„WÄCHTER DER NACHT" von Timur Bekmambetov (RU 2005; 114 min; Start D: 29.09.2005); einem ehemaligen Werbefilmer, ist ein "Blockbuster" aus Russland (von 2003), der dort zum größten nationalen Kinoerfolg aller Zeiten avancierte (und sogar die Besucherzahlen von "Der Herr der Ringe" toppte); sozusagen Moskaus Antwort auf Hollywood. Nach einer in Russland populären Romanvorlage des Psychiaters Sergej Lukjanenko wird der unablässige Kampf zwischen Gut und Böse/zwischen Licht und Finsternis in den Straßenschluchten, Wohnruinen und überfüllten Metrozügen des Molochs Moskau ausgefochten.
Dabei mischen sich - beliebig - Fantasy/Grusel/Science Fiction/Horror/Mystik/Vampir-Thriller; und für "westliche Augen" ist dieses lärmende, blutige, finstere Action- und Schmuddel- Entertainment sowieso nichts Neues: Digitaler Krimskrams um die russische Apokalypse-Now; anfangs wegen des neuen filmischen Standorts ganz reizvoll, dann aber erlahmend und wirr-konstruiert "durchlaufend" (= 2 PÖNIs).
„WAG THE DOG - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ von Barry Levinson (USA 1997; B: David Mamet, Hilary Henkin, nach einem Roman von Larry Beinhart; K: Robert Richardson; M: Mark Knopfler, Willie Nelson; 97 Minuten; Start D: 26.03.1998).
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat Probleme. Hausgemachte Probleme. 11 Tage vor der Wiederwahl kann ihm ein 3minütiges “Techtelmechtel“ mit einer minderjährigen Praktikantin im Weißen Haus das Amt kosten. Die Opposition lauert schon in den Startlöchern und sorgt in den Medien für entsprechende Schlagzeilen. Doch: Für solche “Pannen“ gibt es Berater wie Conrad Brean. Conrad ist im Hintergrund “der Mann für alle Fälle“. Er ist ein professioneller Lügenbold und weiß genau, wie man die Medien, also “die Öffentlichkeit“, wieder auf “präsidialen Kurs“ bekommt Wie man “das Volk“ wieder in die richtige patriotische Wiederwahl - Stimmung bringt. Stichwort: Ablenkung tut Not bzw. ein Krieg, pardon, ein MEDIEN-Krieg muss her.
Conrad Brean erfindet also auf die Schnelle den geheimnisvollen neuen B 3-Bomber. Ernennt Albanien zum neuen Atom-Feind. Und setzt, fiktiv natürlich, aber wirkungsvoll, gleich eine albanische Terroreinheit in Bewegung, die von Kanada aus in Richtung Washington unterwegs ist. Bei so viel “Bedrohung“ und “Erklärungsbedarf“ hat der Präsident nun wirklich Wichtigeres zu tun, als irgendeine “angebliche“ Sex-Affäre zu
kommentieren. Zudem: Conrad Brean erhält Beistand aus Hollywood. Dort zählt Stanley Motss zu den Mächtigen. Motss ist Produzent und will “phantasievoll“ angesprochen werden.
Die Show kann beginnen. Der ganze schöne bilderreiche Manipulations- Zirkus, genannt NACHRICHTEN, wird in Gang und Bewegung gesetzt. Mit.
vielen technischen Tricks und perfekter Illusion aus dem allmächtigen
Computer. Schließlich wartet das Volk begierig auf die spektakulären neuen “Mitteilungen“ und Geschichten. Während die Medien quotenreich, also ertragreich mitmischen. So ist der “Krieg" bald gewonnen, und die Wiederwahl des Präsidenten scheint - trotz einiger Störungen
zwischendurch - gesichert.
Als der “Rain Man“-Regisseur BARRY LEVINSON Anfang 1997 das Projekt “Wag The Dog“ in nur 29 Drehtagen realisierte, gab es noch keine tatsächliche Praktikantin Monica Levinsky, und es gab auch noch keine “sogenannte Clinton-Affäre“.
Robert De Niro tritt als Conrad Brean herrlich abgebrüht und überzeugend auf. Und liefert sich mit seinem Star-Kollegen Dustin Hoffman als Produzent Motss hinreißend-listige und wunderbar-doppelzüngige Verbal-Duelle. Übrigens: DAVID MAMET, einer der intelligentesten, zeitgenössischen amerikanischen Autoren und Schriftsteller, verfasste das Drehbuch zu “Wag The Dog“ nach dem Roman “American Hero“ von
Larry Beinhart.
Der Film: “Wag The Dog“ ist eine ebenso nachdenklich stimmende wie vergnügliche Polit-Satire auf und über das moderne MEDIEN-Zeitalter. Das Motto - mit Politik, Moral und “anderen
Spezialeffekten“ lassen sich die 90er Jahre be-herrschen - ist so abwegig, nicht mehr. Zwar geht dieser schwarzen Komödie mittendrin etwas die gedankliche und dramaturgische Luft aus, dennoch: “Wag The Dog“ zählt zweifellos zur besseren, weil intelligenteren Kino-Unterhaltung derzeit...(= 4 ½ PÖNIS).
Der französische Regisseur des folgenden Filmes, ALAIN CORNEAU, ist am 30. August 2010 in Paris im Alter von 67 Jahren gestorben.
Corneau, der an der Pariser Filmhochschule studierte, war bereits ausgebildeter Musiker, bevor er 1969 als Regieassistent bei Costa-Gavras ("Das Geständnis") anfing und 1973 als Drehbuch-Autor und Regisseur mit seinen "speziellen" Spannungsfilmen bei seinem Debütwerk "Tödliche Marke" loslegte. Von Alain Corneau stammen Filme wie "Police Python 357", ein Polizei-Thriller mit Yves Montand und Simone Signoret (1976), "Lohn der Giganten" (1977, ebenfalls mit Yves Montand) sowie die düstere Milieu-Studie "Serie Noire" (1979, nach dem Jim Thompson-Roman "A Hell of a Woman"; mit Patrick Dewaere), mit der er seinem Vorbild JEAN-PIERRE MELVILLE (1917 - 1973/"Der eiskalte Engel"; "Der zweite Atem"; "Vier im roten Kreis") SEHR nahe kam. Seinen größten kommerziellen Erfolg erreichte Alain Corneau 1991 mit dem Historien-Drama "Die siebente Seite" (mit Gerard Depardieu + dessen Sohn Guillaume), der mit gleich 7 "Cesars", den französischen "Oscars", bedacht wurde, darunter in den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie". 2007 entstand "Le deuxieme souffle" das Remake des Melville-Dramas "Der zweite Atem". Der Abschiedsfilm von ALAIN CORNEAU heißt "Le Crime d´Amour", ist mit Kristin Scott Thomas + Ludivine Sagnier hauptrollenbesetzt und hatte gerade in den französischen Kinos Premiere.
Der Film, um den es aber geht, stammt von 1980 und heißt
„WAHL DER WAFFEN" von Alain Corneau(Co-B+R; Fr 1980; 135 Minuten; deutscher Kinostart: 30.10.1981); Originaltitel: "Le Choix des Armes".
Ein ganz und gar kühler Gangster-Thriller. Mit der Minimalismus-Atmosphäre eines Jean-Pierre Melville. Monsieur Noel Durieux ist ein guter Bürger. Hat sich mit seiner attraktiven Ehefrau Nicole von der Großstadt verabschiedet und ist auf ein Gestüt aufs Land gezogen. Noel Durieux hat mit seiner groß-kriminellen Vergangenheit längst abgeschlossen, will nur noch ein "vernünftiges", ruhiges Leben führen. Als gesetzestreuer Bürger. Doch der freundliche, ruhige Ex-Pate muss nochmal "in den Ring" zurück. Der unverhoffte wie unerwünschte Anlass: Die Begegnung, das Aufeinandertreffen mit dem kriminellen Jungspunt und cholerischen Gefängnisausbrecher Mickey. Der aufbrausende, unbeherrschte Unterschichtentyp taucht eines Tages unerwartet auf, verlangt Schutz und Geld. Wird zu einer üblen Bedrohung. So dass Noel Durieux wohl oder übel "reagieren" muss. Was fatale Folgen hat.
Ein Meisterwerk von spannendem Thriller. Als phantastischer "Schwanengesang" des französischen Gangsterkinos der 60er und 70er Jahre. Faszinierend, psychologisch packend, darstellerisch formidabel. In der Variation "Der Alte" + "Der Junge" bzw. "Der Aristokrat" und "Der Proletarier" duellieren sich YVES MONTAND (59/in einem "typischen", also beeindruckenden, souveränen JEAN GABIN-AltersPart) und GERARD DEPARDIEU ("hitzige" 32) geradezu magisch = aufregend, (rollen-)verachtend, virtuos. Während zwischen den Beiden die wunderschöne CATHERINE DENEUVE auf ihre unnachahmliche erotische Blickweise und in ihrer wunderbar-mondän-coolen Körpersprache brilliert.
So entwickelt sich ein jazziger Kammerspiel-Thriller mit außerordentlichem, bestechendem "Frost-Geschmack". Und mit dem typischen Hauch von feinem wie "gruseligem" Anti-Bourgeoisie-Gefühl der abgelaufenen 70er Protest-Epoche. Will heißen: "Wahl der Waffen" wirkt durchaus auch als pessimistisches Sozialdrama. Marke - die ewige wie vergebliche Bürger-Suche nach dem zivilen Glück.
"Wahl der Waffen" ist ein grandioses, zeitloses MEISTERWERK (= 4 ½ PÖNIs).
„DAS WAISENHAUS" von Juan Antonio Bayona (Spanien/Mexiko 2007; 105 Minuten; Start D: 14.02.2008); ist spanisches Grusel-Getue in einem heutigen Spuk-Haus. Kein subtiler Horror-Thriller, sondern eine vorhersehbare "Erlebniswelt" um knarrende Türen, quietschende Spielgeräte, kindliche Vergangenheitsgeräusche. Und um eine aufgescheuchte Mama, die ihren verschwundenen Bub sucht und dabei auf schreckliche Begebenheiten von einst-hier stößt.
Motto: Die toten Kinder, die nicht zur Ruhe kommen/gekommen sind. Na ja. Da muss erst noch "was geklärt" werden, damit hier endlich Ruhe und Frieden einkehrt. War im Heimatland ein riesiger Kinoerfolg, bekam dort kürzlich gleich 7 "Oscars"/"Goyas", bringt aber im Grunde nichts Gänsehaut-Neues, sondern bietet eine ganz nette, aber jederzeit überschaubare, vorhersehbare Spuk-Show" (= 3 PÖNIs).