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Filmtitel von Tan - Td

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

Der Exil-Russe Andrey Konchalovsky arbeitet seit einigen Jahren erfolgreich in Hollywood. Filme wie “Runaway Train“ oder “Homer und Eddie“ waren Kassen- und Kunst-Erfolge. In seinem neuen Streich „TANGO UND CASH“ von Andrey Konchalovsky (USA 1989; 104 Minuten; Start D: 29.03.1990); spielen Sylvester Stallone und Kurt Russell zwei exzentrische, aber erfolgreiche Polizisten in Los Angeles. Stallone ist der Feine, mit Maßanzügen und Cadillac, Russell ist der Typ fürs Grobe, mit Hippie-Kluft und Beulen-Auto. Beide werden von einem Oberschurken mächtig aufs Korn genommen, weil sie ihm langsam zu erfolgreich geworden sind. Darum geht‘s, ein zünftiges Duell unter Kerlen.

“Tango und Cash“ ist ein Action-Comic. Ein gut gemachter Hau-Drauf-Film, mit lockeren Sprüchen und viel Härte. Sozusagen: Knallige Unterhaltung (= 3 PÖNIs).

TANK GIRL" von Rachel Talalay (USA 1994; 104 Minuten; Start D: 22.06.1995).

4 Millionen-Dollar-Adaption einer Comic-Figur, die 1988 von den Engländern Jamie Hewlett und Alan Martin ausgeheckt wurde. Motto: Schräg, brutal, anarchisch. Aber kein Held, sondern eine Heldin ist für Action zuständig. Eine weibliche “Mad Max“, denn die Show um die Gewalt-Göre Rebecca, die sich “Tank Girl“ nennt, spielt irgendwo in Australien im Jahr 2033.

Ein Meteor hat vor 15 Jahren die Erde verwüstet, seitdem streiten sich die letzten Überlebenden um das Lebenselixier WASSER. Der Böse ist ein Despot mit seiner Armee, der die letzten Trinkwasserreserven und damit zugleich die Welt beherrschen will. Während die kleine Gruppe um “Tank Girl“ in Bunkern hausen und die fröhliche Anarchie mit Rumhängen, Drogen und Sex und Rock 'n' Roll preisen. Lori Petty, bislang eher in B-Rollen aufgefallen (“Free Willy“), spielt die Rambo-Lady mit schrillem Outfit und schrägem Getue.

Der Film wirkt gegenüber den Comics wie ein Fahrrad gegenüber einem LKW. Der Film ist weitgehend “entschärft“ ist nur ein lautes Spektakel und sieht so aus, als würde sich eine Barbie-Puppe mal einen flippigen Tag gönnen. Ein mäßiger Versuch, so als wäre Pippi Langstrumpf mit dem Maschinengewehr unterwegs (= 2 ½ PÖNIs).

TANNÖD“ von Bettina Oberli (D/Schweiz 2008/2009; 104 Minuten; Start D: 19.11.2009); die Schweizer Drehbuch-Autorin und Regisseurin vom Jahrgang 1972 wurde hierzulande über ihren 2. Spielfilm „Die Herbstzeitlosen“ von 2006 bekannt (Debüt: „Im Nordwind“/2004). Hier nun adaptierte sie den gleichnamigen Bestsellerroman einer Debütantin: Über eine halbe Million Mal wurde die im Januar 2006 erschienene Novelle von ANDREA MARIA SCHENKEL, einer damals 43jährigen Hausfrau und dreifachen Mutter aus einem kleinen Dorf bei Regensburg, bei uns verkauft. 2007 gab es dafür den „Deutschen Krimi-Preis“; 2008 den „Schwedischen Krimipreis“. „Tannöd“ war monatelang auf Platz 1 der Krimi-Welt-Bestenliste und wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste vom „Spiegel“. Die Rechte für das Buch wurden in 11 Länder verkauft. Im thematischen Literatur-Brennpunkt: Ein mysteriöser Mehrfachmord, der sich 1922 im oberbayerischen Dorf Hinterkaifeck ereignete und in der Nachkriegszeit sozusagen neu „aufgerollt“ wird. „Hinter Kaifeck“ hieß in diesem Frühjahr eine (grauslich-schlechte) Mystery-Version von Esther Gronenborn um dieses Thema in der Jetzt-Zeit (mit Benno Fürman und Alexander Maria Lara), die im März völlig floppte.

Jetzt also die „Original“-Adaption und nur mäßig besser. Oberli und Drehbuch-Autorin Petra Lüschow erfinden die Figur der Pflegerin Kathrin „aus der Stadt“ neu. Sie ist die Tochter einer angesehenen, verstorbenen Magd und will eigentlich nur „die Angelegenheiten“ regeln. Zwei Jahre sind seit dem bestialischen Massenmord auf dem einsam abgelegenen Hof des „widerwärtigen“ Bauer Danner vergangen. 6 Personen wurden viehisch umgebracht. Der Mörder ist noch nicht gefaßt. Folglich herrschen Unruhe und Mißtrauen in der Gemeinde. Kathrin hört von schlimmen Dingen, bemerkt überall Haß und Furcht. Aber auch unterschwellige, „klammheimliche Freude“ über eine „gerechte Tat“. Und dann kommt sie einem üblen Geheimnis auf die Schliche, das sie höchstpersönlich betrifft. Und belastet. Der Film von Bettina Oberli ist Hu-Hu- und Ha-Ha-Spuk. Die Figuren sind fast allesamt eindimensional-boshaft und anscheinend „irgendwie belastet“, bewegen sich wie Marionetten und Pappnasen als Lehrer, Pfarrer, Hausierer, Bauernklotze und „Hexen“, reden viel Stuß, lassen kaum Nähe und Anteilnahme zu. Keine Charakter-Kräfte, sondern schuldgeplagte, gestörte Deppen. In Seelen-Trübnis. Was in Mutmaßungen, Tratsch und Klatsch ´rüberkommt, wirkt konstruiert, aufgesagt, narrisch. Immer wieder dunkle Wald-Bilder, durch die aufgeschreckte Menschen flitzen, oder rauschende Groß-Tannen mit Blau-Stich als Hokuspokus-Melder, erzeugen keine Spannung, sondern Langeweile. Während diese bigotte religiöse Kälte-Dauerstimmung, mit diesen genuschelten Ewig-Gebeten, auch nicht gerade originell anmutet, als ständiges Lauf- und Ton-Band.

Ein Heimat-Krimi mit vielen Heuchel- und Lügen-Schwingungen, der einfach nicht funktioniert. Weil hier Niemand und Nichts von besonderem Interesse ist, die düstere Atmosphäre bald schon nur-ermüdet; der Film „Tannöd“ als eine Art „böses Bauerntheater“ daherkraxelt . Mit viel bayerischer Ödnis, dramatischer Musik, einem schwarzen Hund, der erschlagen wird, und die immerwährende Schuldig-Gewissensstimmung des „belasteten“ Personals. Da kann sich die gute MONICA BLEIBTREU als „Hexe“ Traudl mit Durchblick in ihrer letzten Rolle noch so anklagend abstrampeln und deftig aufplustern; es wirkt nur albern, überdreht, aufgesagt. Vergebliche Liebesmüh. Während JULIA JENTSCH (vielfach preisgekrönt für ihre Titelrolle in/als „SOPHIE SCHOLL – Die letzten Tage“; davor „Die fetten Jahre sind vorbei“; zuletzt „Effi Briest“) als Kathrin völlig fehlbesetzt wirkt mit ihrem fortwährenden „Amateurstaunen“. Ein kraft- und saftloses „Herumeiern“. „Tannöd“ ist die völlig mißratende Verfilmung eines begeisternden Buchs (= 2 PÖNIs).

Thema: Alte Damen sind nicht nett, gebrechlich und ruhig, nein, sie sind böse. Jedenfalls ist das„TANTE DANIELLE“ von Étienne Chatiliez (Fr 1990; 111 Minuten; Start D: 28.06.1990) in dem gleichnamigen französischen Film von Étienne Chatiliez.

Der wurde mit seinem Debütfilm “Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss“ auch bei uns bekannt und bleibt bei seinem pechschwarzen Lebens-Humor, mit dem er wieder an den moralischen Grundfesten der bürgerlichen Spielregeln schüttelt. Denn seine Tante Danielle ist alles andere als eine liebe alte Dame. Tante Danielle ist ein prächtiges Ekel. Nichts mag sie: Keine Kinder, Tiere und Erwachsene schon gar nicht. Und wenn jemand gar nett zu ihr ist, wird sie wütend. Aber da nun einmal drum herum alle so lieb und, nett zu ihr sind, zu ihr, der Erb-Tante, schikaniert und attackiert sie wo, wann und wie es nur geht. Sie pocht auf ihr gutes Recht, unanständig und gemein sein zu dürfen. Auch und gerade im hohen Alter! Und sie genießt dieses Recht in vollen Zügen und mit vielen feinen, schmutzigen Tricks.

“Tante Danielle“, von der 71 jährigen Tsilla Chelton wie ein weiblicher Louis de Funes lustvoll gespielt, ist eine wunderbare Komödien-Tortur (= 4 PÖNIs).

DER TAPFERE KLEINE TOASTER“ von Jerry Rees (B+R; USA 1987; 90 Minuten; Start D: 19.12.1991).

Bei diesem herrlichen Vergnügen kann die ganze Familie frohlocken. Weihnachtszeit, Märchenfilmzeit. Wir tauchen ein in das Land der Phantasie. Blicken in ein Haus. Dort leben keine Menschen mehr, sondern “nur“ noch ein Radio, eine Schreibtischlampe, der Toaster, eine Heizdecke und ein Staubsauger. Von wegen Blech...die sind ganz schön fidel und lebendig. Doch: Sie sind auch traurig. Hobert, ihr kleiner Freund, ist weg. Sie fühlen sich einsam und verlassen. Doch dann geht es los. Richtung Großstadt. Wo das Abenteuer winkt. Und was für eins.

"Der tapfere kleine Toaster" zählt zu den schönsten Zeichentrickfilmen der letzten Jahre. Er stammt aus Kanada und könnte auch heißen: “Die Schmusedecke und ihre duften Kumpels" Oder: “Die verschlafene Schreibtischlampe und der brummige Staubsauger“. Oder..., ach was. Die Familie mobilisiert und ab ins Kino. Wo “Der tapfere kleine Toaster“ für viel Spaß sorgt (= 4 PÖNIs).

Es ist ein beständiges, es ist ein ewiges Thema: Die Liebe. Zwischen Mann und Frau. Und um gekehrt. Loriot behauptet zwar weiterhin spitzbübisch, 'Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen‘, weiß aber auch: OHNE Zweisamkeit geht es auch nicht. Auf diesem Planeten. ALSO gibt es zu diesem zwischenmenschlichen Dauerthema jetzt wieder einmal einen neuen Kinofilm. Titel:

TATSÄCHLICH...LIEBE" von Richard Curtis (B+R; USA/GB 2003; 135 Minuten; Start D: 20.11.2003).

Der gebürtige Neuseeländer ist 57 Jahre alt und zählt heute zu den besten Kino- Komödien-Autoren überhaupt. Denn schließlich hat er mit seinen Drehbüchern zu "4 Hochzeiten und ein Todesfall“ und "Notting Hill“ zum weltweiten Erfolg der Filme beigetragen. Und DAVOR übrigens hat er einst mit Rowan Atkinson den vielumjubelten Serien-Chaoten “Mr. Bean“ ins Leben geschrieben. “Tatsächlich...Liebe“ ist sein Regie-Debüt. Wobei der Titel hier auch ‘Programm‘ ist: Die Liebe-eben. Zunächst musikalisch betrachtet, ausgehend von Dudel-Hit “Love Is All Around“. Ein in die Jahre gekommener Rock-Sänger röhrt den Song im Aufnahmestudio in die Mikros. Allerdings etwas umgedeutet: “CHRISTMAS Is All Around“. Es ist nämlich Weihnachtszeit, und da haben sich bekanntlich alle lieb.

London: Die Stadt der großen Gefühle: 10 Lebens- und Beziehungsgeschichten laufen parallel zum 24. Dezember hin zusammen. Billy, den abgetakelten Rocker, haben wir ja bereits kennen- und hören gelernt. Und weil er gerade gut in Fahrt ist, setzt er gerne immer noch ‘einen drauf‘. Der neue britische Premierminister ist ein dynamisch-jugendlicher Typ. Eine maßgeschneiderte Rolle für Sunnyboy HUGH GRANT natürlich. Allerdings gleich am ersten Downing-Street-Arbeitstag passiert ihm ein emotionales Malheur: Er verliebt sich sogleich in die schöne Büroangestellte Natalie. Und dann haben wir auch das Ehepaar Karen und Harry. In deren Partnerschaft hat sich ein bisschen zu sehr die Routine eingeschlichen. Und: Der Sarkasmus. Und...und...und: Typen, Emotionen, Schicksale. Charmant und atmosphärisch dosiert.

Und fein dargeboten: Das Aufgebot an britischen Stars in diesem süffisanten Reigen der Dur- und Moll-Gefühle ist beeindruckend: EMMA THOMPSON, ALAN RICKMAN, COLIN FIRTH, LIAM NEESON, ROWAN ATKINSON und natürlich HUGH GRANT leisten solide Ensemble-Arbeit. Während bedauerlicherweise "unsere" HEIKE MAKATSCH in ihrem ersten Auslandsfilm als verführerische Sekretärin etwas deplaciert wirkt. Und darstellerisch abfällt. Ansonsten aber: Schönes, leichtes, komisches Herz-Schmerz-Kino. Mit diesen typisch britischen Zweideutigkeiten: Immer zwischen Monty Python und Märchen-Romantik augenzwinkernd lächelnd. Autor und Regisseur Richard Curtis war und ist sich seiner guten Kino-Sache hier ziemlich sicher: Und zielt vor allem auf das...Vergnügen.

In der Tat: “TATSÄCHLICH...LIEBE“ ist ein Prima-HAPPY-HOUR-Film (= 4 PÖNIs).

DIE TAUBE AUF DEM DACH“ von Iris Gusner (Co-B+R; DDR 1972//1973; D 2009/2010; 82 Minuten; jetzt schwarz-weiß; Start D: 09.09.2010); nach der letztjährigen interessanten Ausgrabung/Entdeckung eines DDR-„Kellerfilms“ mit „HÄNDE HOCH ODER ICH SCHIESSE“ (s. Kino-Kritik) gilt es nunmehr ein weitere Entdeckung zu annoncieren. Dabei ist auch die „Entwicklung“ dieses Farbfilms, der nun nur noch in schwarz-weiß zu sehen ist, eine spannende historische Fundgrube: Nach Beendigung des Rohschnitts wurde der Film 1973 in der DDR von den Kultur-Oberen NICHT zur Aufführung freigegeben. Begründung: Die Co-Drehbuch-Autorin und Regisseurin (geboren am 16. Januar 1941 in Trautenau) würde „ein verzerrtes Bild der DDR-Realität“ zeigen und „ausschließlich Menschen in der Krise“. Insbesondere die Darstellung eines älteren Arbeiters „als tragische Figur“ stieß auf heftigen Widerstand. Man warf der Regisseurin vor, „der Arbeiterklasse ins Gesicht gespuckt zu haben“. Im Gegensatz zu anderen Verbotsfilmen gelangte das Filmmaterial daraufhin nicht in den „Giftschrank“ beim Staatlichen Filmarchiv der DDR, sondern wurde im Studio vernichtet. Übrig blieb nur eine farbige Arbeitskopie, die seitdem verschollen ist.

Im Zuge der Ausgrabung bzw. Restaurierung anderer DDR-Verbotsfilme 1989/1990 (wie z.B. „Spur der Steine“/s. Kino-Kritik) entdeckte Kameramann ROLAND GRÄF diese Arbeitskopie in der Ecke eines nicht klimatisierten Vorführraums im DEFA-Spielfilmstudio. Weil sie erhebliche Schichtablösungen aufwies, veranlasste er die Herstellung eines schwarz-weißen Dup-Negativs sowie einer Kino-Kopie. So konnte „Die Taube auf dem Dach“ im Oktober 1990 zweimal im Berliner „Ost“-Kino „Babylon“ aufgeführt werden. Danach verloren sich erneut alle Spuren des gesamten Materials. Nach jahrelanger Recherche gelang es der DEFA-Stiftung 2009 endlich, das schwarz-weiße Duip-Negativ aufzutreiben und den Film zu rekonstruieren. Jetzt hat er erneut, allerdings eben in schwarz-weiß, Kino-Start.

„Die Taube auf dem Dach“ war, ist ein DDR-Gegenwartsfilm aus jener Herstellungszeit. Der Ort: Eine Baustelle. Im Süden der DDR. Dort, wo „jetzt“ viele Häuser im Plattenbauformat hochgezogen werden, um mehr Wohnraum für die Werktätigen zu schaffen. Wir blicken auf das Bau-Kollektiv. Deren Leiterin ist die junge, engagierte attraktive Linda (HEIDEMARIE WENZEL). Ihre Probleme sind weniger „sozialistischer“ Art, sondern private. Denn sie „bekommt“ es mit zwei „Bewerbern“ zu tun. Da ist einmal der sprunghafte „Unruhe“-Student Daniel (ANDREAS GRIPP), der hier in den Ferien arbeitet und sich unangepasst und träumerisch zeigt. Und da ist der altgediente Brigadier Hans Böwe (DEFA-Star GÜNTHER NAUMANN/17.11.1925 – 6.11.2009; TV-Reihe „Zur See“). Der ist ein Ewig-Wanderer, bleibt nie fest an einem Ort, ist geschieden, eine Tochter. Doch anstatt eines „Helden der Arbeit“ bekommen wir es hier mit einem „gebrochenen Kerl“ zu tun. Fleißig im Aufbau, ohne sich zu schonen, aber schwächlich als rastloser Privatmann. Neben Ehrlichkeit und Arbeitsamkeit mit Alkoholproblemen und einer Dauer-Unruhe umnebelt. Ein Idealist ohne Privatglück. DER die anpackende Linda darüber nachdenken lässt, wie „das“ mal mit ihr wird/werden könnte. Auf dem weiteren Lebensweg. Wo ihr Platz im Leben einmal „endgültig“ sein könnte. Also „probiert“ sie „es“. Sowohl mit Daniel wie auch mit Hans Böwe. Der ihr einen Heiratsantrag macht.

Kein „Fahne“-Film also, sondern Skizzen, Episoden, Motive aus dem Alltag von drei Menschen. In der Anfang Siebziger-DDR. Der Titel? Es existiert ja dieses Sprichwort: „Lieber einen Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. „Nachwuchs“ Daniel, Sohn einer „entsetzten“ Ärztin, will sich auf gar keinen Fall nur mit dem Spatz zufrieden geben. Vielmehr geht es in Richtung Selbstbestimmung, Entscheidungsfreiheit, um Kosmonaut zu werden. 1973 roch dies im Arbeiter- und Bauernstaat irgendwie nach „Aufmüpfigkeit“. Während dieser „verdiente“, verwundbare Hans Böwe zwischen Pflicht & Seele wankt. Also auch kein „zuverlässiger Patron“ ist. Aus der Sicht der oberen Herrschaft. In der DDR waren doch alle „gut“ aufgehoben, wieso also dort erst noch seinen gesellschaftlichen Platz suchen??? Wollen oder Müssen? Ist doch eigentlich alles geregelt?

Eben: Eigentlich. Teilen die Bilder gefühlt, unaufdringlich mit. Ein hochinteressanter Streifen. Tupferartig angelegt, nie „groß“ auftragend, dick und dramaturgisch schreiend, sondern mit offenen gedanklichen Interpretationen. Ohne lärmende Emotionen. Inmitten leiser Jazz-Rhythmen (Musik: GERHARD ROSENFELD). Swingend düster, fragend, suchend, mit mehr ernsten Gesichtern. Und mit einem wunderbar simplen, minimalistischem Ausdruck. Ohne Lösungsberuhigungen. Wie ein Fingerschnacken neugierig herumsurrend. Dass er anstatt in Farbe jetzt in schwarz-weiß „Atmosphäre“ ausatmet, scheint sogar stimmiger, stimmungsvoller zu sein. Für eine beruhigende Gleichmacherbuntheit ist hier kein Platz. Ein verblüffender, origineller, denk-spannender DDR-Filmrückblick. Und natürlich mit heutigem („Wessi“-)Erstaunen: Vor „so etwas Sanft-Cineastischem“, Spielerischem, Probierendem, bekamen DIE damals wirklich die Wut + sogar Angst??? (= 4 PÖNIs).

Im Jahre 1987 durfte der studierte Moskauer Pavel Lungin erstmals in den Westen, nach Paris reisen. Als er zurückkam, schrieb und inszenierte er seinen Debütfilm „TAXI BLUES“ von Pavel Lungin (B+R; Sowjetunion/Fr 1990; 110 Minuten; Start D: 04.04.1991). Der gewann im Vorjahr bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis für die “beste Regie“.

Im Mittelpunkt des Geschehens: Ljosa, Saxophonist und Alkoholiker, und der Taxifahrer Schlikov. Der Künstler, der Intellektuelle, und der Arbeiter. Ljosa hat Schlikov um den Fahrpreis geprellt, seitdem sind sie “aneinander gekettet“ wie zwei Sträflinge. Sie können sich nicht ausstehen, dennoch entsteht zwischen ihnen so etwas wie eine Hassfreundschaft, bei der sich die Positionen zwischen Stärke und Schwäche andauernd verwischen. Schlikov ist von dem versoffenen, selbstzerstörerischen Ljosa fasziniert und abgestoßen. Eine neue Welt tut sich für den bislang “einfach“ denkenden und handelnden Arbeiter auf. Eine “freie“ Welt, die ihn ebenso neugierig macht wie anwidert. Die ihn in seiner gradlinigen Lebensphilosophie wanken lässt, die ihn krank macht, aber auch Überlegenheit vermittelt.

“Taxi Blues“ ist eine rüde, spannende, realitätsnahe Bestandsaufnahme von “Mütterchen Russland“ - heute. Geht tief in die Poren und steigt in die Seelen der Menschen, verweist auf gesellschaftliche Unsicherheit und Abgründe in diesem Umbruchsland. Argumentiert aber nicht elitär, abgehoben oder nur symbolhaft, sondern mit bester kommerzieller Erzähl- und Bilderkunst. “Taxi Blues“ ist russisches Hollywood-Kino in bestem Sinne. Und: Besitzt zwei außergewöhnlich überzeugende Hauptakteure. PJOTR MAMONOV, Lead-Sänger der schrägen Rock-Gruppe “Zvouki-Mu“, bringt viel von seiner manischen Persönlichkeit mit ein und spielt den exzessiven Schreihals und Outlaw mit brachialer Gewalt. PJOTR ZAICENKO als Taxifahrer ist ein erregender dampfender Krieger im Ruhestand. Zwei besessene Anti-Helden wie Mickey Rourke oder Robert De Niro in ihren besten Amok-Zeiten.

“Taxi Blues“ von Pavel Lungin, das ist actionreiches, intelligentes Wut-Kino. Mit viel Faust und noch mehr Gehirn (= 4 PÖNIs).

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