Der Film kommt aus Frankreich und bezieht sich auch auf eine -
zunächst - glückliche Familie, die von heute auf jetzt KAPUTT geht. Titel: „OHNE SCHULD" von Fred Cavayé (Co-B+R; Fr 2008; 93 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 26.02.2010); Originaltitel:
"Pour Elle", übersetzt also "Für
Sie".
Lisa, Julien und der kleine Oscar, eine intakte französische Familie. In DIE eines Morgens die Polizei brachial eindringt, um Lisa festzunehmen. Sie wird des Mordes an ihrer Vorgesetzten beschuldigt, die Indizien sind überwältigend. Das Urteil: 20 Jahre Haft. WIR wissen. Lisa war es nicht, allerdings hat sie sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort aufgehalten und sich dabei auch nicht gerade "geschickt" angestellt.
Julien ist entsetzt, sieht das Familienidyll platzen, zerstört. Will aber um keinen Preis aufgeben. Nachdem die juristischen Mittel ausgeschöpft sind und nichts gebracht haben, beginnt er einen Plan zu entwickeln. Will SIE aus dem Knast befreien und mit der Familie "verschwinden". Abtauchen. Weit weg. Motto: "Wie kriminell wird man, um zu tun, was man für richtig hält?" Julien beginnt STRATEGISCH und "professionell" zu denken und zu handeln. Füllt DIE Anarchie aus, die in uns allen steckt, aber bei den Meisten von Uns sicher verborgen bleibt. Ein Psycho-Thriller der gehobenen Spannungsart. Mit dem Making of-Titel: "Wie weit würden SIE aus Liebe gehen?"
In den Hauptrollen: "Unsere" DIANE KRUGER ("Inglourious Basterds"), deren Auftreten (endlich einmal) respektabel ist, und Frankreichs Superstar VINCENT LINDON (50), auch bei uns bekannt durch Filme wie "Chaos" von Coline Serreau; "Meine schöne Schwiegermutter" (1998/mit Catherine Deneuve) und zuletzt "Das Zauberflugzeug" von Cédric Kahn (2005). In einem Nebenpart, als rigoroser polizeilicher Spürhund, brilliert übrigens der inzwischen auch bei uns "angekommene" Regisseur und Schauspieler OLIVIER MARCHAL ("36 - Tödliche Rivalen"; "MR 73" = bei uns auch als DVD erschienen).
Während der Frankfurter Komponist KLAUS BADELT, der bei Hans Zimmer in Hollywood ein Praktikum absolvierte und mit dem "Oscar"-Maestro ("Der König der Löwen") auch zusammenarbeitete (z.B. bei "Fluch der Karibik"/2003) und inzwischen für einige Hollywoodfilme (wie "16 Blocks" und "Miami Vice") filmmusikalisch arbeitete, hier für den angenehm-"unauffälligen" Spannungssoundtrack sorgt. Ein vorzüglicher Thriller, angesiedelt in der Claude-Chabrol-Liga, also mit viel psychologischem Geschick, klirrendem, verstörendem Tiefgang und reizvoller Bourgeoisie-Power.
Ein neuer kanadischer Film ist zu annoncieren, der soeben auf DVD
seine deutsche Premiere hatte, vorher also hierzulande weder im Kino noch im
Fernsehen zu sehen war. Es ist ein äußerlich unspektakulärer, vergleichsweise
"kleiner" Spielfilm, der im September 2008 beim Toronto-Festival
erstmals öffentlich gezeigt wurde, im Vorjahr hier auf dem "Filmfest
Hamburg" lief und jetzt eine "edle DVD-Entdeckung" bedeutet.
Titel: "
ONE WEEK" von Michael McGowan (B+R; Kanada 2008; 94 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 06.05.2010).
Michael McGowan hat viel beim kanadischen Fernsehen
gearbeitet und ist neulich, am 14. April, 44 Jahre alt geworden. Seine ersten
beiden Kinofilme waren "My Dog Vincent" von
1998 sowie der auch bei uns gezeigte "Saint Ralph" aus dem Jahr 2004.
"WAS WÜRDEST DU TUN, WENN DU NUR NOCH KURZE ZEIT ZU LEBEN HÄTTEST?"
Eventuell.
Den 30jährigen Ben, einem Lehrer aus Toronto, trifft die ärztliche Diagnose wie einen Keulenschlag: Eine extreme Art von Krebs, enorm aggressiv, es bedarf einer "extremen" Behandlung. Die Überlebenschance, vielleicht 10%. "Es ist ein Wimpernschlag von den Windeln bis zum Pflegefall", sagt ihm der Mann ruhig, der ihm ein Motorrad anbietet. Was tun? "Schema F", also in die sofortige schmerzhafte Therapie gehen oder vorher noch "etwas Anderes" machen? "GO WEST YOUNG MAN" steht auf dem Rand des Kaffebechers. Samantha, die Verlobte, die Versicherungsfachfrau, ist dagegen, will Ben sofort medizinisch versorgt wissen. Aber Ben hat sich entschieden und düst los. Richtung Westen. Dem Pazifik entgegen. Völlig entspannt. Unaufgeregt. Sich nach einer "guten Entscheidung" richtig wohlfühlend. Ben und sein ganz persönliches Abenteuer. Lebens-Abenteuer. Sinn-Abenteuer. Wie gesagt - völlig unaufgeregt. Klar bei Sinnen und Verstand. Bisher stand stets die Vernunft über die Phantasie, jetzt ist es erstmals umgekehrt in Bens Leben. Sein Weg auf dem Trans-Canada-Highway führt ihn über Arborg, Manitoba und dem Banff National Park in Alberta bis nach Tofino, British Columbia. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Typen, ganz klar, und entdeckt eine einzigartige kanadische Landschaftsschönheit und Natur-Weite. Ben und die Begegnung mit Sich.
Ein wunderbarer kleiner feiner Film. Kein Aussteiger-Movie a´la 60er Jahre ("Easy Rider"), sondern eine bewußte emotionale Seelen-Reise eines Menschen, der an einer bestimmten Station in seinem noch jungen Leben angekommen ist und dieses Revue passieren läßt. Um für sich Bilanz zu ziehen, um "zu finden". Ein spirituelles Road-Movie, ohne Belehrung, ohne "Botschaftsfahne", ohne Druck und Heldentum. Sondern voller schöner Magie, Traurigkeit, berührender Motive und Stationen. Mit stimmungsentsprechendem hervorragendem Soundtrack von Interpreten aus der kanadischen Indie-Szene (Musik: Andrew Lockington). "Westen ist eine Richtung, kein Ziel", sagt schließlich irgendjemand zu Ben. Der sich irgendwann entscheiden muß. Doch da hat er längst seine GRUMPS gefunden.
Der 30jährige kanadische Schauspieler JOSHUA JACKSON, der häufig in Teenie-Filmen mitwirkte ("Mighty Ducks 1-3"; "Scream 2"; Eiskalte Engel"), ist bekannt geworden durch die Rolle des Wissenschaftlers Peter Bishop in der amerikanischen TV-Serie "Fringe - Grenzfälle des FBI" (seit 2008) und durch den Part des Pacey Witter in der US-TV-Serie "Dawson´s Creek" (1997-2003). Er spielt BEN präsent, charismatisch, beeindruckend. Mit sensiblen Bewegungen, ohne zu übertreiben oder mitleidheischend oder "besonders"; ganz plausibel, mit allen verständlichen, begreifbaren, nachvollziehbaren Empfindungen. Ein spannender Typ. Dabei ganz und gar unheldisch. Angenehm normal. Inmitten einer Hymne und Liebeserklärung an Kanada. An seine tolle Schönheit. "Der beste Film des Jahres" urteilte "Montreal Gazette". Warum widersprechen?
Jetzt bei uns zu entdecken, per DVD!
Anbieter: "Ascot Elite Home Entertainment".
Heute steht am Anfang eine kulturelle "Geruchswarnung": Wer sich mit diesem Film befaßt, kann in "geistige Schwierigkeiten" geraten. Kunstsachverständige und sensible Cineasten seien also (vor-)gewarnt, vor diesem französischen "Naturereignis" aus dem Jahr 2006, über das sich damals rd. 3 Millionen Kinobesucher in Frankreich "amüsiert" haben sollen. Und das jetzt in deutscher Erstaufführung auf DVD herausgekommen ist, vorher hierzulande also weder im Kino noch im TV zu sehen war (sehen wir mal von einem kurzen Gastspiel auf dem Fantasy-Filmfest 2007 ab).
Origineller wie zutreffender deutscher DVD-Titel:
„OSS 117 - DER SPION, DER SICH LIEBTE" von Michel Hazanavicius (Co-B+R; Fr 2006 / 95 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 25.09.2009); O-Titel: "OSS 117: Le Caire nid d`espions".
Er fiel vor einiger Zeit mit seiner Drehbuch-Beteiligung an einem der grauslichsten Comic-Spielfilme überhaupt unangenehm auf: "Die Daltons gegen Lucky Luke" (D/Fr/Sp 2004). Hier nun setzt er einen in Frankreich weit verbreiteten, einheimischen "JAMES BOND" in Bewegung:
HUBERT BONISSEUR DE LA BATH, dessen Deckname OSS 117 lautet und DER eine Erfindung des französischen Schriftstellers JEAN BRUCE (22.3.1921 - 26.3.1963) ist. 1949 erfand er die erste Geschichte um den weltmännischen Frauenschwarm, bis zu seinem Tod entstanden 88 Romane.
In Deutschland erschienen die Romane als Taschenbücher beim "Moewig-Verlag". Insgesamt 9 Filme um den Geheimagenten OSS 117 wurden bisher realisiert; der erste hieß 1956 "Männer, Frauen und Gefahren", für den IVAN DESNY in diese Figur schlüpfte. Seit 2006 ist der 1972 geborene französische Comedian und Schauspieler mit dem süffisanten Namen JEAN DUJARDIN als Agent OSS 117 unterwegs; gerade ist die Fortsetzung des jetzt bei uns veröffentlichten DVD-Films im französischen Kino: "OSS 117: Rio ne repond plus".
"Ich frage mich, ob er völlig verblödet ist oder sehr intelligent"; diese Frage eines arabischen Helfers stellt in etwa die Quintessenz dieser Figur klar. Denn wir wissen: Dieser Typ ist völlig verblödet. Wir befinden uns im Jahr 1955. In Kairo sind Spione aus allen Ländern zugange. So auch OSS 117. Er soll nicht nur einen verschwundenen und für ihn privat auch "ganz besonderen" Kumpel-Kollegen aufspüren, sondern auch gleich "für den Weltfrieden" sorgen. Oder so. Außerdem gilt es auch, das Rätsel um ein verschwundenes russisches Waffen-Schiff zu lösen. Natürlich sieht OSS darin überhaupt kein Problem. Schließlich ist er nicht nur beschränkt, von sich völlig überzeugt, eitel, überheblich, also ein ignoranter Volltrottel, nein, er tritt mit Vorliebe auch sogleich in jedes nur erdenkliche Fettnäpfchen. Gibt sich überaus kenntnisreich und detailfreudig als dumpfer europäischer Kulturimperialist zu erkennen, indem er sich z.B. über seinen STAUBIGEN SPORTWAGEN vor Ort mokiert oder "diesen schreienden Opa auf dem Dach" zur Ruhe bringt, den Muezzin, weil der ihn in seiner Nachtruhe stört.
Die attraktive Begleiterin Larmina (hübsch: Bérénice Bejo) ist entsetzt, was ihn aber überhaupt nicht stört. Bzw.: Es fällt ihm natürlich auch überhaupt nicht auf. Denn als arroganter Egoist beleidigt er gerne weiterhin im Minutentakt seine arabische Umgebung, und als Kindskopf mag er es natürlich auch, mit größtem Licht-Vergnügen "Hühner zu ärgern". Buchstäblich wie tatsächlich. Natürlich ist DAS ALLES BLÖDSINN. Schöner Blödsinn. Eine urige Parodie auf filmische Agenten-Figuren wie eben auf den berühmten 007. Nur ist DER Typ-hier einfach köstlich-dämlich, halt dauer-beschränkt, erfolgreich. Ein Blödian auf der Überholspur. Unaufhaltbar. WIE das die Franzosen hier zurechtzimmern, kommt mit viel 50er Jahre Charme, entsprechenden Alt-Motiven, prolligem Eleganz-Charme und deftiger Gag-Übertreibung unterhaltsam ´rüber. Wann immer der unverwüstliche JEAN DUJARDIN als Agenten-Flunder mit seinem perlweißen Zähnelächeln auftaucht, ist einfach freche Trottel-Stimmung mit viel schelmischer Klamauk-Atmo annonciert.
Auch SO WAS macht mal Spaß, zumal man sich auch bei der deutschen Synchronisation einige Sprach-Mühe gegeben hat: Spitzen-Clowndolli OLIVER KALKOFE ("Kalkofes Mattscheibe") ist stimmlich für den OSS 117-Deppen zuständig, und er macht eben daraus keine eigene Verbal-Show, sondern bemüht sich adäquat, den Doof-Hubert typengenau auf den ulkigen Sprachpunkt zu bringen. Was ihm auch pikobello gelingt. Weitere deutsche Synchro-Profis wie Tobias Meister (Brad Pitt; Kiefer Sutherland); Oliver Rohrbeck (Ben Stiller); Melanie Pukaß ("Gilmore Girls") oder Christian Rohde (Bert/Sesamstraße) und Oliver Welke ("heute show") sorgen prima dafür, sich in Sachen "speziellem Humor" möglichst nah am französischen Original zu halten. Wie man auch dem ausführlichen und opulenten BONUSMATERIAL, mit u.a. einer 67minütigen Dokumentation über die Dreharbeiten, komischen Outtakes, einer "Gaumont Wochenschau" von 1955 sowie einem "Making of" mit Darsteller-Interviews und einem Spezi-Report über die deutsche Synchronarbeit, entnehmen kann. "OSS 117" oder: Eine schöne Blöd-Posse.
Zusammenfassend - DIES-hier kann durchaus die allgemeine DVD-Gesundheit gefährden; ich dagegen fand´s herrlich doppelbödig-doppelzüngig-fröhlich. Auch FÜR SO WAS wurde FILM erfunden.....
Anbieter: "Koch Media".
In Frankreich ist er KINO-KULT, bei uns tauchte er Ende September 2009 auf dem DVD-Markt auf: Die französische Blöd-Blöd-Ausgabe von OO7 James Bond - der Agent OSS 117. Bürgerlicher Name: Hubert Bonisseur de la Bath. In "OSS 117 - DER SPION, DER SICH LIEBTE" (O-Titel: "Oss 117: Le Caire nid d´espions") war er im Nahen Osten unterwegs und beleidigte ununterbrochen Araber und Moslems. Als politisch VÖLLIG unkorrekter, desolater und äußerst erfolgreicher Leinwand-Staatsschnüffler fand er in Frankreich ein amüsiertes Millionenpublikum. Was über ihn, seinen literarischen Efinder und sonst überhaupt zu sagen ist, kann man in meiner damaligen DVD-Rezension nachlesen.
Jetzt taucht dieser Typ schon wieder auf. In einer Art Fortführung seines idiotischen, aberwitzigen Tuns. Im französischen Kino waren im Vorjahr über 2 1/2 Millionen Kinobesucher mehr oder weniger verzückt, bei uns lief er als Abschlußfilm auf dem vorjährigen Fantasy-Filmfest und hatte gerade DVD-Start. O-Titel dieser 22 Millionen EURO teuren Produktion: "Rio Ne Répond Plus". Deutscher DVD-Titel:
„OSS 117 - ER SELBST IST SICH GENUG" von (erneut) Michel Hazanavicius (Fr 2008; B: Jean-Francois Halin; 107 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 11.07.2010).
Der 36jährige französische Comedian und Schauspieler (mit dem schönen "Schnaps"namen) JEAN DUJARDIN schlüpft wieder in die Rolle des unterbelichteten, gutaussehenden, RICHTIG dussligen, rassistischen, sexistischen, behämmerten und deshalb so außerordentlich erfolgreichen Gaga-Agenten aus Paris. Wir schreiben das "gemütliche" Jahr 1967. Nachdem Charme-Bolzen OSS 117 gerade in Gstaad/Schweiz lässig-grinsend eine Überzahl von Gegnerschaft ausgelöscht hat und selbstverständlich unverletzt geblieben ist, bekommt er einen neuen "heiklen" Auftrag. Für ihn aber ist dieser neue Job natürlich überhaupt nicht heikel, sondern "irgendwas Normales". Locker zu erledigen. Wie stets. OSS 117, dessen Vater Hilfsmaurer oder Diplomat war, wird nach Rio de Janeiro geschickt, um dort einem deutschen Alt-Nazi (RÜDIGER VOGLER in einer Brillant-Karikatur als Führer des 5. Reichs) eine Liste mit den Namen ehemaliger Nazi-Kollaborateure abzukaufen.
Als sich israelische Mossad-Agenten mit ihm vor Ort verbünden, tritt der erfolgreichste Tölpel-Agent Frankreichs erst einmal in jedes verbale Vorurteil-Fettnäpfchen gegenüber Juden, die es überhaupt gibt. Unglaublich doof, naiv, mackig. Die mit ihm zusammen arbeitende attraktive Mossad-Agentin Dolores (LOUISE MONOT) ist (zunächst) ebenso entsetzt wie abgestoßen. Was der schöne Hubert natürlich überhaupt nicht versteht. Dafür macht er sich auf den Weg in die Deutsche Botschaft. Um nach einem "Verein für Alt-Nazis...oder vielleicht einem Club?" nachzufragen. Vielleicht aber weiß man hier auch etwas von einem "Verband der Nazifreunde?" Wo es "solche Listen" auch gibt? Nix da, bekehrt man ihn: "Deutschland besteht nicht nur aus Nazis". Woraufhin ER: "Ja, ich kenne diese Theorie".
Von dieser Art "freundlicher Geschmacklosigkeiten" ist die bissige, exzentrische Komödie ständig schön zusammengesetzt, zusammengefügt. Wie schon beim ersten Film: Für sensible Cineasten und filmische Kunstsachverständige ist DAS HIER ganz und gar nichts, die kulturelle "Geruchswarnung" gilt auch hier. Denn was danach geschieht, läuft nach dem schönen OSS 117-Motto ab: "ICH DENKE NICHT NACH, ICH HANDLE" (aus der Sammlung "Geschnittene Szenen" vom Bonusmaterial). Bzw.: "ANDERE HABEN ABENTEUER, ICH BIN EIN ABENTEUER". Also schlendert der Spinner, Angeber, Macho, Blödian, die Inkarnation einer lachenden Dumpfbacke durch die bunte Szenerie, kriegt kaum was "normal" mit und macht alles falsch-richtig. Zwischendurch wird auch wieder ausdauernd und eklig-wiehernd gelacht. Völlig bekloppt, aber fein irre.
Fazit, Original-Ton: "Aus dem Kontext gerissen, kann ein Finger im Po falsch verstanden werden" (zur Erinnerung - man nähert sich dem Hippie-Jahr 1968).
Womit wir bei der Synchronisation sind: Einer unserer Besten in Sachen durchtriebener Frech-Ton mit Spaß-Niveau hat wieder, gemeinsam mit Co-Synchronbuch-Autor und Synchronregisseur Frank Schaff, zugeschlagen: Spitzen-Clowndolli OLIVER KALKOFE ("Kalkofes Mattscheibe"). Er spricht den OSS-Hubert eben nicht mit seinen sonst so bösen, durchtriebenen Eigen-Scherzen, etwa als Kalkofe-Spezi-Show, sondern bemüht sich erneut erfolgreich, sich dem originalen Monsieur Fuzzi-117 deutsch-stimmlich zu nähern, anzufügen. Was erneut exzellent gelingt. Denn: Dieser "spezielle französische Verbal-Humor" funktioniert wieder einmal ebenso gemein-schräg wie amüsant. Also wunderbar peinlich.
"OSS 117 - Er selbst ist sich genug" winkt mit vielen 60er/70er-Jahre Anspielungen in Sachen Ausstattung, also Kostüme, Mobiliar, Architektur, Farben, wie auch mit den Pop-Klischees von damals (Männer-Frauen; Klamotten, Vorurteile, Agenten-Parodien, Sex-Appeal, Musikalität). Das Film-Ding hier besitzt Hippie-Hippie-Shake-Schmackes, was immer das auch ist; bietet dazu herrliche Rio-Postkartenmotive und lässt auf beste geschmackloseste Weise Prima-U-Dampf (= Unterhaltungsdampf) ab: Eine tolle Performance-Gaga Marke - unkorrekter geht´s kaum. Köstlich. Prima.
Anbieter: "Koch Media".
Meine DVD-Empfehlung ist einer jener Klasse-Spielfilme, die unser Kino nie erreicht haben (und vorher auch nicht etwa bereits im TV zu sehen waren), sondern die ihre DEUTSCHE PREMIERE per DVD erleben. Dabei handelt es sich um den in Co-Produktion Spanien/GB/Frankreich 2007 hergestellten intelligenten Kopf-Thriller
„OXFORD MURDERS" von Alex de la Iglesia (Co-B+R; GB/Spanien/F; 2007; 108 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 16.01.2009);
das ist das englisch-sprachige Debüt des 43jährigen spanischen Drehbuch-Autors und Regisseurs, der auch hierzulande durch seine "schwarzen Filme" wie "Perdita Durango" (1997/Gangsterfilm); "Allein unter Nachbarn" (2000/Kriminalkomödie) und "Ein perfektes Verbrechen" (2004) bekannt wie "interessant" wurde.
Der adaptierte hier den 2003 veröffentlichten internationalen Bestseller "Crimenes imperceptibles" (deutscher Titel: "DIE PYTHAGORAS-MORDE") des argentinischen Schriftstellers und Mathematikers GUILLERMO MARTÍNEZ, der dafür mit einer der höchsten Literatur-Trophäen seines Landes, dem "Planeta-Preis", ausgezeichnet wurde. Der seit 1985 in Buenos Aires lebende Martinez arbeitete nach seiner Promotion als Mathematiker für zwei Jahre als Postdoc an der Oxford-Universität, und so entstand auch die Idee zu diesem "etwas anderen" Spannungspuzzle. In dessen Mittelpunkt der amerikanische Mathematik-Austausch-Student Martin steht. Ein "optimistisch-neugieriger Bursche", der sich für Fragen der Logik begeistert. Deshalb sucht er auch die Nähe des - allerdings ziemlich grimmigen - Gelehrten, Professor Arthur Seldom. Martin möchte ihn als Doktorvater gewinnen, legt sich aber gleich bei seiner ersten Hörsaal-Begegnung "zünftig" mit ihm an. Denn in den philosophischen Fragen über die Existenz von WAHRHEIT sind sie doch beide "ziemlich weit auseinander": Der Professor belächelt Martins Theorien nur herablassend. Während Martin schon die Rückreise organisiert, passiert etwas, was beide DOCH künftig "aneinander schmiedet", denn: Martins ältere Zimmervermieterin wird ermordet. Und der Mörder (oder die Mörderin?) hinterläßt Zeichen, die auf weitere Morde hindeuten. Notgedrungen, weil beide das Opfer kannten und beide am Tatort "zufällig" "zusammenstießen", beginnt nun eine Art "geistige Zusammenarbeit". In Sachen Mörder-Suche. Was der "überforderten Polizei" gar nicht gefällt, denn diese Beiden bemühen sich doch allen Ernstes, einen Serienmörder "per Logik" bzw. mit "mathematischen Formeln" und aber auch mit "so einigen philosophischen Überlegungen/Zusammenhängen" aufzuspüren.
Zudem kommt Student Martin "nebenbei" und nicht ungerne auch mit attraktiven weiblichen "Verdächtigen" in näheren Kontakt, was ihm den Aufenthalt immer "schmackhafter" macht. Doch dann muß er überrascht wie entsetzt feststellen..... Oh ja: Zahlen können auch lügen. "Die Wahrheit ist nicht mathematisch, sie ist absurd, konfus, willkürlich, ungeordnet sowie verdammt unangenehm"; dieses Professoren-Fazit steht hier quasi "über" diesen ungewöhnlichen "Formel-Thriller", der sich zu einem amüsanten, spöttisch-kopflastigen Verbal-Thriller entwickelt. An einem atmosphärisch-feinen Bildungsort, wo allein der kulturelle Schauwert enorm ist. Mit dem forschen ELIJAH WOOD (dem Hobbit Frodo aus "Herr der Ringe") und dem bravourösen Senior JOHN HURT (einst "Alien"/in seinem Bauch) als zynisch-charismatisches Denk-Genie duellieren bzw. ergänzen sich zwei clevere "Schnüffler". "Oxford Murders" ist ein mit viel prickelndem Ironie-Wortwitz gut unterhaltender Suspense-Thriller, der in Spanien und Frankreich als Box-Office-Hit gut ankam, bei uns jedoch, wie gesagt, ohne Kinostart blieb. Für das DVD-HEIMKINO gilt er jedoch jetzt als definitiver Geheimtip(p). Viel Spaß.
Anbieter: "Koch Media".