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Heimkino-Empfehlung mit N

Aus Frankreich kommt wieder ein "Hammer", bei dem man sich wundert, warum er für hiesige Kinos nicht interessant sein soll. Allerdings irritiert sein deutscher DVD-Titel "Nachtblende".

Denn mit diesem Titel verbindet sich hierzulande ein französischer Klassiker aus dem Jahr 1975 von Andrzej Zulawski. Damals bekam das "skandalöse Milieu-Drama"  "L`important c`est d ' aimer", mit einer grandios "anderen" Romy Schneider in der Hauptrolle (die dafür den "Cesar" als "Beste Darstellerin" bekam), eben den deutschen (Kino-)Titel "Nachtblende". Heute also taucht der neue französische Film

"L' Homme qui voulait vivre sa vie", also "Der Mann, der sein Leben leben wollte",

wieder mit diesem (jetzt DVD-)Titel auf. Keine sehr glückliche Wahl:„NACHTBLENDE" von Eric Lartigau (Co-B+R; Fr 2010; 115 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 1.7.2011).

Es ist - nach "The Trouble with Pamela Rose?" (2003), "Ein Ticket in den Weltraum" sowie "Leih' mir deine Hand" (beide von 2006) vierte Spielfilm des heute 47jährigen ehemaligen Assistenten von Edouard Molinaro, Diane Kurys und Emir Kussturica. DER adaptierte den Roman "The Big Picture" des amerikanischen Schriftstellers DOUGLAS KENNEDY aus dem Jahr 1998, der ein internationaler Erfolg war, in 16 Sprachen übersetzt wurde und in Frankreich unter dem Originaltitel der Verfilmung erschien: "Der Mann, der sein Leben leben wollte". Dieser Titel ist Programm.

Im Mittelpunkt: Paul, der erfolgreiche Anwalt einer Kanzlei. Da seine Chefin Anne (CATHERINE DENEUVE) erkrankt ist, soll er schon bald die Führung-hier übernehmen. Paul lebt auf der Sonnenseite des Lebens. Mag man glauben. Denn auch privat hat er einiges "geschafft". Zuhause warten seine schöne Frau Sarah (MARINA FOIS), zwei heißgeliebte Kinder und ein komfortables Haus auf ihn. Alles paletti also? Irgendwie ist von Anfang an eine Art "Unruhe" zu spüren. Spannungen, Anspannungen, innerhalb der Eheleute. Kleine Gesten, Blicke, Bewegungen lassen vermuten, dass hier keineswegs alles so stimmig ist wie es scheint. Scheinen soll. Auch bei Paul (ROMAIN DURIS), der leicht aus der Haut fährt, schon mal gleich aufbrausend reagiert und bisweilen kurz vor dem hektischen "Explodieren" scheint. Und dann fällt DER Satz der (Lebens-)Sätze: "ICH ENTSCHULDIGE MICH SCHON MEIN GANZES LEBEN LANG!"

Paul hat sein Leben "gut gefüllt", mag es aber eigentlich nicht. 100%ig. Hat sich "den Konditionen" des Seins unterworfen, eine tolle Frau erobert, mit ihr zwei tolle Kinder "fabriziert", für den gesicherten Erhalt der Familie gesorgt. Hat sich stets "eingebracht", hat aber auch stets wohl gespürt, dass er seinen eigenen, individuellen, großen Lebenstraum, zum Beispiel sich als Fotograf "zu erfüllen", eben nicht geschafft hat. Doch was soll´s, die Familie ist allemal "bester Ersatz". Doch DIE ist nun in Gefahr, weil seine Frau sich von ihm abwendet. Bereits abgewendet hat. Hin zu einem Nachbarn. Einem eher erfolglosen Fotografen. Als Paul ihn zur Rede stellt, passiert ein Unglück. Denn der Nachbar stürzt dabei so unglücklich, dass er sich tödlich verletzt. Was Paul veranlasst, sein komplettes Dasein nach einer kurzen Schockstarre zu ändern. Zu verändern. Sozusagen ein "Entzug". Ein "Familien-Entzug". Mit allen Konsequenzen. Fortan...
...entwickelt sich kein Thriller herkömmlicher Art: Großes Geschrei, Polizei, Recherche, Duelle, eine Jagd, Aufklärung, sowohl juristisch wie moralisch...; alles falsch. Fortan begibt sich dieser packende Spannungsfilm auf einen ganz anderen Trip. Und DER soll nun nicht beschrieben werden, denn DEN sollte man sich "antun". Thema: Die ewige Identitätssuche, der immer wieder auftauchende "eigene Lebens-Käfig". DER dich einfängt, DER dir Spaß, Zuspruch, aber auch wieder Einengung bringt. DER dich auch wieder nur ganz kurz glücklich werden und zur seelischen Ruhe kommen läßt. Bevor ES wieder losgeht und alles doch wieder in Spannung, Anspannung, "dem üblichen Unterwerfen" ausartet.

Ich musste bei "Nachtblende", einem ganz und gar nicht vorhersehbaren, verblüffenden, brillanten Spannungsfilm, des Öfteren an die faszinierende, ebenso unberechenbare wie klassische Patricia Highsmith-Figur des TOM RIPLEY denken. Denn dieser 36jährige ROMAIN DURIS spielt seinen Paul Exben genauso charismatisch, berechnend, psycho-aufwühlend wie einst zum Beispiel der 25jährige Alain Delon jenen Tom Ripley-Draufgänger in "Nur die Sonne war Zeuge" (von René Clement/1960). Duris ist präsent, ohne sich dabei aufzudrängen. Duris ist "wild", ohne den Spinner oder den unkontrollierten aggressiven Idioten zu mimen. Ganz im Gegenteil: Er schafft die Balance zwischen einem bürgerlich-genormten Menschen, der für sich von einem Moment auf den anderen entscheidet, tatsächlich sein ganz eigenes Lebens-GLÜCK zu suchen, zu versuchen. Und dabei Schicksalswege einschlägt, betritt, die natürlich risikoreich, aber dann auch bestätigend sind. Wenigstens für Momente. Um dann...

An ROMAIN DURIS, am 28. Mai 1974 in Paris geboren (Sternzeichen Zwilling also), "hängt" alles. Der auch bei uns durch Filme wie "Gadjo Dilo" (1997), "L' auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr" (2002), "Der wilde Schlag meines Herzens" von Jacques Audiard (2005), "L' auberge espagnole - Wiedersehen in St. Petersburg" (2006) sowie "Afterwards" (bei uns auf DVD: "Ein Engel im Winter"/2008) und zuletzt "Der Auftragslover" (2010) bekannt gewordene Charles Bukowski-Fan ist hier die personifizierte spannende Unruhe. Wirbelt charismatisch-kräftig wie sensibel-unterkühlt seinen Sinn-Sucher und Ich-Strategen über seine vielen Hürden. Duris überzeugt phänomenal. Strahlt Güte wie Starrsinn, Eigenbrödler wie "Macker" glaubwürdig 'rüber. Ist fast in jeder Szene "vorhanden" und "betört" durch Neugier, Anteilnahme, glaubwürdige Psycho-Tiefe. Eine tolle Performance eines wirklich außergewöhnlichen Schauspielers. DER auch bei uns die Leinwand prächtig füllen würde. Diesmal aber ist es "nur" DIE vom Heimkino: "Nachtblende" ist ein exzellentes französisches DVD-Unterhaltungsangebot.

Anbieter: "Universum Film"

In dem zu besprechenden Film geht es um Irrsinn in der heutigen Realität. Der Fall hat einst Schlagzeilen gemacht: Im Dezember 1986 haben drei Schwarze, ein Vater und seine beiden Söhne, mitten im New Yorker Weißen-Viertel 'Howard Beach‘ eine Autopanne. Es ist eine kalte Nacht, und ehe Hilfe herbei telefoniert werden kann, werden die Drei überfallen. Einer stirbt dabei. Staatsanwaltschaft und Polizei geben sich mit ihren Ermittlungen nicht allzu viel Mühe, da die Täter aus angesehenen Gesellschaftskreisen stammen. Doch als der Druck der Öffentlichkeit immer größer wird, wird ein Sonder-Staatsanwalt mit den Ermittlungen beauftragt. Und der lässt sich weder beeinflussen noch korrumpieren.

Der Film„NACHT DES TERRORS - MORD IN NEW YORK CITY“ von Dick Lowry (USA 1989; 94 Minuten; vergriffen); geht den schockierenden Spuren eines hundsgemeinen Gewaltverbrechens nach und stellt auch nachdenkliche Fragen der gesellschaftlichen Mitschuld. Ankläger Joe Hynes, von Daniel J. Travanti zurückhaltend gespielt, setzt schließlich auf und appelliert an die Moral.

In “Nacht des Terrors — Mord in New York City“ (OT: "Howard Beach: Making a Case for Murder") kratzen sich die Amerikaner wieder einmal erstaunlich und spannend am Eingemachten. Aber: Es ist ein Film, der durchaus auch für unsere Region Sinn macht und Bedeutung hat. Leider.

Mein erster DVD-Blick im Jahr 2011 gehört einem amerikanischen "Klein"-Film, der bei uns nie in die Kinos gekommen ist, sondern jetzt seine deutsche Uraufführung "per Scheibe" erlebt. Und in dem ein Hollywood-Star die Hauptrolle spielt. Während ein spanischer Drehbuch-Autor sein US-Regie-Debüt absolvierte, der vorher Zuhause "nur" drei Kurzfilme gedreht hatte. Der originale Titel ist auch der "deutsche" DVD-Titel:

THE NEW DAUGHTER", von Luis Berdejo (USA 2009; 104 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 7.1.2011)

Das Drehbuch stammt von einem (unbekannten) Autoren namens John Travis, der die (ebenfalls unbekannte) gleichnamige Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers John Connolly aus dem Jahr 2004 adaptierte. Dabei im Mittelpunkt: Ein gepeinigter Vater zweier Kinder, dem die Ehefrau "abhanden" gekommen ist. Sie hat sich scheiden lassen und ließ/lässt die beiden traumatisierten Kinder bei IHM. Der Schriftsteller John James hat daraufhin alle städtischen (Ver-)Bindungen abgebrochen, ist aufs Land in ein abgelegenes Haus gezogen, um erst einmal durchzuschnaufen. Was seine Kinder unterschiedlich annehmen: Dem 7jährigen Sam ist es egal, hauptsache er "hat" (wenigstens) noch den Daddy. Die doppelt so alte Louisa dagegen tut sich in der Fremde schwer. "Wie willst du das machen?", herrscht sie ihren Vater an; "unser Vater sein? Du hast nicht viel Übung!".

Und: Wir nehmen plötzlich wahr, dass hier draußen "irgendetwas" nicht mit rechten Dingen zugeht: Eine "merkwürdige" graue Gestalt huscht nachts plötzlich kurz übers Dach. Und auch Tochter "Lu" beginnt sich zu verändern. Verlässt des Öfteren das Haus, um sich auf einem nahegelegen Hügel "auszuruhen". Wird danach eigenartig "anders". Tritt sonderlich auf, benimmt sich überhaupt nicht mehr kooperativ, ganz im Gegenteil. Bringt auch ihren kleinen Bruder Sam in Gefahr(en). Daddy schreibt dies anfangs ihrer "sprießenden Pubertät" zu und sieht sich dann jedoch immer bedrohlicheren Begebenheiten und schließlich sogar Attacken ausgesetzt. Begreift langsam, dass alles "mit diesem eigenartigen Hügel" zu tun hat. Von dem ein Wissenschaftler behauptet, dass es sich um einen Grabhügel von Annodunnemal handelt. In dem gefährliche Grabhöhlengänger hausen und auf "Befreiung" und "Fortpflanzung" lauern. Mit zahlreichen aggressiven Helfershelfern. Draußen. Nicht nur der geliebte rotbraune Kater Marmalade muss "dran glauben", sondern auch einige Menschen aus der Umgebung. Die mit der Familie "in Kontakt" geraten sind. John James und der immer stärker werdende schleichende Horror hier oder wohl oder übel muss sich der gestandene moderne Daddy-Typ der latenten Irrationalität des Grauens stellen. Was auch die Musik von JAVIER NAVARRETE permanent wie "furchterregend" signalisiert, begleitet, stimmungsvoll kommentiert.

"The New Daughter" ist ein spannender Horror-Krimi nach dem Motto: Was geht hier vor bzw. durch WEN oder WAS??? Die gut dosierte, nie überzogene und sehr atmosphärische Präsenz des Schreckens oder Horror im Handy-Zeitalter. Weniger mit dem Hackebeil und mehr subtil, mit Andeutungen, "komischen" Bewegungen, aber auch mit "bekannten Geräuschen" versehen wie Blitz & Donner, wie "bedrohlicher" Regen und allerlei Krabbel-Viecher, sprich Ameisen. Und einer Story, die überzeugend zwischen Wahn und Wirklichkeit aufregend pendelt. Und mit einem phänomenalen Schluss endet. Ohne zu beruhigen.

Natürlich ist ER hier der filmische Star-"Ziehvater": Der kalifornische Schauspieler, Regisseur, Produzent und Musiker sowie 2fache "Oscar"-Preisträger KEVIN COSTNER ("Der mit dem Wolf tanzt"). Der sich ja zuletzt für Großauftrite in kleineren Movies nicht zu schade war wie in "Mr. Brooks - Der Mörder in Dir" von 2007, einem bislang zu Unrecht völlig unterschätzten Thriller, in dem Costner einen "feinen Mörder" mimte, oder danach in "Swing Vote" von 2008 (bei uns auch gleich auf DVD herausgekommen), in dem Costner einen versoffenen Prekariats-Ami spielte, dessen Stimme entscheidet, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Hier nun bekomm er als sowie schon gestresster Vater mächtig zu tun, um seine kleine (Rest-)Familie zu (be-)schützen.

Der 1975 in San Sebastian geborene Luis Berdejo erweist sich bei seinem ersten Hollywood-Ausflug als ordentlicher Zeremonienmeister, wenn es darum geht, einen halbwegs plausiblen, "nervösen" Spannungsfilm exquisit zu entwickeln. Dabei kann er auf seine 3 Haupt-Helden zählen. Denn neben Routinier Kostner, wieder mit seiner vorzüglichen deutschen Bariton-Stimme von FRANK GLAUBRECHT, halten vor allem auch diese beiden großartigen Kinder-Akteure IVANA BAQUERO (bekannt aus "Pans Labyrinth"/"Goya" als "Beste Nachwuchsdarstellerin" 2007) und GATTLIN GRIFFITH (neben Angelina Jolie in Clint Eastwoods Meisterwerk "Der fremde Sohn"/2008) prächtig mit; verdüstern angenehm-unheimlich die sowieso schon aufgeladene Provinz-Szenerie, "The New Daughter" zählt zu den besseren filmischen DVD-Aufregern; ist passables Genre-Kintopp.

Anbieter: "Universum Film Home Entertainment".

Der DVD-Markt wird immer spannender, will sagen - besser. Immer öfters gibt es bei uns Entdeckungen zu annoncieren, für die im hiesigen Kino vorab kein Platz (mehr) war. Um solch eine "deutsche Erstveröffentlichung" handelt es sich bei der im Jahr 2008 für geschätzte 11,5 Millionen Dolar in Memphis/Tennessee gedrehten amerikanischen Independent-Produktion "NICHTS ALS DIE WAHRHEIT" von Rod Lurie (B, Co-Prod.+R; USA 2008; 102 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 02.03.2010); O-Titel: "Nothing But the Truth".

Der heute 47jährige, in Israel geborene amerikanische Produzent, Drehbuch-Autor und Regisseur Rod Lurie absolvierte 1984 die US-Militär-Akademie und diente in der US-Army. Arbeitete als Filmkritiker (für die New Yorker "Daily News" und diverse anderer Zeitschriften). Drehte ab 1998 Kurzfilme (preisgekrönt: "4 Second Delay") und fing dann an, Lang- bzw. Spielfilme zu realisieren:

"Rufmord - Jenseits der Moral" war im Jahr 2000 sein Debütfilm (mit Gary Oldman, Joan Allen + Jeff Bridges), gefolgt von "Die letzte Festung" (2001/mit Robert Redford). 2007 folgte der kürzlich bei uns auch auf DVD erstaufgeführte Streifen "The Champ" (mit Samuel L. Jackson + Josh Hartnett). In seinem neuen Werk befaßt sich Rod Lurie mit einer "durch wahre Ereignisse inspirierten" Politgeschichte. Thema: "Irgendjemand hat streng geheime Informationen enthüllt. Das ist ein Akt des Verrats": Die Journalistin Rachel Armstrong (KATE BECKINSALE/die "Ava Gardner" in "Aviator" von Martin Scorsese) enthüllt in einem Artikel in der "Capitol Sun-Times" die Identität einer geheimen CIA-Ermittlerin: Erica Van Doren (VERA FARMIGA/die als Geschäftsfrau und Zeit-Partnerin von George Clooney in "Up in the Air" mit einer "Oscar"-Nominierung bedacht wurde). Ihre Recherche ist korrekt und löst, aus vielerlei aktuellen Gründen, ein "politisches Erdbeben" in Washington, im unmittelbaren Machtzentrum, aus, fordert aber nun sogleich auch "das System" heraus. In Gestalt des Sonderermittlers Dubois (MATT DILLON/"L.A. Crash"), der unbedingt "ihre Quelle" für diese Information wissen will.

Doch Rachel Armstrong weigert sich, diese offenzulegen. Sie beruft sich auf den Quellenschutz. Und der zugesagten unbedingten Vertraulichkeit. Als Staatsanwalt und Richter daraufhin ihren "Fall" zur "nationalen Sicherheitsfrage" erklären, sind ihre gesetzlichen wie verfassungsmäßigen Schutzrechte hin. Rachel muß aussagen, will sie nicht riskieren, ins Gefängnis zu kommen. Und genau dies passiert. Rachel bleibt standhaft, muß dadurch in den Knast. Beugehaft. Was in der Folgezeit sowohl die Ehe mit dem Polit-Autor Ray (DAVID SCHWIMMER/der "Ross Geller" in der TV-Serie "Friends") gefährdet wie vor allem auch ihre Beziehung zu ihrem geliebten kleinen Sohn Preston nachhaltig "stört". Obwohl ihr Star-Anwalt Alan Burnside (ALAN ALDA) alles versucht, sie freizubekommen, muß Rachel Armstrong hinter Gittern bleiben. In einem kriminellen Umfeld, das nicht gerade "sanft" mit ihr umgeht. Durch die folgenden Ereignisse allerdings stellt sich für die engagierte Journalistin, die in der Zwischenzeit sogar eine Nominierung für den begehrten "Pulitzer-Preis" bekommen hat, die dringliche Frage, ob ihre journalistischen Prinzipien es wirklich wert sind, ihre Existenz dermaßen aufs Spiel zu setzen. Zumal ihre Haltung auch für die enttarnte CIA-Agentin schlimme Folgen hat. Schließlich....., und die Auflösung ist mehr als verblüffend.

Ein spannender, ein wortreicher, ein intelligenter Verbal-Thriller. Für Zuschauer, die es gerne unterhaltsam-klug wie zugleich außerordentlich nachdenklich mögen. Denn dieser Film läßt "kopfmäßig" nicht kalt, ganz im Gegenteil. Wir erinnern uns an einen Justizskandal aus der Bush-Ära: Wo die US-Journalistin Judith Miller 2003 tatsächlich 85 Tage im Gefängnis saß, weil sie die Identität einer Undercover-Agentin der CIA in der "Washington Times" aufgedeckt hatte. Und ihre Quelle nicht preisgeben wollte. Ähnlich hier. Wo "das System" nicht lockerläßt, nicht lockerlassen will. "Prinzipien" auf beiden Seiten. Wer hat recht? Was ist rechtens? Fundamentale Fragen über den Rechtsstaat werden ebenso angerissen wie demokratisches Unverhalten gezeigt. "Terrorismus-Stimmung" sorgt für ein "merkwürdiges Rechtsverständnis".

Dabei vermeidet Rod Lurie eine simple Gut-Böse-Zeichnung, sondern stellt einzig das (angenehm spektakelfreie) Geschehen in den gedanklichen wie erzählerischen Mittelpunkt: Investigativer Journalismus basiert einzig auf Vertraulichkeit. Und diese gilt es entweder zu behalten oder zu brechen. Bei Letzterem aber ist der Reporter als seriöser Vertreter der 4. Gewalt "zerstört". Ein- für allemal. Und die Machtstellen der Politik können "jubeln". Und fortan "unbehelligt" weitermachen. Darum geht es. Und wenn man schließlich "die Lösung" kennenlernt, ist der Verstörtheitsfaktor immens. Bei allen Beteiligten, und gerade auch beim Zuseher. Das Darsteller-Ensemble ist engagiert, angenehm glaubwürdig, interessant-bravorös in der "Frontstellung". Eben weil es hier weder "Schurken" noch "Helden" gibt. Sondern im Grunde (zu) viele Verlierer.

KATE BECKINSALE, die im Vorjahr von den Lesern des US-Magazins "Esquire" zur "Sexiest Woman Alive" gewählt wurde, hält sich "tapfer" in der Rolle der unbeugsamen Journalistin; VERA FARMIGA als enttarnte "Nachbarin" ist ein Erlebnis; MATT DILLON, erstmals in einem Anzug (wie Rod Lurie im Bonusmaterial stolz erklärt), mimt den konsequenten Staatsbeamten mit lächelnder Härte; ALAN ALDA hat als Star-Anwalt mit unerwartet vielen "Blockaden" zu tun und brilliert wunderbar-unaufdringlich.....: Der neue amerikanische DVD-Film "NICHTS ALS DIE WAHRHEIT" geht buchstäblich wie wortwörtlich unter die prima-angespannte Kopfhaut. Eine tolle DVD-Entdeckung!

P.S.: Im Bonusmaterial, Stichwort "entfallende/herausgenommene Szenen", gibt es eine Szene, die unbedingt hätte drinbleiben müssen. Gänsehaut-pur, wenn der Ehemann der enttarnten CIA-Agentin erklärt, was er erfahren hat und....; diese hochemotionale Szene hätte unbedingt im Film belassen werden sollen, so geht sie unter die Haut und "gehört dazu".....

Heute stelle ich wieder einmal einen neuen amerikanischen Film vor, der seine "deutsche Erstaufführung" auf DVD hat, vorher also hierzulande weder im Kino noch im Fernsehen zu sehen war. Dabei handelt es sich um den im Jahr 2006 mit einem (Mini-)Budget von 3 Millionen Dollar hergestellten Spannungs-Spielfilm

"THE NIGHT LISTENER" von Patrick Stettner (USA 2006; 91 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 26.10.2007); einem bei uns unbekannten Regisseur, basierend auf einem Roman von Armistead Maupin ("Der nächtliche Lauscher").

Dabei im Blick- und Mittelpunkt: Der zur Zeit in einer Beziehungs- wie Schaffenskrise steckende schwule Autor und New Yorker Radio-Moderator Gabriel Noone. Als ihm ein befreundeter Lektor des Manuskript eines todkranken 14jährigen Jungen zusteckt, ist er von dessen Geschichte sofort eingenommen: Der Junge wurde offensichtlich in der frühen Kindheit innerhalb seiner Familie ständig schwer missbraucht. Heute ist er unheilbar an AIDS erkrankt und wird bald sterben. Jedenfalls nach Aussage seiner Adoptivmutter Donna. Doch es gibt Ungereimtheiten in deren Aussagen/Mitteilungen bzw. in der Telefon-Kommunikation mit dem Jungen, mit dem sich Noone mehr und mehr freundschaftlich verbunden fühlt. (Zwei gequälte seelenverwandte Intellektuellen-Seelen Treffen hier sozusagen/anscheinend aufeinander). So entschließt er sich, sich auf den weiten Reise-Weg zu machen, um selbst vor Ort - im winterlichen Wisconsin - zu recherchieren bzw. vor allem: Den Jungen endlich selbst mal persönlich kennenzulernen. Dabei gerät er in einen Strudel aus Lügen, Manipulation und menschlicher Tragik; kommt dabei einer unheimlichen wie geheimnisvollen Identität auf die Spur(en).

"The Night Listener" ist einer jener guten (DVD-)Filme für die herbstlich-dunklen Spät-Nachmittage/Abende. Er entwickelt eine spannende Atmosphäre, besitzt einen angenehm-grusligen Gänsehaut-Charme, wird von den beiden namhaften Hauptakteuren prima geführt: "Oscar"-Preisträger ROBIN WILLIAMS ("Good Will Hunting") und die in den USA sich immer mehr in die erste Darstellerinnen-Reihe spielende Australierin TONI COLLETTE ("In den Schuhen meiner Schwester"; "The Sixth Sense"; "Muriels Hochzeit") liefern sich fein-subtile, überzeugende Duelle. Sie "tragen" - vor allem mit ihrer grandiosen Körpersprache - dieses knisternd-packende Psycho-Drama bestens. Eine schaurig-schöne, exzellente Movie-Entdeckung "per Scheibe".

Anbieter: "Sunfilm Entertainment"

In "NOISES OFF! DER NACKTE WAHNSINN“ von Peter Bogdanovich (USA 1992; 101 Minuten; Video-Veröffentlichung: 22.03.1993; DVD-Veröffentlichung: 15.04.2004) befinden wir uns am bzw. im Künstler-Milieu: Im Theater. Gerade ist Probe angesagt. Man muss sich das so vorstellen: Ein Akt und seine Folgen. Oder: Wie 9 kreative, sensible, sexbesessene, saufende, neurotische Typen ihr feinsinniges Bühnenhandwerk ausüben. Mal auf und vor der Rampe, Mal hinter den Kulissen. Eins ist dabei immer sicher: Es fliegen die Fetzen. Und die Gags.

“Noises Off! Der nackte Wahnsinn“ ist der neueste Hit des Komödien- Experten. Der hat beispielsweise mit “Is‘ was, Doc?“, “Nickelodeon“ und “Sie haben alle gelacht“ drei der gescheitesten Lustspiele der filmischen Neuzeit gedreht. Bogdanovich mag die klassischen Stummfilm-Späße und lässt sich auch hier davon in Tempo, Witz und Gag-Timing bestens inspirieren. Und seine 9 tollen Schauspieler, darunter Michael Caine als Regie-Maestro, spielen und zeigen Macken. Neurosen und Humor in präziser Komik-Choreographie.

“Noises Off! Der nackte Wahnsinn“ von Peter Bogdanovich, das ist purer, amüsanter Quatsch mit Tiefgang. EinFilm zum Verlieben, so, pardon, saukomisch ist er gelungen.

Anbieter: "Touchstone"

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