„TRADE - WILLKOMMEN IN AMERIKA" von MARCO KREUZPAINTNER (USA/D 2007; 120 Minuten; Start D: 18.10.2007) ist der erste Hollywoodfilm des 30jährigen, in Rosenheim geborenen Regisseurs und Drehbuchautors. Der Sohn einer Sekretärin und eines Briefträgers erlernte das Filmhandwerk autodidaktisch bei Jobs in der Film- und Werbebranche sowie bei Musikproduktionen. Er studierte Kunstgeschichte in Salzburg, war Assistent bei Edgar Reitz und Peter Lilienthal; 1999 übernahm er die deutsche Synchronassistenz für den letzten Stanley-Kubrick-Film "Eyes Wide Shut". Im gleichen Jahr lief sein erster Kurzfilm - "Entering Reality" - auf einigen Filmfestivals und bekam außergewöhnlichen Zuspruch. "Ganz oder gar" war 2003 sein erster Spielfilm,; ein Jahr darauf dolgte die Homo-Komödie "Sommersturm". Jetzt also Hollywood (USA/D), mit immerhin ROLAND EMMERICH ("The Day After Tomorrow") als namhaften Co-Produzenten.
Der Film basiert auf dem am 25. Januar 2004 im "New York Times Magazine" veröffentlichten Artikel "The Girl Next Door" des Journalisten Peter Landesman. In dem geht es um die "vielleicht Zehntausenden" von mexikanischen Mädchen/Frauen + Jungen, die gegen ihren Willen in den USA als Sexsklaven festgehalten würden. Um das Netzwerk des Sex-Handels also zwischen Mexiko/USA + Europa. Dieser GLOBALE MENSCHENHANDEL steht denn auch im Blick- und Mittelpunkt des Films. Dessen Entstehung von Hilfsorganisationen wie UNICEF, terre des hommes und Amnesty International unterstützt wurde: "Jährlich werden 2,4 Millionen Menschen verkauft", heißt es z.B. bei Amnesty International. Damit würden pro Jahr rd. 32 Milliarden Dollar verdient. Der Handel findet vor allem dort statt, wo Armut herrscht. Etwa 12 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in moderner Sklaverei.
Tatort Mexiko-City. Am helllichten Tag wird dort die 13jährige Adriana verschleppt. Ihr kleinkrimineller 17jähriger Bruder Jorge nimmt die Verfolgung auf. Zeitgleich gerät auch die Polin Veronica in die Fänge der Mädchenhändler; sie wurde mit dem Versprechen auf Arbeit nach Mexiko gelockt. Der Film verfolgt fortan parallel den widerwärtigen Spuren dieser beiden (wie auch anderer) Opfer-Ware. Zugleich wird - nach etwa einer Stunde - die Figur des amerikanischen Versicherungspolizisten Ray mit-eingeflochten. Er, der selbst einst seine Tochter verloren hat (und sie immer noch sucht), kommt mit Jorge in Kontakt. Nach anfänglichem Misstrauen und einiger Skepsis werden sie zu Verbündeten, die sich nach und nach auch anzufreunden beginnen.
DIE ABSICHT steht hier im Vordergrund und erscheint WICHTIGER als die mit einigen (Hollywood-)Debütanten-Schwächen begleitete Dramaturgie/Erzählweise. Denn DIE hantiert des Öfteren mit stumpfen Moralbotschaften, mit Klischees (= notorisch korrupte mexikanische Polizisten...) und nicht präzise wie tiefer beschriebenen Details bzw. Entwicklungen. Zwar gelingt es Kreuzpaitner Emotionen wie Hilflosigkeit, Wut und Scham näherzubringen, doch bevor sie "wirklich ankommen", saust er bereits zum nächsten Motiv/Ort. Zudem werden die Opfer nur bzw. zu sehr nur in ihrer Leidensrolle vorgestellt; ihre Identitäten bleiben weitgehend unbekannt/viel zu anonym. Und auch in der Beschreibung der aufkeimenden Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Schnüffler-Profi geht es dramaturgisch viel zu lax zu.
Also: Aus dem Thema hätte eigentlich VIEL MEHR HERAUSGEHOLT werden müssen, hätte viel mehr als nur die thematische wie menschliche Oberfläche angekratzt werden dürfen. Und schließlich gleitet das "seriöse Drama" in einen "spannenden Groschenroman-Thriller" mit (zu) viel epischer Musik-Soße über. Kreuzpaintner, so hat es den Eindruck, wollte das amerikanische wie europäische/deutsche Kino-Publikum in der brisanten wie hochaktuellen Geschichte um die Zerstörung menschlichen Lebens gleichermaßen "bedienen" und verhedderte sich dabei in der Machart ein ums andere mal. Allerdings: "Oscar"-Preisträger KEVIN KLINE ("Ein Fisch namens Wanda") überzeugt in der desillusionierten "Vater"-Figur des Polizisten und führt/hält den Spannungsbogen, während seine schauspielerische Umgebung bemüht mithält.
Fazit: Ein vor allem nur im Kopf bedeutender, wichtiger Film, der dort gut aufrüttelt und packt, während das Interesse an Figuren/Schauplätze/Bilder eher begrenzt ist, aber durchaus stets wach bleibt (= 3 PÖNIs).
MICHAEL DOUGLAS spielt Robert Wakefield. Robert Wakefield ist Oberster Richter am Ohio State Surpreme Court. Seine harte, unbarmherzige Linie gegen Drogendealer und Drogenkonsumenten hat ihn im Land bekannt gemacht. Deshalb hat ihn der Präsident auch zum US-Drogenbeauftragten ernannt.
Der Film heißt
„TRAFFIC“ von Steven Soderbergh (USA/D 2000; 147 Minuten; Start D: 05.04.2001). Hierzulande hat man ihm noch den ZusatztiteI “Macht des Kartells“ verpasst. Inszeniert und an der Kamera geführt hat ihn STEVEN SODERBERGH. Steven Soderbergh ist 38 Jahre alt und galt vor rund einem Jahrzehnt als Hollywoods neuestes Wunderkind. Der Grund: Schon mit seinem Debüt-Spielfilm - “Sex, Lügen und Video“ - stand er ganz oben auf der Künstler-Treppe und gewann 1989 in Cannes die “Goldene Palme“. Danach konnte es erst einmal nur “bergab“ gehen. Seine nächsten Filme wie “Kafka“ oder “König der Murmelspieler“ fanden wenig Zuspruch. Im Vorjahr kam dann der Wiederaufstieg. Mit Julia Roberts in der Hauptrolle schuf er das überaus erfolgreiche Echt-Drama “Erin Brockovich“. Vorige Woche bekam Julia Roberts “dafür“ den “Oscar“ als “beste Hauptdarstellerin“. Jetzt also “Traffic“, auch gerade mit 4 “Oscar“-Trophäen umschmückt.
Darunter Soderbergh als "bester Regisseur".
„Traffic“ ist ein Thriller mit vielen Motiven, Kanten und...Geschichten. Die Handlung basiert auf einer 12 Jahre alten britischen Fernsehserie.
Thema: Der internationale Drogenhandel und der aussichtslose Kampf dagegen. Der bis in die Familien reicht. Und zwar nicht nur in den schwachen sozialen Schichten, sondern überall. Auch beispielsweise in die des Jägers Wakefield. Dessen 16jährige Tochter ist, obwohl Musterschülerin, selbst voll drogenabhängig.
Aber: Nicht DIE SÜCHTIGEN stehen im Mittelpunkt des Geschehens, sondern DIE ZUSAMMENHÄNGE. DAS SYSTEM. Ein kleiner mexikanischer Grenzpolizist gerät in den Zwiespalt zwischen Berufsehre und Korruption in den eigenen Reihen. FBI-Ermittler bewegen sich wie Marionetten. Sie machen zwar ihre ‘Hausaufgabe‘, können aber kaum Wesentliches erreichen. Und die Frau eines reichen Geschäftsmannes wird von der Tatsache überrascht, dass ihr Gatte das Luxus-Dasein als Groß-Dealer finanziert. Als er festgenommen wird, muss SIE entscheiden, WIE es weitergehen soll: So “aufwendig“ wie bisher oder ärmer. Also trifft sie eine klare Wahl. Währenddessen kämpft Robert. Wakefield an allen Fronten und stürzt dabei immer tiefer ins “reale Leben“ ab.
„TRAFFIC“ ist ein grandioses, kaltblütiges, kluges und aufwühlendes KUNSTstück. Aus Hollywood! Verschiedene Stories, unterschiedlichste Personen, enorme Wechselbäder von Schauplätzen und Denkweisen laufen zusammen. Sind als faszinierend-spannender Drahtseilakt geschickt mit- und gegeneinander verknüpft. Und ergeben “so“ ein fiebriges Gesellschaftspanorama mit oftmals dokumentarisch anmutenden Handkamera-Bildern. “Traffic“ mutiert zum Meisterwerk, weil hier Drogen-Milieu, also Motive, Bewegungen, Hintergründe und Politik, intelligent gedacht und
weiterformuliert werden.
DROGEN, das bedeutet: BUSINESS! Drogen sind inzwischen, weltweit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Mit dem gigantische Gewinnsummen zu erzielen sind. Also erscheint der Kampf DAGEGEN aussichtslos. So das deprimierende Fazit dieses sehr beeindruckenden Films. Bei dem dennoch Steven Soderbergh und sein brillanter Drehbuch- Autor STEPHEN GAGHAN am Schluss kleine optimistische Lichter und vor allem ‘Kinder-Zeichen‘ setzen. Dass „Traffic“ in den USA inzwischen ein
großer Kassenerfolg wurde, überraschte Steven Soderbergh überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Er glaubt vehement an Veränderungen: Sowohl bei den Hollywood-Bossen als auch beim Publikum (= 5 PÖNIs).