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Filmtitel von Toa - Toj

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

DAS TODESSPIEL“ von Buddy Van Horn (USA 1988; 91Minuten; Start D: 19.01.1989) Eigentlich wollte Clint Eastwood den Typen ja nicht mehr spielen. Aber er brauchte Geld, um seinen eigenen Film “Bird“ finanzieren zu können. Deshalb schlüpfte er zum fünften Male in die Figur des wortkargen und dafür schiesswütigen Polizei-Inspektors Harry Callahan, auch “Dirty Harry“ genannt.

Diesmal hat er es mit einer ominösen Mordserie in San Franzisco zu tun, die im Künstler-Milieu für Angst und Schrecken sorgt. Die Spur führt zu einem exzentrischen Horrorfilmregisseur, der aus reinem Spaß eine Liste mit Todeskandidaten anfertigte. Und siehe da, diese werden nun auch systematisch umgebracht. Aber d i e s e r Verdächtige, das wäre zu einfach. Auf der anderen Seite hat Harry Callahan auch gegen die Aufdringlichkeit der Medien zu kämpfen, die sich mehr und mehr um seine Arbeit kümmern. Eine hartnäckige Fernsehreporterin allerdings wird zur Vertrauten - und Gefährdeten. Denn Harry selbst taucht mittenmal auf dieser Liste auf. Also setzt er sich mal wieder über Vorgesetzten-Geschwätz und -Vorwürfe und über die Legalität hinweg, um schließlich in einem richtigen Showdown den wahren Mörder und Irren zu stellen und zu vernichten.

Man merkt dem 5. “Dirty Harry“-Film an, dass er nur mit lustloser Routine von Clint Eastwood durchgestanden wurde. Das Bemerkenswerteste ist eine neue Art von Verfolgungsjagd. Per ferngesteuertes Mini-Auto mit Zeitzünder bombe. Da kommt selbst Eastwood-Harry ins Staunen und Schwitzen. 10 Minuten, die als originelle Idee in die Filmgeschichte eingehen werden. Ansonsten aber ist “Das Todesspiel“, Regie: Buddy Van Horn, nur lustloses, spannungsloses Routine-Krimi-Kino (= 2 PÖNIs).

TODESZUG NACH YUMA" von James Mangold (USA 2007; 122 Minuten; Start D: 13.12.2007).

Der 43jährige New Yorker Drehbuch-Autor und Regisseur zählt dank Filmen wie "Cop Land" (1997/mit einem überragenden Sylvester Stallone); "Durchgeknallt" (Nebendarsteller-"Oscar" für Angelina Jolie) und vor allen Dingen durch das Johnny-Cash-Biopic "Walk The Line" (River Phoenix/"Oscar" für Reese Whiterspoon) zu den "oberen Regie-Talenten" Hollywoods. Hier adaptiert er einen Schwarz-Weiß- Hollywood-Western-Klassiker aus dem Jahr 1957: "3:10 To Yuma" von Delmer Daves (mit Glenn Ford/Van Heflin); deutscher Kinotitel: "Zähle bis drei und bete". Das Lexikon des Internationalen Films urteilt begeistert: "Perfekt inszenierter und ausgezeichnet gespielter Western, mit differenzierter Charakterzeichnung". Basierend auf der gleichnamigen (1953 veröffentlichten) Kurzgeschichte von ELMORE LEONARD entwickeln die beiden Drehbuch-Autoren Michael Brandt und Derek Haas sowie Regie-Fuchs Mangold heute erneut einen exzellenten Psycho-Western, in dem sich Moral und Gesetzlosigkeit ein tückisches Gefecht liefern.

Farmer Dan Evans, ein ehemaliger Elite-Soldat, steht vor dem Ruin. Der aufrechte Mann ist verschuldet, soll mit Frau und Sohn seine Farm verlassen. Eine (Überlebens-)Chance bietet ein Deal: Wenn er - mit ein paar Getreuen, darunter Pinkerton-Detektive - einen gefürchteten und endlich gefangen genommenen Banditen zur entlegenen Bahnstation bringt, wo dieser dann ins Staatsgefängnis gebracht werden soll, bekommt er 200 Dollar Belohnung. Dan Evans ist einverstanden, obwohl es sich bei dem Outlaw um den ebenso charismatischen wie mörderischen Ben Wade handelt. Dessen Bande natürlich nichts unversucht lässt, ihren Boss auf dem Weg zum Bahnhof zu befreien.

Die starke Folge: Ein schnörkelloser, raffinierter und dauer-spannender Western. Mit vielen aufregenden Motiven, Situationen, Figuren. Zugleich entwickelt sich hier eine vielschichtige Charakter-Studie, mit exzellenter Besetzung und einem packenden Action-Finale. Moral-Motto: "Lässt du dich, bei all deinen Sorgen + Nöten, von einem abgefeimten Schurken bestechen oder hältst du, trotz aller Widrigkeiten, an deinen Werten fest und lieferst IHN dem Gesetz aus? Falls du dazu/falls ES DAZU überhaupt kommt?" Die letztlich "12 Uhr mittags"-(Feigheit-)Situation ebenso wie die Vorwegnahme der Italo-Western-Atmo: Niemand ist NUR-gut, niemand ist aber auch NUR grund-schlecht. Halt, bis auf den aufregendsten Neben-Akteur der letzten Zeit: Der bis dato ziemlich unbekannte BEN FOSTER (gerade im Horror-Thriller: "30 Days of Night") spielt den treuen Banditen-Komplizen Charlie Prince mit einer solchen (= geradezu wunderbar schaurig-gruseligen) Intensität, dass man glaubt, der sadistisch-kaltblütige Filmschurke KLAUS KINSKI ("Leichen pflastern seinen Weg") sei wiederauferstanden.

Dabei hat er ebenso hochkarätige wie vorzügliche HAUPTakteure um sich: "Oscar"-Star RUSSELL CROWE ("Gladiator"/noch mit "American Gangster" im aktuellen Programm) gibt dem Ober-Schurken Wade ein prächtig differenziertes Charisma/einen hochspannenden Charakter; Multi-Talent CHRISTIAN BALE ("American Psycho"; "Batman Begins"; "Prestige - Die Meister der Magie") verleiht seinem wacklig-"edlen", in jeder Hinsicht verletzten Farmer tiefe Dichte und Glaubwürdigkeit, kommt als gequälter Seelen-Typ aufregend-überzeugend ´rüber. Zwei phantastische Duell-"Brüder", in einem GROSSARTIGEN, modernen Western. Auch hier: Tolles Genre-/klasse Unterhaltungskino in Augenschmaus-Cinemascope. Dass in einem weiteren pikanten Nebenpart/auf einem weiteren atmosphärischen Typen-Schauplatz auch der souveräne Old-Boy PETER FONDA mit von der zynischen Jagd ist, darf nicht unerwähnt bleiben, auch er läuft kurz zu Höchstform auf.

Also: DER WESTERN LEBT, UND WIE!!! (= 4 PÖNIs).

Hollywood, das ist für viele Filmemacher d e r große Traum. Auch für viele deutsche. Doch die wenigsten, schaffen den großen Sprung “nach drüben“. Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Carl Schenkel versuchen sich dort ab und zu und jetzt auch Wolfgang Petersen.

Der heute 50jährige begann seine Film-Karriere hier in Berlin, an der Film- und Fernsehakademie. Nach dem dortigen Studium entstanden Filme wie “Einer von uns beiden“, mit seinem Lieblingsschauspieler Jürgen Prochnow, und “Die Konsequenz“, der auf ebenso eindrucksvolle wie damals provozierende Weise das Tabu-Thema ‘Homosexualität‘ behandelte. Im Fernsehen, innerhalb der ARD-Reihe “Tatort“, schuf Petersen dann den legendären Krimi “Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski. Zwischen 1979 und 1981 aber inszenierte er d e n Film, mit dem er weltberühmt werden sollte: “Das Boot“. Danach war Hollywood näher gerückt. Erst wurden hier noch “Die unendliche Geschichte“ und “Enemy Mine - Geliebter Feind“ gedreht, dann ging es ab nach Los Angeles. Doch es dauerte noch einige Jahre, bis nun endlich auch der erste Hollywood-Film fertiggestellt war: „TOD IM SPIEGEL“ von Wolfgang Petersen (USA 1991; 98 Minuten; Start D: 21.11.1991).

Der basiert auf einem Roman von Richard Neely und nähert sich der Seelen-Spannung eines Alfred Hitchcock. Es geht um ein Ehepaar: Dan (TOM BERENGER)und Judith (GRETA SCACCHI). Die hatten einen fürchterlichen Autounfall. Während sie mit leichten Verletzungen davonkam, dauert es bei ihm lange, bevor er wieder zusammengeflickt ist. Und: Er hat sein Gedächtnis verloren. Kann sich an nichts mehr erinnern, muss wieder ganz von vorn anfangen. Muss viele Fragen stellen, deren Antworten nicht immer sehr angenehm sind. Denn dabei kommen “Wahrheiten“ zutage, die ihn mehr und mehr erschrecken. Von Jenny zum Beispiel, der Frau seines Kompagnons. Und Gus taucht auf, Gus Klein (BOB HOSKINS). Der ist Tierhändler und Privatdetektjv in einer Person. Der sorgt für weitere Überraschungen und Rätsel. Beide geraten immer tiefer in den Schlamassel.

Die Seele von “Tod im Spiegel“ ist weniger die bekannte Story, sondern mehr das “Wie“. Wie sich das Puzzle zusammenfügt, wie mit Figuren umgegangen wird, wie diese wie Schachfiguren gesetzt und bewegt werden, wie die Szenen zu- und gegeneinander montiert sind. Wie bei Hitchcock ist die musikalische Dramaturgie von wesentlichem Ausdruck. Und überhaupt Hitchock: Petersen zitiert den Meister des Öfteren und gerne. Manchmal fühlt man sich in die Spannungszeiten zurückversetzt, als die Helden noch Cary Grant und Grace Kelly oder James Stewart und Kirn Novak hießen. Hier überzeugen Tom Berenger, Greta Scacchi und vor allem der urige Bob Hoskins als tierischer Schnüffler.

Eine solide, sehr spannende und atmosphärische Psycho-Krimi-Arbeit: “Tod im Spiegel“ von Wolfgang Petersen (= 3 ½ PÖNIs).

TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG" von SIDNEY LUMET (USA 2007; 117 Minuten; Start D: 10.04.2008); ein deutscher Allerweltstitel, der aber "Programm" ist, also (inhaltlich) stimmt. Der Originaltitel ist aber auch "nicht ohne": "Before The Devil Knows You´re Dead"; basierend auf einem irischen Trinkspruch, der da sinngemäß lautet: WIR SIND ALLE SÜNDER. UND ALS SÜNDER SOLLTE MAN SCHON IM HIMMEL ANGEKOMMEN SEIN, BEVOR DER TEUFEL MERKT, Dass MAN TOT IST!" Das Drehbuch stammt von KELLY MASTERSON, einer Theater- und Drehbuch-Autorin aus New Jersey; dies hier ist ihr 1. ORIGINAL-Drehbuch. Der Regisseur ist ein Altmeister aus Hollywood, der 2005 den "Oscar" für "sein Lebenswerk" bekommen hat: Sidney Lumet, Jahrgang ´1924, also mit 83 Jahren einer der ältesten aktiven Filmemacher in den USA ist. Dessen Bestenliste Klassefilme umfaßt wie "Die 12 Geschworenen" (1957/"Goldener Berlinale Bär"); "Ein Haufen toller Hunde" (1965); "Der Anderson Clan" (1971/mit Sean Connery); "Serpico" (1973/Al Pacino); "Mord im Orient-Expreß" (1974/Albert Finney); "Hundstage" (1975/Al Pacino); "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" (1982/Paul Newman); "Family Business" (1989/Sean Connery/Dustin Hoffman); "Der Manchurian Kandidat" (2004 mit Meryl Streep) und zuletzt "Find Me Guilty" (Berlinale 2006/Vin Diesel), der hierzulande unlängst mit dem deutschen Zusatztitel "Der Mafiaprozess" als DVD herauskam.

Eigentlich ist ALLES gar nicht so schlimm…geplant. DA ist dieses kleine Juweliergeschäft am Stadtrand. Mit der älteren Verkäuferin. Maske aufsetzen, rein, SIE ein wenig einschüchtern, das Glitzerzeugs und die Dollars greifen, ´raus, und weg. Das ist es. DIE sind versichert, es gibt keine Opfer und eigentlich auch keine Verlierer. EIGENTLICH. ANDY Hanson ist ein erfolgreicher Unternehmensberater. Der viel Geld verdient, aber auch ständig ausgibt. Und noch mehr für seinen kostspieligen Lebensstil (Drogen/junge Ehefrau/Reisen) benötigt. Bruder HANK ist notorisch blank, auch nicht ganz "so helle", der geborene Loser, kann kaum die Unterhaltszahlungen für seine Tochter aufbringen. Der Überfall als Hoffnung auf kommende, fortwährende paradiesische Privatverhältnisse. Das Problem: Bei dem Juweliergeschäft handelt es sich um das Geschäft der eigenen ELTERN. Aber wie gesagt, es ist ja alles "felsenfest" geplant. Doch dann befindet sich nicht die alte Verkäuferin im Laden, sondern die Mama. Und die denkt gar nicht daran, klein beizugeben. Wehrt sich. Die schreckliche Folge: 2 Tote. Und der ganze schöne Coup entwickelt sich fortan immer mehr zum Alptraum-danach bzw. -drumherum.

Ein außergewöhnlicher, ein ganz exzellenter, ein brillanter Thriller. Als Familien-Drama, das immer und immer und immer böser wird, aus dem Ruder läuft in Sachen Ausloten der MENSCHLICHEN ABGRÜNDE. Lumet inszeniert SHAKESPEARE. Der Königshof ist die Familie, der wütende Vater tritt als Rache-Patriarch auf, dessen Schmerz über den Verlust der Frau ihn wahnsinnig-wütend ausflippen läßt. Nicht wissend, dass er die eigenen Söhne jagt. Dabei geht es hier um vergleichsweise "normale Menschen", aus der weißen amerikanischen Mittelschicht. Also handelt es sich hier weder die "geborenen Kriminellen" mit ihrer ständigen, elektrisierenden kriminellen Energie noch um die "typischen Kinoschurken", denen man ihre Hässlichkeit bereits von weitem ansieht. "Menschen wie du und ich" verstricken sich durch Gier in eine unaufhörliche und nicht mehr zu bremsende SPIRALE DES VERDERBENS. Mit viel "Dr. Jekyll/Mr. Hyde"-Geschmack aus der Wohlstandsecke.

Das kommt außerordentlich spannend, grausam-aufregend, hochgradig atmosphärisch und psychologisch stimmig wie stimmungsvoll `rüber: Menschen, die sich nicht mehr unter Kontrolle haben; die ihr moralisches Schutzschild völlig zerstören, die den Teufel in sich "gewähren" lassen (müssen). Natürlich funktioniert der Film deshalb so überzeugend, weil die Akteure so überragend mitwirken: Der geniale und innerhalb kürzester Zeit bereits zum zweiten Male so wunderbar zu erlebende, zu bestaunende 41jährige "Oscar"-Preisträger PHILIP SEYMOUR HOFFMAN ("Capote"/2006 + zuletzt "Der Krieg des Charlie Wilson") beweist erneut seine darstellerische Ausnahme-Qualität in Sachen Ausdruck: ER ist in Körpersprache, Mimik, Bewegung, Sprache ein überragendes, ein geradezu phänomenales Naturtalent; für mich ist Hoffman inzwischen DER ORSON WELLES der Gegenwart.

An seiner Seite beeindrucken und laufen ebenfalls zur spielerischen Höchstform auf: ETHAN HAWKE ("Oscar"-Nominierung als Denzel-Washington-Partner in "Training Day"/2001; "Before Sunset" + "Before Sunrise"/2004 bzw. 1995) als schwacher Bruder Andy sowie der "König der Felsen-Seele" ALBERT FINNEY (Julia Roberts Anwalt-Chef in "Erin Brockovich") als Vater, Witwer und Rache-Satan. WIE das hier zusammengefügt, erklärt, erzählt, erdacht wird, besitzt brillante Thriller-Seelen-Klasse; ist durchweg spannungsgeladen wie kraftvoll und faszinierend.

"Tödliche Entscheidung" zählt zu den BESTEN, zu den Muss-Filmen in dieser Kino-Saison!!!!! (= 5 PÖNIs).

In „TÖDLICHE FRAGEN“ von Altmeister Sidney Lumet (USA 1990; 132 Minuten; Start D: 06.09.1990); geht es um das ewige Duell Gut gegen Böse. Aber: Es findet diesmal vor allem innerhalb der Reihen der Polizei von New York statt. In der sich der bullige Cop Mike Brennan längst eigene illegale Wege und Mittel hat einfallen lassen, um seinen Anteil vorn anrüchig gewordenen “American Way of Life“ zu bekommen.

Mike Brennan ist fies, brutal, rassistisch und gilt als der beste Beamte im Stall. Als der junge Staatsanwalt Al Reily versucht, gegen ihn zu ermitteln, tritt er gegen eine BürokratenMauer und einen verseuchten Apparat von Gewalt, Machtbesessenheit und Dollar-Gier an. Eine Weile lässt man ihn ermitteln, um den liberalen Anschein eines Rechtsstaats zu wahren, dann fängt die Geschichte offiziell an zu stinken. Wird zu groß und gefährlich, um weiter verfolgt zu werden. Reily wird zur Kapitulation gezwungen, die schmutzigen Geschäfte von Polizei und Politik gehen unangefochten weiter.

Der, der so etwas spannend erzählt, ist 66 Jahre alt und macht schon seit über 50 Jahre Filme. Gute Filme wie “Die 12 Geschworenen“, “Network“ oder “Daniel“. Alles Star und Spannungsfilme, bei denen auch das gesellschaftliche und politische Umfeld eine bedeutsame Rolle spielt. In “Tödliche Fragen“ von Sidney Lumet spielt NICK NOLTE laut, brutal und Überzeugend den “Dirty Mike". TIMOTHY HUTTON versucht als junger, engagierter Anwalt lange dagegenzuhalten. Vergeblich. Schon das erste Gespräch mit dem Oberstaatsanwalt, PATRICK O‘NEAL mal wieder in einer glanzvollen Schmuddelrolle, gibt den zweideutigen Ton des Films wieder.

Ein raffinierter, brutaler, konsequenter Kriminalfilm, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Edwin Torres, einem ehemaligen Bezirksstaatsanwalt in New York. Ein Krimi, der in die verrotteten Seelen von Kriminellen aller Schichten eintaucht und dabei schmutzige Entdeckungen macht. "Tödliche Fragen" ist ein exzellenter Thriller, der Übelkeit hervorruft (= 4 PÖNIs).

TÖDLICHE GEDANKEN“ von Alan Rudolph (USA 1991; 102 Minuten; Start D: 19.09.1991).

Der unabhängige amerikanische Autor und Regisseur hat einen spannenden Psycho-Thriller geschaffen. Doch in der Story um die Dauer-Freundschaft zweier Frauen geht es nicht so sehr um die äußeren, sondern vielmehr um die inneren Aktionen. Wie schon in seinen Filmen “The Moderns“ oder neulich “Die Liebe eines Detektivs“ geht es auch hier um die aufregenden Komplikationen zwischenmenschlicher Gefühlsirrungen. Ein Mord an dem Ehemann der einen Frau wird zur großen Bewährungsprobe, aber auch zum verhängnisvollen Schicksal für beide.

“Tödliche Gedanken“, mit dem Ehepaar DEMI MOORE, BRUCE WILLIS sowie GLENNE HEADLEY und HARVEY KEITEL glänzend besetzt, ist ein kopflastiges Spannungsspiel (= 4 PÖNIs).

TÖDLICHES KOMMANDO“ von Kathryn Bigelow (USA 2008; 124 Minuten; Start D: 13.08.2009); weibliche Action-Regisseure sind rar, die 57jährige Kalifornierin aber hat sich im Laufe der Jahre mit keineswegs zimperlichen Genre-Filmen wie „Blue Steel“, „Gefährliche Brandung“ oder „K-19 – Showdown in der Tiefe“ durchgesetzt. Ihr neuer Film, im Vorjahr im Wettbewerb beim Venedig-Festival mit-dabei, zählt zu ihren härtesten.

Es ist ein Kriegsfilm-Thriller über eine US-Elite-Einheit im Irak-Krieg. Konsequent aus der Perspektive einfacher Soldaten betrachtet, erzählt er vom gefährlichen, lebensbedrohenden Alltag einer Bombenentschärfungseinheit der US-Armee. Deren Männer tagaus, tagein Teil eines mörderischen Pokers zu sein scheinen, bei dem es darum geht, festzustellen, wer „cleverer“ ist: Der terroristische Bombenbauer oder der „demokratische“ Soldat. Dabei wird die „traumatisierte“ wie elektrisierte Nerven-Welt der Hieran-Beteiligten fast körperlich spürbar, man kann Angst förmlich „riechen“. Dabei geht es aber überhaupt nicht um Gute, Böse oder Helden, sondern um die puren, üblen Fakten und die ständige Aussicht, getötet zu werden.

Ein Film, der wirklich UNTER DIE HAUT geht und wüst an die Birne knallt. Und: Tatsächlich scheint der Film mit viel (mehr) Realitätsanspruch ausgestattet zu sein als sonst, denn der Drehbuch-Autor MARK BOAL hat sich dies hier nicht nur ausgedacht. Der Journalist, der für „Playboy“ und „Rolling Stone“ schreibt und auf dessen Kurzgeschichte das Kriegsdrama „Im Tal von Elah“ basierte (2007/mit Tommy Lee Jones), war eine zeitlang mit einem amerikanischen Bombenräumdienst im Irak unterwegs; seine Erlebnisse bilden die Grundlage für diesen unsentimentalen, knallharten wie fesselnden „anderen“ Spannungsstreifen aus Hollywood. Mit u.a. Jeremy Renner, Anthony Mackie, Guy Pearce, Ralph Fiennes und David Morse (= 4 PÖNIs).

TÖDLICHE VERSPRECHEN" von DAVID CRONENBERG (USA/GB/Kanada 2007; 100 Minuten; Start D: 27.12.2007). Der 64jährige Kanadier gilt als einer der spannendsten, "pikantesten" Genre-Cineasten überhaupt. Hat sich mit Filmen wie "A History Of Violence" (2005), "eXistenZ" (1999), "Naked Lunch" (1991), "Die Fliege" (1986) und "Videodrome" (1983) einen immerwährenden "neugierigen Namen" geschaffen. Sein neuer Psycho-Thriller entstand in London, als Co-Produktion GB/Kanada/USA, und handelt von Macht, Schicksal und Erlösung. Erzählt von einer Art naiver Hebammen-"Aschenputtel". Sie heißt Anna, ist halbrussischer Abstammung, und arbeitet in einem Londoner Krankenhaus.

Alles beginnt mit dem Tod einer schwangeren Frau. Diese hinterlässt neben ihrem in einer Not-OP gerettetem Kind auch ein Tagebuch. In russischer Sprache. Auf der Suche nach den Verwandten stößt Anna, ohne es zunächst "direkt" zu merken/zu begreifen, auf die traditionelle russische Mafia. Die nach eigenen Regeln lebt, herrscht, tötet. In dieser Welt sind Ehrenmorde, Unterdrückung und Demütigung an der Tagesordnung. Anna bekommt es mit Nikolai zu tun, einem cleveren wie intelligenten wie zumeist stillen "Handlanger" des Restaurantbesitzers Semyon. Der äußerlich stets als "gütiger Opa" auftretende Pate will an das Tagebuch und Anna und das Kind loswerden. Dabei kommt ihm allerdings sein eigener, unkontrolliert-aggressiver Sohn Kirill ebenso in die Quere wie sein "Leibeigener" Nikolai. Der sein ganz "eigenes Spiel" hier spielt.

Ein spannendes, faszinierendes Puzzle. Mit viel atmosphärisch-dichter Krimi-Spannung um eine britische "Alice im Wunderland" inmitten eines fein- fiesen, brutalen Gangster-Mikrokosmos/einer schmutzigen, übel-gewalttätigen Parallelgesellschaft von heute. Dramaturgisch wie stilistisch außerordentlich packend entwickelt, mit einem hervorragenden Darsteller-Ensemble dargeboten: "Herr der Ringe"-Hero VIGGO MORTENSEN mit einer glänzenden Charakter-Studie als kalter, berechnender Melancholie-Zyniker Nikolai; ARMIN MUELLER-STAHL als gewandt-übler Charmebolzen + "Pate-Moralist"; VINCENT CASSEL ("Die purpurnen Flüsse"; "Ocean´s 12 + 13") als dauer-aggressiver Chef-Sohn mit Zeitbomben-Geschmack sowie NAOMI WATTS ("King Kong"/2005; "Mulholland Drive" von David Lynch) als immer mehr bös´-staunende Cinderella, sie spielen und sind SÄMTLICHST exzellent.

"Eastern Promises", so der Originaltitel, ist eine Art SHAKESPEARE-Psycho-Thriller, spielt "am Hofe des schurkischen Königs", handelt von den vielen Morden/Intrigen/Machtspielchen/Bedrohungen. David Cronenberg gilt nicht zu Unrecht als "kluger Meister der Beunruhigung", auch hier setzt er wieder außerordentlich spannende wie hintergründige Nerven-Unterhaltungsmaßstäbe (= 4 PÖNIs).

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