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Filmtitel von Vea - Verf

Legende:

5 Pönis= Einsame Spitze
4 Pönis= Richtig gut
3 Pönis= Geht so
2 Pönis= Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis= Grottig

VERBLENDUNG“ von Niels Arden Oplev (Schwed/D/Dänem. 2008; 152 Minuten; Start D: 01.10.2009); geboren 1961, Abschluß des Studiums an der Dänischen „Filmskole“ 1989; war mit seinem Debütfilm „Portland“ 1996 im Berlinale-Wettbewerb; drehte erfolgreiche TV-Serien wie „Der Adler“ (2005/2006); sein Film „Der Traum“ war 2006 der erfolgreichste dänische Kinofilm und erhielt auf der Berlinale den „Gläsernen Bären“ als „bester Kinderfilm“. Sein 2007 entstandener Film „Worlds Apart“ (über eine junge Zeugin Jehovas) lief 2008 bei der Berlinale. Mit „Verblendung“ adaptierte Niels Arden Oplev den ersten Teil von Stieg Larssons populärer „Millenium-Trilogie“. STIEG LARSSON: Geboren am 15. August 1954 in Umea, gestorben am 9. November 2004 in Stockholm an den Folgen eines Herzinfarkts. Larsson war schwedischer Journalist, Schrifsteller und Herausgeber des antirassistischen, antifaschistischen Magazins „Expo“. Larsson galt als einer der weltweit führenden Experten für anti-demokratische, rechtsextreme und neonazistische Bewegungen. Der freiberuflich als Kriminalschriftsteller tätig war. Er hinterließ drei – von zehn geplanten - Kriminalromane um den Journalisten Mikael Blomkvist und die skurrile Meister-Hackerin Lisbeth Salander. Die Bücher 5 + 6 liegen als Exposés, der vierte Teil als teilweise fertiggestelltes Manuskript vor.

Die Millenium-Trilogie umfaßt die Romane „Man som hatar kvinnor“ (2005), „Männer, die Frauen hassen“, deutscher Titel: Verblendung“/2006; „Flickan som lekte med elden“ (2006), „Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“, deutscher Titel: „Verdammnis“/2007 sowie „Luftslottet som sprängdes“ (2007), „Das Luftschloss, das gesprengt wurde“, deutscher Titel: „Vergebung“/2008. Weltweit wurde diese Krimi-Trilogie über 15 Millionen mal verkauft, alleine in Schweden über 3,5 Mio und bei uns über 3 Mio Exemplare. Stieg Larsson rangierte 2008 global auf Platz 2 nach Khaled Hosseini („Der Drachenläufer“); sein Roman „Verblendung“ war im gleichen Jahr eines der bestverkauften Bücher innerhalb der EU. Der Film kam am 27. Februar 2009 in die schwedischen Kinos und zählt in ganz Skandinavien zu den erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten.

Der Film „Verblendung“ ist ein solide inszenierter Thriller, der die 700seitige Buchvorlage auf eine spannende Detektivgeschichte fokussiert. Wo der Roman mit vielschichtigen, atmosphärischen Personen-Porträts und eine faszinierende Beschreibung der schwedischen Gesellschaft mit ihren abnormen „Sünden“ zeichnet, geht es hier um die diffizile Schnüffel-Arbeit des erfolgreichen, kompromißlosen und deshalb gefürchteten Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist (MICHAEL NYQVIST) vom „Millenium“-Magazin. Der wird vom 82jährigen Patriarch eines mächtigen Familien-Konzerns, Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube), beauftragt, den vermutlichen Mord an seiner Lieblingsnichte Harriet aufzuklären. Die verschwand vor über 30 Jahren auf mysteriöse Weise anläßlich eines Familienfestes. Offiziell ist der Fall unaufgeklärt, abgeschlossen, beendet. Doch jedes Jahr geschieht immer wieder dasselbe: Pünktlich zum Geburtstag erhält der Senior von Harriet eine Trockenblume ins Haus geschickt. Im hohen Alter unternimmt der Alte deshalb einen letzten Versuch zur Aufklärung dieser Tragödie, die ihm keine Ruhe läßt. Denn er glaubt, daß ihn Harriets Mörder mit „diesem Präsent“ verhöhnen will. Deshalb soll der gewiefte Mikale Blomkvist `ran, um nochmal aufwändig und ausgiebig zu recherchieren. Bei hohem Honorar. Doch auch der Journalist tappt zunächst im Dunkeln, entdeckt weder Spuren noch kann er Verbindungen ausmachen. Doch dann kommt er mit der „schrägen“, „düsteren“ Punker-Hackerin Lisbeth Salander (NOOMI RAPACE) in Kontakt, und sie vermag ihm zu helfen. Beide kommen einer abgründigen, äußerst bösartigen, grausamen Geschichte um Korruption, Mord, Inzest und Nazi-Sippschaft auf die widerwärtigen Schliche. Dabei trifft der Originaltitel des Romans den üblen Kern präzise: „Männer, die Frauen hassen“…..

Ein spannender Film, gewiß. Mit hervorragenden Hauptakteuren, vor allem Noomi Rapace als traumatisierte Lisbeth, ist eine sensationelle Entdeckung. Die junge Frau, die nie eine Schauspielschule besucht hat, ist körpersprachlich, in Bewegung, Gedanken, Ausdruck, weibliches Dynamit und besitzt eine aufregende mentale Reizkraft. Mit ihrem „Gothic-Look“ und ihrem introvertiertem Auftreten „knallt“ sie alles nieder. Ein schauspielerisches Natur-Ereignis! Während Michael Nyqvist, bekannt aus dem auch bei uns geschätzten Schweden-Film „Wie im Himmel“ (2004), als idealistischer wie charismatischer Schnüffler ordentlich „in die Gänge“ kommt: Aber da sind wir sogleich bei den Schwächen des Films: Die erzählerische Virtuosität Larssons findet sich nämlich nur bedingt wieder. Die Filmstory kommt nur behäbig in Schwung; die aufgebaute, chiffrierte Geheimniskrämerei wirkt mitunter zähflüssig, doch wenn dann endlich und auch gedanklich der Fall vorankommt, ist auch die Spannung und Anteilnahme nicht weit. „Verblendung“ ist ein kleiner-großer Blick auf die Abgründe menschlichen Handelns, aber als Film zum Klasse-Buch immer noch und allemal zu empfehlen(= 3 ½ PÖNIs).

VERBLENDUNG“ von David Fincher (USA/Schwed/GB/D 2011; 158 Minuten; Start D: 12.01.2012); das binnen so kurzer Zeit bereits das „Hollywood“-Remake entstand, kommt auch nicht alle Tage vor. Aber der Roman-Stoff, den der im November 2004 im Alter von 50 Jahren verstorbene schwedische Autor STIEG LARSSON mit seiner „Millenium“-Trilogie – deutsche Titel: „Verblendung“/“Verdammnis“/“Vergebung“ - hinterlassen hat, ist einfach zu stark, dass er „nur“ einer skandinavischen Co-Produktion „überlassen“ werden konnte. Zur Erinnerung: Am 27. Februar 2009 hatte das ursprünglich „nur“ fürs Fernsehen als Fast-Dreistundenfilm vorgesehene und dann für die Kinoauswertung gekürzte skandinavisch-deutsche Werk „Verblendung“ Uraufführung in Stockholm. Fand in Schweden einen immensen Publikumszuspruch. Gewann mehrere internationale Film- wie Festivalpreise und auch Fernsehpreise, da „Män som hatar kvinnor“ (Originaltitel) dann dort auch als TV-Mehrteiler gesendet wurde.

Am 1. Oktober 2009 kam „Verblendung“ hierzulande in die Kinos (s. KRITIK) und fand ebenfalls große Beachtung. Wurde nach der Kinoauswertung vom ZDF als Zweiteiler ausgestrahlt. Jetzt nun also das REMAKE. Mit hochkarätigem „Personal“: Der kalifornische Drehbuch-Autor STEVE ZAILLIAN, 58, zählt zu den Besten seines Fachs („Zeit des Erwachens“; Gangs of New York“), ist „Oscar“-Preisträger („Schindlers Liste“/1994) und selbst Regisseur („Zivilprozess“/1998; „Das Spiel der Macht“/2005). Der aus Denver/Colorado stammende Regisseur DAVID FINCHER, 49, kann auf großartige Spannungsfilme wie „Sieben“, „Fight Club“; „Panic Room“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und zuletzt „The Social Network“ (2010) verweisen. Kameramann JEFF CRONENWETH („One Our Photo“; The Social Network“) gilt aktuell als einer der innovativsten seines Gewerbes. Im Original heißt der neue Streifen „The Girl with the Dragon Tattoo“, so wie auch die englischsprachige Roman-Fassung von „Män som hatar kvinnor“. Was wiederum auf Deutsch heißt: „MÄNNER, DIE FRAUEN HASSEN“. Und das eigentliche Thriller- wie Polit-Thema der Larsson-Lektüre formuliert.

Mikael Blomkvist ist ein investigativer Journalist. Der gerade vor Gericht eine Niederlage einstecken musste. Ein von ihm im „Millenium“-Magazin (unter der jetzigen Chefin ROBIN WRIGHT als Erika Berger) veröffentlichter kritischer Artikel über einen mächtigen schwedischen Wirtschaftsboss wurde als „Verleumdung“ abgestraft. Blomkvist steht am öffentlichen (Medien-)Pranger. Da kommt das Angebot von Henrik Vanger, einem der reichsten Industriellen des Landes, gerade recht. Der alte Mann stellt ihn für viel Honorar ein. Um eines der düsteren Kapitel seines Lebens endgültig zu klären: Seine geliebte Nichte Harriet verschwand unter mysteriösen Umständen vor mehr als 40 Jahren. Gilt „offiziell“ inzwischen als tot. Doch jedes Jahr erhält er an seinem Geburtstag ein vermeintliches Geschenk-Lebenszeichen von ihr. WIRKLICH von ihr? Oder erlaubt sich damit Irgendjemand einen üblen Dauer-Scherz? Was ist damals tatsächlich passiert? Und: Lebt seine Nichte vielleicht doch noch? Wo? Und warum „zeigt“ sie sich nicht? Zeigte sie sich all die vielen Jahre nicht? Henrik Vanger (CHRISTOPHER PLUMMER) aber warnt Mikael Blomkvist auch: Sie werden es hier „mit einer schlimmen Sippe“ zu tun bekommen: Mit Psychos, Nazis, Gewalttätigen. Lauter gefährlichen Irren. „So eingestimmt“ macht sich der Journalist in der kalten wie kranken Einöde dieser abgeschotteten Insel-Vanger-Welt ans Aufklärungswerk. Unterstützt wird er dabei, nach und nach, von LISBETH SALANDER. Einer schrägen wie technisch „hochgerüsteten“ Punker-Hackerin. Deren Dasein von einem viehischen Bewährungshelfer und Vergewaltiger „abhängt“. Zunächst. Die sich mit Blomkvist „einlässt“, weil sie in ihm eine Art Outlaw-Seelenverwandten spürt. Dem genauso übel mitgespielt wird, werden soll, wie ständig ihr. Zwei gesellschaftliche Außenseiter auf dem Trip durch die dunkelsten Seiten des demokratischen Wohlfahrtstaates. Thema: Missbrauch, Gewalt, Gier. In obersten Gesellschaftskreisen. Sozusagen: Der perverse, widerliche Lust-Gewinn. Von Männern, die vor allem Frauen hassen. Ihnen gerne grausames Leid antun. Sie genüsslich, viehisch „(ab-)schlachten“. Männer, die herrschen wollen. MACHT ausüben wollen. Sich für „unantastbar“ halten. Über jeden Verdacht erhaben. Grausame Bestien. Einst die Väter, jetzt die Söhne (wie Martin Vanger/STELLAN SKARSGARD, neulich noch der nette „Mamma Mia!“-Papa).

Natürlich muss sich das schnelle Remake einem Vergleich mit dem unvergessenen Original von neulich stellen. Obwohl - eigentlich auch unfair. Damals bestand das Budget aus „gerade mal“ 13 Millionen Dollar, jetzt hat es um die 100 Millionen Dollar betragen. Damals war vergleichsweise „äußerliche“ (TV-)Biederkeit angesagt, jetzt geht die schmucke Visualität schon beim Vorspann (mit schnarrender Led Zeppelin-Musikalität) in die atmosphärischen Vollen. Verweist sogleich auf Härte und seelische Düsternis. Und bleibt in dieser „coolen“ Stimmungslage. Mit brillanter wie konsequent eisiger, düsterer Schweden-Optik. Nach dem etwas unbeholfenen, menschelnden Michael Nyqvist, 51, als Mikael Blomkvist im Erstfilm tritt hier nun „007“-DANIEL CRAIG, 43, in den Ring. Athletischer wie tougher. Mehr schnüffelnder „Kerl“ als recherchierender Journalist. Von Anfang an: Ein harter Hund.

Die bis dato unbekannte 28jährige schwedische Schauspielerin NOOMI RAPACE war damals als gepeinigte, störrische, bisexuelle Lisbeth Salander DIE Sensation im Original. War die ständige Unruhe in Person. War mental voller Dynamit. War mit ihrem „Gothic-Look“ und ihrer faszinierenden Wut-Power ein darstellerisches Natur-Ereignis. Noomi Rapace setzte GANZ starke Lisbeth Salander-Zeichen. Von Tapferkeit, List und Verletzlichkeit. Und hinterließ einen hammerharten wirkungsvollen körpersprachlichen Brandherd. An DEN die Nunmehr-Besetzung, die (bislang unbekannte) 26jährige amerikanische Akteurin ROONEY MARA, nie heranreicht. Gibt sie sich auch alle Mühe, ein brachialer, exzentrischer, beschädigter weiblicher Deibel zu sein, wurde sie auch dementsprechend „interessant“ geschminkt, gekleidet und gepierct, wirkt sie doch nur wie die starke Nr.2 von Lisbeth Salander. Einer Noomi Rapace in diesem Part kann sie vergleichsweise nicht das Wasser reichen. Dennoch - keine Fehlbesetzung, sondern nur eine akzeptable wie verständliche Schwächung. In diesem Krimi-Karussell und Horror-Puzzle um lauter verkrüppelte Figuren in einer abartigen skandinavischen (Familien-)Welt.

David Fincher hat mit der Neuverfilmung von Stieg Larssons „Verblendung“ einen souveränen Spannungsfilm abgeliefert (= 3 ½ PÖNIs).

Ein neuer Film eines intellektuellen und amerikanischen Spötters. Dem geht es in seinem 19. Film „VERBRECHEN UND ANDERE KLEINIGKEITEN" von und mit Woody Allen (B+R; USA 1989; 104 Minuten; Start D: 01.03.1990) um zwei Themen: Moral und Kummer.

Ausgangspunkt ist einmal mehr New York und seine Manhattan-Kulisse. Ein berühmter, geschätzter Modearzt will seine neurotische Geliebte loswerden, um keine Scherereien zu bekommen. Ein kleiner, engagierter Dokumentarfilmer wuselt krampfig herum, um seine Arbeit und seine Gefühle auf Erfolgskurs zu bringen. MARTIN LANDAU und Woody Allen brillieren in diesen Rollen, Beide Geschichten laufen durch verwandtschaftliche Nähe ineinander über und philosophieren schwarzhumorig, wie es heute nicht nur um die amerikanischen Dinge des Lebens bestellt ist. Wo ein Menschenleben gar nichts mehr bedeutet, wo die Gier alles bestimmt, wo die großen Gedanken und Gefühle kleiner Leute im hektischen, kommerziellen Trubel der Zeit einfach untergehen.

“Verbrechen und eine andere Kleinigkeiten" ist eine süffisante, ironische, nachdenklich stimmende Zeitgeist-Komödie (= 4 PÖNIs).

VERDAMMNIS“ von Daniel Alfredson (Schwed/Dänemark/D 2009; 129 Minuten; Start D: 04.02.2010); skandinavische Thriller sind seit vielen, vielen Jahren „in“, speziell - DIE „grimmigen“ aus Schweden (z.B. Henning Mankell/Kommissar Wallander). Einer dieser auf der ganzen Welt beliebten, geschätzten Krimi-Autoren ist der 2004 verstorbene STIEG LARSSON, dessen „Millenium-Trilogie“ millionenfach verkauft wurde. Bei uns unter den Titeln „Verblendung“; „Verdammnis“ + „Vergeltung“. Die erste Verfilmung kam Anfang Oktober letzten Jahres in die Kinos (verweise auf meine ausführliche Kritik aus der Woche 40/2009). In „Verblendung“ wühlten der politische Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (MICHAEL NYQVIST/“Wie im Himmel“, 2004) und die „eigenwillige“, listige Hackerin Lisbeth Salander (sensationelle Neuentdeckung: NOOMI RAPACE) in den düsteren Geheimnissen einer mit Nazi-Vergangenheit und heutigem Nazi–Dunst ausgestatteten gutbürgerlichen schwedischen Großfamilie.

Nun kreuzen sich die Wege des ungleichen Paares erneut. Lisbeth hat sich einige Zeit im Ausland aufgehalten, kehrt nach Schweden zurück, um die eigentlicher Urheber und Verursacher ihrer Qualen der Vergangenheit ausfindig zu machen und „zu stellen“. Parallel dazu bietet ein junger Kollege Mikael Blomkvist eine Story an, in der es um einen Mädchenhändlerring geht, mit Freiern aus den höchsten Gesellschaftskreisen. Bevor aber die Story fertig ist, wird der junge Mann ermordet. Ebenso wie „zufällig“ der jahrelange Vormund von Lisbeth Salander. Und: Auf beiden Tatwaffen finden sich die Fingerabdrücke der jungen Frau. DIE daraufhin untertaucht. Während Blomkvist sich dranmacht, ihre Unschuld zu beweisen. Und dabei selbst in höchste Gefahr gerät. „Verdammnis“ zielt nun tief in die Biographie der provozierend tätowierten, dickköpfig-cleveren-austrainierten-soziopathisch anmutenden bisexuellen Post-Punkerin Lisbeth hinein. Der einst ganz übel mitgespielt wurde, die übelst benutzt wurde, psychisch wie physisch, und DIE sich nun vehement wie überlegt zu wehren weiß. Und „den Gegenangriff“ startet. Solo. Blomkvist kann nur immer hinterherhecheln. Doch dann landet Lisbeth in der Hölle.

„Verdammnis“ ist erneut ein durch und durch solider, außerordentlich spannender „Handarbeitskrimi“. Das heißt, ohne Tricks & Gags & Effekte. Ohne die „Bunte Krimi-Plastik-Bühne“ Hollywoods. Ganz hammerhart & brutal. Und MÄCHTIG SPANNEND. „Typisch schwedisch“, wie Stig Larsson es vorgegeben hat. Gefährliche Biedermänner, Frankensteins Söhne, lichtarme Schauplätze, käsige Durchschnittsgesichter, wenig zimperliche Gestalten. Stupide Kerle. Ein packender Nervenkrimi. Der natürlich vor allem faszinierend funktioniert, weil nun Lisbeth Salander mehr und mehr in den eigentlichen Spannungsmittelpunkt rückt. Und DIE wird nun einmal von dieser rotzigen, zierlichen, in einer Art „Kriegsbemalung“ herumwuselnden Powerfrau NOOMI RAPACE phantastisch gefüllt, gespielt, fühlbar „gemacht“. Noomi Rapace gibt sich körper-präsent, beherrscht die heutigen „elektronischen Nutzmittel“ perfekt, hat sich eine dicke Hornhaut angeschafft, wird zu einem unaufhaltsamen, wunderbar wütenden Rache-Tornado. Ein GANZ STARKER, ungemein nahegehender Auftritt dieser 30jährigen schwedischen Schauspielerin. Von der man sicherlich noch viel sehen und hören wird. Zunächst im hiesigen Trilogie-Abschluß „Vergebung“, der Anfang Juni, kurz vor Beginn der Fußball-WM, in die Kinos kommt. Und auf DEN man richtig gespannt sein darf. Die Schweden-Krimis jedenfalls bleiben im spannenden Gespräch; sowohl auf dem Papier wie auch auf der Leinwand (= 3 ½ PÖNIs).

Der heute 50ährige amerikanische Regisseur Brian DePalma mag Alfred Hitchcock-Filme und das Action-Kino. Seine Karriere umfasst Erfolge wie “Phantom im Paradies“, “Schwarzer Engel“, “Carrie“, “Dressed To Kill“ oder “The Untouchables - Die Unbestechlichen“. 1989 wagte sich DePalma an ein Thema, das wir schon kennen. Das der Münchner Michael Verhoeven in seinem Schnellschuss “O.K.“ 1970 behandelte: Verbrechen während eines Krieges. „DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES“ von Brian De Palma (USA 1989; 113 Minuten; Start D: 08.03.1990); der in Vietnam innerhalb einer amerikanischen Soldatengruppe spielt.

Motto dieser Gemeinschaft: Es ist Krieg, es ist alles erlaubt. Also wird bei einem Dschungel -Trip eine Vietnamesin verschleppt und als Beutezug vergewaltigt und getötet. Niemanden hätte das gestört oder interessiert, wenn nicht einer aus der Gruppe Stunk gemacht und sich dagegen aufgelehnt hätte.

“Die Verdammten des Krieges“ basiert auf einem authentischen Ereignis, das erstmals im Oktober 1969 in einer New Yorker-Zeitung erwähnt wurde. Der Film ist zwiespältig. Fünf Böse, ein Guter. D e r sperrt sich immer wieder gegen den Wahn und die Aggression in seiner Umgebung, muss aber viel zurück- und einstecken. Das wird lang und breit, in allen Klischee-Tönen und sehr aufwendig vorgeführt. Die andere Filmseite aber ist interessanter. Da gibt es eben nicht mehr die heldenhaften amerikanischen Soldaten, sondern bösartige, gemeine Psychopathen in Uniform. Bei dieser Interpretation schaudert es einem, erzielt der filmische Alptraum Wirkung.

MICHAEL J. FOX und SEAN PENN sind die Hauptdarsteller und Gegenspieler in einem Zwitterfilm: “Die Verdammten des Krieges“ von Brian DePalma (= 2 ½ PÖNIs).

DER VERDINGBUB“ von Markus Imboden (Schweiz/D 2010; B: Plinio Bachmann; K: Peter von Haller; 103 Minuten; Start D: 25.10.2012); meine Güte, was haut dieser Film vehement wichtig zu. Denn sein Thema besitzt Vielgültigkeit. Verweist zwar eindringlich auf einstige „Schweizer Verhältnisse“, geht aber – wie wir heute von auch woanders, z.B. aus Irland, wissen - weit über Landesgrenzen hinaus. Motto: Wenn du Pech hast und zur falschen Zeit alleine auf der Welt oder von deinen eigenen Eltern „verschachert“ worden bist, hast du die Lebens-Arschkarte gezogen. Wie der Waisenjunge Max. Wir blicken auf dörfliche Schweizer Zustände um 1950. Armut gilt in jener Epoche hier als Makel. Als eine „selbstverschuldete Krankheit“. Natürlich bedingt durch Faulheit und oder Dummheit. Beziehungsweise umgekehrt. Denn wer fleißig war, diszipliniert und kirchentreu lebte, konnte nicht arm, also nicht „gesellschaftskrank“ sein.

Das Presseheft informiert: Die Geschichte der Verdingkinder ist eines der dunkelsten Kapitel in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Zwischen 1800 und 1950, in einzelnen Gemeinden auch noch danach, rissen die Fürsorge-Behörden viele hunderttausend Waisen-, Scheidungs- und uneheliche Kinder aus ihrem Umfeld. Steckten sie in Heime und boten sie Bauern als sklavenähnliche Arbeitskräfte an. Plus „amtlichem“ Kostgeld. Die Kinder wurden wie Leibeigene für Zwangsarbeiten eingesetzt. Benutzt. Obwohl die Schweiz schon ab 1912 Gesetze zum Schutz von Kindern einführte, hielten sich in vielen Fällen nicht einmal die Vormundschaftsbehörden daran. Ihr Interesse war es, die eigenen Ausgaben für Waisenkinder möglichst gering zu halten. Und Kinder aus schwierigen Verhältnissen in „ordentliche“ Familien zu stecken. Wenn nötig, auch mit Polizeigewalt.

Der 12jährige Max (immens überzeugend, darstellerisch ungemein sensibel präsent: MAX HUBACHER) ist Waise. Hofft auf eine „richtige“ Familie, als ihn der „geschäftstüchtige“ Pfarrer auf dem Bauernhof der Bösigers verdingt. Doch das genaue Gegenteil tritt ein: Der knochige, trunksüchtige Bauer (STEFAN KURT) und seine verhärmte Frau (beeindruckend: KATJA RIEMANN) sowie der gerade vom Militärdienst zurückgekehrte Sohn Jacob (MAX SIMONISCHEK) halten und behandeln Max wie „Vieh“. Er muss barfuss schuften wie ein Erwachsener, bekommt Schläge, „wenn es geboten ist“, wird seelisch traktiert. Ständig untergebuttert. Doch wem soll, kann er sich in diesem schweigenden Umfeld anvertrauen? Einzig, wenn er auf seiner Handorgel Musik macht, bekommt er ein wenig Anerkennung. „Draußen“. Im Wirtshaus. Was in der bäuerlichen Familie gar nicht gern gesehen wird. DIE noch „Zuwachs“ bekommt. Mit der 15jährigen Berteli (ebenfalls außergewöhnlich kind-stark: LISA BRAND), einem weiteren Verdingkind. Sie wurde schweren Herzens von ihrer alleinstehenden Mutter „tauglich weggegeben“. Verursachte zu viele Kosten. Zuhause. Auf sie hat es vor allem Jacob nachts „abgesehen“. Als eine junge neue Lehrerin in der Gemeinde auf diese Zustände und Verhältnisse aufmerksam wird, eskaliert die grausame Situation auf dem Bösiger-Hof.

Von wegen Mittelalter. Gerade erst vorvorgestern geschehen. Passiert. Und wird jetzt erst „aufgearbeitet“. Seit einigen Jahren. In der heute „peinlich berührten“ Schweiz. Der Film ist ein guter tiefer Schlag in die Magengrube und findet sich wütend auf Gedankenebene ein. War im Vorjahr in der Schweiz (mit über 250.000 Besuchern) ein Kino-Hit. Was waren DAS für Zustände? DIE Menschen mit Menschen errichteten? Einrichteten? Vermeintlich bibelfeste Menschen. Die verantwortungslos wie heuchlerisch wie egoistisch auf „Befohlene“ eindroschen. Abhängige. Körperlich wie seelisch. DIE ihresgleichen eiskalt vernichteten. Für ein erhofftes besseres eigenes Leben. Auf grausame Zeiten samt zerstörter, kaputter Menschen blickt dieser Film. Auf permanente Lebens-Verlierer. Deren Äcker genauso verkommen sind wie sie selbst. Regisseur Markus Imboden bemüht sich, „Haltung“ zu wahren. Zu bewahren. Will keine filmische Anklage, sondern erheben, wie es war und warum es damals SO war. Authentisch wie emotional. Fürchterlich atmosphärisch. Sein Werk ist ein bedeutungsvoller Aufschrei. Für alle jene „Kreaturen“ gedacht, die einst „dermaßen“ gehalten, behandelt und auch getötet wurden. Derzeit gibt es politische Gespräche, wie die misshandelten, missbrauchten „Verdinger Überlebenden“ entschädigt werden können. Max, so die ungemein eindringliche Schlussszene, hat überlebt. Dank der, dank SEINER Musik. Sein Schlusston gräbt sich für lange Zeit in UNS ein. Ganz tief. Solidarisch. Mitfühlend. Kopfvoll.

„Der Verdingbub“ ist nicht nur eine packende regionale filmische Aufarbeitung bei unserem Nachbarn, sondern auch ein großartig starker Welt-Film (= 4 PÖNIs).

DAS VERFLIXTE 3. JAHR“ von Frédéric Beigbeder (Co-B+R; Fr 2011; 98 Minuten; Start D: 19.07.2012); ER ist derzeit in Frankreich „so etwas“ von angesagt - der 46jährige FRÉDÉRIC BEIGBEDER. Als Bestseller-Autor (z.B. „39.90“ von 2001/von Jan Kounen 2007 mit Jean Dujardin verfilmt), als Literatur-Kritiker, als Gastgeber von TV-Shows. Ein „In“-Typ. Und Scene-Intellektueller. Als listiger Selbstvermarkter. Ein Enfant terrible der französischen Literaturszene, dessen Romane stets von autobiographischem Charakter sind. Wie „L’amour dure trois ans“ aus dem Jahr 1997, der im Januar 2003 hierzulande unter dem Titel „Die Liebe währt drei Jahre“ veröffentlicht wurde. Und den er nun selbst, unter Hinzuziehung der Drehbuch-Verfasser Christoph Turpin + Gilles Verdiani, als seinen Debüt-Kinospielfilm realisierte.

Das Alter Ego von Frédéric Beigbeder heißt/ist Marc. Marc Marronnier (GASPARD PROUST). Ein Literaturkritiker und Szene-Kolumnist. Dessen Ehe natürlich im dritten Jahr geschieden wird. Geschieden werden muss, denn schließlich lautet sein Credo: Im 1. Jahr kauft man Möbel ein; im 2. Jahr stellt man sie um; im 3. Jahr teilt man die Möbel auf. Natürlich folgt nun Selbstmitleid plus Alkohol. Beziehungsweise umgekehrt. Immerhin aber zeigt sein pathetisches Leiden ein produktives Ergebnis. In Form eines Buches. Mit dem Titel „Das verflixte 3. Jahr“. Wo sich Marc mal so richtig “ausheulen“ kann. Allerdings will niemand seine Papier-Ergüsse annehmen. Schließlich erbarmt sich widerwillig und mehr „angeekelt“ eine toughe Verlegerin (köstlich knorrig: VALÉRIE LEMERCIER). Die das Geschriebene zwar überhaupt nicht mag, aber irgendwie „riecht“, dass daraus doch „was werden“ kann. Und richtig. Unter Pseudonym herausgebracht, wird das Buch zum Knaller. Ein Bestseller. Was zu giftigen Komplimenten seiner Verlegerin wie zu „komischen“ Kritiker-Kommentaren von französischen Schriftstellern wie Marc Levy, Nicolas Rey oder Pascal Bruckner führt (Woody Allen lässt hier spielerisch pointiert grüßen).Schließlich wird Marc sogar ein Preis zugesprochen, der „Prix de Flore“ (den Frédéric Beigbeder 1994 tatsächlich für junge Autoren ins „richtige“ Leben rief und zu dessen Preisträger etwa Michel Houellebecq zählt). Es könnte also alles paletti sein, hätte Marc nicht kürzlich die bezaubernde Alice (SANAM AFRASHTEH) kennen- und liebengelernt. Das Problem - sie ist die Ehefrau seines Cousins. Sowie - für sie lässt er all seine (gerade doch erst in seinem Buch erklärten) Vorsätze und Ansichten voll fallen. Und erreicht, dass Alice ihren Mann an ihrem dritten Hochzeitstag verlässt. Um sich fortan mit Marc fest „einzulassen“. Nicht wissend, dass von ihm das von ihr als „Schwachsinn“ bezeichnete Erfolgsbuch („von einem sexistischen Macho“) stammt. Klar, dass sie bald erfährt, wer dieser „widerliche“ Autor mit seinem „spießigen Pessimismus“ wirklich ist. Ach-her-jeh.

Ist ulkig. Von schön-leichtem Chaos-Charme durchsetzt. Und mit augenzwinkernder Ironie-Zunge zelebriert. Motto: Diese stets verrückte, schöne Balgerei, auch „die wahre Liebe“ genannt. Anfangs. Beigbeder hält überraschend die witzige neurotische Ego-Balance. Um diese Ich-Figur Marc. Mit originellen Anspielungen an etwa die Atmosphäre von Nouvelle-Vague-Klassiker (nicht zuletzt besitzt „Marc“ Gaspard Proust äußerliche „Hechel“-Merkmale des Truffaut-Helden Antoine Doinel alias Jean-Pierre Léaud sowie Seelen-Ähnlichkeit mit Charles Denner aus Truffauts „Der Mann, der die Frauen liebte“). Oder mit doppelbödigen Blicken auf den zynischen, selbstgefälligen Literatur-Betrieb. Zu den gockligen selbstironischen Darstellern gesellen sich dann noch das französische Hip-Hop-Unikum Joeystarr als Hardcore-Macho Jean-Georges sowie die 79jährige französische Soundtrack-Legende MICHEL LEGRAND, dessen Song-Klassiker „Windmills of your Mind“, einst komponiert für den Steve McQueen-Thriller „Thomas Crown ist nicht zu fassen“/1968, hier als Leit-Motiv swingt, und der sich hier selbst spielt.

„Im 21. Jahrhundert ist Liebe eine unbeantwortete SMS“ oder: Die neue französische Komödie „Das verflixte 3. Jahr“ lächelt nett ab (= 3 PÖNIs).

VERFÜHRUNG EINER FREMDEN" von James Foley (USA 2007; 109 Minuten; Start D: 12.04.2007); einem soliden Hollywood-Regisseur ("Who´s that Girl"; "Glengarry Glen Ross"; "Die Kammer"), der "das Spannungs-Ding"-hier völlig verhunzt hat. In diesem Online-Krimi wird fast ununterbrochen nur gequatscht, darf "Oscar"-Preisträgerin HALLE BERRY ("Monster´s Ball"/2001) als investigative Journalistin verschiedene Identitäten uninspirierend-unglaubwürdig-annehmen und vorwiegend ihre blendend weißen Zähne vorzeigen, während sie sich auf die Spuren einfalls- wie spannungsloser Rechner-Recherche nach dem Unhold begibt.

BRUCE WILLIS genügt hier ein verdächtiger Ein-Gesichts-Andeutungs-Lächeln-Ausdruck, um die satte Gage einzufahren, während der ewig futternde/plappernd-nervöse Zappelphilipp GIOVANNI RIBISI ("Heaven" von Tom Tykwer; im schwachen Remake von "Der Flug der Phoenix") den Computerfreak-Kumpel abgibt, der irgendwie plötzlich auch zum Verdächtigen wird.

Ein lahmes, blödes, sich müde-aufgebläht hinziehendes Krimi-Puzzle, mit zwar überraschender, aber wenig plausibler und sowieso dann egaler (Auf-)Lösung. Dagegen sind unsere (sonntäglichen) TV-Krimis oft um Klassen solider bzw. besser/spannender.

Nach Flops mit "Gothica" (2003) und als "Catwoman" (2004) bleibt das schmucke Bond-Girl aus "Stirb an einem anderen Tag" (2002) weiterhin ziemlich erfolglos (= 2 PÖNIs; für die extrem gut geputzten Weiß-Beißerchen von Frau Berry...).

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