Heimkino-Empfehlung  
 vom 10.10.2014 

 

 

 

 

SIE gilt seit geraumer Zeit als eine der besten und best-bezahltesten Hollywood-Schauspielerinnen der Gegenwart: SCARLETT JOHANSSON, geboren am 22. November 1984 in New York City; Tochter eines dänischen Architekten und einer polnisch-stämmigen jüdischen Mutter. Als 14jährige trat sie neben Robert Redford in „Der Pferdeflüsterer“ auf; mit „Lost in Translation“ von Sofia Coppola gelang ihr 2003 an der Seite von Bill Murray der internationale Durchbruch. Gleich dreimal engagierte sie Woody Allen: Für „Match Point“ (2005); für „Scoop – Der Knüller“ (2006) sowie für „Vicky Cristina Barcelona“ (2007). 2012 verkörperte sie im Biopic „Hitchcock“ von Joseph Gordon-Levitt Janet Leigh aus „Psycho“. In diesem Jahr triumphierte sie im Kino mit ihrer coolen „Betriebssystem-Stimme“ Samantha in dem fiktionalen Beziehungs-Drama „Her“ von Spike Jonze (neben Joaquin Phoenix) sowie in und als „Kampf-Drohne“ „Lucy“ von Luc Besson.

Auf einen neuen Film mit Scarlett Johansson allerdings musste das Kino-hierzulande verzichten (weil der deutsche Rechte-Inhaber, „Senator Film“, 2011/2012 zwar viel Einnahme-Geld mit dem französischen Hit „Ziemlich beste Freunde“ gemacht hatte, dieses aber danach mit erfolglosen Projekten vergeudete, wodurch sein Eigenkapital weitgehend „ausgereizt“ war. So dass Marketing-Geld für eine großflächige, umfangreiche Kampagne für diesen Scarlett Johannson-Hammer nicht mehr vorhanden war):

UNDER THE SKIN" von Jonathan Glazer (Co-B + R; USA/GB 2012/2013; Co-B: Walter Campbell; nach Motiven des gleichnamigen Romans von Michel Faber /2000; deutscher Roman-Titel: „Die Weltenwandlerin“; K: Dan Landin; MUSIK: MICA LEVI; 108 Minuten; deutsche Premiere als Heimkino-Veröffentlichung: 10.10.2014).

Die Erstaufführung fand im vorjährigen September beim Filmfestival am Lido statt, wo „Under the Skin“ für polarisierende Stimmungen im Wettbewerbsprogramm von Venedig sorgte. Seitdem lief er auf verschiedenen Festivals (Toronto; Fantasy Festival) und startete in diesem Frühjahr in Großbritannien wie in den USA „regulär“ in den Kinos. Bei uns wurde er kürzlich, durch Initiativen von Kino-Besitzern, vereinzelt in der Originalfassung in Lichtspielstätten vorgeführt. Es ist bedauerlich, dass dieses immens außergewöhnliche und wunderbar reizvolle, streitbare Fiction-Meisterwerk nicht „größer“ zur cineastischen Diskussion steht. Für mich ist „UNDER THE SKIN“, „Unter der Haut“, einer der faszinierendsten Filme der letzten Filmkultur-Jahre.

Es beginnt mit der Geburt. Des Auges. Von ihr. Präziser: Von ES. Einem künstlichen Wesen. Das mit dem attraktiven Körper einer jungen irdischen Frau „verbunden“ wird. Jung, mysteriös, verführerisch. Herausgeputzt mit Lock-Signalen zuhauf: Pechschwarzes Haar, enge Jeans, eine halblange Fell-Jacke, der dunkelrote Lippenstift-Mund. SIE, allein, in dem Transporter. Auf dem Weg durch städtische Plätze und ländliche Ecken Schottlands. Auf der Suche nach „interessierten“ alleinstehenden Männern. Die sie wie eine mondäne Spinne einlullt, einfängt, um ihnen in einem geheimnisvollen Sphären-Tank die Lebens-Energie zu nehmen. Das kalte, programmierte Beute-Schema einer Außerirdischen. Ein anonymer Motorradfahrer-Begleiter ist offensichtlich danach „Weiter-Leiter“. Zu ihrer Spezies hin. Wo Menschenfleisch ein begehrter kulinarischer Genuss ist. Auch oder - gerade totes.

Zehn Minuten Stille. Sichere, aber langsame Schleier-Bewegungen. Dann wird sie (SCARLETT JOHANSSON) erkennbar. Als Sexy-ES. In ihrem Outfit. Souverän, absolut cool, gefestigt. In „Under the Skin“ wird kaum gesprochen. Umso mehr und vielfältig: Die Konzentration auf Bewegungen. Des Körpers, der Augen. Dazu dieser lebhafte menschliche oder naturhafte Geräusche-Pegel: Sprach-Lärm, Straßen-Lärm, Wortfetzen-Lärm; oder der Flut-Rhythmus der Wellen des Meers - kribbelnde, phantastische Begleit-Motive. Für die rätselhafte Anwesenheit und die bedrohlichen Aktionen dieses Wesens.

Nichts mit „normal“: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Überhaupt, wenige Begründungen. Kaum plausible Erklärungen. Nur begrenzt- rationale Handhabungen. Keine Hintergrund-Details. Kein Tempo. Keine rasanten Schnitte. Keine Blut-Taten. Nur Sie/ES und ihre Suche und Wege und Spuren. Ob in den Menschenmassen in Glasgow oder inmitten der landschaftlich wilden, prächtigen schottischen Highlands. Ob in prall gefüllten Disco-Räumen oder in engen Zimmer-Räumen. Unaufhaltsam, bis sie wieder „Opfer“ entdeckt. In einer fetzigen Düsterness. Eine berstende „Explosion des Schweigens“-Atmosphäre als Emotionalität-pur. Irgendwann, irgendwo stößt ES bei einem behinderten Mann auf Skrupel. Lässt ihn am Leben. Neugierde plus Gewissen. Regen sich. ES stellt damit die „Mission“ infrage. Wird selber zur Gejagten. Begegnet dem schlimmsten Übel, dem bösen Menschen.

Diese herrlich suggestive Musik. Diese sagenhaft passenden, stimmungsperfekten Töne. Von MICA LEVI. Oft improvisiert (wie sie im Bonusmaterial erläutert). Dieser unglaubliche dichte, tief eindringende zustandsbeschreibende Fakten- und Seelen-Rhythmus. Wabernde, wummernde Klänge. Zusammengesetzt aus verzerrter, kreischender Bratsche, künstlichen Schrill-Streichern und Trommel-Paranoia. Mitreißend. Mit hypnotischer Sog-Wirkung. Ein Sound(track) der spannungs-stimmigen Superlative. „Psycho“-„Hitch“ hätte (ebenso) seinen vollen Spaß daran.

Ein großartiger, geheimnisvoller Trip. Melancholisch, mit assoziativen Fiction-Gedanken, um Leben/Bedeutung/Löschung, surrealem Fein-Horror, phantastischen ästhetischen Erschütterungen. Und einer SCARLETT JOHANSSON in einer „außerirdisch“- „brennenden“ Performance. Co-Autor und Regisseur JONATHAN GLAZER („“Sexy Beast“/2000; „Birth“/2004) hat einen KULT-Film geschaffen. Für die Fantasy-Ewigkeit. Der Faszinierungsgeruch ist eindeutig.

Anbieter: „Senator Home Entertainment“