht, wird erfreulicherweise wie reizvoll überhaupt nicht deutlich oder klar. Nichts ist vorhersehbar, eindeutig zu identifizieren. Will Smith ist Ben Thomas vom Finanzamt. Behauptet er jedenfalls. Die anfangs mit Rückblenden arbeitende Dramaturgie erzählt von einem Mann, der offensichtlich (s)einem Trauma hinterherläuft und von Schuld zerrissen ist. Mal tobt er, wütet er herum, gibt den Choleriker, mal ist er ganz sanft und äußerst hilfsbereit. Ben Thomas vom Finanzamt hat 7 Personen ausgewählt. 7 ihm völlig fremde Menschen, denen er großzügig Hilfe anbietet. Wenn sie sich denn als „GUTE Menschen“ erweisen. Also zieht er los und testet: Eine Art privatdetektivische „Casting-Show“ für die neue Moral und Anständigkeit. Gegen Gier, Materialismus und Lüge. Der einsame Messias-Rufer im unmoralischen (USA-)Wind.

In einer charismatischen Mischung aus Sozialdrama, Thriller und dann vor allem Romanze sind die religiösen Botschafts-Motive unüberhörbar/unübersehbar. Der schwarze Heiland sucht HEUTE Vergebung/Erlösung. Von all dem Übel, das er einst fatal auslöste. Mit viel humaner, uneigennütziger Nächstenliebe. Das ist lange Zeit spannend, berührend, emotional so interessant-wacklig, mit einem unterhaltsamen Dominator Will Smith, entwickelt sich dann aber in der zweiten Filmhälfte zunehmend zur sentimentalen Religions-Fabel. Der bußfertige Sünder auf Bibelreise und sein weltlicher Herzschmerz. Mit Opfer-Karma. „Sieben Leben“ ist eine Art cool-melancholischer Hallelujah-Aufruf.
Anmerkung: Ende letzten Jahres hat Will Smith für Scientology großzügig gespendet, sich aber von Scientology distanziert (= 3 PÖNIs).

Auf diesen Film haben wir lange gewartet, und die deutsche Film-Branche auch. Denn:

DIE SIEGER“ von DOMINIK GRAF (D 1994; 130 Minuten; Start D: 22.09.1994); und der zählt hierzulande zu den wenigen respektablen, zu den wenigen interessanten Regisseuren.

Der heute 42jährige Münchner ist der Sohn des 1966 verstorbenen Schauspielers Robert Graf. 1979 machte er seinen Abschluss bei der Filmhochschule in München. Graf ist musisch begabt, spielt Klavier, Gitarre, war einige Zeit Mitglied einer Band. Und: Eine Zeitlang trat er auch als Schauspieler in Nebenrollen auf. In den 80er Jahren hat Dominik Graf, um das Handwerk von der Pike auf zu lernen, viel für das Fernsehen gearbeitet. Für die Krimi-Serien “Tatort“, “Der Fahnder“ und dann “Morlock“ schuf er spannende, aus dem Rahmen fallende Folgen. Dann aber erfüllte er sich seinen Wunschtraum und drehte Kinofilme. “Treffer“, “Tiger, Löwe, Panther“ und “Spieler“ waren beachtliche und beachtete Streifen. 1987 gelang ihm mit dem Thriller “Die Katze“ - Hauptrolle: Götz George - ein Riesen-Erfolg bei Publikum und Kritik. Dominik Graf, der sich heute eine Professorenstelle an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit Peter Lilienthal und Peter F. Bringmann teilt, schätzt das Genre-Kino, das Kino der Unterhaltung. Das allein stellt ihn bei uns schon weit über andere Kollegen. Aber: Er mag diese Form nicht pur, sondern gemischt mit anderen Genren: Zum Beispiel mit dem Melodram und mit dem Politfilm. Eine stets schwierige Balance der 12 Millionen-Mark-Produktion, die leider schiefläuft.

Autor Günter Schüttler und Regisseur Graf thematisieren die Arbeit einer Spezialeinheit der Polizei. Also ein Krimi? Die Seite 1 im Presseheft sagt: “Die Sieger“ sei ein Mystery-Film, ein Polit-Thriller, ein Polizei-Film, ein Film über Leidenschaft, ein Film über Liebe und ein Action-Film. 6 Filme in einem. Hätte da nicht erst einmal einer ausgereicht...???, fragt man sich hinterher, denn “Die Sieger“ ist entsprechend konfus. Nirgendwo richtig anhaltend, niemals sich mit einem Thema fest befassend. Immer auf dem Sprung, gleich auch noch “etwas Anderes“ miterzählen zu wollen. Kein geglückter Coup.

Fehler 1: Man wird mit den beteiligten Personen überhaupt nicht “bekannt“. Sie sind und bleiben anonyme Personen und Charaktere.
Fehler 2: Was diese Gruppe genau tut, wird nicht klar genug erklärt und sichtbar. Mal wird herumgebrüllt, mal wird leise herumgebrabbelt. Was-warum-wieso darf zusammengerätselt worden.
Fehler 3: Die Sprache. Sie ist nicht zu verstehen. Sie bleibt unverständlich. Ja, Sie haben richtig gehört: Die meiste Film-Zeit über ist nichts zu verstehen. Graf überhöht ständig den Ton, indem er andere Geräusche “live“ beimischt. So entsteht ein Kuddelmuddel von Lärm, der nur schwer zu entziffern ist und nervt. Was bei Scorsese funktioniert, laufende Musik z.B. und Dialog-darauf, gerät hier zum handwerklichen Desaster: Der Film ist einfach schlecht gemischt. Und wenn dann doch einmal etwas Rüberkommt, klingt “das“ banal und nach Papier.

Die Story um einen angeblich toten Polizisten, der als V-Mann-Gangster im Untergrund herumwuselt, ist zäh und wird dann auch noch immer wieder durch lakonische Sex-Einlagen lächerlich unterbrochen. Der Held, ein Nobody namens Herbert Knaup, ist nur 20 Minuten spannend. Dann degradieren ihn Buch und Regie zu einem reizlosen Durchschnittstypen mit nicht sehr glaubwürdigem Gerechtigkeitsfimmel. Während die zeitweiligen politischen Andeutungen und Querverbindungen plumpe Behauptung bleiben. Und das Action-Kino schließlich, das beliebte Spiel mit dem Feuer, wirkt hier nur aufgesetzt und nachgemacht: Ein bisschen Hollywood in Bavaria und Gebirge. Nur lauter Selbstzweck eben und sinnlos.

Leider also: “Die Sieger“ von Dominik Graf ist wieder einmal ein schlechter deutscher Film. Thema verfehlt, würde unter einem Aufsatz am Ende stehen. Beziehungsweise: Zuviel gewollt und deshalb nichts erreicht. Schade, aber “Die Sieger“ ist ein Flop (= 1 PÖNI)!

SIEGFRIED" von Sven Unterwaldt (D 2005; 89 Minuten; Start D: 28.07.2005); der ja neulich bereits mit seinem "Otto"-Späßen in "7 Zwerge" "zugeschlagen" hat. Hier allerdings dominiert/beherrscht Doof-Komiker TOM GERHARDT (im Kino: "Voll normaaal!", "Ballermann 6"; im Fernsehen: "Hausmeister Krause") die banal-seichte Trottel-Szenerie: Als Nibelungen-Held hat er "Schweinchen Babe" an seiner Seite und setzt seine primitiven Proll-Nummern fort.

Ein Doofer, der immer und ewig nur-doof ist und bleibt. Kein Narr oder Clown, der sich listig-lustig verändert, sondern immer nur die Standard-Ausgabe eines "Voll-Blöden"; für immer und ewig. Der bekloppte PISA-Papa sozusagen. Und wenn die Kollegenschaft drumherum in den wenigen Momenten, die denen szenisch verbleiben, um mimische/darstellerische Klassen besser sind (Michael Brandner als Adoptiv-Vater; Axel Neumann als Fährmann und selbst DAS SCHWEIN...), dann sagt das alles aus über diesen geistigen Humor-Dünnschiss, für den natürlich auch wieder Förder-, also Steuergelder (Filmförderungsanstalt / "Medienboard Berlin-Brandenburg") verschleudert wurden (= 1 PÖNI für die nette SAU).

Der amerikanische Regisseur John Carpenter hat viele gute und viele schlechte Filme gemacht. Zu den guten zählen “Assault - Anschlag bei Nacht“ bzw. “Das Ende", “Halloween -Die Nacht des Grauens“ und “Die Klapperschlange“ Mit seiner neuesten Produktion „SIE LEBEN!“ von John Carpenter (B+R; USA 1988; 93 Minuten; Start D: 04.05.1989); nähert er sich wieder besseren Zeiten, ohne ganz zu überzeugen.

“Sie leben!“ ist Orwell auf modern. Ein stämmiger Bauarbeiter kommt in Los Angeles dahinter, daß Amerika heute schon zu einem großen Personenanteil von Außerirdischen bevölkert ist. Deren Absichten und Ziele werden mit hypnotischen Signalen und Zeichen auf Plakaten, in Zeitschriften, Büchern und im Fernsehen weitergegeben. Es gilt, Gedanken zu reduzieren, Autoritäten anzuerkennen, Fragen und Kritik abzustellen, das Konsumverhalten zu fördern. Eine Sonnenbrille verhilft John Nada zu klarem Durchblick. Mit einigen Gleichgesinnten nimmt er den Kampf gegen diese Yuppie-Zombies auf.

“Sie leben!“ ist ein subversiver Gegenwarts-Western, den Carpenter allerdings viel zu grob und oberflächlich angeht und erzählt. Er schert sich weder um Charaktere noch um Hintergründe. Manchmal ist es wie in einer dieser ulkigen Action-Klamotten aus den 50igern. Entsprechend sind auch die beiden Hauptfigure ausgesucht, es sind populäre Catcher und keine Schauspieler. Ein zwiespältiges Vergnügen: “Sie leben!“ von John Carpenter (= 2 ½ PÖNIs).

“Er versucht etwas Neues. Er hat Mut. Er geht auf Dinge ein, die die Leute in seiner Musik vielleicht auf Anhieb nicht mögen. Mir ist nicht mal klar, ob ihm überhaupt bewusst ist, was beispielsweise harmonisch so abläuft. Aber was er macht, interessiert mich derzeit weit mehr als irgendeine andere Musik“. Sagt Randy Newman über ihn: Prince.

SIGN 'O' THE TIMES“ von und mit Prince (USA 1987; 85 Minuten; Start D: 17.03.1988); und ist der dritte Film von ihm. Es ist ein Konzertfilm, in dem außer dem Maestro Sheila E., Sheena Easton und Cat mitwirken sowie seine Band. Ein ‘Familienfilm‘ sozusagen, aber was für einer. Prince hat nach seinem Desaster mit “Under the Cherry Moon“ nicht lange geschmollt und gefackelt und sich wieder voll auf das konzentriert, was er am besten kann: Eine gute Show auf- und abziehen.

Der bei Konzerten in Antwerpen und Rotterdam aufgenommene Film mit seinen 14 Songs enthält zusätzliche Sequenzen aus den eigenen Studios in Minneapolis und erzählt quasi die Inhalte seiner Songs. Er wandert von einer Meditation über die Trostlosigkeit einer Welt, in der Katastrophen und soziales Elend herrschen, zu neo-psychodelischer Fantasy. Die Texte feiern einerseits das Vergnügen am puren Sex und zeigen andererseits die manchmal angenehmen, manchmal verheerenden emotionalen Konsequenzen von langjährigen Beziehungen. Prince offenbart sich als Sänger, der sowohl das unschuldige Vergnügen wie auch dauerhafte Beziehungen liebt. Und immer dabei musikalische Blicke und Verweise auf die anderen, die dunklen Seiten des Lebens.

"Sign 'o' the Times" jedenfalls ist einer der überzeugendsten, einer der aufregendsten Konzertfilme der Leinwandgeschichte. Seine Bilder, seine Musikalität, sein ‘Stoff‘ ist exotisch, sinnlich und in höchstem Maße unterhaltsam. Auch wenn man kein unbedingter Fan von Prince ist. Der Besuch im sollte daher Pflicht sein (= 5 PÖNIs).

SILENT HILL" von Christophe Gans (Kanada/FR/Japan/USA 2006; 125 Minuten; Start D: 11.05.2006); basiert auf einem Videospiel und ist eine kanadisch-französische Co-Produktion, für die der französische Schock-Spezi ("Pakt der Wölfe"/2001) den Drehbuch-Autor und "Oscar"-Preisträger Roger Avary ("Pulp Fiction") verpflichtete: Todkrankes Kind verschwindet in eine Art Parallelwelt/in den menschenverlassenen Ort Silent Hill. Zusammen mit einer Polizistin macht sich die Mutter auf, ihre Tochter wiederzufinden, wobei sie gegen Monster & Mutanten anzutreten haben.

Matt-dümmliche, unglaubwürdige Mixtur aus Horror und Science-Fiction; mit dem üblichen Aggressionspotenzial und Blut- und Zombie-Motiven; ein typischer "Wer-braucht-denn-so-etwas"-Genre-Brei (=1 PÖNI).

SILVERADO" von Lawrence Kasdan (Co-B, Pr+R; USA 1985; K: John Bailey, M: Bruce Broughton; 132 Minuten; Start BRD: 09.01.1986, DDR: 22.01.1988).

Vorhang auf. Konzertante, opernrauschartige Musikklänge. Am Fuß der blauen Berge. Die glorreichen Sieben. Butch Cassidy und Sundance Kid. Spiel mir das Lied... Der Film fängt so an, wie Western normalerweise enden: mit einer zünftigen Schießerei. Einer überlebt, indem er zwei Angreifer abmurkst. Ist er ein Schurke? Nein, denn als er ins Tageslicht tritt, zeigt sich kein stoppelbärtiges Pokerface, kein zernarbtes furchteinflößendes Haupt, sondern die sympathisch-'strahlemannsche' Standardausgabe. Ein Gesicht, das nur zu Helden passt. Und bitte schon in der nächsten Einstellung rettet dieser kühne Edelmann, der auf den Namen Emmett hört (SCOTT GLENN), in der Wüste sogleich ein fast verdurstetes Leben. Dieses hört auf Paden (KEVIN KLINE), und das ist nun eine Begegnung aus der Schublade: Wie gewinne ich einen Freund. Dem haben böse Buben nicht nur das Pferd, sondern gleich auch die Klamotten geklaut (“Auf die kann ich verzichten, nicht aber auf den Braunen"). Natürlich hat man von nun ab, mit kurzen Unterbrechungen, den gleichen Weg, das gleiche Ziel.

Wie in den besseren Western wird auch hier nicht viel gesprochen (sonst wäre ja wohl auch der Film sehr viel früher zu Ende), dafür ersetzen Andeutungen und Gesten, Wortfetzen und rituale Bewegungen die ausbleibenden Erklärungen. Und wenn die so interessant eingesetzt sind wie hier, setzt dann bald schon dieses erhabene Western-Gefühl ein. Die erste Neugier ist gestillt, die Beteiligten sind kurz vorgestellt, die Gegend mit ihren wunderschönen Landschaftsmotiven ausgeleuchtet, die Ouvertüre hat funktioniert und neugierig gemacht. Gut und Böse sind sorgsam unterschieden, man kommt so langsam rein in das gute, alte Western-Abenteuer. Gary Cooper und John Wayne lassen grüßen. Denn die wurden auch nie sehr freundlich in einer fremden Stadt aufgenommen. "Ich dulde etwas Derartiges nicht. Es ist nicht gut für den Frieden wie für die Möbel“, heißt der Willkommensgruß des Sheriffs von Turley (‘Monty Python‘ JOHN CLEESE), einer Zwischenstation, bei der sich ein Dritter, ein Schwarzer, Mal (DANNY GLOVER), zu Emmett und Paden gesellt.

In der Stadt treffen sie auf Stella, die außergewöhnlichste und aufregendste Barfrau sein, die je in einem Western auftrat. Sie wird von der “Oscar“-Preisträgerin Linda Hunt (“Ein Jahr in der Hölle“) so gespielt, als wäre sie geradewegs kurz mal aus einem Woody Allen-Coup ausgebüchst. So klug, so herzerwärmend-intellektuell, so schön wie diese wunderbare 145 Zentimeter große Lady war noch keine Thekenfrau im Wilden Westen. Kein Wunder, dass Faden sich bei ihr so wohlfühlt. “Die Welt ist das, was man aus ihr macht“, ist einer ihrer Ratschläge, und das hört und sieht sich dann auch in der Tat bisweilen so an, als seien hier Heroen der New Yorker Bühnen für einen Moment von ihrem geistigen Sockel gestiegen und in andere Klamotten geschlüpft, uni mal auszuprobieren, wie das so läuft, wenn man mal Broadway-Staub mit Hollywood-Sand vertauscht. Und so wird dieser Western dann auch auf einer zweiten Ebene zu einem vergnüglich-ironischen, doppeldeutigen “zugereisten“ Western-Spiel von Erwachsenen, die sich benehmen, als müssten sie einiges aus ihrer Kinderphase noch einmal aufleben lassen. "Ich wollte schon immer einen Western machen", bestätigt dann auch Lawrence Kasdan, der als Co-Autor von “Jäger des verlorenen Schatzes“ und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" sowie als Autor und Regisseur von “Eine heißkalte Frau“ und “Der große Frust" auch hierzulande bekannt wurde, und fährt fort: “Als Kind bedeuteten Western sehr viel für mich. Insofern ist mein Film auch ein Versuch, zu dem zurückzukehren, was mich begeisterte, als ich zwölf Jahre alt war“.

Die Rückkehr zu dem Kindheitstraum von Lawrence Kasdan erweist sich als voll gelungener "Versuch". Er beinhaltet alle klassischen Elemente die einen guten Western ausmachen und unterhält darüber hinaus aufs Feinste. Die Top-Besetzung rundet das Vergnügen ab (= 4 PÖNIs).

SILVER LININGS" von David O. Russell (B+R; USA 2012; K: Masanobu Takayanagi; M: Dany Elfman; 120 Minuten; Start D: 03.01.2013); basiert auf dem Debütroman "Silver Linings Playbook" (= auch Originalfilmtitel) von Matthew Quick aus dem Jahr 2008 und lässt uns amüsant raten - was und wer ist VERRÜCKT? Beziehungsweise umgekehrt: Was und wer ist eigentlich "normal"??? Und man könnte diese kleine feine große Komödienperle auch gut und gern damit umschreiben: Im Amiland USA sind eigentlich viele SO. Also so oder so.

Der am 20. August 1958 in New York City geborene Produzent, Drehbuch-Autor und Regisseur DAVID O. (= Owen) RUSSELL hat bisher nicht viele Kinofilme fertiggestellt, doch seine bisherigen 5 Spielfilme haben gereicht, ihn nicht nur "zur Notiz" zu nehmen, sondern ihn auch als ungewöhnlichen Figuren-"Hersteller" mit viel doppelbödigem, pointiertem Ideen-Potenzial kennen- und schätzen zu lernen. Ob Ben Stiller bei seiner Road Movie-Odyssee und Eltern-Suche im Debütstreich "Flirting with Desaster - Ein Unheil kommt selten allein" (1996); ob George Clooney, Mark Wahlberg und Ice Cube als ungleiches Soldaten-Trio in "Three Kings" auf "komische" Schatzsuche im Irak (1999); ob Dustin Hoffman & Lily Tomlin als "existenzialistische Detektive" Bernard und Vivian in "I Heart Huckabees" (2004) oder ob zuletzt Mark Wahlberg und der mit einem Nebendarsteller-"Oscar" belobigte Christian Bale in dem Familien- und Boxer-Drama "The Fighter" (2010), immer ging es um, sagen wir mal, vergleichsweise spannend-"eigenwillige" Menschen, deren Existenzen "anders", geradezu "gegen-bürgerlich" verlaufen. Ohne dabei sonderlich erfunden, fiktiv zu erscheinen. Ganz im Gegenteil - mit eben dem hintergründigen Gedanken- und Betrachtungsansatz vom So-Dasein oder vom SO-Existieren.

Pat Solatano (BRADLEY COOPER, auch Mit-Produzent) scheint "out" zu sein. Kommt "mühselig" nach acht Monaten Psychiatrie aus der Anstalt. Hat wegen seines Ausrasters damals alles verloren. Lehrer-Job, Haus & Ehefrau. Oder umgekehrt. Muß wieder zu seinen auch "etwas eigenartigen" Eltern ziehen (ROBERT DE NIRO & JACKI WEAVER). Hatte damals den Liebhaber seiner Ehefrau unter der Dusche "ein bißchen zu kräftig" vermöbelt. Pat und sein Jäh-Zorn. Gerichtlich waren mindestens 8 Monate "moralischer Feinschliff" in der "Klapse" verordnet, jetzt holt ihn seine Mutter - gegen den Willen der Mediziner - unter Berufung auf die gerichtliche Zeitauflage heraus. Während Pat auf nunmehr "positive Lebensgedanken" setzt, setzen will, aber seine Gemütswallungen und Aggressionsschübe längst nicht unter totaler Kontrolle hat, schon gar nicht bei der Lektüre von Hemingway, zum Beispiel, freut sich sein zutiefst ultra-abergläubischer Neurosen-Vater auf sein Erscheinen. Wünscht er sich doch nichts Sehnlicheres, als dass sein "Bengel" mit ihm auf dem Sofa sitzt, um die Football-Spiele der heißgeliebten Philadelphia Eagles im Fernsehen anzuschauen. Schließlich bringt DAS, also ER, also Pat = Glück. Schließlich wettet (und verwettet) der Alte gerne und viel auf DIE. Doch Pat möchte irgendwie wieder "normal" werden. Möchte aus seinem Kinderzimmer schnellst möglichst wie endgültig 'raus, um sich in die "normale Gesellschaft" erfolgreich wieder einzugliedern. Und begegnet "dabei" ausgerechnet der traumatisierten attraktiven Witwe Tiffany (JENNIFER LAWRENCE). DIE ist auch "nicht ohne". Also nicht gerade zimperlich. In beinahe ALLEM. Was sie denkt und tut. Beschreiben wir sie einmal so - ähnlich wie Pat, also auch ziemlich "unkonventionell". Hat schon so einiges "abbekommen". Vom Leben. Ist und wirkt also reichlich unberechenbar und aufmüpfig "unnormal". Man rauft sich. Mal viel, mal weniger. Aber nicht zusammen. Denn: Tiffany soll ihm helfen, seine Ex-Frau zurückzugewinnen, und sie akzeptiert. Wenn er mit ihr bei einem Tanz-Turnier mitmacht. Bei einem Wohltätigkeitsball. Er und tanzen. So hüftsteif und ungelenk er doch ist. Doch ein Deal ist ein Deal. Die bewegungsaktive Performance startet. Mit einigen schrägen "Abweichungen". Sowie kessen Detail-Pointen.

Irgendwie sind wir doch alle - jeder auf seine eigene, originelle, typische Weise - etwas oder mehr bekloppt. Wenn wir uns mal "ehrlich" gegenseitig betrachten. Davon erzählt dieser eigenwillige, ungewöhnliche satirisch-witzige Beziehungs-Film. Blickt auf zunächst "sonderbare" Spezies von Menschen, bis dann klar wird - DIE sind GENAUSO "behämmert" und sympathisch wie WIR. Na ja, vielleicht als "Amis" ein bisschen doch (gerade) "doller" "gedetscht" wie wir, aber durchaus identifizierbar. Ulkig. Übernehmbar. Wenn man beispielsweise auf so manche Bekannte und Familien blickt. Auf dortige Situationen, Vorkommnisse, Begebenheiten, abgefahrene Ereignisse. Ein lustiger trauriger Film. Ein trauriger lustiger Film. Ganz wie man ihn dreht. Und betrachtet. Und be-denkt. "Silver Lininings" gelingt die leichte wie ernst Mischung. Zwischen Krank-Sein und Gesundsein-Wollen. Zwischen Lächeln und Grübeln. Zwischen Aufbrausen und Berühren.

BRADLEY COOPER, 37, seit "Hangover" ein Star, manövriert sich geschickt in die Zwischenrolle von verzweifeltem Loser und sensiblem Kraftkerl. Die 22jährige Kentucky-Lady JENNIFER LAWRENCE bleibt seit "Winter's Bone" (2010) unvergessen und gibt hier ihrem zerstörerischen inneren Affen Tiffany prächtig Futter. Zunder.

"SILVER LININGS", also Silberstreifen am Horizont, wurde kürzlich für vier "Golden Globes" nominiert, in den Kategorien Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Darstellerin, Bester Darsteller. Der Weg zu "Oscar"-Nominierungen 2013 ist somit geebnet. Zu Recht, der Film ist ein schönes Stück an sinn-gagigem Kunst-Vergnügen (= 4 PÖNIs).

DIE SIMPSONS - DER FILM" von David Silverman (USA 2007; 87 Minuten; Start D: 26.07.2007); das ist der erste Zeichentrick-/Animationsfilm zur Trickserien-Legende. Das Drehbuch schrieben elf der Autoren der TV-Serie (darunter "Oscar"-Preisträger James L. Brooks/"Zeit der Zärtlichkeit"/"Besser geht´s nicht") sowie Erfinder MATT GROENING; Regisseur Silverman ist ein früherer Regisseur der Fernsehserie.

DIE SIMPSONS: Sie tauchten bekanntlich erstmals am 19. April 1987 als Kurzfilm in der "Tracy-Ullman-Show" auf. Zunächst wurden ab 1988 in dieser Show dann 30-60 Sekunden lange Kurzfilme der Simpsons gesendet. Aufgrund der Großen Resonanz wurde die Produktion einer Halbstunden-Sendung in Auftrag gegeben. Am 17. Dezember 1989 schließlich lief die 1. Folge der Serie beim US-amerikanischen TV-Sender "Fox". Heute ist die Serie die am längsten laufende US-Zeichentrickserie überhaupt und fand Eintrag im "Guinness-Buch der Rekorde"; am 20. Mai 2007 wurde in den USA auf "Fox Network" die 400. Episode ausgestrahlt. Hierzulande wurde die Serie ab dem 13. September 1991 gesendet, und zwar bis 1992 im ZDF, danach, ab 1994 bis heute, bei "ProSieben".

Die Familie Simpsons oder: Der familiäre "Müllhaufen Amerikas". Man lebt in (der fiktiven Stadt) Springfield (742, Evergreen Terrace), einer der häufigsten Ortsnamen der USA. Die bunte Linkshänder-Family, mit der gelben Hautfarbe und den jeweils nur 4 Fingern an jeder Hand, führt Papa-Oberhaupt Homer J. Simpson an. Der Ehemann von Marge und Vater von Bart (10), Lisa (8) und Maggie (1) ist zwischen 36 + 39 Jahre alt und arbeitet im Springfielder Atomkraftwerk als Sicherheitsinspektor im "Sektor 7 G", obwohl er keinerlei Qualifikation oder Fähigkeiten oder Interesse für diesen Beruf besitzt.

Die Serie teilt sich auf in frechen Comic- Elementen von Komödie und Slapstick, setzt gerne auf Running-Gags, besitzt sowohl KINDLICHEN wie ABSURDEN wie (vor allem) ZERSTÖRERISCHEN, also anarchistischen (Brachial-) Humor: Die Hauptsache in der Show ist die ständige Brechung von Erwartungshaltungen. "Die Simpsons", das bedeutet eine ständige/permanente Abrechnung mit dem "American Way Of Life" und den Idealen des "American Dreams". Die TV-Folgen stecken voller Dauer-Anspielungen und sind gespickt mit urigen Anspielungen auf die Alltagskultur in den USA. Als da wären, die ihr prächtiges Häme-Fett abkriegen: Fitness-Gurus, religiöse Eiferer, Waffennarren, Gott, Promis, Konsumverrückte, Fernsehjunkies, Fast-Food-Opfer, Fortschrittsgläubige, Spießer, Radikalfeministen und dergleichen viele mehr.

Und nun also der heiß erwartete 87 Minuten-Leinwand-Joke. Natürlich geht es bei den Simpsons wieder ums FRESSEN, FERNSEHEN, PFUSCHEN. Homer, weiterhin ausgestattet mit dem Hirn einer Amöbe, ist natürlich wieder mit sich selbst im Reinen, ist ein glücklicher Vollidiot. Der Donuts im Grunde mehr mag als seine Sippe, und weil er es diesbezüglich besonders eilig hat, löst er Zuhause eine Umweltkatastrophe aus: Kippt den Gülle-Silo aus seinem Vorgarten schnell mal in den See. Aus Lake Springfield wird/entsteht eine Kloake. So dass die Umweltbehörde "zur Sicherheit" eine Riesen-Käseglocke über die Stadt stülpt. Daraufhin können die Simpsons nur mit knapper Not einem wütenden Lynchmob entkommen und fliehen nach Alaska. Während radikale Politiker um den Präsidenten Arnold Schwarzenegger die radikale Stadt-Entsorgung des "amerikanischen Schandflecks" Springfield planen, kehrt die Familie zur Rettung zurück.

"Simpsons - Der Film" ist ein herrlich-komisch-subversive Anarcho- Dauer-Vergnügen. Eine Art Nummernrevue mit vielen kess-knackigen Pointen. Der unschlagbare Wortwitz, die WIRKLICH bissige Ironie sowie die vielen wunderbar-WAHNSINNIGEN Gedanken, Ideen, Einfälle und Anspielungen, z.B. auf die eigenen Serien-Vergangenheit, sorgen schlichtweg für VIEL SPAß!!!! Jetzt also auch auf der Leinwand: Der Trick-Irrsinn, in den sich auch einmal kurz sogar TOM HANKS verirrt, läuft einmal mehr zu Höchstform auf. Übrigens: Mit der (seit 2006 neuen)Marge-Synchronstimme von ANKE ENGELKE (Serien-Synchron-Vorgängerin Elisabeth Volkmann starb bekanntlich im Vorjahr), während Homer natürlich mit seiner bewährten/bekannten/TYPISCHEN deutschen Stimme von NORBERT GASTELL ausgestattet wurde; prima (= 4 PÖNIs).

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