Heimkino-Empfehlung  
 vom 18.07.2014 

 

 

 

 

 

War das ein Turnier, war DAS eine Fußball-Weltmeisterschaft. In Brasilien. „So etwas“ miterleben zu dürfen, in dieser Dramatik, in dieser („Kino“-) Spannung, Donnerwetter. Unübertroffen, zum Unvergessen geeignet: Das 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien (Halbzeit 5:0). Und dann erst dieses Hitchcock-Finale am Sonntag, den 13. Juli 2014, das viele Nerven kostete. Und zugleich für (SEHR) viel Happy-End-Spaß sorgte. Ich brauchte danach FILMISCHEN Ausgleich. Etwas GARANTIERT Tolles. Am liebsten Komisches. Also qualitätsmäßige Unterhaltung für Bauch und Kopf. Und stoße in meinem DVD-Archiv ausgerechnet auf eine ältere deutsche Komödie. Über DIE ich bisher nichts veröffentlicht habe. Was es jetzt endlich zu korrigieren gilt, denn sie bietet bestes doppelbödiges Vergnügen in Hülle und Fülle:

KEIN PARDON“ von und mit Hape Kerkeling (Co-B + R + HD; D 1992; Co-B: Angelo Colagrossi, Achim Hagemann; K: Hans-Günther Bücking; M: Achim Hagemann; 97 Minuten; Kino-Start: 25.02.1993; Video: 10.09.1993; DVD-Veröffentlichung: 15.11.2004; Blu-ray-Veröffentlichung: 07.01.2011).

Fern-Sehen ist schön. Fern-Sehen macht Spaß. Fern-Sehen ist populär. Beim Volk. Weil DIE vom Fernsehen doch immer so nett sind. Immer lachen sie dort und verschenken etwas. Vom Fernsehen kann jeder profitieren. Allerdings, so tut uns der ironisch-seriöse und eifrig-tiefblickende Debütfilm des Autors, Moderators, Vollblut-Komikers, Schauspielers, Sängers und Synchronsprechers HAPE KERKELING, am 9. Dezember 1964 in Recklinghausen/Ruhrgebiet geboren, kund: Bei den doch eigentlich so freundlichen Machern vom Fernsehen gibt es auch Probleme. Eigentlich sogar eine ganze Menge „Schwierigkeiten“. Von wegen buckeln, schleimen, heucheln, hintergehen. Das volle Programm. An Arroganz, Nach-Unten-Treten, Erniedrigen. Die Routine des (Mit-)Machens.

Heinz Wäscher (HEINZ SCHENK) ist ein As wie ein Aas. In seinem Job als lustiger Abendunterhaltungsmoderator. Seit drei Jahrzehnten ist ER das Aushängeschild in der Sendung „WITZISCHKEIT KENNT KEINE GRENZEN“. Das ist die Sendung mit dem „Lustigen Glückshasen“. Zwar gibt es zunehmende Spannungen innerhalb der Produktion mit dem alten, tyrannischen Kotzbrocken Heinz („Ich kann so nicht arbeiten“), aber: Die Show must ja schließlich go on. Also wird mit Heinz immer so dusslig weiter - weitergemacht.

Bis Peter Schlönzke (HAPE KERKELING) auftaucht. Der ist als Schnittchenauslieferer im Betrieb seiner Familie tätig und ein großer Fan der TV-„Witzischkeit“-Show. Wie es das Schicksal so will, landet der ungeschickte Einfaltspinsel als Kabelhilfe dort und darf schließlich sogar in das (dampfende) Kostüm des Glückshasen schlüpfen. Eine sagenhafte Fernseh-Karriere nimmt seinen Lauf. Denn als der Schlönzke, Peter einen livehaftigen Wutanfall vor laufender Kamera bekommt, verändert sich die deutsche Fernsehlandschaft in Sachen Unterhaltung immens. In Sachen Witzischkeit. Marke: A neuer (Ekel-)Star is born.

Was für ein darstellerischer Augenschmaus. In einem gedankliches Gesamtkunstwerk. Schon diese Schnittchen-Family. Mit dem mütterlichen Glucken-Part einer herrlich aufdrehenden ELISABETH VOLKMANN. Oder dem typisch stussigen Kohlenpott-Opa DIRK DAUTZENBERG. Köstlich. Zwei Mitglieder der Punk-Band „Abstürzende Brieftauben“ mimen zwei linkische Kabelhilfen und tragen auch schon mal ihren Song „Pa-Pa-Paderborn“ vor. Diese ewig mit ihrem „Käffchen gefällig?“ nervende Redaktionssekretärin Karin (PETRA ZIESER), eine (bekannte) Wonne. Der opportunistische Nickelbrillen-Regisseur Bertram, absolut einfühlsam vom Kabarettisten KURT WEINZIERL („Großartig Heinz, ganz großartig“) geschleimt. Wunderbar. Hape Kerkeling als „Wild Ruhrpott-Boy“ Peter Schlönzke hält die „bitterböse Wirklichkeit“ des TV-Business um eine „gruselige Glitzer-Revue“ („SPIEGEL“) als Mit-Autor, Spielleiter und Hauptakteur satirisch brillant zusammen.

D i e Sensation aber ist „der olle“ HEINZ SCHENK (11.12.1924 – 01.05.2014). Schenk war damals 68 und als Ex-Moderator der ARD-Unterhaltungssendung „Der blaue Bock“ in der Republik bekannt wie ein bunter Hund. 1966 übernahm er die Gastgeber-Rolle von Otto Höpfner und moderierte diesen Unterhaltungsklassiker des Hessischen Fernsehens 134 Mal in 21 Jahren. WIE sich Schenk hier unnachahmlich selbst zum Affen macht, wie er sich selbst parodiert und sein Image karikiert, ist bewundernswert. Der Verursacher von Omas & Opas ARD-Lustichkeit trampelt geradezu genüsslich wie prächtig auf seinem Unterhaltungsklischee herum und begräbt es vehement. Heinz Schenk zeigt sich als erstaunlich anarchistischer Zerstörer, ist von böser Ulk-Präsenz: Was für ein scharfer Komik-Part!

„Kein Pardon“ oder - eine Perle der deutschen Komödie. Mit dem vollen Gedankenschmaus. An zweideutigem Vergnügen. Wenn man gewillt ist, gut zuzusehen UND zuzuhören. Um zum vollen Spott-Genuss zu gelangen. Und nebenbei - wenn hier ein DIRK BACH als „Kandidat“ Hardy Loppmann den Auftrag erhält, von einem Schrank „lustig“ herunterzuspringen, kommen ebenfalls wehmütige Erinnerungen an einen viel zu früh verstorbenen grandiosen Ulk-Experten hoch. Insgesamt: „KEIN PARDON“ funktioniert auch heute immer noch oder wieder, also weiterhin ganz vortrefflich. Unterhaltungs-prächtig.

Anbieter: „Universum Film“