Counter  App Pönis Filmclub App Pönis Filmclub
  


Wir befinden uns kurzzeitig im Urlaub. Es gibt aber bald wieder neue Kritiken!

Kinowoche 37/2014 ab 11.09.2014: Sex Tape, A Most Wanted Man und Maps to the Stars

SEX TAPE“ von Jake Kasdan (USA 2013; B: Kate Angelo, Jason Segel, Nicholas Stoller; K: Tim Suhrstedt; M: Michael Andrews; 94 Minuten; Start D: 11.09.2014); es ist keineswegs komisch - wenn die Film-Amis „was mit Sex“ machen, verkommt es zumeist zu spießigem Kompost. Die vielen Rücksichtnahmen sind zu spüren: Auf die Zensur, auf die geschäfts-wichtige Jugend-Altersfreigabe fürs Kino, auf die brave „unanständige“ Moral. Lächerlich. Wie hier. Wo sich ein nur vermeintlich „erregendes“ Körperkontakt-Thema als wenig plausibel erweist. Mit albernen „Verrenkungen“. Weder provokant noch komisch. Sondern nur nervend. In Richtung doof-peinlich.

Jay (Mit-Co-Autor JASON SEGAL) und Annie (CAMERON DIAZ) vögeln gerne. Als sie sich kennenlernen, können sie gar nicht genug Sex haben, kriegen, bekommen. Überall. Selbst an ungewöhnlichen Orten. Soweit so okay. Dann heiraten sie, zwei Kinder, Arbeit, Haus, Stress; die individuellen Prioritäten verschieben sich. Sprich - sie können ihren geliebten Nahkampf nur noch selten und dann längst nicht mehr so „wirkungsvoll“ ausüben. Als die Kinder mal über Nacht außer Haus sind, beschließen sie die große Orgie. Ein legendärer Ratgeber wird zur Vorlage für Marathon-Sex. Im eigenen Heim. Mit sonderlichen Stellungen. Und Sprüngen. Und vielen „Kommentaren“ dazu. DAS wird zudem per Video aufgenommen und dann versehentlich nicht gelöscht. So dass Unbefugte Seh-Zugriff darauf haben könnten. Also rennen Jay & Annie, unterstützt von einem befreundeten wie lüsternen Nachbar-Paar, nun durch die Gegend, um die neulich verschenkten und nun verräterischen Tablets chaotisch einzusammeln, weil doch dort ihre „Studien“ ja „abgefragt“ werden könnten. Was eigentlich von Interesse für diesen Slapstick-Plot und für diese Komödien-Chose wäre. So aber:

„Sex Tape“ ist weitgehend dusslig. So etwas von langweilig. Reizlos. Optisch und verbal mit Holzhammer-Humor-Klamauk tönend. Zudem: Die Chemie zwischen den beiden Rampen“säuen“ kommt nur als Behauptung und über viele genormt klingende Plappereien ´rüber. Als läppisch betontes Papier-Gesülze. Mit viel zu viel Hysterie ausgestattet und fadem Getue ausgebreitet. Bei diesem „heißen“ Thema. Das auch nackich nur banal ausschaut (= 2 PÖNIS; über manche Stellungen gilt und gibt es etwas zu schmunzeln).

A MOST WANTED MAN“ von Anton Corbijn (GB/D 2012; B: Andrew Bovell, nach dem gleichn. Roman von John le Carré /deutsch: “Marionetten”/2008; K: Benoit Delhomme; M: Herbert Grönemeyer; 122 Minuten; Start D: 11.09.2014); die Nachricht war ein Schock. Sie löste größte Betroffenheit aus. Mit einer Trauer-Begleitung, die nie enden wird. PHILIP SEYMOUR HOFFMAN, „Oscar“-Preisträger („Capote“) und einer der besten Schauspieler überhaupt, starb am 2. Februar in New York City im Alter von nur 46 Jahren. Dieses entsetzlich traurige Ereignis wird durch diesen Film wieder in das gegenwärtige Bewusstsein gerufen, denn er ist einer der letzten Filme, in denen Philip Seymour Hoffman mitwirkt. Der hohe Respekt, die unendlich riesige Bewunderung und die tiefe Trauer über sein Ableben vermögen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film nur mittelmäßig ist. Was sicherlich weniger an dem großen Charakter-Mimen und mehr an der hölzernen und wenig plausiblen Inszenierung von Anton Corbijn liegt. DER vor vier Jahren mit seinem soliden Spannungsdrama „The American“ (s. Kino-KRITIK) – dank George Clooney – noch ganz gut über die Unterhaltungsrunden kam.

Dessen dritter Kinofilm nun aber im mittelmäßigen Spannungsfeld hantiert. Weil die Chemie zwischen dem melancholischen Dauer-Raucher Hoffman und zum Beispiel dem „deutschen Personal“ wie Daniel Brühl (als Maximilian fast bewegungsunfähig bzw. unsichtbar) oder Rainer Bock (mit plattem TV-Serien-Agieren) als amtlicher Gegenspieler Dieter Mohr überhaupt nicht vorhanden ist. Nur anstrengend und spürbar- künstlich behauptet wird. Aber auch mit seinen weiteren männlichen wie weiblichen Promi-Kollegen/Innnen zeigen sich darstellerische Diskrepanzen. RACHEL ADAMS als sogenannte „idealistische Anwältin“ Annabel Richter aus Hamburg („die mit dem Fahrrad kommt“) wird nur grotesk, dümmlich-naiv vorgeführt; WILLEM DAFOE als Chef-Banker ist von blasser Spannungsidentität und „der Rest“ gibt sich merkbar Mühe. Wie die präsente NINA HOSS als Erna Frey, Kumpanin im Amt wie im Geiste von Philip Seymour Hoffman, der als Chef-Agent Günther Bachmann eine anonyme deutsche Terrorabwehreinheit leitet und andauernd mit anderen Behördenvertretern (von CIA & Hier) aneckt. Weil er kein Team-Player ist und mit eher unkonventionellen Methoden Aufklärung betreibt.

Was gerade vonnöten ist, denn soeben ist in Hamburg ein „Verdächtiger“ aufgetaucht. Issa Karpov (GRIGORIY DOBRYGIN), halb Russe, halb Tschetschene, entsetzlich von Folter zugerichtet, mit Anspruch auf ein „schmutziges“, aber offensichtlich legales Millionen-Vermögen. Das Karpov offensichtlich an Dr. Faisal Abdullah (HOMAYOUN ERSHADI) weitergeben möchte, einem offensichtlich gemäßigten islamischen Gelehrten und Familienvater, der für seine wohltägigen Aktivitäten an vermeintlich humane islamische Organisationen bekannt ist. Ein Krimi-Puzzle. Wer ist wer wirklich. Mit welchen Absichten. Wer hat hier die wahre Führung, wer sind die Marionetten, die an den verschiedenen Interessens-Strippen bewegt werden. Und von WEM? Seit dem Terror vom 11. September 2001 herrscht Krieg. Haben sich die Gut-/Böse-Werte auf diesem Planeten extrem verändert. Partner und Gegner sind schwer auszumachen. Mittendrin so eine traurige „Windmühlen“-Figur wie Günther Bachmann. Seine Motivation: Die Welt wenigstens ein bisschen „gerechter“ zu machen.

Was im Roman von John le Carré („Der Spion, der aus der Kälte kam“; „Dame, König, As, Spion“) reizvoll-gesellschaftspolitisch und mächtig undurchsichtig-spannend entwickelt wird, wirkt hier nur halbherzig-undurchsichtig. Man ahnt, was der ehemalige Star-Fotograf Anton Corbijn will, DER aber kriegt das brillante Spannungsmoment des Roman-Autors filmisch nur hölzern, wenig stringent und ziemlich emotionslos „gebacken“. Umgesetzt. Mit vielen imponierenden atmosphärischen Solo-Bildern des oft unbeteiligt wirkenden Philip Seymour Hoffman. Im düsteren Hamburg. Als gehöre er, als wäre dieser nur eher „zufällig“ hier, in diesem verdattelten Agentenklima. Zur reinen Pose.

„A Most Wanted Man“ ist ein Thriller, dessen Spaßfaktor von mehr theoretischer, also behaupteter denn praktischer, also tatsächlich spannender Natur ist. Philip Seymour Hoffman hätte einen (sehr) viel besseren Abschiedsfilm verdient gehabt (= 2 ½ PÖNIs).

MAPS TO THE STARS“ von David Cronenberg (Co-B + R; Kanada/USA/D/Fr 2013; Co-B: Bruce Wagner; K: Peter Suschitzky; M: Howard Shore; 111 Minuten; Start D: 11.09.2014); die direkte einfache Sprache ist manchmal die, die am besten aufklärt: DIE HABEN DOCH ALLE, ABER WIRKLICH ALLE, EINEN AN DER WAFFEL. Gemeint - DIE in Hollywood. In diesem Film. Wo Heucheln, Lügen, Täuschen und Töten an der oberflächlichen wie reißerischen Tages- und Nachtordnung ist. Der kanadische Filmemacher DAVID CRONENBERG, inzwischen kluge 70, zählt zu DEN Regisseuren, deren spannende Werke man IMMER wieder sehen, erleben möchte. Mit denen auseinanderzusetzen sich ständig faszinierend lohnt. Einige seien genannt: „Die Fliege“, „Naked Lunch“, „A History of Violence“ oder „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“. Und jetzt eben dieses Tollhaus: „Maps tot he Stars“.

Hier adaptierte der geniale Psycho-Former Cronenberg das Skript des Schauspielers, Schriftstellers und Produzenten BRUCE WAGNER, 60, der am Anfang seiner Karriere in Los Angeles auch als Limousinen-Fahrer für begüterte Mieter tätig war. Wie im Film Jerome Fontana (Ex-„Vampir“ ROBERT PATTINSON), der von einem Erfolg als Drehbuch-Autor träumt und jetzt erst einmal Geld mit dem Fahren von Luxus-Schlitten verdient. Dabei begegnen ihm des Öfteren Mitglieder der Familie Weiss. Die befindet sich mittendrin im normalen wie erfolgreichen Hollywood-Wahnsinn: Ihr 13jährige Benji (EVANB BIRD) ist ein überkandidelter, reichlich boshafter und bereits ziemlich ausgelaugter Kinder-Star. Mit schon reichlich Drogen-Erfahrungen. Seine Schwester Agatha (MIA WASIKOWSKA) ist einst in die Klapsmühle verfrachtet worden, seit sie vor Jahren das Family-Haus in Brand gesteckt hatte. Jetzt aber kommt die 19jährige wieder in die Stadt, was vor allem bei den Eltern für Aufregung und Verunsicherung sorgt. Von wegen üblem Familien-Geheimnis.

Mutter Cristina (OLIVIA WILLIAMS) kümmert sich hingebungsvoll um die profitable Karriere ihres Benji-Bengels, während Vater Stafford (JOHN CUSACK) als tückischer TV-Psychologe und erfolgreicher Buch-Autor unterwegs ist. Mit „weißer Weste“. Da kann so eine „verstörte“ auftauchende Tochter (mit extremen Brand-Narben) nur (öffentliche) Schwierigkeiten mit sich bringen. Eine seiner Privat- wie Dauerpatientinnen ist der alternde Hollywood-Star Havana Segrand (JULIANNE MOORE), die gegen ihr Auslauf-Image verzweifelt wie planerisch fightet. Dabei helfen – viele – Tabletten zur Gemütsregulierung. Als Havana die anscheinend gutmütige Agatha als persönliche Assistentin einstellt, ist die Hollywood-Crew der Bekloppten und Gemeinen komplett. Im furiosen Psycho-Attacken-Spiel mit- und gegeneinander. Und auch andauernd mit sich selbst.

Obwohl hier vieles glänzt, gibt es hier keine Gewinner. Kann es auch keine geben. Menschen, die ihr Leben nie wirklich leben, sondern nur behaupten; für DIE Schein immer besser ist als das Sein; die mit dem Gott Ruhm und Geld (bzw. umgekehrt) permanent kooperieren und dabei sämtlichst ihre Seelen anbieten / verkaufen, können nicht gewinnen. Außer für eine kurze Zeit. „Ich habe schon 13 gute Sommer hinter mir“, meint der ausgebrannte Benji, als er sich zum „Aussteigen“ begibt. Menschliche Abgründe tun sich auf. David Cronenberg erklärt und erzählt sie mit einem sagenhaften Ensemble-Personal. Deren Figuren-Dichte wirkt nie „gemacht“, sondern glaubhaft. In der Kälte, in dieser Prächtigkeit von psychischer Deformation. Dabei geht es Cronenberg & Wagner weniger als um eine allgemeine Anklage, sondern „lediglich“ um das gehobene intensive Trash-Schauen auf IHR „fiktives“ krankhaftes wie korruptes und zerstörerisches System Hollywood. Als vorzügliches Pfui-Deibel-Vergnügen. Mit bösem, listigem, weil SEHR unterhaltsamem Wahrheitsserum.

An der Spitze performed unvorstellbar eindringlich, präsent und großartig charismatisch-hässlich: JULIANNE MOORE. Wie SIE diese verzweifelte, teuflische, über“motorisierte“ Aktrice Havana Segrand präsentiert, ist widerlich-wunderbar-eindringlich. Ihr gewaltiger Mut zur Obszönität, Hässlichkeit und menschlicher Erbärmlichkeit ist wuchtig. Heftig. Imponierend. Und von ihr kommt auch der schlüssige Erklärungssatz für diesen phantastischen Alptraum über die Traumfabrik: „Alles ist irgendwie Recherche“. Im Frühjahr wurde Julianne Moore in Cannes als „Beste Schauspielerin“ hierfür ausgezeichnet, der „Oscar“ muss demnächst folgen. Wie sagt man so simpel: Allein ihre Darbietung ist (weit mehr) als das Eintrittsgeld wert: Eine überragende und nicht mehr zu vergessene Performance! (= 4 PÖNIs).